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dllLgetn-eine pUnatafdjrift 

für 
deutsche und schweizerische Garten- und Blumenkunde. 

Unter Mitwirkung 1 vieler 

Botaniker und Gärtner Deutschlands und der Schweiz 

herausgegeben 



Dr. Eduard Regel, 

Wissenschaftlichem Director des Kaiserlich Russischen Botanischen Gartens zu St.-Petersburg. 



Mitherausgeber für Deutschland 

E Jäger, 

Hofgärtner in Eisenach. 



Mitherausgeber für die Schweiz : 

E. Ortgies, 

Obergärtner am Botanischen Garten in Zürich. 



Redactor : 

Dr. H. Locher, 

Spitalarzt in Münsterlingen am Bodensee (Thurgau). 



Sechster Jahrgang. 




Erlangen, 1857. 
Verlag von Ferdinand Enke. 



5"go.SM3 



I. Origiiiaiabhandlungen 

1) Abgebildete Pflanzen, 
a) Villaresia grandiflora Fiscb. 

Siehe Tafel 180. 



I 1 i c i n e a e. 



Wir haben S. 61 des vorigen Jahrganges 
bereits diese schöne Dekorationspflanze 
beschrieben. Beistehend geben wir nun 
Abbildung von Blume und Frucht, wie 
solche noch unter den Auspizien des 
seligen Fi sc her im hiesigen Garten ge- 
macht ward. Wir wiederholen, dass diese 
Pflanze eine der brauchbarsten Dekora- 
tionspflanzenist, welche selbst die trockene 
Stubenluft der Petersburger Salons ohne 
Schaden erträgt und herrliche und dicht 
belaubte Büsche bildet. Vermehrung 
durch Stecklinge, welche jedoch oft lange 



im warmen Vermehrungsbeete stehen, 
ohne Wurzeln zu bilden. Dagegen ge- 
lingt die Veredlung auf die eigenen 
Wurzeln gut. Lockere Rasenerde, häufi- 
ges Verpflanzen, Stutzen der längeren 
Triebe und Standort bei 8—12° R. sind 
die Culturbedingungen. (E. R.) 

Erklärung der Tafel: 

a. Vergrösserte Blume von der «Seite. 

b. Die gleiche von oben. 

c. Fruchtknoten mit Kelch vergrössert. 

d. Früchte. 



b) Tydaea (bybr.) Rossiana Ortgies. 

(Siehe Tafel 181.) 



Gesneriaceae. 



Noch von den von Herrn Dr. Re- 
gel ausgeführten Befruchtungen herstam- 
mend, blühte diese niedliche, in Blatt 
und Blume gleich ausgezeichnete Hy- 
bride zuerst im Laufe vorigen Som- 
mers (1856). Die schön silbern geäder- 
ten , unterhalb matt violetten Blätter ver- 
rathen auf den ersten Blick die Ab- 
stammung von der Tydaea pieta 
Dcne. einerseits, wogegen die ganze 
I. 1857. 



Tracht, die langgestreckten, nicht ge- 
drängt kätzchenförmigen Stolonen , die 
schärfliche Behaarung und der Blüthen- 
bau andrerseits an T. ocellata Rgl. 
erinnern. Obgleich die Befruchtung, 
wie schon gesagt, nicht von uns selber 
ausgeführt wurde, haben wir doch nicht 
den geringsten Zweifel, dass unsere. T. 
Rossiana eine gute Hybride zwischen 
den genannten Arten ist , und hat un- 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



serer Meinung nach die T. ocellata die 
Mutterstelle vertreten. — Herr Dr. Re- 
gel wird übrigens gewiss die Güte ha- 
ben, unsere Behauptungen, wenn nöthig, 
zu berichtigen. Wir werden der Erste 
sein, ihm dafür Dank zu wissen, da es 
bei der jährlich anwachsenden Zahl von 
Gartenhybriden durchaus nothwendig ist, 
ihre Abstammung genau zu constatiren. 
Wir haben von diesem Bastarde fol- 
gende zwei Formen: 

1) Tydaea Rossiana concolor. 

Ein bis 3 Fuss hoher Halbstrauch, 
mit einfachen, unten verholzenden Sten- 
geln , wie die Blattstiele röthlich gefärbt, 
und mit weichen, abstehenden, weissen 
Haaren bekleidet. Blätter oval, an der 
Spitze nicht verschmälert, am Grunde 
ungleich, und die eine Blatthälfte mei- 
stens doppelt so breit als die andere; 
oberhalb schärflich behaart, mit silber- 
nem Adernetz, in der Zeichnung ähnlich 
der T. picta, unterhalb röthlich-violett. 



Blüthenstiel meistens am Grunde ge- 
theilt und zweiblumig; Kelchzipfel oval, 
die Röhre der Blumenkrone kurz, bau- 
chig mit weiter Mündung, dunkel Schar- 
lach , nach unten zu gelblich ; nicht ganz 
so stark gekrümmt, wie beiT. ocellata; 
der Saum zeigt auf einem gleichfarbigen, 
hochrothen Grunde eine feine und rei- 
che Zeichnung von kleinen, dunklen 
Punkten. — Antheren normal ausge- 
bildet, allem Anscheine nach mit ganz 
vollkommenem Pollen. 

2) Tydaea Rossiana lucida. 

Der Vorigen durchaus ähnlich bis 
auf die Blumen , deren Saum nicht gleich- 
farbig roth, sondern auf der unteren 
Hälfte vorwiegend gelb ist. 

Wir dediciren diese Hybride dem Hrn. 
N. Rossi, einem unserer italienischen Ge- 
schäftsfreunde und einem besonders en- 
thusiastischen Verehrer und Pfleger der 
schönen und reichen Familie der Ges- 
neriaceen. (E. 0.) 



c) Tydaea (hybr.) Lenneana Ortgies. 

(Siehe Tafel 182.) 
Gesneriaceae. 



Unser verehrter Vorgänger, Hr. Dr. 
Regel, hinterliess uns eine grosse An- 
zahl durch künstliche Befruchtung er- 
zielter Sämlinge, die damals noch nicht 
geblüht hatten. — Schon im Herbste 
1855 blühten einige sehr schöne Ba- 
starde aus dieser Anzucht, die , von Hrn. 
Prof. Heer beschrieben, in der Garten- 
flora (Taf. 154 und 155) abgebildet, 
und im Frühjahr 1856 von uns dem 
Handel übergeben wurden. — Ihnen 
folgt aus der gleichen Quelle die Ty- 



daea Lenneana, ein Bastard von T. 
Hillii und T. ocellata, wahrschein- 
lich diente erstere als Mutter. Wir muss- 
ten unter der Zahl der aus dieser Kreu- 
zung gefallenen Sämlinge folgende zwei 
Formen unterscheiden : 

1) Tydaea Lenneana viridis. 

Diese auf der beifolgenden Tafel ab- 
gebildete Form bildet einen aufrechten 
verästelten Halbstrauch, der bis 3 Fuss 
hoch wird und zahlreiche langgestreckte 



I. Originalabhandlungen. 



Stolonen treibt. Stengel und Blattstiele 
roth gefärbt, mit kurzen, anliegenden 
Haaren. Blätter länglich-oval, am Grunde 
schief eingesetzt und ungleich, vorne 
stark verschmälert, oberhalb schärflich 
behaart und gesättigt dunkelgrün, unter- 
halb blassgrün. Blumenstiele vom Grunde 
aus oder gegen die Mitte hin verästelt, 
meistens ßblüthig, kürzer als die Blät- 
ter. Kelchzipfel lanzettlich, schmäler 
als die der T. Hillii, aber breiter als bei 
T. ocellata. Blumenkrone bauchig und 
leicht gekrümmt, etwas kürzer und wei- 
ter als bei T. Hillii, leuchtend schar- 
lachroth ; Saum mit reicher, fast schwar- 
zer Zeichnung; Staubbeutel getrennt 
und steril. 



2) Tydaea Lenneana rutilans. 

Unterscheidet sich von der vorigen 
durch ein womöglich noch leuchtenderes 
Scharlach der Blumenröhre, und beson- 
ders dadurch, dass die Oberfläche der 
Blätter mit einem matten Silberglanz 
bedeckt ist , der nur am Rande die dun- 
kelgrüne Grundfarbe durchblicken lässt. 

Beide Formen nähern sich in der 
Tracht, in Form und Bekleidung der 
Blätter der T. ocellata, während der 
reiche , vielblumige Blüthenstand und die 
Blüthenform offenbar mehr zur T. Hillii 
hinweisen. 

Cultur die gleiche mit den übrigen 
halbstrauchigen Arten, die nie ganz ein- 
ziehen und auch im Winter gerne und 
willig blühen. (E. 0.) 



d) Calyptrostigma Middendorfiana C. A. M. 

(Siehe Tafel 183.) 



Lonicerae. 



Calyptrostigma Trautvetter 
et Meyer. 

Kelchröhre mit dem Fruchtknoten ver- 
wachsen, länglich, an der Spitze halsförmig 
verschmälert ; der zweilippige Saum des 
Kelches krönt den Fruchtknoten. Unterlip- 
pe bis fast zum Grunde zweilappig, die 
Oberlippe schwach oder bis zur Mitte 3 zäh- 
nig. Blumenkrone oberständig, röhrig, aus 
schmälerem Grunde gegen die Spitze 
hin aufgeblasen, mit 5 lappigem fast 2 
lippigem Saume, dessen Lappen stumpf. 
Fünf Staubfäden, die mit dem Grunde 
der Röhre verwachsen sind, unter sich 
frei und kürzer als die Blumenkrone. 
Antheren linear, unter sich mit des 
Griffels Spitze durch seitliche Haare 
verwachsen. Eine oberständige Drüse. 



Griffel fädlich mit schild-mützenförmiger 
grosser Narbe. Ein unterer Fruchtkno- 
ten, der zweifächrig, und in jedem Fache 
sehr viele hängende, an die Achse be- 
festigte langgestreckte Eier trägt. Sa- 
men länglich-linienförmig, plattgedrückt. 
Frucht eine längliche, geschnäbelte, 2 
fächrige, 2 klappige Kapsel. 
C. Middendorfiana. 
Die einzige Art der Gattung. Bildet einen 
niedrigen Strauch, der sich stark verästelt, 
und dessen junge Aeste auf jeder Seite 
einreihig behaart, später aber kahl sind. 

Die freudig grünen bis 3 Zoll langen 
und 1 !/ 4 Zoll breiten Blätter sind oval- 
lanzettlich, fast gefaltet, spitzlich, gesägt, 
haarig-gewimpert, beiderseits kahl. Blu- 
men in 3 — 4 blumigen Corymben auf 

1 * 



4 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



den Spitzen der Zweige oder achsel- 
ständig, gestielt, meist kürzer als die 
Blätter. Die Blüthenstielchen tragen 
lineare Bracteen, welche wie die linear- 
lanzettlichen oder lanzettlichen Kelch- 
lappen am Rande haarig gewimpert, die 
Letzteren 3 mal kürzer als die Blumen- 
röhre. Staubfäden am Grunde haarig; 
die Antheren ebenfalls wimperhaarig, und 
durch diese Haare unter sich und mit 
der Griffelspitze verfilzt, jedoch keinen 
Cylinder bildend, sondern zwischen je 2 
Antheren nicht verbunden. Blumen 
blassschwefelgelb , innerhalb safrangelb 
punktirt, 1% Zoll lang, und der Saum 
hält kaum 1 Zoll im Durchmesser. 

Ausser dieser Stammart besitzen wir 
noch eine schöne Abart, die wir als 
Var. bicolor aufführen. Die Blumen 
derselben sind etwas kürzer, und der 
untere Theil des Schlundes ist schön 
purpur gefärbt und gezeichnet. 

Die Calyptrostigma Midden= 
dorfiana ist ein ganz vollkommen har- 
ter Strauch von 2 — 3 Fuss Höhe, der im 
ersten Frühling mit seinen schönen Blu- 
men sich bedeckt. Er ward von dem 
Hrn. v. Middendorf, Staatsrath und Aka- 
demiker in Petersburg, im östlichsten 
Sibirien entdeckt, und von Trautvetter 
und Meyer unter den von ihm aufge- 
fundenen Pflanzen in Middendorfs Reise 
nach Sibirien beschrieben. Ausserdem 
finden sich im Bulletin der Petersburger 
Akademie Jahrg. 1855. p. 217, auch 
noch von C. A. Meyer speziellere Nach- 
weise über diese herrliehe Pflanze. Die- 
selbe ward fast gleichzeitig auch von 
Dr. Tiling in der Gegend von Ajan 
im östlichen Sibirien aufgefunden, und 
davon Samen dem hiesigen Garten mit- 



getheilt. Daher stammen denn auch alle 
Pflanzen derselben , die neuerlich als 
Weigela Middendorfiana verbreitet wur- 
den. Freilich sind unter diesem Namen 
auch viele falsche Pflanzen vertheilt 
worden. 

Unsere ächte Pflanze ist jedenfalls in 
den Gärten noch sehr selten, wenn gleich 
sie von hier schon vielfach abgegeben 
ward. Der Grund davon liegt darin, 
dass die Pflanzen behufs schneller Ver- 
mehrung gemeiniglich warm gestellt wer- 
den und dann als Bewohner des hohen 
Nordens schnell zu Grunde gehen. Ver- 
mehrung durch Stecklinge und Samen, 
den diese Pflanze reichlich trägt. Die 
ausgezeichnet schöne Abart ward eben- 
falls durch Samen direkt eingeführt und 
besitzt diese der hiesige Garten bis jetzt 
noch allein. 

Die Gattung Calyptrostigma ist 
von der verwandten Diervilla gut ge- 
schieden. Die Gattung Weigela ward 
dagegen neuerlich mit Diervilla wieder 
verbunden. Der Habitus spricht gegen 
diese Vereinigung, und der Unterzeich- 
nete gehört zu denen, welche glauben, 
dass Unterschiede in der ganzen Tracht 
für natürliche gute Gattungen wichtiger 
als künstliche sind. (E. R.) 

Erklärung der Tafel 183. 

Die grosse Figur ist ein Ast in natürlicher 
Grösse. Rechts oben 2 Blumen der Abart, 
die wir Var. bicolor nennen, a. Ein Kelch in 
natürlicher Grösse, b. Die Spitze eines Frucht- 
knotens mit Drüse, Griffel und Narbe, c. Die- 
selbe mit Staubfäden und Griffel vergrössert, 
die Slaubfäden der abgeschnittenen Blumen- 
krone angewachsen. Die Narbe die unter sich 
verfilzten Antheren deckend. (E. R.) 



I. Origina'abhandlungen. 5 

9) Die Cycadeen des Botanischen Gartens in Petersburg, 



Die Familie der Cycadeen gehört zu 
jenen eigentümlichen Typen, die in 
der Pflanzenwelt der Jetztzeit ohne nahe 
Verwandte dastehen. Dagegen finden 
sich unter den Pflanzenformen der Vor- 
welt eine grosse Zahl von Formen, die 
theils zur gleichen Familie gehörten, 
theils eine nahe verwandte Familie, die 
der Lepidodendreae , bildeten, welche 
den frühesten Perioden der Schöpfungs- 
geschichte unseres Erdballs und vor- 
zugsweise der Kohlenperiode angehört. 

Die Stellung dieser Familie im na- 
türlichen Systeme war lange schwankend. 
Blumen und Fruchtbildung steht der der 
Coniferen sehr nahe , dagegen erinnert 
die Entwickelung der Wedel, Bau des 
Stammes, Befestigung der Blumen an 
die Farren. 

Nach der bis jetzt gebräuchlichen 
Anordnung unserer natürlichen Systeme 
wurden nun aber die Coniferen der 
Gruppe der Dicotyledonen einverleibt 
und so durch die Gruppe der Monoco- 
tyledonen von den Farren geschieden, 
weshalb eine durchaus natürliche Stel- 
lung der Cycadeen nicht gefunden wer- 
den konnte. 

Die Forschungen der Neuzeit haben 
uns nun aber einestheils einen viel kla- 
reren Blick in die Befruchtungsgeschichte 
und die Entwickelung des Embryos der 
Familien der Phanerogamen geöffnet 
und uns gezeigt, dass diese Vorgänge 
die wichtigsten Momente zur Gliederung 
eines natürlichen Systems an die Hand 
geben, — anderntheils haben uns aber 
auch die Forschungen über die Ent- 
wickelungsgeschichte unseres Erdballs 
und die Vegetationsdecke, welche in den 
verschiedenen Zeiten denselben bedeck- 
ten, nicht minder wichtige Anhaltspunkte 
über die höhere oder niedrigere Ent- 



wickelung der jetzt lebenden Pflanzen 
aufgedeckt. 

In ersterer Beziehung ist die Familie 
der Coniferen als diejenige erkannt wer- 
den, die durch Bildung eines Vorkeims 
den Gefäss-Cryptogamen zunächst steht. 
In letzterer Beziehung hat es sich klar 
herausstellt, dass in jeder der jüngeren 
Schöpfungsperioden immer vollkomme- 
nere Pflanzenformen auftreten und das3 
zur Zeit, als die Erde sich zuerst mit 
Vegetation bedeckte, vorzüglich die un- 
vollkommeneren Gewächse, wenn gleich 
zum Theil in gigantischen Baumformen, 
es waren , die unsere Erde bekleideten. 
Auch in dieser Beziehung gehören die 
Coniferen zu denjenigen Pflanzen, die 
in die frühesten Perioden unserer Schö- 
pfungsgeschichte hinaufreichen. Aus bei- 
den Gesichtspunkten dürften daher die 
Coniferen für die Folge eine eigene 
grosse Gruppe bilden, welche zwischen 
Gefässcryptogamen und Monocotyledo- 
nen zu stellen wäre. Entweder zwischen 
Coniferen und Selaginellen , oder selbst 
den Coniferen sich anschliessend, wür- 
den dann auch die Cycadeen eine durch- 
aus natürliche Stellung finden. 

In der Vorzeit scheinen die Cycadeen 
unter dem Einfluss eines wahrscheinlich 
gleichmässigeren und wärmeren Klimas 
über die ganze Erde verbreitet gewesen 
zu sein. Jetzt sind sie auf die Länder 
der warmen Zone und der subtropischen 
Zone des südlichen Afrika's und Neu- 
holland's beschränkt, in Europa wächst 
aber keine Art der ganzen Familie. Da 
man jetzt überhaupt in Gewächshäusern 
mit sehr richtigem Verständniss vorzüg- 
lich dahin strebt, eine möglichst reiche 
Sammlung der wichtigsten Typen des 
Gewächsreiches zu cultiviren, so ver- 
dienen daher aus diesem Gesichtspunkte 



6 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



die Cycadeen ganz besondere Berück- 
sichtigung. Ist es nun auch bei der 
Seltenheit vieler Arten dieser Familie 
nicht leicht , eine ziemlich vollständige 
Sammlung dieser interessanten Pflanzen 
anzubahnen, so sollte man wenigstens 
dahin streben, einzelne Arten in mög- 
lichst vollkommenen Exemplaren zu cul- 
tiviren. Da die ansehnlicheren Cyca- 
deen durch ihre herrliche Wedelkrone 
auf dickem Stamme auch ausserdem nicht 
blos interessant, sondern auch wahrhaft 
imposant und schön sind, so bilden sie 
in öffentlichen undPrivatiammlungen eine 
der schönsten Zierden des Warmhauses. 

Die Cycadeen theilen sich in solche 
Arten, die mit der Zeit einen dicken, 
meist einfachen niedrigen Stamm bilden, 
und in solche, welche niedrig bleiben 
und vom Grunde aus sich oft verästeln. 
Ueppig entwickelte Exemplare besitzen 
durchaus die Tracht einer Palme: oben 
die schöne Wedelkrone, getragen von ei- 
nem niedrigen dicken Stamme. 

Der Stamm besteht, ähnlich, wie der 
Stamm der Farren, aus einem äusseren 
Holzcylinder , welcher eine mächtige 
stärkmehlhaltige Markschicht umschliesst, 
und nach aussen von den Resten oder 
Narben der Wedel bedeckt ist. Ueber 
die Bildung der Elementarorgane des 
Stammes dieser interessanten Pflanzen 
haben A. Brongniart, Mohl, Link, Schultz, 
D. Don und zuletzt Miquel ihre Unter- 
suchungen bekannt gemacht. 

Die Wedel sind bei allen bekannten 
Arten fiederschnittig, meist dick und 
lederartig; die Fiederblättchen von ver- 
schiedener Form , parallelnervig und oft 
gezähnt. Scheint diese Blattform auch 
weit von den Coniferen abzuweichen, so 
nähert sie sich ihnen dennoch in ein- 
zelnen Formen wieder bedeutend, so z. 
B. bei Dammara und Phyllocladus. ,Die 
Eutwickelung ist gemeiniglich wie bei den 



Farren, nämlich spiralig aufgerollt; sel- 
tener ist diese Entwickelung nur ange- 
deutet, so bei Encephalartos, und aus- 
serdem finden sich gemeiniglich später 
abfallende Spreuhaare und Spreublättchen 
an den in der Entwickelung begriffenen 
Wedeln. Die Blumen sind zweihäusig 
und finden sich in zapfenförmigen oder 
schopfförmigen Bhithenständen , die ein- 
zeln oder zu mehreren aus der Spitze des 
Stammes hervorbrechen. Sie bestehen 
aus einer Achse, welche umgewandelte 
Wedel in Schuppenform trägt, die so 
dicht gestellt sind , dass sie meist ein- 
ander decken und nur die Spitze frei 
bleibt. Auf der unteren Seite sind in 
den männlichen Zapfen diese Schuppen 
zum Theil ganz mit den nackten An- 
theren bedeckt, bei den weiblichen Za- 
pfen findet sich aber, ebenfalls auf der 
unteren Seite derselben, auf jeder Seite 
ein , oder einige nackte Eier. Miquel in 
seiner Monographie der Cycadeen giebt 
über diese Verhältnisse ausführlichen 
Nachweis. 

Ueber die Entwickelung des Eies 
zum Samen wissen wir noch nichts ; es 
ist aber sehr wahrscheinlich, dass hier 
sich ähnliche Verhältnisse wie bei den 
Coniferen finden. Da jetzt zahlreiche 
Exemplare beider Geschlechter sich in 
den verschiedenen Gärten finden, so ist 
es wahrscheinlich, dass wir auch hier- 
über bald ins Klare kommen werden. 

Die grösseren und ansehnlicheren Ex- 
emplare von Cycadeen, die sich in den 
Gärten Europa's finden, sind sämmtlich 
als Stämme aus ihrem Vaterlande ein- 
gesendet worden. Es ist dieses sehr 
leicht, da man dieselben, ihrer Wurzeln 
und Blätter beraubt und zwischen Hobel- 
späne in Kisten verpackt , ohne Gefahr 
auf weite Entfernungen versenden kann. 
Im Garten unterm Einfluss einer zweck- 
mässigen Cultur bilden sie dann schnell 



I. OriginalabhandJungen. 



wieder Wurzeln und Wedel. So sind 
früher durch Eckion und Zeyher die 
Cycadeen Südafrika's in vielen herrlichen 
Exemplaren in unsere Gärten einge- 
wandert. In neuerer Zeit erhielten wir 
dagegen auf ähnliche Weise zahlreiche 
Exemplare von Ceratozamia, Dioon und 
Zamia aus Amerika. Auch die Samen, 
welche aus dem Vaterlande kommen, 
keimen leicht und sicher und liefern 
bald schöne Exemplare. 

Ausserdem bilden kräftige Exemplare 
der Cycadeen auch seitlich aus dem 
Grunde ihres Stammes oft Seitentriebe, 
die sich dann zunächst knollig verdicken 
und später abgenommen, selbst wenn 
sie noch keine Wurzeln besitzen sollten, 
sicher weiter wachsen, sofern sie in eine 
leichte sandige Erde gepflanzt, in feucht- 
warme Temperatur gestellt, aber sonst 
trocken gehalten werden. Auch aus den 
Stämmen alter Exemplare, namentlich 
wenn das Spitz enwachsthum durch das 
Erscheinen von Blumen oder anderwei- 
tige Umstände beeinträchtigt wurde, bil- 
den sich seitlich zwischen den alten, 
den Stamm umkleidenden Schuppen, 
häufig Knospen, die sich jedoch gemei- 
niglich nur bis zu kleinen zwiebelartig 
verdickten Zweigansätzen vergrössem 
und dann zu wachsen aufhören. An zwei 
alten Stämmen von Cycas revoluta, die 
schon öfter geblüht haben, zeigte sich 
im hiesigen Garten diese Erscheinung, 
und es gelang mir, auf diese Weise eine 
Menge junger Pflanzen zu erhalten. 

Die Knospenbüdung aus dem Grunde 
des Stammes, der wir so eben gedach- 
ten, scheint bei allen Cycadeen vor- 
kommen zu können, besonders häufig 
ist sie bei Encephalartos horridus, von 
dem wir auf diese Weise eine Menge 
schöner junger Pflanzen erhielten, aus- 
serdem kommt sie bei der grössten Zahl 
der nur niedrige Stämme bildenden klei- 



neren Cycadeen und bei allen anderen 
hier und da vor. Im hiesigen Garten 
konnten z. B. in diesem Jahre Cera- 
tozamia Küsteriana, Cycas revoluta, 
Encephalartos caffer, horridus, Leh- 
manni, Zamia Fischeri u. a. auf diese 
Weise vermehrt werden. 

Zuweilen verästeln sich auch einzelne 
Exemplare, so thut dies z. B. zuweilen 
Cycas revoluta, Zamia integrifolia , Fi- 
scheri u. a. In den meisten Fällen wird 
man solche Exemplare als Merkwürdig- 
keiten gern behalten , doch kann man 
die Aeste auch ebensowohl abschneiden 
und zu jungen Pflanzen heranziehen. 

Endlich ist es auch bekannt, dass 
die Schuppen des Stammes, mit Holz 
ausgeschnitten, das Vermögen besitzen, 
Adventivknospen zu entwickeln, wenn 
man dieselben in Sand legt und feucht- 
warm, aber sonst trocken stellt. Die 
Adventivknospen erscheinen dann, so- 
weit ich dieses beobachtete, am Grunde 
der Schuppe auf der obern Seite; da 
man aber, um auf diese Weise junge 
Pflanzen zu erhalten, einen alten Stamm 
opfern muss, so entschliesst man sich ge- 
meiniglich nur dann zu diesem Verfah- 
ren, wenn eine ältere Pflanze kränkelt. 
Ob Schuppen ohne altes Holz ebenfalls 
Augen bilden, darüber fehlen mir die 
Beobachtungen. Ebenso darüber, ob 
aus abgenommenen Wurzeln sich Knos- 
pen bilden können. In dieser letzteren 
Richtung sind bei uns Versuche gemacht 
worden, deren Resultat wir später mit- 
theilen wollen. Bei einer mit der Mut- 
terpflanze noch verbundenen Wurzel von 
Zamia calöcoma beobachtete ich dieses 
Jahr bereits Knospenbildung. 

In Cultur lieben die Cycadeen eine 
Mischung aus halb lehmiger Rasenerde 
und halb Heideerde nebst Zusatz von 
einer genügenden Menge Sand. Durch- 
aus schwere Erden sagen ihnen weniger 



8 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



zu und ganz leichte Erden sind nicht 
nahrhaft genug. — 

Wir gehen nun nach diesem kurzen 
Vorhericht über diese interessante Fami- 
lie zu der Sammlung derselben, die sich 
in unserm Institute befindet, über. Die- 
selbe bildet eine der werthvollsten und 
schönsten Sammlungen unseres grossar- 
tigen Institutes, eben so reich an alten 
schönen Exemplaren als an vielen aus- 
gezeichneten Seltenheiten, unter denen 
mehrere durchaus neue unbeschriebene 
Arten. Wir wollen sowohl eine kurze 
Schilderung unserer Sammlung als die 
Beschreibung der neuen Arten geben. 

Cycas L. 

Die Gattung Cycas bewohnt Ostin- 
dien, das subtropische Afrika, das sub- 
tropische Neuholland und die Inselgrup- 
pen, die zwischen dem südlichen Asien 
und Neuholland liegen. Es sind nied- 
rige Bäume mit dickem palmenartigem 
Stamme. Fiederblättchen linear. Cha- 
rakteristisch für die Gattung Cycas ist 
die Bildung der weiblichen Blüthen, 
welche schopfförmig und durchwachsend 
sind; die den Schopf bildenden Schup- 
pen sind hier verlängert - spateiförmig 
und fragen auf den beiden Rändern 2 
bis mehrere Kerbzähne, in deren Win- 
kel sich immer je ein Ei entwickelt, so 
dass jede weibliche Schuppe (Fruchtblatt) 
4 bis mehrere Samenknospen trägt. 

Auf Tafel 184 Fig. 7 ist eine einzelne 
Blüthenschuppe von Cycas angulata in 
natürlicher Grösse , nach Miquel (Mo- 
nogr. Cyc.) dargestellt. 

Der Zapfen der männlichen Blume, 
ist meist sehr gross, oft bis 2 Fuss 
lang. Tafel 184 Fig. 6 ist die Spitze ei- 
nes männlichen Zapfens des Cycas cir- 
cinalis, nach einem im hiesigen Garten 
blühenden Exemplare , in natürlicher 
Grösse. Die einzelnen Schuppen des- 



selben sind fleischig, dick, liegen dicht 
über einander . sind länglich - keilförmig, 
an der Spitze in eine aufwärts gerich- 
tete hornförmige Verlängerung ausge- 
hend , und tragen auf ihrer ganzen un- 
teren Fläche Antheren. Tafel 184 Fig. 1 
ist eine solche einzelne männliche Schup- 
pe von der unteren mit Antheren be- 
deckten Seite in natürlicher Grösse dar- 
gestellt. Die einzelnen Antheren stehen 
zu 2, 3 und 4 beisammen, wie dies 
Fig. 2 und 3 der gleichen Tafel in 
schwacher Vergrösserung zeigt, und sind 
von eigenthümlichen Haaren, welche die 
ganze Schuppe bekleiden, umgeben. Diese 
Haare bestehen aus lang gestreckten ein- 
fachen Zellen, die mit einem gelblichen 
öligen Inhalt gefüllt sind , sind hin- und 
hergebogen und besitzen Anschwellun- 
gen und knieförmige Biegungen, denen 
ein dickerer Inhalt etc. entspricht. Fig. 9. 
Tafel 184 ist ein Stück eines solchen 
Haares, bei 450 maliger Vergrösserung. 
Die Antheren springen später mit ei- 
nem Längsriss auf, und lassen den zu 
einer Masse zusammen geballten Pollen 
hervortreten, wie dies Fig. 4 der glei- 
chen Tafel in einer 50fachen Vergrösse- 
rung einer Gruppe von 4 Antheren zeigt. 
Die Pollenkörner unserer Pflanze waren 
nicht vollkommen ausgebildet und zeig- 
ten über ebener Grundfläche eine halb- 
kugelige Gestalt, wie dies Fig. 5 der 
gleichen Tafel bei 450 maliger Vergrös- 
serung und verschiedener Stellung zeigt. 
Die Bildung des Eies werden wir bei 
einer andern Gattung betrachten. Die 
Entwicklung des Embryo's ist noch nicht 
bekannt Der Embryo im reifen Samen 
ist von einem grossen Eiweisskörper 
umschlossen und an seiner Basis an ei- 
nem Embryoträger befestigt. Tafel 184 
Fig. 8 ist ein Durchschnitt des Eiweiss- 
körpers mit dem Embryo von Cycas me- 
dia in natürlicher Grösse. An der 




Taf. UO 



Tat. ■ 





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V 




Taiberäi v A Kort XA$ 



I. Originalabhandlnngen. 



Spitze sieht man den Embryo in 2 Co- 
tyledonen getheilt und am Grunde geht 
er in den fadenförmigen Embryoträger 
aus. 

Bekannt ist es ausserdem, dass 
bei den Cycadeen auch Polyembryonie 
vorkömmt. 

Wir werden später sehen , dass das 
Ei der Cyadeen dem der Coniferen ähn- 
lich ist. Polyembryonie und der Embryo- 
träger erlauben dann ausserdem den 
Schluss , dass die Entwicklung des Em- 
bryos gleichfalls ähnlich sein dürfte, wo- 
bei ich auf Pag. 382 des ersten Thei- 
les meines Gartenbuches verweise. Hier 
will ich nur bemerken, dass hier öfters 
scheinbar ausgebildete Samen geerndtet 
worden sind, dass diese aber als unbe- 
fruchtet keinen Embryo enthielten. 

Die Keimung ist durchaus denjenigen 
Pflanzen der Monocotyledonen (Canna) 
und Dicotyledonen (Aesculus, Tropaeo- 
lum) analog, wo die Samen in der Erde 
liegen bleiben, die Cotyledonen vom 
Samen umschlossen bleiben und das erste 
Knospchen aus der Scheide des Coty- 
ledons, oder zwischen den beiden Coty- 
ledonarstielen sich erhebt. Wir gehen 
nun zu den Arten der vorliegenden 
Gattung über. 

H. Wendland führt in seinem In- 
dex Palmarum etc. 8 Arten der Gattung 
Cycas als in den Gärten Europa's culti- 
virt auf. Der Petersburger Garten kulti- 
virt hiervon jedoch nur 2 Arten, näm- 
lich: 

Cycas revoluta Thbrg. der aus 
Japan stammt, und Cycas circinalis 
L., dessen Vaterland Ostindien ist. Diese 
sind aber in schönen Exemplaren mit (zum 
Theil bis 6 Fuss) hohen Stämmen mit 
mächtiger Wedelkrone vorhanden. Von 
C. circinalis hatte ein kleineres Exem- 
plar im letzten Sommer eigentümlich 
umgeformte Wedel gebildet, indem die 



Fiederblättchen zusammenflössen und nur 
mit den Spitzen frei waren. Jetzt ent- 
wickeln sich am gleichen Exemplare 
aber wieder- durchaus regelmässige We- 
del, während ein grosses männliches 
Exemplar von C. circinalis in Blüthe 
steht. 

Encephalartos Lehm. 

Die Arten dieser ausgezeichneten 
Gattung bewohnen das südliche subtro- 
pische Afrika und zwar vorzugsweise 
das Caffernland: dicke oft ziemlich hohe 
oder dicke kurze mit Schuppen bedeckte 
Bäume mit mächtiger Wedelkrone, de- 
ren Fiederblättchen meist von breiterer 
Form und oft stachelig gezähnt, zeich- 
nen diese Gattung aus. Charakteristisch 
ist für dieselbe die Blumenbildung bei- 
der Geschlechter. Die Schuppen des 
männlichen Zapfens sind keilförmig mit 
verdickter steriler, gerader, schildförmi- 
ger oder stumpfer oder zugespitzter 
Spitze und tragen auf ihrer ganzen un- 
teren Fläche die Antheren. Die Schup- 
pen des weiblichen Zapfens sind am 
Grunde stielförmig verdünnt und an der 
Spitze in einen viereckigen, flachen, rhom- 
boidischen Schild ausgebreitet. Auf der 
untern Seite dieser schildförmigen Aus- 
breitung findet sich auf jeder Seite ein 
Ei. — Tafel 185 Fig. 10 giebt eine männ- 
liche Schuppe von Encephalartos Frie- 
dend Guielmi nach Lehmann; Fig. 11 
ist eine etwas vergrösserte aufgesprun- 
gene Anthere der gleichen Pflanze, und 
Fig. 12 die Schuppe eines weiblichen 
Zapfens mit den beiden Eiern in Le- 
bensgrösse. 

H. Wendland führt 12 in Euro- 
päischen Gärten kultivirte Arten auf. 
Von diesen besitzt der hiesige Garten 
bis jetzt 7 Arten. Darunter sind beson- 
ders ausgezeichnet : ein 6 Fuss hoher und 
1 Fuss dicker Stamm des Encephalartos 
eaffer Lehm. , welches der hiesige Gar- 



10 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



ten durch Eckion erhielt und das den 
Blätternarben nach, die den Stamm 
decken, über 200 Jahre, (nach Fischer' s 
Berechnung sogar 500 Jahre) alt sein 
mag. Die Wedelkrone ist bei diesem 
mächtigem Stamme jedoch nicht grös- 
ser als bei jungen Exemplaren. Sehr 
nah verwandt mit E. caffer sind E. 
lanuginosus Lehm, und E. longifolius 
Lehm. In der Wedelform dieser liest 
kaum ein Unterschied; denn ich habe 
hier an einer und derselben Pflanze aus 
jeder der 3 Arten ziemlich stumpfe, ferner 
ganzrandige, oder auf der obern Seite 
mit 1 — 2 Zähnen versehene Blätter 
beobachtet. Für E. lanuginosus ist die 
wollige Umhüllung des Stammes oder 
der Stammspitze charakteristisch. E. lon- 
gifolius weiss ch nur durch den Habi- 
tus zu unterscheiden. Unser Exemplar 
besitzt jetzt noch einen dicken, fast ku- 
geligen Stamm, wie ihn E. caffer auch 
im Jüngern Zustande nicht zu bilden 
scheint. Wahrscheinlich ist es jedoch, 
dass E. longifolius als Art kaum zu hal- 
ten sein dürfte. 

Eine schöne ausgezeichnete Art ist 
E. Altensteinii Lehm, mit den 
schmal lanzettlichen, scharf gespitzten 
beiderseits dornig gezähnten Fiederblätt- 
chen. Der hiesige Garten besitzt ein 
ganz ausgezeichnetes Exemplar mit un- 
gefähr 2 Fuss hohem Stamm und beson- 
ders reicher üppiger Wedelkrone, das 
zum höchsten Schmucke unseres Cyca- 
deenhauses dient. — Eine nicht minder 
schöne und ausgezeichnete Art ist E. 
Lehmanni Eckl., mit den blaugrünen 
Wedeln und den linear lanzettlichen, 
spitzen ganzrandigen Fiederblättchen. 
Einige prächtige Exemplare gereichen 
unserer Sammlung zur Zierde. 
Macrozamia Miq. 

Die Arten dieser Gattung sind im 
warmen Theile Neuhollands zu Hause. 



Tracht wie bei Cycas. Schuppen des 
männlichen Zapfens keilförmig, vorn mit 
steiler aufwärts gebogener Spitze. Trägt 
die Antheren auf der untern Seite zu 
beiden Seiten der Mittelrippe, Schuppen 
des weiblichen Zapfens schildförmig und 
vorn gespitzt, am Grunde 2 Eier tra- 
gend. Fig. 13 ist die männliche Schuppe 
von Macrozamia Preissii (nach Miquel 
Linnaea IXX.). Man sieht, dass die 
Spitze der Schuppe charakteristischer 
als die Vertheilung der Antheren ist. 
Fig. 15 eine geplatzte vergrösserte An- 
there der gleichen Pflanze. Fig. 14 eine 
weibliche Schuppe der gleichen Pflanze 
in Lebensgrösse , am Grunde die beiden 
Eier tragend. 

Von den zwei in den Gärten befind- 
lichen Arten kultiviren wir Macroza- 
mia spiralis Miq. Dieselbe wird 
ganz warm gehalten, befindet sich aber 
in einem weniger gedeihlichen Zustande 
und scheint daher im temperirten Hause 
gehalten werden zu müssen. Form- und 
Fiederschnitt der Blätter erinnert ganz 
an eine Cycas. 

Dioon Lindl. 

Eine Gattung, von der alle bis jetzt 
bekannten Arten Mexiko bewohnen. Bil- 
den, wie es scheint, sämmtlich nur einen 
niedrigen, entweder cylindrischen oder 
ovalen (vielleicht auch nur in der Jugend 
ovalen) Stamm. Blumen des männlichen 
Zapfens sind noch unbekannt. Die weib- 
lichen Schuppen gehen in eine lange 
trockne Schuppe aus. Der Fruchtzapfen 
von D. mexicanum ist von ovaler Ge- 
stalt, dicht wollig bekleidet und besitzt 
gestielte, tiefherzförmige und zugespitzte 
Schuppen, die aussen dicht wollig be- 
kleidet, innen kahl und am Grunde an 
jeder Seite einen Samen tragen. Stamm 
an der Spitze wollig behaart, Wedel ge- 
fiedert , kurz gestielt. Fiederblättchen 



I. Originalabhandlungen. 



11 



linear, stechend mit breiter Basis an der 
Rhachis herablaufend und trocken, arti- 
kulirt. 

Bekannt und in den Gärten allge- 
mein verbreitet ist das schöne Dioon 
edule Lindl., von welchem der hie- 
sige Garten eine grosse Menge prächti- 
ger durch Karwinsky eingeführter Ex- 
emplare kultivirt. Es gehört dieses 
zu den schönsten Cycadeon und kann 
auch im temperirten Hause kultivirt wer- 
den. 

Lepidozamia, Regl. 

Wir bilden dieses neue Genus nach 
einer Pflanze, die von Karwinsky aus 
Mexiko eingeführt ward, und die ein 
wahres Prachtstück unserer Cycadeen-* 
Sammlung bildet. 

Blumen sahen wir von derselben 
noch nicht. Sie lässt sich aber keiner 
der bestehenden Gattungen einverleiben. 
Die Stammbildung und Tracht ist ganz 
wie bei Ceratozamia, nämlich ein nied- 
riger rundlicher Stamm, der ganz mit 
Schuppen bekleidet ist und seitlich an 
der Basis des Wedelstiels nur 2 kurze 
schuppenartige Blättchen trägt, welche 
später verschwinden. Bei den Zamien, 
selbst bei den kleinen niedrig bleiben- 
den Arten, sind diese Blättchen dick und 
lang zugespitzt und der Stamm ist 
kahl, indem keine Schuppen densel- 
ben decken, sondern nur die Narben 
der Blätter den Stamm bedecken. Die 
Wedel sind so lang gestielt und hängen 
so grazil über wie die Ceratozamien, 
am Grunde derselben 2 stigelförmige flei- 
schige Schuppen ; die linearen Fiederblätt- 
chen laufen aber am Wedelstiel herab 
und sind auch im trocknen Zustand nicht 
artikulirt. Unterscheidet sich also durch 
den beschuppten Stamm durch nicht 
artikulirte Blättchen und langgestielte 
überhängende Wedel von Dioon , von 



Ceratozamia durch herablaufende nicht 
artikulirte Blättchen und von Macroza- 
mia durch freie stigelförmige Schuppen. 
Die Blüthenbildung wird diesen Unter- 
schieden wohl noch andere hinzufügen. 
Wir glaubten anfänglich, diese Pflanze 
unseres Gartens zur Gattung Dioon 
ziehen zu können; schickten aber, um 
sicher zu gehen, einen Wedel der- 
selben dem ausgezeichneten Monogra- 
phen dieser Gattung , Herrn Prof. Miquel, 
zu. Derselbe erklärte uns, dass sie 
nicht zu Dioon gezogen werden könne, 
sondern eher zu Zamia gehöre, oder, 
wenn dies nicht der Fall sei, wohl eine 
neue Gattung bilden müsse. Gegen 
Zamia sprechen nun die oben angege- 
benen Gründe, und so erhoben wir sie 
zum Typus einer neuen Gattung. 

Die einzige bis jetzt bekannte Art 
nennen wir nach dem Manne, dem un- 
ser Garten so unendlich viel zu danken 
hat, nämlich nach Sr. Erlaucht, dem 
Herrn Minister der Apanagen , Grafen 
von Peroffsky, und fügen derselben die 
folgende Beschreibung hinzu. 

L. Peroffsky ana. 
(Tafel 186 Fig. a. b.) 

Caudice crasso," subgloboso, abbre- 
viato , frondium basibus vestito , glabro ; 
frondibus longe stipitatis; stipite rhachi- 
que semitereti, inermi, glabro, rhachi 
supra unisulcata; foliolis suboppositis, 
plus minus approximatis, subaequilateris. 
falcatis v. strictis, coriaceis, elongato 
lineari-lanceolatis, longe attenuatis, spi- 
noso acutissimis , basi anguste decurren- 
tibus. 

Eine herrliche Pflanze , deren Stamm 
zwar nur 2 / 3 Fuss hoch ist, deren bis 
6 Fuss lange Wedel dagegen in reicher 
Fülle nach allen Seiten abstehen, um 
dann an den Spitzen sich wieder grazil 



12 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



herab zuneigen. Der ovale Stamm ist 
kahl, bis zum Grunde mit den Resten 
der Wedelstiele besetzt. Der Wedelstiel 
ist bis 2 Fuss lang, halbsti eirund, wie 
die gleichgestaltete oben ausgehöhlte 
Rhachis kahl und ohne Stacheln; die 
Rhachis tritt an der Spitze kurz über 
die Fiederblättchen hervor. Die Fieder- 
blättchen stehen fast gegenüber, sind 
einander mehr oder weniger genähert 
(unten stehen sie so weit aus einander 
als sie breit sind , nur nach oben stehen 
sie dichter, und an einem Blatte unserer 
Pflanze stehen sie so dicht, dass sie 
einander mit den Blatträndern decken), 
fast gleichseitig, gemeiniglich schön si- 
chelförmig und nur seltner gerade, le- 
derartig flach, am Rande nicht zurück- 
gerollt, verlängert linien- lanzettlich, (bis 
12 Zoll lang und % Zoll breit), lang 
zugespitzt, in eine stachelförmige scharfe 
Spitze ausgehend, am Grunde bis zum 
folgenden Blatte herablaufend, selbst 
trocken nicht artikulirt, oberhalb glän- 
zend dunkelgrün mit undeutlichen Ner- 
ven, unterhalb heller mit hervortreten- 
den Nerven. — Der hiesige Garten be- 
sitzt nur ein einziges Exemplar von die- 
ser Pflanze. Tafel 186 Fig.23 ein einzel- 
nes Fiederblättchen in natürlicher Grösse. 
Fig. 31 ein Stückchen eines Wedels in 
halber Grösse. 

Ceratozamia A. Brongn. 

Die bis jetzt bekannten Arten dieser 
Gattung bewohnen ebenfalls ausschliess- 
lich Mexiko und Bolivia. Alle besitzen 
einen niedrigen dicken im Vaterlande wie 
es scheint gemeiniglich niederliegenden 
Stamm, der eine mächtige Krone lang 
gestielter an der Spitze grazil herabgebo- 
gener Wedel trägt. Fiederblättchen linear, 
verlängert-linear oder länglich lanzettlich 
am Grunde verschmälert und artikulirt. Die 



Schuppen des männlichen Zapfens keil- 
förmig oder länglich und an der sterilen 
Spitze zweihörnig, unterhalb auf der 
ganzen Fläche des untern Theils der 
Schuppe die Antheren tragend. Die 
Schuppen des weiblichen Zapfens ellip- 
tisch, tragen auf der Spitze eine 6sei- 
tige Scheibe , die mit 2 auseinander tre- 
tenden Stacheln oder Dornen gekrönt 
ist. — Fig. 17 Taf. 185 ist die 3 fach 
vergrösserte männliche Blüthenschuppe 
von Ceratozamia Küsteriana. Fig. 16 
der gleichen Tafel die weibliche Schuppe 
von C. mexicana nach Brognart (Annal. 
des sc. nat. III. 5). 

In unsere Gärten wurden in neuester 
Zeit von dieser schönen Gattung 6 Ar- 
ten eingeführt. Von diesen kultivirt der 
hiesige Garten 2 und ausserdem noch 
eine durchaus neue Art. 

Die ersteren sind die mehr verbreitete C. 
mexicana Brongn. und C. robusta Miq. 
Diese letztere ist in zahlreichen schönen 
Exemplaren vorhanden. Die Wedel wer- 
den sehr lang und muss die Pflanze daher, 
wenn sie sich gut präsentiren soll , stets 
einen hohen durchaus freien Standort 
erhalten , wo sich die langen , später 
fast horizontal abstehenden, an der Spitze 
überhängenden Wedel ungehindert aus- 
breiten können. Sehr nahe ist diese Art 
mit C. intermedia Miq. und longifolia 
Miq. verwandt, und nur durch die Be- 
haarung, welche auch am Grunde der 
alten Blätter zurückbleibt, verschieden. 
Vergleichen wir die Diagnosen dieser 
3 Pflanzen genau, so hält es schwer, 
Unterschiede zu finden. 

Unsere neue Art stammt aus Mexiko, 
von wo sie Karwinsky einsendete. Die 
lang gestreckten Blättchen zeichnen diese 
elegante Pflanze aus, die wegen des 
gedrungereren Wuchses der Wedel zu 
den ausgezeichnetsten und schönsten 
Arten der Gattung gehört. Wir widmen 



I. Originalabhandlungen. 



13 



dieselbe unserm Herrn Collegen, dem 
Herrn Baron von Küster, der sich 
um den Gang und die ganze Organisa- 
tion unseres Instituts grosse Verdienste 
erworben hat und den Referenten in 
allem das Institut Betreffende auf das 
Energischeste unterstützt. Wir nennen 
dieselbe daher: 

Ceratozamia Küsteriana. Rgl. 

Siehe Tafel 185. 17. - 186. 24. 25. 

Caudice abbreviato, crasso, frondium 
basibus vestito, glabro; frondibus nascen- 
tibus hirsutis, deinde glabris; stipite 
semitereti, inermi, rhachique teretiuscula 
antice bisulcato; foliolis suboppositis, 
subaequilateris , approximatis , elongato- 
lineari - lanceolatis , falcatis , coriaceis, 
longe attenuatis, acutis, basi calloso- 
articulatis ; amentis masculis breve stipi- 
tatis, erectis, attenuato-cylindricis, acutis 
squamis subaequilatis, apice sterilibus et 
cornibus duobus divergentibus crassis, 
infra antheriferis. 

Eine prächtige Pflanze, von der wir 
mehrere schöne Exemplare mit bis 1 Fuss 
hohem ovalem oder mehr gestreckten 
oder niederliegenden Stamme besitzen. 
Stamm kahl, mit Resten der Wedelstiele 
besetzt, am Grunde häufig Augen aus- 
treibend, wodurch wir mehrere junge 
Pflanzen gewinnen konnten. Die jun- 
gen in der Entwickelung begriffenen 
Wedel sind dicht rauhharig, später kahl ; 
ausgewachsen werden sie bis 4 Fuss 
lang. Der Wedelstiel ist halbstielrund, 
dornenlos, und sowie die fast stielrunde 
Rhachis oberhalb zweifurchig, an der 
Spitze tritt die Rhachis kurz zwischen 
den Fiederblättchen vor. Die Fieder- 
blättchen stehen fast gegenüber, auf je- 
der Seite der Rhachis finden sich bis 
40, sie sind fast gleichseitig einander 
genähert, d. h. sie stehen mit dem ver- 
schmälerten Grunde gemeiniglich so weit 



von einander als die Blättchen breit 
sind , während sie in der Mitte oft ein- 
ander mit den Blatträndern berühren; 
verlängert linear-lanzettlich (bis 11 Zoll 
lang und 1 j< i Zoll breit), mehr oder we- 
niger deutlich sichelförmig, lederartig, 
lang zugespitzt und spitz, am Grunde 
schwielig, der Rhachis nach eingegliedert; 
oberhalb freudig hellgrün, glänzend con- 
cav, mit undeutlichen Längsnerven, am 
Rande schwach zurückgerollt, unterhalb 
heller und mit vortretenden Nerven. Die 
männlichen Bliithenzapfen sind kurz ge- 
stielt, aufrecht, cylindrisch und nach 
oben verdünnt und spitzig, bis 3 Zoll 
lang und 3 / 4 Zoll im Durchmesser. Die 
Schuppen derselben sind fast gleichbreit 
und nur wenig nach dem Grunde keil- 
förmig verdickt, sie liegen dicht aufein- 
ander, tragen auf der ganzen untern 
Hälfte der untern Seite die Antheren, 
die andere Hälfte ist dagegen steril und 
geht an der abgestutzten Spitze in 2 
auseinander tretende zahnförmige dicke 
Hörner aus. Die Antheren mit einzel- 
nen Haaren besetzt, worüber wir an ei- 
nem andern Orte Ausführlicheres mit- 
theilen. 

Zamia L. 

Es ist dieses die letzte Gattung der 
Cycadeen, deren Arten Westindien und 
das warme Amerika bewohnen. Sie 
bilden sämmtlich einen niedrigen oder 
sehr niedrigen, jedoch oft cylindrisch 
gestreckten Stamm, der sich noch da- 
durch auszeichnet, dass die Wedel bald 
gänzlich abfallen, so dass der Stamm 
von den Rudimenten derselben bald frei 
wird und nur mit den Blattnarben be- 
setzt ist. Oft sprosst er auch am Grün- 
de, oder er theilt sich über dem Grunde 
in Aeste. Viele der kleinern Arten blü- 
hen leicht und dankbar und sind des- 
halb besonders interessant. Schuppen 



14 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



des männlichen Zapfens aus schmalem 
stielförmigem Grunde in eine schildför- 
mig verdickte zweilappige Spitze ausge- 
hend, welche unterhalb auf beiden Sei- 
ten ein Häufchen Antheren trägt. Schup- 
pen des weiblichen Zapfens mit 6-seiti- 
gem Schilde , sonst wie bei Encephalar- 
tos. Fig. 18 stellt eine männliche 
Schuppe von Zamia nach Richard dar. 
Fig. 21 ist die 3 malig vergrösserte Sei- 
tenansicht einer weiblichen Schuppe der 
bei uns blühenden Zamia Fischeri. 
Fig. 19 die gleiche von oben. Fig. 21 
ist ein Durchschnitt durch die Schuppe 
und die Längsachse der beiden Eier bei 
gleicher Vergrösserung. Fig. 22 end- 
lich der 50 malig vergrösserte Durch- 
schnitt eines Eies durch die Längsachse. 
Eine fleischige Hülle, die an der Spitze 
einen Eimund mit geräumigen Kanal of- 
fen lässt, umhüllt den Kern, also ganz 
wie bei den Conifcren. Der Kern war 
jedoch bei den bei uns blühenden Pflan- 
zen offenbar schlecht entwickelt, oder 
bereits über die Zeit der Befruchtung 
hinaus, und deshalb verändert. Nach 
oben sich kegelförmig verdünnend, zeigt 
er an der Spitze ein lockeres Zellge- 
webe. Am Grunde hatte sich bei un- 
serer Pflanze im Innern des Kerns eine 
Höhlung gebildet , welche wohl die 
Stelle bezeichnet, an der bei befeuchte- 
ten Eiern der Embryo sack sich bedeu- 
tend vergrössert haben würde. 

H. Wendland führt 22 in Cultur be- 
findliche Arten auf, von denen unser 
Garten 7 Arten besitzt. 

Unter den erwähnten bekannten Ar- 
ten sind die Z. Fischeri Miq. und 
Zamia pygmaea Sim., zwar 2 nie- 
drig bleibende Arten, aber besonders 
deshalb interessant, weil sie jährlich 
blühen und so die Beobachtung der ei- 
genthümlichen Geschlechtstheile dieser 
Pflanzen zulassen. Z. Fischeri bildet 



einen bis 1 Fuss hohen Stamm, der an 
der Spitze sich zuweilen verästelt. We- 
del etwas über 1 Fuss lang, Blättchen 
abwechselnd, lanzettlich, spitz, gesägt. 
Z. pygmeea ist noch kleiner, besitzt et- 
was breitere ungleichseitige stumpfe, 
vorzüglich auf der untern Seite doppelt 
gesägte Blätter. Letztere aus Westin- 
dien, erstere aus Mexiko. 

Z. muricata Willd. ward in 
neuerer Zeit vielfach aus Columbien 
durch Moritz, Karsten und Wagener 
eingeführt. Ein niedriger Stamm, bis 2 
Fuss lange Wedel, ein stacheliger Stipes, 
auf jeder Seite 3 — 10 Fuss gegenstän- 
dige längliche , lang zugespitzte , scharf 
gesägte Blättchen charakterisiren diese 
Art. Wir kultiviren die Form mit schma- 
leren Blättern, welche Lehmann als Var. 
angustifolia aufführt. 

Z. media W. aus Westindien mit 
niedrigem Stamm, P/j — 2 Fuss langem 
Wedel und unbcwehrtem Stipes ; 12 — 15 
verlängert linien-lanzettliche, stumpfe, an 
der Spitze schwach gezähnelte Blättchen, 
die bis 6 Zoll lang und % Zoll breit, 
charakterisiren sie. 

Z. integrifolia Ait. aus Westin- 
dien ist die bekannteste von allen. 

Z. Loddigesii Miq. (S. Tafel 186. 
26, 27, 28, 29.) Von dieser noch sel- 
tenen Art erhielt der hiesige Garten 3 
verschiedene Formen durch Karwinski 
aus Mexiko, nämlich: 

a) genuina. (T. 186. fig. 26.) Nie- 
driger cylindrischer Stamm, Wedel 2 — 
2'/ 2 Fuss lang, Rhachis und Stipes sta- 
chelig, Blättchen beiderseits 11 — 13, 
entgegengesetzt oder abwechselnd, linien- 
lanzettlich, zugespitzt und vorn stumpf- 
lich, bis unterhalb die Mitte gezähnelt, 
bis 9 Zoll lang und */ 3 Zoll breit. — 
(Z. Loddigesii Miq.) 

ß) obtusifolia. (T. 186. fig.27,28.) 
Wie vorhergehende, der Stipes aber fast 



I. Originalabhandlungen. 



15 



stachellos, und Blättchen ganz stumpf 
und his l'/ 4 Zoll hreit. 

Y) angustifolia. (T. 186. fig. 29.) 
Wie a, Blättchen jedoch verlängert li- 
near-lanzettlich, zugespitzt, spitz, bei- 
derseits 13—20, bis 14 Zoll lang und 
y, Zoll breit. 

Es scheint die Z. Loddigesii zu den 
veränderlichsten Formen zu gehören. 
Die unter a aufgeführte Form dürfte 
die von Miquel beschriebene Art sein. 
Auch Miquel führt schon einige Formen 
auf. Bei der Betrachtung der 3 For- 
men unseres Gartens dürfte die Ver- 
muthung ausgesprochen werden, ob nicht 
vielleicht die Formen ß und y zwei 
verschiedene Arten und die Form a der 
Bastard. 

Z. calocomaMiq. (T. 186. fig. 30. 
ein Wedelstück in Lebensgrösse.) 

Die schönste Art der Gattung, von 
der der hiesige Garten lebende Pflanzen 
durch Chappy aus Cuba erhielt. Bildet 
einen bis 2 Fuss hohen cylindrischen 
Stamm, der 3 — 4 Zoll im Durchmesser 
hält. Wedel ungefähr 2 % — 3 Fuss 
lang, bei der Entwickelung rauh behaart, 
später glatt, mit 5 — 6 Zoll langem un- 
bewehrten, stielrunden Stipes, und ähn- 
licher, besonders an den beiden Seiten 
weichhaariger Rhachis, die an der Spitze 
kurz über das letzte Blattpaar hervor- 
steht. Blättchen sehr viele und dicht 
gestellt, fast gegenständig oder abwech- 
selnd, schmal linien- lanzettlich, sichel- 
förmig, zugespitzt, an der schwieligen 
Spitze kaum spitz, am Grunde schwielig 
eingegliedert, hellgrün, 7 1 /» Zoll lang, 
Va Z. breit, oberhalb kaum ausgehöhlt, 
gestreiftnervig, am Rande kaum zurück- 
gerollt und ganz. 

Wir schliessen diese Betrachtung der 
Cycadeen des Petersburger Gartens mit 
der Bemerkung, dass in Natal kürzlich 
eine Cycadee entdeckt ward , die einem 



Farrenkraut sehr ähnlich sein soll, und 
als Strängefiä paradoxa beschrieben sein 
soll. (Wo?) Nach A. Brown (Verh. d. 
Grtb. V.) sind im Ganzen bekannt in 
Asien 10 Cycas, — in Afrika 1 Cycas, 
16 Encephalartos, — in Neuholland 2 Cy- 
cas, 4 Macrozamia — in Amerika 7 
Ceratozamia, 3 Dioon, 23 Zamia. 

(E. Regel.) 

Erklärung der Tafeln. 
Tafel 184. 

1. Schuppe eines männlichen Zapfens von 
Cycas circinalis in natürlicher Grösse, von der 
Unterseite. Die Spitze ist mit Haaren, und die 
andere Fläche mit Anlheren, zwischen denen 
Haare stehen, dicht bedeckt. 

2. 3. Zwei Antherengruppen dieser Schup- 
pe schwach vergrössert, wo 4 und 3 An- 
theren am Grunde vereinigt sind, die vorn mit 
einem Längsriss aufspringen. 

4. Eine Antherengruppe von Antheren der 
gleichen Pflanze , öOfach vergrössert. Zwei 
derselben sind aufgesprungen und lassen den 
Blüthenstaub in eine zusammenhängende Masse 

zusammengeballt hervortreten. 

5. Pollenkörner der gleichen Pflanze bei 
450facher Vergrösserung von verschiedenen 
Seiten. Dieselben zeigen eine halbkugelige 
Gestalt. 

6. Der obere Theil eines männlichen Blü- 
thenzapfens der gleichen Pflanze in natürlicher 
Grösse. Die Schuppen sind schon auseinander 
getreten, so dass man unten die Antheren er- 
blickt. 

7. Schuppen des fruchttragenden Blülhen- 
zapfens von Cycas angulata nach Richard. 

8. Embryo von Cycas media vom Eiweiss 
umschlossen. 

9. Ein Haar der Schuppe des männlichen 
Zapfens, 450mal vergrössert. 

Tafel 185. 

10. 11. 12. Encephalartos Friderici Guielmi 
nach Lehmann. 10. Die Schuppe des männ- 
lichen Zapfens von unten. 11. Eine Anthere 
vergrössert. 12. Schuppe des weiblichen Za- 
pfens. 



16 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



13. 14. 15. Macrozamia Preissii nach Mi- 
quel. 13. Schuppe des männlichen Zapfens. 
14. Schuppe des weihlichen Zapfens. 15. An- 
there vergrössert. 

16. Schuppe des weiblichen Zapfens von 
Ceratozamia mexicana nach Brongniart. 

17. Männliche Schuppe von Ceratozamia 
Küsteriana von unten, 3fach vergrössert. 

18. Männliche Schuppe von Zamia nach 
Richard. 

19. 20. 21. 22. Weibliche Schuppen von 
Zamia Fischeri. 19. Ansicht von oben bei 
3maliger Vergrösserung. 20. Seitliche Ansicht, 
3mal vergrössert. 21. Der Durchschnitt hier- 
von, durch die Achse der Schuppe und der 
beiden Eier. 22. Ein 50mal vergrösserter 
Durchschnitt durch die Achse eines Eies. 



Tafel 186. 

23. Lepidozamia Peroffskyana. Ein Fie- 
derblättchen mit der Basis abgelöst, in natür- 
licher Grösse. 

24. Ceratozamia Küsteriana, Fiederblatt, des- 
gleichen. 

25. Stück eines Wedels der gleichen Pflan- 
ze, in 1 ji der natürlichen Grösse. 

26. 27. 28. 29. Zamia Loddigesii. 26. Ein 
Fiederblättchen von Z. L. genuina in natür- 
licher Grösse. 27. 28. Solche von Z. L. ob- 
tusifolia. 29. Ein solches von Z. L. angusti- 
folia. 

30. Wedelstück von Zamia calocoma Miq. 
in natürlicher Grösse. 

31. Wedelstück von Lepidozamia Peroffs- 
kyana in '/i d er natürlichen Grösse. 



3) Empfehlenswertne Pflanzen, die Int Bot. Garten In Peters- 
burg kultlvirt werde». 



1) Primula villosa Jacq. Var. fl. 
albo. (Primula nivea Hort.) Eine liebliche 
weisse Abart der herrlich duftenden ge- 
meiniglich lila blühenden Alpenprimel. Bil- 
det bei Topfcultur nach und nach einen 
4 Zoll hohen Stengel, der sich verästelt 
und dessen Aeste im Herbst und im er- 
sten Frühling als Stecklinge benutzt 
werden können. Die schneeweissen 
Blumen stehen in dichten reichblumigen 
Dolden. Cultur halb Lehm, halb Torf 
und etwas Flusssand. Im Topfe culti- 
virt blüht diese herrliche Pflanze An- 
fangs März im Kalthause. Im Lande 
verlangt sie gute Steinunterlage und im 
Winter reichliche Moosbedeckung. 

2) Epidendrum odoratissimum Lindl. 
ß. crispulum. Eine hübsche Abart die- 
ser epiphytischen Orchidee, die der hie- 
sige Garten durch Lindley aus Mexiko 
erhielt. Dieselbe unterscheidet sich durch 
reichblumigere stärker verästelte einfache 
Rispe, braungelb gefärbte Blüthenhüll- 
blätter und eine hellgelbe scharf ader- 



förmig purpurgestreifte Lippe, deren Mit- 
tellappen am Rande kraus. Schöner als 
die Stammart. 

3) Caraguata serrata R. S., Brome- 
liaceae. Eine eigenthümliche Bromelia- 
cee, die früher in England in Cultur 
war, jetzt aber, wie es scheint, aus den 
Gärten wieder verschwunden ist. Der 
hiesige Garten erhielt dieselbe unter dem 
Namen Billbergia fastuosa. Obgleich 
nun unsere Pflanze durch das Stigma 
von Caraguata abweicht, so ziehen wir 
sie dennoch zu obiger Art, -weil diese 
allem Anschein nach bis jetzt nur man- 
gelhaft beobachtet wurde. Es würde dem- 
nach unsere Pflanze eine eigne Sektion 
der Gattung Caraguata, mit gedrehter 
Narbe, bilden. Der Schaft, den unse- 
re, aber offenbar nicht vollkommen ent- 
wickelte Pflanze gebildet hat, ist kaum 
1 Fuss hoch und dicht mit Blättern be- 
setzt, welche nach oben zu immer klei- 
ner werden, bis sie zuletzt in die Brac- 
teen übergehen. Die Blätter werden 



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I. Originalabhandlungen. 



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über 1% Fuss lang und 1 — 1% Zoll 
breit, am Grunde gehen sie in eine ganz- 
randige, breite Scheide aus, oben spitzen 
sie sich in eine scharfe Spitze aus, und 
am Rande sind sie kurz dornig gezähnt, 
mit nach innen gekrümmten Zähnen. 
Die Bracteen sind lanzettlich, blattartig, 
schön Scharlach gefärbt, und die unter- 
sten mit grüner Spitze. Die Blumen 
stehen in meist dreiblumigen Corymben 
in den Achseln der Bracteen und sind 
viel kürzer als diese. Kelch stumpf 3- 
kantig, tief 31appig, mit spitzen Lappen. 
Blumenkrone einblättrig, 3mal länger 
als der Kelch , am Grunde weisslich, 
oben schön himmelblau und 31appig, mit 
aufrechten, stumpfen, mit dem Rande 
kappenförmig eingekrümmten Lappen. 
Staubfäden der Röhre der Blumenkrone 
angewachsen. Antheren linear, auf dem 
Rücken befestigt, am Grunde kurz pfeil- 
förmig, kürzer als die Blumenkrone. Die 
3 Lappen der Narbe sind spiralig zu- 
sammengedreht. Cultur gleich den an- 
dern Bromeliaceen, von denen wir schon 
wiederholt gesprochen. Die eigenthüm- 
liche Tracht, bedingt durch den sehopf- 
förmigen in die untern Blätter gleichsam 
eingesteckten Blüthenstand mit den ro- 
then Bracteen, und ein sehr starker, 
aber nicht angenehmer Geruch zeichnet 
diese Art aus. 

4) Arbutus procera DougL, Erica- 
ceae. Ein immergrüner Strauch oder 
niedriger Baum von der Tracht des Ar- 
butus Andrachne , der durch Douglas 
von der Nordwestküste Amerikas einge- 
führt ward. Blühet schon als kleiner 
Strauch, und ist als harter, auch nicht 
blühend decorativer Strauch fürs Kalt- 
haus und Zimmer zu empfehlen. Kahl, 
nur an den jungen Trieben und Blü- 
thenständen behaart. Blumen in spitzen- 
ständigen einseitigen Rispen, grünlieh- 
weiss, oval urnenförmig, in der Mitte 
L 1857. 



zusammengeschnürt. Blätter länglich- 
oval, unten blaugrün, oben hellgrün^ 
mehr oder weniger deutlich gesägt. 
Laub- oder Rasenerde. Geruch der 
Blumen angenehm. 

5) Polygala longifolia A. Dietr., Po- 
lygaleae. Ein mit Polygala myrtifolia 
nah verwandter immergrüner Strauch 
vom Vorgebirge der guten Hoffnung, 
den wir als P. Dalmaisiana und P. gran- 
dis erhielten, und der auch in deutschen 
Gärten unter diesen Namen vielfach ver- 
breitet ist. Von P. myrtifolia unter- 
scheidet er sich durch niedrigeren Wuchs, 
frühzeitige Blüthe schon als kleine 
Pflanze und durch aus breiterem Grunde 
lanzettlich, verdünnte Blätter, welche in 
eine scharfe Spitze ausgehen. Gehört 
zu den empfehlenswerthesten Kalthaus- 
pflanzen, die im April und Mai ihre 
leuchtend lilarothen Blumen massenhaft 
entwickeln und bei sorgsamer Cultur 
zu prächtigen Exemplaren erzogen wer- 
den kann. Liebt eine Heideerde mit 
Lehm , oder Lauberde mit Sand und 
Lehm. Aehnlich ist auch die P. cordi- 
folia W. Diese hat aber gegenständige 
sitzende, am Grunde herzförmige Blätter, 
unsere Pflanze dagegen abwechselnd ge- 
stellte, kurz gestielte. 

6) Erica rubercalyx Andr. ß. tenui- 
flora BgL Eine niedliche Abart dieses 
ebenso schönen als dankbar blühenden 
Heidekrautes vom Vorgebirge der guten 
Hoffnung. Schmälere nicht aufgeblasene 
weisse Blume mit aufrecht-abstehendem 
Saum zeichnet sie von der Stammart 
aus. Die rothgefärbten Kelche stehen 
hier besonders schön von den 1 / 3 — 1 / i 
Zoll langen und l 1 /^ Linie breiten Blu- 
menkronen ab. — Dass die liebliche 
Familie der Heidekräuter jetzt weniger 
Freunde zählt, ist Modesache. Trotz- 
dem werden sie stets zu den dankbar- 
sten und schönsten Kalthauspflanzen zu 

2 



18 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



reebnen sein, deren Cultur aber nur da 
mit Erfolg wird betrieben werden kön- 
nen, wo man kalkfreie gute Heideerde 
und kalkfreies Wasser besitzt. Wo dies 
nicht der Fall ist, da wird mit viel Mühe 
nur schlechter Erfolg zu erringen sein, 
und man thut daher wohl, an solchen 
Orten seine Liebhaberei anderen Pflan- 
zen zuzuwenden. So waren alle meine 
Bemühungen vergebens, in Zürich recht 
gesunde und kräftig vegetirende Eriken 
zu erziehen, während sie hier in Peters- 
burg zu den leicht gedeihenden Pflan- 
zen gehören. 

7) Erica fäscicularis L. ß. ampullae- 
flora Kl, Dieser herrlichen Pflanze 
hatte Andrews den Namen E. imperia- 
lis beigelegt, und wahrlich sie verdient 
auch einen ausgezeichneten Namen. 
Durch die langen einfachen Aeste und 
die schmal linearen Blätter erhält die 
Pflanze fast den Habitus einer E. vestita. 
Die grossen über einen Zoll langen zart 
fleischfarbnen, oben grünen klebrigen 
Blumen stehen in einer reichblumigen 
Dolde auf den Spitzen der Zweige und 
werden später durch Verlängerung des 
Zweiges seitlich gestellt. Die Blüthenstiele 
sind zart und dünn, so dass die Blumen 
nicken. 

Die vorliegende Abart unterscheidet 
sich von der Stammart durch meist zer- 
streut stehende Blätter, einen Blüthen- 
stiel, 'der kaum länger als der Kelch, 
und durch am Grunde aufgeblasene % 
Zoll breite Blumenröhre. Hat die Nei- 
gung, hoch zu wachsen; durch häufiges 
Auskneipen können jedoch leicht schöne 
buschige Pflanzen erzogen werden. Blü- 
het im Frühling. 

8) Erica nivalis Andr. Eine mit 
Erica ovina Kl. nah verwandte Art, 
die ich in meiner Bearbeitung der Eri- 
ceen gar nicht aufgenommen habe. Der 
hiesige Garten eultivirte sie als E. ovina. 



Von dieser unterscheidet sie sich aber 
leicht durch kugelige weisse Blumenkro- 
nen, die dicht behaart. Gehört zwar 
nicht zu den schönen Arten, aber doch 
zierend. 

9) Tetragamestus isochiloides Egl. 
Eine kleine unscheinbare, aber eigen- 
thümliche Orchidee, die Lansberg aus 
Columbien einsendete und im hiesigen 
Garten unter Scaphyglottis arundinacea 
sich befand. Die Blumenbildung dieser 
Pflanze stimmt mit Tetragamestus Rchb. 
fil. überein und die Blattstellung mit 
Isochilus. Da die Blumenbildung jedoch 
sich ganz an Tetragamestus anschliesst, 
so habe ich keinen Anstand genommen, 
sie mit dieser Gattung zu vereinigen. Es 
scheint jedoch eine genaue Ausschei- 
dung der Genera dieser Gruppe von Or- 
chideen sehr nothwendig, wobei unsere 
Pflanze vielleicht einen Typus bilden 
möchte. Wir wollten jedoch die Zahl 
der Genera nicht vermehren , da diese 
vielleicht schon zu gross. Die abwech- 
selnde Stellung der Blätter charakterisirt 
unsere Pflanze sogleich. 

Beschreibung. Stengel schlaff, bis 
2 Fuss hoch, rundlich-zusammengedriiekt, 
die älteren Stengel büschelig ästig, wo- 
bei der Grund der Verästelungen Luft- 
wurzeln entsendet, am Grunde von trock- 
nen häutigen Scheiden umgeben. Blät- 
ter zweizeilig, abwechselnd, linien-lan- 
zettlich, an der Spitze stumpf zweizäh- 
nig, Va—'A Fuss lang, %—>/* Zoll 
breit. Blumen einzeln auf den Spitzen der 
Aeste (ob immer), mit von Bracteen um- 
gebenem Blüthenstiel und langen sticl- 
förmigem Fruchtknoten, der noch einmal 
so lang als die Blumenkrone. Blüthen- 
hüllblätter lanzettlich, spitz, ungefähr i /^ 
Zoll lang, und wie Lippe schmutzig 
weiss oder gelblich; die beiden Sepalcn 
sind am Grunde in einen stumpfen Sack 
vorgezogen. Lippe aus keilförmiger Ba- 



I. Originalabhandlungen. 



19 



sis länglich-oval, an der Spitze zurück- 
gedrückt, am Rande wellenförmig, mit 
dem vordem Theil nach aussen gebogen, 
am Grunde 2 Lamellen tragend, wenig 
länger als die Sepalen. Säule halbstiel- 
rund, aus schmälerm Grunde nach oben 
verbreitet, und zu beiden Seiten der 
Stigmagrube in Ohren ausgehend. Zwei 
Pollinien, von denen jedes 2theilig ist. 

Cultur mit den Pleurothallen. 

10) Erica Burchelli Egl. Eine neue 
Erica vom Vorgebirge der guten Hoff- 
nung , die neben Erica exsudans Andr. 
steht und von dieser durch die kurzen 
aufrecht abstehenden Blätter, sowie die 
kurze kaum i j 2 Zoll lange, drüsig be- 
haarte, etwas aufgeblasene Blumenkrone 
sich unterscheidet. Bentham in Cand. 
Prodr. VII. 632 zieht dieselbe nach Ex- 
emplaren vonBurchellzuE. pellucida als 
Var. breviflora, und im hiesigen Garten 
ward sie als E. Meuroni pallida kultivirt. 

Bildet einen niedrigen 3 — 4' hohen 
Strauch mit geraden rauh und drüsig 
behaarten Aesten. Blätter zu 4, aufrecht 
abstehend, und nur an den älteren Zwei- 
gen stärker abstehend, schmal linien- 
förmig, am Rande zurückgerollt, auf 
dem Rücken gefurcht , spitz , mit drüsi- 
gen horizontalen Haaren (die jedoch 
kürzer als die Breite des Blattes) rauh 
besetzt, l 1 /^ oder kaum selten 3 Linien 
lang. Blumen zu 1 — 7 auf den Spitzen 
der Zweige. Blumenstiele, dem Kelche 
an Länge gleichend. Die Kelchblätter 
aus breiterem Grunde linearisch spitz, 
blattartig, gegen die Spitze hin am 
Rande zurückgerollt, wie die Blätter be- 
haart, 3 / 4 Linien lang. Blumenkrone 
röhrig, kaum eingekrümmt, gerippt, ge- 
gen die Spitze hin wenig aufgeblasen, 
unterhalb des Schlundes zusammenge- 
zogen, kaum '/a Zoll lang, l 1 /^ — 2 Li- 
nien breit, fleischfarbig und gegen den 
Grund hin roth nüancirt, mit zarteren 



drüsigen Haaren, besonders an den vor- 
tretenden Rippen besetzt, mit stumpfen 
aufrecht-abstehenden Lappen des Saums; 
Antheren eingeschlossen, wehrlos stumpf, 
braun - schwarz , dem an der Spitze zu- 
rückgekrümmten Staubfaden seitlich auf- 
sitzend. Griffel hervorsehend. Frucht- 
knoten 4fächrig, kahl. — 

Stammt vom Vorgebirg der guten 
Hoffnung und ist durch die aufrechten 
kaum 2 — 3 Linien langen stark drüsig 
behaarten Blätter und kurzen Blumen 
von allen Arten der Abtheilung sogleich 
zu unterscheiden. Von der nahverwand- 
ten E. exsudans unterscheidet sie sich 
ausserdem durch längere drüsige Haare 
an den Blättern, linear-lanzettliche Kelch- 
blätter und den hervorstehenden Griffel. 

11) Erica arborea L. ß. astur ea H. 
Petrop. Eine eigentümliche Abart der 
E. arborea, deren Blumen wohl 3 mal 
kleiner als die der gewöhnlichen Art, 
kaum ] / a Linie lang und breiter als lang, 
daher zusammengedrückt kugelig. Auch 
die Blätter sind bedeutend kleiner und 
nicht viel mehr als eine Linie lang. 

12) Warrea cyanea Lindl. Var. pal- 
lida Rgl. Die Pflanze des hiesigen Gar- 
tens stimmt vollkommen mit Lindley's 
Beschreibung und Abbildung XXXI, 
28. Bot. Reg. überein: die Lippe ist 
jedoch weiss und nur blassviolett nüan- 
cirt. 

13) Hovea Celsü Bonpl. Legumino- 
sae. Wer schätzt nicht die herrlichen 
Hovea - Arten Neuhollands mit ihren 
schimmernden lieblichen blauen Schmet- 
terlingsblumen, die einzeln oder in kur- 
zen Trauben in den Achseln der Blätter 
stehen und zu langen schönen Blütli en- 
trauben sich vereinigen! Unter diesen 
befindet sich die in Rede stehende Ho- 
vea Celsü wohl schon seit 40 Jahren 
in Cultur und ist den schönsten Arten 
der Gattung beizuzählen. Auch im hie- 

2 * 



20 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



sigen Garten blühet dieselbe jährlich 
reichlich und ziehet schon von Weitem 
durch die schimmernd violettblaue Farbe 
der Blumen, welche mit dem weissen 
Fleck am Grunde der Fahne angenehm 
contrastirt, den Blick auf sich. 

Die Hoveen verlangen in Cultur eine 
milde, durchaus kalkfreie Heide- oder 
Lauberde mit Sand und ebenfalls kalk- 
freies Wasser zum Guss. Aus Steck- 
lingen wachsen sie nur schwer, weshalb 
man auf die Vermehrung durch Samen 
hauptsächlich angewiesen ist. Stellt man 
sie während ihrer Blüthe im März und 
April an einen lichten luftigen Standort 
im Kalthaus, so tragen sie letzteren ziem- 
lich dankbar. Aussaat ziemlich zeitig, wo 
möglich Anfang März im temperirten 
Kalthaus. Wie bei den meisten Aca- 
cien u. s. f. ist es sehr zu empfehlen, 
die Samen 4 — 8 Tage im Warmhaus 
oder Zimmer vor der Aussaat einzu- 
quellen. Die jungen Pflanzen werden 
zeitig verstopft, erhalten guten Abzug 
und muss man deren Gipfeltriebe wäh- 
rend des Wachsthums von Zeit zu Zeit 
auskneipen, sonst erhält man unansehn- 
liche hochbeinige Pflanzen. 

14) Franciscea eximia Scheidw. f 
Scrofularineae. Eine der schönsten Ar- 
ten der Gattung. Länglich-lanzettliche 
Blätter. Blumen gross, mehr als l 1 /» 
Zoll im Durchmesser, schön violett mit 
weissem Auge und kurzhaarigem Kelche ; 
dieselben gemeiniglich zu 2 auf den 
Spitzen und in den Achseln der Blätter. 
Verlangt einen hellen guten Standort im 
Warmhause und im Frühling Boden- 
wärme. Eine kräftige lockere Laub- 
oder Heideerde, zur Hälfte mit einer 
schweren lehmigen Erde und Sand ver- 
mischt, sagt dieser Pflanze am besten 
zu. Blühet von April — Mai sogar schon 
in kleinen Exemplaren. Vermehrung 
durch Stecklinge im Warmbeete. 



15) Skimmia japonica Thbrg. ; Au- 
rantiaceae. Wir haben diesen schönen 
Strauch China's bereits wiederholt be- 
sprochen. Im März und April öffnet der- 
selbe seine herrlich duftenden Blumen. 
Im Herbst reift er die schönen rothen 
Beeren. Die Samen keimen im Kalt- 
hause ausgesäet schon im nächsten Früh- 
ling. Diese jetzt noch seltenere Pflanze 
wird sich daher schnell vermehren und 
bald zu den beliebtesten harten Kalt- 
hauspflanzen gerechnet werden, die auch 
zu Zimmerdecorationen ganz geeignet 
sind. 

16) Euphorbia splendens Bojer. Diese 
schöne Pflanze aus Madagascar mit ih- 
ren stacheligen Aesten, verkehrt-ovalen 
stachelspitzigen Blättern und carmin- 
scharlachfarbenen Blüthenhüllen verdient 
häufigere Cultur. Eine schwere sandige 
Erde , trockner warmer Standort im Win- 
ter , Wärme und Feuchtigkeit im Som- 
mer sind die einfachen Culturbedin- 
gungen. Bildet bis 5 Fuss hohe , im 
Frühling herrlich blühende Sträucher, 
und wächst jeder Steckling , im Warm- 
beet in Sand gesteckt, leicht und sicher. 
Gehört zu den älteren Pflanzen, die von 
den eingeführten neueren Pflanzen mit 
Unrecht in den Hintergrund gedrängt 
werden. 

17) Laurus nobilis L. ß. latifolia. 
Von unserm als Kübelpflanze so belieb- 
ten Lorbeer, der schon in den Zeiten 
der Griechen und Römer bei feierlichen 
Gelegenheiten als Symbol der Auszeich- 
nung und des Ruhmes verwendet ward, 
giebt es eine Menge von Abarten, mit 
bald sehr schmalen lanzettlichen, bald 
breiteren, bald mehr oder weniger krau- 
sen Blättern. Die schmalblättrige Form 
geht auch wohl nur als Laurus angusti- 
folia, die breitblättrige als Laurus lati- 
folia in den Gärten. Die vorliegende 
Form ist eine der schönsten. Blätter ver- 



I. Originalabhandlungen. 



21 



kehrt oval lanzettlich, spitzlich, kaum 
kraus. Die Blumen unseres Lorbeers 
sind bekanntlich zweihäusig. Die Exem- 
plare der vorliegenden Form besitzen 
weibliche Blumen, in denen der Griffel 
von 4 sterilen Staubfäden umgeben ist. 
Die Form der fruchtbaren Staubfäden 
die bekanntlich eigenthümliche. Auf der 
Spitze eine 2 fächerige Anthere mit sehr 

Fig. a Fig. b 





stark entwickeltem Connectiv, wie dies 
dig beistehende Fig. a in Vergrösserung 
zeigt, und unterhalb 2 seitliche Drüsen. 
Bei den sterilen Staubfäden dagegen ist 
die fruchtbare Spitze in ein schmales 
blumenblattartiges Blättchen (S. Fig. b) 
ausgewachsen, die Drüsen aber sind ge- 
blieben. Eigenthümlich endlich verhält 
sich hier auch das Oeffnen der Anthere. 
Während diese bei der Mehrzahl der 
Gewächse durch Risse oder Löcher ihren 
Blumenstaub entleeren , so öffnet sich 
hier ein oben befestigter Deckel, wie 
dies die Fig. a zeigt. 

Schwache Vergrösserungen mittelst 
Lupe zeigen schon solche eigenthüm- 
liche Einrichtungen und erlauben es, die 
Mannichfaltigkeit der Einrichtungen in 
dieser Beziehung zu bewundern. 

18) Epimedium rubrum H. AngL 
Es ist dies die schönste Art unter den 
Epimedien und stammt wahrscheinlich 
aus Japan. Der hiesige Garten erhielt 
diese Pflanze aus englischen Gärten un- 



ter dem obigen Namen. Wahrschein- 
lich stimmt sie auch mit der von Mor- 
ren in den Journ. d'hist. unterm gleichen 
Namen abgebildeten und beschriebenen 
Pflanze überein, doch steht uns davon 
in diesem Augenblicke die Originalbe- 
schreibung nicht zu Gebote. — Bildet 
einen bis fusshohen Stengel, der unten 
lose behart ist. Blätter doppelt dreithei- 
lig zusammengesetzt 5 Blättchen aus 
herzförmigem oder fast speerförmigem 
Grunde länglich - oval , zugespitzt, roth 
gerandet und stachelig gezähnt. Blü- 
thenrispe einfach verästelt. Die äussern 
Blumenblätter länglich-oval, spitz, schön 
carminroth; die innern kappenförmig, 
jedes in einen den äussern Blättern fast 
gleichlangen Sporn ausgehend und weiss. 
Contrast der weissen und carminrothen 
Farbe macht diese Pflanze zu einer 
lieblichen Erscheinung. Cultur im freien 
Lande in halbschattiger Lage oder im 
Topfe, wo sie ihre herrlichen Blumen 
im März im Kalthause in reicher Fülle 
entwickelt. 

19) Erica lituiflora Salsb. y. brevi- 
flora Bgh Eine eigenthümliche Abart 
mit sitzenden Blumen, deren Blumen- 
krone nur 1 % mal so lang als die 
Kelchblätter. Im hiesigen Garten als 
E. perspicua cultivirt. Dabei wollen 
wir bemerken, dass auch hier die Eriken 
in breiten niedrigen Näpfen cultivirt 
werden und ganz vorzüglich gut gedei- 
hen. Das reine durchaus kalkfreie Was- 
ser und eine vorzüglich gute Torf- und 
Heideerde tragen jedoch nicht weniger 
zu diesem günstigen Resultate bei. Ueber- 
haupt erleichtern diese Verhältnisse hier 
in Petersburg die Cultur der feineren 
Kalthauspflanzen ganz ausserordentlich 
und gleichen die Ungunst des Klimas 



wiederum vollständig aus. 



(E. R.) 



22 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz, 



4) Beitrag zur Taxation der Gemüsegärten. 

Von Garteninspector Ed. Lucas in Hohenheim. 



Eine der zweckmässigsten Einrich- 
tungen in einem Gemüsegarten ist die, 
alle Beete in rechteckiger Form, nicht 
über 4' breit und ungefähr 30' lang zu 
machen , so dass dieselben sämmtlich 
gleich gross sind und mit dem sie be- 
gleitenden 1' breiten Weg einen Flächen- 
inhalt von 1% D ftth. = 150 □' enthal- 
ten. Diese Fläche ist nur unbedeutend 
grösser, als die Magdeburger Ruthe, 
welche 144 □ ' enthält, und es lassen 
sich die für ein solches Normalbeet von 
150 □' gegebenen Zahlen auch leicht 
auf die in Norddeutschland übliche Ruthe 
übertragen. 

Die Kosten der Anlage, Be- 
pflanzung und Pflege eines sol- 
chen Beetes sind beträchtlicher, als 
man gewöhnlich glaubt. Ich gebe sie 
hier mit Zugrundlegung der in unserem 
Gemüsegarten seit Jahren üblichen Ac- 
cordpreise für die verschiedenen Arbei- 
ten als einen kleinen Beitrag zur Taxa- 
tion der Gemüsegärten. 

1. Pacht oder Zins aus dem 
Grundkapital. 

Man muss als Durchschnittspreis der 
Gemüsegärten bei bevölkerten Städten 
pro Wttb. Morgen 1000 fl. annehmen. 
Hievon Zins zu 5% auf V/ 2 □ Ruthe 
berechnet, 

macht . . 12 Kr. 

Für einen Gemüsegarten auf dem 
Lande würde dieser Preis sich über die 
Hälfte niederer stellen, da der Preis ei- 
nes Morgens guten Landes sich im 
Durchschnitt auf nur 4 — 500 fl. be- 
rechnet. 

2. Kosten für Düngung. 

1 Morgen erfordert bei 2 oder 3 schlä- 
giger Rotation als volle Düngung 15 



Fuhren Stalldung a 20 Ctr., also 300 Ctr. 
also per I Jahr 100 — 150 Ctr., je nach 
der Dauer der Rotation. Meistens wird 
eine sich alle 2 Jahre wiederholende 
Hauptdüngung nöthig sein. Hiezu kommt 
aber noch als Nebendüngung ein 2 ma- 
liges Begüllen der allermeisten Culturen. 

Eine Fuhre ä 20 Ctr. kostet im 
Durchschnitt 3 fl. also 1 Ctr. 9 kr.; hier- 
nach berechnet sich im obigen Fall der 
Dung auf 1 Jahr (150 Ctr.) auf 21 fl. 
und pro Beet (P/i ) au f 5 kr. Hiezu 
pro Beet für Begüllen ä 2 kr. also 4 kr. 
thut 9 kr. 

3. Kosten der Bodenbearbei- 
tung. 

1 Morgen zu schoren (1' tief um- 
graben) kostet seit vielen Jahren hier im 
Accord 9fl. 36 kr. oder IQ Rth. 1 Vi kr. 
mit dem Abrechen oder Durchhacken 
(Rühren) nach dem Schoren pro □ Rth. 
2 kr., demnach also pro Beet 3 kr. 

Ein sorgfältiges Ausschaufeln der 
Fusswege wird nur ausnahmsweise vor- 
genommen, und würde den obigen Be- 
trag um Vi kr. erhöhen. 

Da durchschnittlich bei sorgfältiger 
Cultur jährlich zweimal geschürt wird, 
so ergiebt sich ein Aufwand von 6 kr. 
für das Beet. 

Für das Behacken von 1 Morgen 
Land wird bei damit verbundenem Aus- 
jäten (sofern das Land nicht sehr ver- 
unkrautet ist), im Accord pro □ Rth. 
3 / 4 kr. oder pr. Morgen 4 fl. 30 kr. be- 
zahlt. 

Für 1 Gartenbeet .von der Grösse 
von Vj 2 n wurde hier schon oft im 
Accord 1 kr. bezahlt. Jedes Beet muss 
durchschnittlich jährlich 4 mal behackt 
werden, also: 4 kr. 



I. Originalabhandlungen. 



23 



4. Kosten der Saat oder Be- 
pflanz ung. 

Diese belaufen sich je nach den 
verschiedenen Culturen auf l'/a — 4'/ a kr. 
pro Beet, 1 Arbeiter ä 3 kr. pro Stunde 
braucht % — 1% Stunden zur Bestellung 
eines Beets (wobei natürlich nur die 1 
oder 2 jährigen Gemüsegartenpflanzen in's 
Auge gefasst sind). Also sind die Kosten 
pro Beet im Durchschnitt 3 kr.; für 
2 malige Bestellung jährlich also 6 kr. 

Für die nöthigen Samen oder Setz- 
linge für 1 Beet ist, sofern sie ange- 
kauft werden müssen, 4 kr. zu rechnen; 
allerdings wird dies mitunter nicht hin- 
reichen, doch kann man die meisten 
Setzlinge und Samenquantitäten für 1 
Normalbeet für 3 kr. ankaufen, so dass 
obige Annahme wohl die richtige sein 
wird. Häufig belaufen sich die Kosten 
nicht über 1 kr. Diese Kosten verdop- 
peln sich im Durchschnitt, da jedes Beet 
im Durchschnitt 2 mal angebaut wird; 
also trifft 1 Beet jährlich hiefür 8 kr. 

Allgemeine Pflege, Begies- 
sen und allgemeiner Aufwand, 
Erntekosten u. dgl. 

Es ist äusserst schwer, diesen Po- 
sten feststellen ; es kann in manchen 
Jahren das Begiessen sehr wenig Kosten 
verursachen, in andern das 6 — 10 fache 
betragen; Boden, Klima und Cultur 
machen hier einen sehr grossen Unter- 
schied. Im grössten Durchschnitt möchte 
pro Beet a 150 □' 9 kr. zu nehmen 
sein, wobei ungefähr 6 kr. für Begies- 
sen, 3 kr. für andere allgemeine Kosten 
berechnet sind. 

Der Gesammtaufwand für 1 Nor- 
malbeet in einem vorzugsweise oder aus- 
schliesslich zum Gemüsebau bestimmten 
Garten in der unmittelbaren Nähe gros- 
ser Städte berechnet sich daher wie 
folgt : 



1. 


Zins aus dem Grundkapital 


12 kr. 


2. 


Düngung .' ' . 


9 kr. 


3. 


Bodenbearbeitungskosten . 


10 1er. 


4. 


Kosten der Bestellung 


14 kr. 


5. 


Allgemeiner Aufwand 


9 kr. 



Summa 54 kr. 

Es belaufen sich daher die Kosten 
für 1 Beet auf 54 kr. = V 2 Rchsthlr. 
oder beinahe auf 2 Franken, wobei aller- 
dings angenommen ist, dass eine sehr 
sorgfältige vollkommene Cultur stattfin- 
det, und der Betrieb ein ganz rationeller 
ist und jährlich mindestens ein doppel- 
ter Anbau vorgenommen wird. 

Der Ertrag aus 1 Beet stellt 
sich nun, wie folgt: 

Man erntet auf 1 Beet von 150 □' 
folgende Quantitäten Gemüse und Sa- 
late. 

1. Kraut und Kohlge- 
wächse: Frühe Kohlrabi 
stehen auf 1 Beet in 5 Rei- 
hen ä 30 St. — 150 St. 
davon verkäuflich 120 St. 
durchschnittlich 3 St. 1 kr. 40 kr. 
Frühwirsing in 4 Reihen ä 

25 St. = 100 St.; davon 
verkäuflich 80 St. ä 1 kr. 1 fl. 20 kr. 
Kraut, mittelfrühes 3 Sehn, 
ä 15 St. = 45 St. ver- 
käuflich 36 St. ä IVa kr. . 54 kr. 
Blumenkohl 45 St. davon 
verkäuflich 30 St. ä 3 kr. 1 fl. 30 kr. 

2. Zwiebeln; man erntet 
auf 1 Beet bei gutem Stand 

l ! / 3 — 2 Sri. ä Sri. 1 fl. . 1 fl. 30 kr. 

3. Hülsenfrüchte; 1 Beet 
giebt 6 — 7 $b trockene Sa- 
men ä 10 kr. . . . 1 fl. 

4. Salate. Auf 1 Beet 
stehen 140 — 150 Köpfe ; 
davon verkäuflich 120 St. 

3 ä 1 kr. ... 40 kr. 

Wintersalat 100 St. a »/ a kr. 

(oft 1 kr.) ... 50 kr. 



24 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Sellerie ; auf 1 Beet stehen 
in 4 Rhn. ä 20 St. 80 Pfl. 
davon verkäuflich 60 St. ä 
1 kr. . . . . 1 fl. 

Da auf demselben Land immer 2 
Ernten angenommen sind, so wird sich 
die Berechnung ungefähr so stellen, z. 
B. bei folgenden Culturen: 
Wintersalat, darnach Kraut 

oder Wirsing zusammen 1 fl. 44 kr. 
Frühkohlrabi, darnach Sellerie 1 fl. 50 kr. 
Blumenkohl und dazwischen 

Salat . . . . 2 fl. 
Zwiebel, darnach Feldsalat 1 fl. 54 kr. 
Lattich, dann Bohnen . 1 fl. 30 kr. 

so dass der Ertrag an Geld von 1 Beet 
oder l 1 / a D°Wttb.= 1 D° preussisch, 
sich durchschnittlich auf 1 fl. 45 kr., in 
minder günstigen Verhältnissen auf 1 fl. 
30 kr. berechnet. Hierbei ist aber im 
Auge zu behalten, dass sich der Gemü- 
segarten in der Nähe einer grossen Stadt 
befindet, und dass die vorgenannten Cul- 
turkosten aufgewendet wurden. 

Vergleicht man die Kosten für 1 
Beet, die nach oben sich auf 54 kr. be- 
rechnen, mit dem Ertrag, so bleibt ein 
reiner Gewinn von 36 — 51 kr., oft wohl 
auch mehr als 1 fl. In vielen Fällen 
aber sicher V* Rchsthlr. oder nahezu 2 
Franken. 

Diese durchaus der Praxis entnom- 
menen Ansätze sollen 1) beweisen, dass 
ein rationell betriebener Gemüsebau eine 
sehr schöne Rente liefert; 2) dazu die- 
nen, für Kostenanschläge u. Ueberschläge 
zu Anhaltspunkten zu dienen, 3) aber 
auch Herrschaften, welche Gemüsegärten 
halten, aber oft nichts darauf wenden 
wollen, zu zeigen, dass, wenn sie die 
Kosten nicht scheuen würden, der Er- 
trag auch sicher, vorausgesetzt, dass der 
Gärtner seine Sache versteht, ein dop- 
pelter ist, gegen den, der bei zu grosser 
Sparsamkeit zu erzielen ist. 



Obige Zahlen auf 1 Morgen Wttb. 
= 38400 □' übertragen, stellen sich 
die Kosten heraus, wie folgt: 

a. Diese Fläche darf nur mit 36,000 Q' 
in Anschlag gebracht werden, da für 
nothwendige Hauptwege 24 Q jeden- 
falls durchschnittlich abgezogen werden 
müssen. Diese bleibende Fläche gäbe 
240 Normalbeete. Der jährliche Kosten- 
aufwand für dieselben wäre (240 Beete 
(ä 150 DO ä 54 kr.) . . 216 fl. 
Der Roherlös würde sich stellen 

in minder günstigen Fällen 

(1 Beet 1 fl. 30 kr.) auf . 360 fl. 
in günstigen Fällen (1 Beet 

1 fl. 45 kr.) auf . . . 420 fl. 
so dass der Reinertrag betrüge, 

im ersten Falle pro Morgen 

Wttb 144 fl. 

im letztern Fall . . . 204 fl. 
Dass auch bei einzelnen Culturen die 
weniger Kosten für tägliche Bearbeitung 
und Pflege veranlassen, wie bei dem 
Spargelbau, ein weit höherer Reinertrag 
erzielt wird, weiss ich recht wohl, allein 
ich wollte hier nur zeigen, wie hoch 
sich die Kosten und der Ertrag von ei- 
nem Gemüsegarten belaufen, wie wir sie 
so allgemein in der Nähe oder in Städten 
als Hausgärten finden, wo eine grössere 
Zahl Gemüsesorten eultivirt werden. 

Ganz ähnliche Zahlen ergeben sich 
wenn man meine Uebersichtstabelle zur 
Taxation der Gemüsegärten, wie ich sie 
schon vor 10 Jahren in meiner Schrift 
„der Gemüsebau, practisch darge- 
stellt für Landwirthe, Gärtner und Gar- 
tenfreunde, Stuttgart 1846" aufstellte u. 
welche sich vielfach als zuverlässig er- 
probt hat, als Grundlage zur Taxation 
benützte. 

Da diese Schrift wohl vielen Lesern 
d. Bl. nicht zur Hand ist, so erlaube ich 
mir, hier die erwähnte Tabelle abgekürzt 
mitzutheilen. 



<ü. iaZ. 




/ 



v*a-?M />/,• ,?,',, 



I. Originalabhandlungen. 



25 





Abtheilung A. 


Abtheilung B. 


Abtheilung C. 


«5 

a 

5 


Mildes, mehr feuchtes 
als trocknes Klima. 


Ziemlich rauhes Klima 

oder zu feuchtes, wie 

zu trocknes Klima. 


Rauhes, sehr trocknes 
oder sehr feuchtes, un- 
günstiges Klima. 


Spezielle 
Lage u. Um- 
gebungen 


Sehr günstige Lage in 

weiten Thalebenen, 
sanft gegen Süd geneigt, 
oder eben, gegen Nor- 
den beschützt. 


Unbeschützte ganz freie 
Lage, Hochebenen, star- 
ke Neigung des Bodens, 
Stürmen ausgesetzt. 


Sehr hohe od. sehr tiefe, 
zu trockne, od. zu feuch- 
te , dumpfige , einge- 
schlossene Lage, beson- 
dern ungünstigen Ein- 
flüssen unterworfen. 


•r) 
© 
pq 


Humusreicher , milder, 
sandiger Lehm, lehmi- 
ger Sand od. Mergelbo- 
den mit durchlassendem 
Untergrund bei gehöri- 
ger Tiefe. 


Kräftiger guter Lehm- 
boden von geringerer 
Tiefe bei ungünstigem 
Untergrund. 


Zu bündiger strenger 
Lehmboden od. zu loser 
Sandboden mit ungün- 
stigem Untergrund. 


1* 
O 

OQ 
«8 

EBB 


Taugliches Wasser im 

Garten od. unmittelbar 

dabei in reichlicher 

Menge, ein Bach im 

Garten. 


Taugliches Wasser aber 
entfernt vom Garten, 
oder hartes Wasser im 
Garten, doch genügend. 


Wasser im Garten oft 
oder ganz fehlend und 
nicht oder nur mit gros- 
sen Kosten beizuschaf- 
fen. 


«4 

09 
feß 

c 

:3 

Q 


Rinds- u. Pferdemist in 
reicher Menge u. billig, 
Düngersurrogate eben- 
falls wohlfeil. 


Mist und Düngersurro- 
gate in Menge, aber 
nur theuer zu erhalten. 


Mist oft fehlend oder 
nur mit sehr hohem Ko- 
stenaufwand zu erhalten. 


Arbeitskräf- 
te und Ar- 
beitslohn 


Reichliche Arbeitskräfte 
bei billigen Löhnen, der 
Mann 24 kr., das Weib 
16 kr., Arbeitszeit un- 
beschränkt. 


Billige Löhne, reichliche 
Arbeits-Kräfte, aber die 
Arbeitszeit beschränkt. 


Mangelnde Kräfte und 

hohe Arbeitslöhne, der 

Mann 36 kr., das Weib 

20 kr. 




Wenigstens 10 — 20 
Mistbeetkästen zu vier 
Fenstern zur Frühtrei- 
berei sowie zu Setz- 
lingen. 


Eine kleinere Zahl Mist- 
beete, vorzüglich oder 
ausschliesslich nur zu 
Setzlingen. 


Mistbeetkästen fehlend. 


Gemüse- 
keller 


Geräumiger trockner 

Winterkeller oder gut 

eingerichtete gemauerte 

Einsatzkästen. 


Feuchter oder zu klei- 
ner Keller u. schlechte 
Einsatzkästen. 


Weder Gemüsekeller 
noch Einsatzkästen. 


bD 

N 

es 

03 

US 


Absatz für alle Erzeug- 
nisse zu guten Preisen 
das ganze Jahr hindurch 
in der Nähe. 


Absatz für den grössten 
Theil der Gemüse; je- 
doch weit zum Markt. 


Unsicherer Absatz und 
nur für manche Erzeug- 
nisse des Gartens bei 
geringen Preisen. 



26 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Diese 3 Hauptabtheilungen A. B. 
und C. geben sichere Anhaltspunkte für 
die Taxation der Gemüsegärten und die 
Ermittlung des Rohertrags wie des Rein- 
ertrags derselben. Finden sich alle oder 
fast alle die auf den Ertrag des Gartens 
influirenden oben genannten Punkte in 
der 1. Abtheilung A, so wird der Gar- 
ten einen Rohertrag von 400 fl. und 
höher pro "Wttb. Morgen gewähren, und 
der Reinertrag wird sich auf circa die 
Hälfte dieses Ertrags — in Ueberein- 
stimmung mit dem früher bei der Berech- 
nung von 1 Normalbeet gefundenen An- 
satz, — also auf 200—250 fl. belaufen. 
Sind alle oder fast alle diese Zustände 
in der 2. Rubrik B zu suchen, so ist 
der Rohertrag nur auf 250 fl. und der 
Reinertrag auf 90 — 100 fl. zu veran- 
schlagen; sind die verschiedenen Zu- 
stände des Gartens sämmtlich oder fast 
sämmtlich denen in der 3. Rubrik C an- 
geführten entsprechend, so ist der Roh- 
ertrag nur auf 100 fi. , der Reinertrag 
aber nur auf 25 fl. pro Morgen zu be- 
rechnen. Innerhalb dieses Rahmens von 
100 bis 400 fl. und von 20 bis 200 fl. 



lassen sich leicht nach Belieben 6, 9 
oder 12 Bonitätsklassen bilden. 

Der Reinertrag verhält sich zum 
Rohertrag in den verschiedenen Klassen 
verschieden, da die Bodenbearbeitung, 
Kosten für Dünger und Saat, allgemeine 
Culturkosten sich nicht wesentlich ver- 
ändern, also dieselben Ausgaben sind, 
während der Ertrag bedeutend herab- 
sinkt. Bildet man 6 Klassen, wie folgt, 
so ist in den ersten beiden das Verhält- 
niss des Rohertrags zum Reinertrag wie 
2 : 1 , in den nächsten wie 3 : 1 und 
in der 5. und 6. Klasse wie 4:1. 

In der folgenden Classification be- 
zeichne A, B und C die 3 Hauptab- 
theilungen der oben gegebenen Tabelle 5 
die Zahlen bezeichnen, wie viele der 
angegebenen Punkte oder Zustände sich 
in Abtheilung A, B oder C finden, also 
z. B. A 6, B 2, C 1 bedeutet , dass 6 
obiger Punkte in der 1. Abtheilung, 2 
in der 2. und 1 in der 3. sich be- 
finden. Ausser den nachfolgenden 6 
Klassen lassen sich, wenn man will, 
noch andere Zwischenabtheilungen leicht 
bilden. 



AS — Bl — CO — Kl. 
A 7 — B 2 — C — Kl. H. 
A 5 — B 3 — C 1 - Kl. III. 
A 3 — B 4 — C 2 — Kl. IV. 
A 1 — B 5 — C 3 — Kl. V. 
A — B 3 — C 6 — Kl. VI. 

Dass diese Zahlen durchaus nicht 
zu hoch gegriffen sind, sondern eher zu 
niedrig, wird jede Probe, welche mit 
obiger Bonitirung angestellt wird, leicht 
zeigen. 

Schliesslich bemerke ich, dass ich 



I. Rohertrag 400 fl. Reinertrag 250 fl. 



?> 



5J 



300 fl. 


5) 


150 fl. 


250 fl. 


)? 


100 fl. 


200 fl. 


V 


70 fl. 


150 fl. 


V 


40 fl. 


100 fl. 


}' 


25 fl. 



hier nur Gärten im Auge habe, welche 
lediglich zum Gemüsebau bestimmt sind, 
und nicht zu andern Culturen, welche 
auf die Erhöhung oder Verminderung 
des Ertrags influiren, zugleich verwen- 
det werden. 



I. Originalabhandlungen. 



5) Wechsel der Blumengrösse der IkTynipliaeen und insbesondere 

der Kymphaea micrantha Guillni» 



Die Nymphaea micrantha aus Sene- 
gambien ist wohl in allen Wasserhäusern 
zu finden. Die Blumen und Blätter glei- 
chen zwar denen unserer gemeinen weis- 
sen Wasserrose; sehr interessant wird 
aber diese Pflanze durch die Eigenschaft, 
auf der Spitze des Blattstiels und also 
am Grunde des Blattes junge Pflänzchen 
zu tragen, die zugleich Blätter nach oben 
und Wurzeln nach unten treiben. 

Von diesen kleinen jungen Pflänz- 
chen entwickelte kürzlich eines in un- 
serm Victorienhaus auch Blumen und 
stellte gleichsam eine Miniaturausgabe 
von Wasserrose dar, mit Blättern von 
IV» Zoll und Blumen von V» Zoll 
Durchmesser. — 



Hierbei wollen wir die Bemerkung 
machen, dass es überhaupt kaum Pflan- 
zen giebt, die in der Grösse der Blumen 
so variabel, wie die Wasserpflanzen. 
Hunger oder kleine Gefässe bewirken 
kleine Blumen und Blätter. So blühet 
bei uns die Nymphaea dentata, nur in 
Töpfe gepflanzt, kaum grösser als die 
N. alba, und in Kübel ins Victorien- 
Bassin gestellt, mit 9 Zoll im Durch- 
messer haltenden Blumen. Die eben 
erwähnte Nymphaea micrantha, deren 
normale Blumen 3Va Zoll im Durch- 
messer haben, ist ein anderes frappantes 
Beispiel und Victoria, Nymphaea gigan- 
tea und andere verhalten sich durchaus 
ähnlich. (E. R.) 



6) ISepfilanzung der ISSuinengruppen in den Gärten um Peters- 



ist die niedrige, bei hohem Wasserstand 
der Ueberfluthung ausgesetzte Lage. Um 
nun das Terrain gehörig zu heben und 
dadurch gesund und trocken zumachen, 
mussten Teiche und Kanäle ausgegra- 
ben werden, welche nun nicht wenig zur 
Belebung der ganzen Scenerie beitragen. 

Ausserdem hat aber auch jeder Gar- 
ten seine Blumenparthie. Blumen sind 
hier durchgängig sehr beliebt, ganz be- 
sonders aber jene Blumen, welche ent- 
weder im Winter im Zimmer blühen, 
oder welche, im Sommer zu Gruppen 
vereinigt, schon von Weitem einen gu- 
ten Effect hervorbringen. 

Die erste Anforderung, welche hier 
an eine Blumengruppe gestellt wird, 
ist die, dass sie den ganzen Sommer 
hindurch in Blüthe sein soll. Vor dem 
8ten Juni wagt man jedoch im Allge- 
meinen nicht, zartere Sachen ins freie 
Land zu pflanzen, und schon im Anfang 



Der Sommer ist hier kurz. Mit um 
so grösserm Behagen wird er benutzt. 
Wer es nur vermag, der zieht aus der 
Stadt hinaus ins Freie, in jene meist 
im leichten anmuthigen Style gebauten 
Landhäuser, die eher für Italiens Klima, 
als für den hohen Norden construirt 
scheinen. Nach allen Seiten sind diese 
Landhäuser von Veranden und Baiko- 
nen umgeben, welche durch Topfgewäch- 
se decorirt und durch gespannte, Tücher 
geschützt sind. Die Gärten selbst sind 
meist in natürlichem Style angelegt. 
Saftig grüne Rasenplätze wechseln mit 
ausserordentlich üppigen Baumgruppen, 
die durch die massenhaft verwendete 
Birke meist ein leichtes lachendes Aus- 
sehen haben. — In grösseren Gärten 
fehlen, obgleich der Fluss oft in un- 
mittelbarer Nähe, dennoch die Wasser- 
parthien nie, ja sind sogar eine not- 
wendige Sache. Der Grund davon 



28 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



September kommen zuweilen wieder 
Fröste. Es können demgemäss Sommer- 
gewächse nicht als Setzlinge dem Lande 
übergeben werden, sondern sie werden 
im Gewächshause und Beete ausgesäet, 
dann in Töpfe gepflanzt und später schon 
als erwachsene Pflanzen , die bereits zu 
blühen beginnen, dem Lande übergeben. 
Am beliebtesten zu diesem Zwecke ist 
Phlox Drummondi, Viola tricolor, Lobelia 
erinoides und ramosa, Rhodanthe Man- 
glesii , die Levkoien , Clintonia pulchella, 
Mcsembrianthemum tricolor, Sedum cae- 
ruleum, die Portulaca- Arten, Podolepis, 
die Petunien, welche hier fast nur als 
einjährige Pflanzen behandelt werden, 
die Nemophilen, Zinnia elegans, Scabiosen 
u. andere dankbar blühende Sommerpflan- 
zen. Sobald etwas abgeblüht, muss es durch 
Anderes, imTopfe bereit Gehaltenes ersetzt 
werden. Die Gruppen selbst werden sehr 
dicht u. wo möglich nur mit einer Pflan- 
zenart besetzt, damit das ganze einen zu- 
sammengehörigen Klump bildet. Astern 
und Balsaminen werden auf besonderen 
abgelegenen Beeten ausgepflanzt und erst, 
wenn sie blühen , ausgehoben und zur 
Füllung der Lücken verwendet. 

Es giebt hier Gärten, die jährlich 
mehr als 60000 Töpfe solcher Sommer- 
gewachse, lediglich nur zur Decoration 
der Gruppen im eignen Garten, anziehen; 
die Handelsgärtner ziehen ebenfalls alle 
Sommergewächse zum Verkauf in Töpfen 
an. 

Ausser den Sommergewächsen sind 
es besonders Scarlet - Pelargonien , (na- 
mentlich die Sorte Tom Thumb) 
Fuchsien, Calceolarien, Pyrethrum, Par- 
thenium fl. pleno . Dahlien, und 
vor allem Rosen , die zur Bepflanzung 
von Gruppen verwendet werden. 

Von letzteren sind die immer blühen- 
den Rosen wenig geliebt. Man zieht 
die Remontirenden Rosen in wurzel- 



ächten Exemplaren allen anderen zur 
Bildung von Gruppen vor. Diese Ro- 
sen werden jedoch im Herbst wieder in 
Töpfe gepflanzt und in geschützten Lo- 
kalen, wo die Temperatur nicht unter — 
2° R. sinken darf, durchwintert. Neben 
den remontirenden Rosen werden auch 
gute Theerosen, Bourbon- Rosen Moos- 
rosen und Centifolien auf ähnliche Wei- 
se gezogen. Hochstämmige Rosen sind 
nicht weniger beliebt. Auch sie werden 
im Herbst wieder in Töpfe gepflanzt und 
frostfrei durchwintert. 

In grösseren Gärten , wo auch im 
Winter Salons und Gewächshäuser zu 
dekoriren sind, werden die Rosen 
in solche zur Treiberei, und in solche 
zur Blüthe im Sommer sortirt. Von 
den abgetriebenen werden nach dem 
Abblühen im März, April und Anfangs 
Mai die abgeblüheten Aeste zur wur- 
zelächten Vermehrung benutzt, wie wir 
dies schon früher einmal bemerkten. Im 
Sommer pflanzt man diese abgetriebenen 
Pflanzen , nachdem sie eine Zeit lang 
geruhet, ebenfalls ins Land, um recht 
starkes gesundes Holz zur Treiberei zu 
erhalten. Die hochstämmigen für die 
Blüthe im Sommer bestimmten Rosen 
bleiben dagegen im Topfe, werden in 
sonnige Beete eingegraben, wo sie bei 
hellem Wetter Schatten erhalten, und 
werden nur im blühenden Zustande zur 
Decoration der Balkone, der Rasenplätze 
verwendet, um nach dem Abblühen an- 
deren Platz zu machen. Ein kräftiger 
Dungguss thut bei diesen Culturen sehr 
gute Dienste. Eine der ausgezeichnete- 
sten Rosen-Sammlungen besitzt der Graf 
von Bobrinsky. 

Unter den Calceolarien wird die gelbe 
Calceolaria rugosa zur alleinigen Be- 
pflanzung von Gruppen besonders häufig 
angewendet. Starke Effecte, wie z. B. 
im Hintergrunde eine Gruppe solcher 



I. Originalabhandlungen. 



29 



gelber Calceolarien, oder das Pyrethrum 
Parthenium mit seinen fast den ganzen 
Sommer massenhaft erscheinenden ge- 
füllten glänzend weissen Blüthenköpfen, 
und davor ein paar Pendants von klei- 
neren Gruppen von Pelargonium Tom 
Thumb mit seinen niedrigem Wuchs u. 
den massenhaft erscheinenden brennend 
scharlachrothen Blumen werden ganz 
besonders bei Ansichten in der Perspec- 
tive, wo solche Gruppen auf weite Ent- 
fernung hin wirken sollen , sehr geliebt. 
In kleineren Blumengärten umgiebt 
man die Blumengruppen im Rasen oft 
mit Tuffsteinen und bewirkt dadurch 
eine scharfe freundliche Abgränzung. 
Die scharlachrothen Verbenen, die blauen 
weissen und schwarzen Nemophilen, die 
S ommerlevkoien , niedrige Scharlach- 
Pelargonien, wurzelächte Rosen und an- 
dere niedrigere Pflanzen, jede für sich 
zu dichten mit Blumen bedeckten Klumps 
vereiniget, spielen da eine Hauptrolle. 

Um - den Effect noch zu erhöhen, 
stellt man einzeln im Rasen Fächerpal- 
men, Aloe und andere ausgezeichnete 
Decorationspflanzen mit fremdartigem 
Habitus auf, während die Balkone und 
Balustraden der benachbarten Gebäude 
mit schönen Gruppen von Gewächshaus- 
pflanzen, durch mit Blumen und Grün 
reich verzierten Steinparthien u. s. f. 
decorirt sind, und auf den Pfeilern grosse 
flache irdene Vasen stehen , die mit 
grossen Büschen von Scharlachpelargo- 
nien und herabhängenden blühenden 
blauen Lobelien und anderen Sommer- 
gewächsen so verziert sind , dass die 
Bepflanzung ein grosses blühendes Bou- 
quet bildet. 

Einer der reizendsten Punkte in der 
unmittelbaren Umgebung Petersburgs 
ist das Schloss Ihrer Kaiser!. Ho- 
heit der Grossfürstin Helene (Obergärt- 



ner Herr Süssmeier). Das Schloss selbst 
liegt auf der Spitze der Insel Kamenos- 
trow. Vor dem Schloss erstreckt 
sich die Spitze der Insel ins Wasser, 
umspült von den Armen der majestäti- 
schen dunkelfluthigen Newa. Diese In- 
selspitze ist ein Blumengarten im ei- 
gentlichsten Sinne des Wortes, der sieh 
an die decorirte eine Seite des Gebäu- 
des anschliesst. Der Blick über den ru- 
higen klaren Strom, belebt von Dampf- 
schiffen und Gondeln aller Art, welche 
oft durch roth und weiss, oder blau und 
weiss gekleidete Matrosen gerudert wer- 
den, und zu beiden Seiten die mit herr- 
lichen grossen Gärten und Landhäusern 
bedeckten Ufer ist einzig in seiner Art, 
und selbst die von Lennes schöpferischer 
Hand gebildeten herrlichen Wasserpar- 
thien um Potsdam bieten keine grössere 
Mannigfaltigkeit und Abwechslung, wie 
sie hier durch die natürliche Richtung 
des Stromes und die verschiedenen Gar- 
tenanlagen am Ufer geboten wird, wäh- 
rend die Natur dazu beiträgt , die ein- 
zelnen Gruppen in natürlicher Harmonie 
zu vereinen. 

Dahlien gehören ebenfalls zu den 
Lieblingspflanzen. Auch sie können nicht 
als Knollen ausgepflanzt werden, sondern 
man setzt sie Anfangs Juni als 1 — 2 
Fuss hohe Pflanzen in das Land. Die 
schönsten und neuesten Petunien sind 
noch wenig verbreitet. Von Alonsoa 
Warscewiczci sah ich in einzelnen Gär- 
ten schon ganze Gruppen. 

Wir begnügen uns heute mit diesen 
kurzen Andeutungen, aus denen man er- 
sehen kann, dass hier die Arbeit das 
ersetzen muss, was die Ungunst des 
Klimas erschwert. 

Später wollen wir den Versuch ma- 
chen, einzelne Gärten genauer zu schil- 
dern. (E. R.) 



30 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



IL Neue Zierpflanzen. 



a) Abgebildet im „Botanical 
Magazine. " 
1) Phytelephas macrocarpa R t et 
Pav. (Elephantusia macrocarpa Willd.) 
Phytelephanteae. Das vegetabile Elfen- 
bein, das jetzt in grossen Quantitäten 
nach Europa eingeführt uud von den 
Drechslern zu den mannigfaltigsten Ge- 
genständen verarbeitet wird, ist das 
Product dieser Pflanze. Die reifen Nüsse 
liefern diese Substanz, die dem Elfen- 
bein der Elephantenzähne so durchaus 
ähnelt, dass es, wenn verarbeitet, oft 
dafür verkauft wird. Erst im Jahre 
1826 wurde das Pflanzenelfenbein für 
commercielle Zwecke zuerst nach Europa 
gebracht: lange bevor sich die Specula- 
tion dieses Artikels bemächtigte, war 
die Existenz der Elfenbeiupalme den 
Botanikern bekannt. In der letzten 
Hälfte des vorigen Jahrhunderts be- 
schrieben Ruiz und Pavon sie unter 
der wissenschaftlichen Benennung, die 
ihr seither geblieben ist , da der von 
Willdenow vorgeschlagene Name Ele- 
phantusia nicht angenommen wurde. 
Bert hold Seemann hatte auf seinen 
Reisen Gelegenheit, im Jahre 1847 diese 
interessante Pflanze in ihrem Vaterlande 
zu beobachten, und wies zuerst die nahe 
Verwandtschaft mit den Pandaneen nach. 
Nach seinen Mittheilungen wächst die 
Elfenbeinpalme in Süd -Amerika, zwi- 
schen dem 9. Grade nördlicher und dem 
8. Gr. südl. Breite, und den 70 — 79. 
westlichen Längengraden. Sie bewohnt 
feuchte, eingeschlossene Localitäten, wie 
enge Thäler und Ufer von Flüssen und 
Bächen und wird nicht nur in der nie- 
deren Küstenrogion , wie in Darien, 
gefunden, sondern auch auf Bergen in 
einer supramarinen Höhe von über 3000 
Fuss, wie in Acana. Die Spanier und I 



ihre Abkömmlinge nennen sie Palma de 
marfil (Elfenbeinpalme), ihre Frucht 
cabeza de negro (Mohrenkopf) und die 
Samen marfil vegetal (Pflanzenelfenbein). 
Sie wächst gewöhnlich in getrennten 
Gruppen, selten untermischt mit anderen 
Bäumen und Sträuchern, und selbst nie- 
dere Kräuter werden selten unter ihrem 
Schatten gefunden. Der Stamm ist im- 
mer niederliegend, theils durch seine 
eigne Schwere, theils durch seine Luft- 
wurzel hinabgezogen, und nur der be- 
blätterte Gipfel aufgerichtet, jedoch sel- 
ten über 6 Fuss hoch. Der Gipfel ist 
mit einer prächtigen Blätterkrone von 
12 — 20 Blättern geziert. Die ganze 
Länge der fiederig zerschnittenen Blät- 
ter beträgt 18 — 20 Fuss. Die Blatt- 
segmente sind am Grunde des Blattes 
alternirend, gegen die Spitze zu gegen- 
ständig; sie sind bei 3 Fuss Länge, 2 
Zoll breit und gewöhnlich beträgt ihre 
Zahl 160. Alle Exemplare, die Herr 
Seemann beobachten konnte, waren 
diöcisch ; die männlichen immer robuster 
und höher, als die weiblichen. Die Blü- 
thenstände beider verbreiten einen sehr 
durchdringenden Mandel - ähnlichen Ge- 
ruch. Die männliche Inflorescenz besteht 
aus einem einfachen , fleischigen , cylin- 
drischen Kolben mit 3 — 4 Blattscheiden, 
die Blüthen dicht zusammengedrängt 
und sitzend. Sie haben meistens ein 
kleines Deckblatt und einen 3 blättrigen 
Kelch. Staubgefässe zahlreich (36), 
Staubfäden fadenförmig, Antheren linea- 
liseh, aufrecht, zweifächerig. Weibliche 
Inflorescenz ein von 3 — 4 Scheiden um- 
gebener, einfacher Kolben durchschnitt- 
lich 6 — 7 Blüthen in einem dichten 
Knäuel gedrängt, tragend. Die Blüthen 
sind umgeben von spiralig gestellten 
Bracteen, von denen die fünf obersten 



IT. Neue Zierpflanzen. 



31 



oft viel länger als der Griffel und von 
rein weisser Farbe, das Aussehen von 
Blumenblättern haben. Staubgefässe 
zahlreich, frei, steril; Fruchtknoten 6 — 9 
fächerig, jedes Fach enthält ein einziges, 
sitzendes Eichen. Griffel verlängert, 
oben in 6 — 9 Aeste zerspalten, deren 
Ränder mit Papillen besetzt, die eigent- 
liche Narbenfläche bilden. Die Frucht 
ist zusammengesetzt aus 6 — 7 Stein- 
früchten, und bildet kopfgrosse Büschel 
von 25 Pfund Schwere. Jede Steinfrucht 
hat eine harte, holzige Schale, höckerig 
gewürfelt wie der Stamm der Testudi- 
naria elephantipes und enthält meistens 
7 Samen mit dicker, knochenartiger 
Schale. Durch Purdie zuerst eingeführt, 
hat die Elfenbeinpalme zuerst in einem 
männlichen Exemplare 1852 im Schön- 
brunner Garten geblüht, und 1855 
blühte in Kew die weibliche Pflanze. 
(Taf. 4913—14.) 

2) Saxifraga ciliata, Royle. Eine 
hübsche Art vom Himalaya- Gebirge die 
der S. ligulata zunächst steht und viel- 
leicht nur eine kleinere Form derselben 
ist. Die Blätter bilden eine am Boden 
fast horizontal ausgebreitete Rosette; 
sie sind oval, fleischig, stumpf, grob 
kerbzähnig, auf beiden Flächen behaart 
und am Rande stark gewimpert; Blatt- 
stiele bis ein Zoll lang, am Grunde mit 
grossen, häutigen, gewimperten Neben- 
blättern besetzt. Der aufrechte kahle 
Blüthenschaft erhebt sich aus dem Cen- 
trum der Blattrosette und trägt die gros- 
sen, weissen Blumen in einer trugdoldigen 
Rispe. Sehr empfehlenswerth für Stein- 
parthieen und auch für Topfcultur in 
frostfreiem Beete. (Taf. 4915.) 

3) Cattleya Skinneri var. parviflora 
Lindl. Orchideae. Herr Skinner brachte 
von seiner letzten Reise nach Guatemala 
Blüthen von drei verschiedenen Orchi- 
deen mit, die er zusammen auf der glei- 



chen Unterlage wachsend fand. Die 
einen gehörten der Cattleya Skinneri, 
die andern waren von einer dunkelfar- 
bigen Varietät des Epidendrum Skinneri, 
die dritten kleiner als die ersten, und 
grösser als die zweiten, schienen ihm 
die Blüthen eines natürlichen Bastardes 
der beiden genannten Species zu sein. 
Das Bot. Magazine bringt auf T. 4916 
die Abbildung einer in England blühen- 
den Pflanze, die augenscheinlich iden- 
tisch mit der dritten von Skinner als 
Hybride betrachteten Pflanze ist, obgleich 
sie von Warsewicz in einer anderen Lo- 
calität gesammelt wurde. In den Pseu- 
dobulben und Blättern unterscheidet sie 
sich kaum von der ächten C. Skinneri, 
und sie zeigt dieselbe kurze Inflorescenz 
in einer zwei klappigen Scheide; aber 
die Blüthen sind verschieden, nicht halb 
so gross, mit einer zugespitzten, unaus- 
gerandeten, einfarbigen Lippe; auch die 
Petalen sind spitz, nicht stumpf wie bei 
C. Skinneri. In anderen Characteren 
scheinen keine Unterschiede vorhanden. 
Ist es wahrscheinlich, dass diese Pflanze 
ein wirklicher Bastard sei? Dr. Lind- 
ley glaubt es nicht, fügt aber hinzu, 
dass weitere Untersuchungen in dieser 
Richtung wünschenswerth sind, und be- 
merkt noch, dass die Pollenmassen ihm 
verkümmert und steril erschienen, eine 
allerdings auffallende Erscheinung, die 
auch dem geschickten und aufmerksamen 
Pflanzenzeichner, Herrn Fitch, nicht ent- 
ging. (T. 4916.) 

4) Coffea benghalensis Eoxb. Ru- 
biaceae. — Von Thomas Lobb aus As- 
sam eingesandt, bildet diese Art einen 
kleinen Strauch, mit fast sitzenden, ova- 
len, zugespitzten Blättern, pfriemförmi- 
gen Nebenblättern und grossen, rein 
weissen Blüthen, die einzeln, zu zweien 
oder zu dreien, achsel- oder endständig 
auftreten. Kelch 4spaltig, die Lappen 



32 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



fast klauenförmig, Korolle präsentirteller- 
förmig , fünflappig. Die Früchte sind 
von geringerer Qualität als die des äch- 
ten arabischen Kaffeestrauches, und der 
Anbau, der im Calcutta eine Zeit lang 
eifrig betrieben wurde, jetzt wieder ver- 
nachlässigt. Als schön blühender Strauch 
fürs temperirte Warmhaus zu empfehlen. 
(T. 4917.) 

5) Aristolochia Thwaitesii Hook. Ari- 
stolochiaceae. Von Herrn Thwaites im 
Innern von Ceylon entdeckt, blühte diese 
sehr interessante Art zuerst in Kew, im 
März 1856. Von einem knolligen Stock 
oder Rhizom entspringt ein Büschel span- 
nenlanger, aufrechter, holziger Stengel, 
die einfach oder nur am Grunde leicht 
verzweigt, und ihrer ganzen Länge nach 
beblättert sind. Blätter 4—5 Zoll lang, 
spateiförmig - lanzettlich , an der Spitze 
plötzlich verschmälert, ganzrandig, oben 
kahl, unten seidenhaarig-filzig. Die auf- 
rechten, 3 Zoll langen ßlüthentrauben 
treten zu mehreren unmittelbar aus der 
Krone des knolligen Wurzelstockes. 
Blüthen wohlriechend, ausserhalb grün, 
innen an der Oeffnung gelblich, dicht 
mit Drüsenhaaren besetzt, und im 
Schlünde dunkelpurpurroth. Sie sind 
von sehr merkwürdiger Form, indem sie 
eine lange Röhre bilden , die in der 
Mitte zusammengeschnürt und zwei Mal 
gebogen ist, wie ein Schwanenhals. Der 
Blüthenstiel is so lang, dass die Blumen 
an der Erde liegen. Der Saum der 
Blüthenhülle ist schief abgestutzt und 
undeutlich 51appig. Scheint im Warm- 
hause leicht zu gedeihen und willig zu 
blühen und wird wahrscheinlich am Be- 
sten durch Samen vermehrt. (T. 4918). 

6) Odontoglossum hastüabiwn var. 
fuscatum Hook. Orchideae. In Vene- 
zuela von Herrn Birschell gesammelt, 
gehört diese Pflanze als Abart zum 0. 
hastilabium Lindl, , von dem sie sich 



durch die braune, gleichmässige Färbung 
der Innenseite der Blüthenhüllblätter 
unterscheidet. Bei der Stammart sind 
sie grün mit braunen Querstreifen. Sie 
bildet eine stattliche, epiphytisch wach- 
sende Pflanze. Die 4 — 5 Zoll hohen 
Scheinknollen sind breit und zusammenge- 
drückt, gefurcht, oben mit 2 oder meh- 
reren Blättern besetzt ; Blätter linealisch- 
länglich, stumpf, fast lederig. Blüthen- 
schaft verlängert, oben in eine grosse, 
verzweigte, vielblumige Rispe ausgehend. 
Sepalen und Petalen ausgebreitet, fast 
gleichförmig, lanzettlich, zugespitzt, fast 
sichelförmig, ausserhalb grün, innen 
chocoladebraun; Lippe an der Spitze 
fast rund - eiförmig , gespitzt, weiss mit 
rother Scheibe und 5 erhabenen Leisten, 
am Grunde mit zwei kleinen, lanzett- 
lichen, ausgestreckten Oehrchen. Säule 
weisshaarig, breit geflügelt. Sehr em- 
pfehlenswerth. (T. 4919.) 

7) Pernetlya furens, Klotsch. Eri- 
caceae. Ein kleiner Strauch von dem 
südlichen Chili, den die Herren Standish 
und Noble in Bagshot aus Samen zogen. 
Er blühte im Garten dieser Herren Han- 
delsgärtner im freien Lande schon im 
Monat März dieses Jahres in grösster 
Vollkommenheit, und wenn er auch un- 
ter unserm continentalen Himmel sich 
als ausdauernd erweist, wird er gewiss 
durch sein glänzendes, immergrünes 
Laub und seine reichen, rein weissen 
ßlüthentrauben sich würdig den hüb- 
schen Andromeden, Kalmien, Ledum- 
Arten u. s. w. anreihen, mit denen er 
zunächst verwandt, auch die gleiche Be- 
handlung wie diese erfordern wird. Pa- 
ter Feuillee entdeckt und beschrieb 
zuerst diese Art, von deren Frucht er 
sagt, dass sie eine röthlichbraune Bee- 
re, deren Genuss gefährlich sei, da er 
Delirium nach sich ziehe. Blätter kurz 
roth gestielt, eiförmig-lanzettlich, leder- 



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II. Neue Zierpflanzen. 



33 



artig, stachelspitzig, gesägt, bis andert- 
halb Zoll lang, die jungen Blätter ge- 
wintert. Blüthentrauben blattwinkel- 
ständig, vielblüthig; die Spindel spreu- 
blättrig borstig; Kelch weiss, mit 5 aus- 
gebreiteten eiförmig zugespitzten Lappen ; 
Korolle krugförmig kugelig, innen be- 
haart. Cultur in Moor- und Lauberde 
mit scharfem Sand versetzt, und Unter- 
lage von Steinen und Scherben. Ver- 
mehrung durch Aussaat in Näpfe ge- 
füllt mit sandiger Heideerde. Die Samen 
werden nur obenauf gestreut , leicht mit 
zerhacktem Moos bedeckt, und schattig 
und beständig feucht gehalten. (T. 4920.) 

8) Masdevallia Wagneriana, Linden. 
Diese kleine interessante Orchidee wurde 
bereits im Jahrgange 1852 p. 279 der 
Gartenflora besprochen. Die Blumen 
sind jedoch nicht grünlich, wie dort an- 
gegeben, sondern hübsch rein gelb , fein 
mit roth punktirt. (T. 4921.) 

9) Clavija ornata D. Don. (Theo- 
phrasta longifolia Jacq.) Myrsineae. Eine 
in unsem Warmhäusern längst einge- 
bürgerte Pflanze, deren baumartiger 
schlanker Stamm eine Höhe von 10 — 12 
Fuss erreicht und eine grosse Blattkrone 
palmenähnlich stolz trägt. Der unzer- 
theilte oder nur am Gipfel verzweigte 
Stamm trägt seiner ganzen Länge nach 
die Narben der abgefallenen Blätter, 
während die Blattkrone oft einen Durch- 
messer von 5 Fuss erreicht. Blätter 
alternirend, V/% — 2'/^ Fuss lang, von 
fester Textur, verkehrt-eirund-lanzettlich, 
zugespitzt, grob und fast stechend ge- 
sägt, in einen sehr kurzen, geschwolle- 
nen Blattstiel auslaufend. Blüthentrau- 
ben 5 — 6 Zoll lang, einzeln oder zu 
mehreren aus den Blattwinkeln oder 
aus dem nackten Stamme hervortretend, 
ausgebreitet oder nickend. Die zahlrei- 
chen Blumen sind schön orangefarbig. 

I. u. II. 1857. 



Als sehr decorativ zu empfehlen. (T. 
4922.) 

10) Odontoglossum membranaceum 
Lindl. Orchideae. Eine sehr wohlrie- 
chende mexicanische Orchidee , mit 0. 
Cervantesii nahe verwandt, und beide 
vielleicht nur Formen der gleichen Art. 
Scheinknollen klein, gedrängt, eiförmig 
und leicht seitlich zusammengedrückt, 
mit langen, dünnhäutigen Scheiden be- 
deckt, und ein einzelnes, längliches, zu- 
gespitztes Blatt von pergamentartigem 
Gewebe tragend. Blüthenschaft am 
Grunde der Scheinknollen entspringend, 
eine Spannenlang, 3 — 4 blüthig, mit 
dünnhäutigen, stark gespitzten Scheiden 
und Bracteen. Blüthenstiele 3 mal län- 
ger als die Bracteen. Sepalen und Pe- 
talen gleichgefärbt, die letzteren breiter, 
länglich stumpf, die ersteren lanzettlich, 
spitz; die Färbung ist bei der dünnen 
Consistenz der Blüthenhülle ein fast 
transparentes Weiss , am Grunde mit 
rothen Querstreifen, die in regelmässigen 
Kreisen sich um das Centrum ziehen. 
Lippe gross, weiss, mit einer gelben 
Scheibe, dreilappig; die seitlichen Lap- 
pen klein, roth gestreift, der mittlere 
sehr gross, breit herzförmig, wellig ge- 
randet; der fleischige Lippengrund mit 
einem Höcker in der Mitte und in einen 
zweizähnigen Höcker auslaufend. Säule 
rund, eben unterhalb der Spitze mit 
zwei abstehenden, länglichen Flügeln. 
Eine äusserst liebliche, zärtlichere Art, 
die in der kühleren Abtheilung eines 
Orchideenhauses auf Holz befestigt, oder 
in ein kleines Körbchen aufgehängt, cul- 
tivirt wird. (T. 4823.) 

11) Rhododendron Falco?ieri, Hook, 
fil. (Rh. venosum Nutt.) Diese präch- 
tige grossblättrige Art, die schon in vie- 
len Sammlungen sich befindet, und selbst 
ohne Blüthen eine effectvolle Pflanze 
ist, hat im Frühjahr vorigen Jahres (1856) 



34 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



zum ersten Male in Europa geblüht, 
und zwar bei den Herren Standish und 
Noble in Bagshot und im Garten des 
Herrn Fairie bei Liverpool. In England 
erträgt diese Art, die im Sikkim-Hima- 
laya in einer supramarinen Höhe von 
10000 Fuss vorkommt, zwar die Winter 
ganz im Freien, aber die späten Früh- 
lingsfröste und die trockenen Ostwinde 
zerstören die Blüthe, und selbst die 
jungen Triebe, wenn die Pflanze zu 
dieser Jahreszeit nicht durch Deckung 
geschützt wird. In den heimathlichen 
Bergen bildet das Rh. Falconeri einen 
stattlichen, bis 30 Fuss hohen Baum ? 
von unten auf verzweigt, und oft mit 
einem Stamm von 2 Fuss Durchmesser. 
Die jungen Blätter sind ganz mit einem 
rostfarbenen, wolligen Filze bedeckt;*" 
ausgewachsen erreichen sie bis einen 
Fuss Länge, bei etwa 5 Zoll Breite, sie 
sind von dicker, ledriger Textur, ellip- 
tisch oder verkehrt eirund, stumpf, mit 
kurzer Spitze, oben kahl, dunkelgrün, 
mit vertieftem Adernetze, unterhalb dicht 
bedeckt mit mehr oder weniger rost- 
braun gefärbtem Filz, der oft von den 
vorstehenden Rippen sich ablöst. Die 
zahlreichen Blumen bilden einen ge- 
drängten , kopfförmigen Blüthenstand ; 
sie sind weiss, nur am oberen Theile 
der Basis ist ein dunkel purpurner oder 
chocoladefarbiger Flecken. Kelch sehr 
undeutlich, aus 5 kleinen Lappen be- 
stehend ; Blumenkrone glockenförmig 
mittlerer Grösse, 8 — 10 lappig; Lappen 
abgerundet, stumpf und wenig ausge- 
breitet. Staubfäden 12 oder 16, kürzer 
als die Korolle; Fruchtknoten sehr wol- 
lig und klebrig, 16fächerig. (Taf. 4924.) 
12) Pteris heterophylla L. — Eine 
sehr distincte, hübsche Art von Jamaica, 
mit sehr kurzem, holzigem Stamm. Die 
Wedel oval im Umriss, doppelt — oder 
bei üppigen Pflanzen fast dreifach ge- 



fiedert, kahl. — Die sterilen Wedel 
kaum eine Spanne hoch, mit fast eirun- 
den oder öfter verkehrt eirunden, grob 
gesägten Fiederblättchen, die nach un- 
ten schief , keilförmig auslaufen ; die 
Fruchtwedel werden bis ein Fuss hoch; 
ihre Fiederblättchen sind länglich oder 
fast linealisch - länglich und nur an der 
Spitze mit einigen groben Zähnen ver- 
sehen. (Taf. 4925.) 

13) Rhododendron Hookeri Nutt. — 
Wir begrüssen mit Freuden diese Art 
als die erste von einer ganzen Serie in- 
teressanter Rhododendron - Species , die 
in Europa, und zwar im April dieses 
Jahres im Garten des Herrn Fairie 
bei Liverpool zuerst ihre Blüthen zeigte. 
Nachdem Dr. H o o k e r uns in den Hi- 
malaya - Rhododendron einen ungeahnt 
reichen Schatz neuer Formen und Far- 
ben geschenkt hatte, kam in neuester 
Zeit Herr Th. J. Booth mit einer neuen 
Zufuhr herrlicher Arten, die in den letz- 
ten Jahren von Hrn. E. G. Hender- 
son u. Sohn unter der Collectiv - Be- 
zeichnung Assam und ßootan Rho- 
dodendron durch den Handel verbrei- 
tet wurden und im vorigen Jahrgange 
der Gartenflora, pag. 146 aufgezählt und 
summarisch beschrieben sind. Unter ih- 
nen befindet sich , wie schon gesagt, 
auch das Rh. Hookeri, und fügen wir 
zur Vervollständigung der auf Seite 150 
gegebenen Beschreibung nur noch bei, 
dass die glockigen Blumen zu den klei- 
neren in dieser Gattung gehören, dage- 
gen um so brillanter, tief purpurroth 
gefärbt sind , und dass der Strauch im 
Vaterlande nur eine Höhe von 12 — 14 
Fuss erreicht und nicht, wie dort ange- 
geben, 28 — 30 Fuss hoch wird. — 

(Taf. 4926.) 

14) Collinsia verna, Nutt. — (An- 
tirrhinum tenellum, Pursh.) Scrophula- 
rineae. — Eine liebliche , für unsere 



II. Neue Zierpflanzen. 



35 



Gärten ganz neue annuelle Pflanze, nicht 
zu verwechseln mit C. verna, Don,, die 
offenbar die C. grandiflora Lindl. ist, 
von ganz besonderer Schönheit, die obere 
Lippe ist rein weiss und die untere tief 
azurblau. Der verdienstliche N u t a 1 1 fand 
sie schon im Jahre 1812 auf seinen 
Reisen im Innern Nord - Americas auf 
reichem und ziemlich schattigem Allu- 
vialboden in Pennsylvanien , aber erst 
im vorigen Jahre erhielt er Samen von 
einem Freunde aus Kentucky zuge- 
sandt, die er im September in seinem 
Garten in Rainhill bei Liverpool anbaute, 
und im April dieses Jahres (1856) zu 
blühen anfingen. Hoffen wir, dass ihre 
Nachkommenschaft auch bald unsere Gär- 
ten schmücken werden. Aussaat im 
Herbst oder im ersten Frühling ins freie 
Land, gleich an Ort und Stelle. Vor- 
züglich schön zu Einfassungen und auch 
zur Topfcultur sehr empfehlenswerth, da 
sie niedrig bleibt und ebenso reich als 
lange Zeit hindurch blüht. Die wilde 
Pflanze ist gewöhnlich klein, am Boden 
hinkriechend und sparrig, durch Cultur 
gewinnt sie ungemein, sie wird dann 
aufrechter, robust und compacter, span- 
nen - bis fuss-hoch. Stengel und Blät- 
ter kahl , gegenständig; Wurzelblätter 
herz- oder kreisförmig, lang gestielt; 
Stengelblätter sitzend , eirund , kerbzäh- 
nig , stumpflich ; die obern in lineare, 
ganzrandige Deckblätter übergehend, die 
zu vieren wirtelig gestellt sind. Blüthen- 
stiele einblumig und achselständig. Kelch 
21ippig, mit 5 breit-lanzettlichen, spitzen, 
gewimperten Zipfeln. Korolle gross; 
obere Lippe zweitheilig, die Lappen aus- 
einander stehend, an der Spitze einge- 
drückt; untere Lippe dreitheilig, der 
mittlere Lappen klein, bildet eine Falte, 
in der die Staubfäden und Griffel lie- 
gen, die seitlichen gross ausgerandet. 

(Taf. 4927.) 



15) Rhododendron campanulatum. 
Var. Wallichii. (Rh. Wallichii Hook, 
fil.) — Als Dr. Hooker diese Pflanze 
im Sikkim Himalaya zuerst entdeckte 
und beschrieb, hielt er sie für eine neue 
Species, und als solche ist sie auch mit 
den übrigen Himalaya-Rhododendron in 
die Gärten gekommen. Später bei ge- 
nauerer Vergleichung reihte er sie als 
blosse Abart dem Rh. campanulatum 
an , die hauptsächlich dadurch von dem 
Typus abweicht, dass der rostbraune 
Filz an der Unterseite der Blätter fast 
gänzlich mangelt, und dass die Blatt- 
stiele und die Schuppen der Laubknos- 
pen tief roth gefärbt sind. (Taf. 4928.) 

b) Abgebildet in der „Flore des 
Serres." 

16) Calycanthus occidentalis Hook, 
et Arn. Wurde im vorigen Jahrgange, 
p. 67 bereits besprochen. (Taf. 1113.) 

17) Gilia californica Benth. (Lepto- 
dactylon californicum Hook, et Arn.) 
Diese niedliche Aquisition für's Kalthaus 
ist bereits in einer früheren Nummer 
ausführlich besprochen; wir erinnern 
jedoch wiederholt unsere Leser daran, 
dass diese Pflanze eine der vorzüglich- 
sten und allgemein empfehlenswerthesten 
Neuheiten ist , sowohl für Topfcultur, 
als zum Bepflanzen von Gruppen. Wir 
finden sie bereits im neuesten Cataloge 
von Van Houtte mit 12 Frs. notirt, 
(T. 1114.). 

18) Vaccinium erythrinum , Hook. 
Ist im Jahrgange 1853, pag. 51 der 
Gartenflora besprochen worden. (Taf. 
1115.) 

19) Tecoma fulva, Don. In einer 
der vorhergehenden Nummern erwähnt. 
(Taf. 1116). 

20) Clematis pate?is, Dcne. var. He- 
lena. Ranunculaceae. Eine sehr schöne 
rein weisse Varietät der Cl. azurea 

3 * 



36 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



grandiflora Hort., die Dr. von Siebold 
aus Japan mit mehreren anderen ein- 
führte und von Van Houtte in den Gär- 
ten verbreitet wurde. Bei dieser Abart 
sind die Staubfäden hellgelb und nicht 
violett. (Taf. 1117.) 

21) Cypripedium macranthon, Swartz. 
Diese eben so seltene als prächtige, si- 
birsiche Frauenschuh- Art ist in vorigem 
Jahrgange der Gartenflora, pag. 145 be- 
sprochen worden. Herr Van Houtte 
schlägt folgende Culturmethode vor: 
„Im August, wenn die Pflanze ihre 
Ruhezeit beginnt, pflanze man sie in 
Töpfe auf eine gute Scherbenunterlage 
in eine Erdmischung, aus gleichen Thei- 
len sandigen Lehms und Lauberde be- 
stehend, der man etwas Holzerde zu- 
setzt. Man bringt die Töpfe nun in 
ein schattiges, nach Norden gelegenes 
kaltes Fensterbeet, wo sie frostfrei über- 
wintert werden. Im Februar stellt man 
sie in :ein durchaus sonnig gelegenes 
Beet, lüftet fleissig und hält sie massig 
feucht. Sobald die Blumen sich zeigen, 
bringt man die Töpfe in's Kalthaus oder 
in's Zimmer und nach dem Abblühen 
in einen schattigen Winkel im Garten, 
wo die Rhizomen langsam ausreifen." 
(Taf. 1118.) 

22) Gilia dianthoides Endl. (Fenzlia 
dianthiflora Benth.) Eine liebliche, an- 
nuelle Pflanze, der wir bereits in einer 
früheren Lieferung gedachten. (Taf. 
(1119.) 

23) Lonicera Caprifolium major, 
Carr. Dieses in den Gärten allgemein 
angepflanzte Geisblatt wird oft mit einer 
andern Art, der L. semperflorens ver- 
wechselt. Beide sind jedoch von einan- 
der sehr verschieden: Die Blumen der 
ersteren erscheinen gegen Ende Mai und 
Anfang Juni in reicher Fülle , sie sind 
sehr wohlriechend, ausserhalb rosa -vio- 
lett, innen gelblich weiss und dann gelb 



werdend , mehr ausgespreizt und die 
Rispen lockerer als bei L. semperflorens ; 
der Strauch blüht jedoch nur ein Mal 
im Jahre; L. semperflorens dagegen be- 
ginnt erst Ende Juni zu blühen und 
blüht dann fort bis zum Spätherbst. Die 
Rinde ist bei der L. semperflorens dunk- 
ler gefärbt und nie behaart, die Blätter 
sind fester, dicker und kahl, dauern viel 
länger und fallen oft erst im folgenden 
Frühlinge, wenn der neue Trieb beginnt. 
(Taf. 1120.) 

24) Nicotiana glutinosa, L. (Tabacus 
viridis, Moench.) Solaneae. Eine an- 
nuelle Pflanze, deren Stengel bis2V a Fuss 
hoch werden ; Blätter lang gestielt, herzför- 
mig ganzrandig, auf beiden Seiten weich- 
wollig behaart, wie die ganze Pflanze 
klebrig-drüsig, und von demselben narko- 
tischen Gerüche, wie die übrigen Tabak- 
Arten. Blüthen in einseitswendigen, aufge- 
rollten Trauben; die Röhredoppelt so lang 
als der Kelch, mit weitem fast rachigem, 
schiefem Saume, matt ziegelroth. Wurde 
schon im vorigen Jahrhundert cultivirt, 
scheint aber später aus den Gärten ver- 
schwunden zu sein und ist jetzt wieder 
im Van Houtte'schen Garten aus Sa- 
men gezogen worden, den der wackere 
Warscewicz von Central- Amerika mit- 
gebracht hatte. (Taf. 1121.) (E. 0.) 

c) Pescatorea. 

Iconographie des Orchide'es 
de la collectionde Mr. Pescatore, 
re'dige'e par M. M. J. Linden, G. 
Lüddemann, J. E. Planchon et 
M. G. Reichenbach fils. 

Wir haben früher schon einmal die- 
ses Prachtwerk über Orchideen in Gross- 
Folio angezeigt, und gestehen, bis jetzt 
keine Pflanzenabbildungen gesehen zu 
haben, wo neben präciser Zeichnung eine 
solche Feinheit und solcher Schmelz des 
Colorits. Zehn Hefte bis 1855 liegen 



II. Neue Zierpflanzen. 



3T 



vor uns. Wird das Werk auch fortge- 
setzt werden ? Das ist eine Frage , über 
die seit dem bedauerlichen Tode Pesca- 
tore's, der eben dessen Herausgabe durch 
bedeutende Opfer ermöglichte, noch nicht 
entschieden ist. Wir wünschen und 
hoffen , dass auch jetzt noch die Mittel 
zur Fortsetzung eines Werkes sich fin- 
den möchten, das von so bedeutenden 
Kräften getragen wird. Wir geben ein 
kurzes Referat über die^ bis jetzt erschie- 
nenen Abbildungen , welche schon des- 
halb für jeden Orchideenfreund Interesse 
haben, als sie nur ausgesucht schöne Ar- 
ten betreffen. 

25) Odontoglossum Pescatorei Lind. 
(T. 1.) Stammt aus den Provinzen 
Ocana und Pamplona in Neu - Granada, 
Eine 2 — 3 Fuss lange Rispe grosser, 
zarter, weisser, zart rosa und gelb nüan- 
cirter Blumen zeichnet die Pflanze aus. 
Ododontoglossum nobile Rchb. fil. fällt 
dazu. Beschrieben in Lindl. Fol. Orch. 
Nr. 56. Cultur in aufgehängten Körben. 
Leidet leicht durch Feuchtigkeit. Rei- 
chenbachs Name ist eigentlich der äl- 
tere. 

26) Uropedium Lindeni Lindl. (T. 2.) 
Mehrfach besprochen. 

27) Houlletia odoratissima Linden. 
(T. 3.) Eine Houlletia mit aufrechtem 
Blüthenschaft aus Neu^Granada. Die 
später gefurchte Scheinknolle trägt auf 
der Spitze ein breit -lanzettliches, gefal- 
tetes Blatt. Die mehrblumige aufrechte 
Blüthenfraube grundständig und kürzer 
als das Blatt. Sepalen frei, abstehend, 
lanzettlich-oval, spitz ; die Petalen gleich- 
artig, nur etwas kleiner und schmäler, 
alle hellroth und der Länge nach dun- 
kel kupferroth linirt. Lippe mit nagei- 
förmigem, ovalem, stumpfem, am Grunde 
pfeilförmigem Epichilium, welches inner- 
halb des Randes warzig. Das Mesochi- 
lium trägt 2 aufsteigende, sichelförmige, 



hornförmige Zähne , die jedoch kürzer 
als die Lippe und Ilypochilium , und 
besitzt einen becherförmigen gestielten 
spitzen Fortsatz. Lippe weiss mit ro- 
then Hörnern und gelber Zeichnung. 
Säule verlängert, weiss. 

28) Dendrobium Farmeri Paxt. (Ta- 
fel.) S. Gartenfl. I. Jahrg. p. 278. 

29) WarscewiczieUa marginata Rchb. 
fil. (T. 5.) (Als Warrea quadrata Lindl. 
Gartenfl. Jahrg. 54, pag. 128 schon er- 
wähnt). Die Warscewicziellen sind 
schöne und eigenthümliche Pflanzen, die 
gleichsam zwischen Warrea und Zygo- 
petalum stehen. Scheinknollen fehlen. 
Die einblümigen Blüthenschafte sind 
achselblumig und tragen bei unserer 
Pflanze ziemlich grosse weisse Blumen, 
deren Blüthenhüllblätter an der Spitze 
grünlich und deren ziemlich grosse, fast 
kappenförmige Lippe am Rande und auf 
der Scheibe purpur gefärbt. Sehr schön, 
aber ein wenig schwierig in Kultur. 
Muss vor zu viel Feuchtigkeit und 
Tropfenfall behütet werden. Man pflanzt 
sie, wie Pflanzen verwandten Wachs- 
thums in Töpfe, aber auf eine Erhöhung 
über den Topf hinaus. Mischung aus 
gehacktem Sphagnum, faseriger Torferde 
und Holzerde. 

30) Vanda suavis Lindl. — (Tafel 6.) 
Nicht die Schönheit einer Pflanze allein 
ist es, die dieselbe gesucht und darum 
auch theuer macht. Nein ! es ist zugleich 
auch die Mode, oder mit andern Worten 
das vorzugsweise Suchen nach ganz beson- 
dern Pflanzenformen , die den oft einge- 
bildeten Werth bestimmt. So haschen 
alle Orchideen- Sammler jetzt vorzugs- 
weise nach den in Ostindien heimischen 
Orchideen und bezahlen dieselben mit hor- 
renten Preisen, nur weil sie jetzt in den 
Sammlungen noch selten und einzelne 
allerdings auch sehr schön sind. — Eine 
Pflanze mit zweizeilig beblättertem Sten- 



38 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz, 



gel, aus dem sie dicke Wurzeln und die 
hängende Blüthentraube wohlriechender 
Blumen entsendet. Blätter riemenförmig, 
zurückgekrümmt, an der Spitze schief 
gezähnt. Blüthenhüllblätter zurückge- 
knickt, über ein Zoll lang, spateiförmig, 
convex, stark wellig, an der Spitze breit 
abgerundet. — Lippe convex, 3-lappig, 
mit schmalem, tief 2-theiligem, 3-rippigem 
Mittellappen und langen,- ovalen, spitzen, 
abstehenden Seitenlappen und aufrechten 
abgerundeten Oehrchen. Die Blumen 
der vorliegenden Pflanze sind auf zart 
weissem Grunde blutroth gefleckt , die 
Lippe purpur. Eine andere Form ist 
auf gelbem Grunde ähnlich gezeichnet: 
es ist dies die V. tricolor. Die Ostin- 
dischen Orchideen erfordern zur glück- 
lichen Kultur eine wärmere Abtheilung 
des Orchideenhauses, oder einen Kasten 
mit besonderm Glasverschluss an der 
wärmsten Stelle des Hauses. Sehr gleich- 
massig feuchte Luft ist hier Hauptbe- 
dingung des Wachsthums; denn die Van- 
den, Aerides , Saccolabium, und über- 
haupt alle die mit klimmenden Stengeln, 
die jene dicken saftigen Wurzeln zahl- 
reich entsenden (so sie sich wohl befin- 
den), scheinen der Erdnahrung gar nicht 
zu bedürfen. Für die zartem Erdorchi- 
deen dieser Länder ist eine gleichmäs- 
sige Bodenwärme in solch einem Kasten 
vorzüglich , so z. B. für die schönen 
Anoectochilus-Arten. Das Heer der Den- 
drobien blühet nur dann gut, wenn man 
ihnen eine Ruheperiode zukommen lässt. 
Die Coelogynen lieben Eidnahrung und 
bei den ächten Erdorchideen, wie Phajus 
etc. versteht sich dies von selbst. Das 
Sphagnum, jenes eigenthümliche gelb- 
braune oder auch oben hellgraue und 
erst nach unten gelbe Torfmoos spielt 
bei all diesen Kulturen die Haupt- 
rolle. Wo man die Pflanzen nur an 
Holz anheftet, da müssen immer Polster 



desselben unterlegt werden. Für Körbe 
und Töpfe braucht man es als oberste 
Decke, denn es saugt Luftfeuchtigkeit 
wie Wasser gleich gierig auf und führt 
dieses den Wurzeln zu. 

31) Coelogyne asperata Lindl. (Coelo- 
gyne Lowei Paxt.) (Tab. 7.) Eine andere 
wahrhaft reizende Orchidee von Borneo. 
Verlängerte, etwas eingekrümmte Schein- 
knollen tragen auf der Spitze zwei Blät- 
ter. Der grazil überhängende 14 — 15- 
blumige Blüthenschaft erscheint am 
Grunde von rundlich - ovalen coneaven 
bleibenden Schuppen umgeben. Die 
grossen zart- weissen Blumen mögen 3 
Zoll im Durchmesser halten, nur die 
Lippe ist zart purpur nüancirt. Sie er- 
scheinen im Mai und besitzen einen zar- 
ten Geruch nach bittern Mandeln. Die 
Sepalen sind lanzettlich, gekielt, schma- 
ler als die gleichförmigen ungekielten 
Petalen. Die Seitenlappen der kappen- 
förmigen Lippe aufrecht , oval , stumpf, 
der Mittellappen länglich , stumpf und 
kraus. Eine dicht warzige Scheibe mit 
3 ungleichen glatten Rippen am Grunde. 

Wird in Töpfe oder Körbe gepflanzt 
und ist noch sehr selten. 

32) Odontoglossum Cervantesiiß. mem- 
branaceum Lindl. (0. membranaceum 
Lindl. Sert. t. 25.) (Tab. 8.) Diese 
zierliche Orchidee Mexikos ist schon 
lange bekannt, aber noch wenig kultivirt 
in den Sammlungen vorhanden. Die auf- 
rechten Blüthentrauben überragen die 
kurzen Blätter wenig. Die zarten weis- 
sen Blumen sind immer gegen den Grund 
zart purpur bandirt. 

Wird als mexikanische Orchidee an 
der kühlsten Stelle der kältern Abthei- 
lung des Orchideenhauses kultivirt. 

33) Cattleya citrina Lindl. (Tab. 9.) 
Eine mexikanische Cattleya, welche die 
Eigentümlichkeit besitzt, stets hängend 
zu wachsen. Auf den kurzen spindel- 



n. Neue Zierpflanzen. 



39 



förmigen Scheinknollen stehen 2 spitze 
bandförmige Blätter. Blüthenschaft kurz, 
nie oder selten 2-blumig , am Grunde 
von trocknen , bläulich-weissen Scheiden 
umgeben. Fruchtknoten stielförmtg 3 — 5 
Zoll lang. Die schön schwefelgelbe 
Blume mag 4 Zoll im Durchmesser 
haben. Sepalen bandförmig, spitz. Pe- 
talen keilförmig-länglich, spitzlich. Lippe 
am Grnnde beiderseits abgerundet, ge- 
gen die Spitze 3-lappig. Seitenlappen 
abgerundet, um die Säule gerollt. Der 
Mittellappen breit bandförmig, ausge- 
randet, am Rande kraus gekerbt und 
heller. — • Eine schöne, durch den Wuchs 
der Knollen und Blätter nach unten sehr 
eigentümliche Pflanze. Nach Beobach- 
tungen Kegel's soll auch Paphinia cri- 
stata einen ähnlichen Wuchs besitzen. 

34) Benanihera matutina Lindl. (Tab. 
10.) Stammt aus Java und blühet selbst 
in schwachea Exemplaren ebenso dank- 
bar, wie Rh. coccinea undankbar blühet. 
Eine Kletterpflanze an Stämmen mit 
zweizeilig beblätterten Stengeln und 
bandförmigen, schmalen, an der Spitze 
uugleich ausgekerbten Blättern. Blumen 
in achselständigen Rispen, die länger 
als die Blätter sind. Sepalen und Petalen 
fast gleich, ungefähr 1 Zoll lang, linien- 
bandförmig, spitz. Die seitlichen Sepa- 
len stehen nach unten und berühren 
einander mit dem mittleren Theil ihrer 
Ränder, unten nur eine kleine Oeffnung 
für die Lippe lassend. Lippe sehr klein, 
mit stumpfen, sackförmigem Sporn. Grif- 
felsäule an der Spitze sammtig. 

Die Farbe der Blumen ist ein lebhaf- 
tes orangenroth, mit brauu gefleckt und 
verwaschen. Wird an grössern Baum- 
stämmen, auf eine Unterlage von Sphag- 
num befestigt und klimmt hier schnell 
empor. 

35) Odontoglossum hastilabium. Lindl. 
(Tab. 11,) Von den schönen Odonto- 



glossen Mittel-Amerika's sind in neuester 
Zeit viele Arten in Cultur gekommen, 
und eine übertrifft immer die andere an 
Farbenpracht und Blumenreichthum. Die 
Blumen stehen in reichblumiger Blü- 
thenrispe und halten über 2 Zoll im 
Durchmesser. Sie sind blassgelb, inner- 
halb bis über die Mitte rothbraun ban- 
dirt gefleckt. Die Lippe am Grunde 
blutroth. Charakteristisch für sie sind die 
lanzettlichen, zugespitzten, aussen ge- 
kielten Sepalen, die wenig kürzeren ähn- 
lichen Petalen und endlich die Lippe, 
welche am Grunde beiderseits lanzett- 
lich auriculirt, und mit verkehrt-keilför- 
förmigem Mittelappen, der an der Spitze 
herzförmig 3seitig und am Grunde mit 
3 grossen gesägten kielförmigen Erha- 
benheiten versehen ist. Aus Santa 
Martha eingeführt. 

36) Barkeria elegans Knowh et 
Werte. (Tab. 12.) (Grtfl. J. 3. pag. 237.) 
Einem Epidendrum mit schmalen beblät- 
terten Scheinknollen ähnlich. Blumen 
rosa, 2 Zoll im Durchmesser. Lippe 
weiss, vorn mit blutrothem Fleck. Die 
weisse marmorirte Stempelsäule trägt 
vorn 2 augenförmige Flecken. Ausge- 
gezeichnet schöne Art aus Mexiko. Cul- 
tur in der kühlsten Stelle des Orchi- 
deenhauses. 

37) Warsawicziella Candida Bchb. fil. 
(Tab. 13.) Warrea Candida Lindl. — 
Nah verwandt der besprochenen Warsce- 
wicziella marginata. Blumen weiss. 
Lippe zart rosa nüancirt und mit rosa 
Centrum. Weicht von W. marginata 
nur durch die Lippe ab, welche hier 
länglich quadratisch, an den hintern Ecken 
kappenförmig eingerollt, ferner vorn auf 
dem Saum innen schwielig ist. Die 
Scheibe am Grunde ist länglich, an der 
Spitze gezähnt. Griffelsäule eckig. 

Nicht weniger schön in der Blüthe 
und nicht weniger schwierig in der 



40 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Cultur als die besprochene Art. Die 
Blumen der abgebildeten Art halten 2 , / a 
Zoll im Durchmesser. In deutschen 
Gärten giebt es Abarten mit viel klei- 
nern Blumen und himmelblauer Lippe. 

38) 0. naevium Lindl. (Tab. 14.) 
Ein anderes herrliches Odontoglossum 
aus St. Martha. Blumen in grazilen 
Trauben, gross, auf weissem Grunde 
blutroth gefleckt Die länglichen Blü- 
thenhüllblätter sind lang zugespitzt und 
kraus. Blüht reich und sollte in keiner 
Sammlung fehlen. 

39) Angraecum Brongniartianum 
JRchb. fil. (Tab. 15.) Ein neues 'An- 
graecum von Bourbon oder Madagascar. 
Ein dicker Stengel, der mit breit band- 
förmigen spitzlich - stumpfen Blättern 
zweizeilig besetzt. Der über 2 Fuss 
hohe achselständige Blüthenschaft trägt 
die grossen weiss und grünen Blumen 
in einer Traube nnd ist länger als die 
Blätter. Sepalen und Petalen lanzett- 
lich, lang spitz zugespitzt. Die Lippe 
mit langem fädlichem dünnem Sporn, der 
länger als die Lippe, und am Grunde 
mit einem Kiel der bis zur Scheibe als 
erhöhte Linie fortläuft. — Eine ganz ei- 
genthümliche Pflanze, die in der wärm- 
sten Abtheilung des Orchideenhauses zu 
cultiviren ist. — Dabei ist noch zu be- 
richtigen, dass die Bot. Reg. t. 1522 
abgebildete Pflanze nicht A. eburneum 
sondern A. superbum Du P. Th. ist. 
Ferner ist das A. virens der Engl. Gär- 
ten das ächte A. eburneum Du P. Th. 
Die 3te in den Gärten befindliche, aber 
noch sehr seltene Art, ist die oben be- 
schriebene. 

40) Catasdum sanguincum Lindl. 
(Tab. 16.) Es macht diese Art von 
den gemeiniglich unscheinbar gefärbten 
Cataseten eine sehr vortheilhafte Aus- 
nahme. Blumen 2 Zoll im Durchmesser, 
bräunlich-gelb oder grünlich, überall mit 



kleinen Purpurstrichen überall gezeich- 
net und Lippe lebhaft roth. Verwandt 
dem C. Naso Lindl. Scheinknolle cylin- 
drisch, dicht beblättert. Blüthentrauben 
wenig blumig. Sepalen länglich-lanzett- 
lich, fleischig. Petalen verkehrt - oval 
spitz. Lippe ausgebreitet, oval, stachel- 
spitzig, mit aufrechtem zart gesägtem 
oder gewimpertem Saume, in der Mitte 
in einen gehöhlten Sack erweitert, mit 
3seitigen eingebogenen Lappen. 

Auch als Myanthus sanguineus ver- 
breitet. Stammt aus der Provinz Soto 
in Neu -Granada. Interessant für den 
Pflanzenforscher sind noch ausserdem 
die Catasetum-Arten, weil man zuweilen 
am gleichen Exemplare Blumen nach 
dem Typus von Catasetum Monacanthus 
und Myanthus beobachten kann. Da 
hat die Natur selbst gezeigt, was Gat- 
tung, was keine. Cultur in der kalten 
Abtheilung im Topf. Im Winter voll- 
ständige Ruhe, im Frühling und Som- 
mer Bildung von Knolle und Blume. 

41) Anguloa Clowesii Lindl. (Tafel 
17.) Wir gaben auf Tafel 106 die Ab- 
bildung der A. Ruckeri. Dieser ist die 
vorliegende Art sehr nahe verwandt, be- 
sitzt jedoch grössere blassere Blumen, 
und eine Lippe mit 3seitig - sichelförmi- 
gen spitzen Seitenlappen und eine Grif- 
felsäule mit warzigen starken Hervorra- 
gungen. Aus den Provinzen Merida und 
Ocana in Cultur gebracht. Die 1 blu- 
migen Blüthenschafte kommen bis zu 10 
am Grunde der vorjährigen Knollen her- 
vor. Die grossen gelben Blumen erin- 
nern an eine Tulpe. 

42) Odontoglossum Reichenheimii 
Rchb. fil, (Tab. 18.) Von Ghiesbreght 
aus Mexiko eingeführt. Gehört zur 
Gruppe Isanthium und trägt die grossen 
bis 2'/» Zoll im Durchmesser haltenden 
Blumen, die auf gelbgrünem Grunde 
durch braune Querbänder gezeichnet, 



II. Neue Zierpflanzen. 



41 



und mit violetter Lippe, in reichblumi- 
gpr Rispe. Verwandt dem 0. Karwins- 
kii und laeve unterscheidet es sich 
durch eine Griffelsäule mit undeutlichen 
Flügeln , welche nur an der Spitze und 
am Grunde mit einem kleinen Lappen 
versehen ist. Die längliche Lippe ist 
am Grunde herzförmig, an der Spitze 
abgestumpft und klein gelappt. Eine 
doppelte Schwiele und Kiel am Grunde 
der Lippe. Blüthenhüllblätter linien- 
lanzettlich. — Cultur in der kältern 
Abtheilung des Orchideenhauses. Wäh- 
rend der Ruhe sehr wenig Feuchtigkeit. 
Sonst von robustem Wachsthum und 
leichter Cultur. 

43) Eriopsis biloba Lindl, (Tab. 19). 
Eine schon länger bekannte Pflanze aus 
Neu-Granada , von der Hooker eine Ab- 
art als E. rutidobulbon Bot. Mag. Tab. 
4437 beschrieb. Die überhängende Blü- 
thenähre trägt orangegelbe, roth ge- 
säumte Blumen mit nach vorn weisser, 
braun gefleckter Lippe« 

44) Disa grandiflora L. fil. (Tab. 
20). Eine herrliche , ebenfalls lang be- 
kannte Erdorchidee vom Cap, welche 
an Schönheit mit den schönsten Epiphy- 
ten concurrirt. Der beblätterte Stengel 
trägt 1 — 8 Blumen von 5 Zoll Durch- 
messer, deren seitliche Sepalen schön 
purpur, während das obere nebst Sepa- 
len und Lippe blassroth und purpur 
geädert. Die Cultur , unter deren An- 
wendung man reüssirt, ist folgende : Man 
pflanze die Knolle in einen Topf mit 
sehr sandiger Heide- oder Torferde mit 
gutem Abzug. Bis zum Februar stellt 
man den Topf ins Kalthaus , unterhalb 
aber Erdfeuchtigkeit, sonst wird die Kul- 
tur missglücken. Im Frühling beginnt 
die Pflanze zu treiben. Man stellt sie 
nun an einen lichten Platz des tempe- 
rirten Hauses, und im Verhältniss zur 
erhöhten Temperatur giesst man auch 



mehr. Im Sommer bringt man die 
Pflanzen an einen vor Regen und vor 
der Mittagssonne geschützten Ort ins 
Freie, oder in ein luftiges Beet, welches 
über Mittag beschattet wird. Erst im 
Juli des zweiten Jahres wird die Pflanze 
blühen. Die alte Knolle stirbt dann ab, 
liefert aber zahlreich junge Knöllchen 
zur Vermehrung. 

45) Lüddemannia Pescatorei Kchb. fil. 
Die neue Gattung Lüddemania ist mit 
Acinata sehr nahe verwandt und unter- 
scheidet sich von derselben nur durch 
niedergedrückt sphärische , auf einer 
kleinen Caudicula sitzende Pollinien. 
Lindley hat sie schon Acineta glauca 
genannt, doch ohne sie zu beschreiben. 
Später beschrieb er die Pflanze in Paxt. 
Flow. Garden als Cycnoches Pescatorei. 
Es ist eine Pflanze von der Tracht und 
mit den Scheinknollen und Blättern von 
Acineta. Die wurzelständige Blüthen- 
traube hängt lang herab, ist vielblumig 
und mit kurzhariger Rhachis. Frucht- 
knoten sammtig behaart. Kelchblätter 
länglich , spitz , gewölbt , aufrecht ab- 
stehend, 3 / 4 Zoll lang, innen ziegelroth, 
aussen trüb gelb. Blumenblätter keil- 
förmig-länglich , spitz , hellgelb. Lippe 
gehöhlt, gelb, aus keilförmigem Grunde, 
quadratisch ausgebreitet , an der Spitze 
3-lappig; die Seitenlappen abgerundet 
oder 4seitig, aufrecht ; der Mittellappen 
3-seitig schmal; die Scheibe sammtig. 
Ein aufrechter Zahn , dem Grunde der 
Griffelsäule angedrückt, geht in einen 
Kiel aus, der in der Mitte der Lippe 
sich gespreizt, in 2 Schenkel theilt. 
Griffelsäule schlank, keulenförmig und 
an der Spitze plötzlich in 2 Flügel aus- 
gebreitet. Von Linden in Neu-Granada 
aufgefunden. Das Wachsthum ist so 
kräftig , wie bei Acineta Humboldtii. — 

46) Caülcija elegans Morr. (Tab. 22.) 
Vergl. Gartenflora II. p. 120. Vorzug- 



42 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



lieh schön. Blumen dunkelrosa. Lippe 
weiss und rosa mit dunkelrothem Vor- 
derlappen. Blumengrösse von C. cripsa. 

47) Selenipedium caudatum Rchb. 
fil. (Tab. 23.) Diese von Lindley als 
Cypripedium caudatum beschriebene Erd- 
orchidee der Gebirge Peru's gleicht dem 
Uropediura Lindeni ausserordentlich, be- 
sitzt aber nicht, wie jenes, regelmässig 
nach der Dreizahl ausgebildete Befruchts- 
organe. Die'rinnenförmigen Blätter stehen 
zweizeilig am Stengel, sind schief ge- 
spitzt , sind bis mehr als ein Fuss lang 
und 2 Zoll breit. Der fusslange achsel- 
ständige Blüthenschaft ist dicht sammt- 
haarig und 1 — 4blumig. Bracteen zu- 
sammengelegt , länglich. Fruchtknoten 
stielförmig, zimmtfarbig sammthaarig, 3fä- 
cherig, mit centralen Plazenten (der 
3fächerige Fruchtknoten bildet den Gat- 
tungscharakter). Zwei länglich- lanzett- 
liche, gegenständige, lang zugespitzte 
aber stumpfe Sepalen, welche am Rande 
wellig, gelbgrün , nach der Spitze gelb- 
roth und von dunkelgrünen Adern und 
Venen durchzogen. Zwei seitliche Pe- 
talen, welche aus länglich-lanzettlichem 
Grunde in schmale . mehr als fusslange 
Schwänze ausgehen, wässerig-purpurfar- 
ben und dunkelpurpur geädert. Lippe 
mit sackförmigem Sporn (pantoffelförmig), 
vorn aufgeblasen, seitlich am Rande und 
unten innerhalb sammthaarig , gelblieh, 
mehr oder weniger purpur gefleckt. Der 
sterile Staubfaden ist spornförmig , 3sei- 
tig. Die Fläche der Narbe iänglieh, dicht 
sammthaarig. — Eine merkwürdige, ei- 
gentümliche Pflanze. — 

48) Saccolabium Blumei Lindl. Yar. 
major. (Tab. 24.) Ein ebenso schöner 
als lieblicher Epiphyt Ostindiens mit be- 
blätterten wurzelnden Stengeln. Blätter 
rinnenförmig, spitz, in einen Krautsta- 
chel ausgehend. Die Blumen in achsel- 
ständigen, hängenden, dicht- und reich- 



blumigen Trauben, milchfarben mit vio- 
letter Lippe, y % Zoll im Durchmesser. 
Sepalen oval, Petalen länglich und dop- 
pelt so schmal. Lippe mit zusammen- 
gedrückten, stumpfem Sporn, innen kurz- 
haarig, mit länglicher, ausgerandeter, 
beiderseits gerippter Platte. Cultur in 
der wärmsten Abtheilung. Ruht von 
Novemher bis Januar, blühet im Mai 
und oft wieder im August. 

49) Odontoglossum maculatum Llave. 
(Tab. 25.) Wieder eins der schönen 
Odontoglossen Mexiko's. Längliche, zu- 
sammengedrückte Scheinknollen tragen 
ein längliches spitzes Blatt, welches län- 
ger als die hängenden vielblumigen 
Blüthentrauben, die aus der Achsel den 
Knollen umschliessender unausgebildeter 
Blätter hervortreten. Sepalen linien- 
lanzettlich, zugespitzt, braunroth und an 
der Spitze grünlich. Petalen länglich, 
wellig , zugespitzt , wie die Lippe gelb 
und gegen den Grund purpur gefleckt. 
Lippe herzförmig zugespitzt , fast ge- 
kerbt , auf dem Nagel mit zweiklappi- 
gem, hohlen, löffeiförmigem , an der 
Spitze vorgezogenem, an der Mitte scharf 
gezähntem Anhängsel. Die Säule kurz- 
haarig, fast flügellos. Cultur im Korb. 
Von kräftigem Wachsthume. — 

50) Epidendrum atropurpureum W. ß. 
roscum Itchb. fil. (Tab. 26.) E. macro- 
chilum Hook. Eine Prachtpflanze , die 
in Guatemala und Neu- Granada zu Hause 
ist. Verwandt dem E. phoeniceum Lindl. 
Scheinknollen länglich, verkehrt-birnför- 
mig, tragen 2 bandförmige spitze Blätter. 
Bliithentraube spitzenständig, fusslang, 
mit glatter, fast einfacher Rachis. Sepa- 
len aus breiter, keilförmiger Basis, läng- 
lich, stumpf gespitzt und wie die ähn- 
lichen Petalen dunkelviolett. Lippe 
3theilig, rosaroth, mit kurzen 3eckigen, 
die Säule umhüllenden Seitonlappen, 
und grossem, verkehrt herzförmigem Mit- 



II. Neue Zierpflanzen. 



43 



tellappen. Die Schwiele am Grunde 
grubig, nach vorn verschwindend. Blüht 
im März und April 5 Wochen lang. 
Cultur im Topf oder im Korb. Verlangt 
im Winter einen Platz an der wärmsten 
Stelle der kalten Abtheilung, oder selbst 
in der warmen Abtheilung. Gedeiht auch 
nur an Holz geheftet , am besten aber 
im Korbe. — 

51) Odontoglossum cordatum Lindl. 
(Tab. 27.) Dem 0. cordatum verwandt 
und wie dieses aus Mexiko. Scheinknol- 
len länglich zusammengedrückt, 2 Blät- 
ter tragend, welche breit und länglich, 
flach spitz, und kürzer als der ßlüthen- 
stand, Blumen in aufrechter, zweizeili- 
ger Traube. Sepalen und Petalen li- 
nien-lanzettlich, lang zugespitzt, dotter- 
gelb und braun gefleckt-bandirt. Lippe 
herzförmig, stark zugespitzt, ganzrandig, 
weiss, am Grunde mit purpur Fleck und 
an der Spitze ebenso gefleckt. Der An-| 
hängsei auf dem Nagel ist fleischig , an 
der Spitze zweilappig, am Grunde bei- 
derseits mit einem Zahne. Die keulen- 
förmige Säule fast flügellos und kurz- 
haarig. Eine schöne ansehnliche Art mit 
ungefähr 4 Zoll im Durchmesser hal- 
tenden Blumen. Cultur im Korb, wie 
0. maculatum. — 

52) Coelogyne crislata Lindl, (Tab. 
28.) Eine gute Abbildung dieser von 
uns in vorigem Jahrg. der Grtfl. p. 144 
besprochenen und empfohlenen Pflanze. — 

53) Vanda caerulea Griff. (Tab. 29.) 
Eine in letzter Zeit viel besprochene 
und vielbegehrte Orchidee Ostindiens 
mit wurzelndem Stengel, zweizeilig ge- 
stellten , linien - bandförmigen Blättern 
mit ausgebuchtet zweizähniger Spitze. 
Die grossen 4 — 5 Zoll im Durchmes- 
ser haltenden Blumen stehen in achsel- 
ständigen Trauben und zeichnen sich 
durch die durchsichtig blaue Farbe vor 
allen andern Orchideen aus. Eine zarte 



Aderung hebt das Blau noch. Blühet 
im September und October. Bewohnt 
den Distrikt Khasya des nordwestlichen 
Ostindiens und wird daher an der kühl- 
sten Stelle der warmen Abtheilung oder 
während der Ruhe gar in der kälteren 
Abtheilung gehalten. — 

54) Coryanthes macrantha Hook. 
(Tab. 30.) Die Coryanthes - Arten sind 
höchst eigenthümliche Pflanzen von der 
Tracht einer Stanhopea. Die vorliegende 
prächtige Art stammt aus Caracas. Die 
Scheinknollen sind verlängert- konisch 
und gefurcht, sie tragen 2 länglich-lan- 
zettliche , beiderseits verdünnte Blätter. 
Der hängende Blüthenschaft trägt 2 — 3 
Blumen. Die länglich-lanzettlichen Brac- 
teen sind zweimal kürzer als der stiel- 
förmig verlängerte Fruchtknoten. Die 
grossen, 4 — 5 Zoll im Durchmesser 
haltenden Blumen sind dottergelb und 
blutroth getupft. Sepalen und Petalen 
zurückgeknickt, mit eingerollten Rändern. 
Die äussern Sepalen breit, nach aussen 
halbmondförmig. Das obere, aber durch 
die Drehung in Wahrheit untere Sepa- 
lum, länglich, spitz, viel kleiner. Die 
Petalen verhältnissmässig klein, band- 
sichelförmig. Lippe mit halbkugeligem 
Hypochilium, welches nach aussen fast 
3-lappig und ungefähr so gross als der 
sammtige Nagel : dasMesochilium schmal 
und beiderseits hahnenkammartig ge- 
kerbt j das Epichilium konisch - sackför- 
mig, am hintern Rande - rechtwinklig, 
an der Spitze 3-Iappig, mit stumpfen, 
hackcnförmigen Seitenlappen. Griffel- 
säule halb -stielrund, zurückgekrümmt, 
am Grunde beiderseits stumpf geöhrt. — 

Cultur in Körben. Die beste Zeit 
zum Umpflanzen ist der Frühling. Ver- 
langt einen Platz nahe dem Glase. Das 
Theilen muss zum Zeitpunkt des Begin- 
nes eines neuen Triebes vorgenommen 
werden. Zu anderer Zeit kann es den 



44 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Verlust der ganzen Pflanze herbeifüh- 
ren. — 

55) Brassia brachiata Lindl. (Tab. 
31.) Verwandt der B. verrucosa, sind 
jedoch die Scheinknollen , sowie die 
grünlich-gelben, bräunlich und grün ge- 
fleckten Blumen, gerade noch einmal so 
gross. Die länglichen schmalen Schein- 
knollen sind zusammengedrückt und tra- 
gen 2 stumpfe längliche Blätter , die 
kürzer als die vielblumige Blüthentraube. 
Bracteen schuppenförmig. Die Sepalen 
linear, zugespitzt, bis 8 Zoll lang. Pe- 
talen gleichförmig, nur kürzer. Die Lippe 
aus abgerundetem Grunde fast rhom- 
boidisch, zugespitzt, wellig, mit grünli- 
chen Warzen gefleckt; am Grunde mit 

2 zahnförmigen Lamellen und einer er- 
habenen Linie in der Mitte der Lippe. 
Cultur im aufgehängten Korbe. Stammt 
aus Guatemala, gehört zu den schön- 
sten Arten, wird aber vielfach vorwech- 
selt. 

56) Schomburghkia undulata Lindl. 
(Tab. 32.) Epiphyt aus Guatemala und 
Neu - Granada. Die spindelförmigen 
Scheinknollen sind ! /a — 2 Fuss lang. 
2—3 Blätter auf der Spitze der Schein- 
knollen, länglich- und beiderseits zuge- 
spitzt. Blüthenstiel gipfelständig, 2 — 4 
Fuss lang, die Blumen auf der Spitze 
in einer doldenförmigen vielblumigen 
Traube tragend. Bracteen scheidenför- 
mig, rosa. Blumen carmoisinroth, 3 Zoll 
im Durchmesser, mit fleischrother, vorn 
dunkelrosa gesäumter Lippe. Sepalen 
und Petalen fleischig, bandförmig, kraus 
wellenförmig. Lippe oberhalb des breit 
nagelförmigen Grundes herzförmig und 

3 lappig ; die Seitenlappen aufrecht, 
stumpfkantig; der Mittellappen oval, 
spitz oder stumpf, am Grunde mit nie- 
dergedrücktem Kiel, der vorn zweischen- 
kelig und 3 Lamellen. 

Es ist diese schöne Pflanze schon 



vielfach in Cultur, man klagt aber allge- 
mein, dass sie nicht blühen wolle. In 
dem Garten des Hrn. Pescatore hat sie 
jedoch unter folgender Behandlung jähr- 
lich geblüht. Man heftet die Knollen 
an einen Holzklotz auf Unterlage von 
Sphagnum. Wenn jedoch das Gewächs- 
haus nicht hinlänglich mit Feuchtigkeit 
erfüllt ist, müssen die Wurzeln täglich 
einigemal benetzt werden. Hiedurch 
wird eine kräftige Vegetation veranlasst, 
und ohne diese keine Blumen. Sicherer 
noch ist die Cultur im Korbe oder 
durchbrochenen Topfe. Hierzu fülle 
man das Gefäss fast ganz mit langen 
Stücken von Acacia- Rinde oder Holz- 
kohle, fülle die leeren Räume mit 
Sphagnum aus und befestige die Pflanze 
so oben auf Sphagnum, dass sie etwas 
tiefer als der Topfrand steht, um die 
jungen Wurzeln zu zwingen, in den Korb 
oder Topf zu gehen. Zur Zeit der Ve- 
getation ebenfalls viel Feuchtigkeit. — 

57) Aerides maculosum Lindl. Var. 
Schroederi Henfr. (T.33.) Liebliche Or- 
chidee aus der Gegend von Bombay. 
Die wurzelnden Stengel sind zweireihig 
mit rinnenförmigen, lederartigen, an der 
Spitze schiefen stumpfen Blättern be- 
setzt. Die dichten Blüthentrauben sind 
achselständig, hängen über und sind 
rispenförmig verästelt. Die zart fleisch- 
farbnen Blumen sind licht roth, fein 
punktirt, und die Lippe vorn lila mit 
rothem Band. Sepalen rundlich-länglich, 
ungefähr 3 / 4 Zoll lang; Petalen ähnlich, 
aber bedeutend schmäler. Lippe oval, 
fast wellenförmig, ganzrandig, am Grun- 
de beiderseits einen Zahn tragend, und 
zwischen diesen einen ungetheilten Hök- 
ker tragend. Die Säule sehr kurz. Die 
abgebildete Varietät hat schmälere Se- 
palen und Blumenblätter, eine längere 
Lippe, einen 2 lappigen Höcker und lan- 



IL Neue Zierpflanzen. 



45 



gere GrilTelsäule. Cultur wie bei Vanda 
suavis. 

58) Houlletia Brocklehurstiana Lindl. 
(T. 34.) Sehr schöne Art aus Rio Ja- 
neiro. Auf den gefurchten Scheinknol- 
len steht 1 langgestieltes, länglich - ova- 
les, gefaltetes Blatt. Die aufrechte Blü- 
thentraube trägt 6 und mehr Blumen 
und ist kürzer als die Blätter. Die 
Blumen selbst halten ungefähr 4 Zoll 
im Durchmesser, sind ziegelroth und 
dunkelroth punktirt, mit gelber bräun- 
lich punktirter Lippe. Sepalen länglich 
und wie die Petalen an der Spitze abge- 
rundet. Das Hypochilium der Lippe mit 
linien - lanzettlichen zurückgeknickten 
Lappen; das Epichilium oval-triangel- 
förmig, fast spiessförmig , an den seit- 
lichen Ecken zugespitzt; die ganze Lippe 
ist kürzer als die Blüthenhüllblätter. 
Cultur im Korbe bei hoher feuchter 
Temperatur. 

59) Selenipedium Schlimü Lindl. et 
Echb. fll (T. 35.) Ein anderes Cypri- 
pedium aus Ocana (Neu - Granada) mit 
3 fächerigem Fruchtknoten , und darum 
jetzt Selenipedium. Eine niedrige Erd- 
orchidee mit lederartigen, bandförmigen, 
spitzen, fast fusslangen Blättern. Der 
verästelte Blüthenschaft ist 6 — 18 Zoll 
lang und rauhhaarig. Sepalen grünlich, 
das obere oval, aussen seidenhaarig, 3 / 4 
Zoll lang, das untere fast gleichgross, 
an der Spitze kappenförmig zusammen 
gezogen. Petalen den Sepalen ähnlich, 
aber grösser, weiss, am Grunde purpur. 
Lippe weiss, vorn und am Schlünde 
hochroth verwaschen und gesäumt, el- 
liptisch-sackförmig. Blumen wenig grös- 
ser als die von C. guttatum. Griffel- 
säule gelb; der sterile Staubfaden oval- 
geigenförmig gespitzt; die obere Lippe 
der Narbe 3seitig; die untere zurückge- 
drückt und gelappt. Cultur wie bei Seleni- 
pedium caudatum. Blüht im März und liebt 



zur Zeit der Vegetation häufiges Be- 
netzen der Blätter. 

60) Oncidium phymatochilum Lindl. 
(Tab. 36.) Ein zartes und schönes On- 
cidium aus der Gegend von Neu -Frei- 
burg in Brasilien, durch Pinel in Cultur 
gebracht. Scheinknollen länglich- zwei- 
schneidig und wie die länglichen spitzen 
Blätter kupferfarben angelaufen. Die 
grundständige vielblumige Rispe ist gra- 
zil verästelt und trägt zarte blassgelbe 
rothgetupfte Blumen. Blüthenhüllblätter 
schmal, linien - lanzettlich , lang zuge- 
spitzt, ungefähr 1 Zoll lang. Lippe 
aus abgerundetem Grunde 31appig; Sei- 
tenlappen halb oval; Mittellappen speer- 
förmig 3seitig, nach hinten abgerundet, 
nach vorn zugespitzt. Schwiele beider- 
seits schrotsägeförmig , in der Mitte 
3zähnig. Griffelsäule keulig. 

Die Lippe ist weiss, nach hinten 
braun gefleckt; die Schwiele orangefar- 
ben und braun gefleckt. Eine elegante 
leichte Pflanze. Cultur wie bei den 
Odontoglossen. 

61) Laelia purpurata Lindl. (Tab. 
37.) Wohl eine der schönsten Orchi- 
deen aus Amerika, aus St. Catharine. 
Ungefähr von der Tracht der L. (Catt- 
leya) crispa, Scheinknollen aus gestiel- 
tem Grunde länglich-spindelförmig, stumpf 
zweischneidig. Blätter keil - bandförmig, 
aufrecht, starr, ausgerandet. Die spitzen- 
ständige Blüthentraube armblumig, Blu- 
men gross, ungefähr 6 Zoll im Durch- 
messer, mit weissen Blüthenhüllblättern 
und prächtig dunkelpurpur und rosa 
gezeichnetem und belegtem Lippen- 
Vorderstück, welches auf der gelben 
Scheibe dunkelpurpur geädert. Sepalen 
bandförmig spitz, die seitlichen fast 
sichelförmig. Petalen länglich, stumpflich, 
wellenförmig. Lippe fächeriörmig, zu- 
sammengerollt, an der Spitze 3 lappig; 



46 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Seitenlappen stumpfkantig, Mittellappen 
breit, halboval, mit welligem Saume. 

Cultur im Korbe an der wärmsten 
und feuchtesten Stelle der kältern Ab- 
thcilung für die Amerikaner. Man hüte 
sich vor zu vielem Giessen und spritze 
nicht früher, als bis man das Haus wie- 
der etwas lüften kann. Blühet von Mai 
bis Juli. Während der Blüthezeit stelle 
man sie an einen warmen trocknen Ort 
auf; denn Feuchtigkeit bewirkt bald 
schwarze Flecken an den Blumenblät- 
tern und macht die Pflanze unansehn- 
lich. 

62) Dendrobium macrophyüum Lindl. 
(T. 38.) D. macranthum Hook. Ein 
mehr verbreitetes Dendrobium von Ma- 
nilla. Die grossen lebhaft rosarothen 
Blumen mit dunkel gezeichneter Lippe 
brechen aus den blattlosen Stengeln 
hervor. 

Im Sommer Feuchtigkeit bei hohen 
Temperaturgraden, im Winter Ruhe bei 
niedrigem Graden, nachdem die Stengel 
gezeitigt. Cultur im Korbe , von dem 
die Stengel grazil herabhängen. 

63) Lycaste Skinneri Lindl. Von 
dieser prächtigen Orchidee Guatemalas 



giebt Tafel 39 die Zeichnung der weis- 
sen und rosarothen Abart. — 

64) Maxillaria venusta Linden et 
Rchb. ftl. (Tab. 40.) Eine neue eigen- 
thümliche Maxillaria aus den Anden Co- 
lumbiens mit nickender sehr grosser 
weisser Blume und gelblicher Lippe mit 
2 wangenrothen Augen. Scheinknollen 
oval zweischneidig. Blätter aus gestiel- 
tem Grunde keilförmig -länglich, spitz, 
2 Fuss lang. Die wurzelständigen l}fa 
Fuss langen Blüthenschafte tragen nur 
eine Blume und sind dicht mit Scheiden 
besetzt. Die seitlichen Sepalen sind mit 
dem 3seitigen Grund in ein grosses Kinn 
vorgezogen, lang zugespitzt, abstehend, 
ungefähr 3 Zoll lang. Petalen ähnlich, 
aber um J / 4 kürzer. Lippe fächerförmig, 
mit seitlichen gegen die Spitze scharf- 
eckigen Lappen, die über dem dreiecki- 
gen Mittellappen vorgezogen sind; letz- 
rer überall mit brüchigen Haaren mehl- 
artig bekleidet. 

Cultur in der kältern Abtheilung. 
Ruhe im November und December. Im 
Januar und Februar beginnt die Vege- 
tation. Blühet im Juni. (E. R.) 



III. Notizen. 



l)Zur Geschichte der Pflanzen- 
Wanderung. — Bei der Betrachtung des 
Einflusses, welchen Wasserströruungen auf die 
Wanderung der Pflanzen üben , schenken wir 
zuerst den von Berg zu Thal gehenden des 
süssen Wassers unsere Aufmerksamkeil. Be- 
weise für diesen Einfluss finden sich fast aller 
Orten. Früchte und Samen fallen nicht selten 
unmittelbar oder gerathen durch Begengüsse 
in Gebirgsbäche, lassen sich durch dieFluthen 
vom Gebirge in die Niederung tragen und fin- 
den wohl zum grössten Theile auf der Beise 



den Untergang; doch ein Theil wird mit un- 
gestörter Keimkraft vom übergetretenen Was- 
ser beim Rücktritt in das gewöhnliche Bett 
auf dem Lande zurückgelassen oder bleibt am 
Ufer hängen und im Frühjahr blüht tief im 
Thale ein fremder Gebirgsbewohner. So ge- 
langt das Wohlverlei (Arnica montana, L.) 
von den Wiesen und Rainen der höheren 
Berge des Thüringer Waldes hie und da in 
die Ebene und lässt sich fast jedes Jahr 
vereinzelt in unserer Nähe , im Kollerstetter 
Grund linden. Das Haller'sche Gänsekraut 



III. Notizen. 



47 



(Arabis Halleri , L.) wird von den Was- 
sern , die vom Harze kommen , in die 
Ebene von Hildesheim gebracht, wo es sich 
nicht weit vom 'Flusse entfernt. Alpenpflan- 
zen , wie das Alpenleinkraut (Linaria alpi- 
na , Cand.), die rostbraune Schneerose (Rho- 
dodendron ferrugineum , L.) , die grüne Erle 
(Alnus viridis , Cand.) kommen durch die 
Bergslröme von den hohen Gipfeln in die 
Thäler; namentlich wird ein solcher Einfluss 
der Isar auf die Umgebung München's und der 
Hier auf Oberschwaben wiederholt versichert. 
Jenes Alpen - Leinkraut , die kleine Glocken- 
blume (Campanula pusilla , Hänk.) , eine Wie- 
senraute (Thalictrum aquilegifolium , L.) we- 
sentlich alpine Pflanzen, finden sich auf den 
Inseln des Rheinstromes bis nach Strassburg 
und kommen offenbar von den Alpen oder 
dem Jura dahin; dasselbe gilt von Salix nigri- 
cans, Fries., Salix daphnoides , Vill., Salix in- 
cana, Schrank, Myricaria germanica, Desv. Die 
Scrophularia canina, L., eine Pflanze der Ge- 
birgsthäler steigt längs des Laufes der Gewäs- 
ser herab und lässt sich entlang des Rheines, 
der Rhone, der Loire und des Allier verfol- 
gen. Die Pinguicula vulgaris, L., eine andere 
alpine Pflanze ist in der Ebene des Elsasses 
nahe bei Benfeld gefunden worden , wohin 
die Samen von den Vogesen gerathen waren. 
Gewächse der caslilischen Hochebene , unter 
ihnen Löflingien, werden vom Duero und Tajo 
nach Portugal verpflanzt. In den Küstenge- 
gegenden von Chile fand Chamisso verschie- 
dene ausgezeichnete Alpenformen der Gattun- 
gen Calceolaria und Calandrinia, die Meyen 
später auf den höchsten Erhebungen der chi- 
lenischen Cordilleren , stets ganz in der Nähe 
des ewigen Schnee's, wiedersah , von wo sie 
wahrscheinlich durch die zu Thal gehenden 
Wasser nach der Küste geführt worden wa- 
ren. Ja, die gewaltigen Ströme der Erde, wie 
der Ganges, Indus, Congo, Amazonenstrom, 
Orinoko , Mississippi begnügen sich nicht ein- 
mal mit einer solchen zarteren Verpflanzung, 
sondern reissen von ihren Ufern mitunter ganze 
Strecken los, die dann als kleine schwimmende 
Inseln eine Menge lebender Pflanzen aus den 
obern in die tiefer liegenden Gegenden bis- 
weilen glücklich bringen. — Von den Mee- 
ren ist behauptet worden, sie seien Hemmnisse 



der Pflanzenwanderung und im Allgemeinen 
liegt darin viel Wahres, da das salzige Wasser 
die Keimkraft vieler Samen vernichtet; aber 
dennoch tragen die Wogen auch manche 
Frucht unbeschädigt von einem Gestade zu 
dem anderen. Zumeist werden hier natürlich 
Uferpflanzen zur Betrachtung kommen, doch 
bleibt diese um so weniger darauf beschränkt, 
als oft genug die süssen Wasser Erzeugnisse 
des Binnen -Landes dem Meere übergeben. 
Avicennia tomenlosa, L. , ein am Meeresufer 
wachsender Baum , der seinen Samen gröss- 
tenteils ins Meer fallen lässt , scheint seine 
Verbreitung vor Allem den Wellen zu dan- 
ken , welche den Samen nach entfernten Kü- 
sten tragen. Die Früchte der Cocos-Palme und 
Pandaneen werden durch die Wellen den In- 
seln zugeführt und gehören dann häufig mit 
unter deren erste Bewohner. De Candolle 
machte die Bemerkung , dass die Inseln an 
der Vegetation der Continente Theil nehmen, 
gewöhnlich im umgekehrten Verhältniss der 
Entfernung : von 1485 Gefässpflanzen, die auf 
den Brittischen Inseln wachsen , sind es kaum 
43 oder V34, die sich inFrankreich nicht wie- 
derfinden ; von 533 Arten bieten die canari- 
schen Inseln 310, die das Festland Afrika's 
nicht hat; die Flora von St. Helena zeigt kaum 
einige Arten , die in einem der benachbarten 
Continente zu finden sind. Madeira und die 
canarischen Inseln haben viele Gewächse mit 
Südportugal gemein ; Cornwall hat Pflanzen 
aus Nordportugal und Asturien; Ostafrika 
hat dergleichen von Vorderindien , Süd- 
afrika am Congo vom gegenüberliegenden 
Amerika. Kein Wunder also, wenn Länder, 
1 welche Binnenmeere umschliessen , in ihrer 
Uferflora sich ähnlich sehen. Die südeuropäi- 
sche ist der nordafrikanischen bis aum Atlas 
I auffallend ähnlich , ja sie geht zum Theil bis 
: Dongola. Ostengland hat deutsche und däni- 
sche , Nordschottland norwegische Gewächse. 
Die westeuropäische Isoetes ist nur bis Hal- 
land in Schweden gekommen; aber Schonen 
und Bleckingen blühen von norddeutschen 
Gewächsen. Die Strömungen des Meeres ge- 
hören eingestandenermassen zu den wirksam- 
sten Mitteln, welche die Natur anwendet, die 
ursprünglichen Gebiete mancher Gewächse zu 
erweitern. Sie sind die Träger der Samen, 



48 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Früchte, Pflanzen, von Insel zu Insel, von ei- 
nem Festland zu dem anderen. Man weiss, 
dass unbekannte Früchte, welche die Wogen 
von Westen her an Europa's Küsten spielten, 
einen der Gründe abgaben, aus denen Colum- 
bus westwärts steuernd nach Indien zu kom- 
men hoffte. Die Wirkungen des Golfstromes 
in dieser Beziehung sind jetzt allgemein be- 
kannt: mehrere Arten von Bohnen, die bis- 
weilen an den Küsten der Orkaden , Hebriden 
und Irland's gefunden werden — darunter 
Dolichos urens, L. — rühren 'von Pflanzen her, 
die in Westindien wachsen. Eriocaulon sept- 
angulare, Wither. , seheint nach der Insel Sky 
von Nordamerika gebracht; Samen von Gui- 
landina Bonduc , L. kamen mit dem Strome 
von Westindien an Irland"s Küste, wo sie, ge- 
sammelt und gesäet, schöne Pflanzen gaben. 
Unter den Samen, welche der Strom an die 
norwegischen Gestade spült , erkannte schon 
Linne die von Cassia fislulata, L., Anacardium 
occidenlale, L., Mimosa scandens, L. und Co- 
cos nucifera , L. , sämmtlich den Ufern des 
westindischen Binnenmeeres entsprossen. Durch 
Meeresströmung kommen Samen und Früchte 
von Sumatra und Java nach den Keelingsin- 
seln, deren magere Flora nur Uferpflanzen des 
ostindischen Archipels enthält. — Auch die 
Schifffahrt hat manches Samenkorn zufällig an 
fremden Gestaden ausgestreut und so zur 
Pflanzenverbreitung beigetragen. — Vornäm- 
lich mögen die Waaren, welche die Schiffe 
führen, häufig die Träger von Samen sein. 
Keine aber eignet sich mehr dazu als Wolle; 
das zeigt Port Juvenal in der Nähe von 
Montpellier. Diese Stadt, welche durch Woll- 
handel und Tuch - Manufakturen von dem elf- 
ten Jahrhundert an bis jetzt sich stets auszeich- 
nete, hat an jenem kleinen Hafen eine Ebene, 
auf welcher die Wolle trocknet, nachdem sie 
gewaschen worden ist. Dort vergeht kein Jahr, 
dass man nicht fremde Pflanzen fände, entstan- 
den aus den Samen, die aus der Wolle, in 
welcher sie verborgen waren, zu Boden fie- 
len. Zuerst machte De Condolle darauf auf- 
merksam und nannte bereits mehrere fremde 
Pflanzen, die er dort gepflückt, z. B. Psoralea 
Palaestina, Gou., und Hypericum crispum, L., 
aus dem Morgenlande, Centaurea parviflora, 
Desf., aus Nordafrika u. a. m. 



Hierauf schenkten dieser sonderbaren Flora 
viele Botaniker ihre Aufmerksamkeit und Go- 
dron zählt in seinem dieselbe behandelnden 
Schriftchen „Florula Juvenalis" nicht weniger 
als 387 Pflanzenarten auf, die dort gesammelt 
wurden , darunter 52 , deren Vaterland man 
noch nicht kennt, die also aus Gegenden stam- 
men mögen, die bis jetzt noch nicht botanisch 
untersucht worden sind. Welche Menge von 
Samen mag da die Welt enthalten, von denen 
ohne Zweifel die meisten zu Grunde gehen. 
(Dr. Zeyss, Versuch einer Geschichte 
der Pflanzenwanderung.) 
2) Fo ssilienlager an der Küste 
von Suffolk in England. — Beim Dorf 
Felixslow an der Küste von Suffolk , südlich 
vom Ausfluss des Deben wurde im Jahr 1840 
ein Fossil von nierenförmiger Gestalt entdeckt, 
das die Paläontologen längere Zeit wegen sei- 
ner unbestimmten Form in Verlegenheit setzte, 
bis Professor Owen darin den Zahn eines 
Pottfisches (Balaenodon physaloides) erkannte. 
Im Jahr 1843 fand Professor Henslow noch 
mehrere solcher Concretionen zu Felixstow in 
einer eigenthümlichen Schicht, die sich daselbst 
wie ein rother Streifen längs der Klippen hin- 
zieht. Er sandte sie ebenfalls an Professor 
Owen und erfuhr, dass sie aus versteinerten 
Knochen mehrerer Wallfisch - Arten , haupt- 
sächlich aus den charakteristischen Gehörkno- 
chen (Cetotolites) dieser Thiere beständen. Er 
unterwarf sie nun einer chemischen Analyse, 
und da er einen bedeutenden Phosphorgehalt 
darin entdeckte, lenkte er die Aufmerksamkeit 
der Landwirthe auf sie als ein gutes Düngemit- 
tel hin. Sofort wurden an vielen Stellen der 
Küste Nachgrabungen begonnen, und es stellte 
sich heraus , dass sich jene bei Felixtow ent- 
deckte Schicht, „Red Crag" genannt, durch 
einen grossen Theil von Suffolk und die an- 
grenzenden Districte von Norfolk und Essex 
hinzieht. Sie liegt 5 bis 15 Fuss unter der 
Oberfläche und besteht vorzugsweise aus ab- 
gerundeten, zerbrochenen Muscheln und Kno- 
chen. Die Landwirthe wissen das Fossil wohl 
zu schätzen, sichten es von dem muscheligen 
Geschiebe und verkaufen es an Ort und Stelle 
für 50 Schilling bis 3 Pfund per Tonne als 
ausgezeichneten Dünger unter dem Namen Co- 
proülh oder Cops. Seitdem wurden viele in" 



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III. Nolizen. 



49 



teressante Thier-Ueberreste darin aufgefunden, 
so ein Rhinoceros Schleiermacheri, eine seltene 
Art, die Professor Kaup zuerst bei Darmstadt 
entdeckte , ein Mastodon , ein Mammuth , ein 
Tapir, Eber, Hirsch, beide identisch mit den in 
Hessen ausgegrabenen , ein Leopard , Bär, 
Pferd oder Zebra, Megaceros , ein eigenthüm- 
licher, fast zahnloser Delphin (Zichius) , iden- 
tisch mit dem von Cuvier aus dem Muschel- 
mergel zu Antwerpen beschriebenen, und eine 
grosse Menge Zähne und Ohrknochen von 4 
bis 5 Potlfisch-ähnlichen Wallfisch- Arten. 

Das Vorherrschen der Cetaceen , die Ver- 
mengung dieser mit den Knochen und Zäh- 
nen erloschener Fisch - Arten , — von denen 
einige, wie das Edaphodon, ausschliesslich der 
eocenen Periode angehören, andere, wie das 
grosse Megalodon , welches über 600 Zähne 
von vier bis fünf Zoll Durchmesser in jedem 
Kiefer hatte , von der eocenen bis zur plioce- 
nen Periode die Meere verheerten, — das 
häufige Vorkommen von Concretionen, deren 
Grundlage eine fossile Krabbe und einige an- 
dere See-Crustaceen bilden und die muschelige 
Natur des Bindemittels, in dem alle diese Fos- 
silien eingelagert sind, weisen darauf hin, dass 
das Lager an einer ehemaligen Seeküste sich 
bildete , indem die Wallfisch-Skelette von der 
Brandung an die Küste geschleudert und die 
Bruchstücke allmälig durch das wiederholte 
Hin - und Herrollen am Strand abgerundet 
wurden. Durch die Wogen wurden gleichzei- 
tig Gebilde verschiedener tertiärer Formationen 
an die Küste geschwemmt, da einige Fossilien 
des „Red Crag" unstreitig der eocenen oder 
ältesten tertiären Formation, die meisten der 
miocenen oder älteren pliocenen Periode, und 
einige wenige, wie das Mammuth und der 
riesenhafte irländische Hirsch der neueren ter- 
tiären Formation angehören. 

(Saturday Review.) 

3) Die P almyra-Palme. — Eine der 
am weitesten verbreiteten Palmen und zugleich 
einer der nützlichsten Bäume der Erde ist die 
Palmyra , Borassus flabelliformis , Linn. Man 
findet sie zu beiden Seiten des persischen 
Golfs ; in ungeheueren Wäldern wächst sie an 
der Malabar-Küste , vom Kap Comorin durch 
Travancore, Calicut, Goa, Bombay undGudje- 
rat, ja sogar eine gute Strecke die Ufer des 

I. u. II. 1857. 



Indus in Scinde hinan. Die eigentlich so zu 
nennende Palmyra - Region aber wird von ei- 
ner Linie begrenzt, die sich längs der Coro- 
mandel-Küste von Comorin bis Madras erstreckt, 
den nördlichen Theil von Ceylon in sich 
schliesst, Tinevelly , Tandjore, Pondicherry 
durchschneidet, dann weiter von Madras aus 
einen beträchtlichen Gürtel des Küstenlandes 
bis zur Palmyra's - Spitze einnimmt und dann 
nach Gayah, 85° östl. L. von Gr. und beinahe 
25° nördl. Br., hinaufläuft. Eine Verlängerung 
dieser Linie erreicht dann Ava , die Birmani- 
sche Hauptstadt, unterhalb welcher die Ufer 
des Irawaddy unermessliche Wälder dieser 
Palme tragen. Von Ava wendet sich die 
Grenzlinie südwärts durch die Halbinsel Malac- 
ca dem indischen Archipel zu und umfasst 
Sumatra, Borneo, Celebes, Flores, Ceram, Am- 
boina, dieMolucken, vielteicht bis Neu-Guinea. 
Die Ausdehnung dieses Gürtels in südöstlicher 
Richtung von Arabien, 54° östl. L., bis Neu- 
Guinea, etwa 140° östl. L., beträgt 86°, also 
1290 geographische Meilen , d. h. ungefähr 
ein Viertel des Erd-Umfangs! Die Palmyra 
erreicht in mehreren Ländern Asiens nordwärts 
den 25. bis 30. Grad der Breite. Die Insel 
Timor ist ihre südliche Grenze. Man kann 
also sagen, die Region dieser Palme hege 
zwischen 10° südl. Br. und 30° nördl. Br. und 
54° bis 140° östl. L. 

Die Palmyra findet sich in mehreren Ge- 
birgslandschaften Ceylons, die Gegend von 
Kandy und Badulla inbegriffen, in 1680 — 
2450 Fuss Höhe , wo die mittlere Jahrestem- 
peratur etwa 74° F. resp. 7172 F. beträgt. Die 
für ihre Entwickelung geeigneten Stellen sind 
jedoch jene niederen, kaum über dem Mee- 
resspiegel erhabenen Sandebenen, die eine 
glühende Sonne bescheint und die dem We- 
hen eines der Monsune ausgesetzt sind. So 
Djafna mit den nahegelegenen Eilanden , auf 
denen nach Ferguson' s Schätzung wenigstens 
6,400,000 Palmyra -Bäume stehen, so der Di- 
strikt Tinnevelly mit einem Theile desMadura- 
Kollektorats , gewisse Striche der Präsident- 
schaft Madras und Bombay, sowie des Sunda- 
Archipels. 

Eine ausgewachsene Palmyra hat 60 — 70 
Fuss Höhe, ihr Stamm hat am Grunde etwa 
57j Fuss , nach dem Giptel zu V/% Fuss im 

4 



50 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Umfang und ist gewöhnlich einfach , bisweilen 
jedoch mehr oder minder verzweigt , so dass 
er vier, sechs und mehr Kronen trägt. Jeder 
Baum besitzt 25 — 40 frische, grüne Blätter wäh- 
rend die Blattstiele der alten , verwelkten , im 
wilden Zustand den Stamm mit einer Spiral- 
linie von riesigen Stacheln umgeben. Die Ein- 
gebornen pflegen jährlich zwölf bis fünfzehn 
Blätter abzuschneiden, sowohl um sie zu ver- 
schiedenem Gebrauch zu verwenden, als auch, 
um die Reife der Frucht zu beschleunigen. 

Wenige Bäume gewähren Thieren aller Art 
besseren Schutz als die Palmyra; denn sie 
dient Nachts vielen Vögeln , bei Tage Ratten, 
Eichhörnchen, Mongus, Affen, Maranayas (Fe- 
lis Vivenina) und dergleichen zum Zufluchts- 
orte. Auf Bäumen , die alle ihre alten Blätter 
behalten haben , ist die Menge der Fleder- 
mäuse, die sie bewohnen, oft unglaublich 
gross. Die Furchen der Blattstiele, der ganze 
Bau des Blattes sind ganz dazu geeignet, den 
Regen aufzufangen. Jeder Tropfen der auf 
die Krone fällt, rieselt dem Stamme zu. Dess- 
halb ernähren diese Bäume, zumal in wildem 
Zustande zahlreiche Arten von Schmarotzer- 
pflanzen, Orchideen, Farm, Ficus und derglei- 
chen. Die am meisten ins Auge fallende, in- 
teressanteste Verbindung der Palmyra ist die 
mit zehn oder zwölf Feigen -Arten , worunter 
Ficus religiosa, glomerata , indica, die ächte 
Baniane der Engländer. Sie beginnen wahr- 
scheinlich in einem Blattwinkel der Palmyra 
ihr Dasein und breiten sich von da zu jenen 
ungeheueren waldähnlichen Bäumen aus , die 
den Multerbaum so umfassen, dass nur der 
höchste Gipfel desselben gerade aus der Mitte 
darüber hinausragt. 

Die Anwendungen, welche die Palmyra 
erleidet , sind fast nicht aufzuzählen. Alle 
Theile, vielleicht die Wurzeln ausgenommen, 
werden mannigfaltig benutzt. Die jungen 
Pflanzen von zwei bis drei Monaten sind un- 
ter dem Namen Kelingoos in Ceylon ein be- 
liebtes Nahrungsmittel und werden zu diesem 
Zwecke gezogen. Man geniesst sie frisch , ge- 
kocht, getrocknet, geröstet oder in Scheiben 
geschnitten und wie Brodfrucht in der Pfanne 
gebacken. Das ganze Jahr hindurch findet 
man sie auf den Bazars von Columbo und 
anderwärts. Das aus ihnen bereitete Mehl ist 



das beliebte Cool oder die cingalesische 
Grütze. 

Das Holz der ausgewachsenen Bäume wird 
vorzugsweise zu Bauten, namentlich auch zum 
Schiffsbau verwendet. Es wird vom Point 
Pedro und anderen Theilen Djafna's massen- 
weise nach Colombo und Madras ausgeführt. 
Zu gewissen Zeiten des Jahres beschäftigt das 
Fällen und Hauen , die Zurichtung und Aus- 
fuhr Tausende von Tamilen im nördlichen Cey- 
lon. In den sandigen Districten Djafna's, wo 
sich Wasser nahe der Oberfläche vorfindet 
und wo durch die Heftigkeit der Winde die 
Brunnen leicht verschüttet werden, senkt man 
einen ausgehöhlten Palmyra-Stamm in die Erde. 
Dieser bildet so einen Brunnen, welcher man- 
chem durstigen Wanderer zur Erfrischung 
dient. 

Mit den Blättern werden die Dächer ge- 
deckt, obwohl sie weniger dazu geeignet sind, 
als die dauerhafteren und netteren Cocosblät- 
ter. Dagegen geben sie sehr dichte und hüb- 
sche Umzäunungen und einen vorzüglichen 
Dünger für die Reisfelder. Auch werden Mat- 
ten aus ihnen verfertigt, die man als Fuss- 
decken zur Decorirung von Plafonds , zum 
Trocknen von Kaffee , zum Verpacken der 
Ausfuhr-Artikel benutzt. Säcke, Körbe, Was- 
serkörbe , Schwingen, Hüte, Mützen, Fächer, 
Schirme, das Alles wird aus diesen Blättern 
gemacht. Einer der seltsamsten Zwecke aber, 
zu welchem sie dienen , ist der , dass man 
darauf schreibt, ein Gebrauch, der nach dem 
Zeugniss des ältesten Hindu - Schriftstellers 
Panninyrishee über 4000 Jahre alt ist. Die 
Schrift wird mit einem Griffel auf die Blatt- 
fläche eingegraben und durch das Einreiben 
einer Mischung von Oel und Kohle leserlich 
gemacht. So schreiben die Eingebornen ihre 
Briefe darauf, welche, nett zusammengerollt 
und bisweilen mit etwas Gummi versiegelt, 
durch das Postamt gehen. 

Die noch in der Scheide eingeschlossenen 
Blüthenknospen liefern den Toddy , ein durch 
seinen Geruch fast eben so berühmtes , wie 
durch seinen Missbrauch berüchtigtes Getränk, 
welches durch Pressen und Anzapfen jener 
Blüthenscheiden gewonnen wird. Ausserdem, 
dass er frisch und gegohren genossen wird, 
dient er häufig zu Hefe, namentlich in Cey. 



Ol. Notizen. 



51 



Ion, auch werden grosse Massen in Weinessig 
umgewandelt , um Gurk6n , Limonen , Cocos- 
und Palmyra -Blattknospen einzumachen. Die 
bei weitem grösste Menge aber wird zu Jag- 
gery oder Zucker eingekocht. Im Jahre 1849 
betrug die Total- Ausfuhr von Zucker aus Cey- 
lon 550 Centner, wofür 1934 Pf. St. Zoll 
bezahlt wurden. Zwei Drittel der Masse war 
das Produkt der Palmyra. Nach Malcolm und 
Crawfurd bildet Jaggery einen Handels-Artikel 
aus den oberen und unteren Provinzen Birma's. 
In Sawnu ernähren sich die Einwohner bei 
Miss-Erndten von Jaggery und auf Timor bil- 
det er einen Theil des Jahres hindurch das 
Hauptlebensmittel. Es steht fest, dass der 
hauptsächlich aus Palmyrasalt bestehende 
Zucker körniger und preiswürdiger ist, als der 
aus Zuckerrohr erhaltene, und dass man grosse 
Massen desselben von Madras und Cuddalore 
her nach Europa bringt. Aus Madras werden 
jährlich etwa 9000 Tonnen Zucker, darunter 
eine bedeutende Menge Palmyrazucker ausge- 
führt. 

Die Früchte der Palmyra variiren , je nach 
den Bäumen, an Form, Farbe, Geruch und 
Geschmack und werden von den Eingebornen 
als Varietäten betrachtet, deren jede einen be- 
sonderen Namen führt. Die reif abgefallene 
Frucht wird mitunter roh gegessen , weit häu- 
figer aber geröstet und als sogenanntes Puna- 
too eingemacht. Das letztere, von dem in 
früheren Zeiten bedeutende Quantitäten nach 
Java und den Niederlanden ausgeführt wurden, 
wird matlenweise, für 3 bis 6 Schilling ver- 
kauft. Tausend Früchte ungefähr reichen für 
eine Matte aus. Es ist die Hauptspeise der 
ärmeren Einwohner der Halbinsel Djafna meh- 
rere Monate des Jahres hindurch, und in die- 
ser Hinsicht ist ihnen die Palmyra, was dem 
Irländer oder Schotten die Kartoffel. Sie lie- 
fert wohl den vierten Theil der Nahrung von 
etwa 250,000 Menschen in der nördlichsten 
Provinz Ceylons, macht aber gewiss den Haupt- 
leb ensunterhait von sechs bis sieben Millionen 
lndiern und anderen Asiaten aus. So stellt 
sie sich als eines der wichtigsten Gewächse 
der Erde heraus, sie wetteifert mit der Dattel- 
palme und steht nur der Cocospalme an Nütz- 
lichkeit nach. 

(Bonplandia.) 



4) New- York, im Sept. — Wenn ei- 
nerseits der Verwaltung des Patentamtes zu 
Washington wohlbegründele Vorwürfe über 
Missbräuche [aller Art gemacht wurden, so 
darf um so weniger über eine in letzteren Jah- 
ren getroffene nützliche Einrichtung derselben 
geschwiegen werden. Es ist nämlich ein be- 
sonderes Bureau für die Acclimaüsirung oder 
Einführung hier zu Lande neuer , unbekannter 
Pflanzen errichtet worden, und es sind Veran- 
staltungen getroffen , aus allen Weltgegenden 
Samen, Wurzeln, Propfreiser und Stecklinge 
von nützlichen Gewächsen anzuschaffen, um 
sie an geeignete Personen zu vertheilen, die 
Versuche über deren Anbau und Acclimaü- 
sirung anstellen sollen , damit dem Patentamte 
Berichte darüber abgestattet werden können. 
So hat man unter anderm mit 17 verschiede- 
nen fremden Weizengattungen Versuche ange- 
stellt, die fast insgesammt günstig ausgefallen 
sein sollen, wobei jedoch einer Gattung, wel- 
che den Namen „Weizen vom mittelländischen 
Meere" führt, bei mehrjährigen Versuchen 
grosser Vorzug gegeben ward. Nicht nur fiel 
der Körnerertrag sehr reichlich aus, sondern 
es wurde bei schnellem Temperalurwechsel 
kein Nachlheil bemerkt, die Reife trat fast zeiti- 
ger als bei andern Weizengattungen ein, und es 
war desshalb weniger vom Insectenfrass und 
Brand zu fürchten. Ferner machte man in den 
südlichen Staaten erfolgreiche Versuche mit 
der „indianischen Hirse," auch „Dourah-Korn" 
aus Afrika. In verschiedenen Theilen der 
Union gedieh überaus gut die asiatische ,.ja- 
panische Bohne" und gab reichlichem Ertrag 
als andere Bohnengattungen. Auch mit der 
„chinesischen Yamwurzel" als Ersatzmittel der 
Kartoffel wurden in den mittleren und südli- 
chen Unionsstaaten vielfache Versuche mit 
bestem Erfolge gemacht. Durch fremden Sa- 
men sind 30 Rübensorten zur Vertheilung für 
Versuche gekommen, sowie von allen vorzüg- 
lichen Kohl-, Kraut-, Bohnen- und Grassorten 
aus Europa Samen vertheilt wurden. Die 
Erdmandel oder Chufa aus Südspanien kam 
im hiesigen Boden sehr gut fort. Die deutsche 
Hirse führte man gleichfalls ein , und es gab 
dieselbe gute und frühzeitige Ernten. Was 
lange als unmöglich erachtet wurde , die Ein- 
führung des französischen und deutschen 

. 4 * 



52 



Gartenflora Deutsehlands und der Schweiz. 



Pflaumenbaums , ist endlich nach vielfachen 
Versuchen in Pennsylvanien , Ohio , Maryland 
und Virginien doch gelungen, indem Propfrei- 
ser der „prune sainte Catherine" und ,,prune 
d'Agen" auf einheimische Pflaumenbäume ge- 
setzt -wurden. Mit dem Korinthen -Weinstock 
scheint man weniger glücklich gewesen zu 
sein. Auch für die Verpflanzung einheimischer 
Gewächse , die [grosse Vorzüge besitzen , hat 
man in weiten Kreisen Sorge getragen. So 
findet sich jetzt : schon überall die sonst nur 
auf einer kleinen .Landsee -Insel des Staates 
New-Hampshire vorgekommeneMaisart, „Braun- 
korn" genannt, in den mittlem Unionsstaaten 
und lieferte auf einen Fleck binnen weniger 
als 90 Tagen vom Acker 134 Bushel ausge- 
hülstes Welschkorn. Dann wurde noch die 
unter dem Namen „New-Mexican white flint" 
bekannte Maisgattung durch Empfehlungen des 
Patentamtes zum Gemeingut. Man gibt dieser 
Maisart zum Verspeisen als „Grünkorn" den 
Vorzug vor allen andern Gattungen. Dass 
man in Washington besonderes Augenmerk 
auf Bodencullur verwendet , ist um so aner- 
kennenswerlher, als leider der Landwirthschafts- 
betrieb fast durchweg nach dem alten Schlen- 
drian eines Raub- und Auszehrungsbaues vor 
sich geht.. Von einer guten landwirschaftli- 
chen Lehranstalt zeigt sich noch keine Spur. 

(Allg. Zeitg.) 
5) Malerei auf Glas mit lebenden 
Blumen. Von Herrn Pfarrer Stetefeldt in 
Hörseigau. — Man nehme ein grossesTrinkglas, ein 
Einmachglas oder am besten einen Blumenasch 
von weissem Glase , belege den Boden mit 
Blumen und lege dann grüne Blätter darauf, 
so dass die Blumen ganz bedeckt werden 
und die Blätter am Rande zur Hälfte in die 
Höhe stehen. Hinter diese Blätter lege man 
Blumen, über diese feine besonders gefiederte 
Blätter von Acazien, Farrnkräutern , Petersilie, 
Kerbel, Bandgras und was man sonst an fei- 
nen schönen grünen Blättern findet. Hat man 
so 1 bis l l li Zoll zu Stande gebracht, so fülle 
man den Raum mit feinem feuchten Wasser- 
sand und drücke diesen so fest als möglich 
ein, nachdem man vorher noch grössere Blät- 
ter von Ahorn, Linden, Aristolochien etc. als 
Deckblätter angelegt hat. Nun fährt man fort 
hinter diese Blätter Blumen und dann zarte 



Blätter einzulegen und füllt dann wieder mit 
Wassersand, den man fest eindrückt, nachdem 
man vorher wieder frische Deckblätter einge- 
legt hat, die an dem Rande in die Höhe ste- 
hen, und setzt dies fort bis der Asch bis oben 
angefüllt ist. Zu den einzulegenden Blumen 
eignen sich besonders Pensees, Coreopsis, Pe- 
tunien, Pelargonien, Winden, Verbenen und 
dazwischen zarte federartige Blumen und diese 
müssen so eingelegt werden , dass sie sich 
von ihrer schönsten Seite zeigen, wie man sie 
zum Trocknen in Herbarien einlegt. Man 
kann die Blumen dichter oder einzelner anle- 
gen und davon die geschmackvollsten Gruppen 
bilden, wenn man eine gute Wahl in Hinsicht 
der Formen und Farben derselben trifft. Die 
Zwischenräume mit schön grünen und zierlich 
geformten Blättern ausgefüllt dienen den Blu- 
men als Folie und die kleinen Zwischenräume, 
die nun noch bleiben, werden durch die Deck- 
blätter vollends ausgefüllt. Einen so gefüllten 
Blumenasch, der, wenn er geschmackvoll ge- 
macht ist, reizend aussieht, so dass es von 
Unkundigen für Malerei auf Glas gehalten wird, 
benutze ich zu einem Aufsatze auf den Tisch. 
Ich stecke in den Sand drei Stäbe, die oben 
zusammengebunden eine Pyramide bilden, und » 
diese schücke ich von unten bis oben mit 
Blumen oder mit Früchten aus, indem ich 
Zweige von Kirschen, Johannisbeeren, Him- 
beeren, Stachelbeeren, Weintrauben, Erdbee- 
ren von unten an daran binde oder darum 
winde, und diese Früchte werden dann von 
den Gästen bei Tische abgepflückt. Oder man 
stellt beim Füllen des Asches ein Glas oder 
Töpfchen hinein in den Wassersand , füllt es 
mit Wasser und stellt einen schönen Blumen- 
strauss hinein. Ein solches Kunstwerk hält 
sich viele Tage in seiner Pracht , wenn man 
es nicht dem Einflüsse der Sonnenstrahlen zu 
sehr aussetzt. 

6) Stangenbohnen den höchsten 
Ertrag abzugewinnen. Von Herrn Pfar- 



rer Stetefeldt in Hörseigau. 



Die besten 



Stangenbohnen für die Küche sind unstreitig 
die grosse weisse Schwerlbohne , die Wachs- 
bohne und die weissschalige Zuckerbohne. 

Auf einem Beete von 4 Fuss Breite ziehe 
man auf beiden Seiten l /i Fuss v o m Wege 
entfernt die Gartenschnur und stecke alle 



III. Notizen. 



53 



2 Fuss ein kleines Stäbchen und um dieses 
herum lege man in einen Kreis von 3 /i Fuss 
Durchmesser vier bis sechs Bohnen. Von 
diesen lasse man , wenn sie anfangen zu ran- 
ken, die drei oder vier besten Exemplare und 
reisse die andern aus. Nachdem man die Boh- 
nen behackt und behäufelt hat, stecke man 
hohe Stangen da ein, wo die Stäbchen stehen 
und binde je vier von beiden Seiten zwei 
oben mit Bandfaden zusammen, so dass sie 
eine Pyramide bilden. Man behacke das 
Beet fleissig und behäufle die Bohnen noch 
einmal, oder noch besser, fülle sie mit guter 
Erde an. Da auf die Pyramiden Luft und 
Sonne von allen Seiten einwirken kann , so 
tragen sie sehr reichlich und diese Pyramiden, 
die wunderschön bewachsen , trotzen allen 
Stürmen. Will man viele und grosse Bohnen 
erhalten , so muss man die Schoten stets 
ganz rein abpflücken und nicht eine zum Sa- 
men daran lassen, dann werden sie immer 
von Neuem blühen und Schoten tragen; denn 
der Stock will seinen Trieb, Samen zu tragen, 
befriedigen. Bleibt auch nur eine Schote an 
einem Stocke hängen, so lässt die Fruchtbar- 
keit nach, 

Will man Samen ziehen, so lässt man an 
einer Pyramide die ersten Schoten hängen, so 
viel man etwa zum Samen braucht, pflückt 
die späteren sorgfältig ab und bricht die 
Spitzen aus, damit man recht grosse und kräf- 
tige Samenschoten erhält. 

Eine wahre Zierde des Gartens ist es, 
wenn man Pyramiden mit sechs Stangen 
macht. Man nehme dazn ein Beet von 5 Fuss 
Breite, stecke genau in der Mitte, in der Ent- 
fernung von S 1 /* Fuss, kleine Stäbe, schlage 
um diese einen Kreis mit dem Halbmesser 
von 2 Vi Fuss. theile mit einem Stäbchen von 
2 l /i Fuss den Umkreis in sechs gleiche Theile 
und stecke Stäbchen ein. Um diese herum 
lege man die Bohnen und verfahre so wie 
oben bei der vierseiligen Pyramide angegeben 
ist. Die Erde im Innern der Pyramide ziehe 
man immer mehr an die Bohnen heran, so 
dass sich inwendig ein Kessel bildet. An die- 
sen Pyramiden wird man seine wahre Freude 
sehen und einen sehr reichen Ertrag an Boh- 
nen haben. Ich brauchte voriges Jahr nur 
eine üppig prangende Pyramide abzupflücken, 



um ein Gericht Bohnen für vier Personen zu 
bekommen. 

7) Ueber Benutzung des Trauben- 
zuckers bei Herstellung von Obst- 
weinen. Von Herrn Professor Hassen- 
stein. — Es ist bekannt, welches grosse 
Verdienst sich Dr. Gall in Trier um die Ver- 
edlung der Weine erworben hat. Man hat 
zwar bereits vor Gall dem Saft der Trauben 
von Jahren , welche durch Mangel an Som- 
merwärme ein zuckerarmes aber säurereiches 
Produkt lieferten, Zucker zugesetzt, um einen 
besseren Wein zu erhalten; Gall war aber 
der Erste , der nachwies , dass dadurch allein 
ein besserer Wein nicht erhalten wird, dieses 
vielmehr nur dann geschieht, wenn man den 
Most so herstellt, dass er eine gleiche Zusam- 
mensetzung erhält wie der Most aus den Trau- 
ben von guten Weinjahren. Dadurch, dass 
Gall feststellte, dass ein richtiges Verhältniss 
zwischen Wasser, Zucker und Säure herge- 
stellt werden muss, um aus einem schlechten 
Traubensaft einen guten Wein zn erhalten, 
hat er sich unendliche Verdienste erworben. 
Gall's Methode , den zuckerarmen Most auf 
rationelle Weise zu verbessern, verbreitet sich 
trotzdem, dass manche eigennützige Gegner 
derselben entgegenarbeiten, auch immer weiter. 
Es liess sich leicht erwarten , dass die ge- 
nannte Methode, welche bei Verbesserung des 
Traubensaftes so ausgezeichnete Resultate lie- 
ferte, bald auch zur Verbesserung des Obst- 
mostes angewendet werden würde. Gall 
selbst gab hierzu Anleitung. Auf meine Ver- 
anlassung wurden hier in Gotha im vergan- 
genen Herbste gleichfalls Versuche mit Apfel- 
most und zwar in grossem Massstabe ange- 
stellt. Die erhaltenen Resultate sind überra- 
schend, der Wein ist schon jetzt ausgezeich- 
net, der Obstgeschmack ist nicht mehr zu er- 
kennen und es gehört grosse Uebung dazu, 
um den so gewonnenen Apfelwein von Trau- 
benwein zu unterscheiden. Sollen aber solche 
Resultate erzielt werden, so ist es vor Allem 
nothwendig, dass der Obstmost auf seinen 
Säuregehalt untersucht wird; denn nur dadurch 



erforderliche Menge 



ist es möglich , ihm du 
Wasser und Traubenzucker zuzusetzen. Stellt 
man aber ein richtiges Verhältniss zwischen 
Wasser , Zucker und Säure im Moste nicht 



54 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



her, so wird man auch keinen guten Wein 
erhalten. Alle, welche den auf die erwähnte 
Art gewonnenen Wein mit dem aus unver- 
mischtem Apfelmost gewonnenen verglichen, 
waren keinen Augenblick in Zweifel, dass er- 
sterer dem letztern bessern unendlich weit 
vorzuziehen sei. Die Ansicht, welche man 
zuweilen wohl noch aussprechen hört, es sei 
ein solcher Zusatz von Stoffen, welche die 
Natur nicht selbst in dem Moste erzeugt habe, 
eine Verfälschung und also unrecht, ist minde- 
stens lächerlich. Mit gleichem Grunde könnte 
man behaupten, es sei unrecht, unsere Speisen 
und Getränke künstlich herzustellen und sie 
nicht so zu geniessen , wie sie die Natur lie- 
fert. Indem man dem Most die Bestandtheile 
gibt, welche ihm durch die Ungunst der Wit- 
terung auf gewöhnlichem Wege nicht zuge- 
führt wurden , unternimmt man jene Verfäl- 
schung. Der Mensch macht eigentlich hier 
nur den Handlanger der Natur, und letztere, 
nicht die Kunst, macht aus dem normal her- 
gestellten Most den Wein. Der nach Gall's 
Methode aus zuckerarmem Most hergestellte 
Wein ist so gut ein Naturprodukt, wie der aus 
dem reinen unversetzten Most gewonnene, nur 
mit dem Unterschiede, dass ersteres besser als 
letzteres ist. 

Ueber Gall's Methode zur Verbesserung 
des Obstweins findet man in dessen „Prakti- 
sche Millheilungen zur Förderung eines ratio- 
nellen Betriebs der landwirtschaftlichen Ge- 
werbe. Trier 1856" ausführliche Mittheilungen. 
Ueber das specielle Verfahren, welches hier 
bei uns zur Gewinnung von Apfelwein ange- 
wendet wurde, werde ich gerne denen, welche 
es wünschen, nähere Auskunft geben. 

8) Ueber die Benutzung der Lie- 
besäpfel. Von Herrn Professor Hassen- 
stein. — An vielen Orten, namentlich in 
südlichen Ländern, benutzt man die Früchte 
von Solanum Lycopersicum , Liebesapfel, be- 
reits in ziemlicher Ausdehnung, theils für sich 
mit Pfeffer, Oel und Salz, theils zu Saucen. 
Die erstere Verwendung wird bei uns wenig 
Eingang finden, dagegen ist die Benutzung zu 
Saucen und Bagouts sehr zu empfehlen. Am 
besten bereitet man die Früchte in folgender 
Weise zu, um sie dann später nach Belieben 
zu benützen : Man wäscht die reifen , rothen 



Früchte, schneidet sie mitten dnrch und drückt 
den wässerigen Saft und die Körner aus, 
bringt das übrige, mit ein wenig Salz und 
Lorbeerblatt, in ein Casserol und kocht es. 
Nach etwa einer halben Stunde drückt man 
die Masse durch ein Sieb oder Durchschlag, 
bringt sie wieder in das Casserol und kocht 
sie so dick wie Pflaumenmus ein. Dieses Mus 
bringt man in kleine Büchsen, übergiesst es 
nach dem Erkalten mit Schmalzbutter und bin- 
det dann die Büchsen mit Papier zu. Von 
dieser Masse thut man dann etwas zur Braten- 
sauce, welche dadurch nicht nur eine schöne 
röthliche Farbe erhält, sondern ihr auch einen 
köstlichen Geschmack ertheilt. Unter fertige 
Beis- oder Graupensuppe gethan, erhält die- 
selbe einen angenehm säuerlichen, höchst pi- 
kanten Geschmack. Bührt man von der Masse 
in verhältnissmässiger Menge unter fettige rohe 
Pasteten oder Farce oder auch blos Brat- 
wurstfülle , mit etwas geschabtem Knoblauch 
und Petersilie , formirt die Masse in einer 
Schüssel als Brei, bestreut sie mit geriebenem 
Brod und bäckt sie etwa eine halbe Stunde 
im Ofen, so erhält man ein sehr schönes Zwi- 
schengericht , welches mit Citronensaft bestri- 
chen, warm gegessen, ausgezeichnet schmeckt- 
Es kommt öfters vor, dass die Früchte vor 
der Beife noch grün abgenommen werden 
müssen; man legt sie dann zur Nachreife hin, 
bis sie die bekannte rothe Farbe erhalten ha- 
ben. Zuweilen erfolgt dieses vollständige 
Nachreifen erst nach drei bis vier Wochen. 

9) Ueber den versuchten Anbau 
von Dioscorea japonica und der Dr. 
Klotz'schen Zuckerkartoffel. Von 
Herrn Vereinsgärtner Barth. — Von Diosco- 
rea japonica wurde eine Knolle im Vereins- 
garten in gute zubereitete Erde eingelegt. Die- 
selbe keimte erst im Juü und trieb eine Ran- 
ke wie eine Schlingpflanze, einer Ipomaea 
ähnlich, welche, nachdem sie eine Höhe von 
4 Fuss erreicht hatte, durch den ersten Herbst- 
reif gänzlich zerstört wurde. Die Knolle hatte 
sich nicht vermehrt, war aber etwas grösser 
geworden. Einige Knollen von der neuen Dr. 
Klotz'schen Zuckerkartoffel, welche von Herrn 
F. A. Haage in Erfurt bezogen worden waren, 
wurden am 18. Mai v. J. Iheils im Vereins- 
garten, theils auf das freie Feld gelegt. Sic 



III. Notizen. 



55 



trieben nach zehn Tagen aus , hatten einen 
raschen Wuchs, blüthen bald mit schönen 
blauen Blumen und blühten fort bis im Oclo- 
ber, wo sie erst ein Frost von fünf Grad 
vernichtete. Die Früchte , 20 bis 25 Stück 
an einer Knolle , lagen nicht wie bei andern 
Karloffelarten am Stock, sondern an langen 
Wurzeln 2 bis 3 Fuss vom Stocke entfernt 
Sie waren seifig und überhaupt nicht schmack- 
haft. 

Die Versuche werden mit beiden Knollen- 
gewächsenfortgesetzt. 

10) Die Cultur der Amaryllis Bel- 
ladonna und Brunswigia im Topfe. 

W. Herbert befolgte die folgende Methode, 
um die Brunswigia - Arten zur Blüthe zu 
bringen. Er hielt dieselben auf einer Stellage 
im Kalthause , stellte die Töpfe in einen zwei- 
ten grösseren und füllte den Zwischenraum 
mit Sand aus, der beständig feucht gehalten 
ward. Selbst während der Ruhezeit der Pflanze 
durfte dieser Sand nie trocken werden. Ver- 
pflanzt wurden sie nicht anders, als bis die 
die Wurzeln so stark wurden, dass sie die 
Töpfe zersprengten. Bei dieser Behandlung 
blühten die Brunswigien regelmässig alle 
2 Jahre. 

Ein Liebhaber in England, der nach dem 
gleichen Systeme die Amaryllis Belladonna cul- 
iivirte, hatte bald die Genuglhuung, dass seine 
Amaryllis Belladonna jährlich im Herbste reich- 
lich blühten. Derselbe sagt ausserdem, dass 
die Erfolglosigkeit dieser Cultur, über die bis- 
weilen geklagt werde, daher rühre, dass die 
Pflanzen im Winter zu warm gehalten würden 
und im Sommer zu wenig Wasser erhielten. 
(Journal d'horticullure.) 

11) Durchwinlerung derPelargonien. 
Es hatte ein Liebhaber in Brüssel die Idee, 
diese Pflanzen y ) im Herbst aus den Töpfen zu 
nehmen, die Erde abzuklopfen und nachdem die 
Wurzeln abgclrocknet, diese mit Bindfaden zu- 
sammen zu schnüren. In diesem Zustande wurden 
die Pflanzen verkehrt an der Decke eines trock- 
nen, frostfreien Zimmers, wo den Winter nicht 
geheizt ward, aufgehängt. Die Pflanzen hielten 
sich gut und trieben, nachdem im Frühling 



*) Es ist nicht gesagt, ob nur Scarlet-Pelar- 
gonien, oder auch andere gemeint seien. 



Wurzeln und Aeste zurückgeschnilten waren, 
kräftig und gesund und blühten reichlich. 
(Journal d'horticullure.) 

12) Chamaerops excelsa, dessen 
Dauer. Die Palme vonChusan hat in England die 
letzten harten Winter in rauher nördlicher Lage 
ohne Deckung ausgehalten. Sie scheint mit- 
hin härter zu sein als viele der für hart ge- 
haltenen immergrünen Bäume. In geschützten 
Lagen Deutschlands , wo der Wein noch gut 
gedeihet, mag daher auch diese Palme die 
Aussicht haben, im Freien cultivirt zu werden. 
(Journal d'horticulture.) 

13) Zur Cultur der Baumfarren. Herr 
Gaerdt empfiehlt von Neuem, bei der Cultur 
der Baumfarren deren Stämme mit Sphagnum 
zu umwinden und nur mit Bindfaden das Moos 
zu umwickeln. Das Moos wird immer feucht 
gehalten, und die Farren bilden aus den Stäm- 
men Wurzeln in das Moos, welche dann, wenn 
der Bindfaden verfault, das Moos von selbst 
festhalten. (Allg. Gartzt.) 

14) Thuiopsis borealis Hort. Petrop. 
Wir haben in einem frühern Artikel die Iden- 
tität der Thuiopsis borealis mit der Chamae- 
cyparis nutkaeensis dargethan. In der Illustra- 
tion horticole findet sich ein Artikel über diese 
Pflanze. Sie wird als Thuiopsis borealis der 
Gärten aufgeführt, und gesagt, dass Car- 
riere glaube, es stamme diese Pflanze aus 
Nord-Indien, Low gebe als Vaterland die Beh- 
ringsstrasse an. Wir wiederholen, dass die 
Pflanze in den Petersburger Garten aus Sitka im 
Russischen Amerika eingeführt und von hier 
aus vielfach vertheilt worden ist. Die herr- 
liche Abart besitzt sogar der Garten bis jetzt 
allein. Wir werden noch öfter Gelegenheit haben, 
auf ähnliche Facta aufmerksam zu machen. 
(E. R.) 

15) Diclytra spectabilis, Einführung 
derselben. Es ist diese Prachtpflanze jetzt 
allenthalben verbreitet und zur Treiberei im 
Winter wie als schöne ausdauernde Land- 
pflanze gleich sehr beliebt. Unsere Leser 
werden erstaunen, wenn sie hören, dass der 
Petersburger Garten diese herrliche Pflanze 
schon 10 Jahre cultivirt hat, bevor sie durch 
Fortune nach England kam. Wie so manche 
Novität des Gartens ward sie aber nicht be- 
achtet und nicht vertheilt. (E. R.) 



56 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



16) Hexacentris mysorensis. Ein Be- 
richterstatter in Gardener's Chronicle nennt diese 
die schönste in neuerer Zeit eingeführte Schling- 
pflanze, für feuchtwarme niedrige Gewächshäu- 
ser. An die nördliche Wand eines für Far- 
ren und Orchideen bestimmten Gewächshauses 
gepflanzt , entwickelte sich diese Pflanze so 
kräftig, dass sie schon nach Jahresfrist 10—12 
Fuss Mauerfläche deckte und im folgenden 
Herbste 150, 1 — 2 Fuss lange herrliche Blü- 
thentrauben brachte, die bis zum nächsten 
Frühlinge fortblühten und da unterm Einfluss 
der Sonne wieder von Neuem den vollen Far- 
benschmelz der Blumen zeigten. 

Nicht weniger schön ist die Hexacentris 
mysorensis lutea, mit den feuernd gelben Blu- 
mentrauben. 

l7)Glycerin, dieKeimkraftderSamen 
befördernd und erhaltend. Gardener's 
Chronicle empfiehlt diesen Stoff, welcher als 
Nebenprodukt bei der Anfertigung von Stearin- 
lichtern erhalten wird, als die Keimkraft der 
Samen befördernd und erhaltend. 

Wir haben schon früher uns dahin ausge- 
sprochen , dass ein Einquellen in lauwarmem 
Flusswasser uns immer noch bessere Dienste 
leistete, als alle jene als die Keimkraft beför- 
dernd anempfohlenen Stoffe. Wir wollen da- 
her erst abwarten, bis längere Erfahrungen in 
dieser Beziehung gesammelt wurden. Diese Vor- 
sicht ist noch nölhiger in Bezug auf Bewahrung 
der Keimkraft, wo jetzt kaum noch eine Vermu- 
thung ausgesprochen werden kann. Erfahrungs- 
gemäss halten die Samen die Keimkraft am läng- 
sten, wenn sie zwischen lulttrockne Erde oder 
Sand eingemischt werden. Auf diese Weise 
wurden in neuerer Zeit jene Masse keimfähiger 
Palmensamen in Europäische Gärten eingeführt, 
welche sonst ihre Keimkraft immer auf der 
Reise verloren. Was das Glycerin in dieser 
Beziehung leistet, muss erst noch erprobt 
werden. 

18) Die Fluke Kartoffel. Eine wohl- 
schmeckende gute Kartoffel , welche seit 9 
Jahren in England eultivirt ward und der 
Kartoffelkrankheit bis jetzt nicht unterworfen 
war. Die Herren Ernst und v. Spreckelsen 
haben diese Kartoffel auch in Deutschland 
verbreitet und auf -ihren Versuchsfeldern in 
Hamburg angebauet. Auch dort zeigte diese 



Kartoffel die gleiche Eigenschaft. (Hamburg 
Grtztg.) 

19) Die Stelzenpalme (Iriartea) und 
deren Cultur. Diese gehören nach den von 
Hrn. Reinecke gemachten Erfahrungen zu den 
am schwierigsten zu eultivirenden Palmen. Sie 
wachsen theils in feuchten Flusslhälern , theils 
in zur Regenzeit überschwemmten Gegenden. 
Hiernach müssen die Iriarten in einem durchaus 
feuchtwarmen Gewächshause eultivirt werden. 
Um die jungen Samenpflanzen wickelt man 
sogar um die Stamm -Basis Papier oder Moos, 
welches immer feucht erhalten wird, und in 
Folge dessen das Austreten der seitlichen 
Wurzeln erleichtert, die über der Erde abtre- 
ten, nachdem der Stammgrund auf den ersten 
Wurzeln sich bereits gehoben hat. Der Name 
Stelzenpalme ist von dieser Eigenthümlich- 
keit abgeleitet. (Allg. Grtztg.) 

20) Palmensammlungen. Nach Mitthei- 
lungen des Hrn. Prof. Dr. Koch befindet sich in 
Herrenhausen bei Hannover die grösste Samm- 
lung von Palmen, nämlich 225 Arten. Der 
Garten des Herrn Augustin besitzt 203 Arten 
und der Bot. Garten in Berlin 111 Arten. In 
Kew bei London sollen kaum 100, und im 
Pariser Museum noch weniger Arten in Cultur 
sein. (Bot. Zeitung.) 

21) Anstrich von Gewächshäusern- 
Der Anstrich mit Steinkohlentheer aus einer 
Leuchtgasfabrik soll das Ungeziefer tödten und 
Besserung des Gesundheitszustandes der Pflan- 
zen herbeiführen. Dies sagen die öffentlichen 
Blätter, der Versuch ist zu wagen , doch ver- 
spreche man sich nicht zuviel davon. 

22) DasVaterland der Agave ameri- 
cana. Die Ayave americana ist bekanntlich 
in Südeuropa vielfach verbreitet. Die Annah- 
me geht nun dahin , sie sei in Amerika hei- 
misch und von dort eingeführt worden. Nach 
einer Miltheilung des Herrn E. Meyer in der 
Botanischen Zeitung hat derselbe ein Manu- 
script aufgefunden, in welchem Platearius schon 
1090 die Aloe americana abbildet, und von 
ihr sagt, dass sie in Italien, Griechenland und 
Persien wachse. — 

Der älteste Schriftsteller über die neue 
Well, P. Martyr erwähnt dieselben im Jahre 
1516 als in Mexiko heimisch, und die gewöhn- 
liche Annahme war, dass sie sich dann bald 






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TU. Notizen. 



57 



über Portugal und Spanien nach den Süden 
Europas verbreitet habe. Meyer's Fund scheint 
diese Pflanze nun aber auch als in der alten 
Welt wirklich heimisch herauszustellen. 

23) Ueber dasWachsthum des Blat- 
tesvonVictoria regia. Herr Caspary hat 
hierüber seine Beobachtungen in der Flora 
veröffentlicht. Es sind dies unstreitig die voll- 
ständigsten Beobachtungen, welche über das 
Wachsthum von Blättern angestellt wurden. 
Da sie mit einer ganz ausserordentlichen Aus- 
dauer, Tag und Nacht stündlich angestellt wur- 
den, so erhalten wir durch diese Beobachtun- 
gen zugleich auch die Bestätigung und Vervoll- 
ständigung früherer Beobachtungen der Art. 

Es gibt wohl keine zweite Pflanze, wo 
Beobachtungen über Blattwachsthum mit so 
viel Erfolg angestellt werden können, wie bei 
der Victoria, da die Blätter dieser Pflanze 
währeud der eigentlichen Wachsthum sperio de 
des Tags um mehr als einen Fuss zuneh- 
men. 

Dieses schnelle Wachsthum besteht jedoch 
lediglich in Vergrösserung bereits gebildeter 
Zellen. Sobald das junge Blatt der Victoria 
sich auf dem Wasser ausgebreitet hat, hat 
die Zellbildung im Blatte schon aufgehört. 
Auch dieses hat der Verfasser durch Messun- 
gen der Zellen dargethan, indem er fand, dass 
diese in dem durchaus gleichen Verhältnisse 
grösser wurden, als das Blatt wuchs.. 

Die Ergebnisse seiner Beobachtungen sind 
in den folgenden Sätzen zusammengestellt: 

1) Das Wachlhum des Blattes nach seiner 
Ausbreitung findet ausschliesslich durch Zell- 
dehnung ohne Zellvermehrung statt. 

2) Das Blattparenchym ist zur Zeit der 
Ausbreitung des jungen Blattes über dem 
Wasser den gefässführenden Rippen in der 
Entwiekelung bedeutend vorausgeeilt. Der 
Unterschied beider gleicht sich beim ferneren 
Wachsthume aus, so dass das Erstere weni- 
ger als das Letztere im Verhältniss 1 — 2 , 2 
wächst. 

3) Das Blatt wächst Tag und Nacht ohne 
Unterbrechung fort, jedoch ungleichmässig, so 
dass auf starkes Wachsthum schwaches , und 
so umgekehrt folgt. 

4) Das Wachsthum ist von 12 — 1 Uhr 
Mittags am stärksten, erreicht Nachmittags ein 



Minimum , steigt dann wieder in der Nacht 
zwischen 12 und 1 Uhr zu einem zweiten 
Maximum, sinkt gegen Morgen zu einem zwei- 
ten Minimum, um dann wieder bis gegen Mit- 
tag zu steigen. 

5) Das Wachsthum gehl in diesen Perio- 
den nach den 3 Richtungen der Spitze, des 
Grundausschnittes und des Seitenrandes, jedoch 
wächst der Spitzentheil am stärksten, der Sei- 
tentheil schwächer und am schwächsten der 
Grundtheil. Der Spitzentheil wächst im Mittel 
in den ersten 3 Tagen 5,13 m. m., der Seiten- 
theil 5,06 m. m. , der Grundtheil 3,54 m.m. in 
einer Stunde. 

6) Das Wachsthum ist am Tage der Aus- 
breitung am stärksten und nimmt dann ab. 

7) Während der stärksten Wachsthums- 
periode wuchs ein Blatt zwischen dem Spitzen- 
und Grundausschnitt in 24 Stunden 11,877 Pr. 
Duod. Zoll und im Breitendurchmesser 14,031 
Pr. D. Zoll. Im Flächenraum beträgt in 24 
Stunden das Wachsthum 4 — 5 Pr. □ Fuss. 

8) Die Verdunstung hatte in dem Gewächs- 
hause, dessen Luft dem Sättigungspunkte stets 
nahe war, keinen nachweisbaren Einfluss. 
Auch in durchaus gesättigter Luft wuchs das 
Blatt ungestört. 

9) Die tägliche Periode der relativen Feuch- 
tigkeit ist bei der Victoria ohne Einfluss. Bei 
Urania speciosa und Littaea geminiflora beob- 
achtete Mulder, bei Agave americana Gräfe 
während der Nacht stärkeres Wachsthum un- 
ter dem Einfluss der relativen höheren Luft- 
feuchtigkeit. 

10) Trockne und feuchte Luft (Luftdruck) 
zeigen keinen Einfluss auf das Wachsthum. 

11) Die tägliche Periode des Lichts hat eben 
falls keinen Einfluss, denn durch künstliche 
Veränderung der Wärme kann darauf hinge- 
wirkt werden , dass das Blatt zur Mittagszeit 
am wenigsten wächst und es kann das stärk- 
ste Wachsthum auf jede beliebige Nachtstunde 
gerichtet werden. Licht bewirkt keine Aus- 
dehnung der Zellen , sondern nur Stoffwech- 
sel. 

12) Das Maximum der Wachsthumsperiode 
hängt vom Maximum der Wärme und haupt- 
sächlich von der Temperatur des Wassers ab. 

13) Die Erhebung des Wachsthums bei 
Nacht kann weder von der Wärme, noch von 



58 



Gartenflora Deutschlands and der Schweiz. 



einem anderen Agens abgeleitet werden und ist 
die Ursache im Leben der Pflanze zu suchen. 
14) Klares warmes Wasser ist dem Waehs- 
thum förderlich. Bezogener Himmel, Regen 
u. s. f. wirken durch Temperatur- Erniedrigung 
naehtheilig auf das Wachsthum ein. 

24) Anzucht von Aprikosen aus Sa- 
men. Herr De Jonghe in Brüssel empfiehlt 
den Aprikosenbaum, wenn er als in geschütz- 
ter Lage zu pflanzender Hochstamm verwen- 
det werden soll, nur aus Samen als Kern Wild- 
ling zu erziehen. Solche, aus Samen erzogene 
Bäume werden auch immer wieder guteFrüchte 
liefern und ausserdem viel dauerhaftere , dem 
Harzflusse nicht unterworfene Bäume bilden. 

Indem wir diese Ansicht bestätigen , fügen 
wir hinzu, dass die Anzucht aus Samen selbst 
für Spalierbäume zu empfehlen ist, sofern man 
die Kerne nur von den vorzüglichsten Sorten 
nimmt. Auch für Pfirsiche eignet sich die 
Erziehung aus Samen recht wohl. — 

25) Ueber das Düngen der Obst- 
bäume. In der Monatsschrift, II. Jahrgang, 
IV. Heft, ist der Aufsatz S. 133 von Ministe- 
rialrath v. Trapp sehr wichtig, weil dadurch 
dieser bedeutende Gegenstand einmal zur 
Sprache kommt; Gärtner, Baumschulenbesitzer 
wissen lange , dass der Baum ebenso seine 
Nahrung haben muss, wie der Kohl, die Blu- 
men , der Waizen, die Rübe etc. Man sieht 
nur da eine Obstpflanzung sichtlich und dau- 
ernd gedeihen, wo der Garten gedüngt wird, 
oder wie es hier geschieht, wo die Mistjauche 
(hier Odel , Adel) nach jedesmaligem Mähen 
auf dem Grasboden aufgegossen wird , wo, 
wie man hier sagt, geadelt wird. 

Es ist nicht durchaus nothwendig, dass die 
Jauche zu dem Baum gegossen wird , es ist 
hinlänglich, wenn sie auf angrenzendem Grunde 
ausgegossen wird. Besser möchte es immer 
sein, wenn das Dungmitlei zum Baum selbst 
gegossen wird ; aber ich habe die Erfahrung 
gemacht, dass mir einige Bäume abgestorben 
sind , wo zu viel concentrirle Jauche (von 
dem Urin der Kühe) hingegossen wurde. 

Baumschulenbesitzer wissen recht gut, dass 
man dort , wo schon einmal eine Schule ge- 
standen ist, nicht zum zweiten Male eine sol- 
che anlegen kann, indem die Bäume nicht 
mehr wachsen und verkrüppeln. 



Es muss dieser Grund mehrere Jahre ruhen 
und gedüngt werden , muss neuerdings mit 
einer neuen, fruchtbaren Erde vermengt werden. 

In Oesterreich, wo jährlich viele hundert- 
tausend Obstmostbäume gezogen werden, 
kommt man jenen , die nicht das wahre 
Wachsthum zeigen, durch Eingraben eines 
alten Mistes wirksam zu Hilfe. Ich habe in 
diesem Fall manchmal im Herbst in der Baum- 
schule zwischen den Reihen Mist auflegen las- 
sen, den ich im Frühjahr eingraben oder nach 
Umständen wieder wegnehmen Dess. Denn 
zu viel Dünger wirkt für die Baumschulen 
schädlich, weil die Bäume die Blätter im Herbst 
nicht fallen lassen wegen Saftfülle und dann im 
Winter ganz oder theilweise erfrieren. 

26) Rothe Grütze. Ein im Norden sehr 
beliebtes Gericht, welches, wie ich glaube, im 
mittlem und südlichen Deutschland weniger 
gekannt, ist die Rothe Grütze , aus dem Safte 
der rothen Johannisbeeren auf folgende Art 
bereitet: 

Man nimmt 8 Pfund reife rothe Johannis- 
beeren , kocht diese mit etwas Wasser auf, 
quetscht das Ganze dann durch ein feines 
Sieb, thut zu dem Saft ungefähr 2 Pfd. Reis- 
mehl (in Ermanglung dessen Gries) und 1 
Pfd Pudermehl oder auch Sago (fehlt letzte- 
res, dann nehme man statt 2 Pfd. Reismehl 
3 Pfd.). Dieses Mehl wird vorher mit Wasser 
angerührt nebst ca. 2 Pfd. Zucker; dann lässt 
man das Ganze langsam kochen und lührt es 
fleissig, giessl es darauf in steinerne Gefässe 
oder Formen, die oben weiter sind wie unten, 
um das Ganze nachher, wenn es erkaltet und 
fest ist, leicht herauszukriegen. Dieses wird 
dann kalt mit kalter Milch, besser Rahm ge- 
gessen und schmeckt vortrefflich. (C.Eckardt.) 

Nachschrift Ein Freund aus Norwe- 
gen gibt mir ebenfalls eine Anleitung zur Be- 
reitung desselben Gerichtes, welches er Ro- 
then Saftbrei nennt. Nach dieser Angabe 
dient statt Johannisbeersaft auch Heidelbeer- 
oder Himbeersaft dazu. Ferner sollen gestos- 
sene Mandeln zu dem Brei noch beigefügt 
werden , sowie endlich soll der Milch zur 
Sauce etwas "Vanille beigefügt werden. Es 
wird das Ganze dann ganz fest und sulzig und 
soll ein kühlendes, überaus delikates Gericht 
an heissen Sommertagen sein. (Ed. L.) 



Hl. Notizen. 



59 



27) Einige Notizen über Cultur der 
Stachelbeeren und Erdbeeren und 
die neuesten über diese Früchte er- 
schienenen Schriften. Zu denjenigen 
Früchten, denen forschende Pomologen bisher 
wohl noch zu wenige Aufmerksamkeit ge- 
schenkt haben, gewissermassen, als ob sie zu 
unbedeutend dazu seien, gehören die Stachel- 
beeren und Erdbeeren, und es kann wohl 
nicht als unzweckmässig betrachtet werden, 
die Aufmerksamkeit von Männern, die zu ge- 
naueren pomologischen Forschungen Neigung 
haben, auf diese herrlichen, erquickenden und 
höchst einträglichen Früchte mehr hinzulenken. 
Dass in der neueren Zeit, besonders in Eng- 
land, Massen von trefflichen neuen Stachel- 
beersorten gezogen worden seien, weiss zwar 
jeder Gartenfreund, und ebenso ist es allge- 
mein bekannt, wie zahlreiche, schätzbare Erd- 
b"eersorten in den letzten Decennien aus Samen 
erzogen seien; aber man hat bisher deren 
Verbreitung allermeist den Handelsgärtnern 
überlassen und ihre Cultur, sowie die Frage, 
welche Sorten unter der vorhandenen, bereits 
fast zu grossen Zahl von Varietäten die des 
Anbaues würdigsten seien , genaueren For- 
schungen noch zu wenig unterzogen; verbrei- 
tet sind sie daher, vorzüglich die besten Sta- 
chelbeersorten, in deutschen Gärten noch lange 
nicht genug (die Stachelbeeren bei uns zu 
Wein benutzt wohl noch nirgends), und noch 
weniger kann man allermeist die rechten Na- 
men dieser Früchte angeben oder sagen, wel- 
che Sorten darunter die schätzbarsten seien. 
Man darf wohl selbst mit Grund annehmen, 
dass auch die neuesten über diese Früchte er- 
schienenen Schriften noch zu wenig zur Kennt- 
niss des Publikums und selbst der Pomologen 
gekommen seien. Welche Sorten unter Sta- 



chelbeeren , Johannisbeeren , Himbeeren und 
Erdbeeren als vorzüglich schätzbar zu betrach- 
ten seien, hat uns bereits ein Aufsatz unseres 
geehrten Mitarbeiters, des Herrn Kunstgärtners 
Maurer in Jena, angegeben, der diese Früchte 
nicht nur in grosser Sortenzahl anzieht, son- 
dern bei dem sie auch am ersten acht zu 
haben sein werden; doch hat es, nach Durch- 
sicht der neuesten, über Stachelbeeren und 
Erdbeeren erschienenen Schriften, mir scheinen 
wollen, als ob das, was sie geben, bereits 
hinter dem , was die fortgehende Samenzucht 
in diesen Fruchlklassen in der neueren Zeit 
geleistet und gebracht hat, merklicher zurück- 
geblieben seien (wenigstens ist diess gewiss 
bei den Erdbeeren der Fall), so dass sie einer 
neuen Untersuchung bedürfen, zumal selbst 
hinsichtlich der Cultur dieser Früchte noch 
manche Punkte übrig geblieben zu sein schei- 
nen, die noch nicht gehörig festgestellt worden 
sind, und einer weiteren Untersuchung bedür- 
fen. Wir geben daher einige kurze Notizen 
aus den neuesten, über Stachelbeeren und Erd- 
beeren erschienenen Schriften ; vielleicht dienen 
sie dazu, theils diese Schriften mehr zu ver- 
breiten, theils die Aufmerksamkeil von Män- 
nern, die hinreichendes und gutes Terrain für 
die hier fraglichen Fruchtarten haben, auf die- 
selben hinzulenken, um sie wiederholten Un- 
tersuchungen zu unterziehen und die Resultate 
derselben dem Publikum demnächst zu Gute 
kommen zu lassen. Untersuchungen über die 
gedachten Fruchtarten möchten um so mehr 
Vergnügen machen , als sie weit weniger 
Schwierigkeilen haben, wie Untersuchungen 
über das Kern- und Steinobst, und man von 
denselben leicht zahlreiche Sorten in einem 
irgend grösseren Garten beisammen haben kann. 
(Fortsetzung folgt.) 



IV* Literatur. 



1) P. v. Koeppen, Akademiker in 
Petersburg. Ueber Pflanzen-Akkli- 
matisirung in Russland. (Aus den Ver- 
handlungen der Akademie.) 

Herr Koeppen nennt in diesem Rerichle 
2 Männer, die sich durch Akklimatisirung von 
Pflanzen aller Art in den Gärten zu Nikita an 



der Südküste der Krimm grosse Verdienste 
für Russland erworben *). 



*) Der Name A k k 1 i m a t i s i r u n g ist für Pflan- 
zen eigentlich nicht gut gewählt, denn es wird 
keine Pflanze dazu gebracht werden können, 
mehr Kälte auszuhalten , als sie im reifen Zu- 



60 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Diese Männer sind C. v, Steven und N. v. 
Hartwiss. 

Steven ward am 13. März 1812 zum Di- 
rector des damals durch den Herzog von Ri- 
chelieu ins Leben gerufenen Garten zu Nikita 
ernannt. Dieser Garten ward denn auch bald 
zur Pflanzschule einer grossen Menge auslän- 



stande des Holzes vertragen kann. Frappante 
Beispiele in dieser Beziehung haben die har- 
ten Winter der letzten Zeit geliefert, wo z. B. 
in England alte mächtige Bäume aus wärme- 
ren Klimaten erfroren, die dort schon Jahr- 
zehnte im Land standen, weil die. Kälte höher 
als gewöhnlich stieg. Das, was man unter Ak- 
klimatisirung von Pflanzen versteht, kann also 
nichts anderes bezeichnen, als diejenigen Pflan- 
zen herauszufinden, welche zwar aus wärme- 
ren Ländern stammend , dennoch in gewissen 
kälteren Distrikten fortkommen können, wobei 
ein rationelles Verfahren daraufhinwirken muss, 
dass die betreffenden Pflanzen zu unserer Win- 
terszeit ihr Holz gereift haben und im Ruhezu- 
stand sich befinden. In dieser letztern Beziehung 
kann die Natur der Pflanze allerdings etwas 
verändert werden , und wenn man das unter 
Akklimatisiren allein versteht, so ist der Be- 
griff richtig. 

Dieses nur über die Bedeutung des oft 
missverstandenen Wortes akklimatisiren- 
denn ich weiss, dass es viele giebt, die da 
glauben, man könne selbst tropische Pflanzen 
immer mehr und mehr, allmählich abhärten, 
so dass sie zuletzt auch das deutsche K/ima 
vertragen könnten. Ja es sind manche in die- 
ser Beziehung zur Idee verleitet werden , dass 
dies am besten erreicht weiden würde , wenn 
man Pflanzen der warmen Zone stationsweise 
in immer kälteren Klima anpflanzte. 

Noch einmal: die Natur der Pflanze 
wird man in dieser Beziehung nie 
verändern, dagegen kann es gelin- 
gen, die Vegetationszeit zu verän- 
dern. Das Verdienst aber, dieses 
letztere anzustreben, sowie die 
Pflanzen herauszufinden, die in ge- 
wissen Distrikten noch fortkommen, 
bleibt immerhin ein unendlich gros- 
ses. (E. R.) 



discher Pflanzen, die zuvor in der Krim kaum 
dem Namen nach bekannt waren. 

Von den jetzt die Gärten der Krim mas- 
senhaft zierenden Bäumen und Sträuchern 
fanden sich damals nur 2 Cypressen (C. fa- 
stigiata) in Alupka, welche noch in dem Gar- 
ten des Fürsten von Woronzoff stehen. Cercis 
Siliquastrum , der auf dem Makenzie -Berge 
unweit Sebastopel wild vorkommt, fand sich 
in eben so wenigen Exemplaren. Vom edlen 
Lorbeer nur einzelne aus früheren Zeiten ver- 
wilderte Pflanzen. 

Bis zum Jahre 1824 stand Steven dem Ni- 
kita-Garten vor und verbreitete in dieser Zeit 
eine Masse schöner Pflanzen in der Krim. So 
z. B. Acacia Julibrissia, Arbutus Unedo , Ai- 
lanthus glandulosa , Buxus balearica , Catalpa 
syringaefolia, Cupressus horizontalis, Eriobotrya 
japonica, Gleditschien, Hibiscus syriacus, Juni- 
perus oblonga , phoenicea, virginica, Lirioden- 
dron tulipifera , Nerium Oleander und splen- 
dens, Phyllirea latifolia, Pinus Cedrus L., Pi- 
nus Pinea , Platanen, Prunus Lauro-Cerasus u, 
virginiana , Quercus Suber , die immergrünen 
Rhamnus, Sophora japonica , Sterculia platani- 
folia, Thuja orientalis, Yiburnum Tinus u. a. m, 
alles Pflanzen, die jetzt in den Gärten der Krim 
eine wichtige Rolle spielen. 

Nicht geringer ward andrerseits das Ver- 
dienst des Hrn. Steven durch Anlage grosser 
Baumschulen , wo all die edlern und bessern 
Obstsorten vermehrt wurden. Schon seit Al- 
ters waren zwar die Fruchtbäume der Krim 
berühmt, namentlich die schönen Wallnüsse, 
Lambertsnüsse, der Oelbaum, Trauben, Bir- 
nen, Apfel. Die edleren Aepfel und Birnen- 
Sorten der Krim stammen dagegen von den 
von Nikita aus verbreiteten Stämmen. Die er- 
sten Pfropfreiser sendete der Herzog von Ri- 
chelieu im Jahre 1815 durch eignen Courier 
aus dem Jardin des plantes zu Paris dahin. 
Fast gleichzeitig erhielt auch der damalige Gou- 
verneur edle Obstarten. Mit der Erde, in die 
sie gepackt waren, ward aber auch das Xan- 
thium spinosum eingeschleppt, welches nun in 
der Krim zum lästigsten Unkraut geworden ist. 

Nicht geringer sind die Verdienste des Hrn. 
von Hartwiss, der seit 31 Jahren dem Nikila- 
Garten vorsteht. 

Herr Koeppen giebt nun ein Verzeichniss 



IV. Literatur. 



61 



der zahlreichen durch Hartwiss in die dortigen 
Gärten eingebürgerten Pflanzen, woraus her- 
vorgeht, dass dort ungefähr die gleichen Pflan- 
zen wie in Nord-Italien und dem südlichen 
Frankreich aushalten. 

Als besonders ausgezeichnet nennen wir: 

Pinus Sabiniana Dougl. Im Jahre 
1832 eingeführt aus Califomien. Trägt seit 
1848 kopfgrosse Zapfen, mit essbaren Früchten. 

Abies Nordmanniana Steven. Im 
Jahre 1841 aus Transkaukasien eingeführt. 
Ein majestätischer Baum, der seil 1853 Früchte 
trägt. 

Pinus Cedrus L. Seit 1846 eingeführt. 
Ein Exemplar ist 63 Fuss hoch. 

Cryptomeriajaponica Don. Trägt 
seil 1853 Früchte. * 

Calitris quadrivalvis Vent. 

Cunninghamia sinensis Rieh. Trägt 
seit einigen Jahren Früchte. 

Quercus Hartwissiana Stev. Aus 
Transkaukasien. Diese schöne immergrüne Ei- 
che trägt jetzt reichlich Früchte. 

Paulownia imperialis Sieb. Jähr- 
lich blühend und fruchttragend. 

Arbutus procera Dougl. Aus Cali- 
fomien. 

Ausserdem z. B. die immergrünen Berbe- 
ris, Daphne, Escallonia, Hex, Magnolia gran- 
diflora, Photinia, Viburnum japonicum, Chimo- 
nanlhus, Paeonia Moulan, Lagerslrömia indica, 
Rhododendron ponticum und arboreum, Ca- 
mellien, Azalea indica und andere. Von Ro- 
sen wurden dort schöne dauerhafte Schlingro- 
sen erzogen und ebenso zahlreiche Formen 
von Rhododendron arboreum. 

Ein nicht geringes Verdienst des Hrn. von 
Hartwiss ist die Anlage einer grossen Reb- 
schule, in der alle bekannten Sorten eultivirt, 
und zahlreiche Massen zur Anlage von Reb- 
bergen abgegeben werden. 

Auch die Cultur der Indigofera argentea 
ward dort angebahnt, und Hr. M. Kosizky hat 
in Transkaukasien, 30 Werst nördlich von 
Lenkoren schon einige Pud ganz vortrefflichen 
Indigos erzeugt. 

Es schliesst dieser ebenso interessante als 
lehrreiche Bericht des Hrn. Koppen mit einem 
Verzeichniss der seit 14 Jahren im Garten der 
Bessarabischen Gartenbauschule gepflanzten und 



beobachteten Sträucher und Bäume , sowie 
Beobachtungen über die Temperatur der Krim. 

Das Mittel fünfjähriger Beobachtung giebt 
für Nikita 11,2 R. mittlere Wärme. Die Kälte 
kann bis — 11 R. ansteigen, was jedoch uur 
ganz temperär stattfindet. 

Merkwürdig ist es, dass, während bei so 
tiefem Stand Oel- und Lorbeer-Bäume, Vibur- 
num Tinus und andere litten , dagegen Olea 
fragrans, Magnolia grandiflora, Azaleen , Photi- 
nia serrulata etc. ganz unbeschädigt bleiben. 

(E. R.) 

2) Biedenfeld, Ferd. Freiherr v., Neue- 
stes Garten-Jahrbuch, neuntes Ergänzungsheft, 
1854—1855. Weimar bei E. F. Voigt 1856. 

Der neueste Jahrgang liegt vor uns. Wir 
freuen uns herzlich, dass dieses Werk seinen 
ruhigen und ungestörten Fortgang hat. 

Es ist dasselbe in zwei Abtheilungen ge- 
theilt: Die erste derselben giebt in 160 kleinen 
Artikeln die wichtigsten praktischen Erfah- 
rungen des letzten Jahres. Die Auswahl ist 
eine durchgängig gute zu nennen, und zeigt 
von dem Eifer , mit welchem der Hr. Verfas- 
ser die Garten-Literatur studirt. 

Nach der Vorrede zu urtheilen, scheint der 
Verfasser für die Folge die Mühe nicht scheuen 
zu wollen , mit diesem Jahrbuche einen Be- 
richt über die wichtigsten Leistungen in den 
verschiedenen Gebieten des Gartenwesens des 
vergangenen Jahres verbinden zu wollen. Leb- 
haft freuen wir uns desselben, denn ein sol- 
cher, nach den Fächern geordneter Jahresbe- 
richt, wie ihn Griesebach für die Botanik 
giebt , fehlt uns im Gebiete des Gartenbaues 
noch gänzlich. Auch die einzelnen den Zeit- 
schriften entnommenen practischen Erfahrun- 
gen , diesem Berichte einverleibt , würden da- 
durch eine praktischere Tendenz und damit 
zugleich übersichtlichere und wissenschaftli- 
chere Form erhalten. 

Wir verhehlen uns die Schwierigkeiten und 
namentlich die vermehrte Arbeit durchaus 
nicht, aber Herr Biedenfeld scheint uns ganz 
der Mann dazu zu sein , der vor Arbeit nicht 
zurückschreckt, wenn er dadurch seinen Ar- 
beiten einen grössern Nutzen und mehr Origi- 
nalität verschaffen kann. 

Der zweite Theil stellt in alphabetischer 
Anordnung 600 neue, jüngst beschriebene Pflan- 



62 



Garlenflora Deutschlands und der Schweiz. 



zen zusammen. Auch hier würde die Grup- 
pirung in Familien mit angehängtem Index 
eine übersichtlichere Darstellung, und zugleich 
interessante Data über den Zuwachs in den 
einzelnen Familien geben. Wir wünschen dem 
Unternehmen fernem guten Fortgang. (E. R.) 

3) J. de Jonghe, Cullur der Camellien. 
Deutsch vonFreiherrn von Biedenfeld. Weimar 
1856 bei B. F. Voigt. 

Der Uebersetzung voran sind die Cultur- 
Methoden von Lemaire und die von Ver- 
schaffelt geschickt. Den weitaus interessante- 
sten Theil des kleinen Büchleins bildet jedoch 
die Cultur-Methode des Hrn. De Jonghe. 

Jede Zeile spricht hier dafür, dass ein Ca- 
mellien-Züchter , der lange Jahre der Erfah- 
rung hinter sich hat, diese Culturmethode aus- 
gearbeitet hat. Wir haben in diesen Blättern 
die Camellien-Cultur schon wiederholt bespro- 
chen , so dass wir nur das erwähnen wollen, 
was unsere Zeilschrift noch nicht brachte. 
Herr J. de Jonghe theilt die Cullur der Ca- 
mellie in folgende Kapitel. 

a) Erde. Es wird ein Compost aus 3 Vi 
Theil Lauberde , 1 Theil Rasenerde und x /% 
Theil Holzkohle empfohlen. Dieser Compost 
wird 1 Jahr zuvor angesetzt und 3mal mit 
einem kräftigen Düngwasser (aus Abtritten) 
begossen*). 

b) Wahl der Töpfe oder Käslen. 
Für kleinere Pflanzen werden Töpfe, für grös- 
sere Pflanzen Kübel empfohlen. Für gulen 
Abzug soll in beiden Fällen gesorgt sein. 

c) Zeit des Umtopfen s. Man ver- 
pflanzt zweimal im Jahr , nämlich im Winter, 
zwei Monate, bevor der neue Trieb beginnt, 
und im Sommer, nachdem das Holz des ersten 
Triebes gereift. Junge Pflanzen können im 



•) Wir haben über die Erde unsere Erfahrun- 
gen schon öfters mitgelheilt. An Orten, wo sich ei- 
ne natürliche lockere undhumöse Rasenerde fin- 
det, die durchaus kalkfrei, ist die Cultur der 
Camellie sehr leicht. So z. B. hier in Peters- 
burg. Ebenso hat das Wasser einen mächti- 
gen Einfluss auf diese Cultur, und überall, wo 
man nicht weiches kalkfreies Flusswasser ha- 
ben kann, sollte man wo möglich nur Re- 
genwasser benutzen. E. R. 



Winter verpflanzt werden, für Pflanzen mit 
Knospen eignet sich jedoch nur der Juli *). 

d) Art der Bezeichnung. 

e) Von d en Stäben. 

f) Von dem geeignete sten Stand- 
orte. Hier dreht sich alles um die Erfah- 
rungssätze : Ohne feuchte milde Luft keine 
kräftige Vegetation, ohne kräftige Vegetation 
keine Blüthenknospen und also auch keine 
Blumen. 

Die Camellie mag daher im Gewächshaus, 
im Beete oder im Freien stehen , immer er- 
fordert sie einen Standort im Halbschatten. 
Im Freien muss der Standort ausserdem vor 
Luftzug geschützt sein. Ins Freie bringe man 
die Camellien zwischen Ende Mai und Ende 
Juli und bringe sie Anfang Septembers wieder 
ins Gewächshaus. 

g) Vom Begiessen. Wir haben hier- 
über früher schon einlässlich berichtet. An Or- 
ten, wo Erde und Wasser besser ist, schadet 
auch in der Zeit, wo die Camellien trocken 
gehalten werden sollen , ein vermehrter Guss 
nicht soviel, als da, wo die Cultur-Be dingun- 
gen weniger günstig. 

Im Monat Februar und März , wenn bei 
milden Tagen das Barometer im Hause höher 
steigt, da überspritze man fleissig. Sobald der 
Trieb sich fertig gebildet, wird allmählich we- 
niger begossen und bespritzt, man gebe Luft 
und bringe sie später ins Freie. 

Man bringt also erst nach der Vollendung 
des Triebes ins Freie, damit da das Holz er- 
starken kann. Besonders wichtig ist dies für 
starkwüchsige Sorten , damit diese keinen 
zweiten Trieb machen. Der Stillstand in der 
Vegetation , der jetzt entsteht, der bewirkt des 
Erscheinen von Blüthenknospen. Man hüte 
sich um diese Zeit vorm Ueberspritzen der 
Blätter. Nachdem die Knospen sich gezeigt, 
lasse man die Pflanzen bei trockenem Winde 
nicht mehr zu trocken werden und, auch ins 
Haus zurückgebracht, vermeide man Trocken- 



*) Wir halten für alle Camellien die Epo- 
che, wenn im Winter der neue Trieb gerade 
beginnen will, für eine der geeignetesten. Der 
Juli und August sind ebenfalls für alle Ca- 
mellien geeignet. 



IV. Literatur. 



63 



heit und zuviel Nässe: denu in beiden Fällen 
■werden die Knospen abgestossen *). 

*) Der Referent sah nirgends einen bessern 
Stand und eine reichere Blüthe der Camellien, 
als hier in Petersburg. Die Fülle der Blumen 
ist in manchen Gärten so ausserordentlich, dass 
man zur Blüthezeit die Blätter vor Blu- 
men kaum sieht und einzelne grosse Ex- 
emplare oft mehr Blumen tragen, als in 
manchem Garten die ganze Sammlung. Die 
Camellien kommen hier , obschon der Sommer 
so warm und beständiger als derjenige Deutsch- 
lands ist, gar nicht ins Freie. Die trocknen 
Ostlüfle, welche hier häufig herrschen, wür- 
den der Vegetation der Camellie nicht zuträg- 
lich sein. Ein Anstrich der Scheiben des Ge- 
wächshauses giebt jenen Halbschalten, den die 
Camellien so sehr lieben. Ausserdem wird im 
ersten Frühling, wie im Sommer bei hohen 
Temperalurgraden täglich einigemal leicht über- 
spritzt, um eine feuchte Atmosphäre zu unter- 
halten. Dagegen ist auf zwei Punkte beson- 
ders zu achten , wovon der Flor der Camel- 
lien wesentlich bedingt wird. Diese bestehen 
darin, dass man die Camellien unmittelbar 
nach dem Abblühen, in eine Gewächshaus- 
abiheilung bringt, wo sie eine feuchte Wärme 
von 10—12° R. erhallen, die sich bei sonni- 
gem Wetter noch bedeutend erhöhen kann. 
Exemplare, die nicht blühen, werden Anfangs 
Februar verpflanzt und Mitte Februar in die 
gleiche Abtheilung gebracht. 

Unter dem Einfluss dieser erhöheten Wär- 
megrade machen die Camellien ihren Trieb 
bald und setzen früher Knospen an. 

Sobald nun der Trieb vollendet, kommt 
die andere wichtige Zeit, nämlich die des 
Ausreifens des Holzes und das Ansetzen der 
Knospen. Beides geht miteinander Hand in 
Hand und es muss nun auf Ansetzen von Kno- 
spen und Verhinderung eines zweiten Triebes 
hingewirkt werden. Man bezweckt das er- 
stere dadurch, dass man die Pflanzen zu die- 
ser Zeit möglich trocken in den Wurzeln 
hält. Sobald sich nun die Knospen zu zeigen 
beginnen, fängt man auch an, tüchtig von al- 
len Seiten Luft zu geben, doch so, dass star- 
ker Luftzug vermieden wird. 

Sehr richtig ist, dass ausserdem ein kräf- 



h) Insekten, welche dieCamellien 
angreifen. 

i) Aufstellung der Camellien im 
Freien. Zeit nicht genau zu bestimmen, 
richtet sich nach der Ausbildung des Triebes. 
Schwächliche und kranke Pflanzen werden 
niemals ins Freie gebracht. 

k) Zurückbringen ins Glashaus. 
Schwächliche Pflanzen kommen zuerst, kräf- 
tige Pflanzen , namentlich solche in Kübeln, 
zuletzt zurück. Für diese Letzteren gilt der 
Grundsatz, dass, je länger sie draussen blei- 
ben, desto sicherer halten sich die Knospen und 
je grösser und vollkommen bilden sich diese 
aus. Auch ins Gewächshaus zurückgebracht, 
wird bis zum Winter immer Luft gegeben, 
wenn das Thermometer über — 3° R. steht. 
Nachdem nun damit wegen der eintretenden 
Fröste aufgehört wird, heize man das Haus 
anfangs nur auf 3 — 5° R. Erst gegen Ende 
December wird die Temperatur auf 6 — 8° R. 
gesteigert. Wo aber schon früher zeitweis hö- 
her geheizt ward, da muss mit den höheren 
Graden fortgefahren werden. Ein Zurück- 
gehen der Temperatur während des 
Winters ist jedesmal der Grund 
des Abstossens der Knospen. Durch 
die höhere Temperatur ward die Camellie in 
neues Leben gebracht, niedrigere Grade be- 
dingen den Stillstand und das Abstossen der 
Knospen. 

So wird die Temperatur immer mehr er- 
höhet, bis sie zuletzt auf 10° R. des Morgens 
gebracht wird. 

l)Verminderung der Blüthenknos- 
pen. Der Verfasser empfiehlt allen, die lange 
und jährlich geniessen wollen, die Zahl der 

tiger Stand der Pflanzen nothwendig ist, da- 
mit diese auch Blumen ansetzen können. Auf 
letzleres wird durch rechtzeitiges Verpflanzen, 
gute Unterlage zum Abzug des Wassers , vor- 
sichtiges Giessen zur Zeit der Wurzelbildung 
und selbst durch einen schwachen Dungguss 
zur Zeit der Bildung des jungen Triebes 
hingewirkt. Unrichtig ist die Ansicht, dass das 
Versetzen das Ansetzen der Knospen hindere. 
Weder das Versetzen im Winter, noch das 
im Sommer hat in dieser Beziehung einen nach- 
theiligen Einfluss. 



64 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Knospen an den Pflanzen, welche zu reichlich 
angesetzt haben, zu beschränken. Hierbei sol- 
len alle Achselknospen und die Spitzenknos- 
pen bis auf 2 entfernt werden. Man hüte aber 
sich, diese auszubrechen, sondern man schneide 
sie vielmehr Mitte Juli mit einem scharfen 
Messer mitten durch, worauf der untere Theil 
einige Tage darauf von selbst abfallen wird. 

Vollkommene Ausbildung der zum näch- 
sten Trieb bestimmten Beiaugen, und voll- 
kommene Ausbildung der Blumen selbst sind 
die Folge dieser Operation. Wer daher zur 
rechten Zeit zu entbehren weiss, wird später 
dafür desto mehr gewinnen. Nach dem Ab- 
blühen wird das oberste Glied der Zweige, 
welche die Blumen getragen haben, zurückge- 
schnitten und es entwickeln sich dann die an- 
dern inzwischen ausgebildeten Achselknospen 
um so kräftiger. 

m) Das Beschneiden. Junge einjährige 
Veredlungen werden im Dezember auf 3 — 4 
Augen zurückgeschnitten. 



Das Zurückschneiden älterer Pflanzen , das 
Beseitigen unnöthiger oder die Form beein- 
trächtigender Zweige nimmt man im Novem- 
ber vor. Es ist ein Aberglaube , wenn man 
annimmt, die Camellie ertrage den Schnitt nicht. 
Wer recht schöne Pflanzen erziehen will, lasse 
junge Pflanzen vor'm 4. Jahre nicht blühen. 

n) Behandlung im Herbst bis zur 
Blüthe. Man gebe den Exemplaren mit Knos- 
pen die hellsten und lichtesten Standorte. Gebe 
Luft und halle das Haus bis in die kleinsten 
Winkel sorgfällig reinlich und vermeide jene 
schädliche trockne Luft. 

o) Gewinnung von Samen. 

p) Vermehrung der Camellie. 

q) Eigenschaften einer guten Ca- 
mellie. — Wir beendigen hiermit den ganz 
kurzen Ueberblick über dieses sehr nützliche 
Buch, das jeder Camellienfreund als nützlichen 
Rathgebei^ für den geringen vom Verleger 
gestellten Preis sich anschaffen sollte. — 

(E. R.) 



V. Personal iiotizcn. 



1) Dr. Ernst Gotllieb von Steudel, 
starb den 12. Mai 1856 in Esslingen. Er ist 
als Gründer des Reise - Vereins und Verfasser 
des Nomenciators und der Synopsis Glumacea- 
rum in den weitesten Kreisen bekannt. Sein 
reiches, 20000 Arten umfassendes Herba- 
rium ist jetzt zum Verkauf ausgeboten. — 

(Bonplandia.) 

2) Junghuhn, Hasskarl und Zol- 
linge r sind nun alle 3 wieder iu Java. Durch 
diese 3 Männer angeregt blühet dort jetzt ein 
eigentlich wissenschaftliches Leben. Ein Na- 
turwissenschaftlicher Verein lässt dort seine 
Verhandlungen erscheinen, die seit October 
1850 bereits 7 dicke Bände umfassen und der 
lebhaftesten Theilnahme sich erfreuen 

3) Professor Wüstem ann. Jener ver- 
ehrte Mann, von dem wir unsern Lesern öf- 
ters Mittheilungen aus seinen Zusammenstel- 
lungen über den Gartenbau der Alten mach- 
ten, starb in Gotha. Der Referent betrauert in 
ihm seinen Lehrer, die gelehrte Welt einen 



tüchtigen Philologen, und seine Freunde und 
der Gartenbau-Verein zu Gotha einen heitern, 
gemülhvollen und belehrend unterhaltenden 
Mann. (E. R.) 

4) Friedrich Otto, Gartendiiektor 
und Gründer der Allgemeinen Gar- 
te n z e i t u n g , starb zu Anfang des Monats 
September an einem Schlagflusse. Es war 
dies ein Mann , an dem seine Freunde und 
Feinde anerkannten , dass er ein ebenso ta- 
lentvoller Gärtner sei , wie er andrerseits ein 
organisatorisches Talent von seltner Befähigung 
besass. Bis zum Jahre 1843 sland er dem 
Botanischen Garten in Berlin vor, und brachte 
denselben zu dem Höhepunkt, auf dem dieses 
grossartige Institut jetzt weiter fortschreitet. 
Seit 1843, wo er in Ruhe gesetzt ward, schrieb 
er noch mit Dietrich die Allgemeine Garten- 
Zeitung. 

Wie diese beiden Männer im Leben ge- 
meinsam gewirkt, so hat sie auch der Tod 
schnell nach einander hinweggerafft. (E. R.) 



I. Origiualabhandluiigen. 



1) Abgebildete Pflanzen» 

a) Dictyanthus stapeliaeflorus Rchb. und b) D. Pavonii Decne. 

(Siehe Tafel 187.) 



Zwei äusserst interessante, holzige 
Schlingpflanzen, beide von Mexico stam- 
mend, die sich durch leichte Cultur und 
eine lang andauernde Blüthezeit aufs 
Vortheilhafteste auszeichnen. Die er- 
stere , D. stapeliaeflorus , blühte zuerst 
im Königl. Garten zu Pillnitz bei Dres- 
den und wurde von Reichenbach be- 
schrieben, wir liefern aber unsers Wis- 
sens die erste Abbildung , gezeichnet 
nach einem Exemplare, welches in ei- 
nem Kalthause des hiesigen Gartens die 
Sommermonate hindurch ununterbrochen 
uns durch seine allerdings nicht brillant, 
gefärbten, aber immerhin durch Form 
und Färbung auffallenden Blüthen er- 
freute. Die zweite , nahe verwandte 
Art, von der wir eine einzelne Blüthe 
zur bessern Vergleichung abbilden Hes- 
sen , ist in den Gärten allgemeiner ver- 
breitet, Dank der vortrefflichen Abbil- 
dung, die in der Flore des Serres vol. 
VIII. p. 55 gegeben, die Aufmerksam- 
keit der Blumenfreunde dieser Pflanze 
zuwandte. 

D. Pavonii Dcne ist synonym mit 
D. campanulatus , Rchb. und Tyrrvpa- 
nanthe suberosa, Hasskarl. Unter letz- 
terem Namen geht sie noch in man- 
III. 1857. 



chem Garten. — Beide Arten gleichen 
sich sehr im Wüchse und in der Be- 
laubung, erst in den Blüthen treten we- 
sentliche und leicht fassliche Unterschiede 
auf: bei D. stapeliaeflorus ist die Grund- 
farbe lichtgrün mit sehr feiner , röihli- 
cher Aderung; die 5strahlig ausgebreite- 
ten Nectarien sind schwarzgrün, mit ei- 
ner klebrigen, glänzenden Feuchtigkeit 
bedeckt, die dreieckigen Zipfel der Blu- 
menkrone sind flach ausgebreitet und 
nicht zurückgeschlagen; bei D. Pavonii 
ist die Blüthenfarbe hellaschgrau, sehr 
deutlich und dicht mit violett geädert, 
die Nectarien sind kleiner und gelbgrün, 
die Zipfel der Blumenkrone am Rande 
stark zurückgerollt, wodurch die Blüthe 
einem 5strahligen Sterne ähnlich wird, 
überdies sind die Blumen grösser, oft 
bis 2 Zoll im Durchmesser. Die Gat- 
tung Dictyanthus gehört in die Abthei- 
lung Gonolobeae, zur grossen Familie 
der Asclepiadeen. Die Blumen ähneln 
den Stapelienblüthen und da man dabei 
sich unwillkürlich der unförmlichen, di- 
cken, kantigen und nackten Stengeln ei- 
ner Stapelia erinnert, ist der Contrast 
um so angenehmer, die gleichen sonder- 
baren Blüthen hier an schlanken, win- 



66 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



denden und gut belaubten Ranken wie- 
der zu finden. Die Stengel werden un- 
ten holzig, mit einer dicken, rissigen 
Korkrinde bedeckt, weshalb Hasskarl 
den specifischen Namen suberosa wählte. 
Cultur in einer reichen , mit Sand 
versetzten Lauberde , im temperirten 
Hause. In der Ruhezeit wird sparsam 



begossen, sonst reichlich. Die dünnen 
Stengel werden den Fenstern oder Spar- 
ren entlang gezogen, immer aber dem 
Lichte möglichst nahe. Vermehrung 
ziemlich leicht durch Stecklinge von 
jungem Holze, unter Glocken in rei- 
nen Sand gesteckt und in massiger 
Bodenwärme gehalten. (E. 0.) 



c) Trollius altaieus Ledcb. 

(Hierzu Tafel 188.) 
Ranunculaceae. 



Schon einmal erwähnten wir diesen 
herrlichen Trollius mit seinen leuchtend 
orangegelben Blumen und dunkeln Grif- 
feln. Es ist eine durchaus dauerhafte Pe- 
rennie, gedeihet in einem mit Laub- oder 
Torferde versetzten Lehmboden am be- 



sten und wird durch Theilung und Sa- 
men vermehrt. 

Der Petersburger Garten brachte den- 
selben aus dem an schönen harten Zier- 
pflanzen so reichen Altai - Gebirge in 
Cultur. (E R.) 



£) Cultur der CIneraria liybrida. 

Von Adolph Otto, Obergärtner auf Belvoir bei Zürich. 
(Vorgetragen in einer der Sitzungen der Gartenbau -Gesellschaft in Zürich). 



Als vor einigen Jahren die Garten- 
baugesellschaft in Zürich eine öffentliche 
Sitzung nebst einer kleinen Blumenaus- 
stellung veranstaltete, decorirte ich eine 
ziemlich lange Tafel mit der Elite mei- 
ner so eben im grössten Flor befindlichen 
hybriden Calceolarien und Cinerarien. 
TJeber die Cultur der ersteren hielt ich 
einen Vortrag, welchen die Gartenflora 
schon als Originalabhandlung besitzt; 
die Cinerarien aber, welche an Schön- 
heit und üppigem Wachsthume mit den 
Calceolarien rivalisirten,' erregten bei al- 
len Anwesenden nicht nur eine grosse 
Bewunderung, sondern selbst Herr Re- 



gel (Kaiserl. Russischer Gartendirektor 
im bot. Garten zu Petersburg, damals 
Obergärtner des bot. Garten in Zürich 
und Präsident der Gartenbaugesellschaft 
daselbst) , belobte dieselben öffentlich 
als ein Muster der vollkommensten und 
richtigen Cultur. Hatte nun auch mein 
Vortrag bei den Anwesenden ein lebhaf- 
tes Interesse für dieselbe erweckt, so 
geschah dies noch mehr durch den be- 
zaubernden Reiz, welchen die vollkom- 
mene Schönheit der Cinerarien imponi- 
rend erregte. So wurde ich denn nicht 
nur vom Herrn Regel, sondern auch von 
mehreren Blumenfreunden freundlich auf- 



I. Originalabhandlungen. 



67 



gefordert, in einer der Sitzungen der 
Gartenbaugesellschaft in eben so schlich- 
ter — und wahrheitsgetreuer Weise die 
Cultur der Cineraria hybrida vorzutra- 
gen, dem ich auch freudig entsprach u. 
hiermit den freundlichen Lesern der 
Gartenflora mitzutheilen mir erlaube. Die 
Cineraria hybrida verdankt ihre Herkunft 
einer gegenseitigen Befruchtung der Se- 
necio cruentus und Senecio populifolius. 
In der ersten Periode ihrer höheren Ent- 
wickelung genossen die verschiedenen 
Varietäten : Ciner. hybrida bicolor , for- 
mosa, Hendersonii, coelestis, pulchella 
und namentlich Waterhousiana bei den 
Blumenfreunden eine hohe Gunst. Das 
befriedigte aber nicht alle ihrer Verehrer, 
besonders erwachte bei den englischen 
und französischen Pflanzenzüchtern eine 
grosse Begierde, ihre Blüthen nicht nur 
zu vervollkommnen, sondern auch durch 
gegenseitige Befruchtungen eine grosse 
Anzahl prachtvoller Varietäten zu erzie- 
len, welche besonders in dem feurigsten 
Carmoisin mit schneeweisser Berandung 
und in den tiefblauen Blüthen mit weis- 
sem Centrum sich so sehr in ästhetischer 
Hinsicht auszeichneten. In neuester Zeit 
erwarben sich die berühmten Pflanzen- 
züchter Gaines, Henderson, Ivery und 
Rendatier einen grossen Ruhm durch die 
Erreichung der höchsten Vollkommenheit 
in der Blüthenform und derselben ge- 
schmackvoll entsprecheud, eines niedri- 
gen und üppigen Wuchses. 

Eine Vergleichung zwischen einer frü- 
heren und jetztigen allgemein anerkannt 
schönen Cineraria zeigt am deutlichsten 
die hohe Stufe, welche ihre Cultur ge- 
genwärtig erreicht hat und dieser Ver- 
dienst gebührt in dankbarer Anerkennung 
jenen oben genannten Matadoren der 
Gärtnerwelt! Obgleich die Cultur der 
Cineraria schon ziemlich häufig in den 
Gartenjournalen und anderen Garten- 



schriften über Pflanzencultur erwähnt 
worden ist , so darf jetzt dennoch eine 
gründlicher und ebenso aufrichtige Mit- 
theilung, ohne einer nutzlosen Wieder- 
holung sich schuldig zu machen , schon 
deshalb erwünscht sein, um eine aus 
eigener vieljähriger Erfahrung geschöpfte 
Culturweise zu vernehmen, welche die 
glänzendsten Resultate lieferte u. schon 
mehrere Male auf den Blumenausstellun- 
gen in Zürch als preiswürdig gekrönt 
worden ist. 

Unsere in Rede stehende Cinerarie 
erheischt zur Erreichung eines kräftigen 
Wachsthums eine sehr nahrhafte lockere 
Erde und einen luftigen, heiteren, doch 
nur der frühen Morgensonne exponirten 
Standort. Als die der Cinerarie beha- 
gendste Erde habe ich eine ziemlich lange 
gelagerte fette Mistbeet- oder auch Com- 
posterde , welche oftmals mit Abtritts- 
jauche durchtränkt worden ist, anerkannt. 
Ueberhaupt hat mir die Erfahrung schon 
oft deutlich bewiesen, dass je sorgfältiger 
und besser die Erde behandelt worden 
ist , namentlich für die Topfpflanzen, 
auch desto kräftiger die Pflanzen darin 
gedeihen. Daher präparire ich die für 
die Cinerarien und Calceolarien bestimmte 
Erde wenigstens ein halbes Jahr zuvor 
und wähle für die ersteren einen ziem- 
lich sonnigen Standort im Erdmagazin, 
wo ein Haufen, bestehend aus 3 Thei- 
len fetter Mistbeeterde , (welche noch 
nicht benutzt worden ist) , und 1 Theil 
Lauberde nebst 1 / 8 Theil Sand angelegt 
wird. Statt der Mistbeeterde, wenn sie 
mangeln sollte, kann auch eben so gut 
die Composterde für den Gebrauch ver- 
wendet werden. Der Haufen wird vier- 
eckig angelegt und bei jeder 1' hohen 
Schicht mit Abtritts - oder anderer fet- 
ten Jauche durchtränkt. Zuletzt wird 
der Haufen mit alten Strohmatten oder 
langen Mist bedeckt , damit die in der- 

5 * 



68 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



selben enthaltenen für die Pflanzen näh- 
rendsten Ingredienzien nicht verdunsten, 
sondern sich mit der Erde assimiliren 
können. Alle 6 — 8 Wochen wird die 
Erde von Neuem umgelegt, d. h. der 
Haufen wird wieder schichtenweise mit 
dem erwähnten Dungwasser beschüttet. 
Vor der Benutzung muss aber die Erde 
an der Luft oder Sonne getrocknet, da- 
rauf durch ein mittelfeines Sieb von den 
Steinen und anderen rohen Stoffen ge- 
reinigt werden. 

Man säet den, nur von den alier- 
schönsten Sorten der Cinerarien gewon- 
nenen Samen zu zwei verschiedenen 
Perioden aus, das eine Mal im März u. 
dann im August. Zu der oben be- 
zeichneten Erde füge man noch y 8 Sand 
nebst gleicher Quantität Kohlenstaub 
und fülle damit 3" hohe u. 6 Zoll weite 
sogenannte Samentöpfe, säe darauf den 
Samen so dünn als möglich und bedecke 
denselben sehr dünn mit feingesiebter 
Erde. Nach dem Ueberspritzen mit ei- 
ner feinen Brause werden die Samen- 
töpfe in einem nur mit trockenem Laub 
erwärmten Kasten auf Sand oder Erde 
nahe dem Glase gestellt, beständig feucht 
und schattig gehalten. Gleich nach der 
vollständigen Keimung müssen sie mehr 
Luft erhalten und ziemlich kühl stehen. 
Sobald die Pflänzchen zum Verpflanzen 
stark genug sind, so bereite man sieh 
flache (6 — 7" hohe) Erdkistehen, welche 
14" breit und 2' lang sein können und 
mit Abzugslöchern versehen sein müs- 
sen, bedecke dieselben und den Boden 
2" hoch mit Topfscherben, darauf fülle 
man sie bis an den Rand, massig stark 
angedrückt und fein verebnet mit der 
präparirten Erde. Die Pflänzchen müs- 
sen höchst sorgfältig mit einem Pflanz- 
holze ausgehoben und 2 — 3" weit von 
einander gepflanzt werden. Man beob- 
achte dabei ja das Hauptprincip der 



Erzielung eines niedrigen, kräftigen Wuch- 
ses, der Cinerarie schon in ihrer frühen 
Jugend so viel Raum als möglich zu ei- 
ner freien Ausbreitung zu gestatten. Die 
auf solche Weise bepflanzten Kistchen 
werden in einen kalten Kasten nahe 
dem Glase gestellt, bis zu ihrer Anwur- 
zelung ziemlich feucht, schattig und ge- 
gen die freie Luft geschützt gehalten. 
Hernach werden sie immermehr an die 
Luft gewöhnt und damit die Pflanzen 
recht kräftig werden, entweder die Fen- 
ster ganz entfernt oder die Kistchen auf 
eine nordöstlich gegen Regen geschütz- 
te Rabatte oder Beet gestellt. Wenn 
die Pflanzen sich einander mit den Blät- 
tern berühren, so ist es hohe Zeit, sie 
einzeln in ziemlich geräumige Töpfe zu 
pflanzen. Den Boden derselben belege 
man 1" hoch mit Holzkohlen oder fein 
zerschlagenen Topfscherben. Nun wan- 
dern sie wiederum bis zu ihrer Anwur- 
zelung in denselben Kasten, wo sie noch 
jugendlich ein gemeinsames Lager theil- 
ten. Wenn die Witterung noch günstig 
ist, in so fern noch keine Nachtfröste 
zu befürchten sind , so können sie bis 
zum Bezug des Winterquartiers vollstän- 
dig der freien Luft und dem Sonnen- 
schein exponirt in dem Kasten verblei- 
ben. Unter allen den Pflanzenlokalitäten, 
welche entweder zu deren Ueberwinte- 
rung oder speciellen Cultur bestimmt 
sind, ist und bleibt ein Doppelglashaus 
oder die sogenannte Doppeibasche die 
einzig beste Wohnung, wo sie sich am 
wohlsten fühlt. Bei ihrem Placement 
geize man nicht mit dem Räume, stelle 
sie daher so weit auseinander, dass sie 
sich kaum berühren. 

Dieses Verfahren gelte auch sogar 
im gesteigerten Masse, so oft sie in 
grössere Gefässe verpflanzt worden sind. 
Wenn aber eine solche Doppeibasche 
nicht zu Gebote steht, dann genügt auch 



I. Originalabhandlungen. 



69 



ein jeder andere Standort, wenn ihr nur 
daselbst viel Licht, Luft und Schutz ge- 
gen Kälte dargeboten wird. Luft und 
Licht sind die Haupterfordernisse der 
Cinerarie, wenn sie sieh eines kräftigen 
Wuchses erfreuen soll, daher sieht man 
sie auch am kräftigsten in einer Dop- 
pelbasche, wo sie beständig von Luft 
und Licht gleichsam umspült wird. 

Anfangs März oder bei günstiger 
Winterwitterung schon in der Mitte 
Februar werden die Cinerarien mit gröss- 
ter Schonung ihrer Wurzeln bis auf die 
Entfernung des Abzugmateriales in 
grössere Töpfe gepflanzt. Bei dieser 
Verrichtung beobachte man Folgendes: 
1) sie weder zu tief noch zu hoch zu 
pflanzen, 2) die Erde, wenn sie sehr 
feucht sein sollte, ja nicht zu fest anzu- 
drücken, 3) diejenige Cinerarie, welche 
noch nicht sehr bewurzelt war , mit ei- 
ner Etiquette zu bezeichnen, damit man 
sie beim Begiessen mit mehr Sorgfalt 
behandeln kann , weil sonst im entge- 
gengesetzten Falle leicht eine Wur- 
zelfäulniss entstehen könnte; 4) für ei- 
nen genügenden Wasserabzug vermittelst 
in kleine Stücke zerschlagene Topf- 
scherben oder Holzkohlen zu sorgen. 
Im April, wenn die Cinerarie im Begriff 
steht, ihre Blüthenstengel zu entwickeln, 
verpflanze man die am meisten verwur- 
zelten noch einmal in grössere Töpfe, 
damit sie genugsam Nahrung besitzen, 
sich bis zur Blüthezeit vollkommen aus- 
zubilden. Hierbei muss das noch heut- 
zutage von vielen Gärtnern irrig be- 
folgte Culturverfahren tadelnd erwähnt 
werden, nämlich die Cinerarie nur ein- 
mal zu verpflanzen und sie bis nach 
ihrer Blüthezeit in einem ganz kleinen 
Topfe zu lassen, wo sie dann als Ent- 
schädigung für die ihr mangelnde nahr- 
hafte Erde mit Hornspänwasser gespeist 
wird, welches freilich momentan zur Bil- 



dung grosser Blätter reizt, aber nachher 
auch sogleich eine Abspannung ihrer 
functionirenden Lebensorgane herbeiruft. 
Sollte die Jahreszeit schon so weit vor- 
gerückt sein, dass es die Witterung er- 
laubt, also in der Mitte oder am Ende 
Mai, die in der Blüthe befindlichen Ci- 
nerarien im Freien auf einer gegen 
Nord oder Nordost exponirten Stellage 
oder Sandbeet , geschmackvoll arrangi- 
ren zu können, (wo sie aber gegen Wind 
und Regen geschützt werden müssen), 
so gewähret diese Translocation nicht 
nur eine längere Blüthezeit, sondern 
auch die allereinzige und wirksamste 
Verhütung des Mehlthaues, der Blatt- 
läuse nebst ihren Kammerjungfern, den 
Ameisen , was bei den Cinerarien unter 
Glas gehalten , an sehr warmen Tagen 
kaum zu vermeiden ist. Zu gleicher Zeit, 
nämlich beim Arrangiren der Cinerarien 
auf der Stellage oder einem Sandbeete 
entferne man die geringen Sorten und 
beachte folgende Bedingungen ihrer Schön- 
heitsregeln, welche man gegenwärtig als 
Norm festgestellt hat: Eine schöne Ci- 
nerarie muss auf einem nicht sehr ho- 
hen, doldentraubig verzweigten, starken 
und aufrechten Stengel eine grosse fla- 
che , zusammengesetzte , dichte Dolden- 
traube tragen, die Blumen müssen ziem- 
lich gross, flach ausgebreitet, dicht zu- 
sammenstehend, im Umkreise kreisrund, 
ohne Einschnitte und die Strahlblümchen 
flach, dicht zusammenschliessend und 
von reiner lebhafter Färbung sein. 
Nur von solchen Cinerarien sammle man 
den Samen und diese müssen sogleich 
beim Aufblühen von den geringeren aus- 
geschieden und an einen sehr guten 
Standort gestellt werden. Nach dem 
Verblühen werden die Stengel entfernt 
und die Pflanzen aus den Töpfen auf 
eine gegen Nord oder Nordost ge- 
legene Rabatte, welche aber aus einer 



70 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



kräftigen Mistbeeterde bestehen muss, 
1 Fuss weit von einander gepflanzt. 
Hier müssen sie nicht nur stets vom 
Unkraute rein gehalten, sondern auch das 
Beet von Zeit zu Zeit massig aufge- 
lockert und an warmen trockenen Tagen 
begossen werden. Mitte September oder 
am Ende desselben, je nach der Witte- 
rung und dem localen Temperatur-Ver- 
hältnisse werden sie sorgfältig ausgeho- 
ben und in Töpfe ! nach obiger Vor- 
schrift gepflanzt. Jetzt ist der rechte 
Zeitpunkt vorhanden , die Cinerarie durch 
Vertheilung zu vermehren, aber nicht 



gleich nach der Blüthe , wie es in meh- 
reren Gartenbüchern irrig gelehrt wird. 
Diese nun wiederum in Töpfe gewan- 
derten Mutterpflanzen unterliegen der 
gleichen Behandlung wie bei den Früh- 
jahr-Sämlingen. Die Aussaat im Anfange 
des August-Monat geschieht unter Beob- 
achtung des gleichen Verfahrens, wie bei 
der im März, ebenso geniessen auch die 
Herbst-Sämlinge die gleiche Pflege, nur 
besitzen die ersteren deshalb einen grös- 
seren Vorzug, weil sie schon als kräf- 
tige Pflanzen einen Vorsprung von " 5 
Monaten gewonnen haben! 



3) Petunien-Cultur. 



Wir haben nun schon zweimal Ta- 
feln mit den neuesten Petunien aus der 
Gärtnerei des Herrn Möhring gegeben. 
Die Schönheit der auf Tafel 152 abge- 
bildeten Sorten wird Manchen nach dem 
Besitz derselben lüstern machen. Wir 
wollen es uns daher heute zur Aufgabe 
machen , unsere Erfahrungen über deren 
Cultur mitzutheilen. 

Es ist zwar schon einigemal über die 
Cultur der! Petunien im Allgemeinen ge- 
sprochen worden, aber es ist Erfah- 
rungssache, dass die neuen grossblu- 
migen Petunien und namentlich die grün- 
randigen Petunien in der Cultur viel dif- 
ficiler sind , als die alteren kleinblumigen. 

Die Petunie ist eigentlich eine ein- 
jährige Pflanze von langer Dauer, die 
viel Samen trägt und aus Samen sich 
sehr leicht erziehen lässt. Um nun 
aber die schönsten der erzielten Sorten 
festzuhalten, ist man gezwungen, diese 
durch Stecklinge zu vermehren, welche 
dann durchwintert werden. 

Ebenfalls Sache der Erfahrung ist es 
in dieser Beziehung, dass die Samen- 
Pflanzen viel kräftigere, gedrungere Pflan- 



zen liefern, die nicht nur üppiger ge- 
deihen sondern auch schönere Blumen 
liefern. Hier in Petersburg werden da- 
her die Petunien ganz wie einjährige 
Pflanzen behandelt, und schon Ende 
Mai in blühenden Exemplaren zur Grup- 
penpflanzung zu billigen Preisen ver- 
kauft. 

Nachdem wir nun die Thatsachen 
festgestellt, dass die grossblumigen Pe- 
tunien weniger hart in der Cultur und 
dass die Samenpflanzen den Stecklings- 
pflanzen vorzuziehen, wollen wir zu- 
nächst zur Anzucht der Petunien aus 
Samen, dann zur Gewinnung des Samens 
und endlich zur Vermehrung durch Steck- 
linge und Ueberwinterung übergehen. 

1) Anzucht aus Samen. 

Schon Ende Februar oder Anfang 
März wird die Aussaat gemacht. Man 
fülle sich dazu flache Näpfe mit einer 
Mischung aus 2 Theilen Heide-, Torf- 
oder noch besser einer guten Lauberde, 
1 Theil einer lehmigen Erde, und */a 
Theil Sand. Nachdem die Oberfläche 
des Napfes geebnet, streuet man einen 



I. Originalabhandlungen. 



71 



feinen Sand dünn über dieselbe und 
säet hierauf den Samen möglichst dünn 
aus. Gedeckt wird wiederum mit feinem 
Sande, jedoch nicht mehr, als dass der 
Samen gerade gedeckt ist. 

Wer Gewächshäuser zur Verfügung 
hat, der stellt nun diese dergestalt an- 
gesäeten Näpfe in ein Warmhaus, oder 
er gräbt sie in dem erwärmten Beete 
des Vermehrungshauses ein, und hält 
sie bis zum Aufgehen gleichmässig feucht. 

Das Begiessen muss jedoch sehr vor- 
sichtig, entweder mit einer ganz feinen 
Brause von oben, oder mittelst eines 
untergestellten Napfes von unten ge- 
schehen. Wem kein Gewächshaus zur 
Disposition steht, der muss die Näpfe 
in das Fenster eines sonnigen erwärm- 
ten Zimmers stellen, die Erde mittelst 
eines untergestellten Napfes befeuchten 
und über den Napf eine Glasscheibe le- 
gen , damit die Oberfläche des Topfes 
gleichmässig feucht bleibt. 

Bald werden die Samen aufgehen. 
Sobald man dieses» bemerkt, wird der 
Napf entweder auf ein sonniges Brett 
des temperirten Hauses dicht unters Fen- 
ster gesetzt, oder man lüftet bei den im 
Zimmer stehenden die Scheibe , um spä- 
ter dieselbe ganz zu entfernen. Wo 
man bemerken sollte, dass einzelne 
Pflanzen umfallen, streuet man Sand 
oder Kohlenpulver zwischen ein und 
giesst nun vorsichtig erst, wenn die 
Erde trocken ist. Werden die Pflänz- 
chen etwas langbeinig , dann ist es Zeit 
zum Versetzen. Man nimmt hierzu 
grosse Näpfe oder Kästen, wendet eine 
Mischung aus gleichen Theilen schwe- 
rer Erde und Laub- oder Moorerde mit 
Sand an und stopft die Pflänzchen auf 
ein Zoll Entfernung bis an die Samen- 
lappen um. Hat man um diese Zeit 
schon ein ausgebranntes halbwarmes 
Beet zur Hand, so ist dies der beste 



Platz, ausserdem auf dem Fensterbrett 
des temperirten Hauses oder Zimmers. 
Wenn die Witterung es erlaubt wird 
gelüftet, doch so dass kalte Winde die 
Pflanzen nicht treffen können. Beschat- 
tet wird nicht, sondern zu hohe Wär- 
megrade durch Lüften beseitigt und bei 
hellem Wetter bespritzt und wenn die 
Pflanzen freudiger zu wachsen begin- 
nen, von Zeit zu Zeit mit Dungguss 
begossen. 

Bald wird bei dieser Behandlung der 
Stand der Pflanzen zu dicht werden. 
Man nimmt sie nun vorsichtig heraus 
und pflanzt sie einzeln in 4zöllige Tö- 
pfe, in eine ähnliche Erdmischung, der 
jedoch Misterde zugesetzt wird. Nach- 
dem sie in einem halbwarmen Beete 
oder Kalthause angewachsen, ist nun 
die Zeit soweit vorgerückt, dass sie in 
ein kaltes oder nur mit alter Lohe er- 
wärmtes Fensterbeet, oder in das zum 
Oeffnen eingerichtete Zimmerfenster ge- 
stellt werden können. Ohne sie zu be- 
schatten, lüftet man hier fleissig, be- 
giesst und bespritzt je nach Trockenheit 
und Wetter und giebt später wöchent- 
lich wenigstens einmal Dungguss. 

Die Pflanzen beginnen nun die Blu- 
men zu zeigen. Die besten und ausge- 
zeichnetsten Blumen stellt man zur Sa- 
menzucht zurück, die anderen werden 
entweder zu Gruppen im freien Lande 
verwendet, oder sie werden noch ein- 
mal verpflanzt und zur Decoration son- 
niger Blumenstellagen, von Baikonen 
und so ferner bestimmt. 

Bei einiger Aufmerksamkeit kann man 
so Tausende von Pflanzen bis Mitte oder 
Ende Mai in blühenden buschigen kräf- 
tigen Exemplaren erziehen. 

2) Samen zu cht. 

Von all den Sämlingen wird nur eine 
Auswahl der schönsten und besten Spiel- 



72 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



arten zur Samenzucht bestimmt. Man 
verpflanzt diese in 6 — 7zöllige Töpfe 
mit guter Unterlage und stellt sie an ei- 
nem geschützten sonnigen Orte im Freien 
auf, wo kein Regen sie trifft. Auch ein 
kaltes Beet oder niedriges Gewächshaus, 
wo nur bei Regenwetter die Fenster auf- 
gelegt werden, ist durchaus geeignet. 
Nun beginnt für den verständigen Culti- 
vateur die wichtigste Arbeit, die zu ei- 
nem durchaus sicheren Resultate führen 
wird, sofern man nur wenige der aus- 
gezeichnetsten Sorten von den andern 
separirt hat , nämlich die künstliche Be- 
fruchtung, 

Schon auf der Tafel 152. dieses 
Werkes wird man bemerken, dass die 
schönsten und ausgezeichnetsten Sorten 
halb gefüllt sind. Reisst man eine Blu- 
me auseinander, so siehet man, dass es 
gemeiniglich nur die Staubfäden sind, 
die sich zu kleinen grünen Blumenblät- 
tern umgebildet haben, während das 
Pistill und Narbe noch ganz normal sind. 
Auch von den ungefüllt gebliebenen 
grossblumigen Sorten entwickeln manche 
keinen oder wenig Pollen, so dass schwer 
Selbstbefruchtung stattfindet. Dies ist 
der Grund, weshalb von den grünran- 
digen und den schönsten grossblumigen 
Petunien gemeiniglich nur wenig Sa- 
men geerndtet wird. 

Der einsichtige Cultivateur, dem es 
darum zu thun ist, gerade von dem Be- 
sten viel Samen zu erndten, der wird 
sich die Mühe nicht reuen lassen, täg- 
lich Morgens nach 9 Uhr seinen Petu- 
nien eine Stunde Zeit zu widmen, so- 
fern das Wetter hell und sonnig. Mit 
einer kleinen Pincette bewaffnet geht er 
dahin, sucht die Blumen vor, die keinen 
oder sehr wenig Pollen tragen. Er öff- 
net sie mittelst Aufschlitzens der Blu- 
menkrone, nimmt darauf aus einer der 
Blumen, deren Antheren den Pollen ge- 



rade entleeren*), eine Anthere mit der 
Pincette vorsichtig heraus, indem er sie 
oben am Staubfaden fasst und dort ab- 
reisst, und betupft mit deren Pollen die 
Narbe der unfruchtbaren Blume. Eine 
glänzende klebrige Feuchtigkeit, welche 
oben auf der Narbe liegt, zeigt an, dass 
diese befruchtungsfähig und der Moment 
richtig gewählt. Auf diese Weise wird 
Blume für Blume durchgangen und eine 
reichliche Samenerndte, aus der nur 
Ausgezeichnetes entspringen wird, ist der 
Lohn der Bemühung. 

Wer sich keine Mühe giebt, der 
wird auch nicht voran kommen. Wer 
aber auf die angedeutete Weise verfährt, 
der wird nicht mehr nöthi£ haben, Pe- 
tunien aus Stecklingen zu erziehen, son- 
dern seine Aussaaten werden ihm Mas- 
sen kräftiger für Gruppenpflanzung und 
Decoration vorzüglich geeigneter Pflan- 
zen liefern , und ausserdem wieder viele 
ausgezeichnete Formen, um durch er- 
neuete Samenzucht immer weiter und 
weiter zu kommen. 

Der Handelsgärtner, der auf diese 
Weise Samen erzogen hat, darf ihn 
zu hohen Preisen in den Handel geben, 
und die Käufer, sie dürfen gern den hö- 
hern Preis zahlen, erhalten sie doch 
auf diese Weise gesunde kräftige Pflan- 
zen der besten Formen, die sie in ein- 
zelnen schwachen Exemplaren oft so 
theuer zahlen müssen, als hier eine 
ganze Prise hoffnungsreicher Samen. 
Aber auch hier heisst es abermals und 
nochmals ohne Mühe kein Lohn. Nur 
eine nach den oben angegebenen Grund- 
zügen ausgeführte und überwachte Aus- 
saat, sie wird zu dem Ziele führen, 
schöne kräftige Pflanzen für den Flor 
zu erhalten. 

•) Der bläuliche Pollen tritt dabei als Pul- 
ver hervor, was sehr leicht zu erkennen ist. 



J- W-L IUI. 







'^•2^w^' S^yc*t&'. 



Originalabhandlungen. 



73 



3) Vermehrung durch Stecklinge 
und Ueherwinterung. 

Wem es darum zu thun ist, ganz 
bestimmte Sorten von Petunien in Cul- 
tur zu behalten, dem bleibt kein ande- 
res Mittel, als junge Pflanzen aus Steck- 
lingen zu erziehen und diese zu über- 
wintern. Junge kräftige Pflanzen in 
nicht zu grossen Töpfen überwintern 
sich noch am besten. Solche können 
jedoch nur von den ersten Stecklingen, 
die von Mai bis Mitte Juli gemacht 
sind, erzogen werden. Man wählt hier- 
zu jun^e 3—4 Zoll lange Triebe , die 
keine Blumenknospen zeigen , und steckt 
diese entweder einzeln in kleine Töpf- 
chen oder zu mehreren in Näpfe in eine 
Erde, die wie die zur Aussaat zusam- 
mengesetzt, nur viel sandiger ist. Man 
stellt diese Näpfe oder Töpfe am zweck- 
mässigsten an einen beschatteten Platz 
des temperirten Gewächshauses, wo sie 
vor Luftzug geschützt sind. Bodenwärme 
oder ein Standort im Treibbeet darf nur 
bei den jüngsten , im ersten Frühling 
gesteckten Stecklingen angewendet wer- 
den. Wenn die Stecklinge erst mehr 
verholzt und kräftiger geworden, sagt 
ihnen solch ein Standort gar nicht mehr 
zu, und sehr verholzte im Sommer ge- 
steckte pflegen sogar an einen geschütz- 
ten schattigen Ort in's Freie gestellt, 
besser Wurzel zu schlagen, als ganz 
von der Luft abgeschlossen oder in er- 
wärmten Beeten. 

Es ist nun Aufgabe des Cultivateurs, 
die Stecklinge gut zu beobachten und 
die in Näpfe gesteckte sofort zu ver- 



pflanzen und dann in ein geschlossenes 
Beet zu bringen, sobald sie Wurzeln 
bilden, weil, wenn dies nicht geschieht, 
dieselben gemeiniglich bald nach dem 
Wurzelbilden zurückgehen. Man pflanzt 
sie in die zum ersten Verpflanzen em- 
pfohlene Erdmischung in nicht zu grosse 
Töpfe. Anfang September oder schon 
im August können die am stärksten ein- 
gewurzelten Pflanzen noch einmal in 
S'/^zöllige Töpfe verpflanzt werden, in 
denen sie dann durchwintert werden. 

Für den Winter ist der geeignetste 
Standort ein Fensterbrett in einem ho- 
hen trocknen Kalthause auf den seitli- 
chen Fensterbrettern. Hier überwintern 
sich die Petunien ganz vortrefflich. Auch 
gut eingerichtete frostfreie Beete oder ein 
frostfreies Zimmer können sehr wohl 
zur Ueberwinterung derselben benutzt 
werden. Im Frühling müssen sie dann 
rechtzeitig verpflanzt und die zu langen 
Pflanzen müssen gestutzt werden, wenn 
man auf Mitte Mai ebenfalls schöne blü- 
hende Pflanzen erziehen will. 

Wir unterlassen es, die Petunie im 
Allgemeinen zur Cultur zu empfehlen. 
Die Pflanze ist bekannt genug und z. B. 
zur Bekleidung der Brüstungen sonniger 
Balkone unübertrefflich. Im freien Lande 
sind die aus Samenpflanzen gebildeten 
Gruppen immer die schönsten; da diese 
stämmiger wachsen und auch , wenn sie 
nicht so sorgfältig angebunden , son- 
dern sich selbst überlassen werden, sich 
zu unausgesetzt und reich blühenden 
Gruppen vereinigen. (E. R.) 



4) Das Coinpostdüngermeitl von C. F. Mally und €omp. In Wien. 

(Hafriergteig Nr. 31©.) 



Es|ist dieses ein künstliches Dünger- 
mehl, das aus Düngstoffen und Abfäl- 



len aller Art verfertigt wird. Der Preis 
desselben beträgt nur Vj % ü, pr. Cent- 



74 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



ner, also achtmal weniger als Guano. 
Nach beigegebenem amtlichen Zeugnisse 
enthält dieser Dünger alle die man- 
nichfachen , zur Ernährung der Pflanzen 
notwendigen Stoffe in reichlicher Menge, 
in einer zur Aufnahme geeigneten Form. 

Im Vergleich mit dem Guano soll 
ungefähr das doppelte Quantum zu glei- 
cher Wirkung erforderlich sein. Das- 
selbe wird in 3 — 4fachem Körner-Aus- 
saatverhältniss ausgestreuet und entwe- 
der untergepflügt, oder mit der Saat 
eingeeggt. 

Die ganze bescheiden gehaltene, von 
aller Marktschreierei fern gehaltene An- 
zeige, sowie die Art der Zusammen- 
setzung und das Verhältniss der Be- 
standtheile spricht für den Werth die- 
ses Düngermehls. Die Transportkosten 



werden aber der Verwendung desselben 
ebenfalls seine bestimmten Grenzen 
setzen. 

Dagegen stehen dem umsichtigen 
Landwirth und Gärtner überall die glei- 
chen Stoffe zu Diensten, welche jene 
Fabrik zur Verfertigung ihres Dünger- 
pulvers verwendet, als da sind: Dünger 
von Menschen und Vieh, Urin, Fleisch, 
Blut , Knochen , Hörn , Haare , Federn, 
Asche, Ofenruss, Lohe, Strassenkehricht 
etc. etc. — Er bringe diese chemischen 
Schichten mit Moor- und Ackererde auf 
Haufen, begiesse mit Jauche, streue 
Kalk oder Gyps ein, und er wird einen 
bedeutend grösseren und wirksameren 
Düngervorrath, als beim gewöhnlichen 
Verfahren erhalten. (E. R.) 



5) Neue vorzügliche landwirthschaftliche Produkte. 

Von J. G. Meyer, Handelsgärtner in Ulm. 



In den Zeiten der Kartoffelkrank- 
heit und der damit verbundenen hohen 
Getreidpreise sind in den landwirth- 
schaftlichen Kreisen Fragen aufgetaucht 
und Wünsche ausgesprochen worden, 
welche Produkte als Hack- oder auch 
als Saatfrucht gebaut werden sollen, 
und welche in Ertrag und der so vielfa- 
chen nützlichen Verwendung der Kar- 
toffel für dieselbe entschädige ? Und wie- 
derum war es der Gartenbau , der die 
Hände nie müssig in den JSchoos legt 
und auf diese Frage durch ein reichhal- 
tiges Verzeichnis von Surrogaten für 
die Kartoffel antwortete; leider aber ist 
es denselben noch nicht gelungen, die 
Wünsche hinsichtlich der so vielfachen 
Verwendung der Kartoffel zu befriedigen 
und für dieselbe ein Produkt aufzustel- 
len, das auch in dieser Beziehung nichts 



zu wünschen übrig lissc. Es ist nicht 
zu verkennen, dass es nicht leicht mög- 
lich werden wird, diesen Wunsch zu er- 
füllen. Der Erndteertrag der Kartoffel 
ist aber von vielen andern Produk- 
ten übertroffen : es geben Hülsenfrüchte 
und Getreide doch mehr wirklichen 
Nahrungsstoff als eine Masse auf den- 
selben Feldern angebauter Kartoffeln, 
und es wäre noch die Frage , ob denn 
der so massenhafte Anbau und Ertrag 
von Kartoffeln in unserm deutschen Va- 
terlande, wie beide vor dem Erscheinen 
der Krankheit bei uns vorkamen , uns 
denn auch so sehr nützlich gewesen 
wäre , wie allgemein geglaubt wird ? — 
Die Beantwortung dieser Frage ist ohne 
Zweifel der Zukunft a orbehalten, doch, 
würden derartige Verhältnisse in andern 
Staaten, z. B. Irland, Schlesien etc. ge- 



I. Originalabhandlungen. 



75 



nau untersucht, so könnten diese Staaten 
uns doch, wenn auch nur einigen Auf- 
schluss über diese Frage geben. Die 
Geschichte Irland's seit der Zeit , wo 
Hawkins die Kartoffel dorthin brachte, 
lässt sich nicht von der Kartoffel tren- 
nen ; Kartoffeln sind auf dieser Insel 
mehr denn irgend in einem Lande ver- 
breitet, in ihnen besteht das Glück und 
das Unglück der Iren; auf der andern 
Seite aber wird den Einfluss der Nah- 
rung auf das geistige, sowie körperliche 
Leben des Menschen Niemand läugnen 
wollen. 

Die meisten Landwirthe, die früher 
nicht zu bewegen waren, ausser den 
Kartoffeln auch andern Produkten eine 
Stelle auf ihren Feldern einzuräumen, 
bauten bereitwillig für die stets und im- 
merfort kranken Knollen andere für die- 
selben als Ersatz in Anregung gebrach- 
ten Pflanzen, und der Landmann ist da- 
durch einen Schritt weiter gegangen. 
Die neuen so sehr nützlichen Ackerge- 
räthe, Mäh- und Dreschmaschinen etc., 
deren Vorzüge er bei Anwendung täg- 
lich mehr zu schätzen lernt, reissen ihn 
auf der einmal betretenen Bahn fort. 
Zurückzugehen zu den alten Gebräuchen 
der Väter ist ihm unmöglich geworden, 
da seinen nun einmal betretenen Weg 
Viele wandern, die lachend auf ihn zei- 
gen würden, wollte er zurückschreiten. 
Auszuruhen und der Dinge abzuwarten, 
die da kommen sollen, ist gleichfalls un- 
möglich, da ja der Neid und die Miss- 
gunst dem Menschen nicht zulassen, 
einen andern vor sich am Ziele ankom- 
men zu sehen, das für ihn selbst zu er- 
reichen möglich gewesen wäre, und nun 
in unserer gegenwärtigen Zeit, wo durch 
Wort, Schrift, bildliche Darstellung etc. 
so sehr viel für die Landwirthschaft ge- 
than wird, befinden sich denn die An- 
gehörigen derselben so ziemlich auf dem 



Wege des Fortschreitens , nur aber in 
sehr verschiedenen Graden ; denn Lust, 
Liebe und Eifer für die gute Sache ei- 
len mit Riesenschritten ; während das 
Phlegma staunend und murrend , aus 
seiner Ruhe aufgeschreckt zu sein, lang- 
samen Schrittes hinten drein geht. 

Diese eifrigen Wanderer auf dem 
Wege des Fortschrittes in dem land- 
wirtschaftlichen Gebiete möchte ich nun 
auch auf einige Pflanzengattungen auf- 
merksam machen, die durch sehr reich- 
lichen Ertrag die aufgebrachten Mühen 
und Kosten für die Cultur hinlänglich 
entschädigen und] somit zu der grossen 
Cultur sehr geeignet sind. 

1) Der neue Pastinak Improved. 

Diese neue Varietät des Pastinak, 
Pastinaca sativa, der auf Jersey schon 
seit vielen Jahren mit dem besten 
Erfolge angebaut wird, ist gewiss geeig- 
net, auch die Aufmerksamkeit der deut- 
schen Landwirthe auf diese Pflanze zu 
lenken ; überhaupt verdient die Pastinak- 
wurzel eine weit grössere Beachtung 
der Landwirthe, als derselben bisher zu 
Theil wurde. Die Pastinakwurzel wider- 
steht bekanntlich dem Froste, alle un- 
sere andern Wurzelgewächse leiden aber 
unter diesem Feinde der Cultur sehr, 
und im Frühling tritt nicht selten Man- 
gel an nahrhaften Futterstoffen ein, da 
gewöhnlich die zu diesem Zwecke ver- 
wendeten Wurzelarten , Rüben etc. um 
diese Zeit meistens vertrocknet, zähe, 
saftlos sind. Die Pastinakwurzel, die 
über Winter im Felde stehen bleibt, 
leidet nicht das mindeste von der Un- 
gunst der Witterung und kann im Früh- 
linge mit dem Spaten aus der Erde aus- 
genommen oder auch ausgeackert wer- 
den. Der Ertrag dieses Improved-Pastinaks 
erreicht bei ordentlicher Cultur auf ver- 
hältnissmässig gutem Boden den der 



76 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



uns so sehr bekannten Riesemöhre in 
tiefem, lockerem, gutgedüngtem Boden, 
und die einzelnen Pflanzen auf eine Ent- 
fernung von 6 — 8 Zoll verzogen haben 
die den Carotten ähnlichen Wurzeln sel- 
ten in geringerm Umfange als 6 Zoll. Sie 
erreichen aber meistens ein noch grös- 
seres Maass: einen Umfang von 12 bis 
14 Zoll; dabei aber eine Länge von 
meistens 14 bis 18 Zoll. 

Die Pferde fressen die Pastinak- 
wurzeln sehr gerne, Schweine ziehen die- 
selben jedem andern Futter vor und 
können in kurzer Zeit mit denselben ge- 
mästet werden, Kühe sollen nicht so 
viele Milch von denselben geben, als 
bei einer Fütterung von Rüben, die Milch 
ist aber viel fetter und die Butter bes- 
ser, beide aber von dem unangenehmen 
Nebengeschmäcke befreit, den das Rü- 
benfutter verursacht. Nach der Meinung 
der Landwirthe auf Jersey kann alles 
Vieh, das gemästet wird, mit diesem 
Pastinakpnfutter in der halben Zeit und 
mit der halben Quantität fett gemacht 
werden, die erforderlich sein würde, 
wenn man sie mit Kartoffeln mästen 
würde. Aus dem gegohrenen Safte der 
Pastinaken bereitet man auch eine Art 
Wein; dessgleichen haben Versuche dar- 
gethan, dass aus denselben guter Brannt- 
wein gebrannt werden kann. 

2) Die neue weisse durchsich- 
tige Carotte. 

Carotte blanche transparente : die aus- 
gewachsene Rübe ist gross, erreicht öf- 
ters die Grösse der Riesenmöhre ; die 
weisse feine Schale derselben ist durch- 
sichtig, der Geschmack dieser Rübe ist 
rein und frei von jenem Beigeschmäcke 
der meisten andern Möhren, nicht so 
sehr süss als solche. Weich gekocht, 
lässt sich diese Carotte gleich unsern 
Kartoffeln abschälen (die äussere Schale 



lässt sich nämlich sehr leicht abstreifen) ; 
in Ertrag übertrifft sie aber alle unsere 
Carotten, selbst den der Riesenmöhre, 
da diese durchsichtige Carotte selbst bei 
dichter Aussaat unter allen Möhren noch 
den besten Erndte - Ertrag abwirft , in 
gutem lockerem Boden und bei einer 
sorgfältigen Cultur aber alle Erwartun- 
gen übertrifft. Auf der Gartenprodukten- 
Ausstellung in Breslau wurde dieselbe 
als „neu und schön" anerkannt, sie eig- 
net sich gleich gut als Gemüse, zum 
Schmoren, gibt einen ausgezeichnet gu- 
ten Futterstoff, somit für Gartencultur 
und den Ackerbau gleich vorzüglich ge- 
eignet und empfehlenswerth. 

3) Die neueste, gelbe, übersich- 
wachsende Riesen-Runkelrübe. 

Unter den so vielen Abarten der 
Runkelrübe, die in ganzen Ackerfeldern 
angebaut und zur Fütterung verwendet 
werden , steht diese Riesen - Runkel- 
rübe hinsichtlich ihres hohen Ertrags 
oben an und ist als Futterstoff unter 
diesen Rübensorten vorzüglich gut; Ein- 
sender hat dieselbe nun 4 Jahre in Cul- 
tur, selbst erzogen und kann sie daher 
bestens empfehlen. Die Rübe ist sehr 
schön dunkelgelb gefärbt, wächst fast 
ganz aus der Erde und erreicht auf 
kräftigem, lockerem Boden bei frühzeiti- 
ger Anpflanzung oder Ansteckung der Sa- 
menkörner auf eine Entfernung von l 3 / 4 bis 
zu 2Fuss eine Länge von 2 3 / 4 Fuss, oft auch 
noch mehr ; nebenbei erhält sie aber ei- 
nen Umfang von l 1 /^ bis l 3 / 4 , nicht 
nicht selten aber auch einen solchen von 
2 Fuss. Diese Maasse sprechen gewiss 
sehr zu Gunsten des sehr hohen Ertrags 
dieser Rübe, und auch sie, bedarf keine 
andere Cultur als ihre andern Geschlechts- 
verwandten. 

Einsender offerirt selbstgebauten Sa- 
men vorstehender Novitäten, als: 



I. Originalabhandlungen. 



TT 



Pastinak Improved ä Loth 6 Kreuzer. 
Carotte durchsichtige h Loth 4 Kreu- 
zer, ä Pfund fl. 1. — 



Runkelrübe , neue Riesen - ä Loth 4 
Kreuzer, h Pfund fl. 1. — 



6) Zierpflanzen des Petersburger Gartens. 



1) Agathosma erecta Barth WendL 
y. rosea Rgl. ; Diosmeae. — Bartling 
und Wendland ziehen zu A. erecta die 
D. brevifolia und thyoides. Zur gleichen 
Art fällt eine Pflanze mit schönen rosen- 
rothen Blumen , die der hiesige Garten 
aus dem botanischen Garten zu Berlin 
erhielt. Dieselbe unterscheidet sich von 
den bis jetzt bekannten Formen durch 
abstehende, später zurückgebogene kahle, 
nicht 3s eilige Blätter, eine mehrblumige 
Blüthendolde mit grazilen kahlen Blü- 
thenstielchen, die länger als die Blätter, 
und rosenrothe Blumen. — 

Eine der schönsten Arten der Gat- 
tung mit schlaffen, nur oben kaum kurz- 
haarigen Aestchen. Blätter entfernt und 
zerstreut gestellt, länglich -lanzettlich, 
mit stumpfer 3seitiger Spitze, kahl und 
unten mit Drüsen. Bildet einen schö- 
nen buschigen Strauch und theilt die 
Cultur mit den andern Agathosmen. 

2) Cereus grandifloro - speciosissimus. 
Der Bastard von C. speciosissimus, der die 
Tracht und Blumengrösse des grandiflorus 
mit der herrlichen rothen Färbung der Blu- 
men von C. speciosissimus vereinigt. Ward 
vom Gärtner des Grafen Maynard in 
England schon im Jahre 1837 erzogen. 
In den Gärten des Continents ist jedoch 
die ächte Pflanze noch wenig verbreitet. 

3) Smilax grandifolia Rgl. ; Smilaceae, 
Eine hübsche Schlingpflanze für's Warm- 
haus mit grossen herzförmig - länglichen 
oder länglich - ovalen zugespitzten Blät- 
tern, die wie der 4seitige Stengel auf 
der Rückseite an den Nerven bedornt 
sind. Stammt aus Brasilien. 



4) Ficus spathulata Miq. Es ist 
dieser Ficus aus Madras in seiner Tracht 
dem F. diversifolia sehr nahe verwandt. 
Interessant oder vielmehr nicht interes- 
sant ist diese Pflanze dadurch , dass sie 
aus englischen Gärten als Isonandra 
Gutta verurtheilt wurde. So erhielt sie 
z. B. der hiesige Garten unter diesem 
Namen von Low u. Comp. 

5) Gardenia florida L. Var. Fortu- 
neana Lindl. ; Cinchonaceae. Diese 
herrliche Pflanze rechtfertigt vollkom- 
men den Ruf, der ihr vorausgegangen. 
Laub grösser und glänzender, und die 
herrlich duftenden einer weissen schön 
gefüllten Rose gleichenden Blumen sind 
fast doppelt so gross als die der Stamm- 
art. Cultur im niedrigen Warmhause, 
wo sie im Lohbeete eingesenkt wird. 
Mischung aus Lehm, Torf, Misterde und 
Sand. 

6) Malvaviscus splendens Fräser; 
Malvaceae. — Ein vorzüglicher schö- 
ner Warmhausstrauch, den der hiesige 
Garten als Hibiscus Fullnerianus erhielt. 
Derselbe stammt aus Neuholland und 
bildet einen 4 — 5' hohen Strauch , der 
allenthalben weichhaarig und am Stengel 
und den Blüthenstielen mit kleinen ei- 
nem Höcker aufsitzenden Stacheln be- 
setzt ist. Die sehr grossen leicht rosa- 
rothen Blumen stehen einzeln in den 
Blattachseln. Blätter 3 — 5 lappig, die 
obern oft fast ungetheilt. Blüthenstiel 
oberhalb der Mitte articulirt , und der 
obere Theil wie das vieltheilige Invo- 
lucium und der 51appige Kelch mit lan- 
gen abstehenden Haaren besetzt. 



78 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



7) Caladium odorum Eoxb. ; Aroi- 
deae, — % Ein alter Bürger unserer 
Warmhäuser aus Ostindien. Als schöne 
Decorationspflanze fürs feuchte Warm- 
haus selbst an vom Lichte entfernten 
Stellen zu empfehlen. Der Stengel 
strauchartig, selten verästelt, trägt grosse 
herzförmige Blätter und im Sommer ach- 
selständige gelbliche Blüthenscheiden. 
Eine der imposantesten Arten der jetzt 
so beliebten Aroideen. 

8) Phrynium cylindricum Roxb.; 
Scitamineae. — Ebenfalls eine empfeh- 
lenswerthe Decorationspflanze Ostindiens. 
Blätter sehr gross, länglich-oval, faltig- 
fiedernervig. Die gelben Blumen in 
schopfförmigem Blüthenstande und durch 
kappenförmig abstehende Bracteen ge- 
stützt. Vermehrung durch Theilung. 
Leichte Cultur in einer lockern schwe- 
ren Erde. In den Gärten auch wohl als 
Myrosma comosa verbreitet. 

9) Cereus Hookeri H. Berol.; Cac- 
i eae> — Wohl der grösste Cactus aus 
der Sippe derer mit flach gedrücktem 
Stengel, der bei unserer Pflanze buch- 
tig gelappt. Unser Exemplar bildet ei- 
nen stark verästelten Strauch von unge- 
fähr 15 Fuss Höhe und entwickelt seine 
schönen weissen Blumen, die an die des 
C. grandiflorus erinnern, aber kleiner 
sind, jährlich in Menge. Für Gruppi- 
rungen von Saftpflanzen eine wahrhaft 
imposante Pflanze. 

6) Aechmea fiägcns A. Brongn. Var. 
glomcrata ; Bromeliaceae. — So nen- 
nen wir die von Van Houtte als Aech- 
mea miniata ausgegebene Pflanze. Nur 
durch weniger deutlich dornig gezähnelte 
Blätter und einen mehr verkürzten, bis 
zur Spitze verästelten Blüthenstand 
unterscheidet sie sich von der Stamm- 
art. An Holz auf eine Unterlage von 
Moos geheftet und im Orchideenhause 



aufgehängt, gedeihen die Aechmeen 
ganz vortrefflich. 

1 1) Echium rubrum Jacq. ; Borra- 
gineae. — Eine sehr schöne Pflanze 
fürs freie Land, die in Ungarn und in 
einem grossen Theil des südlichen und 
mittleren Russlands zu Hause ist. In 
der Tracht gleicht die Pflanze dem 
Echium vulgare, jedoch sind die Blumen 
dunkelblutroth und erhalten erst später 
eine bläuliche Nuance. Auch in Peters- 
burg durchaus hart. Muss alle 2 Jahr 
durch Samen erzogen werden , da die 
Pflanze nur zweijährig ist. 

12) Allium azureum Ledl. ; Aspho- 
deleae. — Die schönste der Lauch-Ar- 
ten, so wird Jeder sagen, der diese lieb- 
liche Perennie in dem hiesigen Garten 
gesehen. Die grossen kugelrunden, rein 
himmelblauen Blumen leuchten schon 
von weitem entgegen. In dem Quartier, 
wo hier die Zwiebeln stehen, ist diese 
Pflanze ganz verwildert. Der Boden 
ist sehr sandig, mit Lehm und Humus 
vermischt. In Deutschland sah ich diese 
Pflanze noch nie so schön. Sie kommt 
im Altai und in den Steppen der Ku-gi- 
sen wild vor, und wird jedem Garten 
eine wahre Zierde sein. Sie blühet im 
Juni und ist von Ledebour in der Flora 
altaica und in der Flore des serres ab- 
gebildet worden. Beide Abbildungen 
entsprechen jedoch der Schönheit der 
Pflanze bei uns nicht. Es kommen auch 
Abarten mit weissen Blumen und mit 
zwiebeltragendem Blüthenkopf vor. 

13) Escallonia revoluta Pers.; Saxi- 
fragaceae. — Ein mit E. rubra nah 
verwandter Strauch Peru's für das Kalt- 
haus. Fast zottige Behaarung, hellgrüne, 
verkehrt-ovale gezähnte Blätter und lich- 
ter roth gefärbte Blumen lassen ihn 
leicht unterscheiden. Gleiche Cultur. 

14) Oncidium crispum L. Eins der 
schönsten und grossblumigsten Oncidien, 



I. Originalabhandlnngen. 



79 



von dem der hiesige Garten Exemplare 
aus St. Catherine in Brasilien erhielt. 
Die sehr grossen Blumen sind gelb und 
braun nüancirt und stehen in einer reich- 
blumigen Traube. Im Wüchse gleicht 
die Pflanze einem 0. flexuosum. 

15) Dipteracanthus Schauerianus 
Nees ab Esenb. ; Acanthace ae. — Warm- 
hauspflanze aus Brasiüen. Halbstrauch 
mit glänzenden länglich-ovalen Blättern 
und schönen grossen lilafarbenen Blu- 
men. — Von Hooker im Bot. Mag. T. 
4147 als Ruellia lilacina abgebildet. 
Ausserdem geht sie auch als Ruellia 
glabrata und lobata in den Gärten. Ge- 
hört zu den empfehlenswerthen Pflan- 
zen. Behandlung gleich den Justicien. 

16) Stylidium graminifolium Sw., 
Stylideae. — Eine schöne zierliche 
Pflanze Neuhollands. Die Blätter linear 
und nur wurzelständig. Aus der Mitte 
derselben erhebt sich der drüsentragende 
Schaft mit der spitzenständigen Aehre 
leuchtend lilarother Blumen. Cultur mit 
den feinern Neuholländern. Blühet im 
Juli. 

17) Bouvardia Jacquini H. B. K. 
und B. splendens Hook ; Bubiaceae. — 
Die alte Houstonia coccinea oder Bou- 
vardia triphylla der Gärten, welche in 
der Nähe der Stadt Mexiko wild wächst 
und schon lange zu den beliebtesten 
Culturpflanzen gehört; sie hat in der 
neueren Zeit viele Rivalen in der glei- 
chen Gattung erhalten. De Candolle 
führt sie als B. Jacquini auf und unter- 
scheidet noch 2 Abarten , welche der 
hiesige Garten ebenfalls cultivirt. Von 
diesen unterscheidet sich die Var. ova- 
ta durch viele spitze Blätter. Die an- 
dere, welche Candolle Var. exogyna 
nennt, trägt dünnere kürzere Blumen 
mit vorstehendem Griffel. Es ist dieses 
die B. splendens Hook. Auch die Farbe 
der Blumen ist hier noch glänzender 



Scharlach. Ob es aber eine Art ist, das 
wollen wir nicht entscheiden und möch- 
ten uns in dieser Beziehung eher zu 
Candolle's Ansicht bekennen. — Alle 3 
Pflanzen sind zu den schönsten Kalthaus- 
pflanzen zu rechnen , die bei 4 — 6° R. 
an ' einem trocknen Standort durchwin- 
tert werden und auch ins freie Land 
gepflanzt während des Sommers im 
lockern warmen Boden vortrefflich o-e- 
deihen. Vermehrung durch Stecklinge 
und Wurzeltheilung. Während der Ve- 
getationszeit Dungguss. 

18) Echeveriagrandifolia Sweet. ; Cras- 
sulaceae. — Eine sehr schöne succulente 
Pflanze aus Mexiko, die in deutschen 
Gärten als E. campanulata allgemein 
verbreitet ist, unter welchem Namen sie 
Kunze in dem Samenkatolog des Leip- 
ziger Gartens auch beschrieben hat. 
Die grossen spateiförmigen , iu ei- 
ner Rosette stehenden glauken Blätter, 
der hohe im Sommer erscheinende Blü- 
thenschaft, der eingerollt sich entwickelnde 
Blüthenäste trägt, mit grossen gelbro- 
then , in einseitigen Trauben stehenden 
Blumen zeichnen diese Art sehr aus. 
Den Sommer auf sonnigen Steinparthieen 
ins freie Land gepflanzt ziert diese 
Pflanze sehr. Vermehrung durch Sa- 
men. 

19) Agave saponaria Lindl; Lilia- 
ceae. Lindley bildet diese Agave Tab. 
55 des 25sten Bandes des Bot. Register 
ab. Klotzsch vereinigt dieselbe mit A. 
brachystachys Cav. in der Allg. Grtztg. 
1840, p. 274. Zu A. brachystachys ge- 
hört jedenfalls die Pflanze des Redoutd 
Lil. Tab. 485 als A. spicata abgebildet, 
dagegen ist die A. saponaria, zu der 
auch unsere Pflanze gehört, schwerlich 
mit derselben zu vereinigen, indem sie 
sich durch breitere und kürzere (linear- 
lanzettliche, 1 Fuss lange, 1 Zoll breite) 
schlaff zurückgebogene, an der Spitze 



80 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



zusammengedreht-spitze Blätter und eine 
laxe, 10 — 12blumige Blüthenähre leicht 
unterscheidet. In der Tracht kommt 
sie der kürzlich beschriebenen A. ma- 
culata nahe , doch sind die Blätter hell- 
grün, der Blüthenschaft 3 Fuss hoch, 
mit grünen Blumen und lang vorstehen- 
den röthlichen Staubfäden. Cultur im 
temperirten Kalthause. Der perennirende 
Wurzelstock zieht im Winter oft ganz 
ein nnd treibt im Frühling dann wie- 
der Blätter und Blumen. 

20) Acineta Barkeri Paxt. Ausge- 
zeichnete epiphytische Orchidee mit 
herabhängenden Blüthentrauben und gros- 
sen orangengelben fast kugelig zusam- 
men neigenden roth gefleckten Blumen. 
Cultur und Tracht gleich der A. Hum- 
boldtii. 

21) Bauern humilis Sweet. ; ß. brevi- 
pedunculata. Rubiaceae. — Immergrü- 
ner Strauch aus Neu-Süd-Wales, der bu- 
schiger wächst als die Bauera rubioides. 
Die Blumen unserer Pflanze werden von 
Blüthenstielen getragen , die nur halb 
so lang als die Blätter. Pflanze mit 
quirligen lanzettlichen, gesägt-gekerbten 
kleinen Blättern. Die rothen Blumen 
erscheinen im Sommer. Cultur im niedri- 
gen Kalthause in Heideerde. 

22) Cyrtanthera Pohliana N. ab. E. 
y. discolor ; Acantliaceae. Von der präch- 
tigen aus Brasilien stammenden C. Poh- 
liana wird die weich behaarte Abart als 
C. Pohliana Var. velutina oder auch als 
Justicia carnea in den Gärten vielfach 



cultivirt. Noch schöner ist aber eine, 
in den Gärten ebenfalls viel verbreitete 
Pflanze, die in denselben gemeiniglich 
als C. magnifica geht. Die Blätter sind 
hier kurzhaarig und schärflich , obe^i oli- 
vengrün und unten wie der Stengel und 
die Bracteen fast purpurroth. Die Bracteen 
sind stumpf und am Rande nur weich- 
haarig, wodurch diese Pflanze leicht von 
der C. magnifica N. ab. E. zu unter- 
scheiden ist. (Letztere ist im Bot. Mag. 
Tab. 3383 als Justicia carnea abgebil- 
det.) Der grosse ährenförmige Strauss, 
der lebhaft carmin - rosarothen Blumen 
e:*cheint im Juli. Cultur im Warm- 
hause. Gehört zu den leicht gedeihen- 
den und dankbar blühenden Pflanzen. 

23) Aristolochia ciliata Hook ; Ari- 
stolochieäe. Eine Aristolochia mit knolli- 
ger Wurzel und 3 — 4 Fuss hohem win- % 
dendem Stengel. Die Blumen sind un- 
gefähr so gross als die der A. Sipho 
und sitzen in den Achseln der 2% Zoll 
breiten nierenförmigen Blätter. Der 
Saum derselben ist dunkelbraun mit gelb 
und am Rande gelbgrün franzenartig ge- 
wintert. Der hiesige Garten hielt diese 
Pflanze als A. Bonplandi aus italieni- 
schen Gärten. Stammt aus Buenos Ayres. 
Gehört zu den schönen Schlingpflanzen 
des Warmhauses, im Winter ziehet sie 
ein und bleibt trocken stehen. Im Früh- 
ling bildet sie neue Triebe und blühet 
dann vom Juli an durch den Sommer 
hindurch. — (E. R.) 



IL Nene Zierpflanzen. 



a) Des Petersburger Gartens: 



] einer Pflanze des Warmhauses mehr verlangen, 

; als decoratives Laub und schöne Blumen, die 

1) Hedychium maximum Bosc] Scitami- bei der vorliegenden Art sogar prächtig ge- 

neae. Wieder eine jener herrlichen Ostindier nannt werden können und dazu noch herrlich 

aus der Gruppe der Scilamineen, die allge- duften. Blätter breit- lanzettlicli, zugespitzt. Der 

meinste Cultur verdienen. Was kann man von \ Blülhenkopf fast sitzend. Bracteen stumpf, ab- 




Taf /A, 



r-^rt^€^U</ O^iZ^Cll^ JÄz^T 



n. Neue Zierpflanzen. 



81 



gerundet, häutig gerandet, nach oben am Rande 
wollig. Kelch häutig, von den Bracteen ge- 
deckt, behaart, auf der einen Seite aufgeschlitzt, 
oben gezähnelt. Blumenröhre vorsehend, bis 
3 Zoll lang, wie die Blumenkrone, die über 
3 Zoll im Durchmesser hat, weiss. Die 3 äus- 
sern Blüthenhüllblätter (Pelalen) linien-lanzett- 
lich , kürzer als die andern. Die 2 innern 
(Staubfädenblätter) länglich oval , genagelt, 
kürzer als die mächtige verkehrt herzförmige 
ausgebreitete kurz genagelte Lippe, welche 
kaum 2 Zoll lang und bis 2% Zoll breit ist. 
In der Achse ist die Lippe gelblich gefärbt. 
1 Staubfaden. 

Cultur in kräftiger Lauberde. Wird auf 
erwärmten Beeten zur Blülhe gebracht und 
blühet im September. 

2) Salvia obtusa Mart. et Gal. In den 
Gärten geht diese Pflanze gemeiniglich als S. 
dulcis. 

3) Systemon Fischeri Rgl.j Butaceae. — 
Eine neue mit Galipea zunächst verwandte 
Gattung, die sich von dieser hauptsächlich 
durch die Staubgefässe unterscheidet, die un- 
ter sich in einen geschlossenen Cylinder ver- 
wachsen sind. — 

Der hiesige Garten erhielt diese schöne 
Pflanze von Riedel aus Brasilien gesendet, und 
legte ihr Fischer vorläufig den Namen Galipea 
grandis bei. 

Eine herrliche Decorationspflanze für's 
Warmhaus. Der holzige Stengel ist meist ein- 
fach und trägt auf der Spitze die Krone gros- 
ser einfacher lederartiger Blätter. Diese sind 
bis 1% Fuss lang und 3 — 5 Zoll breit. Sie 
sind kurz gestielt und sind aus keilförmigem 
Grunde stark in die Länge gezogen, auch nach 
der Spitze verdünnt aber stumpf, ganzrandig, 
kahl, oben dunkelgrün und glänzend, unten 
heller und durchsichtig punktirt. Blumen klein, 
in knaulförmigen dichten Corymben zwischen 
die Blätter gestellt. Kelch mit kurzer Röhre 
und ungleich 5 lappigem Saum. Die Saum- 
lappen lanzettlich- pfriemlich , länger als die 
Röhre. 5 lineare weisse Blumenblätter sind 
unten in eine Röhre verwachsen und stehen 
oben ab. 5 Staubfäden, von denen 1 steril, 
mit zu einer Röhre verwachsenen Fäden und 
freien linearen mit 2 lappigem Grunde auf- 
sitzenden und eingeschlossenen Anlheren. Den 

m. 1857. 



Fruchtknoten umgibt ein becherförmiges Honig- 
gefäss. 5 am Grunde freie Griffel vereinigen 
sich nach oben in einem einzigen, mit kopf- 
förmiger 5 strahliger Narbe. — 

Cultur im Warmhaus wie Theophrasla 
und Galipea. Erdmischung aus halb Lehm, 
halb Heide- oder Moorerde mit Sand. 

4) Gnidia juniperifolia Lam. Var. aurea; 
Thymeleae. — In den Gärten ist eine im Herb- 
ste schon goldgelb blühende Gnidia vom Cap, 
als Gn. aurea ziemlich verbreitet. Meissner 
zieht in seiner Synopsis dieser Familie, die G. 
aurea. Hort, zu G. juniperifolia Lam. Die Ver-~ 
gleichung zeigt, dass sie durch mehrblumige 
Blumenköpfe (bei Gn. junip. nur 2— 4blumig) 
und durch Blumen, welche Jänger als die In- 
volucral-Blälter (bei der Stammart so lang als 
diese) abweicht. Wir stellen sie daher als 
vielleicht durch die Cultur entstandene Form 
hierher. — Ein schöner Strauch für's niedrige 
Kalthaus mit linearen Blättern. Im Herbst er- 
scheint auf der Spitze jedes Astes ein Blüthen- 
kopf. Blüht bis in den Winter hinein. Mischung 
aus Heideerde und Lehm. — 

5) Pleurothallis loranthophylla Rchb. Hl. 
Var. pellucida Rgl. Die niedliche Pleurothal- 
lis loranthophylla kommt mit Rhynchopera 
punctata Karst. Ausw. t. 7 vollständig über- 
ein. Der hiesige Garten cullivirt nur eine von 
Lansberg aus Columbien erhaltene Pflanze, 
welche jetzt, Anfangs Oelober, ihre Blumen 
öffnete. Theilt Tracht und Charactere ganz 
mit P. loranthophylla, aber während dort die 
Blumen auf weissem Grunde lebhaft purpur und 
gelb gezeichnet sind, besitzen die Blumen un- 
serer Pflanze eine durchsichtig gelbe Färbung 
und sind ebenfalls durchsichtig purpur gefleckt. 
Vielleicht kommt unsere Pflanze mit Klotzsch's 
P. subpellucida überein, wir konnten aber von 
dieser keine Beschreibung auffinden. Unter den 
Pleurothallideen eine der niedlichsten Pflanzen. 
Auf niedrigem am Grunde bescheidetem Sten- 
gel trägt sie ein länglich-elliptisches, vorn aus- 
gerandetes Blatt. Die gracile laxe Blüthentraube 
entspringt aus einer zusammengedrückten lan- 
gen grünen Scheide , ist länger als das Blatt 
und hängt gracil über. Zwei gegenständige 
Sepala, das obere lanzettlich, spitz, — das 
untere aus der Verwachsung zweier entstan- 
den, drum breiter und hohl und an der Spitze 

6 



82 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



ganz oder selten zweizähnig. Die beiden Pe- 
talen kleiner, aus lanzettlichem Grunde sichel- 
förmig gespitzt. Eine längliche zungenförmige, 
nach vorn verdünnte und schwach spitze Lippe. 
Cultur in Körben. (E. R.) 

6) Gomeza Fischeri Hgl. — Eine neue 
Orchidee, die der hiesige Garten als Roderi- 
guezia macrostachya cultivirte, einem wahr- 
scheinlich von Fischer ohne Beschreibung ge- 
gebenen Namen , weshalb wir diese Pflanze, 
unserm berühmten und um die hiesige Anstalt 
so verdienten Vorgänger widmen. Ein Nach- 
weis üher das Vaterland ist nicht mehr auf- 
zufinden, wahrscheinlich kam aber diese 
Pflanze in den Zeiten, wo der hiesige Garten 
in Brasilien eine Filial - Anstalt unter Riedel's 
Auspizien hatte, von dorther. Es ist eine all- 
enthalben kahle Pflanze, mit länglich -ovalen 
Scheinknollen, die gegen die Spitze hin sich 
verdünnen , zusammengedrückt zweischneidig 
sind , 3 Zoll lang und l 2 f 3 Zoll breit werden 
und auf ihrer Spitze 2 linear-lanzettliche, spitze, 
von Längsnerven durchzogene, bis 12 Zoll 
lange und l 3 /4 Zoll brsite Blätter tragen. Der 
Blüthenstand ist eine Traube, die aus der Ach- 
sel eines jeden der beiden am Grunde jeder 
Knolle gegenständigen blaltarligen Scheiden, 
sowie auch noch zu 1 — 2 aus der Spitze der 
Knolle entspringt. Die Blüthentrauben selbst 
werden bis 12 Zoll lang, sind gracil zurück- 
gebogen, viel- und dichtblumig und am Grunde 
oft verästelt. Die Bracteen fast blatlartig, li- 
nien-lanzetllich, scharf gespitzt, den y 3 Zoll 
langen Blumenstiel umhüllend, die unteren 
'/i mal länger, die obersten wenig länger als 
der Blumenstiel. Blumen blassgrün ; die Se- 
palen und Petalen einwärts gekrümmt abste- 
hend, länglich-lanzettlich , kraus . die unteren 
beiden Sepalen sind die grössten, */* Zoll lang, 
bis unter die Spitze verwachsen und so schein- 
bar ein ovales unten 2 kieliges, oben stumpf- 
lich zweilappiges Blatt bildend; das obere Se- 
palum und die Blumenblätter gleichartig, stumpf, 
*/3 Zoll lang. Die Lippe länglich, ungetheilt, 
von der Mitte ab zarückgekrümmt und 2 haut- 
förmige einzähnige parallele Schwielen tra- 
gend. Säule kurz, halbstielrund, vorn rinnig. 
Zwei Pollinien von birnförmig kugeliger Ge- 
stalt, nach hinten faltig ausgehöhlt, von einer 



schlanken Caudicula getragen , die auf einer 
länglichen Drüse ruht. 

Verwandt der G. Barkerii, planifolia und 
suaveolens. Die erstere weicht jedoch durch 
längliche Scheinknollen, kürzere Blüthentraube, 
schmalere spitze Blüthenhüllblätter und die 
bloss bis zur Mitte verwachsenen beiden unte- 
ren Sepalen ab. G. suaveolens (Pleurothallis 
suaveolens Bot. Mag. 2746) weicht durch auf- 
rechte kürzere Traube, gelbe Blumen, schmal- 
lanzettliche spitze Blüthenhüllblätter und die 
nur am Grunde verwachsenen untern Sepalen 
ab. Die G. planifolia weicht endlich durch 
stets einfache Blüthentrauben, die immer nur 
achselständig sind, ferner gelbe Blumen und 
linear-lanzettliche spitze Blüthenhüllblätter ab. 

Wir cultiviren von der Gomeza planifolia 
ebenfalls 2 unter sich verschiedene Varietäten. 
Die eine derselben stimmt mit der Abbildung 
Tab. 3504 im Bot. Mag. überein. Wir nennen 
diese 

G. planifolia ct. laxa; Blumen blassgelb, 
in eine laxe Blüthentraube vereinigt, die län- 
ger als die Blätter wird. 

G. planifolia ß. densa; Blumen später schön 
hochgelb in eine dichte Blüthentraube verei- 
nigt, die um 1 I 3 oder um '/* kürzer als die 
Blätter. — 

Cultur aller dieser im durchbrochenen To- 
pfe, entweder aufgehängt oder auf der Stel- 
lage. Blühen im Sommer und Winter. 




Beistehende Figur 
ist eine vergrösserte 
Blume von G. Fi- 
scheri. 



7) Oncidium citrinum L>indl. ß. rotundo- 
tum Rgl. Eine epiphytische Orchidee, die der 



II. Neue Zierpflanzen. 



83 



hiesige Garten aus Columbien von Hrn. Lans- 
berg erhielt. Von der Abbildung, wie sie Lind- 
ley tab. 1758 im Bot. Reg. giebt, weicht un- 
sere Pflanze nur wenig ab, und in Punkten, 
auf die bestimmt keine Arten bei den Orchi- 
deen gegründet werden können, dass wir sie 
unbedenklich als Abart hinzuziehen. Die Lind- 
ley'sche Pflanze besitzt längliche zusammenge- 
drückte Scheinknollen , welche gefurcht und 
meist 2 Blätter auf ihrer Spitze tragen, die ge- 
slreckl-lanzettlich und kürzer als die Blüthen- 
traube. Blumen von kurzen Bracteen gestützt, 
schwefelgelb. Sepalen und Petalen gleichför- 
mig, linien- lanzettlich, spitzlich , wenig kraus, 
schwach braun gefleckt. Lippe geigenförmig 
3 lappig, die Seilenlappen nach hinten ohren- 
förmig vorstehend, der Spitzenlappen breit 
nierenförmig. Die kurzharige Scheibe besteht 
aus 8 Höckern. GrifFelsäule kurz, mit undeut- 
lichen Flügeln. 

Unsere Pflanze weicht nur dadurch ab, 
dass Blüthenhüllblätter und das untere Lippen- 
stück deutlich braun getupft und bandirt, dass 
die Seitenlappen der Lippe nach hinten nicht 
ohrenförmig vorgezogen , sondern abgerundet 
und dass die Scheibe etwas anders gebildet 
scheint, alles nach den von mir bis jetzt ge- 
sammelten Erfahrungen unwesentliche Charak- 
tere. Eine schöne dankbar blühende Pflanze, 
deren Blumen etwas über 1 Zoll Durchmesser 
zeigen, a. Eine Blume in Lebensgrösse. b. Der 
a. b. 






m 



vi* V,'» -^ji -f*— ' ^-V** ' 





unlere Theil der Lippe mit der Scheibe, ver- 
grössert. 

8) Dodonaea illita F. Müll. (Herb.). Sa- 
pindaceae. — Eine neue Dodonaea , welche 
aus Samen, den Ferd. Müller ohne Namen aus 
Australien einsendete, erzogen ward. Dieselbe 
fällt mit der Pflanze zusammen, die Behr un- 



ter Nr. 148, im 20. Band , pag. 634 der Lin- 
naea, als neue Art beschrieben hat. Die ge- 
streckten keilförmigen Blätter mit bald stum- 
pfer, bald spitzer, bald 3 zähniger Spitze, die 
anfangs glänzend klebrig, später weiss drüsig, 
ferner zweihäusigen in eine spitzenständige Rispe 
gestellten Blumen zeichnen diese Art saltsam 
aus. Cultur im Kalthaus. 

9) Maxillaria rufescens Lindl. ß. pallida ; 
Orchideae. — Von Galeolti aus Mexico einge- 
führt , unterscheidet sich unsere Pflanze von 
der aus Trinidad eingeführten durch zusam- 
mengepresste zweischneidige Scheinknollen, die 
ein lanzettliches Blatt tragen. Der wurzelstän- 
dige Blüthenschaft ist ungefähr so lang als die 
Scheinknolle, mit auseinander gerückten ange- 
drückten rothen Scheiden besetzt, deren ober- 
ste nur bis an den Grund des Fruchtknotens 
reicht. Die äusseren Blüthenhüllblätter sind 
länglich, fast gleichbreit, mehr oder weniger 
spitz , okergelb und aussen röthlich , Va Zoll 
lang, 2 Vi Lin. breit. Die innern Blätter klei- 
ner , heller gelb und scharf gespitzt. Lippe 
länglich, 3 lappig, mit eingekrümmten kleinen 
spitzen Seilenlappen und länglichen stumpfen 
Mittellappen , auf gelbem Grunde braunroth 
punktirt, mit länglicher einfacher achsenständi- 
ger Schwiele. Die ächte M. rufescens soll nach % 
Lindley fast 4 seitige Scheinknollen und stum- 
pfe Blumenblätter haben, von denen die äus- 
seren mehr geröthet. Lindley's Abbildung tab. 
1848 Bot. Reg. zeigt aber, entgegen der Be- 
schreibung, spitze Blumenblätter und stimmt 
auch sonst so mit unserer Pflanze überein, 
dass wir sie unbedenklich dazu ziehen. Ver- 
wandt sind M. porrecta, Parken, cueullata, 
punctata etc. — 

10) Begonia nitida Dryand. <3. speciosa. 
Wir haben Tab. 55 dieser Zeitschrift die ächte 
Begonia nitida Ait. abgebildet. Im hiesigen 
Garten wird eine hübsche Abart derselben 
neben der ächten Art als B. speciosa culti- 
virt. Kleinere kürzere ovale schwach herzför- 
mige Blätter, die am Rande deutlich doppelt 
gezähnt, niedrigerer Wuchs and lebhafter rotli 
gefärbte Blumen unterscheiden sie und ist sie 
deshalb nicht weniger als die Stammart als 
schöne dankbar blühende Warmhauspflanze zu 
empfehlen. 

11) lpomoea tuberculata Boem. et Schult, 

6 * 



84 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



ß. angustifolia. Convolvulaceae. — Eine 
Winde für's Warmhaus mit knolliger Wurzel 
und hoch windenden Stengeln. Allenthalben 
kahl. Blätter fingerförmig 7 Iheilig, mit linear- 
lanzettlichen, stumpfen oder an der Spitze zu- 
rückgedrückten oder in eine Granne ausge- 
henden, am Rande ganzen oder ausgeschweif- 
ten Lappen, die bis 3 Zoll lang und */« Zoll 
breit werden. Blattstiele von hervortretenden 
Höckern scharf. Nebenblättchen fehlen. Blu- 
menstiele 1 — 3 blumig, in der Mitte 2 Bracleen 
tragend, und so lang oder kürzer als das 
Blatt. Kelchblätter oval, stumpf, ungleich gross, 
*/4 — */s Zoll lang. Blumenkrone gross, schön 
violett. — Steht der Ip. digitata nahe, und wer- 
den wir an anderm Ort Ausführlicheres geben, 
da hier mehrere Arten verwechselt sind. 

Gehört zu den schönen Winden, die allge- 
meine Cullur verdienen. Die Blume ähnelt der 
I. bonariensis und pendula. Vaterland ist uns 
nicht bekannt. Vermehrung durch Stecklinge 
im Sommer. — 

12) Ar&iiia lentiginosa Ker. Dies ist der 
ächte und rechte Name für die als Ardisia 
crenulata in den Gärten Europa's allgemein 
verbreitete Pflanze. Ventenat's Original-Abbil- 
dung (Choix tab. 5) und Beschreibung giebt 
als Ardisia crenulata Vent. eine durchaus von 
der in Gärten verbreiteten Pflanze verschiedene, 
mit spilzenständiger Blüthenrispe. — 

13) Brunfelsia nitida Benth. ; Scropkula- 
rinae. — Alle ächten Brunfelsien scheinen 
sehr variabel zu sein uud gehören vielleicht 
alle zur gleichen Art, Unsere Pflanze weicht 
durch meist stumpfe Blätter und kahle Blu- 
menröhre von B. nitida ab. 

Immergrüner Strauch für's Warmhaus mit 
verkehrt-ovalen Blättern und langen röhrigen 
gelben Blumen. Blühet im Sommer. — 

14) Bunchosia emarginata Bgl. ', Ma\- 
pighiaceae. — Ein schöner immergrüner Strauch 
für's Warmhaus , den der hiesige Garten aus 
Cuba durch Chappy erhielt. Derselbe steht 
der B. tuberculata Jacq. (Hort. Schoenbr. t. 
104) sehr nahe, unterscheidet sich aber durch 
länglich ovale stumpfe und an der Spitze ein- 
gekerbte Blätter, die nur in der ersten Jugend 
oberhalb mit einzelnen angedrückten Haaren 
besetzt, später aber ganz kahl sind. Wie B. 



glandulifera tragen sie am Grunde der Blätter 
auf deren untern Seite 2 — 4 Drüsen. 

Ein niedriger verästelter Strauch mit brau- 
ner warziger Rinde. Blumen citronengelb in 
einfachen achselständigen armblüthigen Trau- 
ben, die halb so lang als die Blätter. Blühet 
im Juli. — 

15) Aristolochia ornithoeephala Hook.; 
Aristolochieae. — Es ist dieses eine Schling- 
pflanze ans Brasilien für's Warmhaus, die Gar- 
dener aus Brasilien einführte. Im Blatt gleicht 
sie der Aristolochia gigas und brasiliensis. Die 
sehr grosse Blume ist auf geblich weissem 
Grunde, allenthalben mit einem matten Braun 
netzartig gezeichnet. Die Röhre derselben ist 
aufgeschwollen, der Saum zweilippig ; die Ober- 
lippe lanzettlich-schwerlförmig und nach innen 
zusammengelegt, die Unterlippe genagelt und 
sehr breit nierenförmig. Blühet im Sommer 
leicht und dankbar. Wird in grosse Töpfe oder 
Kübel in eine lockere lehmige Erde gepflanzt. 

16) Nymphaea dentata Thon. et Schum. 
ZV. rubra Roxb. IS. gigantea Hook. u. N. 
devoniensi - dentata. — Unter den jetzt so 
beliebten Wasserpflanzen sind es besonders 
die Nymphaeen, die durch ihren Blumenreich- 
thum den ganzen Sommer hindurch erfreuen. 
Unter ihnen ist kaum eine schöner als die 
dankbar blühende und liebliche N. devonien- 
sis, die in der Flore des serres N. Ortgiesiano- 
rubra genannt ist. Es ist dieses der Bastard 
zwischen N. dentata (der N. Lotus vieler Gär- 
ten oder N. Orlgiesiana nach Planchon) und 
N. rubra. Die Nymphaea dentata ist die Kö- 
nigin der weissen Nymphaeen. In unserm Vic- 
toria-Bassin blühet diese Pflanze unausgesetzt. 
Das Laub derselben hält bis l'/s Fuss im 
Durchmesser, ist am Rande stark gezähnt, und 
die weisse Blume wetteifert fast mit der der 
Victoria an Grösse, indem sie bis 9 Zoll Durch- 
messer zeigt. Soll sie zur üppigen Entwick- 
lung kommen, so muss sie in einen Kübel ge- 
pflanzt und in diesem im Victorien-Bassin ein- 
gesenkt werden. Wahrscheinlich dürfte sie 
als ein Bewohner der Gewässer Guinea's nur 
im erwärmten Bassin die erwähnte Ueppigkeit 
und Grösse erlangen. 

Nicht minder schön ist die N. rubra; auch 
sie hat ein gezähntes grosses Blatt, aber eine 



II. Nene Zierpflanzen. 



85 



kleinere dunkelrothe Blume. Blühet weniger 
leicht und später unter gleicher Behandlung. 

Der oben erwähnte Bastard zwischen die- 
sen beiden Pflanzen, die N. devoniensis, hat 
ein Blatt, das ungefähr von der Grösse der 
N. rubra ist, und eine Blume von heller blut- 
rolher Farbe, die etwa 5 — 6 Zoll Durchmesser 
hat. Ihre vortheilhafte Eigenschaft ist die, dass 
sie sehr dankbar den ganzen Sommer hindurch 
blühet und oft 2 — 3 Blumen zu gleicher Zeit 
trägt, bei gleicher Behandlung wie von N. 
dentata. Zwischen ihr und N. denlata ist nun 
abermals eine Mittelform gezogen worden, sehr 
wahrscheinlich durch Befruchtung der N. de- 
voniensis mit dem Pollen von N. denlata. 
Diese ist in ihren Characteren, in Grösse von 
Blume und Blatt schon wieder zu N. denlata 
zurückgekehrt, aber die Farbe der Blume ist 
ein leichtes rosa und auch die Blätter sind 
noch röthlich, sowie Kelch und Blumenblätter 
noch etwas breiter , und von der Haltung der 
N. devoniensis. Wir erhielten sie als N. Kö- 
nigin Elisabeth aus einem Garten Thüringens. 
Sie verdient in allen Wasserhäusern kultivirt 
zu werden, blühet so dankbar wie ihre Eltern 
und vermehrt sich wie die N. devoniensis, 
durch Wurzelsprossen, die schnell wurzeln 
und dann abgenommen werden. Es ist die 
als N. devoniensi-dentata aufgeführte. 

UeberN. gigantea können wir jetzt noch 
nichts anders berichten, als dass wir eine alte 
Knolle von Herrn Müller in Gotha erhielten. 
Diese hatte dort im letzten Sommer nur kleine 
unansehnliche Blätter getrieben und nichts we- 
niger als ein freudiges Wachsthum gezeigt. 
Sie ward bei uns in einen Wassernapf ge- 
pflanzt und wie die andern Nymphaecn ange- 
trieben, bevor sie in's Viclorien-Bassin gestellt 
werden. Während die andern kräftig austrie- 
ben, zeigte die Nymph. gigantea nur kleine 
Blättchen mit kaum Vi Zoll langem Stiele und 
ganz unentwickelter Platte. Sie ward dann 
in's Bassin gestellt, so dass das Wasser 1 Zoll 
über ihr stand und frische Luft nach Geitner's 
Angabe zutreten konnte. Die Pflanze wuchs 
nicht weiter. Nun schlug man den Boden aus 
dem Napfe und senkte die Pflanze in's Victo- 
rien-Bassin, so dass sie fast 3Fuss unter Was- 
ser kam und seitlich an dem für die Victoria 
bestimmten Erdhügel eingesenkt ward. Schon 



nach 10 Tagen sah man kleine Blältchen an 
die. Oberfläche steigen , deren Platte anfangs 
kaum '/i Zoll Durchmesser hatte. Nun aber 
folgte rasch Blatt auf Blatt, und indem ich 
dieses schreibe, messen die Blätter schon 9 
Zoll im Durchmesser, die Pflanze hat an 50 
gesunde Blätter, und wir haben die sichere 
Hoffnung, dieselbe noch blühen zu sehen. So 
halte bei uns sich Van Houtte's Methode der 
Cultur bewährt. An andern Orten soll dies 
nicht geschehen sein, ist es dort vielleicht das 
kalkhaltige Wasser, was die Schuld trägt? — 

Wir vermulhen das Letztere deshalb, weil 
Hr. Müller uns mittheilte , dass er die Knollen 
dieser Nymphaea tief und flach ins Victorien- 
Bassin eingesenkt, und dass sie auf keine 
Weise gedeihen wollten. Dies der Grund, wes- 
halb wir anfangs das von Geitner empfohlene 
Verfahren einschlugen und erst, als dieses 
nichts half, zu dem von Van Houtte griffen. 

Was ist aber der Grund, dass diese Nym- 
phaea nur tief unter dem Wasser treibt. Ist 
es Mangel an Licht, ist es der Druck der Was- 
sersäule, welcher die Luft enthaltenden Blätler 
gleichsam herauf ziehet? Weitere Versuche 
müssen entscheiden. 

Bevor wir diese Nymphaeen verlassen, 
wollen wir noch bemerken, dass Nymph. de- 
voniensis verhältnissmässig wenig Pollen ent- 
wickelt. Doch ist dieses je nach den Blumen 
verschieden , in den einen enthalten die An- 
theren mehr, in den andern weniger Pollen. 
Unter das Mikroskop gebracht, sieht man, 
dass hier der Pollen nach Art der Bastarde 
zum grösseren Theil unausgebildet. Ein Theil 
ist jedoch vollkommen ausgebildet und ich 
sah sogar an diesem sich schon im Wasser 
Schläuche entwickeln. 

Die zwischen N. devoniensis und dentata 
gefallene Tinktur besitzt schon durchweg voll- 
kommen ausgebildeten Pollen, wenn auch nicht 
soviel, als diesen N. dentata entwickelt. — 
Wir hätten also hier abermals einen im Pollen 
fruchtbaren Bastard, wenngleich er seine Ent- 
stehung nicht verläugnet und eine Tinktur von 
demselben mit durchaus normalem Pollen. 

(E. R.) 

17) Erica globosa Andr. ß. exserta. Die 
E. globosa steht der in deutschen Gärten ziem- 
lich verbreiteten E. aggregata Wendl. nahe» 



86 



Gartenflora Deutschlands and der Schweiz. 



unterscheidet sich aber durch kugliche Blu- 
menkronen. Unser Garten cultivirt eine Abart 
von der Letzteren, mit zu 4 stehenden Blättern 
und hervorstehenden Antheren. Gehört zu den 
im Sommer dankbar blühenden Pflanzen mit 
rosarothen in spitzenständigen Dolden erschei- 
nenden Blumen und ist in Cultur durchaus 
nicht empfindlich. — 

18) Lobelia Erinus L. und Abarten; Lo- 
beliaceae. — Unter den vielen in den Gärten 
cullivirten einjährigen Pflanzen vom Vorge- 
birge der guten Hoffnung verdient kaum eine 
allgemeinere Cultur, als die niedliche, schon 
lange in den Gärten eingebürgerte Lobelia 
Erinus. Das gefällige Wachsthum derselben 
in dichten Rasen, die Eigenschaft der Stengel 
erst der Erde nach sich niederlegen und dann 
hoch empor zu steigen, macht diese Pflanze 
ebenso geeignet zur Bepflanzung von Bordü- 
ren, wie von ganzen Gruppen. Soll sie jedoch 
eigentlich üppig gedeihen, so muss man ihr 
einen lockern Boden anweisen, der mit Pflan- 
zenhumus stark versetzt ist. — 

Nah verwandt ist sie mit L. bicolor, und 
wir gestehen offen, dass uns L. bicolor Sims, 
gar nicht spezifisch verschieden zu sein scheint; 
denn die schwache Behaarung und etwas 
schmalere Lappen der Blumenkrone können 
kaum als Unterschied gelten, da auch bei L. 
Erinus die untern Blätter oft etwas behaart und 
Blumenkronenlappen bald schmäler bald brei- 
ter sind. 

Durch die lang fortgesetzte Cultur haben 
sich nun verschiedene Varietäten gebildet, 
welche in der Färbung der Blumen abwei- 
chen. Die ursprüngliche Farbe ist ein lichtes 
Blau mit weissem Auge. Man cultivirt nun 
Formen mit fast weissen Blumen und solche 
mit dunkleren Blumen. Unter letztern fand ich 
letztes Jahr eine sehr schön dunkel blühende 
Abart in den Gärten Arnstadts und Erfurt's, 
Ich nahm mir von dort Samen von dieser 
als L. Erinus oculata gehenden Form mit. Ein 
Theil derselben ging wieder zur Stammform 
zurück. Ein Theil blieb sich treu und einige 
wenige Pflanzen zeigen gerade jetzt ein sol- 
ches tiefes leuchtendes Blau der Blumen, was 
mit dem weissen Auge so schön contrastirl, 
dass man den Blick kaum lange auf der Farbe 
ruhen lassen kann. Würde es gelingen, diese 



herrliche Farbe zu fixiren, so wäre dies ein 
wahrer Gewinn für die Gärten und wegen des , 
schönen Wachsthums und der reichen den 
ganzen Sommer fortdauernden Blüthe würde 
ich diese Pflanze auch der L. ramosa vor- 
ziehen. 

Aussaal zeilig auf Näpfe im temperirlen 
Hause oder Beete und zeitiges Verstopfen er- 
zielt auf Mitte Mai schon blühende Pflanzen. 

In botanischer Beziehung ist noch zu be- 
merken, dass dieselbe eine besonders breite 
und breitlappige Lippe besitzt und deshalb eine 
ganz ächte L. Erinus darstellt. 

19) Rubus nobilis H. Angl.; Rosaceae. — 
Ein wahrscheinlich im freien Lande aushalten- 
der Strauch, den der hiesige Garten unter 
obigen Namen aus englischen Gärten erhielt. 
Derselbe steht dem Rubus spectabilis Pursh. 
zunächst. Es ist ein aufrechter Strauch von 
der Tracht unserer Himbeere. Stengel und 
Unterseite der Blätter weisslich behaart, fast 
wehrlos. Blätter gedreiet oder handförmig 
3theilig. Blättchen oval rhomboidisch , ganz 
oder die seitlichen 2 lappig und am Grunde 
einseilig herzförmig, alle doppelt gezähnt. 
Blumen carmoisinrolh, werden von 2 — mehr- 
blumigen, achsel- und spilzenständigen Blu- 
menstielen gelragen. Kelchblätter oval, in eine 
lange Granne ausgehend , halb so gross als 
die elliptischen Blumenblätter. — Eine Pflanze, 
die wie der R. odoratus zur Zierde unserer 
Bosquets dienen dürfte. — Vaterland uns un- 
bekannt. — 

20) Ceanothus ovalis. Big', Rhamneae. — 
Eine mit C. intermedius Pursh. verwechselte 
Pflanze. Ein niedriger harter Strauch aus Ame- 
rika, mit oval -elliptischen stumpflichen oder 
spitzen, ganz kahlen, 3 nervigen Blättern und 
endständiger weisser Trugdolde. Harter Bos- 
quetstrauch, ähnlich dem C. americanus. 

21) Erica filifolia, Rgl. Es ist dieses eine 
noch neue Erica, die zur Gruppe der Dasyan- 
then (Lange röhrige Blumenkrone und dicht 
behaarter Fruchtknoten) gehört. Zu 8 stehende 
fädliche kurzhaarige Blätter, auf den Spitzen 
kleiner Seitenäste einzeln stehende Blumen, 
eine zylindrische zolllange gerade unten weiss, 
oben rosa gefärbte Blumenkrone , wehrlose 
eingeschlossene Antheren zeichnen diese Pflanze 
sogleich aus. Im hiesigen Garten als E. os- 



II. Neue Zierpflanzen. 



87 



strina cultivirt. Ob ein Bastard? Eine eigen- 
tümliche Pflanze von der Tracht einer E. 
buccinaefolia. Cultur mit den andern Ericen. 
Blühet im Sommer reichlich. — 

21) Maxiilaria Galeottiana Rgl. Eine 
zierliche Maxiilaria, die der hiesige Garten 
durch Galeotti aus Mexiko bezogen hat. Sie 
ist zunächst mit M. acutipetala Hook. Bot. Mag. 
tab. 3966 verwandt, aber Knollen und Blätter 
sind weit schmäler und die Blumen nur halb 
so gross. In ersterer Beziehung gränzt sie 
auch an M. angustifolia Hook, an, aber die 
Lippe ist ganz verschieden. 

Bildet einen dichten Knollenrasen. Die 
Scheinknollen sind länglich , gegen die Spitze 
zu verdünnt, tief gefurcht, kaum zusammenge- 
drückt, am Grunde von häutigen bräunlichen 
Schuppen umgeben, bis l l / 3 Zoll lang und 
kaum '/i Zoll breit. Auf der Spitze derselben 
stehen 2, seltner 1 linear -lanzettliches, scharf 
gespitztes Blatt, das bis 1 Fuss lang und nicht 
viel über l / 3 Zoll breit wird. Die einblumigen 
Blüthenschafte stehen in den Achseln der 
Schoppen, sie sind röthlich, wie die ganze 
Pflanze kahl , tragen 4 auseinander gerückte 
Scheiden und sind mehr als noch einmal so 
lang als die Knollen. Die Blumen ungefähr 1 
Zoll im Durchmesser, okergelb und besonders 
am Bande und auf der Bückseile röthlich ge- 
zeichnet. Die Sepalen sind zugespitzt länglich, 
spitz, aufrecht -abstehend; die Petalen unbe- 
deutend kleiner und halb so breit als die Se- 
palen. Lippe 3 lappig, so lang als die Petalen, 
mit stumpfen Lappen, von denen der vordere 
fast zungenförmig, zurückgerollt und ohne Er- 
höhungen. In der Achse des untern Lippen- 
slückes findet sich ein länglicher Buckel. Die 
Lippe ist übrigens hellgelb , das untere Stück 
am Rande hellroth gestreift, das Vorderslück 
dunkelroth gestreift und gefleckt. Blühete im 
Sommer mit Massen von Blumen zu gleicher 
Zeit, die einen angenehmen Geruch besitzen. 

22) Dianella inconspicua Rgl.\ ^sparagi- 
neae. — Eine neue Dianelle , die der hiesige 
Garten als D. atrata cullivirte. Dieselbe steht 
der D. angustifolia Schult, zunächst, unterschei- 
det sich jedoch durch breitere linear -lanzettli- 
che (bis 13 Zoll lang und Va — Vi Zoll breit) 
schlaff zurückgebogene , am Bande und oben 
am Kiel durch kleine Dornen scharfe Blätter. 



Die Blüthenrispe ungefähr so lang oder länger 
als Blätter, mit 2 — 3 theilig verästelten Aesten 
und schlanken zurückgekrümmten Blüthenstiel- 
chen, die 2 — 3 mal länger als die kleine Blu- 
me. Aeussere Blumenblätter länglich lanzett- 
lich, blass braunrolh, die innern schmäler und 
kleiner, gelblich, anfangs undeutlich, später 
deutlich 3 nervig. — Weniger schön als die 
andern Dianellen Neuhollands , unter denen z, 
B. D. caerulea und strumosa allgemeine Cul- 
tur als schönblühende harte und im Laube 
decorative Kalthauspflanzen verdienen. Heide- 
erde mit Lehm vermischt. Frostfreier Standort 
im Winter. 

23) Erica speciosissima Kl. Eine mit E» 
vestita nah verwandte Pflanze, die sich durch 
kurzhaarige Blätter , violettpurpurne fast ganz 
kahle Blumenkronen und oben dicht kurzhaa- 
rigen Fruchtknoten unterscheidet. Gehört zu 
den schönsten, im Sommer blühenden Arten. 
Als E. grandiflora violacea und E. vestita vio- 
lacea aus deutschen Gärten empfangen. 

24) Caladium bicolor. W. unter den de- 
corativen Aroideen ist das C. bicolor als Blatt- 
pflanze noch kaum übertroffen. Die gewöhn- 
liche seit Jahren in den Gärten befindliche 
Form, die aus Gärten Madeiras nach Europa 
gebracht ward, besitzt gesättigt grüne Blätter 
mit blutrothen Hauptnerven, deren Färbung 
allmählich in das Grün des Blattes verläuft. 

Der hiesige Garten erhielt im letzten Herbst 
Knollen einer Aroidee vom Gärtner Segnitz 
vom obern La Plata Strom. Es waren dies 
Formen des C. bicolor. Die eine derselben 
nennen wir: 

25) C. bicolor W.; Var. rubrovenium. 
Eine Form mit dunkelgrünem Blatt und scharf 
abgeschnitten dunkel blutroth gezeichneten 
Hauptnerven. 

26) C. bicolor fV. Var. sanguineum. Die 
Blätter werden hier grösser und breiler als bei 
der Stammform und sind bei den spätem 
Blättern auf der Scheibe leuchtend blutroth 
gefärbt und nur am Rande grün. 

Nach Mittheilungen des Herrn Segnitz sol- 
len am La Plata viele Formen dieser Pflanze, 
namentlich auch mit schön punktirten Blättern 
wild wachsen, und hoffen wir binnen Kurzem 
im Besitz derselben zu sein. 

Cultur. Ueberwinterung an einem durchaus 



88 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



trocknen warmen Platz, wo man die abge- 
trockneten Knollen in Sand einschlägt. Im 
Frühling treibt man sie im warmen Mistbeete 
an und stellt sie später in ein dunstiges Warm- 
haus zur weitern Ausbildung. Dann aber kann 
die Pflanze auch zur Decoration von Zimmern 
und luftigen Gewächshäusern verwendet wer- 
den. Vermehrung durch Theilung nach dem 
Austreiben im Frühling. — 

27) Dendrobium stuposum Lindl. Epiphy- 
tische Orchidee aus Ostindien mit 'proliferiren- 
dem cylindrischem Stengel, länglich -linearen, 
oben ganzen oder schief ausgerandeten Blättern, 
und meist zu 2 blumigen aus den Gelenken 
der blattlosen Stengel hervorbrechenden Blü- 
thentrauben mit ungefähr a / 3 Zoll im Durch- 
messer haltenden schneeweissen Blumen. Blü- 
thenhüllblätter länglich-oval, die äussern spitz, 
die Innern stumpf und zuweilen gewimpert, 
alle aufrecht. Lippe 3 lappig, vorn mit gelber 
Schwiele und langen zierlichen Franzen. 

Ward von Lindley in den Mise, des Bot. 
Mag. N. 94 beschrieben. Wir erhielten es als 
D. intermedium aus englischen Gärten. 

28) Melampodlum divaricatum D. C. ß. 
macranthum; Compositae. Die Samen dieser 
Pflanze sendete Warscewicz in den 40 ger Jah- 
ren an den Botanischen Garten in Zürich. Die- 
ser vertheilte sie unter dem obigen Namen, 
da sie sich nur durch grössern Strahl unter- 
scheidet. Die Handelsgärtner machten einfach 
M. macranthum daraus und empfahlen diese 
Pflanze als neue einjährige Zierpflanze. Blu- 
men gelb. Verdient als Zierpflanze gar keine 
Empfehlung. 

29) Stephanophysum brevifolium Pohl; 
Acanthaceae. — Ein sehr schöner Halbstrauch 
aus Brasilien und würdiger Rival der Thyrsa- 
canthus-Arten, mit denen er in der Tracht viel 
Aehnliches hat. Bildet einen Strauch von 1—4 
Fuss Höhe , mit gegenständigen ovalen zuge- 
spitzten, keilförmig in den Blattstiel herablau- 
fenden Blättern , die bei unserer Pflanze am 
Rande nur bogig ausgeschweift und nicht 
stumpf gezähnt sind, wie Pohl diese Pflanze 
beschreibt und Tab. 155 abbildet. Die Blät- 
ter wechseln jedoch in Form und Grösse und 
erscheinen oft lang gestreckt, so dass auch 
S. longifolium Pohl mit dieser Art zusammen- 
fallen dürfte. Die scharlachrothen Blumen ste- 



hen in leichten achselständigen gabeb'g ge- 
theilten Scheindolden. Kelchlappen linear, der 
obere etwas länger als die andern. Blumen- 
krone am Grunde schmal röhrig, dann zusam- 
mengedrückt und nach unten bauchig aufge- 
blasen und mit stumpfen Lappen des Saumes, 
von denen die beiden untern aufrecht, die 3 
obern abstehend. Auf Pohl's Abbildung sind 
alle aufrecht, doch ist diese wohl nach ge- 
trockneten Exemplaren gemacht und stimmt 
sonst vollkommen mit unserer Pflanze überein. 
Ein hübscher Zuwachs zu den harten Warm- 
hauspflanzen. Blühet im Sommer. (E. R.) 

b) Abgebildet in „lllu stratio n horti- 
cole." 

1) Neue Pelargonien - Varietäten. Die 
Tafel 103 der Illuslr. horticole bringt die Ab- 
bildung von 14 neuen Formen dieser belieb- 
len Florblumen, die sämmtlich zu der Section 
der fünffleckigen oder sogenannten Odicr-Pe- 
largonien gehören. Die fünffleckigen Pelar- 
gonien stammen bekanntlich von dem P. dia- 
dematum ab, neben der brillanteren Zeichnung 
bieten sie auch neue, sehr schöne Farben und 
ein anderer Vortheil , den sie vor den älteren 
englischen Pelargonien besitzen , ist ihr kräfti- 
ger Wuchs und die Grösse ihrer Blülhenbou- 
quels : Kein Wunder also, wenn sie seit ihrem 
ersten Erscheinen vor etwa 5 Jahren grosses 
Aufsehen in der blumis tischen Well machten und 
seitdem den ersten Rang behaupten. — Die vorlie- 
genden neuen Varietäten wurden theils von dem 
Pariser Banquier Odier, theils von Herrn Miellez, 
einem bekannten Handelsgärlner in Esquermes 
bei Lille gezüchtet und von Letzterem im Früh- 
jahr 1856 dem Handel übergeben , sie reihen 
sich den früher von der gleichen Firma aus- 
gesandten würdig an und verdienen die wärm- 
ste Empfehlung. Die Farbenbeschreibung 
würde uns hier zu weit führen, wir begnügen 
uns mit Angabe ihrer Namen. Es sind: 1) Im- 
peratrice Eugcnie, 2) Pescatorei , 3) Mme. 
Heine, 4) Leon Leguay, 5) Perugino, 6) Ru- 
bens, 7) Mme. Lebois, 8) Mme. Place, 9) 
Comte de Morny , 10) Mme. Furtado , 11) 
G. Severyns. 12) Hendersoni , 13) Mme. Pes- 
catore u. 14) Mme. Sueur. Als die schönsten und 
auffallendsten nennen wir die Nr. 2, 4, 9, 11 u. 14. 

2) Scutellaria scarlatina P. et Lind. 



IL Neue Zierpflanzen. 



89 



Labiatae. — Eine hübsehe, lebhaft scharlach- 
roth blühende, neue Art, ähnlich in der Blü- 
thenfarbe den S. Ventenati , splendens und 
villosa, von Triana , der für das Etablissement 
des Herrn Linden reist, in der Provinz Po- 
payan (Neu-Granada) entdeckt. Blätter breit 
herzförmig-lanzettlich, gespitzt, grob gezähnt, 
•weichhaarig; Blülhen in endständigen , viel- 
blumigen aufrechten Trauben. Cullur die glei- 
che , wie bei den übrigen Arten; im Sommer 
sehr schön zu Gruppen im Freien, Ueberwin- 
terung im temperirten Hause , Vermehrung 
durch Stecklinge und Theilung. 

3) Statice macroptera Webb. Plumbagi- 
neae. — Unstreitig die prachtvollste der 
schönen Statice Arten, von denen die St. ma- 
crophylla, arborea und neuerdings der Bastard 
von diesen beiden, die St. Halfordii, bis jetzt 
ihrer Schönheil wegen die geschätztesten wa- 
ren. Sie werden von der St. macroptera weit 
übertroffen : ihre enormen Blülhendolden errei- 
chen über einen Fuss Durchmesser und sind 
dicht bedeckt mit zahllosen Blüthen, deren 
reines tiefes Blau einen lang dauernden dich- 
ten Teppich bildet, hier und damit den schnell 
vergänglichen weissen Corollen ^geziert, die 
als weisse Sterne auf blauem Grunde an das 
Banner der nordamerikanischen Union erin- 
nern ! — Wächst ausschliesslich auf der Ei- 
seninsel, der kleinsten und unfruchtbarsten der 
canarischen Inseln, ganz aus nakten, zerklüf- 
teten Basaltfelsen bestehend und wurde durch 
Herrn Bourgeau in Samen eingeführt , die in 
dem Garten der Herren Thibaut und Keteleer 
in Paris angebaut wurden, und eine schöne 
Anzahl junger Pflanzen lieferten, so dass wir 
hoffen dürfen, diese Prachtpflanze werde fortan 
eine der grössten Zierden unserer Kalthäuser 
werden. Wie manche herrliche Pflanze mag 
noch wie diese , auf öder Insel oder in unzu- 
gänglichen Wildnissen verblühen, des Tages 
der Erlösung harrend! — 

Die St. macroptera bildet einen niedern 
Halbstrauch mit sehr grossen, gestielten, leyer- 
förmigen Blättern; der mittlere Blätttheil gross, 
eirund, spitzlich, am Grunde buchlig- gelappt, 
die seitlichen viel kleiner, dreiseilig-eirund, zu- 
sammenfliessend; Blülhenschaft hoch und ab- 
stehend doldentraubig- rispig, sowie die Ver- 
zweigungen breit geflügelt, fast dichotomisch 



verästelt und breit geöhrt. Kelchröhre kahl, 
der Saum stumpf, öseitig. (Taf. 105.) 

4) Helenium atropurpureum Kunth et 
Bouche. Compositae. Eine hübsehe neuere 
Staude von Engelmann aus Texas an den 
Berliner botanischen Garten im Jahre 1845 
eingesandt, aber noch wenig verbreitet. Die 
niedlichen, einer Zinnia ähnlichen Blüthenköpfe, 
die reiche Blüthenfülle und eine malerische 
Tracht empfehlen sie. Die circa 3 Fuss hohen 
Stengel sind kantig und geflügelt, Blätter lineal- 
lanzctllich , entfernt, sitzend herablaufend, mit 
vertieften, punktförmigen Drüsen dicht bedeckt. 
Die Randblüthen sind sehr veränderlich in der 
Färbung, vom reinen Gelb durchlaufen sie im Ab- 
blühen alle Farbenlöne durch Orangeroth bis zum 
dunkelsten Braunroth, und diese Farbencon- 
traste auf derselben Pflanze machen einen sehr 
eigenlhümlichen, herrlichen Effect. — 

Gedeiht in jedem guten Gartenboden, der 
nicht zu gar feucht ist, und wird leicht durch 
Theilung im Herbste oder Frühling vermehrt. 

(Taf. 106.) 

5) Cydonia japonica Var. Mocrloosii. 
Unter den Sträuchern , die im ersten Frühling 
blühen, gebührt der bekannten, lebhaft roth 
blühenden Cydonia (oder Pyrus) japonica un- 
streitig der erste Rang. Lange Zeit besassen 
die Gärten nur 2 Abarten, eine weissblühende 
und die von Siebold eingeführte und von ihm 
C. umbilicata genannte rosenrothe (in den letz- 
ten Jahren kam noch eine halbgefüllte rolhe 
Abart hinzu), jetzt hat Herr Moerloose, Han- 
delsgärlncr in Lcdcberg bei Gent, durch lange 
fortgesetzte Aussaaten noch 11 weitere Varie- 
täten erzielt, die durch ihre Blülhenfarben, 
(Weiss, Rosa, Orangeroth und dunkel Blutroth 
in verschiedenen Nuancen) durch die Tracht 
des Strauches , wie durch Form und Grösse 
der Früchte untereinander verschieden sind. 
Sämmlliche Formen sind im Alleinbesitz des 
Herrn Papeleu, Baumschulbesitzers in Wetteren 
bei Gent, und ist besonders die obengenannte 
sehr zu empfehlen. Die grossen Blumen sind 
bei dieser Abart weiss -grundig, breit mit Rosa 
und Carmin bandirt , von herrlichem Effecte! 
Die Cydonia japonica wird durch Ablegen, 
durch Veredlung auf die gewöhnliche Quitte, 
und auch sehr erfolgreich durch Wurzelsteck- 
linge vermehrt. (.Taf, 107.) 



90 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



c) Abgebildet im Botanical Magazine. 

6) Jrgyreia hirsuta fVight et Arn. (Ar- 
gyreia Choisyana, Hort.) Convolvulaceae. — 
Der Garten in Kew erhielt diese stattliche 
Schlingpflanze 1850 von Paris als Argyreia 
Choisyana. Sie stimmt in allen wesentlichen 
Merkmalen mit der A. hirsuta Wight et Arn. 
überein , die Wight später in seinen unschätz- 
baren „Icones u als Rivea hirsuta abbildet und 
beschreibt. Eine hochrankende, und daher zu 
ihrer vollkommenen Entwicklung viel Raum 
beanspruchende Pflanze, die in grösseren 
Wärmhäusern zur Bekleidung der Pfeiler, der 
Sparren u. s. w. zu empfehlen ist. Alle Theile 
der Pflanze, selbst die Röhre der Corolle, dicht 
mit absiehenden, steiflichen Haaren hedeckt; 
Blätter gross, herzförmig, oben glänzendgrün 
und fast kahl, unterhalb hell filzig mit stark 
hervortretenden Rippen ; Blüthensliele lang und 
gedreht, ein oder mehrblülhig; Bracleen in 
gegenständigen Paaren, linealisch oder lanzett- 
lich; Sepalen oval, Corolle gross, schön lila- 
roth , mit verlängerter , am Grunde etwas auf- 
getriebener Röhre. — Stammt von Ostindien. 

(Taf. 4940.) 

7) Lysimachia nutans Nees ab Esenb. 
(Lubinia atropurpurea LK. et Otto.) Primula- 
ceae. — Eine hübsche, halbharte Staude von 
Eckion und Zeyher und später von Drege in 
den sumpfigen Bergdistrikten am Cap der gu- 
ten Hoffnung aufgefunden und eingeführt. — 
Perennirend , Stengel aufrecht, mit wenigen 
gegenständigen Aeslen; Blätter gegenständig 
oder zu dreien, lanzettlich, kurz zugespitzt, in 
einen knrzen , halbstengelumfassenden Blatt- 
stiel auslaufend, ganzrandig, kahl; Blülhcn in 
vielblumigen, endständigen, ährenförmigen Trau- 
ben , die zuerst überhängen, später 'im Auf- 
blühen sich aber aufrichten, so dass der spe- 
cifische Namen kaum gerechtfertigt erscheint; 
die kurzen Blülhenslielchen mit kleinen, lineal- 
lanzeltlichcn Bracteen; Kelch fast bis zum 
Grunde in 5 lineal - längliche , stumpfe Zipfel 
getheilt, fast 3mal kürzer als die im Verhält- 
niss grosse Corolle , die glockig-trichterförmig 
und schön dunkelpurpurroth gefärbt ist; Co- 
rolle tief 5-theilig , die Lappen lanzelllich-spa- 
telförmig , an der Spitze ausgefressen gezäh- 
nelt; Staubfäden 5, gleichlang, weit hervor- 
stehend. — Sehr niedlich, auch zur Topfcul- 



tur, muss frostfrei überwintert werden, und 
vermehrt sich durch Samen und Stecklinge. 

(Taf. 4941.) 

8) Codonopsis rotundifoliä Benth. (Wah- 
lenbergia rotundifoliä D.C.) Campanulaceae. — 
Eine bereits bekannte, vom Himalaya stam- 
mende , rankende Pflanze mit ziemlich unan- 
sehnlichen, grünlich-gelben, dunkelrolh geäder- 
ten Glockenblumen. — Die ihr nah verwandle, 
neuerdings durch Siebold von Japan eingeführte 
Campanumoea lanceolata Bl. ist ihr ähnlich, 
aber schöner. Man lässt sie im Winter im 
Kalthause einziehen, treibt sie im Frühjahr 
wieder an, und leitet sie an kleine Drahtgitter, 
die sie bald mit ihren dünnen Stengeln und 
vielen Blumen bekleidet. (Taf. 4942.) 

9) Orobus Fischer i Sweet. (0. atropur- 
pureus Fisch.) Leguminosae. Wurde vom Pe- 
tersburger botan. Garten vom verstorbenen 
Garlendirector Dr. Fischer unter dem Namen 
0. atropurpureus Desf. in England eingeführt 
und ist jedenfalls der 0. Fischeri von Sweet. 

Eine sehr empfehlenswerthe , vollkommen 
ausdauernde Art, reichblühend und schön dun- 
kelroth gefärbt, wahrscheinlich aus Südilalien 
oder von der nördlichen Küste Afrika's stam- 
mend. Stengel aufrecht, dünn, mehr oder 
weniger verzweigt ; Blätter auf sehr kurzen 
Stielen , aus einem einzigen Paar schmaler, 
linearischer, zugespitzter Blättchen bestehend; 
unterhalb seidenhaarig filzig ; Nebenblätter 
klein, pfriemlich, am Grunde spitz geöhrt ; 
Blüthensliele einzeln, achselständig; Blülhen- 
stielchen kurz; die zolllangen Blumen in 8 — 10 
oder mehr blumiger, einseitswendiger Traube; 
Kelch kurz im Verhältniss zur Corolle , die 
obere Lippe mit 2 kurzen Zähnen, die untere 
3 zähnig, der mittlere Zahn vorgezogen: — 

(Taf. 4943.) 

10) Dendrobium Falconeri Hook. Eine 
überaus prächtige Art, von den Bootan Bergen 
(4000 Fuss supramarine Höhe) , die im April 
1856 auf einer Londoner Auction von impor- 
tirten Orchideen erstanden wurde unter obiger 
Benennung, und einige Monate später schon ih- 
ren reichen Blüthenschmuck entfaltete. Dr. Lind- 
ley hält sie für eine durchaus neue Art, zu sei- 
ner Section Dendrocoryne gehörig und dem D. 
tetragonum A. Cunn. zunächst verwandt. Sten- 
gel lang , dünn , ästig , hängend, mit kurzen, 



It. Neue Zierpflanzen. 



91 



knotigen Gelenken, gestreift, nur an den Spitzen 
1 — 3 kleine , linealische Blättchen tragend, 
sonst der ganzen Länge nach unbeblättert. 
Blumen gross und zahlreich an den nakten 
Stengeln, auf einzelnen, einblumigen Stielen, 
in der Färbung ähnlich dem prächtigen D.De- 
vonianum majus, weiss und zart rosa, die 
Spitzen der Blüthenhülltheile dunkelpurpur ge- 
fleckt, Lippengrund ebenfalls dunkelpurpur, 
dann leuchtend goldgelb, auf dem Lippensaume 
in gelblich-weiss übergehend und die t vorge- 
zogene Spitze wiederum dunkelpurpurroth. Se- 
palen ausgebreitet, länglich-lanzettlich, zuge- 
spitzt, leicht gedreht; Petalen von gleicher 
Länge aber viel breiter, eirund. Lippe gross, 
undeutlich 3-lappig , herzförmig, spitz, wellig- 
gerandet und fein gefranzt. (Referent erinnert 
sich deutlich, importirte Pflanzen von dieser, 
durch die knotigen scheinbar verzweigten Sten- 
gel sehr charakteristischen Art schon vor 4 — 5 
Jahren ebenfalls auf den bekannten Orchideen- 
Auctionen von M. Stevens in London gekauft 
zu haben. — Sie hatten jedoch sehr gelitten 
und gingen wieder ein. — Sie scheint uns in 
besonders hohem Grade die Unart zu haben, 
überall aus den Knoten am Stengel junge 
Pflanzen zu treiben, wie dieses auch manche 
andere Arten mehr oder weniger thun, und 
dadurch entsteht das , was Sir W. Hooker als 
Verzweigung des Stengels bezeichnet, was je- 
doch offenbar unrichtig ist, da wohl die Rhi- 
zomen der Orchideen sich oft verzweigen durch 
Entwicklung von mehreren Endknospen , an 
den Scheinknollen und eigentlichen Slengelge- 
bilden dagegen, unsers Wissens nach, nie eine 
wirkliche Verzweigung vorkommt und ebenso 
dürfen wir, wenn wir nach Analogieen schlies- 
sen dürfen, annehmen, dass die jungen Triebe 
ihrer ganzen Länge nach ebenso gut beblät- 
tert sind, als dies bei anderen später nackt- 
stengeligen Arten der Fall ist. Cultur in brei- 
ten und flachen Körben oder Näpfen , gefüllt 
mit Sphagnum , auf das man die langen Sten- 
gel durch Haken befestigt und sie dann im 
wärmsten Theile des Orchideenhauses aufhängt.) 
(E. 0.) (Taf 4944.) 

11) Mucuna prurita Hook. (Carpopogon 
pruriens Roxb.) Leguminosae. Zwei Arten die- 
ser Gattung, Kuhkrätze (Cow-itch) genannt, 
liefern das berühmte Mittel gleichen Namens 



zur Vertreibung der Würmer: es sind die ge- 
nannte Art, von Osl-Itidien stammend, und 
die M. pruriens von West-Indien. Die Mucuna- 
Arlen sind hochrankende Schlingpflanzen, mit 
gefiedert-dreizähligen Blättern, achselsländigcn, 
gedrängten Blüthentrauben mit zahlreichen, 
grossen, eigentümlich dunkelpurpurbraun ge- 
färbten Blumen, und meistens behaarten Scho- 
ten; bei den beiden genannten Arten sind diese 
Haare sehr zerbrechlich, bei der leisesten Be- 
rührung der Früchte lösen sie sich ab, durch- 
dringen die Haut und erregen ein brennendes 
Jucken. Die vorliegende Art ist ausdauernd, 
mit behaarten Stengeln, gedreiten Blättern, 
Blättchen eirund, oberhalb kahl, unten durch 
anliegende weisse Haare seidenglänzend; die 
hängenden Blüthentrauben kürzer gestielt als 
die Blätter. Nur für grössere Warmhäuser zu 
empfehlen. (Taf. 4945.) 

d) Abgebildet in Flore des Serres. 

12) Lonicera splcndida Boiss. Caprifolia- 
ceae. Eine schöne von Boissier im südlichen 
Spanien entdeckte Art, hochrankend, aber un- 
ten bald kahl werdend, mit immergrünen Blät- 
tern. Die jungen Zweige sind mit einem mehl- 
artigen, blaugrauen Dufte bedeckt, der später 
schwindet. Blätter, wie auch bei manchen an- 
dern Arten , sehr veränderlich in der Form ; 
an den blühenden Zweigen sind die unleren 
Blätter länglich, am Grunde verschmälert, 
sitzend oder fast sitzend , die obern etwas ver- 
längerter , beinahe lanzetllich , zugespitzt , am 
Grunde erweitert und verwachsen , unterhalb 
blaugrau bereift, oben glänzend; die sehr wohl- 
riechenden, hell nankinfarben, aussen gerölhe- 
ten Blumen , in dichten , endständigen Köpf- 
chen; Bracteen linealisch-lanzeltlich , blaugrün, 
zuweilen am Rande gewimpert; Kronröhre sehr 
lang, Saum rachig, mit lanzettlichen, stumpfen 
Lappen; Staubfäden und Griffel weit hervor- 
stehend. (Taf. 1130.) 

13) Rosa Theo, var. Auguste Oger. Sehr 
empfehlenswerth durch die dichte , regelmäs- 
sige Füllung, die Grösse der Blumen und ihr 
zartes, gelblich-rosafarbiges Colorit. Wurde von 
dem Rosenzüchter Oger in Caen gewonnen 
und im Frühjahr 1856 in den Handel gebracht. 
(Taf. 1131.) 

14) Jacquemontia coelestis, Hort. V. Houtte, 



92 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Convolvulaceae. Eine perennirende , zarte 
Schlingpflanze mit dünnen schwachflaum- 
haarigen windenden Aesten, die im Van 
Houtte'schen Garten aus Samen gezogen, der 
wahrscheinlich von Warscewicz aus Central- 
Amerika eingesandt wurde. Blätter gestielt, 
eirund oder elliptisch-oblong, (nicht herzför- 
mig, wte bei J. pubescens Benth., der sie zu- 
nächst steht), mit kurzer bräunlicher Pubes- 
cenz; Blüthenstiele achselständig, 3— öblüthig, 
wenig länger als die Blätter; Bracteen pfriem- 
lich; die äusseren Sepalen eirund, die inneren 
länglich, slumpf, fast kahl; Korolle kahl, etwa 
1 Zoll im Durchmesser, schön azurblau. Für 
Topfcultur im temperirten Warmhause sehr 
empfehlenswerth. Vermehrt sich leicht durch 
Stecklinge. (Taf. 1132.) 

15) Lonicera Broivnii, Hort. (Caprifolium 
occidentale Lindl.) Nach Lindley hätte Dou- 
glas diese prächtige Art im Nordwesten des 
nördlichen Amerika am Columbiaflusse ent- 
deckt und eingeführt, da sie jedoch bei uns 
nie Früchte trägt, vermuthen Andere, sie könne 
ein Bastard zwischen L. sempervirens und ei- 
ner andern, laubabwerfenden Art sein. Durch 
die Masse und die leuchtend orangerothe Fär- 
bung ihrer Blumen, die vom Juni an erschei- 
nen, gehört sie zu den schönsten Geisblall- 
Artcn. Rankend, mit abfallenden Blättern; an 
den sterilen Zweigen sind dieselben sitzend 
oder kurz gestielt, zuweilen beinahe verwach- 
sen, gross, oval-lanzettlich, slumpf, oben glän- 
zend hellgrün, kahl, unten blaugrün, zuweilen 
rothbraun geädert; an blühenden Zweigen die 
unteren sitzend, die mittleren verwachsen, und 
die oberen ganz in einander fliessend, eine 
Blüthenhülle bildend, die oben von rothen 
Adern durchzogen ist. Die geruchlosen Blu- 
men in gestielten, (nie sitzenden) kurzen und 
gedrängten Aehren; Kronenröhre leicht flaum- 
haarig ausserhalb, innen dicht behaart, am 
Grunde höckerig; Saum ungleich 21ippig, die 
untere Lippe ungetheilt, vorgezogen, die obere 
aus 4 abgerundeten, zurückgeschlagenen Zi- 
pfeln bestehend; Staubfäden behaart. Vermehrt 
sich leicht durch Stecklinge, im October und 
November im Freien gesteckt und mit einer 
Glasglocke bedeckt, oder durch Ableger. (Taf. 
1133.) 

16) Rehmannia glutinosa, Libosch. (Ge- 



rardia glutinosa Bge. , R. chinensis Fisch, et 
Mey.) Cyrtandraceae. Vor zwanzig Jahren 
häufig und mit Vorliebe eullivirt, ist diese 
schöne Staude heute fast überall verloren und 
verschollen. Van Houtte erhielt sie vor Kur- 
zem wieder als eine Neuheit von China, und 
hat Recht, wenn er sie durch eine gelungene 
Abbildung und seine warme Empfehlung wie- 
der zu verbreiten sucht. Aus dem nördlichen 
China stammend, drüsig behaart, und daher 
klebrig , mit grossen glänzend grünen wech- 
selständigen , obovalen, grob gezähnten Blät- 
tern, und einer 8 — lOblüthigen, am Grunde 
beblätterten Blüthentraube. Die schönen in 
der Farbe veränderlichen, meistens rosa-vio- 
letten Blumen erinnern in der Form an die 
Fingerhut-Arten und dauern lange Zeit. Im 
freien Lande hält die R. glutinosa unter leich- 
ter Deckung gut aus und vermehrt sich an 
günstigen Standorten und in humusreicher 
lockerer Erde sehr schnell durch zahlreiche 
Wnrzelsprossen. Auch für Topfcultur sehr 
hübsch. (Taf. 1134.) 

17) und 18) Calostemma purpureum R. 
Br. und C luteum, Ker. Amarylideae. Zwei 
einander sehr ähnliche Arten einer Galtung 
Zwiebelgewächse, die der australischen Flora 
angehört, und dort, unter sehr verkleinerten 
Verhältnissen, aber mit eleganten Formen, die 
Pancratium-Arten gleichsam ersetzt. Die Blu- 
men, purpur mit grünlicher Nebenkrone bei 
der ersteren, gelb bei der zweiten Art, liefern 
die leichtesten und sichersten Kennzeichen, um 
beide zu erkennen. Sie stehen in Dolden auf 
cylindrischen Blüthenschäften , die von ausge- 
wachsenen linealisch-riemenförmigen Blättern 
umgeben sind. (Taf. 1135.) 

19) Rosa bengalensis var. viridiflora. Die 
in letzter Zeit in allen Gartenjournalen bespro- 
chene „grüne Rose" wird uns von der 
„Flore des Serres" zuerst bildlich vorgeführt. 
Es ist wahrlich keine Schönheit, aber sie 
macht auch nur auf originelle Curiosität An- 
spruch, und für Freunde von dergleichen kann 
sie sehr willkommen sein! — Sie stammt aus 
einer kleinen englischen Gärtnerei und wurde 
auf dem Continent zuerst durch Miellez ver- 
breitet. Die Umwandlung von Blumenblättern 
in blattartige Organe ist bei den Pflanzenmon- 
strositäten eine der am häufigsten beobachte- 



III. Notizen. 



93 



ten Erscheinungen. Bei dieser Rose sind die 
Petalen alle in grüne, fiedernervige, drüsigge- 
zähnte Blältchen verwandelt, zuweilen behal- 
ten auch die grünen Petalen die abgerundete, 
ungezähnte Form und selbst bis zu einem ge- 



wissen Grade die zarte Textur, die Aderung 
und die dachziegelige Stellung gewöhnlicher 
Petalen und dann ist die „grüne Rose" voll- 
kommen. (Taf. 1136.) (E. ) 



III. Notizen. 



1) Einige Notizen über Cultur der 
Stachelbeeren und Erdbeeren und 
die neuesten über diese Früchte er- 
schienenen Schriften. (Schluss.) 

Das neueste Werk über Stachelbeeren 
rührt her aus den Untersuchungen des sei. 
Dr. Lorenz von Pansner, und ist nach dessen 
Tode bearbeitet und geordnet von Herrn 
Kunstgärtner Maurer, und 1852 in Jena bei 
Dobereiner erschienen. Es besitzt wissenschaft- 
lichen Werth und man findet darin eine grosse 
Zahl von Stachelbeeren aufgeführt und durch 
kurze Charakteristiken näher bezeichnet. Schwer 
oder unmöglich ist es aber, aus demselben 
herauszufinden, welche unter den vielen auf- 
geführten Sorten als die schätzbarsten zu be- 
trachten seien, und mögen die Untersuchungen 
darüber auch noch nicht geschlossen gewesen 
sein, so dass auf die Periode , die vorerst zu 
sammeln suchte , nunmehr die mejir kritische 
auch hier erst folgen müsste. Als originell 
und nur in diesem Werke sich findend ist der 
Gedanke zu belrachten, schon durch den jeder 
Frucht gegebenen Namen gleich anzudeuten, 
zu welcher Classe und Unterabtheilung dieselbe 
gehöre. Dr. v. Pansner theilt die Stachelbee- 
ren ein in rothe, grüne, gelbe und weisse; 
jede Classe hat die Unlerablheilungen: glatte, 
wollige, haarige Früchte, welche Abtheilungen 
wieder zerfallen nach der Form in runde, rund- 
liche, elliptische, längliche, eiförmige und birn- 
förmige Früchte. Diese Einlheilung ist leicht, 
übersichtlich und scheint ganz die der Natur 
selbst angemessenste zu sein. Den rothen glat- 
ten Früchten sind nun lauter männliche Na- 
men gegeben mit den Anfangsbuchstaben von 
A bis C (z. B. Alcibiades , Cäsar etc.) , die 
rothen wolligen haben Namen in D bis F , die 
haarigen in G bis I, die grünen glatten in K 
bis N, die wolligen in bis R etc. Auf die- 



selbe Weise findet man den gelben und weis- 
sen Stachelbeeren lauter weibliche Namen bei- 
gegeben. Liesse sich eine solche Nomenclatur 
zu allgemeinerer Anerkennung und Gebrauche 
bringen, so würde sie allerdings ein wesent- 
liches Erleichterungsmiltel der Sortenkenntniss 
werden; indess wird es doch wohl niemals 
möglich werden, dass diese von der Wissen- 
schaft gegebenen Benennungen die Trivialna- 
men, welche den einzelnen Sorten von ihren 
Erziehern oder andern Personen zuerst gege- 
ben wurden , und unter welchen sie sich in 
verschiedenen Ländern verbreitet haben, ver- 
drängen, und so mehren sie nur die Masse 
dessen, was zur Sortenkenntniss behalten wer- 
den müsste, und bleibt es wohl besser, bei 
den gewöhnlichen Benennungen nur stehen 
zu bleiben. Darauf hinzuarbeiten, dass auch 
bei uns die Stachelbeeren und Johannisbeeren, 
wenigstens da, wo kein Weinbau beirieben 
wird, zur Weinbereitung möchten benulzt wer- 
den, wäre gewiss zeilgemäss, und möchte der 
aus ihnen gewonnene Wein bei gehöriger Be- 
reitung leicht einem guten Rebenweine nicht 
viel nachstehen. Mein Nachbar in Sulingen 
hatte aus Johannisbeeren, unter Zusatz von 
Zucker, einen lange haltbaren Wein bereitet, 
der einem Xeres an Feuer und Güle nicht 
nachstand , und den ein älterer Reisender für 
eine Bremer Weinhandlung, der ein geübter 
Weinkenner war, und dem er vorgesetzt 
wurde mit dem Bemerken , der Wein komme 
theuer, aber man glaube, dass die unrechte 
Sorte geschickt sei , ob er nicht sagen könne, 
wie die Sorte wirklich heisse, für eine theure 
fremde Rebweinsorle erklärte, ohne die ge- 
ringste Ahnung, gut deutsches Getränk vor 
sich zu haben. 

Das neueste, mir bekannte Werk über 
Cultur der Erdbeeren ist das von Nietner, Kö* 



94 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



nigl. Hofgärtner in Schönhausen, welches un- 
ter dem Titel: „Das Ganze der Erdbeerenzucht, 
sowohl im Freien als in geschlossenen Räu- 
men jeder Art und zu jeder Jahreszeit; nebst 
monographischer Beschreibung der meisten 
eultivirten Sorten," 1843 zu Berlin in der 
Nauk'schen Buchhandlung erschien. Nietner 
stellt folgende Classen auf: 

1) Scharlach-Erdbeeren, mit meh- 
reren Unterabtheilungen , wohin die gewöhn- 
liche Scharlach- Erdbeere, die Roseberry Erd- 
beere und viele andere gehören; 2) Schwar- 
ze Erdbeeren, als Old black, Knight's seed- 
ling und andere; 3) Ananas-Erdbeeren, 
wohin auch die alte, in unsern Gärten noch 
häufig sich findende , doch längst übertroffene 
Ananas-Erdbeere gehört, so wie Keen's seed- 
ling, Black Prince und andere; 4) Chilier 
Erdbeeren (z. B. Wilmols süperb), die zur 
Fruchtbarkeit einer fremden Bestäubung be- 
dürfen und oft zweigeschlechlig sind, so dass 
man die sogenannten männlichen Caprons un- 
ter dieselben pflanzen oder zur Blüthezeit in 
Töpfen unter sie stellen muss. 5) Hoch- 
stämmige- oder Moschus-Erdbeeren 
(Fragaria clalior Willd) , bei denen es gleich- 
falls männliche und weibliche Stöcke gibt. 

6) Grüne Erdbeeren (Fragaria collina 
Erh.), die in Bräsllinge und Majeufes zerfallen. 

7) Alpen- oder Wald-Erdbeeren (Fr. 
semperflorens et vesca) , wohin die gewöhn- 
liche Wald-Erdbeere, die Monats-Erdbeere und 
andere gehören. — Es haben aber die fort- 
gehenden Samenzuchten dieses Werk , dem 
schon in einem Anhange noch wenigstens die 
Namen vieler neueren Sorten angehängt wer- 
den mussten', die in gehörige Untersuchungen 
nicht mehr hatten mit hineingezogen werden 
können, in den seit der Herausgabe vergange- 
nen zwölf Jahren so weit überflügelt , dass 
man eine beträchtliche Anzahl der jetzt in den 
Calalogen der Handelspartner besonders em- 
pfohlenen Sorten, von denen man 'auch an- 
nehmen mag, dass sie vor den älteren Varie- 
täten merkliche Vorzüge haben, in demselben 
selbst noch nicht genannt findet. Nielner ver- 
langt Anlage der Erdbeerenfelder nur mit gut 
bewurzelten Ausläufern , die am besten erst 
auf ein Interimsbeet, zu stärkerer Bewurzelung, 
nahe bei einander gesetzt, und dann , am be- 



sten im April, auf die für sie bestimmten 
Beete, die reichlich und vorzugsweise mit ei- 
nem guten Composte gedüngt worden, andert- 
halb Fuss weit auseinander gesetzt werden 
sollen. Auf jedes Beet von 37* Fuss Breite 
setzt er nur 2 Reihen, eine von der andern 
2 Fuss entfernt; die Beete soll man nur 2 
Jahre hinter einander tragen lassen und dann 
erneuern, in der Blüthezeit häufig begiessen, 
auch im Winter bedecken. 

Folgende Punkte in der Cultur der Sta- 
chelbeeren und Erdbeeren scheinen mir vor- 
züglich noch einer weiteren Aufhellung und 
Feststellung zu bedürfen: 

1) Erhält man die besten Früchte von 
Stachelbeeren, wenn man die Büsche, mit Un- 
terdrückung der Wurzelausläufer, als kleine 
Hochstämme erzieht, oder ist es vorzuziehen, 
wenn man dieselben mehr ihrem natürlichen 
Wachsthume überlässt und nur öfter die älte- 
ren Zweige ausschneidet, auch wenn es nöthig 
wird , die Büsche auf einer andern Stelle neu 
wieder anzieht? Gewöhnlich wird die erstere 
Manier anempfohlen , und nehmen die Büsche 
dabei auch weniger Platz ein; allein sie ist 
nicht nur mühsamer, sondern dürfte auch ge- 
ringeren Ertrag geben, und habe ich öfter be- 
merkt , dass in heissen Sommern bei dieser 
Form der Sträucher die Früchte der Sonne zu 
sehr ausgesetzt und an der Sonnenseite wie 
gebraten waren , so dass die Stachelbeere, 
gleich dem Weine, zu ihrer rechten Vollkom- 
menheit einigen Schatten von den übrigen 
Zweigen zu bedürfen scheint. Lässt man dem 
Stocke nur nicht zu viele und zu alte Zweige, 
so erhält man bei dem natürlichen Wüchse 
auch grosse Früchte. Manche Stachelbeersor- 
ten lassen sich ohnehin , ihrem Wüchse nach, 
sehr schlecht hochstämmig erziehen. 

2) Wie lange kann man ohne Schaden 
durch gute Düngung eine Stachelbeerpflanzung 
auf demselben Flecke hinhalten, bis endlich 
die Stöcke umgepflanzt werden müssen? 

3) Diese letzte Frage tritt gleichfalls bei 
den Erdbeerfeldern ein , und scheint es doch 
etwas zu kurze Zeit zu sein und zu viel Ver- 
lust und Mühe durch beständiges Umlegen 
herbeizuführen , w r enn man die Beete nicht 
länger als zwei Jahre tragen lassen sollte. 

4) Werden die Erdbeerenbeete am besten 



in. Notizen. 



95 



durch gut bewurzelte Ausläufer, oder durch 
Zertheilung der alten Stöcke angelegt? Ich 
zweifle zwar auch meinerseits a priori nicht, 
dass Anpflanzung der Beete mit gut bewur- 
zelten Ausläufern vorzuziehen sei; indess habe 
ich für diesen Satz doch immer nur Behaup- 
tungen , nie wirkliche und absichtlich ange- 
stellte Versuche angeführt gefunden ; und würde 
es doch nicht schwer sein , durch Beete , die 
in gleicher Sonnenlage, zur Hälfte mit Aus- 
läufern , zur andern Hälfte durch Zertheilung 
alter, noch reichlich junge Wurzeln habender 
Stöcke angelegt wurden, diese Frage entschei- 
dender , als es bisher wohl geschehen ist, zu 
beantworten. Zu absichtlichen Versuchen über 
die hier beregte Frage möchte immer auch 
der Umstand auffordern, dass, so viel ich weiss, 
die Vierländer, die den Anbau der Erdbeeren 
(namentlich der darnach weit umher Vierlän- 
der-Erdbeere genannten Sorte, welche die 
Garten-Erdbeere sein wird) so ausgedehnt be- 
treiben, dass täglich viele Schiffsladungen voll 
davon auf der Elbe veifahren werden, di e 
Anlage - der Beete durch Ausläufer entschieden 
verwerfen. 

5) Welche Erdbeersorten sind auch in 
leichterem und häufig trockenem Boden noch 
mit Erfolg zu bauen? 

6) Ist es bei dem jetzigen Sortenreichthum 
noch irgend anzurathen, die Chili- und Mo- 
schus-Erdbeeren zu eultiviren? Es gibt gegen- 
wärtig so viel treffliche Erdbeersorlen, dass es 
mir seheint, man könne der Mühe, die Caprons 
zwischen die Beete der Erdbeeren aus den 
beiden gedachten Classen zu stellen, völlig 
überhoben sein, und möge die dahingehören- 
den Sorten höchstens als botanische Merkwür- 
digkeit fortpflanzen. 

7) Ist es wirklich nöthig, die Erdbeeren 
im Winter zu bedecken? Ich kann mich kaum 
entsinnen, diess in der Praxis irgendwo ge- 
sehen zu haben, und sind mir doch eben so 
wenig erfrorene Erdbeerbeete vorgekommen. 
Ich ziehe jetzt in meinem Garten, um heraus- 
zubringen, welche Sorten auch in meinem 
leicht trockenen Terrain noch einträglich sein 
möchten, 24 der besten neueren Erdbeersorten 
an, als Princess Royal (Pelvilain), Queen Vic- 
toria, Brittish Queen, Triomphe de Liege, Tri- 
omphe de Gand, Goliath, Cremont, Jova, 



d'Amerique , Henriette Naimelte , Excellente, 
Myatt's new seedling, Vierlander, Monats-Erd- 
beere und andere, von denen theils schon 
ganze Felder, wenigstens aber je ein Dutzend 
Stöcke vorhanden sind, und ich habe weder 
in vorigem harten Winter Frostschaden be- 
merkt, noch solchen jetzt wahrgenommen, 
nachdem im December und Januar ziemliche 
Kälte herrschte mit mehrmals rasch eintreten- 
dem Thau weiter, und die Felder ohne allen 
Schnee über acht Tage lang eine Kälte von 
10, und mehrmals 12 und 13 Graden Reaum. 
ausgehallen haben , die härter selbst in recht 
kalten Wintern unter irgend schützender Schnee- 
decke die Pflanzen nicht treffen könnte. 

8) Würde sich eine Bedeckung des Erd- 
bodens zwischen den Stöcken , um das 
Schmulzigwerden der reifenden Früchte - zu 
verhindern, da, wo Moos und Gerberlohe nicht 
leicht zu haben sind, nicht dadurch schaffen 
lassen, dass man im Frühlinge zwischen die 
Stöcke den Samen von zweijährigen, länger 
niedrig bleibenden Pflanzen, z. B. Karlhäuser- 
nelken (von denen man leicht Samen in Menge 
ziehen kann), etwas dicht ausstreute, und nach 
der Fruchternte diese Pflanzen durch die Hacke 
wieder entfernte? Einen Versuch darüber 
denke ich im kommenden Sommer zu machen. 
Doch es werden bei längerer Beschäfti- 
gung mit der Cultur der Stachelbeeren und 
Erdbeeren wohl noch gar manche andere Fra- 
gen als Gegenstände erneuerter Untersuchungen 
sich darbieten. Möchten Männer, die hinrei- 
chenden Gartenraum haben und Gelegenheit, 
die erzogenen Früchte gut zu verwerthen, 
diese beiden Obstclassen erneuerten sorgfältigen 
Untersuchungen unterziehen. Was die Stachel- 
beeren anbetrifft, so dürfte gewiss zunächst 
Herr Maurer ein recht passender Mann sein, 
uns demnächst mit einer erweiterten und im 
Speciellen über den Werth der verschiedenen 
Früchte noch mehr Anleitung gebenden Schrift 
zu beschenken. 

Jeinsen, Ende Frbruar 1856. Oberdieck. 
(Abdruck aus d. pomol. Monatsschr) 
2) Cultur der Luculia gratissima. 
Durch Schönheit und süssen Wohlgeruch der 
grossen Blumendolden ist die Luculia gratis- 
sima eine der unentbehrlichsten Zierden unse- 
rer Warmhäuser, um so mehr, da ihre Blüthe 



96 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



in die blumenarme Herbst- und Winlerzeit 
fällt. Ihrer allgemeineren Verbreitung ist das 
Vorurtheil hinderlich, ihre Cultur sei besonders 
schwielig. Wenn sie, wie es allerdings der 
Fall ist, vom plötzlichen Temperaturwechsel, 
von kaltem Luftzüge und brennenden Sonnen- 
strahlen leicht leidet, so ist das noch kein 
Grund, ihre Cultur deshalb zu vernachlässigen, 
man schütze sie nur um so sorgfältiger gegen 
solche , auch andern Pflanzen schädliche Ein- 
flüsse und befolge das nachstehende Verfah- 
ren, und der Erfolg in der Cultur wird gewiss 
ein reich lohnender sein. Im Februar schneide 
man die Pflanzen stark ins alte Holz zurück 
und bringe sie auf ein warmes Frühbeet; so- 
bald sich die jungen Triebe zeigen , pflanzt 
man sie nun in grössere Töpfe in eine Erd- 
mischung von gleichen Theilen guter Garten- 
und Lauberde, der man etwas reinen Silber- 
sand beisetzt und stellt sie dann zurück in's 
Beet , wo eine massige Bodenwärme von 16 
— 18° Reaum. und die geschlossene, feuchte 
Luft einen kräftigen Trieb befördern werden. 
Man beschalle sie regelmässig bei Sonnen- 
schein, giesse nach und nach, immer Schrill 
hallend rrit ihrer fortschreitenden Entwicklung, 
mit verdünntem Dungwasser und kneipe die 
Spitzen der stärksten Triebe zurück, damit die 
Pflanzen buschiger werden , nur setze man 
dieses Auskneipen nicht nach der ersten Hälfte 
des Juni fort, da nun die Blumenbildung be- 
ginnen muss. Gegen Anfang August wird die 
Holzbildung vollendet sein , es kommt jetzt 
darauf an, das Holz gut und rasch reifen zu 
lassen und dies geschieht am besten im Warm- 
hause an einer Stelle, wo sie dem Glase mög- 
lichst nahe stehen; ist dies erreicht, so stellt 
man sie an den wärmsten Ort im Gewächs- 
hause und hier werden sie bald ihre pracht- 
vollen Blüthen entfallen. In Weintreibercien 
gedeihen sie sehr gut, wenn sie an der Rück- 
wand in's Freie ausgepflanzt werden; sie schei- 
nen hier ganz in ihrem Elemente: werden zu- 
gleich mit den Reben angetrieben , reifen ihr 
Holz zur gleichen Zeit, und biühen, wenn die 
Reben wieder ihre Ruhezeit antreten. Nach 
der Blüthe werden die Luculien zurückgeschnit- 
ten und kühler und trockner gehallen. — Zu 
allen Zeilen halte man sie sorgfältig rein von 
Schild- und Blattläusen und anderen Insekten, 
die leider eine ganz besondere Vorliebe für 
diese Pflanze zu haben scheinen. 

(Nach Flore des Serres. E. 0.) 
3) Cultur des Rhododendron jas mi- 
ni florum. Diese in den letzteren Jahren 
eingeführte sehr schöne Art, deren rein weisse 
Blumen in Form und durch den süssesten 
Wohlgeruch sehr an Jasminblülhen erinnern, 
ist allgemein für den Winterflor im kalten und 
temperirten Glashause zu empfehlen. Das eng- 
lische GarteDJournal „the Florist" giebt fol- 



gende kurze Anleitung zu einer richtigen Be- 
handlung dieser schönen Pflanze, eine Be- 
handlung, die auch für das prächtige Rh. ja- 
vanicum und das ebenfalls sehr schöne Rh. 
retusum und andere javanische Arten geeignet 
ist. — Man gebe ihr eine reiche , fibröse 
Heideerde oder eine gute mit Silbersand ver- 
setzte Moorerde, wie sie für Eriken u. dergl. 
feinere Pflanzen genommen wird. Im Frühjahr 
werden sie im temperirten Hause bei 10° R. 
und hinreichender Luftfeuchtigkeit angetrieben 
und bis im Juni hier gelassen, dann härlet 
man sie allmählig ab gegen Luft und Licht 
und bringt sie darauf ganz in's Freie, an ei- 
nen geschützten Standort. Hier reift das Holz 
nach und die Knospen bilden sich aus. Beim 
Eintritt der nassen , kalten Herbstwilterung 
müssen sie wieder in's Kalthaus an eine helle, 
trockene Stelle wandern, und nun kann man 
nach und nach , wenn man mehrere Exem- 
plare hat, dieselben in's temperirle Warmhaus 
bringen , um die Blüthe zu beschleunigen und 
eine Reihenfolge der schönen wohlriechenden 
Blumenbüschel zu erzielen. Für feine Winter- 
bouquets sind diese Blumen äusserst werthvoll. 
(Nach Flore des Serres. — E. ü.) 
4) Verbrauch von Orangen, Citro- 
nen und Wasserkresse. Mr. Dood sagt 
in seinem Werke ,,the food of London."' wo- 
rin er die Nahrungsmittel bespricht, die Lon- 
don jährlich verbraucht, dass einzelne dersel- 
ben so unbedeutend zur Gesammtmasse er- 
scheinen , dass man ihnöii kaum Rechnung 
trage , und dass sie doch als Handelsartikel, 
besonders für den kleinen Detail- undStrassen- 
handel, von dem tausende von Familien sich 
ernähren , eine grössere Wichtigkeit besitzen, 
als man sich gewöhnlich einbilde. Früher 
importirle England die Orangen fast ausschliess- 
lich von Spanien und Portugal, seit wir Dampf- 
schiffe haben, liefern auch die Azoren, Madeira, 
Malta und Crela ihr Contingent. Allein von 
St. Michel, einem Hafen der azorischen Inseln, 
gehen jährlich 200 Schiffe nach London ab, 
befrachtet mit 200 tausend Kisten Orangen; 
jede Kiste hält 1000 Stück, der jährliche Ex- 
port dieses einzigen Hafens nach London be- 
trägt demnach 200 Millonen Früchte; hundert 
Millionen empfängt England noch jährlich aus 
den übrigen Häfen, und ebenso viel beträgt 
der Löwenanlheil, den die Stadt London für 
sich gebraucht. Davon werden 25 Millionen, 
also ein Viertel durch den Strassenhandel ab- 
sorbirt, die übrigen werden in den Fruchtlä- 
den u. s. w. abgesetzt. Von Citronen , die 
meistens von Sicilien bezogen werden , con- 
sumirt London jährlich 20 Millionen und 15 
Millionen Bündel Wasserkresse müssen helfen, 
denFrühslückstisch der Londoner Bevölkerung 
zu vervollständigen. 

(Nach Flore des Serres. — E. 0.) 



I. Originalabhandlunge d. 

1) Abgebildete Pflanzen. 

a) Stanhopca oculata Lindl. Var. crocea. 

(Hierzu Tafel 189.) 
Orchideae. 



Eine prächtige neue , aus Mexiko 
importirte Abart der bekannten Stanho- 
pea oculata, aber schöner als alle andern 
mir bekannten Formen, und ausgezeich- 
net durch Grösse der Blume und Reich- 
thum des Colorits ; die Sepalen sind breit- 
oval , 2 3 / 4 Zoll lang und 2 Zoll breit 
und wie die rückwärts geschlagenen Se- 
palen tief safrangelb und mit weinro- 
then Flecken gezeichnet. Ausserdem tra- 
gen die Sepalen am Grunde jedes noch ein 
grosses schwarzpurpurrothes Fleckchen. 
Lippe und Säule wie bei der Stammart, 
nur viel robuster , weiss , die Lippe mit 
augenförmigen dunkeln Flecken und das 
Vorderstück gelblich. — Ein mächtiges 
Exemplar dieser prächtigen Form, deren 
Färbung zwar an St. Wardii erinnert, 
aber viel leuchtendere tiefere Farbentöne 
besitzt, blühete im Juni mit 6 Blüthen- 
trauben zugleich. 



Gern gestehen wir, dass wir zuerst 
in Verlegenheit waren, welcher Art wir 
unsere Pflanze als Form anreihen soll- 
ten. Die Unterschiede (Länge der Brac- 
teen, Bildung des untern Theils der 
Lippe), welche St. oculata von den ver- 
wandten Arten unterscheiden , sie sind 
so unbedeutend, dass sie selbst, wenn 
lebende Pflanzen zur Vergleichung zu 
Gebote stehen , gesucht werden müssen. 
Wir massen uns nicht an , über den 
Werth oder den Unwerth dieser Arten 
zu entscheiden, aber ein Factum ist es, 
dass sie von Herrn Lindley aufgestellt 
oder festgehalten werden , dem glei- 
chen Manne, der Aegilops mit dem Wei- 
zen vereinigen wollte. Ist das Conse- 
quenz? (E. R.) 



b) Robinia inermis pyramidalis. 

(Siehe Taf. 190.) 



Wir geben hier die Abbildung eines 
Baumes, welcher für unsere Pracht-Lust- 
IV. 1857. 



gärten von grösstem Interesse ist , eine 
Pyramidenförmige Akazie im 

7 



98 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Garten des Herrn C. Schickler in Stutt- 
gart , nach der Natur gezeichnet. 

Die Abkunft dieses Baumes, eines 
■wahren Schatzes für die Landschafts- 
gärtnerei ist uns unbekannt, wahrschein- 
lich durch irgend einen Zufall aus Sa- 
men gewonnen und lange nicht beach- 
tet worden. 

Er bildet von Natur eine Pyramide 
von 40 Fuss Höhe , ohne jemals durch 
das Messer geformt worden zu sein. 

Seine schlanken Aeste stehen in schö- 
ner unregelmässiger Haltung fast verti- 
cal am Stamme, werden wie ein Rohr 
vom leichtesten Winde gebogen und sind 
von einer Elasticität, dass sie den stärk- 
sten Stürmen trotzen können. — 

Die Zweige sind beinahe dornenlos, 



hellbraun, glatt, zahlreich überhängend 
und dicht belaubt ; die Blätter stehen 
an dünnen, grünen Stielen und sind mit 
15 — 17 entgegengesetzten eirunden, hei- 
grünen Blättchen gefiedert. 

Zur Blüthe kam dieser schöne Baum, 
welchen wir 

Robinia inermis pyramidalis 

bezeichnen, bis jetzt noch nicht, unge- 
achtet der Frost keinerlei nachtheiligen 
Einfluss auf ihn hat. 

Ohne Zweifel gedeiht diese Spielart 
in jedem, besser aber in gutem, massig 
feuchtem Boden ; man vermehrt sie durch 
Propfen oder Copuliren auf Wurzeln 
oder Stämmchen der gemeinen Akazie. 
C. Schickler ^in Stuttgart. 



£) Das Amarland und dessen Vegetation, mit besonderer Berück- 
sichtigung der Bäume und Sträueher, 

Nach den Berichten des Reisenden des Kais. Bot. Gartens zu St. Petersburg, 

Herrn Maximowicz. 



Seit 2 Jahren weilt der Reisende 
unseres Institutes an den Ufern des 
Amur , jenes mächtigen Stromes . der 
aus dem mittleren östlichen Asien, an 
der Nordgränze Chinas in den Ocean 
tritt und in der Kriegs - Geschichte der 
neueren Zeit oft genannt worden ist. 

Es ist jenes Land für den Botaniker 
noch fast unbekannt gewesen , und nur 
Bruchstücke aus dem Stromgebiet des- 
selben sind uns durch Pallas und Tur- 
czoniuow bekannt geworden. Jetzt aber 
werden wir bald genaue Berichte über 
die Vegetation des Amurgebietes be- 
kommen, da auch noch 2 andere Natur- 
forscher , Herr Maak und Schrenk das- 
selbe in neuester Zeit bereist haben und 
deren Sammlungen theils schon in Pe- 



tersburg sind, theils bald hieher kommen 
werden. 

Das Klima des Amur-Gebietes in der 
Nähe der Küste ist rauher und kälter, 
als das des oberen Stromgebietes. Der 
Winter scheint kalt und lang zu sein, 
denn es steigt die Kälte bis auf — 30° 
R. Nach dem, was sich aus dem Vor- 
kommen der in dortiger Gegend von 
schon länger bekannten Pflanzen - Arten 
schliessen lässt, dürften alle Pflanzen, 
welche von dort eingeführt werden, in 
unsern Gärten hart und dauerhaft sein. 
Namentlich ist die Aussicht da, dass wir 
von dort aus eine Menge schöner Bäume 
und Sträncher in Cultur bekommen dürf- 
ten. 

Die Flora ist deshalb höchst interes- 



I. Originalabhandlungen. 



99 



sant, weil sie gleichsam ein Bindeglied 
zwischen der alten und neuen Welt 
bildet. Nicht blos hier hat die ganze 
Physiognomie der Flora eine auffallende 
Aehnlichkeit mit der Nordamerika^, son- 
dern es treten sogar von dort viele Ar- 
ten vollständig über. Ausserdem nimmt 
sie Pflanzen aus dem benachbarten Ja- 
pan und China , aus Davurien , aus Si- 
birien und den nördlicheren Theilen 
der Gebirge Ostindiens neben vielen 
diesem Lande eigenthümlichen Pflanzen- 
Formen in sich auf. — Wir lassen nun 
zwei Schilderungen von Maximowicz 
folgen , um dann noch einen Blick auf 
die Bäume und Sträucher zu werfen. 

1) Das untere Amurgebiet, nach 
Berichten von Maximowicz. 

Die Bai von Castris zeigt im Herbste 
eine spärliche Vegetation, da im Ganzen 
nur 17 Phanerogamen von unserm Rei- 
senden da aufgefunden wurden , und 
selbst die Ausbeute an Algen war un- 
bedeutend , da zur Herbstzeit die vom 
Lande wehenden Winde alles forttrei- 
ben. 

Viel reicher ist die Flora längs dem 
Amur , die Flussufer , Inseln etc. Ins 
Innere des Landes hinein zieht sich 
ein Plateau mit bis zu 2000 / hohen 
Gebirgsrücken. Gegen die Küste und 
die Flussufer hin fällt dasselbe in stei- 
len Abhängen und selbst Felswänden 
ab, während höher hinauf einzelne Ge- 
birgszüge bis an den Fluss herantreten. 
Zwischen sich lassen dieselben ein wei- 
tes Flachland offen, durch welches sich 
der Strom in vielen Armen und durch 
unzählige schon gebildete und noch in 
der Bildung begriffene Inseln durchwin- 
det. Seine Breite beträgt bis 50 Werst, 
von seiner Mündung oft bis 30 Werst. 
Ueberall um die Amurmündung dehnen 
sich Nadelwaldungen aus. Das Klima 



ist hier kalt, die Humusdecke dünn, und 
der Wald besteht aus Picea obovata, 
Larix sibirica mit Unterholz von Pinus 
Cembra ß. pumila. Erst in den Tun- 
dren des Plateaus wird Larix vorherr- 
schend. Die Bäume sind kümmerlich, 
krumm und kaum beindick, obgleich sie 
den Jahresringen nach ein hohes Alter 
zeigen. Nur da, wo sie auf tiefern Hu- 
mus und in mehr geschützten Lagen 
sich finden, erreichen die Stämme bis 
einen halben Fuss Durchmesser. Wäh- 
rend der Küste nach sich kaum Laub- 
holz entdecken lässt, mischen sich den 
Wäldern längs des Stromes Sorbus Au- 
cuparia und sambucifolia , Betula alba, 
Alnobetula fruticosa, Populus nigra und 
tremula bei. 

An den niedrigen Ufertheilen und 
sanften Abhängen finden sich lichte Ler- 
chenwaldungen , und auf Alluvialboden 
tritt gemischter Laubwald auf. Letzte- 
rer thut dem Auge ungemein wohl, nach- 
dem man lange nichts als jene ärmli- 
chen einförmigen Nadelwaldungen gese- 
hen hat. Wo weniger steile Abhänge 
mit Humus bekleidet sind, umsäumen 
an der Meeresküste Sorbus Aucuparia, 
Betula alba und davurica, Acer spica- 
tum, Sambucus racemosa den Nadelwald, 
und in Bachthälern gesellen sich Alnus 
incana und Pappeln hinzu. Am Amur 
finden sich ausser den genannten noch 
Prunus Padus, Quercus mongholica, 
Ulmen, Crataegus- undPyrus-Arten. Die 
gleichen Baumarten bilden auch den 
Laubwald , in welchem als Unterholz 
Corylus rostrataVar. mandschurica, Ru- 
bus Idaeus, Sambucus racemosa, Rosen 
und Spiraeen auftreten. Die Kräuter- 
vegetation der Waldungen ist sehr ein- 
förmig. Bald verdrängt Ledum palustre 
Var. latifolium alles Andere, bald wach- 
sen eingestreut in einen Teppich von 
Hypnum, Linnaea borealis, Cornus cana- 

7 * 



100 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



densis, Oxalis Acetosella, Equisetum syl- 
vaticum, Trientalis europaea, Pyrola se- 
cunda, Smilacina bifolia und andere, bald 
erscheinen an grasigem und lichteren 
Stellen Smilacina davurica und trifolia. 
Wo statt des Hypnum auf feuchtem Bo- 
den eine Sphagnumdecke auftritt, wu- 
chert Coptis trifoliata, Circaea alpina, 
Rhododendrum chrysanthum und selten 
durch den Wald zerstreut Goodiera re- 
pens, die schöne Listera Eschscholtzia- 
na, Chimophila umbellata, Pyrola chlo- 
rantha, Hypopytis multiflora und andere. 
An grösseren Waldbächen wachsen Ro- 
sen, Rihes, Ligularia sibirica , Polemo- 
nium caeruleum , Caltha palustris, Saxi- 
fraga punctata, Aconiten, Violen u. s. w. 
In Bergwaldungen sah ich Vaccinium 
Myrtillus, Listera cordata, Polypodium 
Phegopteris, grosse Colonien einer lila- 
farbenen Corydalis, Rhododendrum chry- 
santhum und Rubus Chamacmorus. An 
den steileren Abhängen bilden die herab- 
kriechenden Stämme von Pinus Cembra 
pumila, gemischt mit Rhododendrum 
chrysanthum ein fast undurchdringliches 
Gestrüpp, oder diese Anhänge bilden 
eine steinige kahle Fläche, auf der ein- 
zelne Pinus Cembra pumila auftreten 
und stellenweise Empetrum nigrum und 
Vaccinum Vitis Idaea den Boden beklei- 
den, während zwischen den Felsentrüm- 
mern Polypodium fragrans und Sedum 
cyaneum sich ansiedeln. Die Bergrücken 
selbst zeigen eine spärliche Vegetation 
von Saxifraga bronchialis, Sedum-Arten, 
Lichenen, Polypodium fragrans, zu de- 
nen sich mehr nach unten Umbilicus 
spinosus, Papaver nudicaule, eine gelbe 
Corydalis , Calystegia Sepium , Patrinia 
rupestris , Thymus serpyllum und Poly- 
podium vulgare gesellen. Wo einzelne 
Lerchen sich ansiedeln konnten, bedeckt 
Vaccinium Vitis Idaea den Boden und 
liefert den Eingeborenen eine reiche 



Erndte grosser Beeren für den Winter- 
vorrath. Wo noch mehr Wald sich bei- 
mischt, tritt Rhododendrum davuricum 
massenhaft auf. 

Ergiebiger an Pflanzen ist der Laub- 
holzsaum der Nadelwaldungen. Hier 
findet sich ein buntes Gemisch vieler 
Perennien, unter denen Lilium spectabile 
und Martagon , Sanguisorba tenuifolia, 
Veratrum album, Spiraea-Aruncus, Cimi- 
cifuga simplex, Actaeen, Clematis, Aco- 
niten und so ferner. An feuchten Ab- 
hängen sind Pedicularis resupinata, 
breitblätterige Seden und andere häufig. 
In grösseren Laubwaldungen kommt Xylo- 
steum Maximowiczii Ruprecht, Clematis, 
Thalictrum u. s, f. fort , nur an Bächen 
der Senecio palmatus, Polygonum-Arten 
u. s. f. 

Der Wald mit seinem Unterholz und 
seiner Kräutervegetation nimmt in jeder 
Vegetationsskizze , besonders aber in 
diesem Lande, das ein wahres Waldmeer 
genannt werden kann, die erste Stelle 
ein. Selbst die Sümpfe des Plateaus 
(Tundren) , haben nichts ähnliches mit 
denen des Hochnordens; denn sie sind 
nüt Lerchengestrüpp, Oxycoccos palustris, 
zwergartigen Weiden, Ledum palustre, 
Rubus Chamaemorus, Cossandra calycu- 
lata und Pedicularis bekleidet. Selbst die 
nicht mit Wald bedeckte Landstrecke über- 
zieht ein niedriges Gestrüpp, zwischen dem 
selten Antennaria margaritacea, dioica und 
andere. In der Nähe des Flusses wird 
dieses Gestrüpp höher und setzt sich 
aus einzelnen der genannten Laubbäume 
und zahlreichen Sträuchern zusammen. 
Wiesen, wie sie das nördliche Europa 
hat , suchte ich hier vergebens ; denn 
das aufgeschwemmte Flachland bedeckt 
sich mit mannshohem Elymus und Cala- 
magrostis , zwischen denen Epilobium 
angustifolium, Polygonum Bistorta, Arte- 



L Originalabhandlungen. 



101 



misien und als Charakterpflanze Stel- 
laria radians wächst. 

Auf der Fluth ausgesetzten Dünen 
wachsen Honckeneya peploides , Glaux 
maritima, Salicornia herbacea, Triglochin 
maritimum und Potentilla anserina. Da 
wo die Eingeborenen sich anbauen, sie- 
deln sich Artemisia vulgaris (welche 
den Gillaken ebenso begleitet , wie Bu- 
nias orientalis den Kosaken), und Urtica 
dioica an. Aus den letztern bereiten die 
Eingebornen Schnüre, die unsern Hanf- 
schnüren nicht an Güte nachgeben. Auch 
die gewöhnlichsten Schuttpflanzen, wie 
Capsella, Chenopodien und Geum urba- 
num siedeln sich in der Nachbarschaft 
der Jurten an. 

Wo der Fluss neue Inseln bildet und 
diese nur im Herbste über das Wasser 
treten , beginnen Weiden auf denselben 
zu wurzeln, die zugleich den beweglichen 
Boden festhalten. Wird die Insel höher 
und trockner , so zögert auch Calama- 
grostis mit der Ansiedlung nicht, aus 
dem festen Hinterhalt der Gesträuche 
der Fluth immer mehr Terrain abzuge- 
winnen. Nur wo ruhiges Wasser ist, 
umsäumen sich solche Wasserwiesen 
"mit Polygonum , Chenopodium album, 
Scirpus, Equisetum und Anderen, und 
zwischen den Weiden wächst Beckman- 
nia cruciformis und ein Panicum mas- 
senhaft. Sobald die Insel sich höher 
hebt und trockener wird, verschwindet 
Calamagrostis , der Wind führt wellige 
Dünen auf, auf denen Corispermum, Oro- 
bane^en, Artemisien und Astern gedei- 
hen, oder die Insel wird da , wo Sträu- 
cher dieselbe besetzt halten, in Laub- 
holzgebüsche verwandelt. Die Stelle 
unserer Grassümpfe vertreten längs des 
Amur Calamagrostiswiesen, zwischen de- 
nen Cicuten, Sium, Comarum palustre 
und eine Gentiana, die der G. Pneumo- 
nanthe ähnlich, wächst. Von Seen be- 



suchte ich bis jetzt nur denKisisee, der 
von hohen Ufern umgeben ist. An ei- 
nen kleinen See des Cap Tschchickrach 
wächst auf schwarzem Moorboden Sim- 
plocarpus kamtschaticus , Lobelia sessi- 
lifolia , ein grosses Farrcn und andere. 
Am Amurufer selbst in flachen ruhigen 
Buchten ist Limnanthemum nymphaeoi- 
des, Ranunculus aquatilis , Potamogeton 
spec. häufig. — 

2) Das obere Amurgebiet, nach 
Berichten von Maximowicz. 

Am 24. Juni 1855 reiste ich zu- 
gleich mit Schrenk von Kisi ab , hielt 
mich am rechten Amur-Ufer , als dem 
interessanteren und erreichte am 31. Juli 
die Mündung des Ussuri, welche ich in 
etwa 700 Werst Entfernung von Kisi 
setzen muss, wenn man, gleich mir, allen 
Krümmungen der Flussufer folgen muss. 
Anfangs , am linken Ufer bis etwa zum 
Garin, am rechten bis über den Chungar 
hinaus , sind die Ufer im Allgemeinen 
hoch und in der Entfernung sieht man 
überall Bergrücken von ansehnlicher 
Höhe verlaufen; höher hinauf dagegen 
ist das linke Ufer flach und selbst in 
der Ferne selten von Bergen begrenzt, 
während längs dem rechten in ziemli- 
cher Nähe waldige Berge streichen, die 
von Zeit zu Zeit an den Fluss treten 
und felsige Vorgebirge bilden. Mit dem 
Zurücktreten der Berge ändert sich we- 
sentlich der Charakter der Uferwälder, 
die Nadelhölzer und mit ihnen zumTheil 
auch Alnus glutinosa und incana , Alno- 
betula fruticosa Rupr. , ja selbst Sorbus 
Aucuparia verschwinden und sind nur 
noch auf den fernen Bergabhängen sicht- 
bar, während die ebenen Uferstrecken 
von schönen hochstämmigen Laubwäl- 
dern eingenommen sind ; nur an steilen 
Vorgebirgen auf der Nordfläche und 
den Gipfeln sieht man noch Nadelwald. 



102 



Gartenflora Deutschlands ond der Schweiz. 



Recht schön lässt sich das Auftreten neuer 
Baumformen verfolgen und oft genau der 
Ort ihres Beginnens angeben. In Kisi 
selbst scheinen ihre Nordgrenze zu er- 
reichen: ein Baum aus der Familie der 
Leguminosen , mit brauner , etwas ab- 
blätternder Rinde, weissgrünlichen Blü- 
then in dichten Trauben und einem 
mattgriinen fiederblätterigen Laube (Khtö- 
tolang bei den hiesigen Tungusenstäm- 
men, Maakia amurensis Eupr.) , in Kisi 
ohne Blüthen und klein , ein Acer (A. 
laetum C. A. M; y. parviflorum) ; eine 
strauchartige Araliacee mit polygami- 
schen gelblichen Blumen in Dolden und 
schwarzen saftigen Früchten, stacheligem 
Stamme , Hedera senticosa Rupr. , und 
ein kletternder Strauch mit wohlriechen- 
dem Holze , diöcischen wohlriechenden 
hellrothen Blumen und hängenden schar- 
lachrothen Beerentrauben (Kotzialtä" der 
Tungusen, Maximowiczia amurensisRupr.) 
Etwa 25 Werst oberhalb Kisi sah ich 
zum letzten Mal Juniperus nana , zum 
ersten Mal einen Taxus (Kindala, T. 
baccata L.) , der von nun an auf allen 
Gebirgen vorkommen soll, von wo ihn 
die Eingeborenen im Winter holen, um 
das harte braune Holz an die Chinesen 
zu Meubeln zu verkaufen; er soll einen 
grossen, bis 1 Fuss dicken Baum bilden, 
scheint aber reiner Gebirgsbaum zu sein, 
da ich ihn am Ufer nur selten und im- 
mer auf 'düstern hohen felsigen Vorge- 
birgen und klein gesehen habe. 30 
Werst höher, an einer sehr begünstig- 
ten Localität sah ich zuerst: einen Baum 
aus der Klasse der Rosiflorae, mit ein- 
griffeligen weissen Blüthen und schwarz- 
violetten erbsengrossen Steinfrüchten, 
hellbrauner, abblätternder, der Betula 
davurica ähnlicher Rinde (Ssikssengkovä, 
Prunus glandulifolia Rupr.); einen Ul- 
mus (Cbärrache bei den Eingeborenen) 
mit einem sehr grossen bürstig behaar- 



ten Blatte (Ulmus major Sm. ß. hetero- 
phylla) , hier nur noch in kleinen Bäu- 
men und wahrscheinlich nicht blühend, 
da ihn die Eingebornen mit Corylus ver- 
wechselten; er tritt in grösserer Menge 
erst oberhalb des Chungars auf. Fer- 
ner eine weissblüthige , fast geruchlose 
Syringa, ein grosser Strauch mit klei- 
nenabweichend gebauten Blüthen (Pireg- 
da), ein weissblüthiger geruchloser Phi- 
ladelphus (Ph. coronarius L.), eine Vi- 
tis, die ich aber erst etwa 100 Werste höher 
mit reinen blauschwarzen Früchten fand, 
die vom Chungar an alle Laubwälder 
erfüllt. Noch 25 Werst höher tritt zu- 
erst unsere Tilia cordata Mill. (Kilda) 
auf , und bald darauf erscheinen die er- 
sten baumartigen Pinus Cembra-Bäume, 
die von nun an in keinem Nadelwalde 
fehlen und namentlich an den Bergab- 
hängen Stämme von 3 — 4 Fuss Dicke 
liefern. Die sibirische Ceder bildet hier 
das einzige Holz, aus dem sich die Ein- 
geborenen ihre Boote anfertigen; das 
Flachboot eines chinesischen Kaufmanns, 
das ich sah, hatte als Boden ein einzi- 
ges Brett von 3' Breite und acht Faden 
Länge; es soll aber Bretter von 9 1 /» 
Faden geben. Ferner treten hier auf: 
ein schöner Acer (A. tegraentosum Rupr., 
Moktscheld der Eingebornen) ; ein nieder- 
liegender Strauch mit weithin kriechenden 
ruthenförmigen Aesten , weissen , sehr 
wohlriechenden Blüthen und (blauen?) 
essbaren elliptischen Früchten (Kalomik- 
ta, Kalomikta mandschurica Rgl.); ein 
schöner Evonymus mit 4üügeligen rothen 
Früchten (E. latifolius), beide mehr in 
Nadelwäldern ; ein kleiner Acer (Gfn- 
nala, Acer tataricum L. ß. laciniatum) 
mit sehr zugespitzten Blättern und Evo- 
nymus europaeus. Diese beiden auf 
sonnigen Stellen auf Sandboden. Zu 
beiden Seiten des Garin und eine weite 
Strecke am rechten Ufer hin, kommt 



I. Originalabhandlangen. 



103 



eine unterhalb noch nicht beobachtete 
Picea (Djächla oder Dsjächta) vor (Picea 
obovata Ledeb.), deren genauere Ver- 
breitungsverhältnisse ich nicht ins Reine 
bringen konnte. Es ist ein düsterer 
Baum als Picea jezoensis, mit spärlicherm 
braunen Laube und bei altern Bäumen 
gefächert rissiger Rinde, fast in der Weise 
der Eschenrinde. Sorbus sambucifolia 
scheint hier zu verschwinden. Von hier 
an tritt ein kleiner Leguminosenstrauch 
mit gedreiten Blättern und rothen Blu- 
men auf, der je höher hinauf desto 
häufiger wird (Lespedeza bicolor Turz.). 
Die am untern Amur nicht seltenen 
Bäume : ein kleinblätteriger Ulmus (Müs- 
sigda, Ulmus glabra Mill.) und ein 
Fraxinus (Sse'nagda oder Che'wagda) wer- 
den hier häufiger, ersterer bildet in der 
Nähe des Chungar grosse Gehölze mit 
hohen bis 3' dicken Stämmen. Zwi- 
schen den Dörfern Dzifa und Dzongdo, 
15 Werst unterhalb der Chungar -Mün- 
dung ist die Nordgrenze einer hiesigen 
Juglans Art (Kotzoa, Juglans mand- 
schurica Rupr. et Maxim.) , gegenüber 
am linken Ufer , beim Dorfe Oxymay 
erreicht der Kohchto-Baum, dessen Rinde 
überall am Amur den Kork ersetzt, seine 
Grenze, er kommt nur selten und krüp- 
pelhaft vor. Es ist ein etwa 50' hoher 
schlanker Baum mit kleiner Krone, ge- 
fiederten wohlriechenden Blättern und fünf- 
fächerigen erbs engrossen Früchten in 
armblüthigen Trugdolden. Am rechten 
Ufer sah ich ihn zum ersten Mal , erst 
etwa 75 Werst weiter beim Dorfe Dschare. 
In dieser Gegend wird auch ein diöci- 
scher Rhamnus (Rh. davurica Pall.), der 
einen ansehnlichen Baum liefert, von 
bis einen halben Fuss Dicke und etwa 
30' Höhe, zuerst angetroffen und von 
nun an in Laubwäldern häufig. Der 
Laubwald, der nun ausschliesslich herrscht, 
besteht zumeist aus Fraxinus, Quercus, 



Ulmen, Betula alba, Populus tremula 
(bis 3 y Dicke \) Acer - Arten , Juglans, 
Kohchto, einer breitblätterigen Salix, 
Rhamnus mit eingestreuten Pinus Cem- 
bra ; das Unterholz ist ausnehmend dicht 
und wird hauptsächlich von Corylus 
rostrata Ait. ß. mandschurica und einer 
Araliaceae gebildet, zu denen sich an 
lichten Stellen Syringa hinzugesellt. 
An sonnigen, wenig bewaldeten, felsigen 
Stellen trifft man Evonymus verrucosus. 
Etwa 125 Werst höher als die Chunga- 
rimündung, beim Dorfe Da tritt zuerst 
eine strauchartige Aralicee (Panax ses- 
siliflorum Rupr.) auf und eine weiter 
unten nur sehr seltene Betula, mit 
schwarzgrauer rissiger Rinde (Ze'kkbora, 
Betula davurica Pall.) wird häufiger. Am 
Nordabhange des Chöchzier - Gebirges, 
das das rechte Ufer des Ussuri an sei- 
ner Mündung bildet, allein mit grösserm 
Rechte noch zum Amurlande gezählt 
werden muss , sieht man wieder Nadel- 
wald (Pinus Cembra, Picea jezoensis, 
Abies, Larix), Alnus incana, Sorbus Au- 
cuparia , bis nahe ans Ufer vortreten, 
während an günstigem Stellen Betula 
davurica Pall. häufig ist. Ein neuer, 
kleiner, wunderschöner Baum von etwa 
20 Fuss Höhe aus der Familie der Ara- 
Iiaceen (Aralia mandschurica Rupr.) mit 
dreizählig gefiederten, zum Gipfel grös- 
ser werdenden Blättern, einfachem, durch 
die,Blattstielnarben stark geringten , fast 
gegliederten, stacheligen Stamme und zu- 
sammengesetzten, 1 / a Fuss langen, endstän- 
digen weissen Blüthensträussen, auftritt. 
Am Fusse desselben Gebirges sieht 
man endlich eine unserer Tilia grandi- 
folia entsprechende Linde (Tilia argen- 
tea H. Par.) Die Nordgrenze des er- 
wähnten Araliaceenbaumes , wird wohl 
etwa 50 Werst niedriger anzunehmen 
sein, wo ich ihn in seltenen und kleinen 
Exemplaren sah. — Nach einem drei- 



104 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



tägigen Aufenthalte an der Ussuri-Mün- 
dung gingen wir den Ussuri acht Tage lang 
aufwärts und machten, alle Krümmungen 
eingerechnet, etwa 150 Werst. Nach- 
dem wir das Chöchziergehirge passirt 
waren, d. h. ungefähr 15 Werst gemacht 
hatten, öffnete sich vor uns eine [unüber- 
sehbare Ebene, durch die sich derFluss 
ziemlich gerade nach Süden windet ; und 
nur am Horizonte Hess sich ein, in ge- 
rader Linie etwa 800 Werst entfernter 
Höhenzug (Oüa) sehen. Einen Tag lang 
fährt man durch ein einförmiges Sumpf- 
land, das häufigen Ueberschwemmungen 
ausgesetzt sein muss , darauf durch ein 
schönes Wiesenland mit darauf zerstreu- 
ten kleinen Laubwäldchen. Am 3ten 
Tage fuhren wir an der Mündung des 
reissenden kleinen Flusses Poor vorbei, 
erreichten nach 6 schwachen Tagerei- 
seisen den Bergzug Oüa, der aber recht 
weit vom rechten Ufer ^abseits liegt und 
nur in einen schmalen felsigen Cap an 
dasselbe vorspringt. Nach zwei Tage- 
reisen durch ein hügeliges und mehr 
bewaldetes Land kamen wir an ein zwei- 
tes Felskap Noor, von dem aus ich den 
Fluss sich vom Gebirge entfernen und 
erst nach einem weiten, durch ebenes 
Land führenden Bogen sich ihn wieder 
nähern sah. Der Mangel an Mitteln 
zur Weiterreise, die späte Jahreszeit, 
die Absicht noch den Chungar hinauf- 
zugehen, liess uns mit grossem Bedauern 
die Weiterreise aufgeben. Auf der von 
uns befahrenen Strecke gibt es nur 10 
Dörfer von 1 — 5 kleinen Jurten, so dass 
die Einwohnerzahl sich kaum über 150 
Seelen erheben wird. Die Mehrzahl sind 
Goldi, hier ein elendes , armes, von den 
chinesischen Kaufleuten ausgesogenes, 
und von den von Zeit zu Zeit herkom- 
menden Mandschu beraubtes und ge- 
knechtetds Volk. Ausser den Goldi sind 
recht viele Chinesen am Ussuri sesshaft, 



die sich mit Gartenzucht und Handel 
beschäftigen. Durch Ausfragen der Ein- 
gebornen und durch die Ansicht einer 
chinesischen'jKarte bei einem mandschu- 
rischen Beamten erfuhr ich , dass der 
Ussuri höher hinauf weit bevölkerter 
wird. Sieben starke Tagereisen oberhalb 
Noor (etwa 250 — 300 Werst) empfängt 
der Ussuri von rechts den etwa aus S.O. 
kommenden reissenden Fluss Erua, der 
von Chinesen und Orotschen (einem Tun- 
gusenstamme) bewohnt wird , und noch 
3 Tagereisen höher von links den aus 
S. W» kommenden Fluss Kengka , wäh- 
rend er selbst nach der Karte einen unge- 
fähr nach N. NO. gerichteten Lauf hat. Man 
hat 5 Tagereisen den K&igka hinauf zu 
machen, um an den 3 Tagereisen lan- 
gen, 10 Tagereisen im Umfang haben- 
benden See Kdngka talga zu gelangen. — 
Am oberen Laufe des Ussuri soll eine 
recht dichte, goldisch - chinesische Be- 
völkerung sein. — Was nun die Vege- 
tation "anbelangt , so ist sie in dem un- 
tersten sumpfigen Theile wenig verschie- 
den von der der Amur-Inseln. Polygo- 
na ertheilen der Fläche Werstenweit 
das Ansehen blühender Buchweizenfel- 
der, eine sehr häufige Pflanze ist auch 
Sium latifolium. Das Wiesenland hat 
manneshohe schöne Gräser, zahlreiche 
Aster , Cacalia hastata, Paeonia, Thalic- 
tra, Saussureae, Cirsia , grosse Umbelli- 
feren, Alles durchflochten von verschie- 
denen Vicia-Arten, Calystegia sepium 
und Polygonum dumetorum ; die Wäld- 
chen bestehen zumeist aus Quercus mon- 
golica, Linden, Ulmus (Ulmus glabra ß, 
davurica) , Betula (Zekkbora) , Populus 
tremula, Fraxinus, mit eingestreuten Jug- 
lans und Kohchto -Bäumen. Während 
aber am Amur ein dichtes Unterholz 
vonCorylus, Aralien, Syringa, Philadel- 
phus, Sambucus, Loniceren etc. von Vi- 
tis, Clematis und vielen anderen Schling- 



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I I ab Niirtg 



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I. Originalabhandlnngen. 



105 



pflanzen , dem ohnedies schon dichten, 
mannigfaltigen Walde etwas wahrhaft 
Undurchdringliches gibt, fehlt hier in den 
immer lichten Wäldern das Unterholz 
so gut wie ganz. Corylus und Aralien 
sind Seltenheiten, und nur die kleine 
strauchartige Lespedeza juncea Pers. ist 
ungeheuer häufig; sie und eine weiss- 
blüthige hohe Aster sind wohl als Cha- 
rakterpflanzen der Wälder zu nennen. 
Von merkwürdigen neuen Pflanzen nenne 
ich nur eine sehr kleinfrüchtige Vitis, 
und eine am Amur von mir nicht vorge- 
fundene Art von Pyrus (Pyrus ussurien- 
sis Rupr. et Maxim.) mit fast einem Zoll 
im Durchmesser haltenden essbaren 
Aepfeln. — Alle Chinesen und sogar 
alle Goldi am Ussuri besitzen Gemüse- 
gärten, die, je weiter den Fluss hinauf, 
desto bedeutender werden. Gurken, 
Kürbisse, Bohnen (Phaseolus vulgaris ?) 
cultivirt Jedermann, sehr häufig auch 
Mais, Capsicum annuum, Allium Porrum 
und andere Arten, eine Art Brassica mit 
krausem, grossen, kohlähnlichen Blatte, 
seltener schon Wassermelonen, Kartof- 
feln, Solanum Melongena fr. purpur., 
Hordeum vulgare und ein fadenhohes 
Sorghum, das eine grobkörnige röthliche 
Grütze lieferte. — Im Grossen culti- 
virt man nur den Taback. — Alle 
diese Pflanzen gedeihen aufs Ueppigste 
in einem Boden , der keine andere Be- 
arbeitung als die mit der Hacke kennt 
und nie gedüngt wird. Und ein solcher 
Boden ist am Ussuri fast überall. — 

Am 17. August kamen vvir wieder 
zur Mündung des Ussuri und am 19. 
traten wir unsere Rückreise an, indem 
wir dem linken, uns noch unbekannten 
Ufer des Amur folgten. Es erwies sich 
jedoch bald, dass ich für meinen Theil 
meinen Weg schlecht gewählt hatte. 
Das linke Ufer ist durchweg flach und 
sumpfig, von Flussarmen und Buchten 



zerschnitten , und von sehr geringem 
botanischen Interesse. Keiner der in- 
teressanten Bäume und Sträucher, die das 
rechte Ufer bedecken, ist in diesem Wei- 
den- und Grasterrain sichtbar, und der 
einzige interessante Baum, den ich hier 
sah, ist die Populus suaveolens. So 
gingen mir denn die Samen manches 
interessanten Baumes verloren. Dazu 
kam nun noch das Unglück, dass einer 
meiner zwei Ruderer schwer an der Ruhr 
erkrankte und ich dadurch genöthigt 
wurde, den Chungar aufzugeben und 
rasch nach Kisi zu eilen. Am 4. Sep- 
tember traf ich in Kisi ein. Das Re- 
sultat meiner Reise muss ich im Ganzen 
ein sehr befriedigendes nennen. Ich habe 
ein, nach den Mitteln, recht ansehnliches 
Herbar in zahlreichen Exemplaren und 
von den meisten Bäumen die Stämme mit- 
gebracht und mich so eingerichtet, dass 
alle fehlenden am untern Amur gesam- 
melt werden können. — 

Soweit unser Reisender, nun noch 
einige Worte über die Bäume und Sträu- 
cher des Amurlandes. Herr Maximo- 
wicz hat dort die Sträucher recht gut 
untersucht und beschrieben. Bei der 
sehr schwierigen Communikation wusste 
er im Mai dieses Jahres nur vom Tode 
C. A. Meyers, nichts aber von den An- 
stellungen im hiesigen Institute. Er 
sandte daher ein Päckchen eingelegter 
Sträucher und Bäume nebst dem dazu 
gehörigen Manuscript an Herrn Ruprecht, 
der dieses nun veröffentlicht hat. Da 
wir nun hoffen dürfen, diese Sträu- 
cher und Bäume bald in Cultur einzu- 
führen , so geben wir hier noch einen 
kurzen Ueberblick desjenigen Materials, 
was uns in Händen liegt. 

1) Maximowiczia amurensis Rupr. Eine 
Schlingpflanze aus der Familie der Schiz- 
andraceen, mit blass rosarothen Blumen 
und säuerlichen scharlachrothen Beeren. 



106 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



2) Tilia cor data Bill. (T. parvifolia 
Ehrh.). 

3) Tilia argentea Hort. Par. Herr 
Ruprecht beschrieb diese, wie alle die 
folgenden Neuheiten in dem Bulletin der 
hiesigen Akademie, als T. mandschurica. 

4) Acer spicatum Lam., durch Ru- 
precht als A. Dedyle beschrieben. 

5) A. tataricum L. ß. laciniatum, 
als A. Ginnala von Ruprecht beschrie- 
ben. 

6) Acer tegmentosum Eupr. et Max. 
Dem A. pensylvanicum durchaus ähn- 
lich, aber Blätter durchaus kahl. Wohl 
nur eine glatte Form des letzteren. 

7) A. laetum CA. M. ß. parviflo- 
rum. Mit Unrecht vereint Ledebour Fl. 
ross. den A. laetum mit A. Lobelii Ten. 
Die Pflanze des Amur nennt Ruprecht 
A. Mono , sie fällt aber nebst A. trun- 
catum Bunge als Form zu A. laetum. 

8) Evonymus europaeus L. 

9) E. verrucosus. 

10) E. latifolius. 

11) Ehamnus davurica Patt. Ein 
bis 30' hoher Baum mit J / 4 Fuss dickem 
Stamme. Rinde rissig. Blätter läng- 
lich elliptisch. Blüthen grünlich , zwei- 
häusig. 

12) Juglans mandschurica Eupr. et 
Max. Eine neue Wallnuss mit längli- 
chen Nüssen. 

13) Maakia amurcnsis Eupr. Baum 
aus der Familie der Leguminosen, zu- 
nächst mit Virgilia verwandt. 

14) Lespedeza juncea L. Ein klei- 
ner nur 2 Fuss hoher Strauch aus der 
Familie der Leguminosen. 

15) Lespedeza bicolor Turcz. 3 Fuss 
hoher Strauch, mit rothen zierlichen 
Blumen. 

16) Kalomikta mandschurica Egl. 
Eine neue Gattung, die zu den Tiliaceen 
gehört. Von Ruprecht als Prunus Kalo- 
mikta beschrieben. Niedriger Baum oder 



Strauch, mit einer Linde ähnlichen, aus 
herzförmigem Grunde ovalen Blättern. 
Blüthen weiss, wohlriechend. Frucht 
elliptisch eiförmig, mit zahlreichen Nar- 
ben gekrönt. 

17) Prunus glandulifolia Eupr., und 

18) P. Maximowiczii Eupr. Zwei 
neue Prunus. 

19) Crataegus pinnatifida Bunge. 
Ein 15 Fuss hoher, dorniger, knorriger 
Strauch, ähnlich dem Crataegus mono- 
gyna. 

20) Crataegus sanguinea Pall. ß t 
villosa. 

21) Pyrus baccata L. ß. leiostyla. 

22) Pyrus ussuriensis Eupr. et Max. 
Neuer Pyrus von der Tracht des P.Ma- 
lus, mit sehr spitzen Sägezähnen des 
Blattrandes. 

23) Sorbus sambucifolia Cham, et 
Schi. Kleiner, kaum 5 Fuss hoher Strauch, 
mit weissen Blumen und zinnoberrothen 
Früchten. 

24) Sorbus Aucuparia L. 

25) Philadelphus coronarius L. Von 
Ruprecht als P. tenuifolius beschrieben. 
Ganz der gewöhnliche Philadelphus, 
Blumen sollen aber geruchlos sein. 

26) Panax sessiliflorum Eupr. Ein 
schöner neuer Panax mit zu Öfingerför- 
mig-, auf einem allgemeinen Blattstiel 
stehenden Blättchen, bedornten Aesten. 
Blumen schmutzig-braun. Blühet schon 
bei 2 Fuss Höhe, wird aber bis 10 Fuss 
hoch. 

27) Hedera senticosa Eupr. Ein 15 — 
20' hoher bedornter Strauch. Blätter 
fingerförmig fünfblätterig. Blumen in 
Dolden. 

28) Aralia mandschurica L. Tracht 
der A.spinosa, aber Blumen und Früchte 
dreimal kleiner. 

29) Viscum album L. 

30) Evonymus Thunbergianus Bl. 
Eine durch seine eigentümlichen Früchte 



I. Originalabhandlungen. 



107 



sehr ausgezeichnete Art. Die Frucht 
ist ihrer Anlage nach 4klappig und -Hap- 
pig. Von diesen Klappen wachsen spä- 
ter 1 — 4 in lange Carpellartige Fort- 
sätze aus, so dass die Frucht an eine 
Ranunculaceae erinnern würde , wenn 
nicht der eine Griffel in der Mitte zwi- 
schen den Klappen stände. 

31) Lonicera coerulea L. 

32) L. Xylosteum L. ß. chrysäntha. 
(L. chrysantha Turcz.) Eine von un- 
serer L. Xylosteum durch länger gestreckte 
zugespitzte Blätter abweichende Form. 
Von Ruprecht als L. gibbiflora beschrie- 
ben. 

33) L. (Xylosteum) Maximowiczii 
Rupr. Ein 10 Fuss hoher Strauch mit 
schmutzig rosenrothen Blumen. 

34) Corylus rostrala Ait. ß. mandschu- 
rica. Form mit etwas tiefer gelappten, 
stärker gespitzten Blättern. (C. mand- 
schurica Rupr.) 

35) Quercus mongolica Fisch. Ein 
schöner, 50' hoher Baum. 



36) Populus suaveolens Fisch. Diese 
schöne Pappel ist in den hiesigen Gär- 
ten schon häufig angepflanzt. Sie ähnelt 
der Balsam - Pappel und blühet roth. 

37) P. tremula L. 

38) Ulmus glabra L. 

39) ü. major Sm. Var. heterophylla. 

40) Alnobetula fruticosa Rupr. 

41) A. incana ß. hirsuta Turcz. 

42) Betula davurica Fall. Vollkom- 
men mit dieser übereinstimmend B. Maxi- 
mowiczii Rupr. 

43) Betula alba L. 

44) Picea Pichta Fisch. In Peters- 
burger Gärten schon häufig angepflanzt. 

45) Larix dahurica Turcz. 

46) Abies ajanansis Midd. 

47) A. obovata Ledeb. 

48) Pinus Cembra L. a. pumila Fall. 

49) F. Cembra L. ß. excelsa Max. 

50) Juniperus davurica Pall. 

51) J. communis L. \ 

52) Taxus baccata L. 



3) Reisenotizen In einem Briefe an Herrn Dr. Regel. 



Die vielen Arbeiten, die meiner war- 
teten, als ich nach einer sechswöcbent- 
Mchen Abwesenheit wieder nach Hause 
kam, machen mir es erst heute möglich, 
Dir Einiges von meiner Reise zu erzäh- 
len. Ich unternahm dieselbe in Beglei- 
tung zweier Freunde, der Herren Raths- 
herr P. Merian und Professor Escher 
von der Linth ; Du weisst , dass beide 
mit grosser Ueberlegenheit den geologi- 
schen Hammer schwingen und so musste 
ich, mich ihrer Uebermacht fügend, den 
Botaniker zu Hause lassen; will aber 
zu ihrer Entschuldigung das Bekenntniss 
Dir nicht vorenthalten, dass auch ich 
von vorneherein palaeontologische Stu- 



dien zum Hauptzweck meiner Reise mir 
gesetzt hatte. Es ist nöthig, dies Dir 
zum Voraus zu sagen , weil Du sonst 
von einer Reise in das ferne Donaureich 
und das schöne Italien vielleicht einen 
viel Interessantes und Neues enthalten- 
den Bericht erwartest und Dich dann 
offenbar sehr getäuscht finden müsstest; 
denn Du wirst jedenfalls wünschen, dass 
ich Dir nur von der lebenden und immer 
fort und fort sich verjüngenden Pflan- 
zenwelt erzähle, nicht aber von den 
dunklen Pflanzenbildern , welche vor 
längst vergangenen Zeiten in die Felsen 
gelegt wurden. Gleich auf der ersten 
Station freilich, nemlich in München, wo- 



108 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



hin uns die Eisenbahn in schnellem 
Fluge gebracht hatte, hätte ich Dir viel 
Schönes von den Letzteren zu erzählen, 
denn die Sammlung von Keuper und 
Solenhofer Pflanzen im öffentlichen Mu- 
seum enthält ausgezeichnet schöne und 
interressante Pflanzen und die zahlrei- 
chen prächtigen Farren, Cycadeen und 
Cypressen müssen auch dem Nichtken- 
ner imponiren , obwohl diese Sammlung 
keineswegs geeignet ist, eine Uebersicht 
über die fossile Flora zu geben, da grosse 
Glieder derselben (so die so reiche und 
merkwürdige tertiäre Flora) fast ganz 
fehlen. Die Angelegenheiten des bota- 
nischen Gartens sind immer noch in ei- 
nem provisorischen Zustand. Der unge- 
heuere Glaspallast, mit seinen leeren, 
öden Räumen , hat sich wie ein gigan- 
tisches Schmarotzergewächs in den Gar- 
ten gesetzt und die Gewächshäuser aus 
demselben verdrängt. Trauernd stehen 
die vielen schönen Pflanzen in kleine 
Häuser zusammengedrängt, in einem be- 
nachbarten Garten. Doch auch in die- 
ser Umgebung betrachten wir mit freu- 
digem Staunen die prachtvolle Livistonia 
australis, die unstreitig zu den schönsten 
Fächerpalmen gehört und durch die lan- 
gen, schmalen, hängenden Blattlappen 
ein viel gefälligeres Ansehen bekommt 
als die Sabal umbraculifera, von welcher 
auch ein paar sehr grosse Exemplare 
vorhanden sind. In dem Haus mit Fett- 
pflanzen sind mir besonders sehr hohe 
und vielfach verästelte Exemplare von 
Aloe, namentlich von A. arborescens und 
A. disticha aufgefallen, welche fast die 
Grösse derjenigen erreichen, welche ich 
in den Gärten Madeiras sah und die dort 
mit ihren rothen Blüthentrauben bedeckt, 
mein Auge so oft erfreut hatten. Doch 
ich will nicht näher auf die Pflanzen- 
schätze dieses Gartens eingehen, da Dir 
dieselben ja aus eigener Anschauung 



wohl bekannt sind. Hoffen wir, dass 
derselbe bald wieder einen Director und 
einen eben so thätigen und umsichtigen 
Obergärtner erhalte, wie der selg. Wein- 
kauf war ; denn beide Stellen sind noch 
immer nicht besetzt. — Wir blieben 
vier Tage in München , die voraus der 
Betrachtung der so überaus reichen 
Kunstschätze gewidmet waren und fuh- 
ren dann nach Reichenhall und spä- 
ter über Ramsau nach Berchtesga- 
den. Wir blieben einige Tage in die- 
ser schönen Gebirgsgegend, die lebhaft 
an unser Schweizerland erinnert. Den 
Glanzpunkt derselben bildet der Königs- 
see; ein kleiner See, eingeklemmt zwi- 
schen hohe felsige Berge. Der Watz- 
mann steigt an der westlichen Seite in 
hohen Felswänden, ähnlich wie der 
Glärnisch , auf ; gegen Süden aber be- 
grenzt eine schön ausgezackte Berg- 
kette von der Stuhlwand bis Hechelwand 
den Horizont. Zwischen den nackten 
Felsen ziehen sich die dunklen Streifen 
des Tannwaldes , mit lichter grünen 
Lerchenbeständen wechselnd, bis zum 
dunkeblauen See hinab. Die Halbin- 
sel Kesselbach mit ihrem Wasserfall und 
Felsenschlucht , wie das freundliche St. 
Bartholome, das am Südende auftaucht, 
bringen einen anmuthigen Wechsel in 
den stillen Ernst der Landschaft. Ob- 
wohl der See nur in der montanen 
Region liegt, bekommt er durch die wild- 
romantische Umgebung einen subalpinen 
Charakter, welcher durch den fast gänz- 
lichen Mangel menschlicher Ansiedlun- 
gen, wie die Tracht der Vegetation, den 
Nadelholzwald , den schönen Bergahorn 
und die mit Alpenrosen bekleideten Fels- 
vorsprünge, gehoben wird. Die Wan- 
derung durch das einsame Thal zum 
See und die Fahrt auf demselben führte 
uns aus der lebenden Welt viele liebli- 
che Bilder vor; nicht minder beschäf- 



I. Originalabhandlungen. 



109 



tigte uns aber in Berchtesgaden die un- I bei der Ilsangmühle angebracht ist, 1218 
terirdische Natur. Berchtesgaden ist im 
Mittelpunkt des Salzgebirges, das östlich 
bei Hallein, nordwestlich bis Reichen- 
hall sich ausdehnt und sein Boden um- 
schliesst unermessliche Vorräthe dieses 
so wichtigen Minerals. Unter der freund- 
lichen Leitung des Herrn Oberbergraths 
Weisshaupt brachten wir vier Stunden 
unter der Erde zu, um die Wunder die- 
ser Salzwelt zu sehen. Das aus wei- 
chem , mergeligem Gestein bestehende 
Haselgebirg , welches dem Muschelkalk 
angehört, ist von festen Dolomitfelsen 
umschlossen. Ein schön gewölbter Gang 
führt in das Haselgebirg, das von einem 
sehr künstlich angelegten Netzwerk von 
Schachten durchzogen ist. Die Wände 
sind von weichen, braunschwarzen Thon- 
stücken gebildet, die von weichen, brec- 
cienartigen Massen umgeben sind, dazwi- 
schen liegt das Salz, bald mehr gleich- 
massig eingesprengt, bald mehr zu Schich- 
ten vereinigt, die als wunderbar gewun- 
dene , roth und weiss gemaserte Bänder 
und Streifen das dunkle Gestein durch- 
ziehen. An einer Stelle ist ein fast rei- 
ner, mächtiger Salzstock, so dass in der 
grossen Höhle alle Wände ringsum von 
den glitzernden Salzkry stallen erglänzen. 
Hier kann das Salz unmittelbar von der 
Wand gehauen und als Steinsalz ver- 
wendet werden, während es in den übri- 
gen Theilen des Bergwerks durch herzu- 
geleitetes Wasser ausgelaugt und aus die- 
sem Wasser dann ausgesotten wird. Durch 
diese Auslaugung entstehen die kleinen 
unterirdischen Salzseen und wenn diese 
abgelassen, die weiten, von Salzkrystal- 
len flimmernden Höhlen, weichte von Fa 



Fuss hoch hinaufgetrieben und von da nach 
Reichenhall geleitet. Hier wird es mit 
den dortigen Salzquellen gemischt und 
theils ausgesotten , theils aber durch 
eine grossartige Leitung nach Rosenhain 
gebracht, wo eine Siederei errichtet 
wurde. — Am 10. Sept. fuhren wir 
nach Salzburg hinaus, wo eben die Sän- 
gerwelt ihr grosses Erinnerungsfest an 
Mozart begangen hatte. Die Strasse 
führt anfangs durch eine waldige Ge- 
birgsgegend östlich von dem schönen 
Untersberge; dann breitet sich eine 
grosse Ebene aus, an deren Saume Salz- 
burg erscheint. Ein von Festungswerken 
gekrönter Fels von beträchtlicher Höhe, 
der aus der Ebene frei emporsteigt, deckt 
indessen den grössten Theil der Stadt, 
welche erst sich aufschliesst , wenn die 
Strasse sich um jene Felsenparthie herum- 
biegt. Ihr gegenüber liegt der Capu- 
zinerberg, der etwa 700 Fuss über das 
Thal sich erhebt, das die Salzach durch- 
strömt. In diesem Thal drin liegt die 
Stadt; eine Reihe ttstöckiger Häuser ist 
unmittelbar an die senkrecht aufsteigende 
Felswand angebaut, durch welche an 
einer Stelle ein Tunnel in die Ebene 
hinausführt. Auf der Festung, wie auf 
dem gegenüber liegenden Capuzinerberg 
geniesst man eine herrliche Aussicht. 
Besonders schön ist sie von dem letz- 
teren Stundpunkt, daher diese Höhe von 
Einheimischen und Fremden viel be- 
sucht wird. Die weite fruchtbare Thal- 
ebene ist nach Westen von den schö- 
nen Bergformen des Untersberges , des 
Lattenberges, Werktag- und Kugelber- 
ges bis zu den Staufen umsäumt, wäh- 



keln beleuchtet , zu [den Wundern des rend auf der östlichen Seite sie niedere 

Salzgebirges gehören. Nur ein Theil Hügelketten abgrenzen. Hätten wir 

des Salzwassers wird in Berchtesgaden statt der Salzach mit ihren sandigen 

ausgesotten; das übrige wird durch ein und von Gestrüpp überzogenen Ufern 

höchst merkwürdiges Pumpwerk, das einen blauen See und würden hinter den 



110 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



die nur allzueinförmige Ebene umgren- 
zenden Bergen, noch weisse Alpenrie- 
sen hervorschauen, hätten wir diese Land- 
schaft den schönsten und reizendsten zu- 
zuzählen. Wir erfreuten uns derselben 
im Francisci - Schlüssle in schönster 
Abendbeleuchtung und in gemüthlich- 
ster Stimmung. Auch auf der Strasse 
nach dem Fuchselsee, die anfangs stark 
ansteigt, hat man längere Zeit noch 
dieselbe schöne Landschaft vor sich, dann 
aber verschwindet dies Bild und die dun- 
klen Tannenwälder, die grünen Wiesen- 
gründe , welche nur stellenweise mit 
Roggen- und Gerstenäckern wechseln, 
deren Früchte noch nicht einmal reif 
waren , zeigten uns die höhere Gebirgs- 
gegend an. Gar lieblich ist St. Gilgen 
am Wolfgangsee gelegen. Ein schmaler 
kleiner See, an seinem nördlichen Ufer 
der Schafberg mit seiner vielgerühmten 
Aussicht, rechts aber , zwar nicht hohe, 
aber schön geformte Berge. Es erin- 
nerte mich dieser See lebhaft an den 
von Lowerz ; die Aehnlichkeit wurde 
noch grösser durch die übereinstimmende 
Vegetation, die hier ebenfalls eine Kalk- 
unterlage hat, welche wahrscheinlich stel- 
lenweise, ähnlich wie dort, von Wetterlö- 
chern durchzogen ist, welche den Boden 
im Sommer kühl erhalten. An solchen 
Stellen siedelt sich eine Colonie von 
Alpenpflanzen an. So am Lowerzersee, 
so auch hier. Ich sah da neben man- 
chen montanen Pflanzen , wie Astrantia 
major, Moehringia muscosa, Ranunculus 
lanuginosus , Euphrasia salisburgensis 
(welche indessen auch in Salzburg in 
der Stadt wächst und so mit Recht die- 
sen Namen trägt), Veronica urticaefolia, 
Campanula pusilla , Centaurea montana, 
Bellidiastrum Michelii , Erica herbacea, 
Valeriana tripteris, Sesleria coerulea, Ca- 
lamagrostis montana, auch mehrere ei- 
gentliche alpine und subalpine Pflan- 



zen, so die Alpenrose (Rhododendron 
hirsutum L.) , Arabis alpina , Adenosty- 
les alpina und Hieracium staticefo- 
lium. — Ganz fremdartig unter diesen 
Pflanzen kam mir aber der Helleborus 
niger L. vor, der in der Schweiz nur 
im Tessin und in ganz anderer Gesell- 
schaft sich findet. — So lieblich mir 
St. Gilgen und die Umgebungen des Wolf- 
gangsees vorkamen, so langweilig da- 
gegen der berühmte Badeort Ischl. Er 
mag als Mittelpunkt für interessante 
Ausflüge wohl gelegen sein , man be- 
greift aber doch nicht, warum nicht lie- 
ber Ebensee zum Badeorte gewählt 
wurde , das dieselben Soolbäder liefern 
könnte und am Fuss eines grünen, von 
prachtvollen Nussbäumen bedeckten Berg- 
abhanges unendlich viel schöner gele- 
gen ist. Ueberhaupt gehört der Traun- 
see, an dessen oberen Ende Eben- 
see liegt, zu den Glanzpunkten des 
Salzkammergutes. Aus dem blauen Ge- 
wässer erheben sich gegen Nordost wun- 
derschöne Bergformen , deren kahle, 
weissgraue Häupter in kühnen Zinken 
über die mit dunklem Wald bekleideten 
Abhänge emporsteigen ; so der dreiköpfige 
Spitzelstein, die schmale Felsenpyramide 
des hohen Kogls, der neben dem Kare- 
benberg hervortritt und die prächtige Ge- 
birgsmasse des Traunsteins. Die Berge 
sind zwar nicht hoch (keiner erreicht 
6000 F. u. M.) , aber auf sehr maleri- 
sche Weise gruppirt, so dass bei der 
Fahrt auf dem Dampfschiff nach Gmün- 
den eine Menge schöner Bilder sich ent- 
wickeln. Auf der Hälfte des Sees öff- 
net sich das Thal gegen Gmünden zu 
und es taucht dieses hübsche Städtchen 
mit seinen weissen Häusern und flachen 
Dächern gar lieblich am Ende des Sees 
auf. Der Blick von Gmünden aus auf 
den See kann einigermassen mit demje- 
nigen von Brunnen am Vierwaldstätter- 



I. Originalabhandlungen. 



111 



see verglichen werden. — Von Gmün- 
den brachte uns eine Art von Eisen- 
bahn, die erst kürzlich statt der Pferde 
Dampf erhalten hat , nach Linz hinaus 
und damit wieder ins ebene Land. Doch 
ist die Stadt von Hügelzügen umgeben 
und von der vielbesuchten Gartenwirt- 
schaft von Jägermaier, die auf einer 
Anhöhe gelegen , geniesst man eine 
schöne Aussicht auf das weite Donau- 
thal , das der Fluss in grossen Schlan- 
genwindungen durchzieht. Die Berge 
sind indessen schon in weite Fernen 
gerückt. — Am 13. April früh begaben 
wir uns auf das Dampfschiff Radetzky, 
das uns nach Wien bringen sollte. Die 
Donaufahrt bietet viel mehr Abwechs- 
lung dar als die auf der Rhone von 
Lyon nach Avignon und erinnert leb- 
haft an die auf dem Rhein von Mainz 
nach Köln« Bis Grein sind zwar die 
Ufer flach , dann aber reichen hohe fel- 
sige Hügel bis an den Fluss; unterhalb 
Grein bildet er eine Stromschnelle zwi- 
schen schönen zackigen Felsen und bald 
darauf einen gefährlichen Wirbel; hier 
und da liegen romantisch auf hohem 
Fels alte Burgen, so Aggstein und 
Dürrstein , in der unmittelbaren Nähe 
des Flusses; dann wieder freundliche 
Dörfer. Unterhalb des Städtchens Stein, 
wo die einzige Donaubrücke sich findet, 
werden die Ufer flach und erst in der 
Nähe von Nussdorf treten wieder Hügel- 
ketten an dieselben heran. Wie dieser 
Ort in der Ferne auftauchte, entstand 
grosse Bewegung in dem mit Leuten 
überfüllten Schiffe. Die Reisenden such- 
ten sich ihr Gepäck zusammen, fingen 
sich an zu gruppiren und drängten sich 
im Vordertheil desselben zu einem dich- 
ten Knäuel zusammen. Das Gedränge 
war gross, als wir endlich aussteigen 
konnten und das Gewühl am Ufer noch 
grösser. Nachdem die Gepäcknoth glück- 



lich überstanden und ein Fiaker gefun- 
den, ging es in dem langen Wagenzuge 
der grossen Stadt zu , die wir in einer 
halben Stunde erreichten. So waren 
wir denn glücklich in Wien angelangt. 
Ich verlebte hier 14 sehr lehrreiche 
Tage. Die erste Woche war hauptsäch- 
lich den Versammlungen der naturfor- 
schenden Gesellschaft gewidmet , die 
zweite aber dem Studium der Sammlun- 
gen, namentlich denen der geologischen 
Reichsanstalt, die auch von fossilen Pflan- 
zen reiche Schätze enthält. Es würde 
die Grenze einer Epistel weit überschrei- 
ten, wollte ich Dir darüber und von den 
Verhandlungen der Gesellschaft Bericht 
erstatten ; ich beschränke mich daher 
darauf, Dir in Kurzem die Gegenstände 
zu bezeichnen, welche zur Sprache ka- 
men , um so mehr , da ein ausführ- 
liches Referat über dieselben in dem Tag- 
blatt der Gesellschaft und neulich aus 
demselben in der Flora von Regensburg 
veröffentlicht wurde. Vorträge wurden 
gehalten: von Prof. Nägeli, welcher die 
Hauptresultate seiner mehrjährigen wich- 
tigen Untersuchungen über das Stär- 
kemehl mittheilte ; von Prof. Alex. 
Braun über einige microscopische Schma- 
rotzer , aus der Gattung Chytridium 
und über die Erzeugung von Keimen 
ohne vorangegangene Befruchtung, wo- 
für er die Celebogyne ilicifolia, eine 
australische Euphorbiacee anführte, die 
nur in weiblichen Exemplaren in den 
botanischdn Gärten und doch reife, keim- 
fähige Samen hervorbringt, aus welchen 
wieder weibliche Pflanzen sich entwickeln ; 
ferner über den Blüthenbau der Delphi- 
nien, bei welchen er 5 Blumenblätter 
annimmt, von denen aber nur Eins zur 
Entwicklung kommt; von Dr. Schultz 
Bipont : über die Stellung der Ambrosia- 
ceen*) im Systeme, die er zu den Ar» 
*) Da bei diesen die Ancheren frei sind, 



112 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



/ 



temisieen bringt; über Cirsien-Bastarde 
und die Bastarde der Schafgarben aus der 
Gruppe Ptarmica ; von Prof. Schnitzlein 
über Ophioglossum vulgatum , wobei er 
nachweist , dass es ein horizontal krie- 
chendes Rhizom besitzt , aus welchem 
mehrere Stengel sich erheben; von Dr. 
Sachs über Verdunstungsphänomene der 
Pflanzen ; von Dr. B. Seemann über die 
Cultur der Parasiten, wobei er mittheilt, 
dass es in Java gelungen sei, die Raf- 
flesia Arnoldi auf Cissus zu erziehen; 
Prof. Sendtner über die Beziehungen der 
Pflanze zu den Bodenverhältnissen; die 
lebhafte Discussion, die darüber sich 
entspann, zeigte, wie wenig die Botani- 
ker noch darüber einig sind , welchen 
Einfluss die chemischen und physikali- 
schen Eigenschaften des Bodens auf das 
Vorkommen und Gedeihen der Pflanzen 
ausüben; von Dr. S. Reisseck über die 
Bildungsgeschichte der Donauinseln im 
mittleren Laufe dieses Stromes, wobei 
er nachwies, wie anfangs die Weiden 
(Salix purpurea und riparia) und Tamarix- 
büsche sich auf dem nackten Kies an- 
siedeln , wie der Sand sich da anhäuft 
und allmählig die Kiesbank überzieht; 
wie dann die Erlen und Weisspappeln 
folgen und die Weiden verdrängend, 



während andrerseits auch noch bei anderen 
Familien ausser den Synantheren verwachsene 
Staubbeutel vorkommen , will er bekanntlich 
diesen allgemein angenommenen Namen ver- 
drängen und die Synantheren sollen nun Cas- 
siniaeeen heissen. Wollten wir aber dasselbe 
Verfahren auf die Namen der Arten, Gattungen 
und übrigen höheren Abtheilungen anwenden, 
■würde eine namenlose Verwirrung entstehen, 
da eine Unzahl von Namen geändert wer- 
den müsste. Wie viele 'derselben sind noch 
lange nicht so bezeichnend', wie der der Sy- 
nantheren, welcher einen Charakter ausdrückt, 
der wenigstens weit aus der Mehrzahl der Ar- 
ten zukommt. 



nach und nach einer mannigfaltigen Ve- 
getation den Boden zubereiten; von J. 
G. Beer über Fruchtformen, Samen und 
Keimung der Orchideen, wobei er zeigt, 
dass durch künstliche Befruchtung die 
Orchideen veranlasst werden, Früchte 
anzusetzen und keimfähige Samen zu er- 
zeugen. — Interessant wird Dir sein, 
zu vernehmen, dass in England Hens- 
low, wie Dr. Seemann mittheilte, einen 
Bastard von Triticum turgidum und Aegy- 
lops squarrosa erzog, welcher Deine An- 
sichten und Versuche in der Aegylops- 
Frage bestätigt, so dass diese Sache 
nun endlich als erledigt betrachtet wer- 
den darf. — Eine besondere Sitzung 
wurde bestimmt, um sich über die zweck- 
mässigste Methode der Beobachtungen 
über die periodischen Erscheinungen 
der Pflanzenwelt zu verständigen. Man 
einigte sich zunächst über die Pflanzen, 
welche für die Beobachtungen ausge- 
wählt werden sollen und bestimmte da- 
zu folgende : Acer platanoides L. , Aes- 
culus Hippocastanum L. , Berberis vul- 
garis L. , Catalpa syringaefolia Sims., 
Colchicum autumnale L., Convallaria ma- 
jalis L., Daphne Mezereum L. Fagus syl- 
vaticaL., Cornus mas. L., Fraxinus ex- 
celsior L. , Fritillaria imperialis L., 
Anemone hepatica L., Sommer und Win- 
tergerste , Levcojum vernum L. , Lilium 
candidum L. , Prunus avium L. und P. 
Padus L., Pyrus Malus L., Ribes gros- 
sularia R., R. rubrum L., Robinia Pseu- 
dacacia L. , Sambucus nigra L. , Winter 
und Sommer- Roggen, Sorbus aueuparia 
L., Syringa vulgaris L. , Tilia parvifolia 
Ehrh., Winterwaizen, Weinrebe. — Bei 
allen diesen soll erstens die Blüthezeit 
beobachtet und zwar der Zeitpunkt notirt 
werden, wo die erste Blüthe sich ent- 
faltet und der Blütenstaub hervortritt; 
dann aber auch der Zeitpunkt, wo die 
allgemeine Blüthe eintritt; zweitens der 



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I. Originalabhandlungen. 



113 



Eintritt der Fruchtreife, die erste reife 
Frucht ohne Wurmstich, und beim Ge- 
treide der Erndte Anfang; drittens, bei 
den Bäumen und Sträuchern der An- 
fang der Belaubung, nämlich das erste 
Sichtbarwerden der grünen Blattoberflä- 
che und dann die allgemeine Belaubung; 
viertens die allgemeine Laubverfärbung. 
Zu diesen Beobachtungen muss stets 
derselbe Baum oder die nämliche Gruppe 
von gleichartigen Gewächsen, die näm- 
liche Wiese, das nämliche Feld u. s, w. 
gewählt werden. Sollen diese Beobach- 
tungenvergleichbar werden, muss natür- 
lich auch die €jage der Beobachtungs- 
orte und ihre Höhe über Meer ange- 
geben werden. Wesentlich erhöht wird 
der Werth derselben, wenn zugleich ge- 
naue meteorologische Beobachtungen, 
namentlich über den Gang der Wärme, 
angestellt werden. 

Gegenstände, welche den Gartenbau 
speciell betrafen, kamen bei der Gesell- 
schaft nicht zur Verhandlung; der Gar- 
tenfreund fand aber dafür im Besuch 
der Gartenanlagen Entschädigung. Die 
grossartigste Anstalt der Art im Kaiser- 
staat ist bekanntlich der kaiserliche Gar- 
ten zu S c h ö n b r u n n. Er liegt 1 
Stunde von Wien entfernt, doch hat 
man zu jeder Zeit Gelegenheit dahin 
zu fahren. Schon die Lage des Gartens 
ist schön, wie denn Wien überhaupt 
wohl die einzige grosse Residenzstadt 
Europas ist, von welcher man in weni- 
gen Stunden an denFuss ziemlich hoher 
Berge (der Schneeberg ist 6500 F. u. M.) 
gelangen kann. Die Stadt liegt zwar 
in einer aus tertiärem Meeresboden ge- 
bildeten Ebene , steigt man aber auf 
den Stephansthurm , so sieht man ge- 
gen Westen hin einen ganzen Kranz 
von Hügeln und niedern Bergen , wäh- 
rend gegen Südosten der Blick sich in 
der unabsehbaren Ebene verliert. Am 

IV. 1857. 



Fusse jener Hügel und Berge, welche 
den weiteren Umgebungen der Stadt ei- 
nen hohen Reiz verleihen, sind die vie- 
len Anlagen entstanden, die von Wien 
aus häufig besucht werden. Die gross- 
artigste ist Schönhrunn, wo ein gros- 
ser (800,000 D Klafter haltender) Park 
das kaiserliche Schloss umgibt. Grosse 
Gewächshäuser, welche zusammen eine 
Länge von 1554 Fuss haben und Ge- 
bäude mannigfacher Art, welche die vie- 
len wilden Thiere beherbergen, die hier 
verpflegt werden, sind in den Anlagen 
vertheilt, in welchen Alleen und Grup- 
pen mächtiger Bäume mit Rasenplätzen 
und Blumenbeeten in freundlichster Weise 
abwechseln. Obwohl ich die Anstalt 
zweimal besuchte und mich der Führung 
des trefflichen Direktors, des Herrn Schott 
zu erfreuen hatte, konnte ich mir doch 
nur eine flüchtige Uebersicht verschaffen. 
Den Glanzpunkt bilden die Palmenhäu- 
ser und das Haus mit den Aroideen. 
Die Palmen sind in freien Grund ge- 
pflanzt und in grossen prächtigen Exem- 
plaren da , denen man es ansieht , dass 
sie schon seit einer langen Reihe von 
Jahren mit der grössten Sorgfalt hier ge- 
pflegt werden. Da sehen wir eine 
Arenga sacharifera mit mächtigen Blatt- 
fiedern, die bis an die Decke des circa 
20 Fuss hohen Hauses hinaufreichen. 
Die weisse Unterseite bringt einen wun- 
derschönen Contrast in das grüne Blät- 
terwerk; prächtige Büsche bildet die 
Phoenix reclinata, und Phoenix dactyli- 
fera reicht bis an die Decke hinauf ; auch 
Astrocarium Murumuru, mit dem schön 
geformten, eigenthümlich getheilten Blatt, 
Cocos comosa, C. lapidea, Phoenix spi- 
nosa und Elaeis zeigen uns die Fieder- 
palmen in schönen Formen , während 
die Sabal umbraculifera , Livistonia chi- 
nensis R. Br. (Latania borbonica Lam.) 
und die Livistonia rotundifolia (Corypha 

8 



114 



Gfartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



rotundifolia Lam.) ihre riesenhaften glän- 
zenden Blattfächer weithin aushreiten. 
Dazwischen stehen kleinere Palmen, wie 
Bactris macrantha, setosa, Thrinax parvi- 
folia Sw., Rhapis Sierazig, die zierlicher 
als Rh. flabelliforniis, Chamaedorea Lin- 
deniana mit reifen Früchten, Geonomen 
und Caryoten, aber auch schöne Farren, 
so die Didymochlaena pulcherrima mit 
dem eigenthümlich glänzenden Blatt, das 
Asplenium marginatum mit seinen auf- 
fallend grossen JBlattfiedern , Dicksonia 
rubiginosa in ungewöhnlicher Grösse, 
aber auch saftige Pfefferarten. — Hech- 
tien, Pourretien und Begonien füllen die 
Lücken aus, so dass das ganze Haus 
eine zusammenhängende , äusserst reich 
und üppig zusammengesetzte tropische 
Pflanzenmasse darstellt. Noch überra- 
schender ist aber der Blick in die nahe, 
durch eine Glaswand vom Palmenhause 
getrennte Abtheilung mit den Aroideen. 
Es dürfte wohl kaum eine Sammlung 
geben, wo diese seltsamen Gewächsfor- 
men in solcher üppigen Fülle und in 
solch' mannigfaltigen Formen gesehen 
werden. Das Bett ist mit faulem Holz 
und Steinen ausgefüllt und mit starken 
Baumstämmen von verschiedener Höhe 
besetzt. Beet und Baumstämme sind mit 
Aroideen bekleidet. Da sehen wir eine 
Xanthosoma Jacquinii Schott mit unge- 
mein grossem, dickem Stengel und mäch- 
tigen, herzpfeilförmigen Blattflächen auf 
dicken Stielen; ein wirklich riesenhaftes 
Philodendron giganteum , umschlungen 
von dem so buntblättrigen Cissus disco- 
lor ; das Anthurium Hookeri H. Ber., 
aus dessen glänzend grüner Blattfläche 
die hellfarbigen Nerven prächtig hervor- 
treten, während beim Anthurium pictura- 
tum rothe Flecken längs der Hauptrippe 
vertheilt sind und bei Homalomcna coeru- 
lescens ein eigenthürnl icher blauer Schim- 
mer die länglich herzförmige Blattfläche 



überzieht; ferner sehen wir die mächtig 
grosse Alocasia pubera und Colocasia 
macrorhiza Seh., das Anthurium crassi- 
nervium Schott (A. albocostatum Miq.), 
mit über zwei Fuss langem, von sehr 
dicken Rippen durchzogenem Blatt, das 
Anthurium amoenum mit eigenthümlich 
schwanenhalsartig gebogenem jungem 
Blatt; Philodendron bipinnatifidum y des- 
sen grosses Blatt in schmale Lappen ge- 
theilt ist u.a.m. Die sämmtlichen Pflan- 
zen dieses Hauses zeichnen sich durch 
ihr üppiges freudiges Gedeihen, durch 
die strotzende Fülle des saftig grünen 
Blattwerkes aus und gewähren durch ihren 
fremdartigen Wuchs, die sonderbaren 
Blattformen, die zum Theil gewundenen 
und rankenden Stengel, die mit Luftwur- 
zeln behangen sind , einen eigentümli- 
chen Anblick, und man sieht es dieser 
Sammlung an, dass sie die Lieblings- 
pflanzen des Direktors Schott einschliesst. 
Doch auch die übrigen Gewächshäuser 
enthalten sehr viel schöne und merkwür- 
dige Pflanzen, In dem grossen, aus 5 
Abtheilungen bestehenden Hause, das 
neben dem Eingang von der Hietzinger 
Allee her liegt , enthält eine Abtheilung 
prächtige Pandaneen; es sind viel ver- 
zweigte kleine Bäume von Pandanus syl- 
vestris Bory. von Pandamus odoratissi- 
mus, P. urilis und P. littoralis ; allerdings 
erreichen sie bei weitem nicht die Grösse 
der Bäume , wie man sie in den Gärten 
Maderas sieht, geben aber doch ein recht 
gutes Bild der sonderbaren Tracht die- 
ser Pflanzen ; — hier sah ich ferner ein 
schönes Exemplar der Phytelephas ma- 
crocarpa (welche das Pflanzen-Elfenbein 
liefert) mit schönen fächerförmigen und 
palmenartigen Blättern , sehr grosse 
Exemplare von Carolinea insignis, von 
Damara alba, rubricaulis , Clavija ornata 
u. s. w. ; eine zweite Abtheilung dieses 
Hauses enthält baumartige Farren und 



I. Originalabhandlnngen. 



lin 



Cycadeen, ansehnliche Stämme von Ci- 
botium, Balantium, Alsophila und An- 
giopteris . longifolia mit ungemein gros- 
sen, flach ausgebreiteten Blattkronen, 
dann einen blühenden Encephalartos 
caffer, den E. lonuginosus, Cycas circi- 
nalis u. s. w. ; eine dritte Abtheilung in 
Octogonform ist namentlich durch einen 
fast 7 Klafter hohen Podocarpus elon- 
gata geschmückt nnd von vielen schönen 
Myrtaceen und seltenen Quercus-Arten 
umgeben; eine vierte Abtheilung weist 
uns viele Berberis- und Hex- Arten und 
ein grosses (3 Fuss hohes) Balantium 
antarcticum. An dieses Haus lehnt sich 
ein weiteres grosses Warmhaus, welches 
viele Tropenbäume von zum Theil be- 
trächtlicher Grösse enthält. Da sehen 
wir ein hohes dicht verästeltes Exemplar 
der Araucaria brasiliensis , dann Spondias 
longifolia, Sideroxylon mastichodendron, 
Nephelium Longan, Pterospermum aceri- 
folium, Gastonia palmata Roxb. , grosse 
Astrapaeen und Crescentien und nament- 
lich zahlreiche Ficus-Arten, welche fast 
sämmtlich aus der zufällig aus Tropen- 
gegenden eingeführten Erde aufgegan- 
gen sind. Daneben haben wü' ein Kalt- 
haus , das grossentheils mit Neuhollän- 
dern und Cappflanzen gefüllt ist. 

Von den Pflanzen des freien Landes 
sind es vorzüglich die Bäume und die 
Alpenpflanzen, welche unsere Aufmerk- 
samkeit auf sich ziehen. Da die Gar- 
tenanlagen schon seit 100 Jahren be- 
stehen (der Garten wurde 1753 durch 
Franz I. gegründet), sind hier Bäume 
von seltener Grösse zu sehen, so ein 
Tulpenbaum von 71 a / 2 Fuss Höhe und 
10 3 / 4 Fuss Umfang, eine americanische 
Esche (Fraxinus americana) von 74 3 / 4 Fuss 
Höhe und 8 Fuss Umfang, ein Juglans 
cinerea von 82 Fuss Höhe und 6 ^ Fuss 
Umfang, Carya alba von 56'/i Fuss Höhe, 
Quercus Prinos von 41 J /j Fuss Höhe, 



Pinus Pallasiana von 37 V4 Fuss Höhe, 
ein Gingko von 33 Fuss Höhe und So- 
phora japonica L. von 50 Fuss Höhe. 

Die Alpenpflanzen sind theils in 
einer Anlage im Freien, theils aber in 
zwei niedern Erdhäusern untergebracht. 
Die erstere besteht aus Erdbeeten mit ei- 
ner aus Ziegeln gefertigten Mauerunter- 
lage. Diese soll zum Abhalten der Re- 
genwürmer dienen. Die Erdhäuser ha- 
ben eine Höhe von 7 Fuss, bei 6 Fuss 
Breite , daher nur eine Stellage darin 
Platz hat. Die Pilanzon stehen alle in 
Töpfen. Es hat dies den grossen Vor- 
theil, dass man die Pflanzen immer un- 
ter Augen hat und während des Winters 
sowohl , wie während der heissen Som- 
mermonate besser schützen kann. So 
reich indessen die Sammlung an Arten 
ist, kann doch nicht verschwiegen wer- 
den, dass im Allgemeinen die Exemplare 
meistens schwach und klein sind und 
man sie selten in so üppigen Rasen 
sieht , wie diess der Fall ist , wenn sie 
in günstiger Lage im freien Land culti- 
virt werden können. Zu den interes- 
santesten Arten gehören die neuerdings 
aus Siebenbürgen eingeführten , so das 
Rhododendron myrtifolium Schott (das 
indessen dem Rh. intermedium unge- 
mein nahe steht), die Hepatica angulosa 
Dec. mit getheilten Blattlappen, die zier- 
liche Campanula turbinata Schott, der 
C, carpathica sehr ähnlich , das gelbe 
Sempervivum Neilreichi, die Corthusa 
pubens, die graciler als die C. Matthioli, 
das Chrysosplenium rosulare Seh., Edra- 
janthus Kitaibelii Dec. und E. dalmaticus 
Dec, dann mehrere schöne Arten der 
kleinasiatischen Gebirge, so Pelargonium 
Endlicherianum Fenzl. , die sehr schöne 
Phytolacca pruinosa Fcnzl und Hiera- 
cium pannosum. So findet der Pflan- 
zenfreund hier vielen Stoff zu lehrrei- 
cher Unterhaltung, freilich der Botaniker 

8 * 



116 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



auch noch viele Arbeit, denn leider sind 
sehr viele Pflanzen, zumTheil die gröss- 
ten und schönsten Exemplare noch un- 
bestimmt. Der Garten zu Schönbrunn 
besitzt sehr viele Originalpflanzen. Schon 
der ältere Jacquin brachte viele Pflan- 
zen aus Amerika, später van der Schoot 
von Martinique, und namentlich Brede- 
mayer aus dem tropischen Amerika, und 
manche dieser Pflanzen, die nun zu an- 
sehnlichen Bäumen erwachsen sind, har- 
ren noch der wissenschaftlichen Unter- 
suchung. Die Gewächshäuser sind alle 
nach altem Styl erbaut , haben meist 
senkrechte oder wenig geneigte Fenster, 
und eine dunkle Hinterwand , daher die 
meisten Pflanzen gegen die Fenster zu 
gebogen sind, was freilich im prachtvollen 
Aroideenhaus ganz passend ist, in den übri- 
gen Häusern dagegen unangenehm auffällt. 

Nicht unerwähnt darf ich lassen, dass 
der Garten zu Schönbrunn zugleich ein 
Thiergarten ist, was demselben einen 
doppelten Reiz verleiht; da sieht man 
drei ausgewachsene Giraffen , zwei Ele- 
phanten , ein Rhinoceros, zahlreiche Af- 
fen u. s. w., eine auserlesene Sammlung 
von Vögeln. Ein prächtiger Brunnen 
(von dem der Ort den Namen hat) lie- 
fert das Wasser für einen Teich, auf 
welchem Pelicane, Schwäne und Enten- 
arten sich herumtummeln. Von beson- 
derem Interesse war mir, von Herrn 
Schott, welcher auch die Direktion die- 
ser Abtheilung hat , zu erfahren , dass 
die Steinböcke mit Ziegen gepaart, 
fruchtbare Bastarde gebildet haben, wel- 
che untereinander gepaart, jetzt in der 
vierten Generation zu den Ziegen zu- 
rückschlagen, so dass der Steinbock 
wohl als die Stammart unserer Ziege 
zu betrachten sein dürfte. 

Der Garten zu Schönbrunn ist ein 
kaiserlicher Lustgarten im vollsten Sinne 
des Wortes, in welchem zur Ergötzung 



und Unterhaltung des kaiserlichen Ho- 
fes und des Wiener Publikums eine herr- 
liche Sammlung der schönsten und in- 
teressantesten Gewächsformen unserer 
Erde aufgestellt ist. Zu rein wissen- 
schaftlichen Zwecken und dem botani- 
schen Unterricht dient der botanische 
Universitäts - Garten, welcher am Renn- 
weg, an der südöstlichen Seite der Stadt 
liegt. Neben dem Eingang befindet sich 
die Wohnung des Direktors, gegenwär- 
tig Prof. Fenzl, unter dessen trefflicher 
Leitung die Anstalt nicht nur mit gros- 
ser Sorgfalt verwaltet wird, sondern auch 
zu allen wissenschaftlichen Arbeiten mit 
grosser Liberalität offen steht. Die Ge- 
wächshäuser sind nicht sehr bedeutend 
und nach demselben System gebaut, wie 
die zu Schönbrunn. Eine Allee schö- 
ner Bäume führt vom Haus des Direk- 
tors zum botanischen Museum, einem 
langen einstöckigen Hause, dessen Mitte 
ein geräumiger Hörsaal einnimmt, wäh- 
rend an den zu beiden Seiten grosse 
Säle sich anschliessen , welche für die 
Herbarien und botanische Bibliothek be- 
stimmt sind, wie ferner die Arbeitszim- 
mer für die beiden Professoren (Fenzl 
und Unger) und die zwei Adjunkten 
(Dr. Reisseck und Kotschy). Das Her- 
barium wird zu 67,000 Arten von Blü- 
thenpflanzen geschätzt, ist nach Endli- 
cher's System geordnet und durch Gift 
geger die Würmer geschützt. Die Pflan- 
zen sind auf halbe Foliobogen mit Pa- 
pierstreifen befestigt und offen in die 
Fächer grosser Schränke gelegt, was 
allerdings das Nachsehen sehr erleich- 
tert, aber auch sie dem Staub sehr zu- 
gänglich macht. Dieses herrliche Her- 
barium in Verbindung mit der prachtvollen 
Bibliothek ist ein unschätzbares Hilfs- 
mittel zu botanischen Studien , und 
Alle, die in Beschaffung des nöthigen 
Materiales mit grossen Schwierigkeiten 



I. Originalabhändlungen. 



117 



zu kämpfen haben , werden die Her- 
ren zu Wien in der That um das- 
selbe beneiden. Sehr gross ist das 
Areal des botanischen Gartens; es um- 
fasst 13*/a Österreich. Joch. Es konnte 
daher jeder Pflanzenart oder doch klei- 
nen Gruppe von Pflanzen ein besonde- 
res Beet gewidmet werden. Es sind 
diese kleinen Beete überall im Rasen 
vertheilt und zum Theil durch Gebüsch- 
gruppen getrennt, daher das Ganze mehr 
wie eine Anlage, [denn als botanischer 
Garten aussieht. Es hat diess den un- 
verkennbaren Vortheil, dass die Arten 
nicht so leicht durch einander kommen 
und der Garten einen viel freundliche- 
ren Anblick gewährt. Doch kann man 
diese Methode nur da anwenden, wo 
man über ein so überaus grosses Areal 
zu gebieten hat und zugleich jauch 
über genügende Arbeitskräfte, da diese 
kleinen, im Rasen zerstreuten Beete sehr 
leicht von Unkraut überwuchert werden. 
Der Garten wird unter Leitung des 
Herrn Obergärtner Dieffenbach von 8 
Gehülfen bearbeitet und kann jährlich 
über 6000 fl. verfügen. Es wurde der 
Garten 1758 durch Maria Theresia ge- 
gründet, bekam aber damals nur ein 
Areal von 3 1 /» Joch; erst im Jahr 1819 
erhielt er den jetzigen Umfang und 
1841 durch Endlicher die jetzige Ein- 
richtung. — In der Nähe dieses Gar- 
tens liegt der Garten des Lustschlosses 
Belvedere , welcher zur Aufnahme der 



österreichischen Flora bestimmt wurde 
und zu Host's Zeiten in Blüthe stand. 

Privat- und Handelsgärten hatte ich 
nicht Zeit zu besuchen , die einst be- 
rühmte Pflanzensammlung des Baron 
von Hügel existirt nicht mehr ; gerühmt 
wird der Garten des Herrn J. Beer, aus- 
gezeichnet durch schöne Bromeliaceen 
und Orchideen, der Garten der Garten- 
bau - und der Landwirthschafts - Gesell- 
schaft, und von Handelsgärten, die des 
Herrn Rosenthal und der Wittwe J. 
Held. Die Handelsgärtnerei scheint in- 
dessen in Wien keinen glänzenden Bo- 
den zu finden. Es ist mir aufgefallen, 
wie bei allen Festlichkeiten die Blumen 
gefehlt haben, die doch bei uns und 
in so vielen Theilen Deutschland's und 
Frankreichs zum schönsten Festschmuck 
gehören und selbst in Gasthöfen auf den 
Tafeln nicht fehlen. In Wien habe ich 
sie nie da gesehen. Auch die Blumen- 
zucht ist hier bei weitem nicht so ver- 
breitet, wie bei uns und im nördlichen 
Deutschland. Auffallend ist auch die 
Armuth des Marktes an feineren Ge- 
müsen und der Umstand , dass man in 
der Umgebung von Wien so wenige Ge- 
müspflanzungen sieht. Man staunt da 
in der Nähe einer so volkreichen Stadt 
ungemein weite , öde Flächen zu sehen, 
während bei uns um die Städte herum 
alles Land aufs sorgfältigste zu Anlagen 
oder Culturen benutzt ist. 

(Fortsetzung folgt.) 



4) lieber die Elemente der Wirkung In der Gartenkunst *), 

Von C. Löwe, Gartenkünstler in Zürich. 



Gewöhnlich ist es die Sentenz: „der 
Gartenkünstler müsse durch 

*) In einem früheren Artikel des Ver- 
fassers im Augustheft 1855 der Gartenflora 



haben sich ausser mehreren kleineren Druck- 
fehlern und falschen Interpunctationen folgende 
grössere sinnslörende Druckfehler eingeschli- 
chen. Seite 220, 1. Columne, Zeile 12 von 
oben; anstatt: „verleitet etc." lies: „ver- 



118 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



seine Werke bestimmte und ge- 
wollte Empfindungen in der 
Seele des Geniessenden her- 
vorzurufen im Stande sein" wel- 
che fast alle Schriftsteller über bildende 
Gartenkunst als wesentliche Vorschrift 
und Anforderung entweder offen ans 
Brett geschlagen oder verblümt angedeu- 
tet haben. Und dieses von den Englän- 
dern Bacon, Addisson und Pope an, die 
die Revolution des Gartengeschmackes 
vorbereiteten, durch Kent, der sie wirk- 
lich begann, über Home, Chambers Wa- 
telet, Hirschfeld und Andere, welche 
dieselbe so rasch und glücklich durch- 



leitete. 4 ' Seite 220, 2. Colurane, Zeile 9 
von oben, anstatt „gespritzt" lies: „ge- 
speis st." Seite 222, 1. Columne, Zeile 5 
von oben anstatt: „und" lies: „in." Seite 

222, 1. Columne, Zeile 6 von unten anstatt: 
„Commentaries" lies : „Cumulatio- 
nen." Seile 223, 1. Columne, Zeile 20 von 
oben anstatt: „Genie" lies: „Gene." Seile 

223, 2. Columne, Zeile 13 von oben anstatt: 
„himmlischste" lies: „sinnlichste." 
Seite 224. 2. Columne, Zeile 9 von unten an- 
statt: „b e dekte" lies: „barokke." Seite 
225, 1. Columne, Zeile 1 von unten fehlt nach 
„wald artig es" das Wort: „Aussehen." 
Seite 226, 1. Columne, Zeile 13 von unten 
anstatt: „in sinnlicher Compensatio n" 
liess: „nie in inniger Compensatio n." 
Seite 227 , 2. Columne , Zeile 22 von oben 
anstatt: „ihr reicher Leiberschmuk die 
■wellender Pflanzung" lies: „ihr rei- 
cher Lokenschmuck die wallende 
Pflanzung." Seite 228, 1. Columne, Zeile 

17 von unten anstatt: „das poetische 
Princip" lies : „des plastischen Prin- 
zips." Seite 228, 2. Columne, Zeile 24 von 
obenanstalt: „und mit landwirtschaft- 
licher" lies: „und nie mit landwirt- 
schaftlicher." Seite 229, 2. Columne, Zeile 

18 von oben anstatt: ,,praelendirl" lies: 
„praetendirten." Seite 230, 1. Columne, 
Zeile 26 von oben anstatt: „Pfeiler" lies: 
„Facaden und deren Peristyle." 



führten, bis herab auf Loudon , Skell u. 
Pükler, denen wir den Ausbau und die 
Consolidirung der neuen Organisation 
verdanken. — Forschen wir aber nach 
den Mitteln , wodurch diese bestimmten 
Empfindungen erweckt, wodurch sie 
gleichsam verfestigt werden sollen , so 
sehen wir uns meist auf ganz allgemeine 
Angaben verwiesen, auf Charakteristiken 
einzelner Scenen, Partieen und ganzer 
Landschaften, die wir also gleichsam en 
bloc nachahmen können müssten, um zu 
einiger Herrschaft über beabsichtigte Wir- 
kungen zu gelangen. Die Schwierigkeit 
oder vielmehr das Unmögliche solcher, 
wenn auch schon etwas modificirter Ue- 
bertragungen leuchtet ein, weil die ge- 
gebenen Umstände und besonders das 
gegebene Terrain alle solche Vorschläge 
und Recepte nicht anwenden lassen und 
wenn dieses selbst noch möglich wäre, 
den Gartenkünstler zum Nachmacher 
stempelten und das Werk zur werthlo- 
sen Schablone. — Im Ferneren wird 
gewöhnlich das Naturstudium angerathen, 
aber meist ohne alle Andeutungen, von 
welcher Basis aus wir dasselbe zu be- 
treiben haben, damit es auch bald 
fruchtbar und erfolgreich werde , und 
dabei sollen wir unsere eigenen Empfin- 
dungen und Seelenzustände beobachten, 
um bei der Nachahmung die Wirkungen 
auf Andere bemessen und darnach com- 
poniren zu können. Das Studium der 
Natur ist nun allerdings das vortreff- 
lichste Bildungsmittel, und gleichsam die 
Akademie des Gärtners, allein abgesehen 
davon, wie unendlich viele Besuche und 
Beobachtungen nur erforderlich sind, bis 
man den Geist der freien Natur dermas- 
sen versteht, um die Studien ergiebig 
zu machen, bleibt das Gewonnene, was 
das Bewusstsein bestimmter Wirkungen 
aufs Gemüth betrifft, immerhin nur ein 
sehr allgemeines und mehr ahnungsvol- 



I. Originalabhandlnngen. 



119 



les, das sich auf keine sicheren Mo- 
mente stützen kann. 

Dieser empirische Weg und das Le- 
sen unserer Schriftsteller wird uns daher 
weiter ins Einzelne gehend, höchstens 
belehren, welche ungefähren Wirkungen 
z. B. ein Tannenwald allenfalls, welche 
eine einzelne Tanne, Trauerweide, eine 
Wasserpartie u. dgl. auf uns, und somit 
durch vorausgreifende Wahrscheinlich- 
keitsberechnung in unserer Composition 
auf den Geniessenden macht, allein da- 
mit ist nicht zurückgegriffen auf den 
Grund, warum und wodurch auch 
diese Einzelgegenstände so und nicht 
anders wirken , warum sich z. B. die 
Empfindung ganz anders modifizirt durch 
veränderte Grössen - oder Formverhält- 
nisse der gleichen Wasserpartie, oder 
durch deren veränderte Umgebung. Und 
eben das ist nach unserem Dafürhalten, 
die Hauptsache ; denn , so lange wir 
nicht die einfachen Elemente, warum 
oder wodurch eine Sache so und nicht 
anders auf uns wirkt, kennen, haben 
wir auch höchstens nur ganz allgemeine, 
keineswegs aber sicherere und bestimm- 
tere Anhaltspunkte zur Vorausberechnung 
unter veränderten Umständen, und bei 
neuen Zusammenstellungen, und dem 
reichsten Schatz der durch Naturstudium 
und Belesenheit, Erfahrung und Phanta- 
sie gesammelten Bilder fehlt die solide 
Basis des begründeten Wissens und Ue- 
berzeugtseins. Weil nun aber der Gar- 
tenkünstler vornehmlich schon gebildete 
Natur - und Kunstkörper zusammenstellt, 
z. B. Bäume, Gebäude, Statuen etc. und 
nur in untergeordnetem Sinne formt, 
also nur mehr durch Zusammensetzung 
neubildet, ist seine Technik mehr eine 
geistige, deren Schwerpunkt in dem 
Wissen und Zurückführenkönnen der 
Wirkung auf einzelne und sichere Mo- 
mente bei seinen Gegenständen beruht. — 



Aber Niemand, der seiner Technik nicht 
vollkommen mächtig ist, ist ein vollen- 
deter Künstler, und keine menschliche 
Thatäusserung, die nicht eine organisch 
gegliederte Technik hat , ist eine voll- 
kommene Kunst. Von diesem Stand- 
punkte aus und nach dieser ungefähren 
Richtung hin gehen die meisten begrün- 
deten Vorwürfe und Absprechungen, die 
man der Gartenkunst als schöne Kunst 
und als ebenbürtige Schwester der Ueb- 
rigen bisher machen konnte, und so wie 
man sie nach ihrer ersten Befreiung aus 
den Fesseln architektonischer Symmetrie, 
früher als form- und gestaltslos und 
aufs Endlose hinausgehend qualifizirte, 
versucht man sie heute noch ferner her- 
abzuwürdigen durch die Beschuldigung: 
sie könne ihr Material nicht beherr- 
schen. 

Auf den ersten Blick erscheint nun 
allerdings ihr Material als wirklicher or- 
ganischer Naturstoff einer- und zufällige 
Naturerscheinungen andererseits, so wie 
die rohe schwere Masse vom Erdkörper 
nicht in dem Grade bewältigbar, wie 
dieses die freie Phantasie wohl fordern 
möchte und wie solches bei einigen an- 
dern Künsten in grösserem Maasse mög- 
lich ist, allein diejenigen, welche die 
Gartenkunst genau nach dem Maassstabe 
einer einzelnen andern Kunst abmessen, 
vergessen eben, dass sie eine eigene, 
für sich bestehende, von den andern un- 
abhängige und mit denselben nur seit- 
lich correspondirende Kunstform ist, die 
gerade wegen ihrer unabhängigen Indi- 
vidualität den genauen Maassstab einer 
einzelnen anderen, z. B. der Malerei 
oder der Baukunst nicht verträgt. Es 
ist uns hier noch nicht darum zu thun, 
den Beweis zu führen, in wie ferne und 
wo ihre Stellung die richtige im Kunst- 
gebiete sei, der gegenwärtige Vorwurf 
beschäftigt sich mit etwas Anderem, und 



120 



Gartenflora Deutschlands and der Schweiz. 



wir haben noch einige Stufen zu er- 
schreiten, bis "wir mit jenem Thema auf- 
treten werden. Vorläufig sei daher nur 
gesagt, dass Jedem, der den Geist und 
Charakter der Gartenkunst vollkommen 
und tief genug erfasst hat, und dem die 
Prinzipien der übrigen Künste nicht 
durchaus fremd sind, es unschwer gelin- 
gen muss, auch für sie Krone und Thron 
herauszuverlangen; denn weder die Rea- 
lität ihres Stoffes, noch sein theilweis 
organisches Leben kann bei dem Um- 
fange ihres Gebiets, der Natur ihrer Auf- 
gabe und der Grösse des Maasstabes ein 
richtiger Grund sein, sie im Vorhofe des 
Kunsthimmels stehen zu lassen. Die 
durch das vegetative Wachsthum be- 
dingte Veränderlichkeit kann in dieser 
Hinsicht nicht maassgebend sein, weil 
sie bei guter Composition nur kleine 
Variationen innert den Schranken der 
allgemeinen und Hauptgedanken hervor- 
bringt, die keineswegs und nie das ästhe- 
tische Gefühl beleidigen, und wenn sie 
auch nicht geeignet sind, den Garten- 
künstler zum absoluten Herrscher jedes 
Pinselstriches in seinem Werke zu ma- 
chen, so sind sie andererseits zu richti- 
ger und genussvoller Repräsentation ih- 
res Geistes durchaus nothwendig, weil 
die Gartenkunst Leben durch Leben 
ausdrückt, ohne dadurch eine andere 
sinnliche Empfindung zu veranlassen u. 
den reinen ästhetischen Eindruck zu 
kreuzen oder zu stören. Nur wer ihren 
Geist einzig im Decorativen sucht und 
zu finden glaubt , kann sich auf den 
Irrweg verleiten lassen, eine Stabilität 
zu fordern , die sie nicht hat und ohne 
Versündigung nicht haben kann, und ihr 
eine falsche, nach ihrer Natur unerreich- 
bare Aufgabe stellen, die — wäre es 
noch möglich, sie zu erreichen — sie ihres 
freien Lebens und damit einer grossen Kraft 
ästhetischer "Wirkung berauben müsste. 



Sie hat sich daher wesentlich nur 
der Herrschaft über das Material bis 
jetzt in dem Sinne begeben müssen, 
dass allerdings der Gartenkünstler ohne 
eine auf fester Basis ruhende geistige 
Technik arbeiten musste , nämlich ohne 
das Wissen und Zurückführenkönnen 
auf einzelne allgemeine und sichere Ge- 
setze derjenigen Kräfte und Eigenschaf- 
ten seines Materials , durch welche das- 
selbe vorzugsweise auf die Empfindung 
der Seele wirkt und dadurch in Mehre- 
rem auch bei den Hauptgedanken dem 
Zufalle, dem nicht absolut Gewollten 
anheimfiel. 

Man hat nun freilich allerdings bei 
den meisten Besprechungen und Beur- 
teilungen der Gartenkunst die Berück- 
sichtigung vergessen, dass sie trotz ihres 
leiblichen Alters eine noch in ihrer ju- 
gendlichen Entwicklungsperiode begriffe- 
ne Muse ist, dieselbe in jeder Form- 
und Lebensphase für vollendet und 
höchst vollkommen dargestellt und an- 
statt nach dem wahren Kern ihres Le- 
bens und ihrer Lebensthätigkeit zu for- 
schen, sie spielend auf einseitige Ab- 
wege geführt. Noch hat sich bis auf 
heute keine ihren Gesammtgeist und alle 
ihre Gebilde fassende Definition gefun- 
den, und während Tonkunst, Poesie, 
Malerei , Mimik , Plastik und Baukunst 
ihre mehr gegrenzten Gebiete längst be- 
sitzen, und bereits ziemlich vielseitig — 
ich fürchte, allzuviel — durchgesprochen 
sind, wird sie von den Gelehrten immer 
noch sehr stiefmütterlich behandelt. 

Uns verwundert gerade nicht , wie 
es kommt, dass ihr von jener Seite der 
Entwicklungsprozess nicht erleichtert 
wird, alle Vergangenheit lehrt, dass auf 
dem Kunstgebiete die Philosophen erst 
über die einzelnen Zweige zu räsoniren 
wussten, nachdem die Meister dieselben 
bereits bis auf die höchste Stufe ver- 



I. Originalabhandlungen. 



121 



vollkommnet und die Hauptmomente pu- 
blik gemacht hatten. Bei der Garten- 
kunst ist nun die Literatur der Meister 
noch nicht so reich , mannigfach und 
gar gekocht , um von den Herren mit 
Appetit verspeist zu werden. — 

Wir werden im Verlaufe darthun, 
welches die Grundgesetze sind, auf de- 
nen die Fähigkeit der Natur und Kunst- 
gegenstände beruht, die menschliche Em- 
pfindung anzuregen und zu bestimmen, 
und obgleich wir damit erst einzelne, 
aber wie es scheint, sichere Bahnlinien 
in ein unermessliches Gebiet gewonnen 
haben, wird doch schon daraus hervor- 
gehen," dass die Gartenkunst hierauf eine 
solide Basis gründen kann, um von ihr 
aus sich der Herrschaft über gewollte 
und beabsichtigte Wirkungen zu be- 
mächtigen. — Wir sprechen es unge- 
scheut aus, dass wir der Hoffnung leben, 
hiedurch zu einer richtigen Charakteri- 
stik der Naturgegenstände , natürlicher 
oder* überhaupt lokaler Situationen und 
zu einer solchen anderer Kunstwerke, 
die im Garten auftreten, in derjenigen 
Hinsicht zu gelangen, wie dieselben im 
ersten Momente der Auffassung durch 
das Auge wirken, und glauben, es werde 
dieses dazu beitragen, die Gärten selbst 
charakteristischer, deren Charakter aus- 
drucksvoller und ihre sonst wohl nur 
ahnungsvolle Sprache bestimmt-verständ- 
licher zu machen. Vielleicht — dass 
sich dadurch die misskannte Aschenbrö- 
del der Künste um eine Stufe weiter 
emancipirt, wenigstens aber wird es be- 
weisen, dass ihr Gesammtcharakter kein 
einseitig decorativer ist, dass es keine 
Uebersteigerung genannt werden kann, 
wenn sie bestimmtere Empfindungen ver- 
anlassen will , und dass Letzteres nicht 
ein Hinüberziehen ins Musikalische ist, 
sondern ihr musikalisches Prinzip mit in 
noch Anderem liegt, dass sie ferner nach 



ihrer allgemeinen Natur keineswegs eine 
anhängende Form der Malerei sein kann, 
was Alles unlängst noch Vischer von 
ihr aussagte, eben so wenig, als sie in 
die Categorie der Baukunst gehört, was 
man früher annahm, und zu welcher An- 
sicht unbegreiflicher Weise sich selbst 
Schiller hinneigte, sondern dass sie eine 
für sich bestehende eigene Kunstform 
ist, die durch ihre verschiedenen Gebiete, 
Style, Manieren, bald mehr bald weniger 
an andere Kunstformen anklingt , durch 
allzuweite einseitige Ausbildungen in ih- 
ren verschiedenen Entwicklungsstufen 
ihre Extravaganzen hatte , gerade wie . 
alle anderen Künste auch, die aber ih- 
ren eigenthümlichen centralen Lebens- 
kern besitzt , der sie zu einer unabhän- 
gigen Individualität befähigt. — 

Damit wir jedoch vollkommen ver- 
standen werden können über das, was 
wir in Rücksicht auf ihre Gesammtnatur 
zu sagen haben, so wie über mehrere 
der einzelnen Glieder, der Elemente ih- 
rer geistigen Natur, halten wir es für 
nothwendig, ihren Aufbau in einzelnen 
Zügen so darzuthun, wie er sich nach 
und nach entwickelte, ohne eine Zeit- 
folge einzuhalten; denn bevor wir zur 
Section schreiten können, müssen wir 
den Körper einigermassen vollkommen 
vor uns haben. — Nun könnte man 
uns allerdings vorhalten, für das was 
wir über die Elemente der Wirkung in 
der Gartenkunst zu declariren wünschen, 
wäre es nicht nothwendig, so weit aus- 
zuholen , allein wir beabsichtigen durch 
diese Mittheilungen einer mehrseitigen 
Prüfung und Besprechung unserer Sätze 
zu rufen, um das geläuterte Resultat als 
sichere Basis für die weitere Entwicklung 
in einer grösseren schriftlichen Arbeit 
benutzen zu können, und dazu ist vorab 
gewiss auch nothwendig darzuthun, von 



122 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



welchem Gesichtspunkte aus überhaupt 
wir die Gartenkunst ansehen. — 

Sicherlich hatte die Wahrnehmung, 
dass die freie Natur in ihren mannigfa- 
chen verschiedenen Situationen verschie- 
dene Empfindungen erzeuge, und ferner 
die Beobachtung, dass die Compositionen 
der Natur , die Landschaften und deren 
einzelne Scenen in ihrem Ensemble so- 
wohl als ihren Auflösungen und Ueber- 
gängen beim Spaziergange, selbst auf 
den Ideengang gefühlvoller Personen bei 
sonst ruhiger Disposition des Gemüthes 
leitend einwirke, dazu veranlasst, die Ein- 
gangs erwähnte Sentenz: „der Gar- 
tenkünstler müsse durch seine 
Werke bestimmte und gewollte 
Empfindungen in der Seele des 
Geniessenden hervorzurufen im 
Stande sein" anzudeuten oder auszu- 
sprechen; denn es liess sich denken, die 
Nachahmung bestimmter natürlicher Si- 
tuationen habe die nothwendige Folge, 
gleiche oder ähnliche Wirkungen im Ge- 
niessenden zu erwecken. 

Aus diesem Grunde wohl leitete man 
die neue natürliche Richtung unbedingt 
von der Natur ab, so wie er auch über- 
haupt die Urkraft war, die sie gebar, und 
warf im Feuereifer mit der durch den 
Schnörkel allerdings verdorbenen regu- 
lären Kunstmässigkeit auch alle festere 
Gebundenheit über Bord, um aus der 
Naturnachahmung allein eine neue Kunst- 
form zu gewinnen. Dadurch jedoch, dass 
man bei diesem Uebertritte das mehr 
Gebundene und das Symmetrische gänz- 
lich verwarf, ging ein wesentliches Prin- 
cip für den Gesammttypus vorläufig ver- 
loren, und man hatte die neue creirte 
Stylrichtung und ihren Kunstwerth einzig 
auf getreue Naturnachahmung und da- 
durch bewirkte Täuschung zu basiren, 
und in weiterer Folgerung auf die Be- 
fähigung, hiedurch einzig aufs Gemüth 



zu wirken. An und für sich allein war 
dieses ganz recht, allein es war fehler- 
haft, einen Satz, der nur Folge und 
weitere Entwicklung eines Hauptgrund- 
satzes ist , obenan zu stellen , wie die 
Praxis bald nachher auswies, ein Fehler, 
der aus dem Mangel an Uebersicht und 
aus Unkenntniss des Vollgehaltes ihrer 
Gesammtnatur entsprang. Sobald man 
aber auf dem Kunstgebiete und jedem 
anderen ein untergeordnetes Princip in 
allzu grosse Weite dehnt, weil man es 
für das Haupt hält und" die Glieder ver- 
vollkommnen will, geräth man auf un- 
zählige labyrinthartige Abwege, die nur 
durch eine gänzliche Revolution, oder 
eine auf den Grund dringende Beleuch- 
tung durch die richtigen Grundsätze ent- 
wirrt und geordnet werden können, was 
gerade in der Gartenkunst der symmetri- 
sche und natürliche Styl durch ihre Ex- 
travaganzen in den verschiedenen Pha- 
sen ihrer Entwicklung am besten be- 
weisen. 

Uebrigens ist der Posaunenruf: „Ihr 
müsst in der Gartenkunst die 
Natur täuschend nachahmen" 
bekannt genug als Grundsatz, der end- 
gültig sein sollte und hat bis in unsere 
Zeit herein getönt. 

Aber wie steht es mit dieser täu- 
schenden Naturnachahmung in der Pra- 
xis ? Wie in Fällen , wo sie wegen 
Raum, — Form und Beschränktheit, we- 
gen Lage und Umgebung nicht möglich 
ist, in den kleineren Gärten? Nun, mit 
diesen war man bald berathen, man des- 
avouirte sie im Anfange gänzlich der 
Kunst, und gab sie höhnend dem Dilet- 
tantismus zum Tummelplatze hin , der 
dann bekanntlich jene Naturnachahmung 
bald genug im lächerlichen Mikrokosmus 
versuchte, indem die Sache nicht in die 
aufgestellte Maxime passen wollte ; denn 
dass umgekehrt das Maxim nicht die 



I. Originalabhandlnngen. 



123 



allgemeine Geltung haben könne, die 
man ihm gab , weil ein grosser Theil 
der Sache nicht unterzubringen war, 
dies wagte man sich nicht zu gestehen, 
obgleich man es fühlen mochte. Es 
wurde nicht daran gedacht, dass ein 
kleinerer gut componirter Hausgarten 



trotz seiner theilweisen regulären Künst- 
lichkeit mehr wahren Kunstwerth haben 
könne, als ein schlecht gerathener Park 
von vielen Morgen Grösse im natürlichen 
Style. 

(Fortsetzung folgt.) 



IL Nene Zierpflanzen. 



a) Abgebildet in „Flore des Serres." 
1) Dircaea Blassii, Rgl. Eine herrliche 
Art, die von Regel schon vor zehn Jahren in 
der Schweizerischen Zeitschrift f. Gartenbau 
(Vol. 1846, pag. 159) zuerst beschrieben wurde 
als Gesnera Blassii. Der Züricher botanische 
Garten hatte die Knollen in einer Sendung des 
Herrn Blass von Brasilien erhalten , und von 
hier aus verbreitete sie sich in die Gärten. 

Die Flore des Serres gibt auf einer Dop- 
peltafel die Abbildung eines grossen Pracht- 
exemplares dieser Art, welches in Van Hout- 
te's Etablissement seil einigen Jahren zu sel- 
tener Grösse und Vollkommenheit gebracht 
wurde. Im letzten Sommer hatte es 15 Blü- 
thentriebe, jeder Trieb erreichte eine Länge von 
über 7 Fuss, und zusammen trugen sie min- 
destens 1500 bis 2000 der grossen, lebhaft 
zinnoberroth gefärbten Blumen! — Natür- 
lich ist ein alter , sehr grosser Knollen erfor- 
derlich , um ein solches vielslengeliges Exem- 
plar zu erhalten. — Die D. Blassii unter- 
scheidet sich von den übrigen Arten, die in 
Blüthenform und Färbung sich sonst fast alle 
sehr nahe stehen , und abgesehen von den 
eigentlich botanisch wichtigen Charakteren, durch 
die natürliche Disposition, ihie langen Stengel 
hängen zu lassen, während bei den übrigen 
ein steifes, aufrechtes Wachsthum vorherrscht. 

(Taf. 1140—41.) 
2) Echites suaveolens, Alph. D. C. (Man- 
devillea suaveolens Lindl.) Apocyneae. — 
Eine schöne, unter dem letzteren Namen fast 
allgemein bekannte Schlingpflanze von den 
La Plata Staaten , die von Dr. Lindley zuerst 
beschrieben und ihn zur Aufstellung einer | 



eigenen Gattung (Mandevillea) veranlasste. 
Diese Gattung wurde von Alphonse De Can- 
dolle und Anderen als unhaltbar verworfen 
und zur Gattung Echites zurückgeführt. — Es 
ist eine alte Beobachtung ; dass der Duft des 
Jasmin oder der Tuberose sich sehr häufig bei 
Blumen von rein weisser Farbe wiederholt, 
und dieses besonders bei verschiedenen Pflan- 
zen, die zu den Familien der Apocyneen, 
Asclepiadeen, Jastnineen , Loganiaceen und 
Rubiaceen gehören, Familien, die sämmtlich 
zu der natürlichen Gruppe gehören, die Linne 
als Contortae bezeichnete. Die Echites (Man- 
devillea) suaveolens gehört auch zu den Bei- 
spielen, die man als Beleg dazu aufzählen 
könnte : seinen reinweissen Corollen entströmt 
ein ebenso süsser als durchdringender Wohl- 
geruch. Wie die meisten Schlingpflanzen, ge- 
deiht auch diese am üppigsten, wenn sie im 
freien Grunde ausgepflanzt , sich unbeschränkt 
entwickeln kann. Ein Erdbeet in einem Kalt- 
hause ist für sie die günstigste Localität; sie 
blüht hier in den Sommermonaten in grosser 
Fülle. Oder man kann sie auch mit Erfolg in 
grossen Töpfen oder in Kübeln ziehen , die 
man im Kalthause ziemlich trocken überwin- 
tert und im Mai an eine sonnige Mauer oderWand 
in's Freie stellt, woselbst sie in warmen Som- 
mern ebenfalls reichlich blühet. Vermehrung 
durch Samen oder durch Stecklinge. 

(Taf. 1142.) 
3) Salvia boliviana , Hort. V. Houlie- 
Von Warscewicz in Bolivien gesammelt, blühte 
diese schöne neue Art zuerst in Van Houtte's 
Etablissement. Sie bildet einen aufrechten, 
wenig verzweigten , krautigen Strauch , mit 



124 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



ziemlich grossen, herzförmig -ovalen, kahlen, 
aber oberhalb fein" Runzligen Blättern, und 
endständigen, einfachen, drüsig-schwach flaum- 
haarigen Trauben, an denen die schön car- 
moisinrothen Blüthen in ziemlich gedrängten, 
6—10 blüthigen Scheinquirlen stehen. Kelch 
3zähnig, kurz gestielt, zusammengedrückt, ge- 
rippt, violett gefärbt, Corolle 2 — 3 Mal län- 
ger, kahl, leicht gekrümmt; der zweilippige 
Saum zeichnet sich ganz besonders aus durch 
die sehr kurze Oberlippe, während der mitt- 
lere Lappen der Unterlippe sehr gross , keil- 
förmig verkehrt - eirund ist. Staubfäden und 
Griffel kaum hervorstehend. — Wir haben 
diese Art auch im Züricher Garten vorgefun- 
den , als Salvia sp. von Bolivien von unserm 
Freunde Warscewicz eingesandt, sie hat aber 
noch nicht bei uns geblüht. Nach Van Houlte 
soll sie, in's Freie ausgepflanzt, leicht und 
reichlich blühen und daher als schöne Grup- 
penpflanze zu empfehlen sein. — 

(Taf. 1448.) 

4) Bulbocodium vernum L. — Colchicaceae. 
Eine unserer Herbstzeitlose (Colchicum aulum- 
nale) ähnliche Pflanze, von der sie sich durch 
das fast freie Perigon aus 6 lang genagelten 
Blättern bestehend , durch die Blüthenzeit im 
ersten Frühling und noch dadurch unterschei- 
det , dass die Entwicklung der Blätter fast 
gleichzeitig mit der Blüthe geschieht, während 
die Zeitlosen bekanntlich im Herbste blühen 
und erst im folgenden Frühling die Blätter 
treiben. Sic kommt in den gebirgigen Theilen 
des südlichen Europa's , in der Schweiz nur 
im Kanton Wallis vor, aber nirgends häufig 
und noch seltener in Gärten, wo sie immer- 
hin als eine der ersten Frühlingsblumen ein 
Plätzchen verdient, da sie nichts weiter erfor- 
dert , als einen sonnigen Standort und eine 
leichte Deckung bei starkem Froste. 

(Taf. 1149.) 

5) Dianthus sinensis, L. Caryophylleae. 
Die vorliegende Tafel führt uns ein Bouquet 
vor , gewählt aus der zahllosen Menge von 
Spielarten, die die bekannte Chinesernelke 
jetzt den Blumenfreunden bietet. In allenJFar- 
ben, Blau und Gelb ausgeschlossen, in den 
verschiedensten Nuancen , einfarbig oder mit 
den reichsten Zeichnungen, gefleckt , punktirt, 
bandirt, marmorirt , einfach , halb - oder stark 



gefüllt , immer schön und brillant , sind sie 
längst ein beliebter Schmuck unserer Gärten, 
denn ihre Einführung datirt schon vom Anfang 
des vorigen Jahrhunderts. Man kann sie auf 
zweierlei Art ziehen: als einjährige Pflanze, 
indem man sie möglichst zeitig auf Frühbeete 
aussäet und später in's Freie piquirt , oder als 
zweijährig, indem man den Samen im August 
in's Freie säet und die Sämlinge dann auf 
ein kaltes Beet unter Fenster pflanzt und hier 
durchwintert. Solche durchwinterte Pflanzen 
geben dann allerdings einen frühen und weit 
reichlicheren Flor, aber im Allgemeinen ist 
doch die erstere Methode als die einfachste 
vorzuziehen. Sind die Winter nicht zu strenge 
und der Boden nicht zu nasskalt, so hält die 
Chinesernelke auch ganz gut im Freien aus 
und ist vorzüglich schön zu Bordüren um grös- 
sere Gruppen. (Taf. 1150.) 

6) JVistaria frutescens var. magnifica. 
Hort. (Glycine frutescens L.) Leguminosae. 
Diese aus Nord -Amerika stammende Schling- 
pflanze ist seit über hundert Jahren eingeführt, 
wurde aber als undankbar blühend , durch 
die ihr sonst in Blatt und Blume ähnliche 
Glycine sinensis verdrängt , deren üppiger 
Wuchs und Blüthenfülle sie zu den schönsten 
Schlingpflanzen des freien Landes macht. Die 
Varietät magnifica zeigt statt der dunkelvio- 
letten, eine helle, lila blaue Färbung, die Blü- 
thentrauben hängen nicht, sondern halten sich 
horizontal, die Blüthen stehen viel gedrängter, 
als bei der Stammart, aber was sie vor Allem 
vortheilhaft auszeichnet, was ihr einen sehr 
grossen Werlh verleiht, ist die Leichtigkeit und 
und Fülle , mit der sie blüht. Sie blüht auch 
früher als die Stammart, schon gegen Ende 
Juni und ist angenehm duftend. Sie wurde 
in Frankreich aus Samen gezogen und von 
Van Houtte im verflossenen Sommer in den 
Handel gebracht, in starken, blühbaren Exem- 
plaren und zu billigem Preise. Vermehrung 
durch Propfen auf Wurzeln der W. frutescens, 
oder durch Ableger. Ist vollkommen aus- 
dauernd und wird warm empfohlen. 

(Taf. 1151.) 

7) Barbacenia. Hybriden. Van Houtte. 
Vellozieae. — Die schönen Barbacenia purpu- 
rea und sanguinea wurden seit Jahren in Van 
Houtte's Etablissement mit besonderer Vorliebe 



II. Neue Zierpflanzen. 



125 



und bestem Erfolge cultivirt ; dort wurde schon 
•vor einigen Jahren eine Hybride zwischen bei- 
den gezogen, die B. Rogieri V. H. und fort- 
gesetzte Befruchtungen zwischen diesen Arten 
und dem Bastarde ergaben zuletzt eine ganze 
Formenreihe in hell- und dunkelroth, blutroth, 
purpur und violett. Die Barbacenien glei- 
chen mit ihren bandförmigen , zierlich über- 
hängenden, glänzend grünen Blättern einer 
Grasart oder besser noch, einem kleinen Pan- 
danus ; sie bilden mit der Gattung Vellozia 
die kleine Familie der Vellozieae, den Hy- 
poxideen zunächst verwandt. Sie sind , mit 
den Vellozia-Arten, fast ausschliesslich in Bra- 
silien einheimisch. Die Cultur der prachtvol- 
len Vellozia -Arien hat bis jetzt nie gelingen 
wollen , die Barbacenien dagegen gedeihen 
recht gut in einem temperirlen Warmhause, in 
torfiger Erde mit gutem Wasserabzuge, blühen 
fast zu allen Jahreszeiten und vermehren sich 
leicht durch Samen, den sie gerne ansetzen. 
Es sind niedliche, dankbare Pflanzen, die man 
häufiger in grösseren Gärten sehen sollte. 

(Taf. 1152.) 

8) Colchicum variegatum, Com. (C. Agrip- 
pinae Hort.) Colchicaceae. — Eine sehr hüb- 
sche Zeitlosen-Art von Griechenland und Klein- 
asien, leicht kenntlich an der schachbrettartigen 
Zeichnung der Blüthen, rosa-carmin auf hel- 
lem Grunde. Dem C. tessulatum MM. un- 
streitig nahe verwandt , unterscheidet sie sich 
von demselben durch die deutlich zugespitzten 
Perigonalblätter und besonders durch die wel- 
lig gerandelen Blätter, die wie bei der gemeinen 
Zeitlose erst im Frühling erscheinen, während 
die hübschen Blumen im Herbste nackend 
der Erde entspriessen. Diese Zwiebelgewächse 
gedeihen in jedem nicht zu nassen Boden, sie 
müssen nur nicht oft verpflanzt und in der 
Erde gelassen werden. Will man sie theilen, 
um Vermehrung zu bekommen, so muss man 
diese Operation vornehmen, sobald die Blät- 
ter abwelken , später würden schon wieder 
junge Wurzeln sich gebildet haben, und die 
Pflanzen daher leiden. (Taf. 1153.) 

9) Salvia splendens var. Soucheti Hort. 
Eine der dankbarsten und schönsten Salvien, 
die schon ziemlich allgemein verbreitet ist, und 
zu unsern werthvollsten Gruppenpflanzen ge- 
hört. Die leuchtende, reine Scharlachfarbe der 



Bracteen, Kelche und Corollen, und die Menge 
der Blüthentrauben , die sie im Nachsommer 
und Herbste zieren, haben ihr eine allgemeine 
Verbreitung gesichert. Die Varietät unterschei- 
det sich von der Art durch einen niedrigen 
Wuchs und zahlreichere, dichtere Blüthentrau- 
ben. (Taf. 1154.) 

10) Thalictrum anemonoides. Michx. var. 
flore pleno. (Anemone thalictroides L.) Ranun- 
culaceae. Eine nordamerikanische , zarte Pe- 
renne , bereits alt in der Gartenliteratur, aber 
gewiss neu für die meisten Gartenfreunde ; 
mit zarter Belaubung und niedlichen, gefüllt 
weissen Blumen, die vom ersten Frühjahr bis 
zum Juni und Juli erscheinen. Wird ähnlich 
wie die Hepatica-Arten cultivirt, d.h. an schat- 
tiger, nördlicher oder östlicher Lage, in hu- 
musreicher Gartenerde , oder besser noch in 
einer gutzersetzten Lauberde und kann im 
September durch Wurzeltheilung vermehrt 
werden. — Die Wurzel ist knollig, die Wur- 
zelblätter gleichen denen des Isopyrum tha- 
lictroides; die gestielten Stengelblätter, nur 
zwei an der Zahl, jedes aus 3 Segmenten be- 
stehend, sind einander gegenständig an der 
Spitze der dünnen Stengel, und bilden gleich- 
sam eine 6-blätterige Hülle für die Blumen; 
die meistens zu 2 — 4 , also in armblüthigen 
Dolden stehen , schwächere Stengel sind oft 
nur einblumig. (Taf. 1155.) 

Nachträglich, um völlige Vollständigkeit zu 
erzielen, holen wir noch nach: 

11) Calystegla dahurica, Van Houtte. Die 
unter diesem Namen in Van Houtte's Etablis- 
sement eullivirte Pflanze scheint eher als blosse 
Form mit zart rosenrother Blüthe zu der C # 
sepium , als zu der echten C. dahurica Herb, 
zu gehören. Jedenfalls ist sie eine empfehlens- 
werthe, vollkommen ausdauernde Schlingpflan- 
ze , die sich durch ihre unterirdischen , weit 
umher kriechenden Rhizomen nur zu leicht 
vermehrt , so dass sie dadurch selbst lästig 
werden kann. (Taf. 1075.) 

12) Sarracenia purpurea L. Die zuerst 
entdeckte und am häufigsten in den Gärten 
verbreitete Art dieser interessanten Gattung. 
Ihre Blattschläuche unterscheiden sie sehr 
leicht von den übrigen Arten, sie sind nieder- 
liegend , kurz , stark bauchig , breit geflügelt, 
am Schlünde verengert , mit aufstehendem, 



126 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



nieren- oder herzförmig - rundem Deckel , der 
innen mit steifen nach unten gerichteten Haa- 
ren besetzt ist. Ihre Form gleicht ganz den 
Füllhörnern , oder den Trinkhörnern mittelal- 
terlicher Zeiten; die Färbung ist grün, mehr 
oder weniger mit purpur genetzt. Die purpur- 
farbenen Blumen stehen auf aufrechten Stielen, 
welche länger sind als die Blätter. Die S. pur- 
purea ist in Nordamerika in Sümpfen sehr 
verbreitet und hat einen sehr grossen Vege- 
tationskreis , da sie von der kalten Hudsons- 



bai bis hinunter in das heisse Florida dringt. 
Sie ist daher mit Erfolg schon ganz im freien 
Lande, an nördlicher Lage und in den wärm- 
sten Orchideenhäusern gezogen worden, am 
üppigsten gedeiht sie jedoch , wenn man sie 
während der Wachsthumsperiode warm und 
sehr feucht hält und dann ihr in einer kälte- 
ren Temperatur eine gehörige Ruhezeit gönnt, 
während der auch die Wassergaben nur spär- 

(Taf. 1076.) 
(E. 0.) 



lieh gereicht werden 



HL Notizen. 



1) Ausdauer der "Victoria regia. Die 
Victoria regia hat in dem botanischen Garten 
zu Gent, wie in dem Garten zu Kew den Win- 
ter hindurch ausgehalten. Herr Donklaar ver- 
fuhr dabei folgendermassen : 

Jedes Jahr im Herbst wird das Wasser so weit 
abgelassen, dass der obere Theil des Erdhaufens, 
auf welchem die Pflanze steht , trocken gelegt 
wird ; das dicke Rhizom, welches über die Erde 
hinausgewachsen ist, wird unten entblösst, bis 
an's Herz niedergedrückt*), und mit frischer, 
nahrhafter Erde umgeben, damit die neu sich ent- 
wickelnden Wurzeln gleich in die Erde dringen 
können , und nun wieder Wasser nachgefüllt. 
(L'Illustration horticole.) 

2) Verbesserung der Kanalheizun- 
gen im Gewächshause. Das Brennma- 
terial wird immer theurer und der Bedarf des- 
selben wird immer bedeutender. Jeder Vor- 
schlag zu Einrichtungen , um mit geringerem 
Holzverbrauch höhere Temperaturgrade zu er- 
halten, muss daher mit dem grössten Danke 
angenommen werden. 

Die Heizungen , welche für Gewächshäuser 
am zweckmässigslen, haben wir schon wieder, 
holt besprochen und gezeigt , dass man auch 
bei Wasserheizungen die Feuerwärme nur 
dann vollständig benutzen kann , wenn man 
Rauch noch durch geschleppte Schlote (Ka- 
näle) gehen lässt. 

Nicht minder wichtig ist es, dass, nachdem 
das Feuer vollständig ausgebrannt ist , der 

*) Apres un relrait parliel et momentane 
de Teau du bassin, il dechausse le rhizome 
epais et vertical de ,1a Victoria , le laisse re- 
tomber jusqu'au niveauapical de lafoliation,.... 



Ofen mittelst einer Klappe oder Schiebers ab- 
geschlossen wird, damit nicht unnütz eine 
Masse von Wärme durch den Schornstein ver- 
loren geht. Es ist dieses allgemein bekannt 
und bedarf keiner fernem Erläuterung. Da 
nun aber dieser Verschluss mit metallnen 
Deckeln oder Schiebern bewerkstelligt wird, 
so geht immer noch sehr viel Wärme verlo- 
ren. Herr D. Müller in Upsala belegt dies 
in der Hamburger Gartenzeilung mit Versuchen. 
Bringt man zwei Schieber hintereinander an, 
so ist der Wärmeverlust etwas geringer, aber 
immer noch bedeutend genug. Herr Müller 
macht nun den sehr zweckmässigen Vorschlag, 
diesen Wärmeverlust in der Weise für das 
Gewächshaus nutzbringend zu machen, dass 
man zwei Schieber ein paar Fuss von einan- 
der entfernt anbringt. Zwischen diesen wird 
im Kanal eine Thür angebracht, welche dann 
geöffnet wird, und die sonst nutzlos fortziehende 
Wärme ins Gewächshaus leitet. 

3) Cultur der Impatiens Jerdoniae. 
Es gilt diese Pflanze mit Recht als eine der 
schönsten und interessantesten Pflanzen des 
Warmhauses , die in neuerer Zeit eingeführt 
ward. Obgleich sie aus Ostindien stammt, be- 
darf sie doch nicht so vieler Wärme, als man 
im Allgemeinen annimmt, sondern sie kommt 
im Kallhause vollkommen gut fort. 

Man verpflanzt im Monat Februar die jun- 
gen Pflanzen in eine Erdmischung aus 3 Theil 
Rasenerde , 1 Theil sandige Heideerde und 1 
Theil Kuhdünger, der 1 Jahr alt und trocken 
ist, und fügt dieser Mischung noch etwas Koh- 
lenslücke bei. Man steht sie nunan den be- 
sten geschütztesten Platz des Kalthauses und 
giesst sehr wenig , bis die Pflanze zu treiben 



III. Notizen. 



127 



beginnt. In den ersten Tagen des Mai ver- 
pflanzt man sie zum zweitenmale in grössere 
Töpfe und lässl die Pflanzen auch während des 
Sommers im Kalthause stehen. Die Blüthezeit 
beginnt im Juni und dauert bis zum Novem- 
ber. Im Spätherbst hört man mit dem Giessen 
auf und gibt nur soviel Wasser, dass die saf- 
tigen Stengel nicht einschrumpfen. In diesem 
Zustand werden die Pflanzen an einem durch- 
' aus trocknen und vor Frost geschützten Stand- 
ort des Kalthauses durchwintert. 

Im Monat Februar beginnt die gleiche Be- 
handlung von Neuem. Um die Blüthezeit frü- 
her herbeizuführen, kann man im Frühling die 
Pflanzen auch einige Zeit ins Warmbeet setzen, 
bis sie Knospen zeigen. Dann aber kommen 
sie wieder ins Kalthaus, und sie werden bei 
dieser Behandlung kräftiger und dauerhafter 
werden , als bei der Behandlung als Warm- 
hauspflanze. (Floricult. Cabinet.) 

4) Die Handels- und Arzneipflan- 
zen Griechenlands. — In der FloTa gibt 
Herr Landerer einen ausführlichen Bericht 
über dieselben. Wir entnehmen diesem Auf- 
satz einige Notizen über die interessantesten 
derselben : 

Die Safranpflanze (Crocus sativus) 
kommt sehr häufig um Athen vor. Auf den 
Inseln Tinos und Polycandro wird er gesam- 
melt und auf die Bazars von Smyrna und 
Constanlinopel zum Verkauf gebracht, 

Die Quecke (Triticum repens). Die Wur- 
zeln dieses Grases nennen die Griechen Agrin- 
da und benutzen sie zur Bereitung eines 
Thees. Anstalt derselben werden jedoch auch 
häufig die Wurzeln der in Weingärten wu- 
chernden Digitaria stolonifera gesammelt. Die 
Früchte des Brustbeerbaums (Rhamnus 
Jujuba), von den Griechen Zizipha genannt, 
werden zu Brustlhee und Syrup für die Kin- 
der verwendet. Anstalt derselben benutzt man 
auch die Früchte der Elaeagnus angustifolia. 
Eine verwandte, in Palästina heimische Pflanze 
ist der Ziziphus spina Christi. Aus den Zwei- 
gen desselben soll die Dornenkrone des Hei- 
landes geflochten worden sein. 

Der Schierling (Coniam maculatum), 
das Koivfiop der Alten , früher sehr häufig, 
ist jetzt selten geworden, da von der türki- 
schen Regierung die Ausrottung desselben, zu- 



gleich mit andern Giftpflanzen der Schutthau- 
fen anbefohlen worden war. Man betrachtete 
dieselben als Fieber erzeugend. Der Schier- 
lingstrank war das bekannte Pflanzen-Gift der 
Alten, welches z. B. Athen seinen grossen 
Männern zu trinken gab. 

Der Flieder (Sambucus nigra). Wie bei 
uns dienen die Blumen desselben zum belieb- 
testen Thee bei Erkältungen. 

Die Raute. Rula graveolens und chale- 
pensis werden jetzt als Mittel gegen Kurzsich- 
tigkeit angewendet. Früher wurden sie gegen 
die Schierlings-Vergiftung angewendet. 

Der Mohn. (Papaver somniferum.) Wird 
zuweilen zur Bereitung von Opium angebauet. 
Das Produkt wird dem besten Smyrnaer Opium 
zur Seite gestellt. 

Helleborus officinalis. Die Wurzel 
desselben vertritt dort die Stelle unseres H. 
niger. Gegen Epilepsie soll sie gute Dienste 
leisten. 

Den Tragacanth - Gummi liefert dort 
der Astragalus aristalus, der auf dem Berge 
Bodia,,in Elis gelegen, sehr häufig ist. 

Das Süssholz, Grlycirrhiza glabra, deren 
Wurzel dieses liefert , wächst an der Küste 
von Patras sehr häufig. Tausende von Zent- 
nern werden jährlich gesammelt und versen- 
det oder zur Bereitung von Lakritzen - Säften 
verwendet. 

Chamille. Matricaria Chamomilla und 
M. suaveolens sind sehr häufig, werden aber 
weniger gesammelt. 

Salep. In den Ebenen von Thessalien 
und Epirus wachsen Orchis pyramidalis, corio- 
phora, mascula und papilionacea sehr häu- 
fig. Man pflügt die Stellen um und sucht die 
grössten Knollen zur Bereitung des Saleps 
heraus. Nachdem die Knollen gewaschen und 
getrocknet, werden sie gemahlen und meist 
zu einer Art Gelatina-Salep bereitet. Beson- 
ders die armen Classen gemessen diese Salep- 
Gelee, mit Honig versüsst, als nährenden Mor- 
gentrank. 

Quer cus Aegilops ist für Griechenland 
eine der wichtigsten Pflanzen. Man sammelt 
von ihr die Fruchtkelche, die Wallani- 
dia genannt und Tausenden von Centnern 
jährlieh aus Griechenland ausgeführt wer- 
den. Je kleiner sie sind, je mehr Gerbstoff 



128 



Gartenflora Deutschlands and der Schweiz. 



besitzen sie ; je grösser, desto weniger. Es bilden 
diese Wallaniden-Bäume den Hauptreichthum 
der Gutsbesitzer. Man gibt sie daher den 
Töchtern als ein jährlich seine bestimmten 
Renten bringendes Capital als Aussteuer mit. 
Ein schöner Baum kann jährlich 6 — 10 Clr. 
Eichelkelche hefern , die pr. Ctr. mit 10 — 15 
Drachmen bezahlt werden. 

Die gemeinste Fichte ist der Pinus ha- 
lepensis. Der Terpentin , den man aus solcher 
gewinnt, , wird Retsin genannt, und den Wei- 
nen beigesetzt , um solche haltbarer zu ma- 
chen. 

Der Mastix-Baum, (Pistacia Lentis- 
cus) wird nur auf Chios zur Bereitung des 
Mastix angebauet. Schöne Bäume haben dort 
einen hohen Werth. 

Die Feige, (Ficus Carica), wird in Grie- 
chenland sehr schmackhaft und zur Versen- 
dung getrocknet 

Der Johannisbrod-Baum , (Ceratonia 
Siliqua) kommt zwar überall vor, reift aber in 
Griechenland keine so süssen Früchte. Auf 
Cypern dagegen werden sie so süss, dass 
man aus denselben einen Syrup bereitet, der 
als gewöhnlichstes Versüssungsmiltel benutzt 
wird. Bäume desselben werden in Cypern 
den Töchtern als Aussteuer "mitgegeben, gleich- 
wie in Chios die Pislacien und in Griechen- 
land die Wallaniden- und Olivenbäume. (E. R.) 

5) Entdeckung des Carminfarbe- 
stoffes in den Blumen der Monarda 
didyma. Herr Belhomme hat kürzlich der 
französischen Academie des Sciences 
eine Miltheilung gemacht über eine von ihm 
gemachte interessante und wichtige Entdeckung. 
— Indem er nach neuen Pflanzenfarbstoffen 
suchte, fand er in den Blüthen der Monarda 
didyma, einer nordamerikanischen Staude, 
die ihrer schönen hochrothen Blumen wegen 
zu den beliebtesten Gartenpflanzen gehört, das 
so werthvolle Carmin , welches bis jetzt nur 
in den Früchten der indianischen Feige 
(Opunlia ficus indica) und der Kermesbeere 
angetroffen wurde. Da die M. didyma in 
jedem Boden leicht gedeiht, sich sehr rasch 
durch Ausläufer und Stecklinge vermehrt und 
sehr reich blüht, so steht dem Anbau im Gros- 
sen kein Hinderniss entgegegen, und der Far- 
bestoff würde daher zu wohlfeilem Preise sich 



gewinnen lassen. Wenn man die Blumen 
in Wasser legt, ist dasselbe bald mit dem 
Farbstoffe gesättigt; mit verschiedenen Säuren 
und andern chemischen Agentien behandelt, 
zeigt dieser Farbstoff alle Kennzeichen des 
ächten Carmin, und man erhält ihn am leich- 
testen, indem man das gesättigte Wasser mit 
Alkohol kochen lässt, bei der Erkaltung setzt 
er sich dann als Niederschlag ab. — 

(Flore des Serres. — E. 0.) 

6) Ueberwinterung von Bienen- 
stöcken unter der Erde. Herr Forst- 
ner, Lehrer in Harengen hat der Münchner Ge- 
sellschaft Bericht erstattet über einen von ihm 
gemachten Versuch , wonach die Ueberwin- 
terung von Bienenstöcken unter der Erde nicht 
nur möglich , sondern sogar vortheilhaft er- 
scheint. 

In einem, gegen Feuchtigkeit geschützten 
Theile seines Gartens Hess Herr F. eine Grube 
von 8 Fuss Tiefe , 4 Fuss Länge und 3 Fuss 
Breite auswerfen, den Grund derselben 1 Fuss 
hoch mit Kieselsteinen bedecken, um etwaige 
Feuchtigkeit abzuziehen", darüber Tannenna- 
deln ausbreiten und auf diese eine fussdicke 
Schicht von Hanfwerg legen. Den 30. Octo- 
ber wurden nun 2 gesunde Stöcke in diese 
Grube gebracht, an deren obern Ende meh- 
rere Federposen befestigt waren , um den Zu- 
tritt der Luft nicht ganz zu hemmen ; der Zwi- 
schenraum zwischen den Stöcken wurde leicht 
mit trockenem Erbsenstroh ausgefüllt , das 
Ganze dann ungefähr mit einer 6 Zoll hohen 
Schicht Tannennadeln bedeckt und die Grube 
hermetisch geschlossen durch eine alte Holz- 
thür, die noch mit einer festgetretenen Erd- 
schicht gedeckt wurde. 

Als das Wetter im Frühjahr warm wurde, 
am 21. März , nahm Herr Forslner die Stöcke 
hervor und ein Vergleich mit den auf die ge- 
wöhnliche Weise überwinterten Stöcken gab 
ein überraschend vortheilhaftes Resultat : die 
auf diese Art durchwinterten Stöcke hatten nur 
unbedeutend an Gewicht verloren, wenige Bie- 
nen waren gestorben, und die übrigen voll- 
kommen gesund geblieben , während die an- 
deren Stöcke um 8 Pfd. an Gewicht abgenom- 
men hatten. Im folgenden Sommer zeigten 
sich auch die Schwärme dieser Stöcke ganz 
besonders munter und fleissig im Einsammeln 
und lieferten früher als gewöhnlich eine er- 
giebige Ausbeule von vortrefflichem Honig. 
Herr F. konnte nicht entscheiden , ob die Bie- 
nen unter der Erde weniger verzehren, oder, 
wie es wahrscheinlich ist, ob sie hier eine Art 
Winterschlaf hallen und während dieser Zeit 
gar keiner Nahrung bedürfen. Manmuss solche 
Gruben natürlich gegen Feldmäuse und Maul- 
würfe zu schützen wissen. Es wäre wün- 
schenswerth, wenn dieser Versuch zu weiteren 
Experimenten Anlass gäbe. — 

(Flore des Serres. — E. 0.) 



I. r i g i n a 1 a b Ii a n d 1 u n g o n. 



1) AI»gelfiiE«§ete Pflanzen» 

a) Lagerströmia indica L 

(Hierzu Tafel 191.) 
Lythrariaceae. Lagerströmieae. 



Nicht ohne aufrichtige Bewunderung 
nahen wir dieser Prachtpflanze , die im 
Monat Juli und Anfang August die 
Hauptzierde des hiesigen Gartens bildet 
und einer Menge von Besuchern dann stets 
den schuldigen Tribut der Bewunderung 
abfordert. Unser Mitarbeiter H. Jäger 
machte schon auf die Schönheit dieser 
Pflanze aufmerksam. So schön aber 
hatten wir sie uns nicht gedacht. 

Die Gattung Lagerströmia bildet mit 
einigen andern Gattungen eine kleine 
Untergruppe der Lythrariaceen , die den 
Melastomaceen zunächst steht. Die La- 
gerströmia indica ist in China und Ja- 
pan heimisch und gehört zu den harten 
Kalthauspflanzen, die im Winter, wie die 
Granaten, das Laub abwerfen. Es ist mir 
wahrscheinlich , dass diese Pflanze bei 
einer ähnlichen Behandlung, wie sie den 
Granatbäumen zu Theil wird, gedeihen 
dürfte. 

In der Schweiz hält sie schon in 
geschützten Lagen aus. So steht in der 
Schipf bei Herrliberg am Zürchersee 
ein Exemplar im Freien, das aber , so- 
viel uns bekannt, noch nie geblühet 
hat. In Italien und der Krim gehört 
V. 1857. 



dagegen die Lagerströmia schon zu den 
herrlichsten und geachtetsten Bosquet- 
sträuchern , und da war es , wo unser 
Jäger die Exemplare sah, die ihn ent- 
zückten. 

Was sagen nun unsere Leser dazu, 
dass diese Lagerströmia, welche in 
Deutschland nie blühet , hier im hohen 
Norden, jährlich in einer Masse von gros- 
sen und kleinen Exemplaren zur Blüthe 
gebracht wird! 

Die Stammexemplare zu dieser Menge 
von Pflanzen stehen im Botanischen 
Garten und gehören Sr. Erlaucht , dem 
Grafen von Peroffsky, der solche in 
Frankreich aus dem Garten zu Ncuilly 
ankaufte und auch die Anleitung gab, 
wie sie zur Blüthe gebracht werden müss- 
ten. Beginnen wir mit dem Winter: 
Zu dieser Jahreszeit werden alle Pflan- 
zen in einem nur frostfrei gehaltenen 
Locale gehalten, wo sie alle Blätter ver- 
lieren und nur soviel begossen werden, 
dass das Holz nicht eintrocknet. Im 
März kommen sie in ein Glashaus, das 
auf ungefähr 6 — 8° R. gehalten wird, 
und wo ihnen ein Standort angewiesen 
wird, an dem sie von allen Seiten Licht 

9 



130 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



erhalten. Zuvor werden sie noch ge- 
schnitten. Dieser Schnitt beschränkt sich 
darauf, aus dem Innern alles überflüssige 
Holz wegzunehmen und die Triebe ein- 
zukürzen. 

Sobald der Trieb beginnt, gibt man 
der Pflanze von Zeit zu Zeit einen Dung- 
guss und bei mildem Wetter wird gelüf- 
tet. Im Juli werden sich die Blumen 
zeigen, und in grossen mächtigen Sträus- 
sen auf den Spitzen aller Zweige er- 



scheinen. Junge Pflanzen nimmt man 
ins halbwarme Beet zum Antreiben, hier 
brühen sie ebenfalls dankbar. 

Vermehrung durch Stecklinge, die je- 
doch zeitig im Frühling vom jungen Holz 
gemacht werden müssen, wenn die jun- 
gen Pflanzen den Winter glücklich über- 
stehen sollen. 

Die Abbildung gibt einen einzelnen 
Ast des lOFuss hohen, bis zum Grunde 
verästelten Baumes. (E. R.) 



b) Macrostigma tupistroides Ktb 

Aspidistreae Endl. 
(Siehe Tafel 192.) 



Die Familie, zu welcher diese Pflanze 
gehört, ist nicht genau umgrenzt und 
als solche aufgestellt, weil man noch 
nicht hinreichend alle ihre Glieder Kennt, 
und selbst von den bekannten die zur 
Charakteristik nothwendigen Thcile, wie 
Frucht und Samen , meistens fehlen. — 
Man rechnet hierher folgende , in den 
Gewächshäusern bereits zur Blüthe ge- 
langte und in den englischen Werken 
abgebildete Arten: 

Aspidistra lurida Gawol., im Bot. Reg. 
628, und Bot. Magaz. 2499. Tupistra 
squalida Gawol; im Bot. Mag. 1655, und 
Bot. Reg. 704. Tupistra nutans Wall, im 
Bot. Reg. 1223, und Bot. Mag. 3054. — 
Rhodea japouica Roth im Bot. Mag. 898. 
Unsere Pflanze ist noch nirgends abge- 
bildet. Um so erwünschter ist es, eine 
neue Pflanze dieser Reihe in den Gär- 
ten eingeführt zu finden , die auch dem 
Liebhaber nicht unwillkommen sein wird, 
da sie des Seltsamen manches bietet. 

Eine ausführliche Beschreibnng kann 
hier füglich unterbleiben, da für vorlie- 
genden Zweck die Abbildung eine solche 
ersetzen wird. 



Das ältere Blatt hat eine Länge von 
16 Zoll. 

Wir finden mehr darüber bei 
Kunth, Enumeratio V. p. 319. Wie 
bei Plectogyne variegata Lk. (Aspi- 
distra Hortor) ist auch hier die schirm- 
förmige Ausbreitung des Griffels beson- 
ders bemerkenswerth. Diese ist jedoch 
nicht ganz wirkliche Narbe, sondern die 
Pollen aufnehmenden Stellen bilden Li- 
nien, die in ein Dreieck zusammenlau- 
fen, gegen den schwaeh dreilappigen, 
gekerbten Rand hin aber sich gabelig 
verzweigen. Um diess zu sehen, muss 
man etwas von der dunkelfarbigen obe- 
ren Schichte abschaben. Auch ist es 
auffallend, wie manche Blüthenstielchen 
an den Hauptstiel hinaufwachsen , und 
so das Deckblatt oft ziemlich weit von 
ihnen abgerückt ist. — Der sehr kleine 
Fruchtknoten ist nicht weniger bemer- 
kenswerth, Eine Frucht setzte unser 
Exemplar nicht an. 

Wir erhielten die Pflanze aus dem 
bot. Garten von Freiburg ohne weitere 
Notiz über sie, und halten dieselbe im 
Orchideenhause, wo sie am 20. Nov. 



I. Originalabhandlungen. 



131 



1855 blühte. Das Vaterland ist nach 
Kunth noch nicht bekannt , die obigen 
Arten sind in Hinterindien zu Hause. 

Die Analyse zeigt bei a) die halbirte 
Blume, bei welcher jedoch am Stempel 
die Narbe unversehrt gelassen ist; die 
Staubfäden sind völlig an die Blume an- 
geschmolzen; b) der Stempel allein et- 



was vergrössert; c) der Querschnitt des 
Fruchtknotens; d) der Längsschnitt des- 
selben; e) der Narbenkopf nach Ent- 
fernung der obersten Schichte , um das 
leitende Gewebe der Narben zu sehen. 

A. Schnizlein, 
Direktor des botan. Gartens in Erlangen. 



c) a. Lockbartia obtusifolia Rgl. ß. Plcnrothallis Lansbergii Rgi. 

y. Brassia Heiliana Reicbb. fil. 

(Siehe Tafel 191.) 

a. Lockhartia obtusifolia Rgl. 

(Siehe Fig. a. b. c.) 
Orch ideae. 



Foliis triangulis obtusis carinatis, 
paniculis paucifloris axillaribus, bracteis 
membranaceis acutis, labelli hastati lobis 
lateralibus i acutiusculis , intermedio ob- 
longo obtuso. 

Lebende Exemplare dieser neuen Or- 
chidee erhielt der hiesige Garten aus 
Columbien von Lansberg. Sie steht der 
L. (Fernandezia) elegans in Blatt und 
Lippenbildung , in Blüthenstand und 
Blume dagegen der Lockhartia acuta 
zunächst. Die Stengel steigen schlank 
empor und sind bis 1 Fuss lang. Die 
reitenden Blätter stehen zweizeilig und 
bedecken dachziegelförmig den Stengel, 
sie sind verlängert 3seitig , stumpf, 3 / 4 
Zoll lang und ! / 4 Zoll breit. Blüthen- 
rispen achselständig, 2 bis mehrblumig, 
unten mit einzelnen herzförmig-lanzettli- 
chen spitzen angedrückten Bracteen, 
oben mit herzförmigen, fast runden kap- 
penförmigen abstehenden, in einen Mucro 
ausgehenden Bracteen besetzt Blume 
gelb , kaum J / 3 Zoll im Durchmesser, 3 
Kelchblätter , welche zurückgekrümmt 
abstehen, concav, oval, kurz gespitzt; 



Blumenblätter fast sichelförmig, länglich- 
oval , fast kraus , stumpf , aufrecht-ab- 
stehend ; Lippe speerförmig - drcilappig, 
braun gezeichnet, mit linear-3seitigen 
Seitenlappen, die spitz oder stumpf und 
an der Spitze gezähnelt und mit verlän- 
gertem, stumpfem, an der Spitze gezäh- 
neltem Mittellappen; die Scheibe auf 
der Lippe besteht aus vielen Höckern, 
welche nach vorn klein, nach hinten 
gross. Die Säule mit zwei ovalen spitzen 
Flügeln, welche nach vorn spitz gezäh- 
nelt. Pollinien 2, keulenförmig, gestielt, 
mit kleiner Drüse. 

Cultur in lockerer, mit Moos ver- 
mischter Holzerde in durchbrochenen 
Töpfen oder in Körben. Blühet im 
März. Verlangt einen lichten Standort 
unterm Fenster. 

Erklärung der Tafel. 

a. Stengelspilze in natürlicher Grösse. 

b. Pollinien vergrössert. 

c. Ansicht einer Blume von vorn , ver- 
grössert. 



9 



* 



132 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



ß. Pleurothallis Lansbergii [Rgl 

(Siehe Fig. d.) 
Orchideae. 



P. Lansbergii (Aggregatae, lae- 
ves, cordatae) . Die Stengel werden bis 
J / a Fuss hoch, sind dünn, stielrund mit 
oberem, verhältnissmässig sehr langem 
Zwischenknotenstück. Das Blatt auf der 
Spitze des Stengels ist pergamentartig, 
länglich - oval oder länglich, am Grunde 
tief herzförmig , nach oben zugespitzt 
mit klein 3zähniger oder ganzer Spitze. 
Blumen einzeln oder zu 2 treten am 
Grund des Blattes aus einer häutigen 
Scheide hervor und stehen auf Blumen- 
stielen, welche von durchsichtiger, oben 
abgestutzter Scheide umgeben sind. Aeus- 
sere Blüthenhüllblätter 2, hellbraungelb, 
3nervig, J / a Zoll lang, das obere oval- 
lanzettlich, spitz, das untere fast gleich- 
lang und wenig breiter; innere Blü- 
thenhüllbältter schmal linear, halb so 
lang als die äusseren ; Lippe so lang 



als innere Hüllblätter, kurz genagelt, 
aus fast speerförmigem Grunde oval-zun- 
genförmig, fast noch einmal so lang als 
breit, dick, dicht mit kleinen Erhöhungen 
bedeckt und dunkelpurpur gefärbt. Säule 
kurz, abgestutzt. " , 

Der hiesige Garten erhielt diese Art 
von Lansberg aus Columbien. Sie ist 
zunächst mit PI. Cardium Rchb. f II. 
verwandt , welche letztere sich durch 
6 — 10 zusammengehäufte Blumen und 
eine dreieckig-bandförmige Lippe unter- 
scheidet , die 3 bis 4mal so lang als 
breit. 

Wir konnten in der noch so zerstreu- 
ten Literatur keine mit unserer Pflanze 
identische Art auffinden , und nannten 
sie daher nach dem Entdecker. — Cul- 
tur in durchbrochenen Körben , Töpfen 
oder auch mit Moosunterlage an Holz. — 



y. Brassia Kciliana Rchb. Gl. 

(Fig. e. f. g.) 



Eine der schönsten Brassien Colum- 
biens, von welcher der hiesige Garten 
starke , von Lansberg eingeführte Exem- 
plare besitzt, die hier als Brassia 
Lansbergiana H. Petrop. eultivirt 
wurden und deren eines im April mit 
12 Blüthenstengeln zur gleichen Zeit 
blühete. Gehört zu den schönsten des Ge- 
schlechts und gedeihet, in durchbrochene 
Körbe oder Töpfe gepflanzt, leicht und 
sicher , sofern sie zur Vegetationszeit 
genugsam "Wärme und Feuchtigkeit er- 
hält. Unsere Pflanze weicht durch Brac- 
teen, die zuweilen kürzer als der Frucht- 
knoten , und eine rundlich - quadratische 



oder länglich - quadratische gelbe Lippe, 
die plötzlich in eine grannenartige, vom 
ausgehenden Nerven gebildete Spitze 
vorgezogen ist, von Reichenbach's Be- 
schreibung ab. Von der nah verwand- 
ten B. glumacea konnten wir nirgends 
eine Beschreibung auffinden. Sicher 
aber scheint es zu sein, dass unsere 
Pflanze zu B. Keiliana gehört, von der 
sie vielleicht eine Form bildet. 

Beschreibung. Scheinknollen zwei- 
schneidig zusammengedrückt, oval -läng- 
lich, gegen die Spitze hin verdünnt, bis 2 1 /* 
Zoll lang und 1 l h Zoll breit, am Grunde 
von 3 — 4 Blättern gestützt, auf der 



I. Originalabhandlungen. 



133 



Spitze 1 — 2 Blätter tragend. Blätter 
aus scheidigem Grunde länglich -lanzett- 
lich, spitz , 1 — l 1 /» Fuss lang, 1—1 Va 
Zoll breit, hellgrün, von 7 — 9 Längs- 
nerven durchzogen. Blüthentrauben kür- 
zer als die Blätter, 4 — 8 blumig, mit 
fast zusammengedrücktem Blüthenstiel. 
Bracteen häutig , zugespitzt , scharf ge- 
kielt, dem Fruchtknoten fast gleichlang 
oder wenig länger. Blüthenhüllblätter 
linien-lanzettlicx. , sehr lang zugespitzt, 
anfangs schön gelbbraun, später roth- 
braun; die äusseren l 1 /^ — 2 1 /» Zoll 
lang und unten 3 — 4 Linien breit, die 
innern kürzer und ein wenig breiter. 
Lippe mit sehr kurzem, breit-keilförmigem 
aufrechtem Grunde, mit abgerundet- oder 
länglich-quadratischer Platte, welche am 
Rande schwach wellig, an der Spitze 
durch den ausgehenden Nerven plötz- 



lich in eine grannenartige Spitze vorge- 
zogen ist, ausserdem schön goldgelb, 
vom Grunde zur Spitze ungefähr 1 Zoll 
lang und bis J /a Zoll breit. Die Scheibe 
sitzt auf dem aufrechten Nagel der 
Lippe und bildet 2, beiderseits 2 zäh- 
nige, sehr kurz sammtig behaarte La- 
mellen, vor denen 2 braunrothe Flecken 
sich befinden. Säule kurz, halbstielrund, 
mit dunkelvioletter Narbengrube, die zu 
beiden Seiten gerandet. 

Erklärung der Tafel. 

e. Eine Blume in Lebensgrösse. 

f. Säule und Lippengrund von der Sei- 
tenansicht vergrössert. 

g. Spitze der Säule mit abgehobener 
Anthere , mil den 2 , der Drüse auf- 
sitzenden Pollinarien. 



») Oranlenbaum. 



Oberhalb der grossen, aus Stein und 
Eisen construirten Brücke über die mäch- 
tige Newa, welche von der eigentlichen 
Stadt nach Wassiliki-Ostrow (Wassilys- 
Insel) führt, halten die Dampfschiffe, 
welche die tägliche Fahrt nach Peterhof 
machen, an. Eine herrliche Fahrt über den 
Meerbusen , der , gleich hinter Peters- 
burg beginnend, sich zu einem theil- 
weis unbegränzten Wasserspiegel aus- 
dehnt, um dann bei Kronstadt sich wie- 
der zu verengern. Wir nähern uns Pe- 
terhofs anmuthig hügeligem Terrain, das 
zu einem enormen Park von ungefähr 
8 Stunden Umfang umgewandelt ist. 

Dort steht am Ufer die Sommerwoh- 
nung Peter's, des Grossen ; hier tritt uns 
durch eine Durchsicht das jetzige Schloss 
entgegen, während rechts Kronstadt deut- 
lich vor uns liegt. 

Wir versparen uns die Schilderung 



Peterhof's auf spätere Zeit, wenn wir 
einmal durch wiederholten Besuch die- 
ses mächtige Terrain erst kennen ge- 
lernt haben werden. Beiläufig wollen 
wir heute nur bemerken, dass die Was- 
serkünste Peterhof's alles übertreffen 
dürften, was in dieser Richtung existirt. 
Das sind hier nicht vereinzelte Fon- 
tainen , welche einen dünnen Wasser- 
strahl emporsenden. Da sind es bald 
dicke mächtige Wasserstrahlen, welche 
eine herrliche Wassergarbe emporwerfen, 
während im Hintergrund ein Wasserfall 
über Terrassen herunterstürzt, — oder 
es sind eine Menge einzelner Wasser- 
strahlen an einem architectonischen Bau- 
werk angebracht und mit diesem in Har- 
monie gesetzt, oder es bilden an andern 
Orten eine grosse Masse einzelner Was- 
serstrahle eine architectonische Figur, 
und man sieht z. B. an einem Orte un- 



134 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



gefähr 800 Wasserröhren eine einzige 
Wassergarbe bilden. 

Alles dies wäre an andern Orten 
schon gross und staunenswerth , aber 
verschwindet vor dem Schauspiel, das 
sich vorm Schloss darbietet. — Es 
liegt dieses auf einer Anhöhe , vor der 
sich ein grosser Platz im Styl Ludwig 
XIV. ausbreitet, und über einen gera- 
den, breiten, rechtwinkelig auf den Mit- 
telpunkt laufenden Kanal geniesst man 
den Blick hinaus in die See. Grosse 
Marmortreppen führen beiderseits hinauf 
zum Schloss und zwischen diesen Trep- 
pen sind beckenförmige Terrassen gebil- 
det. Oben vorm Schloss, längs der 
Treppen , unten auf und rings um den 
Platz und dem Kanäle, noch bis zum 
Meere stehen Marmorstatuen und Grup- 
pen aller Art, die meist reich vergoldet 
sind und unter sich ein harmonisches 
Ganzes bilden. Man denke sich nun 
Hunderte und Hunderte ansehnli- 
cher Fontainen und Figuren längs den 
Treppen, auf dem Platze, längs dem 
Kanäle , kurz , allenthalben da entsprin- 
gen, wo solche angebracht werden kön- 
nen, um eine wahrhaft meisterhafte Sym- 
metrie und Regelung in das Ganze zu 
bringen. Da stürzt das Wasser in sol- 
chen Massen hernieder, dass die breiten 
Becken der Terrassen sich schnell mit 
Wasser füllen und das Wasser in ge- 
schlossenen glatten Bogen über den ge- 
wölbten Rand jherabfällt, während die 
tief blau und gold verzierten senkrech- 
ten Wände darunter hervorleuchten. 
Hier scheint sich in Wahrheit einer der 
Träume von Tausend und Einer Nacht 
in Scenerie zu setzen, man sieht und 
sieht, — und glaubt, seinen eignen Au- 
gen, ob dieses wunderbaren Bildes, das 
in der Ferne sich mit der See vermählt, 
nicht trauen zu dürfen. 

Begünstigt dabei noch heller Son- 



nenschein die Scene, so wird das Ganze 
noch glänzender, lebhafter. Am schön- 
sten aber sollen diese Wasserkünste sein, 
wenn sie zuweilen an besondern Festen 
Abends beleuchtet werden. Allenthal- 
ben unter und hinter den Wasserstrah- 
len leuchten dann Tausende und Tau- 
sende von Lichtern. Nur wenn man 
hier bei anderer .Gelegenheit eine jener 
splendiden Illuminationen gesehen hat, 
kann man sich einen ungefähren Begriff 
davon machen, welchen feenhaften Ein- 
druck eine derartig beleuchtete Wasser- 
Scene machen muss. — 

Doch wir wollten ja nach Oranien- 
baum ! Ein gefälliger Iswotschi (Fuhr- 
mann einer Droschke) fährt uns dahin. 
Die durchaus offene Droschke erlaubt 
uns den Ausblick nach allen Seiten. 
Links dem Wege nach zieht sich ein 
kleiner Höhenzug. Hier sind auf der 
Höhe die reizendsten Landhäuser (Dat- 
schen), oft ganz im Schweizerstyl ange- 
baut. Umgeben sind sie mit Gärten, 
oder einzelne sogar mit ausgedehnten 
Parkanlagen, deren einzelner wir viel- 
leicht später einmal gedenken. Links 
öffnet sich hier und da die Aussicht auf 
die See und das nahe Kronstadt. In 
einer Stunde hat man Oranienbaum er- 
reicht. Wir passiren dasselbe und kom- 
men nun bald zum Schloss und Park 
der Grossfürstin Helena, K. H. 

Es ist dies ein Park im wahren 
Sinne des Wortes , ungefähr 1 1 \< l Stun- 
den lang und grosse Waldungen enthal- 
tend. Früher war nur ein kleiner Theil 
desselben , und zwar im französischen 
Style ausgeführt. Seit 4 Jahren wird aber 
stark darin gearbeitet, und es hat schon 
in dieser kurzen Zeit der grosse Park 
durch zweckmässige Lichtungen , Pflan- 
zungen , Aushebung von Teichen und 
Seen (einer derselben hat l 1 /» Stunden 
im Umfange) eine ganz andere Gestalt 



I. Originalabhandlungen. 



135 



erhalten. Herr Mein ecke, ein deut- 
scher Gärtner ist es , unter dessen Lei- 
tung diese Arbeiten in edlem, ungesucht 
natürlichem Style ausgeführt und durch- 
geführt werden. Das Material, mit dem 
hier gearbeitet wird, ist zwar einförmi- 
ger, als in Deutschland, die vortreffliche 
Gruppirung der Pflanzungen lässt dies 
aber kaum empfinden. 

Eine Schwierigkeit jedoch , die hier 
dem Landsehaftsgärtner störend in den 
Weg tritt, ist die Unterhaltung dauer- 
hafter Rasenplätze. DasRaigras (Lo- 
lium perenne) überdauert hier den 
Winter nicht; wo man es daher für 
Rasenplätze verwendet, müssen diese 
jährlich erneuert werden. Auf diese 
Weise erhält man zwar ausgezeichnet 
schöne, bis zum Spätherbst lebendig 
grüne Rasenplätze , aber in grossem 
Maasstabe lässt sich das gar nicht aus- 
führen. Als durchaus hartes Gras wird 
hier Phleum pratense für Park - Anla- 
gen angewandt und Klee dazwischen ge- 
säet. Einen schönen , freudig grünen 
Rasenplatz bildet dasselbe aber selten 
und nach dem Schnitt ist es eine Zeit 
lang unansehnlich röthlich. 

Im hiesigen Garten machte ich in 
diesem Frühling einige Ansaaten von 
einem Gemenge von Raigras , Poa pra- 
tensis, trivialisund Agrostis stolonifera. 
Angesäet ward es in der Weise , dass 
erst das Raigras dünn ausgesäet und 
eingehackt ward und hierauf die feinsa- 
migen drei andern Gräser vermischt 
nachgesäet und eingerecht wurden. Es 
waren diese Rasenplätze in diesem Som- 
mer fast noch schöner und gleichmässi- 
ger, als die von reinem Raigras. Ob sie 
aber dauerhaft sein werden, muss nun 
das folgende Jahr lehren. 

Oranienbaum hat eine herrliche Lage. 
Von der Spitze des Gebäudes, welches 
unter Kaiserin Katharina zur Rutschbahn 



aufgebauet ward , übersieht man den 
ganzen Meerbusen bis nach Petersburg, 
dessen goldene Thurmkuppeln bei gün- 
stiger Beleuchtung klar erglänzen , und 
unter denen sich besonders die Isaaks- 
kirche ganz kolossal hervorhebt. Die 
Küsten Pinnlands verschwimmen in blauer 
Ferne, gegenüber Kronstadt mit seinen 
vielgenannten Festen, umgeben von ei- 
nem Mastenwald der Schiffe. Aussen 
stehen einzelne der grössern Kriegs- 
schiffe immer in See. Von da bis Pe- 
tersburg bilden die massenhaft hin und 
hergehenden Schiffe eine wahre Wasser- 
strasse, weil das Fahrwasser, in dem sie 
sich bewegen, nur schmal ist. Von ei- 
nem höhern Hügel, weiter hinab an der 
Küste, hat man auch noch den Ueber- 
blick über das waldige hügelige Terrain 
und die See; ein lieblicher, reizender 
Punkt. 

Die Anlage des Parkes selbst bietet 
die mannigfachsten Scenerien dar, wel- 
che die Kunst in richtiger Erkenntniss 
der gegebenen Verhältnisse darzustellen 
vermag. Da liebliche Wasserparthieen 
mit anmuthig gebogenen Ufern, bald 
durch Pflanzungen, bald durch Wiesen- 
gründe begränzt. Dort um das Chi- 
nesische Palais auf Rasenplätzen Blu- 
mengruppen, und durch eine lange Lich- 
tung des Waldes ein Blick auf das 
ferne Kronstadt. Hier schlängelt sich 
der Weg durch Wiese und Wald hin, 
wo das Auge bald auf dieser, bald auf 
jener Baumgruppe ruht, bald durch Lich- 
tungen nach ferneren Gegenständen hin- 
blickt, oder er führt auch wohl durch 
dichten , noch unberührten Wald , und 
die Ruhe und der Ernst der Scenerie 
verfehlt nicht, seine Rückwirkung auf das 
Gemüth auszuüben. 

Wir müssen es aufgeben, die einzel- 
nen Parthieen zu schildern, müsste man 
doch Tagelang gehen und hätte sie noch 



136 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



lange nicht alle gesehen. Wir wollen 
nur noch einiger Strauch er gedenken, 
die in Deutschland wenig Beachtung 
finden, und hier wirklich ausserordent- 
lich schön sind. Es sind: 

Potentilla fruticosa. Hier ein liebli- 
cher 2 — 3 Fuss hoher Strauch, der von 
Juli bis September unausgesetzt mit sei- 
nen glänzend gelben Blumen beladen 
ist. Ihr anschliesst sich in ähnlicher 
Eigenschaft die Spiraea laevigata und 
Rubus fruticosus. 



Als Hängepflanze macht eine Abart 
von Populus tremula Var. pendula im 
Wuchs ungefähr den gleichen Eindruck, 
wie eine Traueresche. 

Die sibirische Pinus Pichta ist eine 
wahrhaft schöne schwarzgrüne Tanne, 
die im Wuchs an P. Picea erinnert. 

Ueber andere Blume und Sträucher 
haben wir früher schon berichtet , so 
dass wir hiermit unsern Bericht für dies- 
mal schliessen wollen. (E. R,) 



3) Ueber die Cultur der Cyelantheae , insbesondere der Gat- 
tungen Carludovica R. et P, und Cyclantkus Polt. 

Von C. Bouche, Inspector des Königlichen Botanischen Gartens bei Berlin. 



Da die Arten dieser beiden Gattun- 
gen in den europäischen Gärten immer 
noch selten bleiben, obgleich sie ihres 
prächtigen palmenartigen Wuchses hal- 
ber zu den schönsten Decorations-Pflan- 
zen der tropischen Gewächshäuser ge- 
hören und eine grössere Verbreitung ver- 
dienten, als es in der That der Fall 
ist, so scheint es, als ob das Hinder- 
niss zu ihrer häufigeren Anzucht haupt- 
sächlich darm liege, dass man mit ihrer 
Cultur nicht hinreichend vertraut ist. Ich 
erlaube mir daher meine Culturmethode 
mitzutlieilen , wobei sie ganz besonders 
üppig gedeihen, zum Theil blühen, voll- 
kommenen Samen tragen und sich nicht 
nur durch diesen , sondern auch durch 
Seitensprossen reichlich vermehren lassen. 

Die Cyclantheen sind im tropischen 
Amerika, besonders in Venezuela hei- 
misch, wo sie an sehr feuchten, oft 
überschwemmten Orten an schattigen Stel- 
len vorkommen; die meisten haben kurze, 
3 — 4 Zoll dicke, sehr faserige Stämme, 
die an den Internodien eine Menge Luft- 



wurzeln treiben, welche bis in den Bo- 
den eindringen, nur eine unserer culti- 
virten Arten, Carludovica Plumierii, 
bildet 4 bis 5 Fuss hohe wurzelnde 
Stämme. Andere sind stammlos und brei- 
ten ihre Wedel fast unmittelbar über der 
Erde aus. Die Blätter sind lang gestielt, 
entweder fast einfach wie bei Cyclan- 
thus cristatus oder zweitheilig wie bei 
Cycl. bipartitus, oder mehr oder weni- 
ger fächerförmig, oft undeutlich 3 bis 5 
spaltig getheilt. Durch ihre Form, dun- 
kelgrüne Färbung und lederartige Be- 
schaffenheit verleiten sie Unkundige 
leicht zu dem Glauben, es seien Palmen. 

Die Blumen sind in einem cylindri- 
schen Spadix vereinigt und von 2 — 4 
gelben oder röthlichen Scheiden umge- 
geben, die Blüthenstiele sind achsel- 
ständig und haben mit dem Spadix sel- 
ten mehr als 6 Zoll Länge. 

Sie verlangen stets eine Wärme von 
mindestens 12 Grad, gedeihen aber noch 
besser , wenn man ihnen stets eine Tem- 
peratur von 14 bis 18 Grad giebt, am 




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Fatlcndr v A.Xolb. Hbö. 



I. Originalabhandlungen. 



137 



besten befinden sie sich, wenn man sie 
während des Sommers in einen recht 
warmen durch Dung erwärmten 3 — 4 Fuss 
hohen, möglichst feuchten Mistbeetkasten 
stellt und ihnen während der Winter- 
monatc einen Platz auf einem Lohbeete, 
oder sonst mit Bodenwärme versehenen, 
giebt; ohne Bodenwärme gedeihen sie 
nur kümmerlich, haben ein gelbliches 
Ansehen und machen leicht trockene 
Blattspitzen. 

Ebenso nöthig wie die Bodenwärme 
ist ihnen auch eine möglichst feuchte 
Atmosphäre und Schatten, indem sie un- 
ter diesen Umständen die meisten Wur- 
zeln an den Stämmen treiben und ein 
intensiveres Grün erhalten. Da eine 
reichliche Entwicklung von Adventiv- 
Wurzeln wesentlich zum besseren Ge- 
deihen beiträgt, so ist es auch sehr 
zweckmässig, die Stämme mit Moos zu 
bekleiden. 

Da sich ihre Wurzeln sehr ausbrei- 
ten und im gesunden Zustande der Pflan- 
zen in Menge bilden, so bedürfen sie 
reichlich grosser Gefässe. In Folge ih- 
res natürlichen Vorkommens verlangen 
sie viel Feuchtigkeit des Erdreiches, und 
müssen daher stets sehr feucht gehalten 
werden. Am besten gedeihen sie in ei- 
nem lockern, sehr humusreichen Erd- 
reiche, welches aus 2 Thcilen Heiden- 
erde, 2 Th. Lauberde, 2 Th. Torferde, 
1 Theil guten, fetten Rasenlehms und 1 
Theil grobkörnigen Sandes besteht. Der 
Torf ist insofern ein sehr dienlicher Zu- 
satz, indem er das Erdreich locker und 
durchlässig erhält und dasselbe bei der 
starken Befeuchtung gegen das Versauern 
schützt. Damit die Erde in den Töpfen 
nicht schmierig werde, wende ich als 
Unterlage auf dem Boden der Gefässe 
eine 2 bis 3 Zoll hohe Schicht wallnuss- 
grosser Torfstücke, über welche gro- 



ber Abfall von Heidenerde ausgebreitet 
wird, an. 

Das Verpflanzen in grössere Gefässe 
kann vom März bis Ende Juni gesche- 
hen, wenn man den Pflanzen gleichzei- 
tig auch Bodenwärme giebt; beim Ver- 
pflanzen achte man darauf, dass die sich 
am Boden des Gefässes zusammenge- 
häuften Wurzeln gelockert und die Stäm- 
me, die von untenher abzusterben pfle- 
gen, jedesmal etwas tiefer gesetzt wer- 
den, man bringt dadurch die sich am 
Stamme später gebildeten Wurzeln wie- 
der in die Erde und erhält gesunde, fest- 
stehende Exemplare. Sollten die Gefässe 
mit der Zeit zu gross geworden sein, so 
leiden die Pflanzen wenig, wenn man 
den alten Ballen durch Entfernung der 
Erde verkleinert. 

Beim Umpflanzen findet gleichzeitig 
die Abnahme der sich .etwa gebildeten 
Seitensprossen bei solchen Arten, die 
kurze Stämme bilden , statt , indem sie 
in der Regel an den älteren Theilen des 
Stammes erscheinen, tief aus der Erde 
hervorkommen und alsdann am besten 
mit allen Wurzeln von der Mutterpflanze 
getrennt werden können; auf diese Weise 
bildet Carludovica humilis, plicata, ma- 
cropoda und flabcllata junge Pflanzen. 
Andere, die wie Carludovica atrovirens, 
incisa, palmata, ferner wie Cyclanthus 
cristatus und bipartitus, stammlos sind, 
werden beim Verpflanzen gleich andern 
Stauden zertheilt. 

Abgenommene oder zertheilte Stücke 
verlieren allerdings einen Theil ihrer 
Blätter, die jedoch auf einem warmen, 
feuchten Kasten sehr bald ersetzt wer- 
den. Carludovica Plumierii , die einen 
langgliedrigen, 4 bis 5 Fuss hohen Stamm 
bildet, vermehrt sich am besten, wenn 
man den Kopf der Pflanze an einer 
Stelle, wo sich Luftwurzeln gebildet ha- 
ben, abschneidet, einpflanzt und in einen 



138 



Gartenflora Deutschlands and der Schweiz. 



feuchten warmen Kasten stellt; der 
Stamm macht sehr bald an allen Blatt- 
knoten 2 auch 3 junge Triebe, die, so- 
bald sie Luftwurzeln gebildet haben, 
abgeschnitten werden können. 

Um andere Arten reichlicher zu ver- 
mehren, zerstöre man den Gipfel der 
Pflanze, so werden sich an allen Inter- 
nodien eine Menge junger Triebe bil- 
den, die, sobald sie Wurzeln haben, 
abgenommen werden können; damit sich 
abgenommene Stücke bald bewurzeln 
und nicht welken, wodurch oft das Herz 
verloren geht, stelle man sie in einen 
recht feuchten warmen Kasten. 

Einige Arten z. B. Carludovica lati- 
folia, macropoda, plicata und flabellata 
tragen leicht vollkommnen Samen, den 
man durch Auswaschen von der fleischi- 
gen Hülle reinigt, etwas abtrocknen 
lässt und gleich. aussäet; die Reife des 
Samens lässt sich daran erkennen, dass 
die Früchte ganz weich und breiig sind. 
Die Aussaat gelingt am besten auf ei- 
nem breiten Stück Fasertorf, welches in 
einen Untersatz mit Wasser gelegt, mit 
einer Glasglocke bedeckt und in ein 
recht warmes, feuchtes, schattiges Haus 
gestellt wird. Das Keimen erfolgt nach 
4 bis 6 Wochen; haben die Sämlinge 
einige Blättchen getrieben, so werden 
sie in lockerer Erde piquirt und wieder 
mit Glocken bedeckt. 

So dauerhaft und robust die Arten 
dieser beiden Gattungen bei der eben- 
angegebenen Behandlungsweise sich auch 
zeigen, ebenso hinfällig sind sie, wenn 
ihnen nicht Wärme und Feuchtigkeit 
genug gegeben oder diese plötzlich ge- 
wechselt wird, ganz besonders empfind- 
lich sind sie gegen Erkältung der Wur- 
zeln ; denn durch Unachtsamkeit , dass, 
zumal während der Wintermonate, eine 
Pflanze aus einem Loh- und andern 
Warmbeete auch nur einige Stunden aut 



den kalten Fussboden des Hauses ge- 
stellt wird, leiden schon die Wurzel- 
spitzen, werden schwarz und verlieren 
die Fähigkeit, den Blättern Nahrung zu- 
zuführen, so dass die Pflanze anfängt zu 
welken und in kurzer Zeit fast alle Blät- 
ter verliert, wenn nicht gar ganz ein- 
geht. Man sei daher beim Umarbeiten 
der Beete stets darauf bedacht, die Pflan- 
zen , so lange , bis das Beet wieder voll- 
ständig hergerichtet ist, entweder an ei- 
nen andern warmen Standort oder we- 
nigstens auf Bretter zu stellen; es ist 
dies eine Vorsicht, die von den Gärt- 
nern oft unbeachtet bleibt, und in Folge 
deren manche seltene oder zarte Pflanze 
geopfert wird; denn viele Scitamineen 
z. B. Stromanthc sanguinea , Heliconia, 
viele Maranta- Arten und Calathea zebrina 
sind in dieser Hinsicht ebenso empfind- 
lich. Haben diese an den Wurzeln durch 
Erkältung Schaden gelitten, so zeigt es 
sich sehr bald durch das Zusammenrol- 
len der Blätter. 

Anders verhält es sich, wenn die 
Pflanzen nicht an Bodenwärmc gewöhnt 
sind, unter welchen Umständen sie aber 
auch bei weitem nicht so freudig ge- 
deihen. 

Trocknen die Wurzelballen der Cy- 
clantheen so stark aus, dass die Pflan- 
zen welken, so zeigen sich fast ähnli- 
che Krankheits-Symptome. 

Wurden die Wurzeln nun durch Er- 
kältung oder Trockenheit beschädigt, so 
ist es am besten, sobald die Blätter wel- 
ken und nicht wieder frisch werden, die 
äussere Schicht des Wurzelballens zu 
entfernen, die Pflanzen in frische Erde 
zu verpflanzen und auf ein recht war- 
mes Beet zu stellen. 

Im hiesigen Königlichen Botanischen 
Garten werden folgende Arten dieser 
Familie cultivirt: 



I. Originalabhandlungen. 



139 



A. Carludovica R. et P. 
ö) C. palmata P. et P. Stammlos: 
Blätter einnervig, fächerförmig, im Alter 
fast 4theilig; Blattstiele 3—4' lang. 

2) C. incisa. Wendl. fil. Stammlos; 
Blätter fächerförmig, gefaltet, einnervig; 
Blattstiele 2'. 

3) C. Moritziana ... Fast stamm- 
los; Blätter fächerförmig, gefaltet. 

4. C. f lab eil ata Hort. Berolin. Mit 
kurzem 8 bis 10 Zoll hohem Stamme; 
Blätter fächerförmig, im Alter 3theilig, 
dreinervig, gefaltet; Blattstiele 4 bis 5' 
lang. 

5) C. macropoda, Kl. Stamm kurz 
dick; Blätter fächerförmig, fast 3theilig 
dreinervig, gefaltet; Blattstiele 4 bis 5' 
lang. 

6) C. humilis Poep. Mit kurzem 
Stamme; Blätter fächerförmig, im Alter 
fast 31appig, der Rand unregelmässig 
abgebissen, gefaltet, dreinervig; Blatt- 
stiele 2 bis 3' lang. 

7. C. latifoliaR. ctP. Fast stamm- 
los; Blätter 2theilig, gefaltet, einnervig; 
Blattstiele 1 bis 2' lang. 

8) C. Plumierii Kth. Mit 4 bis 6 



Fuss hohem Stamme , der eine Menge 
Wurzeln treibt; Blätter 2theilig, gefal- 
tet, einnervig; Blattstiele 8 bis 10 Zoll 
lang. 

9) C. plicata. Kl. Fast stammlos; 
Blätter 2theilig , gefaltet , einnervig ; 
Blattstiele 4 bis 5' lang. 

10) C. atrovirens Wendl. fil. Fast 
stammlos; Blätter 2theilig, gefaltet, ein- 
nervig, 2' lang; Blattstiele 6 bis 8 Zoll. 

11. C. microcephala Stamm- 
los; Blätter 2theilig. gefaltet, einnervig; 
Blattstiele 10 bis 12 Zoll. 

12) C. sp. Mirador. Scheint stamm- 
los zu sein; Blätter 2theilig, einnervig. 

13) C. sp. Venezuela. Fast stamm- 
los; Blätter 2theilig, einnervig. 

B. Cyclanthus Poit. 

1) C. Plumierii Poit. Stammlos; 
Blätter 2theilig, 2nervig, 4 bis 5' lang. 

2) C. er i Status Kl. Stamnilos; 
Blätter ei-lanzettförmig , im Alter 2thei- 
lig, 2nervig, 4 bis 5' lang. 

3) C. s p. Venezuela. Stammlos ; 
Blätter lanzettförmig, 2theilig, 2nervig, 
2 bis 3' lang. . 



4) lieber die Elemente der Wirkung in der Qartenkunsf» 

Von C. Löwe, Gartenkünstler in Zürich. 



(Fortsetzung.) 



Dem Phantasiebegabten fliessen die 
Bilder seiner Ideen aetherisch und leicht, 
wie Sylphiden, an seinem Geiste vorüber, 
und er sieht sie tanzend sich verkörpern 
und scheinbar in die Wirklichkeit über- 
gehen. 

Anders gestalte sich jedoch das Ding, 
wenn Hand angelegt werden soll, das 
mussten selbst die Poeten bald einsehen. 



Denn bekanntlich waren es nicht die 
Gärtner , die Baumeister oder allenfalls 
Kent, der erste Uebertrager poetischer 
Gedanken in die Wirklichkeit , welche 
den uranfänglichen Lebenskeim der na- 
türlichen Richtung legten, sondern die 
Dichter. Adisson, Pope und Milton bahn- 
ten durch ihre reizenden Schilderungen 
von Armida's Gärten,'vom Paradiese u. s.w. 



140 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



den geschehenen Uebergang an. Mit 
wirklichen Bergen und "Wäldern, mit 
Felsen und Wasserfällen, mit Aussich- 
ten aufs Meer, Morgen und Abendröthe, 
und dem Geläute ferner Glocken lässt 
sich aber in der Wirklichkeit nicht so 
leicht und frei umherspringen , wie mit 
Gedankenbildern; wollte man aber die 
Natur nachahmen, so musste man diese 
Gegenstände , wenigstens theilweise , in 
die Gärten versetzen, nach einer Art die 
einigermassen möglich war. Es entstan- 
den daher die Vorschläge und Anwen- 
dung der grossen Raumflächen, um die 
Dinge , mit denen nun einmal nicht so 
ganz willkührlich zu handthieren war, 
damit einzufangen; man brauchte dann 
nur durch Hinzusetzen und Hinwegräu- 
men das Vorhandene zu vervollkomm- 
nen , was überdiess oft bequemer und 
leichter war, als Gediegenes in kleine- 
rem Maassstabe rein neu zu schaf- 
ften; dadurch wurde das Naturschöne, 
die wirkliche Natur, zusammengezogen 
und in erster Stufe idealisirt, und der Gar- 
tenkunst erwuchs daraus eine wesentlich 
vervollkommnende Eigenschaft. So wie 
sich aber hiedurch ihr Gebiet erweiternd 
bis zur Landschaftsverschönerung aus- 
dehnte, bildete sich auch der seitliche 
Hauptsatz „getreue Naturnachmung" 
fälschlich zum zentralen Hauptgrundsatz, 
und Hess dadurch die anderen Gebilde, 
die kleineren , reguläreren und theilwei- 
sen Nutzgärten ausserhalb des Kunstbe- 
reiches liegen. Die Nachahmung der 
Natur bedingte das Naturstudium: man 
betrieb es, aber mehr als Sache für sich, 
bei der man nur wesentlich das plastisch 
vegetative und erdbildende Naturprincip, 
so wie das Decorative im Auge behielt, 
nicht mit allgemeiner Uebersicht, mit 
steten Vergleichungen und Gegenüber- 
stellungen gegen alle anderen Künste, 
daraus man eine bestimmtere, gegränztere, 



solide Basis für die neue Kunstform 
hätte gewinnen können; es wurde über- 
sehen, dass man die Natur zu Zwecken 
der Kunst, zum Zurückführen in eine 
Kunst, in eine Begränzung eine men- 
schenmögliche Handhabung zu studi- 
ren habe , man wollte ganz und durch- 
aus natürlich sein , und weil man dies 
nicht bis aufs Mark verstand oder konnte, 
verlor man sich ins Endlose oder All- 
tägliche, was noch Goethe und Schiller 
anzudeuten und zu rügen hatten. Be- 
kanntlich war es kein leerer Vorwurf, 
der viele in diesem Geiste ausgeführte 
grössere Anlagen traf: man wisse bei 
ihrer Durchwandlung nicht, ob man sich 
in einem gewöhnlichen Feld oder Wald, 
oder aber in einem mit grossen Kosten 
angelegten und unterhaltenen Kunstgar- 
ten befinde; denn hatte nicht die Natur 
selbst schon durch wechselvolles Terrain, 
schöne Beholzung, Gewässer oder Aus- 
sichten vorgearbeitet, so waren viele der- 
selben matt und tonlos, und bewiesen, 
dass man die Natur wohl angeschaut, 
aber ihre Geheimnisse nicht erlauscht, 
dass man hin und wieder einen ihrer 
Gedanken empfunden, aber ihre Sprache 
und Worte nicht verstanden habe , um 
durch dieselben ebenfalls zum Gemüth 
sprechen zu können. — Dieses bot den 
Anhängern des alten symmetrischen Sty- 
les und den gelehrten Malcontenten, die 
aus Verzweiflung, die neu auflebende 
Kunstform nicht unterbringen zu können, 
weil nicht eingeweiht genug, und zu illi- 
beral und schwach, um den Kreis der 
geheiligten Sieben aufzuschliessen, sie 
vornehm über die Achsel ansahen , will- 
kommene Gründe, ihr Form- und Gehalt- 
losigkeit, Tendenz- und Schrankenlosig- 
keit vorwerfen zu können, und im Selbst- 
gefühle ihrer jugendlichen Schwäche 
mochte sie dadurch veranlasst werden, 
sich auf andere Kunstformen stützen, 



I. Originalabhandlungen. 



141 



sich an dieselben anschliessen oder in 
ihr Gebiet übergehen zu wollen, anstatt 
an ihnen sich zu belehren und zu kräf- 
tigen. Wir sehen, theils nach- theils mit- 
einander in der Zeit sie ideal - poetisch 
und rein malerisch werden, die Baukunst 
und Plastik in einem Verhältniss her- 
beiziehen , dass sie selbst nur noch als 
deren decoratives Piedestal erscheint, 
ja in einzelnen Fällen zeigte sie nach- 
gerade die Neigung, durch's streng Sym- 
metrische wieder in den Schnörkel zu 
verirren, wozu die dieser Richtung stets 
bereitwillig zu Diensten stehende Pro- 
tection der Architecten, die wieder auf- 
tauchenden regulären Formen der Blu- 
mengärten einerseits, andererseits die 
schnakisch gewundenen modernen Grup- 
penformen , die Naturholzconstructionen, 
die Sucht nach Veränderung, nach Op- 
position mit dem Einfachen, ohne alle 
Tiefe, Veranlassung gaben und bereits in 
einigen grössern Projecten und Compo- 
sitionen und dem unbegreiflichen Liebäu- 
geln Hegel's einigen Anhalt gewonnen 
hatten. — Aber ein guter Genius wal- 
tet von nun an sichtbar über der jugend- 
lichen Kunst. 

Alle diese kleinen Ausschweifungen 
trugen nur zur Ausbildung, Consolidi- 
rung und Fassung ihrer geistigen und 
körperlichen Form bei : das Giftige schied 
sich jedes Mal rasch aus, das Gute blieb, 
und ihr Hinüberspielen auf die Gebiete 
der Poesie, Malerei und Baukunst hat, 
wie später erhellen wird, auch tiefere 
factische Gründe und zeugt eigentlich in 
letzter Linie nur davon , dass auch sie 
an dieselben, so wie alle unter sich an- 
klingen. — Fast keine Kunst ist aber mehr 
dem Dilettantismus unterworfen, als die 
Gartenkunst, mit Ausnahme der Poesie 
und Musik; der anscheinend geringe 
Grad practisch technischer Fertigkeit, 
das scheinbar so leichte Begreifen der 



Natur nachahmung, welche die Ausführung 
der Composition in so vielen Fällen als 
eine angenehm abwechselnde geistige und 
körperliche Beschäftigung erscheinen las- 
sen, ferner die Leichtigkeit, für kleinere 
Gärten geometrische Figuren von ande- 
ren Gegenständen zu entlehnen und in 
Gartenpläne umzuwandeln, leisten dem- 
selben grossen Vorschub, und gar Man- 
cher lässt sich dadurch zum Wahne ver- 
leiten, er sei, weil Besitzer und Liebhaber 
auch zur Kunst berufen; allein es zeigt 
sich, dass immer nur Wenige davon hie- 
zu auserwählt sind. 

Die Kostbarkeit der Ausführung und der 
Umstand, dass der Grund und Boden — 
die Leinwand des Gartenkünstlers — 
gewöhnlich nicht sein Eigenthum sind, 
mit dem er sich wie andere Künstler 
bis zur Vollendung des Werkes cin- 
schliessen kann, und andere Einflüsse, 
besonders aber die fast stets bevormun- 
dete Stellung des Gärtners, werfen über- 
dies diese Kunst oft schwerer und lästi- 
ger Patronatschaft in die Arme, und auf 
fast allen Entwicklungsstufen hat sie 
diese Einflüsse verspürt, oder musste 
ihnen gänzlich folgen, — ein Umstand, 
den wir seiner Wichtigkeit wegen wei- 
ter unten näher besprechen werden. 

Es waren gewiss wohl wesentlich 
diese letzteren Einflüsse, und die Dich- 
ter, welche durch reizende Phantasiebil- 
der die Gartenkunst veranlassten, frühe 
aufs Gebiet des Poetischen hinüber zu 
treten, indem sie Eden, Arkadien, eine 
Schweizergegend nachahmen, und zuwei- 
len ganze Idyllen wiedergeben wollte. 
Zu dergleichen vollendeten Durchführun- 
gen war aber der Stoff seiner durchaus 
realen Natur wegen zu unlenksam , die 
Kosten der Ausführung und Unterhal- 
tung zu gross im Verhältniss der er- 
langten Erfolge, und wenn das Werk — 
dessungeachtet in die Wirklichkeit ge- 



142 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



rufen — bei überaus günstigen Local- 
verhältnissen auch noch gelang, vor 
dem Richterstuhle des Verstandes nicht 
zu rechtfertigen, weil es hier — in gros- 
sem Maassstabe — als eine zu weit ge- 
triebene Spielerei mit der Gottesgabe bau- 
fähigen Bodens und nützlicher Vegeta- 
bilien erschien oder bei kleinerem Räume 
als kindisch kleinliche Tändelei lächer- 
lich, in beiden Fällen als eine Missach- 
tung oder Verspottung des heiligen Ern- 
stes der allgemeinen Natur bald eckel- 
haft wurde und somit dessen Genuss 
kein ästhetisch reiner sein konnte. Bei 
gar mancher Gartencomposition, selbst der 
gegenwärtigen Tage, scheint man nicht 
genugsam zu beachten , dass dieses 
Kunstwerk täglich und continuirt genos- 
sen wird ; mancher Gedanke, der für ein- 
maligen oder seltenen Genuss anziehend 
ist, wird, wenn ihm nicht hohe Geniali- 
tät, tiefer Ernst oder das Geleit naiver 
Wahrheit zur Seite steht , für den Be- 
wohner bald fad, langweilig , lächerlich 
und unerträglich , und was beim ersten 
Besuche Bewunderung und angenehmes 
Wohlgefallen erregte, bewirkt bei tägli- 
cher Bekanntschaft Missbehagen und 
Ekel, wenn jene 3 Factoren gänzlich 
fehlen. — Die höchste Stufe der Ue- 
bersteigerung sentimentaler Poesie der 
Gartenkunst trat aber damit ein , dass 
man dieselbe factisch mit den Gärten 
verband und Gedichte, oder einzelne 
Strophen nach Art der Votivtafeln an 
Bäume, Ruhesitze und Pavillons u. s. w. 
aufhing, deren Sinn in vielen Fällen 
nicht einmal auf den Charakter der 
Partie Bezug hatte, jedenfalls aber, an- 
statt das Gedankenspiel des Spaziergän- 
gers sich scheinbar frei bewegen zu 
lassen und dennoch gewollter Wirkun- 
gen sicher zu sein, dasselbe allzuplump 
gefangen nehmen wollte und dadurch 
das feinere Gefühl unangenelmi berührte. 



Solche Extraxaganzen überhaupt waren 
es denn wahrscheinlich , welche Goethe 
veranlassten , den Dilettantismus in der 
Gartenkunst zu beschule 1 : gen, er verklei- 
nere das Erhabene in der Natur und 
hebe es auf, indem er es nachahme, be- 
handle Reales als Phantasiewerk und 
befördere die sentimentale und phanta- 
stische Nullität. — Doch das flatter- 
hafte Kleid bodenloser Phantasie ist ge- 
fallen. Die Herrschaft des Realen in 
den Gärten hat der grösseren Berück- 
sichtigung von Wahrheit und praktischem 
Nutzen , als nothwendiger Bedingung 
menschlichen, thierischen und vegetabi- 
lischen Culturlebens gerufen und dadurch 
wurde die Gartenkunst , wie sie einer- 
seits die Aufweiserin des allgemeinen 
reinen und unverdorbenen Naturlebens 
und Naturgeistes ist, andrerseits die Auf- 
zeigerin des durch menschliche Kunst 
und Fleiss geleiteten Culturlebens und 
Culturgeistes , allgemeiner menschlicher 
Betriebsamkeit, und bald wurde erkannt 
und zugegeben, dass diese Letzteren 
— idealisirt — unter Umständen stark 
wirkende: ästhetische Potenzen abgeben 
können , kurz es ging daraus hervor : 
dass es ästhetischer sei, die 
Aufweisung wirklicher mensch- 
licher Thatäusserungen sub- 
jeetiv zu idealisire n , als durch 
Poesie idealisirte objektiveDar- 
stellungen in die Gärten ver- 
setzen und durch deren ver- 
suchte Verwirklichung täu- 
schen zu wollen. 

Gross ist übrigens die W T irkung des 
Anschlages des Ideal-Poetischen für den 
Typus der Gärten , gross die des Ge- 
genschlages in das Real - Walire , zur 
Nutzbarkeit und Aufweisung menschli- 
cher Betriebsamkeit, und eine lange 
Reihe ästhetischer Momente basiren 
darauf, grösser aber, unendlich grösser 



I. Originalabbandlungen. 



143 



und wichtiger sind die Folgen des Letz- 
teren für die Welt. 

Zuerst wurde Ideales ins Reale ge- 
tragen , was der Gartenkunst einen sie 
durchsfrömenden höhern Schwung und 
Geist verlieh ; Gedankenschönheit und 
ideale Motive behielten ihre Berechtigung 
und wurden, durch die sanften Zügel 
der Wahrheit und Nutzbarkeit in ver- 
nünftigen Bahnen gehalten, nur um so 
wirksamer , weil sie keine Leere nach 
dem Gcnuss , oder gar eine Gegenwir- 
kung unangenehmer Art veranlassten. 
Ernst in der Heiterkeit, Würde in der 
Unterhaltung, Solidität der Bestimmung 
sind die vortrefflichen Eigenschaften , die 
der Gartenkunst von da aus zugeführt 
wurden, und wie überhaupt die Kunst 
nur geadelt wird — wenn sie würdigen 
Zwecken dient , so wurden und werden 
es von diesen Centralpunkt aus — mehr 
und mehr — die Gärten , und wie ein 
reiches und prächtiges Bauwerk nur voll- 
ständig befriedigt, wenn man einsieht 
und weiss , es diene einer verhältniss- 
mässig grossen und würdigen Aufgabe 
und entspreche seiner Bestimmung , so 
ist dieses auch bei Gärten der Fall. — 
Man wolle uns aber, indem wir diese 
Sätze über die Vereinigung des Ideal- 
Schönen mit dem Real -Nutzbaren auf- 
stellen, nicht missverstehen , denn wir 
wollen hiemit nicht sagen , dass eine 
aequale Vereinigung des Schönen mit 
dem Nützlichen unter allen Umständen 
erforderlich, wünschbar oder am Platze 
sei, es wird in den einzelnen -Fällen 
vielmehr guter Geschmack fordern, bald 
dass das Eine, bald dass das Andere 
mehr zurück- oder hervortrete, je nach 
den besonderen Constellationen ; wir re- 
den übersichtlich von der Gartenkunst 
im Allgemeinen und Gesammten , und 
unter diesem Collectivbegriff erscheint 
es als höchster Werth und Weihe, dass 



sie das Nützliche mit dem Schönen zu 
verbinden fähig ist. Das Eintreten der 
Landwirthschaft, des Rebbaues, der Forst- 
cultur, so wie der rein nutzbaren Cul- 
turgärtnerei durch Gemüse- und Baum- 
zucht ist dadurch vermittelt, und diese 
Gebiete liefern der Gartenkunst eine 
Menge interessanter Motive und Moti- 
virungen, deren sie bei rein idealer Hal- 
tung entbehren müsste. Die Aufweisung 
menschlicher Betriebsamkeit im Allge- 
meinen wurde eingeleitet, und industrielle 
Gewerke , wenn sie nicht durch die in 
sich abgeschlossene moderne Würfelform 
oder 4 harte Kasernenfacaden allzusehr 
der Ausdruck unserer heutigen egoisti- 
schen Zeit sind, — geben selbst für 
den Park brauchbare und charakteristi- 
sche Momente, wie z. B. Mühlen, Sä- 
gen, Hammerwerke etc. 

In der Villa und den Hausgärten 
sind wohl hauptsächlich desshalb die 
starren umschliessendcn Mauern gefallen, 
sie ziehen bei durchbrochener Gruppirung 
die äussere Umgebung , und durch das 
leichte Geländer selbst die belebte Strasse 
mittelbar in ihren Bereich, und ein Land- 
gut will nicht mehr recht gefallen , wo 
nicht durch die Regsamkeit täglicher 
Beschäftigungen Leben und Betriebsam- 
keit verrathen wird. — Ausser diesem 
Gewinn ist der Gesammtbegriff nnd die 
Region der Gartenkunst nach zwei Sei- 
ten mächtig ausgedehnt, oder besser ge- 
sagt, alle ihre Gebilde fangen an, sich 
mehr und mehr unter ihrem Fittig zu 
sammeln. Auf der einen Seite ist das 
Gebiet vom eigentlichen Garten bis zur 
Landschaftsverschönerung ausgespannt, 
auf der anderen Seite fasst es auch die 
kleineren und Nutzgärten unmittelbar 
in seinen Bereich; die wie zwei feindli- 
che Parteien auseinandergehaltenen Grup- 
pen, die grössern so wie die ganz dem 
Luxus und Vergnügen gewidmeten Pracht- 



144 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



gärten und die kleinen, vornehmlich auf 
den Nutzen berechneten Hausgärten 
nähern sich einander mehr, jene, indem sie 
nutzbarer, diese, indem sie idealer zu 
werden streben, und beide finden bereits 
in mancher reizenden Villa und in man- 
chem artigen Hausgarten ihren Verei- 
nigungspunkt. Der mürrische Herr Kohl- 
kopf und die schwindsüchtige Frau Boh- 
nenstange sind fortan nicht mehr die 
einzigen Regenten der Letzteren, und in 
den Parks hat sich manche versteinerte 
heidnische Gottheit, und mancher höl- 
zerne Einsiedler vor einem stämmigen, 
lebensfrischen , hemdärmlichen Güter- 
knechte flüchten müssen. 

Noch ist zwar der Prozess der Gäh- 
rung nicht vollendet und in manchem 
Lande scheint er kaum begonnen, allein 
er wird und wird glücklich enden, wenn 
auch noch zuweilen kleine Schwankun- 
gen vorkommen, denn die Grundstoffe 
sind nun bald vollständig eingefüllt, 
schnell werden sie sich fassen, das Trübe 
muss sich legen, und es wird der abge- 
klärte feurigmilde Saft , durch Rezenz 
und Anmuth beweisen, welchen Geistes 
Kind er ist. 

Wir können uns nicht von dieser 
Stelle trennen , ohne unserer bescheide- 
nen Muse hier noch weiter den langst 
verdienten Weihrauch zu streuen und 
sie vor ungerechten Angriffen in Schutz 
zu nehmen, und wir entschuldigen uns 
damit, dass es keine Sünde sein kann, 
wenn der Priester seine Gottheit ver- 
ehrt und ihren guten Eigenschaften nach- 
geht. Man ist bekanntlich hin und 
wieder sehr geneigt, der Gartenkunst im 
Allgemeinen nutzlose Verschleuderung 
des Bodens und zwecklose Absorption 
menschlicher Thätigkeit vorzuwerfen, und 
wer von den frühern grossen Gärten im 
französischen Geschmacke und den oben 
berührten und gerügten phantastischen 



Compositionen im natürlichen Style aus- 
ging, mochte Recht haben; allein diese 
nun beseitigten Extreme sind weder die 
Gartenkunst, noch repräsentiren sie ih- 
ren gesammten Charakter. Wir wollen 
hier nicht weiter darauf eingehen, wie 
selbst der anscheinend nur dem Ver- 
gnügen und Luxus gewidmete Natur- 
garten, wenn er vernünftig componirt 
und genossen wird, durch Weckung des 
Natur - und Schönheitsgefühles , Corre- 
spondenz mit dem allgemeinen Natur- 
geiste, durch Aufheiterung und Beru- 
higung des Gemüthes, Erfrischung und 
Stärkung des Leibes und seiner Sinne 
und gar manches Andere für die Mensch- 
heit nützlich wird, sondern gerade vom 
praktischen Nutzen ausgehen , und es 
wird sich zeigen, dass die Gartenkunst, 
statt Luxuriosität gefördert und mensch- 
liche Arbeitskraft verschleudert zu haben, 
zur practischen Wohlthätcrin der Men- 
schen geworden ist. 

Als in England die Herrschaft des 
französischen Geschmackes in den Gär- 
ten gebrochen war, und die neue na- 
türliche Richtung sich allgemeine Gel- 
tung verschaffte, bemächtigte sich eine 
enthusiastische Gartenliebhaberei der 
englischen Aristokratie und nicht wenige 
ihrer Glieder beschäftigten sich selbst- 
thätig mit Gartenschöpfungen. In zwei- 
ter Linie verwiesen diese sie zur Land- 
wirtschaft Die Schönheit des Rasens 
und der Wiesengründe bedingte Boden- 
verbesserung, diese forderte bald hier 
Entsumpfung, dort Bewässerung, am 
dritten Orte Düngung. Als weiter durch 
Zuziehung des Nutzbaren die Landwirt- 
schaft überhaupt in nähere Beziehung 
mit der Gartenkunst kam, ward das 
Interesse für dieselbe ein regeres und 
die persönliche Bekanntschaft und Lieb- 
haberei des Adeligen mit derselben ver- 
mittelt und von da an quoll der reiche 



J-iu /y/,. 




<%6?'^&a/ma/ ' s£tfuj-fr0vdeJ 



I. Originalabhandlungen. 



145 



volle Strom des Capitals und wissen- 
schaftlicher Forschungen in vollen Bo- 
gen für den nützlichsten und ehrbarsten 
Beruf der Erde. Wie es früher als unter 
der Würde eines Adeligen gehalten wurde, 
persönliche Liebhaberei und Kenntnisse 
in der Landwirtschaft zu besitzen, oder 
gar werkthätiger sich mit ihr zu be- 
schäftigen, so ward es von nun an als 
eine zum bevorzugten Stande gehörige 
Eigenschaft grosser Grundbesitzer ange- 
sehen, hierin genauen Bescheid zu wis- 
sen. Dem Adel folgte der Gelehrten- 
stand auf dem Fusse , die hohe Protek- 
tion empfahl. Auch der Gelehrte ach- 
tete es nun nicht mehr seines Standes 
unwürdig, seine Studien und Kenntnisse 
ihr zu widmen; und die Erfolge liegen 
zu Tage. Die rationellere Düngung, 
die verbesserte Viehzucht, die Ein- 



führung [ zweckmässigerer Werkzeuge 
und Maschinen , die Drainage, die phy- 
siologischen und chemischen Begrün- 
dungen und tausendfältige Verbesserun- 
gen nach allen Richtungen sind die 
grossen Resultate dieser Bemühungen, 
und der gesammte Aufschwung, den die 
Landwirthschalt genommen, und der in 
unzählige Wellen forttönt durch bereits 
alle gemässigten Culturländer, fand seinen 
Impuls im Parke, in der Liebhaberei der 
englischen Grossen für die Gärten und 
wir Gärtner dürfen kühnlich diese 
Thatsachen den zuweilen gehörten Vor- 
würfen der Nutzlosigkeit und Kraftver- 
geudung gegenüberstellen. — Indessen 
— kehren wir nach dieser Episode in 
der Fortsetzung wieder zu , unserem 
Thema zurück. 

(Fortsetzung folgt.) 



5) Bemerkungen zu einigen Pflanzen des Wet eps»ua , ger Säarteng. 



1) Oncidium Harrisonianum Lindl. 
Eine jener zarten Orchideen vom Orgel- 
gebirge in Brasilien. Rundliche zusam- 
mengedrückte Scheinknollen, welche 1 — 2 
linear-längliche Blätter tragen und am 
Grunde die zarten bis 2 Fuss langen 
Blüthenschafte entwickeln, die die klei- 
nen gelben braun gefleckten Blumen mit 
rein gelber Lippe in sehr reichblumi- 
ger Rispe tragen. — Unsere Pflanze 
trug 8 dieser Blüthenstände zugleich und 
gewährte einen reizenden Anblick. Die 
Rispen selbst sind grösser und reichblu- 
miger, wie sie Lindley Bot Reg. tab. 
1569 abbildet. 

2) Tetratheca epilobioides Steelz ß. 
hirsuta und Platytheca galioides Steetz; 
Tremandreae. Zwei verbreitete und als 
niedliche Pflanzen für das niedrige Kalt- 

V. 1857. 



haus allgemein beliebte Pflanzen. Die 
erstere derselben hat Lindley Bot. Reg. 
30 t. 67 als Tetratheca hirsuta beschrie- 
ben, in den Gärten geht sie jedoch als 
Tremandra Hügelii. Die zweite hat Pax- 
ton als Tetratheca verticillata beschrie- 
ben, und in den Gärten geht sie als Tre- 
mandra verticillata und speciosa. Lieb- 
liche Pflanzen, die von Juni bis August 
reichlich blühen und bei sorgfältiger 
Cultur, reichlicher Scherben -Unterlage 
bei grossen Töpfen zu herrlichen brei- 
ten, mit Blumen bedeckten Exemplaren 
erzogen werden können. 

3) Sterculia nobilis Sm.; Büttneria- 
ceae. Es ist dieses einer jener schönen 
niedrigen Bäume Ostindiens mit schö- 
nen grossen länglich - ovalen glänzend 
grünen immergrünen Blättern, der schon 

10 



146 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



lange in Cultur ist, jetzt aber nur noch 
in wenigen Gärten sich befinden mag. 
Schon Ventenat bildet ihn Tab. 91 unter 
den Pflan«en des Gartens zu Malmaison 
ab. Die Blüthenrispen der kleinen gelb- 
grünen Blumen stehen in blattlosen Quir- 
len. Die linearen Kelchlappen sind an 
ihren Spitzen, ähnlich wie dies auch 
bei Ceropegia vorkommt, verbunden. In 
Kübel gepflanzt und frei gestellt bildet 
diese Pflanze niedrige Bäume mit stark 
verästelter Krone, oder kann auch als 
Strauch gebogen werden. Die Blät- 
ter werden 8 Zoll lang und 3 Zoll 
breit. 

4) Lilium giganteum Wall. Blühete 
auch im hiesigen Garten sehr schön. 
Die Pflanze wird in den Gärten sich bald 
sehr verbeiten, da sie viele Brut bildet 
und auch leicht Samen ansetzt. Wenn 
man Blumen zu erhalten strebt, so 
pflanze man die stärkeren Zwiebeln mit 
guter Unterlage in kleine Kübel in eine 
Mischung aus Rasen- und Heideerde ein. 
Sobald sie kräftig zu gedeihen beginnen, 
befördert ein wöchentlich gereichter schwa- 
cher Dungguss die Vegetation. Man 
stellt diese Lilie ins Kalthaus und lässt 
sie da auch den Sommer hindurch ste- 
hen. — Die herzförmigen Blätter, der 
6 — 7 Fuss hohe Blüthcnsehaft und grosse 
schmutzig weisse, innen rothe Blumen, 
die in reichblumiger Traube stehen, 
zeichnen die Pflanze aus. Doch ist 
die gespannte Erwartung nicht befrie- 
digt, 

5) Maxiilaria viridis. Lindl. Für 
diese schöne Orchidee aus Brasilien sind 
charakteristisch die breit -lanzettlichen 
welligen Blätter, achselständige beschei- 
dete Blüthenstiele, welche Blumen tra- 
gen, die etwas über 2 Zoll im Durch- 
messer halten, mit grünen Sepalen und 
innen braunpurpur - punktirten Petalen, 
die 31appige Lippe, die halb so lang als 



die Blumenblätter und schön hellblau 
gefärbt ist, mit der Breite nach rhom- 
boidischem Mittellappen und endlich die 
2 Pollenmassen , deren jede wieder zwei- 
theilig, und welche zusammen auf einer 
2flügeligen braunen Caudicula befestigt 
sind. 

Drei Abarten sind zu unterscheiden: 

a. platyse-pala. Scheinknollen feh- 
len (?). Blüthenstiele einblumig, Blü- 
thenhüllblätter rundlich und zusammennei- 
gend, Mittellappen der Lippe genagelt. 
(Maxillaria viridis Lindl. Bot. Reg. tab. 
1510.) 

ß. stenosepala. Scheinknollen oval, 
zusammengedrückt. Blüthenstiele einblu- 
mig. Blüthenhüllblätter länglich, später 
auseinanderstehend. Mittellappen der 
Lippe genagelt. (Maxillaria platanthera 
Hook. Bot. Mag. tab. 3173. Max. cya- 
nocheile Hoffmegg. Cat.) 

y. plurifolia. Scheinknollen länglich 
zusammengedrückt. Blüthenstiele 2 — 3- 
blumig. Kelchblätter oval. Blumenblätter 
aus keilförmigem Grunde verkehrt-läng- 
lich, alle später einwärts gekrümmt ab- 
stehend. Mittellappen der Lippe ohne 
Nagel. Diese ausgezeichnete Form wird 
im hiesigen Garten eultivirt. Acht 2 — 3 
blumige Blüthenstände erschienen zu- 
gleich. Die Blumen sind wirklich schön, 
die glänzend gelbgrüne Farbe im Con- 
trast mit der rothbraunen Punktirung 
der Petalen und der hellblauen Lippe 
zeichnen diese Pflanze vortheilhaft aus. 
Aufgehängt in Körben scheint sie am 
besten zu gedeihen. Blühet im Juni. 

6) Grevillea Thelemanniana Hügel; 
Proteaceae. Auch in deutschen Gärten 
ist unter diesem Namen eine Grevillea 
Neuhollands viel verbreitet, aber nir- 
gends sah ich dieselbe blühen. Eine je- 
ner ganz ähnliche Pflanze eultivirt der 
hiesige Garten; aber von dieser entwi- 
ckeln alle Exemplare im Juni die Trau- 



I. Originalabhandlungen. 



147 



ben der schönen scharlachrothen Blumen. 
Das Laub unserer Pflanze ist 3theilig 
und jeder Theil gefiedert oder nur ein- 
fach gefiedert, und Fiederblättchen wie 
Stiel sind fädlich. Bildet 3—6 Fuss hohe 
Sträucher und ist als eine der herrlichen 
Proteaceen Neuhollands um so mehr zu 
empfehlen, als deren Cultur im Kalt- 
haus in Heideerde ohne Schwierigkeit 
und Stecklinge leicht wachsen. — Die 
Pflanze ist einem der tüchtigsten Gärt- 
ner Deutschlands , Hrn. Garten-Inspek- 
tor Thelemann gewidmet, einem Manne, 
der auch an dem hiesigen Institute ge- 
wirkt hat. 

7) Boronia hypericifolia H. Petrop, 
Eine von Neuem vorgenommene Verglei- 
chung zeigte mir, dass diese neulich 
schon erwähnte Pflanze, die wir für eine 
der schönsten in Cultur befindlichen Bo- 
ronien halten, (sie blühet volle 2 Monat) 
die B.fastigiataBartl. ist. (Vgl.pag. 152.) 

8) Boronia spathulata Lindl. blühete 
seitdem bei uns ebenfalls , sie ist der 
vorhergehenden nahe verwandt und un- 
terscheidet sich durch den einfacheren 
Wuchs und ganzrandige Blätter, welche 
nach oben zu fast linear werden. Die 
Spitzenblüthenstände werden jedoch oft 
auch zur mehrblumigen Cyma. 

9) Maytenus Riedelianus H. Petrop, 
Celästrineae. Ein immergrüner Decora- 
tionsstrauch fürs Warmhaus aus Brasi- 
lien. Die kleinen grünlichen Blumen 
stehen in den Achseln der ovalen oder 
länglich verkehrt-ovalen geschweift ge- 
kerbten Blätter. Zunächst verwandt mit 
M. obtusifolius Mart, von dem sich un- 
sere Pflanze eigentlich nur durch ovale 
spitze Blumenblätter unterscheidet. Viel- 
leicht nur eine Form desselben. 

10) Promenaea Rollisoni Lindl. Var. 
obtusa. In den Orchideensammlungen 
schon lange verbreitet ist die P. stape- 
lioides (Maxillaria). Die P. Rollisoni mit 



gelben Blumen aus Brasilien gehört auch 
nicht zu den seltenen Arten. Wir culti- 
viren davon eine Abart, welche die 
Tracht und Blüthenfarbe im Allgemeinen 
mit der Stammart theilt, sich aber durch 
Schnitt und Färbung der Lippe unter- 
scheidet. Die Seitenlappen der dreilap- 
pigen Lippe sind hier nämlich lanzett- 
lich und auf gelb-weissem Grunde pur- 
pur quergestreift. Der Vorderlappen ist 
oval, stumpf und einfarbig eigelb. Die 
Schwiele der Lippe ist nach vorn der 
Stammart gleich, nach hinten geht sie 
aber in einen ungezähnten 3seitig-ovalen 
Höcker aus. Eine kleine niedliche Art, 
die in flache durchbrochene Näpfe ge- 
pflanzt wird und dichten Schatten, so- 
wie recht feuchte Luft liebt. 

11) Alströmeria haemäntha R. P. 
Dieses ist der eigentliche Name der schö- 
nen Alströmerien, die als Aströmeria 
chilensis oder als Chilesische Alströme- 
rien in unseren Gärten ganz allgemein 
verbreitet sind. 

12) Stanhopea graveolens Lindl. ß. 
inodora Rgl. Der hiesige Garten erhielt 
diese Orchidee aus dem Garten der Hrn. 
Booth als St. venusta. Sie hat ganz die 
Tracht von St. graveolens Lindl. und die 
Blumen von St. inodora und dürfte da- 
her vielleicht ein Bastard zwischen bei- 
den sein. Wir wiederholen dabei das 
schon wiederholt Gesagte, dass unter 
den tropischen Orchideen bestimmt viele 
ßastardformen vorkommen, und nament- 
lich scheint die Gattung Stanhopea an 
solchen Formen reich zu sein. Unsere 
Pflanze besitzt die lose Blüthentraube 
von St. graveolens, ovale Bracteen, die 
nur halb so lang als der Fruchtknoten, 
breit ovale seitliche Scpalen und eine. 
Lippe und Säule, welche genau wie bei 
St. inodora gebildet. Die Blumen sind 
blassschwefelgelb mit kleinen blutrothen 
Fleckchen schön gezeichnet, und das 

10 * 



148 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Unterstück der Lippe ist safrangelb mit 
zwei grossen braungelben augenartigen 
Flecken. 

13) Billbcrgia horrida RgL Eine neue 
Bromeliacee des hiesigen Gartens , über 
deren Bezugsort wir mit Gewissheit 
nichts sagen können. Die breiten, band- 
förmigen, 8 Zoll langen, 2 Zoll breiten, 
dunkelgrünen, aus stumpfer Spitze kurz 
gespitzten, am Rande gross stachelig 
gezähnten Blätter, die wie die ganze 
Pflanze kahl sind, zeichnen diese Pflanze 
aus. An dem aufrechtem Blüthenschafte, 
sitzen nur kleine bandförmige, bräunli- 
che, häutige Blättchen. Blumen in auf- 
rechter Traube, nur die unterste von 
einer häutigen, die andern von kleinen 
schuppenförmjgen abgerundeten grünen 
Bracteen gestützt. Blumenblätter gelb- 
grün, die Spitze blau. Drei lineare zu- 
rückgekrümmte Narben. Eine in der 
Tracht ganz ausgezeichnete Art, welche 
jedoch an Schönheit gegen die meisten 
anderen Arten dieser herrlichen Fami- 
lie zurücksteht. 

14) Leucothamnus montanus Lindl. ; 
Büttncriaceac. Ein mit Lasiopetalum 
nah verwandter schöner Strauch aus 
Neuholland, der noch in keine andere 
Gärten eingeführt zu sein scheint. Sten- 
gel, Unterseite der Blätter, Blüthenstiele 
und Kelch mit sternförmigen Haaren 
rauh oder wollig besetzt. Blätter ge- 
stielt, abwechselnd, herzförmig oval, 
doppelt buchtig gezähnt, nahe an 2 Zoll 
lang und lV 3 Zoll breit. Blumentrauben 
dem Blatt gegenübergestellt. Unter der 



Blume steht eine 31appige, sitzen blei- 
bende Bractee (Kelch). Der Kelch (Blu- 
menkrone) ist breit glockig, schön lila 
und 51appig. Blumenkrone fehlt. 10 Staub- 
fäden, von denen die 5 abwechselnden 
steril. Die grossen schön lilafarbenen, 
3 / 4 Zoll breiten Blumen zeichnen diese 
Pflanze vortheilhaft von den Lasiopeta- 
lum-Arten aus. Cultur im Kalthaus, in 
Laub- oder Heideerde mit Lehm und 
Sand versetzt. 

1 5) Evonymus ftmbriatus Wall. ; Ce- 
laslrineae. Ein schöner immergrüner 
Kalthausstrauch aus den Gebirgen Ost- 
indiens. Die freudig grünen oval-lan- 
zettlichen, fast wimperig-dornig gezähn- 
ten Blätter sind etwas grösser als die 
eines Lorbeer. Blumen weiss , in Trug- 
dolden dicht unter der Astspitze. Stammt 
aus den Gebirgen Ostindiens. 

16) Eucalyptus Preissiana Schauer, 
ß. glauca. Myrtaceae. Ein vorzüglich 
schöner Eucalyptus vom Swan- River, 
der schon als kleine Pflanze seine sehr 
grossen Blumen mit den kegelichen Kel- 
chen und den Massen gelber Staubfäden 
entwickelt. Charakteristisch für die Art 
sind die kurzen achselständigen breitge- 
drückten zweischneidigen Blüthenstiele, 
deren jeder 2 — 3 ungestielte Blumen 
trägt. Die gegenständigen Blätter sind 
bei unserer Pflanze blaugrün und fast 
sichelförmig-länglich oder länglich, bei 
der Stammort dagegen grün und ellip- 
tisch. Cultur im Kalthaus. Vermehrung 
durch Samen. (E. R.) 



I. Originalabhandlungen. 



149 



ft) Die neuesten Krankbeitg-Ersehelnungen an Obstbäumen und 

anderen Pflanzen« 

(Von Herrn J. Rinz in Frankfurt.) 



Die Zeit der Blüthe in unserer für 
Obstbaumcultur sehr vortheilhaften Ge- 
gend fällt gewöhnlich in die meistens 
sehr veränderlichen Apriltage. Apriko- 
sen, Mandeln und Pfirschen blühen oft 
schon 3 bis 4 Wochen früher. Nach 
dem günstigen oder ungünstigen Verlaufe 
der Witterung während und kurz nach 
der Blüthezeit bis zum 15. Mai lässt 
sich schon ziemlich bestimmt auf die 
Obsterndte schliessen, weil dann die Ge- 
fahr vor Nachtfrösten vorübergegangen 
und die Frucht dergestalt angeschwollen 
ist, dass nur eine ungewöhnliche Nässe 
und andauernd kühle Temperatur noch 
verderblich wirken könnten. Seit 10 bis 
12 Jahren haben wir leider Beispiele 
genug von derartigen ungünstigen Ein- 
flüssen, welche die schönsten auf voll- 
kommene Blüthenentwicklung gestützten 
Hoffnungen herabstimmten oder gänzlich 
vernichteten. Die letzten schlimmen, 
gar zu nasskalten Maitage Hessen für 
viele ohnehin kalten Gegenden etwas 
Aehnliches befürchten, und bald zeigte 
sich, dass diese Befürchtungen mit weni- 
gen Ausnahmen in verschiedener Weise 
gegründet waren; denn diesmal erstreckte 
sich das Uebel nicht gerade auf die 
Zerstörung der Befruchtungswerkzeuge, 
welche im Gegenthcile der Gefahr reich- 
lich entkamen , sondern vielmehr auf die 
jungen schon angesetzten Früchte, 
Blatt er nnd Triebe, die mit schwärz- 
lichen Flecken bedeckt , theils auf dem 
Baume abstarben, theils herabfielen. 

Die nächste Folge hiervon war -eine 
Masse von kleinen Wunden an den 
Zweigen, die einen klebrigen Saft aus- 
schwitzten und das Absterben noch grös- 
serer älterer Zweige nach sich zogen, 



so dass für die Erhaltung der Bäume 
wenig Hoffnung übrig blieb. 

Am härtesten und zahlreichsten wa- 
ren die Kirschbäume trotz vorhergehen- 
der vortrefflichster Gesundheit betroffen. 
Sie zeigten zwar im Juli neue Lebens- 
kräfte, indem hie und da aus schlafen- 
den Augen neue Triebe hervorbrachen; 
allein von solchen Spätlingen, die ge- 
wöhnlich die gehörige Reife nicht mehr 
erlangen , um den folgenden Winter zu 
widerstehen, kann die Erneuerung eines 
so schwer erkrankten, im ganzen Lebens- 
organismus erschütterten Baumes kaum 
erwartet werden. 

Besser erholte sich das übrige Stein- 
obst, wie Mirabellen, Reine-Clauden und 
Pflaumen, wovon einige Sorten, wiewohl 
mehr ausnahmsweise , noch sehr gute, 
schmackhafte Früchte lieferten. Apri- 
kosen und Pfirschen, die bekanntlich 
schon länger kränkeln, sieht man immer 
seltener in vollkommenem Zustande. 
Selbst die sonst so mächtigen Aepfel- 
bäume verloren mitten im Sommer den 
grössten Theil ihrer Belaubung unter 
Symptomen , die an die so bedauerliche 
Weinrebenkrankheit erinnern. 

Ueberhaupt liegt die Vermuthung nahe, 
dass die nasskalte Frühjahrswitterung 
nicht als einzige Ursache dieses 
ausgebreiteten Uebels zu betrachten sei, 
sondern dass in gleichem Maasse noch jene 
unerklärten Ursachen derjüngsten epidemi- 
schenKrankheitserscheinungen mitwirken. 

Leider lässt sich gegen verderbliche 
Einflüsse der einen oder der andern Art 
wenig mehr thun, als was in Bezug auf 
vorteilhafte Lage, Boden und Behand- 
lung schon bekannt ist ; denn derjenige 
Schutz , welcher in einer Abhandlung 



150 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



des Gardener's Chronicle für die Verhält- 
nisse in England noch als Gewinn brin- 
gend empfohlen wird, muss hier, wo 
die Früchte in bei weitem niederen 
Preise stehen, als allzu kostbar erscheinen. 
Gegen die Richtigkeit der dort 
ausgesprochenen Ansicht , dass nämlich 
in Obstgärten, welche zur Zeit ungün- 
stiger Witterung mit Glasfenstern b!e- 
deckt werden können, reichlich und 
überaus schöne, gewürzreiche Früchte 
von weit höherem Werthe und all- 
jährlich mit Sicherheit zu erziehen sind, 
lässt sich zwar nichts einwenden ; allein 
von solchen theuren Anlagen kann doch 
nur für jene Gegenden die Rede sein, 
wo das Obst im Freien ohnehin unre- 
gelmässig schlecht gedeihet, dagegen bei 
Vorkommen in vorzüglicher Qualität 
verhältnissmässige Verwerthung findet. 
Unsere Culturen umfassen nichts, was 
in gleicher Art zu lohnen verspräche 
als etwa Pfirschen und — da wir jetzt 
schon viele aufeinander folgende Miss- 
jahre zählen — auch wohl diejenigen 
Weinreben, deren edler Saft mit 
einigen Gulden aufwärts die 
Flasche bezahlt wird. 

Wirklich dachte ich längst, wenn der 
Kummer der Weinzüchter um ihre be- 
drohte so köstliche Lese aufs höchste 
gestiegen war , an einfache Vorrichtun- 
gen , vermittelst welcher die jungen 
Triebe der Rebe unter Glas beschützt 
und im Wüchse sehr wesentlich beför- 
dert werden könnten. Die Idee liegt 
dem Gärtner freilich näher als dem 
Weinzüchter, welchem der Umgang mit 
Glasscheiben oder Fenstern anfänglich 
vielleicht schwer fallen , vielleicht ganz 
unthunlich dünken wird; allein einige 
Versuche im Kleinen würden ohne Zwei- 
fel auch die mögliche Anwendbarkeit im 
Grossen zeigen, oder zur Herstellung 
der zweckdienlichsten Vorrichtung führen. 



Es handelt sich nämlich hier durch- 
aus nicht um Herstellung einer dichten 
Glasfläche , wie bei Gewächshäusern, 
welche ich vielmehr für verderblich 
halte, sondern nur um intelligente Be- 
festigung einiger Glastafeln über jedem 
Weinstocke während der Frühjahrsperiode, 
um eine frühere und sichere Reife der 
Frucht zu erzielen und dadurch die 
Ungeheuern Verluste der Missjahre mög- 
lichst zu verhüten. Die Vortheile hie- 
von Hessen sich in überzeugender Weise 
durch Zahlen nachweisen. Was solche 
einfache Vorrichtungen ausserdem noch 
in anderem Bezüge vermögen, lässt sich 
aus folgendem Beispiele entnehmen. 

Die äusserst zierliche Spiraea ariaefo- 
lia vermehren wir seit Jahren aus Sa- 
men, der aber wegen seiner Feinheit 
auf Walderde unter Glasfenstern ange- 
baut werden muss. Nachdem die Pflänz- 
chen ungefähr einen Zoll Höhe erreicht 
haben, lassen wir die Glasfenster allmäh- 
lig hinwegnehmen, und sie erreichen dann 
schon im ersten Jahre einen Fuss Höhe. 

Im vorigen Jahr (1855) standen diese 
Sämlinge ungemein dicht, und da sich 
überdies an den Blättern jene verdäch- 
tigen Flecken zeigten, welche als Vor- 
boten einer pestartigen Krankheit bei 
unseren englischen Malven auftreten, so 
wurde ein Theil davon verpflanzt : aber 
von diesen, gleichwie von den nicht ver- 
pflanzten, ging der grösste Theil in Folge 
der Epidemie, wie bei den Malven, zurück. 

Die Aussaat wurde desshalb im letz- 
ten Frühjahre unter zwei Fenstern wie- 
derholt. Unter beiden keimte der Same 
gleichmässig , aber nachdem die Pflanz- 
chen einen Zoll Höhe erreicht hatten, 
befreiete man nur die Hälfte des Beetes 
vom Glase und stellte das andere Fen- 
ster hoch genug , um freien Luftzug zu 
gestatten. Nach Verlauf von vier Wo- 
chen waren die unbedeckten Pflanzen 



I. Originalabhandlungen. 



151 



wieder mit jenen Flecken behaftet, ver- 
krüppelt oder dem Tode nahe, wäh- 
rend die anderen unter Glas 
fleckenrein, über 6 — 8 Zoll 
hoch, üppig fortwachsend. Als 
die Ersteren schon fast von der Krank- 
heit aufgezehrt schienen, kam einem 
Arbeiter zu Sinne, auch diesen wieder 
den Schutz eines Fensters zu gewäh- 
ren, wodurch übrigens, wie es geschah, 
mitten im Sommer gar keine höhere 
Temperatur bewirkt wurde. Schon nach 
wenigen Tagen zeigten sich neue Blätt- 
chen, bald darauf Triebe, und schliess- 
lich erholten sich die Pflanzen bis zum 
Herbste so weit, dass der Unterschied 
gegen die früher schon Geschützten 
wenig mehr auffiel. 

Dieser Fall ist um so bemerkens- 
werther, weil die Krankheit einen ent- 
schieden epidemischen Charakter an sich 
trägt, unter Glas den Ansteck- 
ungsstoff verliert, im Freien sich 
unter vielen verwandten Pflanzen auf 
junge Spiraea ariaefolia beschränkt, 
ohne selbst dazwischen aufgewachsene 
Spiraea callosa anzugreifen, und weil 
nach meiner Erfahrung wenigstens, hier 
zum erstenmale zugleich ein sicheres, 
obschon mir noch unerklärbares und 
nicht allgemein practicables Mittel gegen 
die Krankheit erscheint. Nähere wissen- 
schaftliche Untersuchungen dürften ei- 
niges Licht hierüber verbreiten und auch 
für andere Fälle nützliche Winke her- 
vorrufen können. Achnliche zum Glück 
weniger verderbliche Krankheitserschei- 
nungen bemerkten wir an manchen 
Ziersträuchern, namentlich jungen Cy- 
tisus Laburnum und Staudengewächsen. 
Bezüglich der letzteren haben wir 
leider schon seit fünf Jahren die wieder- 
holte Vernichtung unserer ganzen Sa- 
menzucht der schönen englischen 
Malven (Althaea rosca) zu beklagen. 



Das erste Vorkommen jener bösartigen 
Flecken an den Blättern der Malve hat- 
ten wir irgend einem zufälligen schlim- 
men Einflüsse zugeschrieben. Im fol- 
genden Jahre erfreueten wir uns eines 
wahrhaft prachtvollen Flors von etwa 30 
aus England bezogenen Mustersorten, 
wovon wir so glücklich waren, eine be- 
deutende Menge Samen zu erndten, der 
aber, von nur stark gefüllten, höchst 
vollkommenen Blumen stammend, nicht 
das Aussehen bester Keimfähigkeit hatte. 
Desshalb wurde derselbe zeitig im Früh- 
jahre auf bestens zubereitete Beete weit 
dichter als gewöhnlich ausgesäet. Da 
aber über Erwarten fast jedes Korn 
keimte, so musste ohnehin an baldiges 
Umpflanzen gedacht werden, welches 
wir, nachdem die Pflanzen ungefähr das 
vierte Blatt entwickelten und hie und 
da einige Flecken bemerkt wurden, be- 
schleunigten und mit der grössten Vor- 
sicht vornehmen Hessen. 

Nach acht Tagen waren zu unserem 
Erstaunen und grossen Bedauern viele 
Lücken in den Beeten entstanden, die 
wir, so weit der Vorrath auf dem Sa- 
menbeete reichte, sofort sorgfältig wieder 
ausbessern Hessen. Trotzdem verschwan- 
den immer mehr Pflanzen und bei nä- 
herer Untersuchung fand sich, dass jene 
Flecken bis zur Wurzel drangen und 
die ganze Anzucht in Gefahr brachten. 
In der That blieben von Zehntausend 
nur noch sechs Stück lebend übrig, deren 
vortreffliche Blumen im nächsten Jahre 
den Verlust um so schmerzlicher em- 
pfinden Hessen, da wir jedenfalls viel 
Ausgezeichnetes aus dieser Anzucht 
hätten erwarten können. Später ver- 
suchten wir die Aussaaten zu verschie- 
denen Jahreszeiten und auf verschiedene 
Bodenarten. 

Darunter schien die Aussaat im Herb- 
ste auf nahrhaftem Sandboden grosse 



152 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Hoffnungen zu erwecken; allein der Un- 
terschied war nur der, dass die Krank- 
heit in späterem Lebensalter eintrat und 
die Pflanzen noch hinwegraffte, als 
schon hie und da Blumenstengel auf- 
schössen. Sämmtliche Versuche miss- 
glückten. 



Letztlich stehet eine kleine Anzucht 
von einer Aussaat zur ungewöhnlichsten 
hohen Sommerzeit bis jetzt noch gut. 
Vielleicht ist das Uebel dem Erlöschen 
nahe! ♦ (J. R.) 



3) Neue Pflanzen des Petersburger Gartens. 



1) Boronia hyperieifolia. Diosmeae Bo- 
ronieae. Ein neuer lieblicher Kalthausstrauch 
aus Neuholland , der unter der obigen Be- 
zeichnung in unserra Garten sich befindet. 
Derselbe ist zunächst mit B. spathulata Lindl. 
verwandt, welche letztere Art sich jedoch 
nach der Beschreibung durch einfache Aeste, 
ganzrandige Blätter, nur 3 blumige spitzen- 
ständige Blüthenstände unterscheidet. Von 
den Drüsen an der Spitze der Staubfäden sagt 
die kurze Diagnose nichts. Wir müssen es 
daher dahin gestellt sein lassen, ob unsere 
Pflanze , vielleicht nur eine Abart der B. spa- 
thulata Lindl. ist, oder ob deren Diagnose 
ungenau. Nach dem Wenigen, was wir von 
dieser Pflanze wissen , sind wir nicht berech- 
tigt, sie zu dieser zu ziehen, und lassen ihr 
daher unsern Gartennamen. — Bildet einen 
3 — 4 Fuss hohen, blaugiünen, kahlen Strauch, 
mit steifen einfachen oder verästelten Aesten. 
Blätter ungetheilt gegenständig, von einander 
entfernt, sehr kurz gestielt, oval oder verkehrt 
oval, in den Blattstiel verdünnt, an der ab- 
gerundeten stumpfen Spitze in ein kurzes zu- 
rück gekrümmtes Spilzchen vorgezogen, am 
Rande klein gekerbt- gezähnelt, 3 1 ,! L. lang, 
l'/ 2 L. breit. Blüthen in spitzen- und achsel- 
ständigen Trugdolden, von denen die achsel- 
ständigen oft nur 3 blumig, die spitzenstän- 
digen aber vielblumig sind. Die einzelnen 
Blüthenstände gestielt, und die Blülhenstiel- 
chen länger als die Blume und am Grunde 
mit einer sehr kleinen Bractee versehen. 
Blumen 4blättrig, rosa-lila, 3 ,'i Zoll im Durch- 
messer, mit breit rhomboidisch-ovalen spitzen 
Blumenblättern. Acht Staubfäden, die an der 
breit gedrückten Basis rauh behaart, gegen 



die Spitze hin aber mit grossen Drüsen be- 
setzt sind und mit der Spitze kurz und stumpf 
über die Befestigungsslelle der Anthere her- 
vorragen , so dass letztere von 
einem kurzen seitlichen besonde- 
ren Stielchen getragen erscheint, 
wie dies die beistehende Figur, 
die vergrösserte Spitze eines 
Staubfadens mit der Anthere, 
zeigt. 

Gehört zu den lieblichsten Arten der Gat- 
tung, welche im April ihre Blumen massen- 
haft entwickelt, 6 Wochen lang blühet und 
in einer Mischung aus Heideerde, Lehm und 
Sand freudig gedeihet. Verlangt einen lichten 
Platz im niedrigen Kalthaus. Zu Stecklingen 
wählt man im Februar kleinere Triebe ohne 
Blumen und steckt diese unter Glocke bei 15° 
Bodentemperatur im Sand oder halbsandige 
Heideerde. — 

2) Goodia lotifolia Salsb.] Leguminosae. 
Wir müssen hier einmal wieder das Lob ei- 
ner alten bekannten, jetzt aber fast verschol- 
lenen Pflanze singen. Stammt aus Neuhol- 
land, besitzt die Tracht einer Genista, nur viel 
zarter und niedlicher. Laub blaugrün, gedreiet, 
mit verkehrt-ovalen Blältchen. Blumen gold- 
gelb, am Grunde mit orange Fleck, in viel- 
blumigen, zarten überhängenden Trauben, 
auf den Spitzen der Aeste und Aestchen, 
welche zur Zeit der Blüthe die ganze Pflanze 
decken. Gut gezogene Pflanzen von 2 — 3 
Fuss Höhe, bis zum Grunde belaubt, bilden 
im Frühling selbst in auserlesenen Sammlun- 
gen von Kalthauspflanzen eine herrliche Zierde- 
Dazu ist die Pflanze hart , gedeihet in jeder 
Heideerde oder Torferde, gemischt mit Lehm 



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I. Originalabhandlungen. 



153 



und kann selbst im frostfreien Zimmer leicht 
gezogen werden. Vermehrung durch Samen, 
den sie reichlich trägt. Die jungen Pflanzen 
müssen aber häufig an der wachsenden Spitze 
ausgebrochen werden , sonst werden es hohe 
und unansehnliche Sträucher. Es ist hier, wie 
bei den meisten Pflanzen, eine gute einsichtige 
Cultur, welche erst die ganze Schönheit die- 
ser Pflanze zu entwickeln vermag. — 

3) Diosma rubra L. ß. chlorocalyx, Rgl. 
Der starke aromatische Geruch der Diosmen 
ist wohl der Grund, dass diese übrigens so 
niedlichen Pflanzen vom Cap jetzt nur noch 
seltner cuhivirt werden. Zerstreut stehende, 
lineare , unten gewölbte und 2 reihig durch- 
sichüg punktirte , an der Spitze stachelig zu- 
gespitzte, am Rande weichhaarig gewimperte 
Blätter, ferner in endständiger Doldentraube 
stehende Blumen, die auf 1 — 3 blumigen ach- 
selsländigen Blumenstielen stehen , ovale, 
schwach zugespitzte am Rande schwach ge- 
wimperte und ausserdem kurzhaarige Kelch- 
lappen, die kürzer als die weissen Blumen- 
blätter und an der Spitze meist roth gefärbt 
sind, 5 fruchtbare und 5 sterile zu einer den 
Fruchtknoten umgebenden 5 lappigen Krone 
vereinigle Staubfäden charakterisiren diese 
Pflanze. Cultur im Kalthaus gleich den an- 
dern Arten. Grüne nur an der Spitze gerö- 
thete Kelche unterscheiden unsere Pflanze 
von der Slammart, welche letztere rothgefärble 
Kelche besitzt, woher der Name gewählt ist. 

4) Azalea ovata Lindl. Es ist dieses eine 
allerdings ausgezeichnete Art, die im Habitus 
viel von Rhododendron besitzt und durchaus 
unbehaart ist. Bildet einen niedrigen 1 — 1 »/j 
Fuss hohen stark verästelten Strauch. Blätter 
oval, lederartig, nach oben verschmälert und 
aus stumpflicher Spitze in einen Mucro aus- 
gehend. Blumen in armblüthiger endständi- 
ger Dolde, klein, lila und oben innerhalb 
dunkel punktirt. Scheint nicht zu den dank- 
bar blühenden Arten zu gehören, ist aber als 
ganz eigenthümliche , die Gattungen Azalea 
und Rhododendron verbindende Art, interes- 
sant und daher Cultur neben den indischen 
Azaleen. In England soll auch noch eine 
andre Form mit rein weissen Blumen einge- 
führt sein. — 

5) Gastrolobium spinosum Paxt. (P. Mag. 



11. 171) Papilionaceae. Einer der schönsten 
vom Swan-River eingeführten Halbsträucher, 
der in den Gärten als Chorozema oppositifolia 
sich verbreitet hatte. Blätter sitzend, blaugrün, 
herzförmig buchlig-dornig gezähnt. Blumen in 
dichten, fast kopfTörmigen Trauben auf den 
Spitzen der Aesle und Aestchen, mit schillernd 
goldgelber Fahne, rölhlich-orangefarbnen Flü- 
geln und braunpurpurnem Kiel. Auch die 
Unterseite der Fahne ist braunpurpur gestreift. 
Eine liebliche im April blühende Kalthaus- 
pflanze. Heideerde mit */* Lehm und Sand. 
Wetteifert mit den Chorozemen an Schönheit. 
Junge Pflanzen müssen jedoch häufig ausge- 
kneipt werden , sonst wachsen sie zu langen, 
unten kahlen hochbeinigen und deshalb un- 
ansehnlichen Exemplaren auf. Vermehrung 
durch Samen und Stecklinge. Letztere wer- 
den nach der Blüthe , gegen Ende Mai ge- 
schnitten , also ähnlich wie bei den Choro- 
zemen und wachsen unter Glocke, bei 15° 
Bodentemperatur nicht schwer. 

6) Pultenaea JLindleyana Rgl.; Papilio- 
naceae. Es ist das die in den Gärten unter 
P. subumbellata Hook, allgemein verbreitete 
Pflanze. Eine genauere Vergleichung zeigt, 
dass diese Pflanze mit der, die Lindley Tab. 
1632 im Bot. Register beschreibt , überein 
kommt, dass sie aber von der Hooker'schen 
Pflanze, wie dieser sie Tab. 3254 im Botanical 
Magazine beschreibt und abbildet, wesentlich 
abweicht, weshalb wir sie nach Hrn. Lindley 
nennen. 

Bildet einen 3 — 5 Fuss hohen Strauch 
mit graulich behaartem Aestchen, welche letz- 
tere meist büschelförmig zusammenstehen. 
Blätter zerstreut, aufrecht abstehend, linear, 
stumpflich, kahl oder schwach behaart (die 
jüngsten in der Entwickelung begriffenen weiss- 
haarig) , dunkelgrün, Vj Zoll lang. Blumen 
in spilzenständigen, 4— 8 blumigen Köpfen, 
aufrecht abstehend. Kelche lang seidenhaarig, 
2 lippig; die obere Lippe stumpflich zweizäh- 
nig; die untere Lippe 3 lappig, mit linear- 
lanzettlichen spitzen Lappen , die so lang als 
die Kelchröhre. Blumen goldgelb, Fahne be- 
sonders aussen rothbraun gestreift, kaum Vi 
Zoll lang. — Am Grunde des sehr kurzen 
Blattstiels finden sich 2 sehr kleine pfriemliche 
von Haaren umgebene Nebenblätter. 



154 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Hooker's P. subumbellata weicht von un- 
serer Pflanze ab durch Äestchen , von denen 
nur die jüngsten schwach behaart, durch hell- 
grüne Blätter, die länglich - linienförmig , und 
von denen die obersten horizontal oder zu- 
rückgekrümmt abstehen; durch Blülhen, die 
in 12- mehrblumigen Köpfen stehen und von 
denen die äussersten horizontal abstehen; 
durch Kelche , welche nach Hooker's Beschrei- 
bung rauhhaarig, nach seiner Abbildung aber 
nur an der Spitze schwach behaart, und deren 
Unterlippe 3 zähnig, mit stumpfen Zähnen, die 
kürzer als die Kelchröhre , und endlich sind 
die Blumen selbst bedeutend grösser. 

Dass diese Pflanze verschieden , sah schon 
Lindley, er hielt aber Hooker's Pflanze für 
einen üppigem Zustand der Entwickelung. 
Unter der Menge von Pflanzen, die wir be- 
sitzen , zeigt aber keine die Merkmale von der 
Hooker'schen Pflanze, und so glauben wir, 
dass sie so gut verschieden, wie die andern 
mit dieser Art nah verwandten Pflanzen. — 

Ist als eine äusserst niedliche , voll und 
dankbar blühende Kallhauspflanze bekannt, 
die mit der vorhergehenden die Cullur theilt. 

7) Hakea Lehmanniana Meisn. Pratea- 
ceae. Eine Hakea von der Tracht der H. pu- 
gioniformis. Zerstreute fädliche Blätter , die 
l*/a Zoll lang, undeutlich zusammengedrückt 
oder eckig, kahl und an der Spitze in einen 
schwärzlichen Mucro ausgehend. Die Blumen, 
die bisher noch unbekannt waren, stehen in 
kurzen knaulförmigen Trauben in den Achseln 
der oberen Blätter in gemeinsamen Trauben 
den Aesten nach und erscheinen im April 
zahlreich im Kalthause. Blülhenstielchen 
kurzhaarig. Blüthenhüllcn 4 blättrig, gelb, 
linear, zurückgerollt und auf ihrer Spitze die 
Anthere tragend, übrigens kahl, wodurch sie 
sich von H. pugioniformis unterscheidet. Ein 
schöner Kalthausstrauch , der mit den neuhol- 
ländischen Acacien die Cullur theilt. Heide- 
erde mit Lehm. Vermehrung durch Stecklinge 
im März. — 

8) Eutaxia virgata Benth. ; Papiliona- 
ceae. — Ein niedriger Strauch vom Schwa- 
nenfluss in Neuholland mit lichtblau grünem 
Laube. Die zarten stark, verästelten Zweige 
sind ziemlich dicht mit gegenüber kreuzweis 
gestellten, länglich - linearen oder keilförmig- 



linearen, stumpfen, kurzgestielten kleinen Blät- 
tern besetzt. Blumen stehen einzeln in den 
Achseln der obern Blätter, goldgelb und dun- 
kelroth nüancirt. Die Blättchen des Kiels am 
Grunde einseilig speerförmig. Eine eigen- 
thümliche Pflanze, die wir als Pultenaea ari- 
stata erhielten und durch ihren niedrigen 
Wuchs ausgezeichnet ist. In der Blülhe ist sie 
jedoch weniger schön , als die andern in Cul- 
tur befindlichen Arten. In der Tracht gleicht 
sie fast einer Melaleuca. 

9) Pultenaea stricta Sims. Papiliona- 
ceae. — Von der Tracht der P. rctusa, Blät- 
ter aber spitz, mit kurz zurück gekrümmten 
Mucro, und verkehrt oder keilförmig oval. 
Kelche behaart. Wie P. retusa zu den zier- 
lichen im Frühling reichlich blühenden Halb- 
sträuchern des Kalthauses gehörend. Der 
rutheuförmige Wuchs der Hauptäste und die 
kurzen Seitenäslchen, welche fast alleBlülhen- 
köpfe tragen, unterscheiden diese Art, ausser 
der Blallform, leicht von P. Lindleyana. 

10) Pentlandia miniata a. lacunosa Lindl.; 
Amaryllideae. — Ein schönes Zwiebelgewächs 
aus Peru fürs Warmhaus. Die linienlanzett- 
lichen Blätter sind spitz, werden mehr als 
1 Fuss lang und sind unterhalb wie der 1 '/* 
Fuss lange Blülhenschaft bläulich grün. Die 
Blumen stehen in einer spitzenständigen, arm- 
blüthigen Dolde von 2 häutigen Bracteen ge- 
stützt. Die Blumen hängen auf fast 2 Zoll 
langen Blüthenstielchen über und sind schön 
mcnnigroth gefärbt. Die Blüthenhülle geht 
aus fädlicher zylinderförmiger Röhre in den 
obern gestreckt-urnenförmigen Theil über, mit 
6 lappigem abstehendem Saum. Staubfäden 
und Griffel vorstehend. Eine ausgezeichnete 
Pflanze, die im April ihre Blumen entwickelt. 
Wird in eine Mischung aus Laub- und Rasen- 
erde gepflanzt, erhält im Sommer einen Stand- 
ort im Warmbeete und im Winter auf einem 
Brett an der Hinterwand des Warmhauses. 
Im Sommer und Frühling reichliche Bewässe- 
rung, im Winter hält man sie bis zum Trei- 
ben trocken. 

11) Kennedya glabrata Lindl.; Papilio- 
naceae. — Der hiesige Garten erzog diese nied- 
liche Schlingpflanze aus Samen , die von 
Drummond eingesendet wurden. Unter den 
vielen schönen Kennedyen bezeichnen wir sie 



I. Originalabhandlungen. 



155 



als eine der lieblichsten. Die zarten winden- 
den Stengel werden einige Fuss hoch, sind 
wie die Blattstiele und Blüthenstiele behaart, 
verästeln sich vielfach und sind ausgezeichnet 
gut geeignet zur Bekleidung kleiner Draht- 
spaliere, die sie bald ganz überziehen und im 
Frühling und Herbst mit ihren zahlreichen 
Blüthenköpfen fast bedecken. Blätter dreiblät- 
trig; Blättchen klein, aus keilförmigem Grunde 
verkehrt herzförmig und aus der Auskerbung 
an der Spitze in einem kurzen Mucro ausge- 
hend , kahl *); Blüthenstiele acliselständig, so 
lang als das, Blatt (bis 2 Zoll lang), tragen 
auf der Spitze eine 2—6 blumige Blüthendolde. 
Bracteen fallen bald ab. Kelche behaart. 
Blumen ziegelroth, am Grund der Fahne mit 
grünem Fleck und mit dunkelrothem Kiel. 
Im Winter ein lichter Standort im niedrigen 
Kalthaus, im Sommer an halbschattigem Ort 
im Freien. Liebt Heideerde mit wenig Lehm 
und trägt reichlich Samen, die zur Vermeh- 
rung benutzt werden. 

12) Mercklinia Bgl. Proteaceae. Eine 
neue Gattung aus der Familie der Proteaceen, 
welche wir den durch seine Arbeiten über 
Entwickelung der Farren bekannten Dr. Merck- 
lin in Petersburg widmen. Dieselbe steht der 
Hakea und Anadenia zunächst und ist durch 
Folgendes zu definiren. — 

Blüthenhülle 4 blättrig, mit linearen an der 
Spitze schwach löffeiförmig verbreiteten, abste- 
henden oder schwach zurückgerollten Blält- 
chen. Vier Staubfäden, die gemeiniglich bis 
unterhalb ihrer Spitze den Blüthenhüllblätt- 
chen angewachsen, oder mehr oder weniger 
frei sind. Anlheren frei, den Blülhenhüll- 
blällern nicht angewachsen oder eingesenkt. 
Eine Drüse, welche unterhalb der Spitze dem 
Fruchtknoten angewachsen ist und nach dem 
Oeffnen der Blumen gemeiniglich bald abfällt. 
Fruchtknoten sitzend, 2 Eier umschliessend. 
Griffel ziemlich lang, aufrecht oder niederge- 
beugt. Narbe kegelförmig. Frucht unbe- 
kannt. — 

Immergrüne niedrige Halbsträucher Neu- 
hollands mit stielrund-fädlichen Blättern, wel- 



*) Nebenblätter herzförmig breit oval, spitz. 
Nebenblättchen pfriemljeh. 



che fiederförmig getheilt. Blülhentrauben 
spitzenständig, zusammengedrängt und dolden- 
förmig, am Grunde durch häutige bald abfal- 
lende Bracteen gestützt. — 

Zwei Arten werden davon im hiesigen 
Garten eultivirt. Nämlich: 

M. rosea. (Hakea lissocarpa H. Petrop.) 
Eine liebliche noch durchaus neue Pflanze, 
die im Blatt einer Hakea, in der Blume einer 
Grevillea gleicht. 

Bildet einen dichten buschigen Strauch, 
mit kurzen zusammengedrängten Aestcn und 
Aeslchen. Blätter fädlich , sttclrund , 3 theilig 
oder seltner fiedertheilig 4 — 5 schnittig, von 
hervortretenden Punkten scharf, die jungen 
nebst den jungen Aestchen rauhhaarig, kaum 
3 /t Zoll lang; die Fiederblättchen ungetheilt, 
in eine scharfe dornige Spitze vorgezogen, 
wie der Blattstiel ohne jede Furche, '/s Zoll 
lang. Blüthentrauben fast doldenförmig auf 
der Spitze der Aesle, von kleinen jungen 
Aeslchen , welche an deren Grunde entsprin- 
gen, später umgeben, oder auch frei auf der 
Spitze aller Aeslchen kurz und fast sitzend, 
von einer bald abfallenden , aus schuppenför- 
migen kahlen häutigen Blätlchen bestehenden 
Hülle am Grunde gestützt , mit rauh behaarter 
kurzer Spindel. Kelche und die fädlichen 
Blüthenstielchen kahl, rosa gefärbt, lange ge- 
schlossen bleibend und dann mit unmerklich 
verdicktem Saume , die geöffneten Blumen 
mit linearen stumpfen Kelchblättern, welche 
nach vorne schwach löffelförmig sind. Die 
Staubfäden sind entweder bis zur Spitze mit 
den Kelchblättern verwachsen, oder sie sind 
nur theilweise mit denselben verwachsen oder 
zuweilen ganz frei. Antheren frei, kürzer als 
die Kelchblältchen. Die Blumen besitzen ei- 
nen sehr angenehmen Geruch. Der Griffel 
aufrecht. 

Scheint mit der Hakea lissocarpa R. Br. 
wegen des ähnlichen Blaüschniltes und der 
Bekleidung der Blätter mehrfach verwechselt 
worden zu sein. Diese unterscheidet sich aber 
nach einem Exemplar von Drummond durch 
folgende Kennzeichen: Aestchen verlängert. 
Blätter meist fiedertheilig 5 schnittig, die Jün- 
gern wie die Aesle weichhaarig, bis l*/i Zoll 
lang; der Blattstiel oberhalb flach und eine 
Furche tragend, die Fiederblättchen bis 3 / 4 



156 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



Zoll lang. Blüthentrauben achselständig, kür- 
zer als das Blalt. Die geschlossenen Kelche 
vorn mit kugelig aufgeschwollenem Saume; 
die offenen mit fädlichen Blättchen, die an der 
Spitze kreisförmig-löffelförmig erweitert. Staub- 
fäden den Kelchblättern ganz verwachsen und 
die Antheren der Spitze derselben eingesenkt. 
Drüse am Grunde des Fruchtknotens. 

Auch der Grevillea crithmifolia R. Br. steht 
unsere Pflanze nahe , letzlere unterscheidet 
sich aber leicht , wie die anderen verwandten 
Grevilleen, durch die unten 2 furchigen Blätter 
und ausserdem durch den im jungen Zustande 
kopfförmigen Blumenstand. 

Diese liebliche Pflanze ward wahrschein- 
lich durch von Drummond erhaltenen Samen 
bei uns eingeführt. Einzelne Exemplare der- 
selben waren in diesem Frühling ganz mit 
den obstartig duftenden zarten Blüthentrauben 
bedeckt. Cultur im niedrigen Kalthaus in 3 
Theil Heideerde, 1 Theil Lehm und 1 Theil 
Sand. Vermehrung durch Stecklinge im Früh- 
ling unter Glocken. Zu letzteren wählt man 
kurze kräftige verholzte Seitentriebe vor dem 
Ausbrechen des Triebes, aber keine solchen, 
die Blumen in der Spitze zeigen. 

M. pctrophiloides. (H. petrophiloides H. 
Petrop.) Wir konnten von dieser zur gleichen 
Gattung gehörenden Art keine Beschreibung 
finden. Die Grevillea petrophiloides Meisn. ist 
es nicht und von der von Steudel cilirlen H. 
petrophiloides Mackay konnten wir keine Be- 
schreibung auffinden. 

Wuchs und Tracht wie bei der vorherge- 
henden. Die jungen Aeslchen und Blätter 
schwach rauhhaarig, die älteren durch vor- 
tretende Punkte scharf. Blätter stielrund fäd- 
lich , fiedertheilig 3 — 5 schnittig, bis 1 Zoll 
*ang; die Fiederblätlchen einfach oder einmal 
ungleich gabelig gelheilt, vorn in eine scharfe 
Stachelspilze ausgehend , bis '/* Zoll lang. 
Der Blattstiel der älteren Blätler oben und 
unten mit einer schwachen Furche. Blumen 
weiss, in spitzensländiger kurzer Doldentraube, 
sitzend, mit kurzen rauhhaarigen und kahlen 
Blumen, die ganz wie die der vorhergehenden, 
nur ist der Griffel herabgeneigl , theilt mit der 
Vorhergehenden die gleiche Cultur. 

13) Gastrolobium obovatum Benth. ß. sub- 
verticillatum Lehm. ; Papilionaceae. Eine 



Abart dieses immergrünen Halbstrauches von 
Swan - River mit abwechselnd gegenüberste- 
hend und zu 3 oder 4 quirlig gestellten Blät- 
tern, die rhomboidisch-oval, stachelspilzig, ganz- 
randig. Blumen einer Pultenaea ähnlich, gold- 
gelb mit roth, kleinen, achselständigen ganz 
verkürzten 2—3 blumigen Trauben. 

14) Erinacea pungens Boiss. ; Papiliona- 
ceae. (Anthyllis erinacea L.) Dieser kleine 
kaum fusshohe Halbstrauch , der in Spanien 
und Marrocco heimisch ist, scheint aus den 
Gärten fast ganz wieder verschwunden zu 
sein, in denen er vor 50 Jahren vielfach ver- 
breitet war. Die Pflanze besitzt ganz die 
Tracht eines Spartium, wird kaum mehr als 
Fuss hoch und breitet sich zu dichten Büschen 
von halbkugeligem Wüchse aus. Die Aesle 
gabelig getheilt, die Aestchen alle in Dornen 
ausgehend mit wenigen einfachen kleinen 
Blättern besetzt. Die veilchenblauen Blumen 
stehen in 3 blumigen Blumenständen in den 
Achseln kleiner Schuppen und unterhalb klei- 
ner dorniger Zweige. Dieselben erscheinen 
im April und Mai und machen diese Pflanze 
zu einer ebenso üeblichen als angenehmen 
Erscheinung, indem die blaue Farbe der Blu- 
men mit .den silberweiss behaarten Kelchen 
und den fast blattlosen stacheligen Zweigen 
angenehm contrastirt. Cultur im kältesten 
Hause oder frostfreien Zimmer, in halb Laub, 
halb Rasenerde und etwas Sand. Eignet sich 
sehr gut um zu halbkugeligen mit den Ae- 
slen der Erde angedrückten Exemplaren gezo- 
gen zu werden, da hier der natürliche Wuchs 
der Pflanze kaum verändert zu werden 
braucht. — 

15) Daviesia corymbosa Jndr.', Legumi- 
nosae. Eine schöne Pflanze aus Neuholland. 
Bildet einen 3 — 4 Fuss hohen immergrünen 
Strauch mit grazilen, nach allen Seiten herab- 
hängenden Aesten und lang linearen, bis 4'/j 
Zoll langen, 2— 2 1 /* Linien breiten, fast sichel- 
förmigen Blättern , die an der Spitze stumpf 
schwielig. Die leuchtend goldgelben, am 
Kiele braun gezeichneten kleinen Blumen ste- 
hen in vielblumigen Doldenlrauben zu 1 — 2 
in den Achseln der Blätter und sind vielmal 
kürzer als Letztere. Zur Zeit der Blüthe, Ende 
April und Anfang Mai, ist diese Pflanze wahr- 
haft schön. Cultur im niedrigen Kalthaus, in 



I. Originalabhandlungen. 



157 



3 Theile Heideerde , 1 Theil Lehm und elwas 
Sand. Pflanzen , die zu schönen Exemplaren 
erzogen werden sollen , werden bei '/j des 
Gefässes füllender Unterlage von Scherben 
und Sand in verhältnissmässig grosse Töpfe 
gepflanzt und fleissig ausgekneipt. Später lässt 
man das Exemplar ungehindert wachsen, da- 
mit es die schlanken überhängenden, in allen 
Achseln Blülben bringenden Zweige entwickeln 
kann. Vermehrung durch blüthenlose kurze 
Zweige im März und durch Samen. Erstere 
werden mit dem Achselblalt ausgeschnitten. 

16) Daviesia mimosoides Dryand. Diese 
aus Neu-Süd-Wales in Neuholland stammende 
Art ist mit der vorhergehenden viel verwech- 
selt und von Loddiges als D. glauca abgebil- 
det worden. Die Zweige derselben sind stei- 
fer und mehr aufrecht, Blätter breiter und kür- 
zer (bis 3 l /i Zoll lang und '/i Zoll breit) 
und tragen in ihren Achseln 2 — 3 Blüthendol- 
den, die nur 3 mal kürzer als das Blatt. Cul- 
tur wie vorige, in der Färbung der Blumen 
schöner und lebhafter, die Tracht aber weni- 
ger schön. — 

17) Daviesia latifolia Ii. Br. ß. lanceolata 
Bgl. Die schönste dieser Galtung zuletzt. Die 
gracil nach allen Seiten herabhängenden Aeste, 
welche schlank und kanlig sind, lanzettliche 
in eine Slachelspilze ausgehende Blätter und 
in der Achsel eines jeden derselben 2 Blü- 
thentrauben, welche sehr reichblumig und die 
obersten so lang als das Blatt, die untere nur 
halb oder «/ 3 so lang. Blumen klein, glän- 
zend goldgelb , aber durch den schwarzpur- 
purnen Bing am Grunde der Fahne und ähn- 
liche Zeichnung am Kiel ausgezeichnet. Eine 
gut gezogene Pflanze ist eine reizende Er- 
scheinung und wir hielten unser grosses 
Exemplar für die schönste , um Ende April ia 
unsern Kallhäusern blühende Pflanze. Cullur 
gleich der Vorhergehenden. 

18) Epidendron pterocarpum Lindl. Var. 
subquadratum. — Eine epiphytische Orchidee, 
die der hiesige Garten durch Galeotti aus 
Mexiko erhielt. Gehört zu den kleinblumigem 
■weniger schönen Arien, aus der Gruppe En- 
cyclium Sphaerochilia. Blassere lichtbraunlich- 
gelbgrün gefärbte Blumenblätter und eine 
■weisse violett gestreifte Lippe, deren Mittellap- 
pen schmaler und nicht länger als die Seiten- 



lappen und dabei von oval -quadratischer Ge- 
stalt und vorn kurz gespitzt, unterscheidet 
diese von der Stammart. — 

19) Epidendron alatum Batem. d. viridi- 
florum. — Zu den neulich erwähnten Formen 

dieser Pflanze fügen wir noch eine 4. hinzu, 
die der hiesige Garten durch Galeotti aus Me- 
xiko erhielt. Nur 1 3 /4 Zoll im Durchmesser 
haltende grünliche Blumen, länglich-keilförmige 
fast spitze Hüllblätter und eine grünlich-weisse 
und auf der Scheibe ganz weisse Lippe, de- 
ren Lappen röthlich gestreift , charakterisiren 
diese Pflanze, die nach E. virens Lindl. hin- 
neigt. 

20) Erythrina poianthos Brot. ß. subiner- 
mis Lindl.; Leguminosae. — Brotero beschrieb 
diese schöne Erythrina nach Exemplaren, die 
in Porlugal cultivirt wurden. Später bildete 
sie Lindley im Bot. Beg. 1246 nach Exempla- 
ren ab , die 1827 aus dem Bot. Garten in 
Ajuda in England eingeführt wurden. Im Jahre 
1833 bildet sie Lowe tab. 3234 im Bot. Mag. 
ab, und zwar nach Exemplaren die in Ma- 
deira cultivirt wurden und im gleichen Jahre 
bildet Lindley tab. 1617 eine Abart mit fast sla- 
chellosen Aesten ab, die im Garten zu Sion blü- 
hete. Das Vaterland war bis jetzt unbekannt; 
Brotero glaubte, sie sei aus Asien eingeführt. 

Im hiesigen Garten blühete im Juni eine 
aus Mexiko durch Karwinsky eingeführte 
Pflanze, welche ganz unzweifelhaft E. poi- 
anthos ist, und zwar die Form mit fast dor- 
nenlosen Aesten. Die Pflanze soll 15 Fuss 
hoch werden, unser Exemplar ist nur 4 Fuss 
hoch , der Stamm ist am Grunde stark ver- 
dickt, die Aeste fast dornenlos, an den Blatt- 
stielen einzelne kleine Dornen , und die in der 
Entwickelung begriffenen Blätter sowie Blatt- 
stiel, Blüthenspindel und Kelch mit rostfarbe- 
nen zarten Haaren dicht bekleidet. Blätter zu 
3, die seillichen Blältchen oval-rhomboidisch, 
das Endblatt breit rhomboidisch, alle in eine 
stumpfe Spitze verdünnt. Blumen in dichten, 
während der Enlwickelung pyramidalischen 
Trauben, prächtig carmin-parpur. Kelch ab- 
gestutzt , mit undeutlichen Zähnen. Fahne 
linien-lanzeltlich sichelförmig, ungefähr 2 Zoll 
lang, die andern Blumenblätter nur so lang 
als der vielmals kürzere Kelch. Staubfäden 
wenig kürzer als die Fahne, einer fast bis zum 



158 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Grunde frei, die anderen bis über die Hälfte 
verwachsen. Cultur im Warmhaus. Im Win- 
ter trocken , im Sommer ein heller freier 
Standort, wo gelüftet wird, reichliche Bewäs- 
serung' und selbst Dungguss. Sehr schön und 
dankbar blühend. 

21) Agave maculata Bgl. ; Amaryllideae 
Agaveae. — Eine stengellose durchaus kahle 
Pflanze. Wurzelbläller zurückgekrümmt ab- 
stehend, linien-lanzettlich, lederarlig, oben rin- 
nenförmig, unten convex ohne Kiel, lang und 
scharf gespitzt und ohne Endstachel, bislFuss 
lang, 1 y 8 Zoll breit, sehr schmal durchsichtig 
weiss gerandet und an diesem Rand mit ein- 
zelnen sehr kleinen durchsichtigen Zähnchen 
besetzt, hellgrün und beiderseits schön braun 
gefleckt; Blülhenschaft ungefähr 3 Fuss hoch, 
unterhalb mit zerstreuten Blättern , nach oben 
mit entfernt gestellten lanzeltlich- pfriemlichen 
Schuppen besetzt, auf der Spitze nur armblu- 
mige Trauben tragend. Die Blumen sind ge- 
stielt, aufrecht, grünlich und purpur nuancirt, 
am Grunde mit lanzeltlich-pfriemlichen Schup- 
pen gestützt. Blumenkrone trichterförmig, ober- 
ständig, 6 schnittig, 1 Zoll lang und mit eben- 
so langem cylindrischem Fruchtknoten , der 
zuweilen einige Schuppen trägt; die Lappen 
der Blumenkrone lanzeltlich. 6 Staubfäden 
(bei unserer Pflanze durch monströse Ausbil- 
dung oft nur 3 — 4) , welche der Röhre der 
Blumenkrone verwachsen, lang hervorragend 
und purpur angelaufen. — Der hiesige Garten 
erhielt die Samen dieser ausgezeichneten, mit 
Agave braehystaehys, revoluta L. u. rubescens 
verwandten Agave durch Karwinski aus Me- 
xiko. Die schönen decorativen Wurzelblältcr, 
die auf hellem Grunde dunkelbraun gefleckt, 
und die gestielten Blumen, machen diese 
Pflanze leicht kenntlich. Cultur im sonnigen 
Kalthaus gemeinschaftlich mit den Aloe und 
andern Succulenten. 

22) Stanhopea devoniensis Lindl. Blu- 
menblätter auf gelbem und Lippe und Säule auf 
weissem Grunde braun gefleckt. Von dieser 
schönen Pflanze, mit der Lindley die Abbil- 
dungen im Sertum eröffnet, blühete ein einziges 
Exemplar des hiesigen Gartens mit 20 Blu- 
menstielen. 

23) Die Aquilegien des Petersburger Gar' 
tens. Die Ackelei - Arten gehören zu den 



schönsten und zierendsten Stauden für's freie 
Land, und es hat unstreitig der Petersburger 
Garten das Verdienst, viele derselben aus dem 
nördlichen und mittleren Asien in Cultur ge- 
bracht zu haben. Es ist nicht unsere Absicht, 
heute eine Aufzählung der in Cultur befind- 
Aquilegien zu geben, um so mehr als dies 
jetzt bei den vielen ohne künstliches Zulhun 
entstandenen Baslardformen eine nicht ganz 
leichte Aufgabe sein würde. Wir wollen viel- 
mehr nur an einige der schönsten Art erinnern 
und ein paar andere besprechen. 

Die beiden rothblühenden Aquilegia cana- 
densis L. und A. Skinneri Hook, sind allbe- 
kannt. Von der Aquilegia vulgaris L., un- 
serm gemeinen Ackelei, kommen eine Masse 
von Abarten in den Gärten in den verschie- 
denen Färbungen von rosa durch blau bis zu 
braun vor. Theils mit vollständig gefüllten Blu- 
men , theils mit halbgefüllten , theils mit nor- 
mal gebaueten. Endlich kommen auch Blu- 
men vor, denen die Sporne fehlen. In Be- 
zug auf Behaarung sind sie bald fast kahl, 
bald klebrig behaart. — 

A. glandulosa Gouan. von den Küsten 
des Miltelmeeres , ist nah verwandt. Klebrig 
behaarte Blätter und Stengel, kleinere Blätter, 
ein 1 — wenigblumiger Stengel, und niedriger 
Wuchs machen sie kenntlich. In den Gärten 
gehen gemeiniglich klebrig behaarte Abarten 
der Aq. vulgaris für A. viscosa. Eine gelb- 
blumige Abart derselben ist als A. lutea in 
Cullur. — 

A. glandulosa Fisch, aus dem Altai ist 
jene schöne , gross und rein himmelblau blü- 
hende Art, mit sehr kurzen den spitzen Saum- 
lappen doppelt kürzern eingekrümmten Spor- 
nen. Es wird auch diese der lieblichen gross- 
blumigen A. alpina verwandte Art vielfach 
mit A. vulgaris verwechselt und erhält man 
Letztere statt derselben. — 

Noch schöner ist die A. jueunda Fisch. 
Mey., deren stumpfe Blumenblätter durch die 
gelblich -weisse Färbung von den himmel- 
blauen Kelchblättern schön abstechen. Der 
Sporn nur wenig kürzer als das Blumenblatt. 
Zwei Abarten culliviren wir , die eine mit 
breiten Blumenblättern, die andere mit Blu- 
menblättern, die ohne den Sporn noch einmal 
so lang als breit. — 



I. Originalabhandlungen. 



159 



Weniger grossblumig isl die Aquilegia si- 
birica Lern. (A. bicolor Ehrbrg.) , aber den- 
noch ebenfalls sehr schön. Die eingekrümm- 
ten Spornen sind hier länger als die stumpfen 
Blumenblätter. Die Stammart hat ähnlich wie 
A. jucunda blaue Kelch- und gelbliche Blu- 
menblätter. Wir culliviren jedoch auch eine 
Abart mit durchaus hellblauer Blume und 
schmalen Kelchblättern, die noch einmal so lang 
als Blumenblätter. 

A. atropurpurea W. hat gerade Spornen, 
Staubfäden , die länger als die Blumenblätter 
und kleine sehr dunkle Blumen. 

Aqu'degia hybrida Sims. (A. data Ledeb.) 
ist eine veränderliche der A. sibirica ähnliche 
Pflanze. Die grünliche etwas verdickte Spitze 
der himmelblauen Kelchblätter lässt sie noch 
am leichtesten unterscheiden. 

A. advena H. Pelrop. Eine sibirische un- 
beschriebene Art. Spornen an der Spitze 
kaum eingekrümmt, länger als das stumpfe 
Blumenblatt. Die spitzlichen an der Spitze 
grünlichen Kelchblätter noch einmal so lang 
als die Blumenblätter, was sie von A. hy- 
brida unterscheidet, welche ausserdem einen 
fast geraden Sporn besitzt. 

Eine liebliche Art ist die A. parviflora Le- 
deb. ; sehr kleine Blumen, fast fädliche kurze 
Spornen, kappenförmig zusammengelegte Blu- 
menblätter und Staubfäden, die viel länger als 
diese, charakterisiren sie leicht 

Alle werden im freien Lande cullivirt, da- 
von ist selbst die aus Ostindien stammenden 
A. fragrans Maund. mit den schönen blass- 
gelben wohlriechenden Blumen nicht ausge- 
nommen. Vermehrung durch Samen und 
Theilung im ersten Frühling. 

24) Erica microcalyx ligl. Eine mit 
Erica florida Thbrg. nah verwandle Pflanze, 
die der hiesige Garten als E. ovata cultivirle 
und vielleicht ein Bastard. Schon der 2 — 3 
Fuss hohe Wuchs unterscheidet sie leicht. 
Ausserdem ist diese Pflanze an Stengel und 
Blatt rauh behaart. Die Blätter sind linien- 
lanzettlich, unten geöffnet und weisslich, kaum 
i l /i Linien lang. Blumen kuglich-urnenförmig, 
schön rosa, kahl, V/ z L. lang, mit aufrechten 
Lappen des Saumes , die in spitzem Winkel 
zusammenneigen. Der Kelch sehr klein, der 
Blumenkrone anliegend mit rundlich - ovalen, 



gewimperten, rosarolhen Blältchen , auf deren 
Spitze zuweilen ein kleines grünes Spilzchen 
steht, zuweilen auch nicht. Eine schöne sehr 
reich im Juni blühende. Art, die die Tracht 
der E. mollis Andr., die Blumen der E. florida 
besitzt. Leichte Cullur und reiche Blüthe em- 
pfiehlt sie allen Ericen-Sammlungen. 

25) Oncidium pulvinatum Lindl. ß. gran- 
diflorum. Eine grossblumige Abart dieses 
schönen Oncidium. Die Blumen 1 Vs Zoll im 
Durchmesser und die Seitenlappen der Lippe 
eingeschnitten gezähnt. Im Uebrigen stimmt 
unsere Pflanze mit der Stammart überein } die 
im Juni eine stark verästelte zarte Blülhen- 
rispe mit goldgelben braun gezeichneten Blu- 
men entwickelt, die auf der Lippe jenen kis- 
senförmigen behaarten eigenthümlichen Wulst 
tragen. 

26) Escallonia commutata Rgl.; Saxifra- 
geae. — Wir nennen sie eine Escallonia, die 
sich von der ächten E. rubra, der sie sehr 
nahe verwandt ist, durch einzelne spitzen- 
ständige Blumen unterscheidet. Scheint in 
den Gärten mit der ächten Escallonia rubra 
Pers. , die achselständige 2—7 blumigen Blü- 
thenstiele besitzt, mehrfach verwechselt zu 
sein. Eine harte Pflanze für's Kalthaus, die 
von Frühjahr an während eines grossen Theils 
des Sommers blühet. Blumen l j z Zoll lang, 
röhrig, schön hochroth. 

27) Grevillea fasciculata R. Br.; Protea- 
ceae. — Der hiesige Garten erzog diesen nied- 
lichen Strauch aus Samen, den Drummond 
ohne Namen von Lucky Bay einsendete. Bil- 
det einen niedrigen Strauch von kaum 2 Fuss 
Höhe mit dicht gestellten Aesten , die wie die 
Unterseite der bis l«/ s Zoll langen Blätter sil- 
berweiss behaart sind. Die niedlichen schar- 
lachrothen Blumen stehen in achselständigen 
sitzenden, meist achselständigen Büscheln. Ge- 
hört zu den zierlichen Pflanzen des niedrigen 
Kalthauses. Heideerde und lichter Standort. — 

28) JBrachysema lanceolatum Meisn. y. 
planifolia; Leguminosae. Eine der elegan- 
testen Leguminosen, deren wir Jahrg. 1852 
schon gedachten. Unsere Pflanze stimmt mit 
Meisners Originalbeschreibung überein. Hooker 
bildet sie mit achselständiger Blüthentraube 
ab , Meisner schreibt ihr einzelne achselstän- 
dige Blumen zu. Unsere Pflanze besitzt einen 



160 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



2 blumigen achselständigen Blüthenstiel. Aus- 
serdem ist es die spezielle Form mit ovalen 
oder lanzelllichem stumpfen unten silberweiss 
behaartem Blatte. 

29) Calceolaria iobata Cav. ; Scrophula- 
rinae. — Unser um die Gärten so verdienter 
Warscewicz hat diese Calceolaria in Peru ge- 
sammelt und als C. cinerarifolia verbreitet. Es 
ist das eine halbstrauchige Pflanze, die allent- 
halben klebrig behaart und lang gestielte, fast 
rundlich - herzförmige, gelappte und doppelt 
gezähnte gegenständige Blätter trägt. Die gold- 



gelben Blumen haben eine sehr kurze Ober- 
lippe und sehr lange, aus keilförmigem Grunde 
verkehrt-ovale Unterlippe, die einwärts gegen 
die Oberlippe gekrümmt ist. Cavanilles bildet 
sie mit nicht gekrümmter Unterlippe ab, da- 
gegen beschreibt sie Benlham in Candolles 
Prodr. X. 206 ganz unserer Pflanze ähnlich. — 
Eine hübsche und eigentümliche Calceolaria, 
sehr ausgezeichnet durch das Blatt. Cultur 
mit den andern slrauchigen Calceolarien. — 

(E. R0 



IL P c r s o n a 1 d o 1 i z e n. 



1) Die allgemeine Gartenzeitung 
geht nach dem Tode beider Redactoren unter 
der alleinigen Redaction von Prof. Dr. K. 
Koch fort. Friedrich Otto, dessen Tod 
wir neulich anzeigten , gründete dieselbe im 
Verein mit A. Dietrich und Beide redigirten 
dieses Blatt 24 Jahre, als in diesem Jahre in 
kurzer Zeit nach einander dem Wirken bei- 
der Redactoren ein Ziel gesetzt ward. 

Fr. Otto war der Sohn von M. Otto, Hof- 
gärtner zu Wechselburg und ward am 4. Dec. 
1783 zu Schneeberg im Sächsischen Erzgebir- 
ge geboren. Schon ein Jahr nach Beendigung 
seiner Lehrzeit, 1801 kam er an den Bot. 
Garten zu Berlin , und schon 1805 ward er 
durch Willdenow's Gunst zum Botaniseherf" 
Gärtner ernannt. 1814 ward er Inspektor und 
1823 Direktor der Gärtner-Lehranstalt in Schö- 
neberg bei Berlin. 1843 trat er aus seinen 
amtlichen Stellungen in's Privatleben zurück. 
Er hinterlässt 2 Töchter und 1 Sohn , der 
Letztere, der in der Gartenwelt ähnlich be- 
kannte E. Otto, Inspektor des Bot. Gartens 
zu Homburg und Redaktor der Hamburger 
Gartenzeitung. 



Ausser der Gartenzeitung, die die meisten 
seiner Schriften enthält, nahm er Theil an 
der Herausgabe der Abbildungen seltener 
Pflanzen des Botau. Gartens zu Berlin, gab 
mit Pfeiffer die Abbildungen blühender Cac- 
tecn heraus und legte ausserdem in den Ver- 
handlungen des Vereins zur Bef. d. Grtb. in 
d. K. Preussischen Staaten , viele seiner Er- 
fahrungen nieder. 

In Anerkennung seiner vielfachen Ver- 
dienste erhielt er 182G den rothen Adler- 
Orden 4. Classe und ward zum Mitglied von 
27 verschiedenen Gesellschaften ernannt. Am 
7. Sept. 1856 beschloss er sein thätiges viel 
bewegtes Leben. 

2) Herr 0. Hannemann, der 5 Jahre 
in Kew als Foreman angestellt und zuletzt 
dem Laurentinschen Garten in Halle vorge- 
setzt war, ist als Botaniscker Gärtner am 
Bot. Garten zu Halle angestellt worden. 

(Bomplandia.) 

3) Prof. Dunal, allen Botanikein wohl 
bekannt, starb im August dieses Jahres. — 



I. OriginalabhandlungeD. 

1) Abgebildete Pflanzen. 

a) Englische Aurikcln. 

Vom Herrn J. J. Gott hold u. Comp, in Arnstadt. 
(Hierzu Tafel 194.) 



Es goreicht uns zum wahren Ver- 
gnügen, auf der beistehenden Tafel un- 
sern Lesern ein Bouquet vorzüglich schö- 
ner englischer Aurikeln vorzulegen, wie 
sie aus der fortgesetzten sorgfältigen 
Cultur der Herren Gotthold u. Comp, in 
Arnstadt hervorgegangen sind. Es über- 
rascht dabei, ausser der Schönheit der 
Form und Farben , die Grösse der Blu- 
men. Diese Herren , deren Eifer und 
Fleiss, wie unsere Leser sich überzeu- 
gen können, durch solchen guten Erfolg 
gekrönt war, bemerkten uns über dieselben : 
„die Zeichnung der beistehenden Blumen 
ist ohne Schmeichelei, ja selbst die Grösse 
der Blumen ist mit dem Zirkel abgemes- 
sen. Die Aurikeln, welche unsere Lieb- 
lingsblumen sind, bilden schon seit einer 
langen Reihe von Jahren einen Haupt- 
zweig unserer Culturen. Durch jährli- 
che Anzucht aus Samen ernielten wir 
eine Flora von 200 Sorten englischer 
Aurikeln. Wir nahmen unter diese mit 
eigensinniger Genauigkeit nur Blumen 
auf, welche allen Regeln entsprachen." 

„Die Cultur der Aurikeln ist schon 



mehrfach besprochen , doch wollen wir 
nicht unerwähnt lassen , dass wir die 
glückliche Erhaltung unserer Sammlung 
einem , wie es scheint , sehr günstigen 
Ueberwinterungslokal verdanken. Das- 
selbe besteht in einer nach Osten lie- 
genden, im Parterre unseres Wohnhau- 
ses befindlichen, ganz trocknen Kammer, 
ohne grelle Einwirkung des Lichtes. Die 
Kälte steigt hier zuweilen zu 5 — 10° R. 
Wir fügen diesen Bemerkungen der 
Herren Gotthold u. Comp, in Arnstadt 
noch bei, dass die Englischen Aurikeln 
vorzüglich nur zur Topfcultur geeignet 
sind und lockere nahrhafte, stark mit 
Lehm versetzte Erde, sowie einen halb- 
sonnigen, der Morgensonne ausgesetzten 
Standort während des Sommers lieben. 
Mit Unrecht ist die Cultur derselben in 
der letzten Zeit so vernachlässigt wor- 
den, und so freut es uns, unsern Lesern 
einen Ort nachweisen zu können, wo in 
Deutschland jetzt vielleicht die schönste 
Sammlung eultivirt wird , und von wo 
nur gute Sorten in Pflanzen oder Samen 
bezogen werden können. (E. R.) 



"VI. 1857. 



11 



162 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



b) Neue gefüllte Lniker-Aurikeln. 

(Hierzu Tafel 195.) 



Das anbei abgebildete Bouquet Luiker- 
Aurikeln schliesst sich den schönen Sor- 
ten Englischer Aurikeln würdig an. Wie 
jene sind es Erzeugnisse der Herren 
Gotthold u. Comp, in Arnstadt und 
durchaus neue ausgezeichnete Formen, 
die sich vorzüglich zur Cultur im freien 
Lande eignen. Die Herren Götthold u. 
Comp, schreiben uns über diese , dass 
sie in den letzten Jahren erst einzelne 
gefüllt blühende Varietäten dieser schö- 
nen Florblume erhielten. Durch fernere 
Aussaaten erzielten sie nun eine kleine 



Sammlung derselben in den verschie- 
densten Nuancen und Schattirungen, die 
nichts zu wünschen übrig lassen. Im 
Topfe eultivirt, zeigen dieselben zwar 
zuweilen einfache Blumen , was jedoch 
bei der Cultur im freien Lande nicht 
stattfindet. Die Gärten haben also ei- 
nen reichen Gewinn durch Fleiss und 
Geschicklichkeit erhalten, denn wer liebt 
nicht diese schönen im ersten Frühling 
so dankbar blühenden Blumen ? 

(E. R.) 



c) Geflammte Varietäten der grossblumigcn Gedenkemcin (Pensees). 



(Hierzu Tafel 196.) 



Wir waren bis jetzt gewohnt, das 
Beste und Ausgeichnetste in dieser Rich- 
tung aus englischen , belgischen und 
französischen Gärtnereien zu erhalten. 
Doch ist bekannt, dass überhaupt unsere 
deutschen Gärtner in neuerer Zeit dar- 
nach streben, in dieser Richtung von 
dem Auslände immer unabhängiger zu 
werden. Die bronze - und missfarbi°en 
Pensees sind überhaupt vorzüglich in 
Deutschland erzogen und von da ver- 
breitet worden. Unvollkommene Form, 
kleinere Blumen und oft fast unange- 
nehme Farben stellten dieselben aber 
den schönen englischen Sorten nicht 
gleich und waren wohl der Grund, dass 
sie weniger Liebhaber fanden. Verglei- 
chen wir aber die beistehende Tafel 
von Pensees, wie sie aus den sorgfäl- 
tigen Culturen der Herren Gotthold u. 
Comp, hervorgegangen, so müssen wir 
zugeben, dass diese Mängel damit voll- 



kommen gehoben sind. Zur Cultur der- 
selben ertheilen diese Herren die nach- 
folgende Anweisung. Samen können Lieb- 
haber von denselben beziehen. 

(E. R.) 

Anweisung zur Cultur der eng- 
lischen Pense'es. 

Die im Frühjahr gesäeten Pense'es 
liefern nach unserer Erfahrung selten 
einen so vollkommenen Flor, als die im 
Herbst gepflanzten ; deshalb thut man 
wohl, sich zu einer späteren Saat einen 
Theil des im Frühjahr erhaltenen Sa- 
mens zu reserviren. Die beste Zeit die- 
ser Aussaat ist Anfang August, womög- 
lich bei feuchtem Wetter, nach einem 
Regen. Auf frisch gegrabenes , gut ge- 
lockertes freies Gartenland säe man den 
Samen nicht zu dicht, hacke ihn schwach 
mit Harken ein , sorge stets durch fleis- 



I. Originalabhandlungen. 



163 



siges Besprengen dafür , dass die Erde 
nie ganz trocken werde, was man auch 
durch Beschatten erzielt. 

Nach 8 — 10 Tagen werden die Pon- 
se'es vollkommen aufgegangen sein, wo- 
nach man abwartet, bis die Pflanzen 
gross und kräftig sind, was wohl An- 
fangs bis Mitte Oktober der Fall sein 
wird; indessen bereitet man sich die 
zum Flor bestimmte Stelle , am besten 
in freier (nicht zu trockner und heisser) 
Lage , zur Aufnahme der Pflanzen vor. 
Durch frischen , fetten Dünger , feines, 
tiefes Graben, sowie Durcharbeiten mit 
eisernen Harken wird dies am besten 
erreicht. 

Ist das Wetter feucht und trübe, so 
schreite man sogleich zur Pflanzung, mit 
gewöhnlichem Pflanzer in Reihen von 
4 — 6 Zoll Weite im Verband, je nach 



Zahl der Pflanzen und Grösse des zu 
bepflanzenden Raumes. 

Sobald schneelose, starke Fröste über 
10° eintreten, thut man wohl, die Pflan- 
zen mit einer dünnen Schicht halb ver- 
rotteten Düngers oder Laub zu bedecken. 
Im Frühjahr hacke, jäte, giesse man je 
nach Bedürfniss. 

Solche kräftige überwinterte Pflan- 
zen liefern einen überaus reichen und 
frühzeitigen Flor , und zeigen die Pen- 
sees in ihrer vollständigen Grösse bei ei- 
ner Dauer von 3 — 4 Monaten. 

N. B. Die neuen , herrlich gestreif- 
ten Gedenkemein blühen oft mit den 
ersten Blumen einfarbig und zeigen die 
Flammen und Streifen erst, wenn sie 
ausgewachsen sind . was man berücksich- 
tigen muss. 

J. J. Gotthold u. Comp. 



2) Der B&ünätlicla erzogene BasCarel awiselaesa Aegll®|as ova$A ua&d 

Ts'ifieuiaa vulgare» 

(Siehe Tafel 197.) 



Wir haben den Lesern unserer Zeit- 
schrift von Zeit zu Zeit einen Bericht 
über den Streit in Beziehung auf die 
Stammpflanze des Weizens gegeben. 
Wir haben auch schon angezeigt, dass 
wir im Sommer 1855 in Zürich von 
Neuem Befruchtungen der Aegilops ovata 
mit dem Triticum vulgare vornahmen, 
nachdem künstlich alle Antheren, bevor 
sie sich entwickelt, entfernt worden wa- 
ren. Die so gewonnenen Samen wurden 
im vorletzten Herbst zugleich mit Samen 
von Weizen ausgesäet , und zu unserer 
grossen Freude war diesesmal das Ex- 
periment gelungen : wir erhielten den 
Bastard zwischen beiden Pflanzen. 

Von einem allmähligcn Uebergange 



der Aegilops in den Weizen ist da keine 
Spur vorhanden. Der Bastard stellt 
sogleich die Mittelform zwischen Wei- 
zen und Aegilops , die Aegilops tritieoi- 
des dar. Die Formveränderung, welche 
die Aegilops dadurch erlitten hat, ist so 
bedeutend, dass, wenn ich das Experi- 
ment nicht selbst gemacht hätte, ich es 
kaum begreifen könnte , dass der vor 
mir stehende Bastard aus von Aegilops 
ovata gewonnenem Samen entstanden sei. 
Aus den dünnen niederliegenden Sten- 
geln sind viel robustere geworden , die 
wohl, wenn sie sich selbst überlassen 
bleiben, am Grunde noch niederliegen, 
bald aber sich steif aufrecht 1 1 j. l — 2 Fuss 
hoch erheben und auf der Spitze eine 

11 * 



164 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



2 Zoll lange, mehr dem Weizen als 
der Aegilops gleichende Blüthenähre 
trägt. 

Wir verweisen unsere Leser auf un- 
sern frühern Artikel, namentlich aber 
auf pag. 119 des Jahrganges 1854, wo wir 
die Unterschiede von Aegilops und Wei- 
zen besprochen haben. 

Wie in allen Fällen, die ich 
bis jetzt in Beziehung auf sol- 
cheBastardpfanzen zubeobach- 
ten Gelegenheit hatte, wo ein 
Bastard zwischen 2 Gattungen 
erzeugt wird, so ist auch hier 
der Bastard in seinen die Gat- 
tung begründenden Charakteren 
vollständig auf die Seite der vä- 
terlichenPflanze(derjenigen, die 
den Pollen lieferte), getreten. 
Aus dem Samen von Aegilops 
ovata ist daher in Folge der Be- 
fruchtung mit dem Weizen ein 
wahres Triticum erwachsen. 

Die 2 Klappen, welche den Grund 
der einzelnen Aehrchcn des Blüthen- 
standes umfassen, sind bei Aegilops ova- 
ta auf dem Rücken convex und gehen 
an der Spitze in 2 — 4 Grannen aus, 
wie dies Fig. 1 (wie alle andern Figu- 
ren der Deutlichkeit wegen, mehr oder 
weniger vergrossert) zeigt. Zahlreiche 
parallele gleichstarke Nerven durchziehen 
diese Klappe und gehen an der Spitze 
unmittelbar in die Grannen aus. Aus- 
serdem umhüllen diese Klappen das 
Aehrchen gänzlich, welches aus nur 2 
vollkommen und einer meist nicht or- 
dentlich ausgebildeten Spitzenblnme be- 
steht. 

Bei Triticum dagegen sind diese bei- 
den Klappen auf dem Rücken aber seit- 
lich gekielt, von ungleich starken Ner- 
ven durchzogen, spitz oder in eine kurze 
Stachelspitze oder Granne unterhalb der 
Spitze ausgehend. Fig. 2 gibt die An- 



sicht einer solchen Klappe des Triticum 
vulgare von der mit Grannen versehenen 
Form. Die Befruchtung dagegen ward 
von mir mit der grannenlosen Form ge- 
macht , weshalb auch beim Bastard 
die Grannen nur klein. Diese Klappen 
stehen beim Weizen am Grunde eines 
3 bis mehrblumigen Aehrchens und um- 
schliessen dasselbe nicht. 

Der Bastard, der jetzt vor uns steht, 
besitzt eine Blumenbildung, die die 
typischen Charaktere des Weizens zeigt 
und nur in Einzelnheiten noch an Aegi- 
lops erinnert; Fig. 3 ist ein einzelnes 
vergrößertes Aehrchen des Bastardes. 
Zwei Klappen a und b stehen am Grunde; 
sie umschliessen aber das meist 5blu- 
mige, in dürftigern Exemplaren armblu- 
migere Aehrchen nur im jüngsten Zu- 
stande, später nicht mehr. Auf dem 
Rücken zeigen sie den Triticum charak- 
terisirenden seitlichen Kiel und gehen 
von da in eine kurze Granne aus, wie 
dies die Fig. 4 zeigt. Um aber die Ab- 
stammung nicht zu verläugnen, gehen 
zahlreiche Parallelnervcn mit dem Kiel 
vom Grund zur Spitze , und zwei oder 
auch nur eine derselben tritt noch als 
kurze Spitze vor. — 

Verfolgen wir die Blüthenbildung 
weiter, so besteht bekanntlich jedes der 
einzelnen Grasblümchen , welche von 
den erwähnten grundständigen Klappen 
umschlossen werden, wieder aus 2 klei- 
nen Kläppchen, einem unteren grösse- 
ren und einem obern kleineren. Das 
untere dieser beiden Kläppchen von Aegi- 
lops ovata ist nun der Fig. 1 darge- 
stellten Klappe durchaus gleich , geht 
aber nur in 2 — 3 Grannen aus, wie dies 
Fig. 8 zeigt. Das innere und obere 
Kläppchen wird von dem untern um- 
schlossen und umschliesst selbst später 
den Samen. Es ist häutiger Natur und 
hat 2 in kurze Zähnchen ausgehende 



I. Originalabhandlungen. 



165 



Längsnerven, wie dies Fig. 5 darstellt. 
Beim Weizen ist das obere Kläppchen 
ganz ähnlich gestaltet, umschliesst aber 
den Samen nicht , das untere dagegen 
ist entweder ganz stumpf, oder geht 
bei den gegrannten Arten in eine lange 
Granne aus, wie dies Fig. 6 in natürli- 
cher Grösse zeigt. Diese Granne ist 
unmittelbar unter der Spitze befestigt, 
wie dies die schwach vergrösserte Fig. 
Nr. 7 darstellt. Auf dem Rücken ist die- 
ses Kläppchen schwach gekielt. Auch 
hier hat das untere Kläppchen des Ba- 
stardes wiederum den Gattungscharakter 
von Triticum beibehalten, indem es auf 
dem Rücken einen Kiel zeigt, der bei 
unserer Pflanze in eine kurze Granne 
ausgeht. Fig. 9 ist eine vergrösserte 
Darstellung vom Rücken, Fig. 10 von 
der Seite vom untern Kläppchen des 
Aegilops tritieoides. Dabei ist zu be- 
merken, dass wir eine ungegrannte Sorte 
des gemeinen Weizens zur Befruchtung 
mit Aeg. ovata wählten. Professor Go- 
dron hat nun aber im südlichen Frank- 
reich die Beobachtung gemacht , dass, 
wenn Aegilops ovata durch einen ge- 
grannten Weizen befruchtet wird, der 
Bastard auch längere Grannen auf dem 
untern Kläppchen trägt. Nach Aegilops 
findet insofern eine Annäherung statt, 
als ausser der mittleren , den Kiel ent- 
sprechenden Granne auch am Rande 
zwei Seitennerven noch in kurze Spitzen 
vorgezogen sind (Fig. 9, 10), welche 
den seitlichen Grannen von Aegilops ent- 
sprechen. — 

Wir haben nun die Form-Verschie- 
denheit des Bastardes von den elterli- 
chen Pflanzen genauer betrachtet. Wir 
haben gesehen, dass die vegetativen Or- 
gane desselben mehr der Mutter, die 
Blüthenbildung mehr der väterlichen 
Pflanze gleicht, und finden darin wieder 
unsere wohl zum Gesetz zu erhebende 



Wahrnehmung für alle zwischen Gat- 
tungen entstehende Bastarde bestätigt. 

Wir haben zweitens das, was wir, 
ohne es gesehen zu haben, nach analo- 
gen Fällen schlössen, durch praktische 
Versuche erwiesen. — 

Eine noch bis jetzt ungelöste Frage, 
zu deren endlichen Erledigung ich je- 
doch schon mehrere Versuche einge- 
leitet, sie bleibt noch zu beantworten 
und eine Hinterthür noch zu schliessen 
übrig. 

Die Frage betrifft den Punkt: Sind 
die ferneren Zwischenformen , welche 
Herr Fahre zwischen der Aegilops 
und dem Weizen erhalten zu haben 
behauptet und welche in England aufge- 
stellt sein sollen , sind diese Formen, 
durch allmäliges Zurückkehren des Ba- 
stardes zur mütterlichen und väterlichen 
Pflanze entstanden, oder sind sie viel- 
mehr eine Folge fernerer Befruchtung 
des Bastardes mit dem Pollen von Ae- 
gilops und dem Weizen ? 

Meine Ansicht in dieser Beziehung 
ist die , dass der im Pollen fruchtbare 
Bastard durch Selbstbefruchtung auch 
in allen folgenden Generationen seine 
wesentlichen Charaktere beibehält. Un- 
wesentliche Charaktere , wie Färbung 
etc. können ändern. Fernere Formen 
zwischen Bastard und elterlichen Pflan- 
zen würden nur durch die Befruchtung 
des Bastardes mit dem Pollen einer der 
elterlichen Pflanzen entstehen. Dieses 
sind die sogenannten zurückkehrenden 
Formen oder Tinkturen. 

Vollgültige Beweise gibt es nicht. 
Doch kann ich als Beispiel für diese 
Ansicht z. B. die Calceolarien anführen. 
Man befruchte die Calceolaria rugosa 
mit den staudigen Calceolarien , dann 
wird man einen im Pollen fruchtbaren 
Bastard erhalten , der grössere Blumen 
als die der C. rugosa und einen niedri- 



166 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



gen aber noch halbstrauchigen Wuchs 
besitzt. Befruchtung mit einer der el- 
terlichen Pflanzen führt den Bastard 
schon in der nächsten Generation ziem- 
lich nahe zu denselben wieder über. Be- 
fruchtung mit sich selbst erhält den Ty- 
pus und nur die Farben können wech- 
seln. 

Wir glauben demgemäss , dass die 
ferneren Zwischenformen und sogenann- 
ten Uebergänge der Aegilops in den 
Weizen ebenfalls nur durch fernere Be- 
fruchtungen des Bastardes mit einer der 
elterlichen Pflanzen zu erklären seien, 
und baben zu diesem Zwecke den Ae- 
gilops triticoides mit sich gelbst , ferner 
mit Aeg. ovata und endlich mit dem 
Weizen befruchtet. 

Wir haben endlich von einer Hinter- 
thüre , nämlich von derjenigen gespro- 
chen, welche Dr. Klotzsch's Theorie den 
Botanikern England's geöffnet. 

Dr. Klotzsch behauptet, der Bastard 
zwischen zwei guten Arten sei im Pol- 
len unfruchtbar. Die Erfahrungen und 
Versuche, welche ich in dieser Be- 
ziehung neuerdings gemacht und auch 
in diesen Blättern mitgetheilt, widerlegen 
diese Behauptung Klotzsch's ebenso sehr, 
wie die Versuche früherer Beobachter, 
und beschränken sie auf das , was ich 
schon oft und wiederholt früher ausge- 
sprochen, dass der Bastard in der Mehr- 
zahl der Fälle viel weniger und dann 
oft durchaus unvollkommenen Pollen aus- 
bildet, dass es dagegen auch wieder 
viele Fälle gibt, wo der Bastard frucht- 
baren Pollen in Masse ausbildet. 

Englands Botaniker haben dagegen 
diese Behauptung Klotzsch's als Noth- 
brücke benutzt und gesagt, Aegilops tri- 
ticoides werde wahrscheinlich fruchtbaren 
Pollen besitzen. Pflanzen , die mit ein- 
ander einen fruchtbaren Bastard bildeten, 
seien nach Klotzsch's Ansicht keine 



Arten, sondern nur Formen der gleichen 
Art; sollte nun A. triticoides fruchtba- 
ren Pollen besitzen, so sei also Aegilops 
ovata und der Weizen die gleiche Pflan- 
zenart. 

Es ist wirklich wunderbar, wie Män- 
ner, die an Verdienst um die Wissen- 
schaft so hoch stehen, wie ein Lind- 
ley, wenn sie sich einmal in eine fal- 
sche Ansicht eingebissen, sich in ei- 
nem solchen Falle nicht so weit über 
sich selbst erheben können , um einfach 
der Wahrheit die Ehre zu geben , die 
hier ja jetzt klar zu Tage liegt, ja noch 
weiter gehen und sagen, den deutschen 
Botanikern sei es nur um ihre schlech- 
ten Arten bange, darum nur wollten sie 
nicht zugeben, dass Aegilops die Stamm- 
pflanze vom Weizen sei. 

Weit entfernt, hier Hohn gegen Hohn 
zurück zu geben (wozu hier vortreffliche 
Gelegenheit, da Jemand nicht ein Le- 
bensalter Botanik studirt zu haben 
braucht , um zu sehen , dass A. ovata 
und Triticum zwei Pflanzen sind, die 
ganz andere typische Verschiedenheiten 
zeigen , als Herr Lindley für genügend 
hält , um sie noch tagtäglich zur Auf- 
stellung neuer Arten zu benutzen), will 
ich vielmehr hier nur ganz kurz auf Un- 
tersuchung dieser Frage eingehen. 

Untersucht man den Pollen des Wei- 
zens , so zeigt dieser im trocknen Zu- 
stande eine eckige Gestalt. In Wasser 
gelegt schwillt er auf, wird schnell 
rund und ist mit einem körnigen Inhalte 
gefüllt. (Fig. 13 bei 350facher Ver- 
grösserung). Die aussen abgelagerte 
Schicht erscheint ziemlich gleichartig, 
nur an einer Stelle bemerkt man in der- 
selben eine mit einem Hofe umgebene 
Oeffnung (Fig. 12 bei 350fachcr Ver- 
grösserung). Durch diese Oeffnung tritt 
sehr bald die innere zarte Haut (Intine) 
des Pollenkornes in Form eines durch- 



I. Originalabhandlungen. 



16T 



sichtigen Bläschens (Fig. 11, 350 fach. 
Vergr.) hervor, welches der Anfang zu 
der bekannten Schlauchbildung des Pol- 
lens ist. — 

Untersuchen wir dagegen die Anthe- 
ren des künstlich erzogenen Bastardes, 
so finden wir in denselben nur sehr 
wenig Pollen. Dieser behält, auch ins 
Wasser geworfen , gemeiniglich eine 
dreieckige Gestalt und zeigt gar keinen 
Inhalt, wie dieses Fig. 15, 16, 17 bei 
350fach. Vergr. darstellen. Auf Fig. 15 
und 16 bemerkt man zwar auch die 
Oeffnung in der äussern Pollenschale, 
allein es sind die Pollenkörner dennoch 
jedenfalls nicht befruchtungsfähig. Lässt 
man sich nun aber die Mühe nicht ver- 
driessen, mehrere Antheren des Bastardes 
zu öffnen , so wird man neben diesen 
leeren Pollenkörnern auch solche mit 
Inhalt finden, die wie die des Weizens im 
Wasser eine rundliche Gestalt zeigen, 
wie jene einen körnigen , wenn gleich 
weniger dichten Inhalt zeigen , wie dies 
die Figuren 14, 18, 19 bei gleicher 
Vergrösserung zeigen. Dagegen findet 
anch bei diesen Körnern das Austreten 
der innern Haut als Anfang der Schlauch- 
bildung im Wasser entweder gar nicht 
statt , oder es zeigt sich nur wie auf 
Fig. 19 der Anfang hierzu. — 

Die künstlich erzogene Aegilops tri- 
tieoides verhält sich also ganz so, wie 
der grösste Theil der Bastarde. Er ent- 
wickelt wenig Pollen, und von diesem ist 
ein Theil leer und nur ein sehr kleiner 
Theil vollständig ausgebildet. Auch bei 
diesem letzteren findet sich im Wasser 
keine eigentliche Schlauchbildung. 

Ob nun diese anscheinend vollkom- 
menen, aber im Wasser keine Schläuche 
treibenden Pollenkörner fruchtbar oder 
unfruchtbar, darüber können nach mei- 
ner Ansicht nicht gelehrte Disputationen, 
sondern nur praktische Versuche ent- 



scheiden. Es sind diese auch eingelei- 
tet, indem ich die einen Pflanzen der 
eignen Befruchtung an einem ganz iso- 
lirtenOrte übcrliess, während an andern 
Pflanzen die einen Aehren mit dem ge- 
grannten Weizen , die andern mit Aegi- 
lops befruchtet wurden. 

Es ist also durch meine Versuche 
die Aegilops-Frage nur so weit entschie- 
den, dass: 

1) Aegilops tritieoides keine Ueber- 
gangs-Form, sondern ein Bastard ist. 

2) derselbe sich in der Pollenbildung 
ganz so verhält, wie diess in der Mehr- 
zahl der Fälle bei Bastarden zwischen 
guten Pflanzen-Arten der Fall ist. 

3) hiemit die Frage wenigstens in 
soweit endgültig entschieden ist, dass: 

Aegilops ovata undTriticum vulgare 
zwei ganz verschiedene Pflanzen -Arten 
sind, und dass weder von einem Ueber- 
gehen der ersteren in Folge der Cultur 
die Rede sein kann, noch auch die Pol- 
lenbildung dem Herrn Lindley die An- 
wendung der zudem unhaltbaren Klotzsch'- 
sehen Theorie gestattet. 

Endgültig zu lösen bleiben aber die 
Fragen : 

1) Ist der Pollen von Bastarden, der 
im Wasser keine Schläuche bildet, wirk- 
lich unfruchtbar, oder kann er solche 
in Folge der Einwirkung der Narben- 
feuchtigkeit bilden und demnach frucht- 
bar sein? 

3) Bleibt der Bastard durch Samen 
fortgepflanzt, der durch Selbstbefruch- 
tung entstanden, constant? oder entstehen 
die fernem Zwischenformen zwischen 
Bastard und Elternpflanzen durch fernere 
Befruchtung des Bastardes mit dem Pol- 
len eines derselben? oder geht der Ba- 
stard auch durch Selbstbefruchtung wie- 
der zu den Elternpflanzen über? 

3) Die Frage , ob zwischen guten 



168 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Pflanzen -Arten auch Bastarde mit voll- 
kommen fruchtbaren Pollen entstehen 
können , halte ich zu Gunsten meiner 
Ansicht durch den Bastard zwischen Be- 
gonia rubro - venia und xanthina, durch 
den Bastard zwischen Matthiola niade- 
rensis und annua , durch den Bastard 
zwischen Sciadocalyx Warscewiczii und 
Tydea picta gelöst, und ich denke im 
Laufe der Zeit noch manches andere 
schlagende Beispiel stellen zu können. 

Erklärung der Tafel. 

N. 1, Klappe von Aegilops ovata, '/i vergrös- 
sert. 

2, Klappe von Triticum vulgare, 4mal ver- 
grösser). 

3, Aehrchen von Aegilops trilieoides, 3mal 
vergrössert. 



4, Klappe desselben, 4rual vergrössert. 

5, das obere Kläppchen von Aegilops ova- 
ta, 4fach vergrössert. 

6, das untere Kläppchen vom Weizen in 
natürlicher Grösse. 

7, dasselbe mit abgestutzter Granne von 
der Seite und 3fach vergrössert. 

8, das untere Kläppchen von Aegilops 
ovata, 4fach vergrössert. 

9, 10, das unlere Kläppchen von Aegilops 
tritieoides vom Rücken und von der 
Seite , 3fach vergrössert. 

11, 12, 13, Pollenkörner vom Weizen, im 
Wasser liegend, 350mal vergrössert. 

14, 15, 16, 17, 18, 19, Pollenkörner von 
Aegilops trilieoides, ebenfalls im Was- 
ser liegend und bei 350facher Vergrös- 

serung. 

(E. R.) 



3) Reisenotizen In einem Briefe an Herrn Dr. Hegel 

(Fortsetzung und Schluss.) 



Es würde uns zu weit führen, wollte 
ich Dir noch von den übrigen Anstalten 
Wien's zur Pflege der Wisenschaft erzäh- 
len. Doch einer muss ich noch erwäh- 
nen, da ihr Besuch gewiss auch Dich 
sehr interessirt haben würde. Es ist dies 
die k. k. Hof- und Staatsdruckerei, wel- 
che wohl das grossartigste derartige In- 
stitut auf dem Continent sein dürfte. Sie 
beschäftigt etwa S00 Personen und be- 
thätägt sich nicht allein durch den Druck 
von Büchern, Zeitschriften, Zeitungen 
u. dergl. , wofür 30 Schnellpressen in 
Thätigkeit sind , sondern auch in Litho- 
graphie, Kupferdruck, Galvanoplastik, 
Photographie und neuerdings in Natur- 
selbstdruck. Bekanntlich ist die letztere 
eine Erfindung des Direktors, des Herrn 
Aloys von Auer, welcher uns mit gros- 
ser Freundlichkeit empfing, so dass wir 
unter seiner uud des Herrn Constantin 



von Ettingshausen Leitung eine Ueber- 
sicht über die zahlreichen und prächti- 
gen Kupferplatten der Physiotypia plan- 
tarum austriacarum , und eine Einsicht 
in den Process ihrer Darstellung erhiel- 
ten. Obiges "Werk besteht aus 5 Bän- 
den in Folio mit 500 Tafeln, auf wel- 
chen etwa 600 Pflanzen-Arten der österrei- 
chischen Flora in Naturselbstdruck dar- 
gestellt sind. Dazu gehört ein Band in 
Quart mit 30 Tafeln, mit dem Titel : die 
wissenschaftliche Anwendung des Natur- 
selbstdruckes zur graphischen Darstel- 
lung von Pflanzen mit besonderer Berück- 
sichtigung der Nervationsverhältnisse in 
den Flächenorganen von C. von Ettings- 
hausen und A. Pokorny. In diesem 
Band ist die Nervation von einer be- 
trächtlichen Zahl von Blättern darge- 
stellt. Für diesen Zweck ist der Natur- 
selbstdruck unübertrefflich. Die Ner- 



*(* : 









^&t. 



<£): 








V. 









I. Originalabhandlungen. 



169 



vation tritt auf diesen Bildern viel deut- 
licher hervor als auf den Blättern selbst 
und lässt uns daher auch die wichtigen 
und so lange vernachlässigten Merk- 
male, welche in der Nervation der Blät- 
ter liegen, schärfer auffassen. Es leistet 
daher der Naturselbstdruck der Wissen- 
schaft unverkennbar einen grossen Dienst, 
schon für das Studium der Blätter le- 
bender Pflanzen , noch mehr aber der 
fossilen, bei denen die, Nervation so häu- 
fig uns das wichtigste Mittel zu ihrer 
Bestimmung an die Hand gibt. Zu Dar- 
stellung ganzer Pflanzen dagegen eignet 
er sich allerdings weniger. Es sind 
zwar in neuerer Zeit in dieser Beziehung 
wesentliche Fortschritte gemacht wor- 
den, indem namentlich die Stengeltheile, 
welche bei den früheren Versuchen so 
hässlich dick und schwarz ausfielen, nun 
keineswegs mehr so störend sind, dagegen 
wird es wohl nie gelingen, Blüthenköpfe 
und Blüthenstände, oder auch nur einzelne 
Blumen, wo viele Organe in bestimmter 
Weise angeordnet sind und wo in die- 
ser Anordnung der Theile gerade ein 
wesentlicher Charakter derselben liegt, 
in eine dünne Fläche gedruckt, richtig 
wiederzugeben. Es verhält sich mit dem 
Naturselbstdruck, wie mit der Daguerreo- 
typie und Photographie, die für viele 
Zwecke Unübertreffliches leisten, für an- 
dere dagegen unbrauchbar sind und so 
wird man wohl thun, jede Methode auf 
das zu beschränken , worin sie das ihr 
Eigentümliche am vollkommensten lei- 
sten kann. In jüngster Zeit hat die 
Staatsdruckerei die bekannte Methode, 
die Zeichnungen weiss auf schwarzem 
Grund zu drucken mit vielem Glück auf 
die durch Naturselbstdruck gewonnenen 
Platten angewendet. Es können auf diese 
Weise Modelle für die verschiedenen 
Blattformen und Blattnervaturen gewon- 
nen werden, welche wie die Holzstöcke 



bei Holzschnitten verwendet und in den 
Text gedruckt werden können, (siehe 
Ettingshausen's Bericht über die Physio- 
typia plant, austriac. in den Sitzungs- 
berichten der Wiener Academie XX., 
S. 407) , eine Methode , welche sicher 
viele Anwendung finden wird. 

Doch Du wirst nun auch wissen wol- 
len, wie mir das gesellige Zusammen- 
leben der Naturforscher in Wien gefal- 
len habe. Du kannst Dir wohl denken, 
dass, um nur Botaniker hier zu nen- 
nen, das Zusammentreffen mit so lieben, 
trefflichen Freunden, wie Unger u. Alex. 
Braun (Nägeli nenne ich nicht, da ich 
mit diesem hier zusammenzuleben das 
Glück habe) mir unendlich grosse Freude 
machen musste und dass es mir ferner hohen 
Genuss gewährte, die persönliche Be- 
kanntschaft von Männern , wie Prof. 
Fenzl, Hooker fil. , Goeppert, Fürnrohr, 
Ettingshausen, Cohn, Sektionsrath von 
Heufler, Hampe, Hoffmann, Kotschy, 
Kovats , Moquin -Tandon , Pokorny, Ra- 
benhorst, Reissek, Rossraann, Schnizlein, 
Schott, Schultz, Bip. und B. Seemann zu 
machen und mit ihnen Gegenstände un- 
serer Wissenschaft zu besprechen. Frei- 
lich hatte die naturforschende Gesell- 
schaft zu Wien nicht den traulichen, 
ich möchte sagen , familiären Charakter, 
wie wir ihn an unseren Schweizerischen 
zu sehen gewöhnt sind. Bei einer Ge- 
sellschaft die aus so vielen , in weiten 
Räumen zerstreuten Mitgliedern der ver- 
schiedensten Richtungen besteht , und 
alljährlich aus ganz neuen Elementen 
zusammengesetzt ist, ist es nicht möglich, 
dies trauliche Zusammenleben unserer 
Vereine zu erzielen. Hier hat sich ein 
Stock älterer Mitglieder gebildet, der all- 
jährlich sich einfindet und die Traditio- 
nen der Gesellschaft bewahrt und fort- 
bildet. — Man hat sich in Wien darüber 
beklagt, dass der Gesellschaft so wenig 



170 



Garlenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Gelegenheit zu geselligen Zusammen- 
künften geboten wurde. Wohl waren 
einige Mittagessen für die ganze Gesell- 
schaft angeordnet, diese waren aber so 
schlecht und das Lokal so weit von dem 
Polytechnikum, in welchem die Sektions- 
versammlungen statt hatten , abgelegen, 
dass schon nach dem ersten Mal uns 
alle Lust verging, weiter an demselben 
Theil zu nehmen. Man hat indessen, 
wohl mit Unrecht, den Geschäftsführern 
dies zum Vorwurf gemacht; wie man 
uns versichert, fehlt es sonderbarer 
Weise in Wien an Lokalitäten , welche 
zu solchen Zusammenkünften der gan- 
zen Gesellschaft geeignet gewesen wä- 
ren. Daher zersplitterte sich die Ge- 
sellschaft in eine Menge von Cotterien, 
deren Versammlungslokale eine halbe 
Stunde und noch weiter auseinander 
lagen, daher an ein eigentlich geselliges 
Zusammenleben des ganzen Vereines 
nicht zu denken war, was namentlich 
diejenigen Mitglieder sehr unangenehm 
berühren musste , deren Freunde und 
Bekannte in verschiedenen Sektionen sich 
fanden. Einen schönen Anlass indessen, 
an dem die ganze Gesellschaft sich be- 
theiligen konnte, bot die Fahrt auf 
den Semmering dar, welche vom schön- 
sten Wetter begünstigt wurde. In 
schellem Fluge gingen die mit Wein- 
bergen bedeckten Hügel, die Dörfer und 
Städte, unter denen Baden und Wiener- 
Neustadt besonders unsere Blicke fessel- 
ten, an uns vorüber ; weiterhin sind die 
weiten Flächen mit Pinus Laricio Poir. 
bepflanzt, die vorzüglich auf Harz benutzt 
wird. Die 30 — 40jährigen Bestände 
werden umgehauen , der Boden umge- 
brochen , dann auf ein paar Jahre mit 
Hafer und Buchweizen bepflanzt , um 
dann aufs neue mit der Schwarzföhre 
besetzt zu werden. Bei Glocknitz beginnt 
das Aufsteigen der Bahn und die Ge- 



birge rücken näher; bald öffnet sich 
das schöne Thal bei Reichenau und 
der Schneeberg erscheint schon ganz 
nahe. Ueber zahlreiche und kühne Via- 
dukte und durch dunkle Tunnel folgen in 
rascher Entwicklung und überraschen- 
den Contrasten , tiefe Schluchten und 
wild zerrissene Felsen und Berghöhen, 
hier und da auch wieder ein Blick in 
tiefe Thäler und weite Flächen hinab. 
In unserem Wagen waren viele Nord- 
deutsche, denen die grossartige Scenerie 
der Gebirgswelt, die in stetem schnellem 
Wechsel an unserem Auge vorüberging, 
neu war und durch die lauten Acus- 
serungen ihrer Begeisterung auch uns 
unwillkürlich mitrissen, so dass Alle in 
freudigster Stimmung auf der Höhe des 
Passes anlangten. Diese wurde dort noch 
gehoben durch den freundlichen Empfang, 
welchen die Steyerrnärker der Gesell- 
schaft zu Theil werden Hessen, und die 
feurigen Weine, mit welchen die Stadt 
Wien ihre Gäste regalirte. Ueber den 
Pass erhebt sich westlich eine Berg- 
höhe , die Semmeringspitze (3200 F. ü. 
M.) , die von einer kleinen Gesellschaft 
besucht wurde u. durch eine herrliche 
Aussicht , wie einige seltenere Pflanzen 
(so den Dianthus alpinus) die geringe 
Anstrengung belohnte. Die Vegetation 
ist im Uebrigen ganz wie an unserm 
hohen Rhonen , der ungefähr dieselbe 
Höhe hat; die Gebüsche werden von 
der Alpenerle (Alnus viridis) und Rosa 
alpina gebildet, aus denselben schauen 
die blauen und gelben Blumenglocken 
der Gentiana asclepiadea und Digitalis 
ambigua hervor, während dieMoehringia 
muscosa das Gestein umzieht; im Schat- 
ten des Waldes aber haben sich einzelne 
Colonien von Rhododendron hirsutum 
angesiedelt, sonst aber ist die Pflanzen- 
decke aus Formen der Tieflandes zusam- 
mengesetzt. Wer daher beim Semmering 



I. Originalabhandlungen. 



171 



(der seinen Namen wahrscheinlich vom 
Sommern des Viehs erhalten hat) an 
einen Alpenpass denkt, wird sich sehr 
getäuscht finden, da er nicht einmal 
die subalpine Region erreicht. 

An der Semmeringfahrt hetheiligte 
sich die ganze Gesellschaft, daneben 
aber wurden noch viele kleinere Aus- 
flüge in kleineren Kreisen unternommen. 
So hat eine Zahl von Botanikern, unter 
der kundigen Führung des Herrn Dr. 
Reisseck, den Donauinseln einen Besuch 
gemacht. Die grosse Donauinsel (Leo- 
poldstadtinsel) hat eine Quadratstunde 
Umfang und führt uns , in der Nähe ei- 
ner so grossen Stadt, in eine über- 
raschend einsame Gegend. Weite Wie- 
sengründe, auf welchen ganze Heerden 
von Hirschen weiden, wechseln mit gros- 
sen Waldbeständen, die von mächtigen 
Ulmen, Weisspappeln, Weissweiden, und 
auffallend grossen baumartigen Weiss- 
dornen gebildet werden. Schenkeldicke 
wilde Weinreben steigen bis in den Wipfel 
dieser Bäume hinauf und hier und da 
sahen wir sie mit den kleinen, blauen 
Trauben behangen, die hier den Vögeln 
zur Speise dienen. Zuweilen ersticken 
diese Weinreben kleinere Bäume, die 
sie linianenartig umschlingen und dann 
sehen wir nur noch die verschlungenen 
Rebenstämme , welche das Opfer über- 
dauert haben. Es ist diese Insel unter 
dem Namen des Praters allbekannt. Sie 
ist von sechs Alleen in verschiedenen 
Richtungen durchschnitten. Eine der- 
selben, die bis an die Donau führt , ist 
von einer vierfachen Reihe von Kasta- 
nienbäumen gebildet. Diese dient zu 
den sogenannten Praterfahrten, an denen 
namentlich am ersten Maitage die ganze 
vornehme Welt Wien's sich betheiligt, 
während in dem nahe liegenden Wurstl- 
prater das Volk sich an den Marionet- 
ten-Theatern, Ringelspielen, Improvisa- 



toren, Musik- Aufführungen u. s. w. be- 
lustigt. Natürlich besuchten wir auf dem 
Heimweg auch diesen Wurstlprater , wo 
fortwährend mannigfache Hanswurstiaden 
in ähnlichem Styl, wie bei unsern Jahres- 
messen, aufgeführt werden. 

Am 27. Sept. nahmen wir von Wien 
Abschied und wenn auch bald eine Menge 
neuer Bilder an uns vorübergingen, ver- 
setzten wir uns doch in Gedanken recht 
oft in die Zeit zurück, wo uns hier des 
Unterhaltenden und Lehrreichen so viel 
geboten wurde und wo wir so viele treff- 
liche Männer kennen gelernt hatten, und 
ich werde die Freundlichkeit, mit welcher 
Unger, Fenzl, Ritter von Heufler und C. von 
Ettingshausen, wie ferner der so hoch- 
verdiente Vorsteher der geolog. Reichs- 
anstalt, Herr Sektionsrath Haidinger und 
die trefflichen Geologen Hörnes, von 
Suess , Foctterli, von Hauer und Hoch- 
stetter mich aufgenommen haben, immer 
in dankbarer Erinnerung bewahren. Wir 
nahmen unseren Heimweg über Italien, 
und fuhren am ersten Tag mit dem 
Schnellzug bis Laybach, welche Strecke 
von 50 Stunden von Morgens 5 Uhr bis 
Abends 9*/j Uhr zurückgelegt wird. In 
3'/a Stunden waren wir auf der Höhe 
des Semmering , wo ein grosser Tunnel 
uns auf die Südseite des Berges und 
somit in die Steyermark brachte , die in 
raschem Fluge durchzogen wurde , so 
dass wir von den engen Schluchten, den 
schönen Buchenwäldern und Wiesen- 
gründen der Gegend von Mürzzuschlag, 
von dem freundlich in einer grossen 
Thalebene gelegenen , und von ansehn- 
lichen Bergen umsäumten Gratz , von 
den fruchtbaren grossen Ackerflächen von 
Marburg, die von beAvaldeten Hügelket- 
ten umgeben und von der weiten Land- 
schaft von Cilly nur sehr flüchtige Bil- 
der in uns aufnehmen konnten. Viel 
langsamer ging es freilich Tags darauf. 



172 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Wir mussten uns Morgens 4% Uhr in 
den Wagen setzen und langten erst 
Abends 9 Uhr in Triest an. Als am 
Morgen der Tag anbrach, lag eine grosse 
Ebene vor uns, die in weiter Ferne von 
niedern Hügelketten umgrenzt ist. Es war 
Sonntag und dieLandleute zogen in gros- 
ser Zahl zur Kirche. Ihre eigenthüm- 
liche illyrische Tracht und ihre uns un- 
verständliche (slavische) Sprache brin- 
gen uns so recht zum Bewusstsein, dass 
wir uns in einem fernen, fremden Lande 
befinden. — Die grössten Naturwerk- 
würdigkeiten Krain's sind die grossen un- 
terirdischen Höhlen, mit ihren kleinen 
Seen und Wasserfällen. Die berühm- 
teste derselben ist die zu Adelsberg, 
welche schon eine ganze kleine Grotten- 
Fauna geliefert hat. Wir kamen nach 
Adelsberg, allein leider gestattete uns 
die kurz zugemessene Zeit den Besuch 
der Höhlen nicht. Adelsberg liegt am 
Rande eines kahlen Kalkgebirges, über 
welches die Strasse führt. Von Pre- 
wald steigt sie steil an ; wir sind im so- 
genannten Karst, einem öden, dürren 
Hochland, das auf grosse Strecken weit 
von aller Vegetation entblösst ist. Noch 
in der Gegend von Sessanne, nur eine 
Poststation von Triest entfernt, ist das 
Land weit und breit verödet; man sieht 
kein Bäumchen, nur hier und da eine 
kärgliche Rasendecke , alles Land hat 
daher von dem weissen Kalkgestein eine 
grau-weisse Färbung. Endlich ist die 
Höhe erreicht und das Land senkt sich 
dem Süden zu. Damit ändert auch 
plötzlich die Vegetation; wie man die 
Wasserscheide überschritten, treten ganze 
Büsche von Saturei und von Wermuth 
auf und prägen der Flora einen südli- 
cheren Charakter auf. Bald verhüllte 
sie uns aber die einbrechende Nacht 
und entzog uns auch den Blick in das 
Tiefland. Von dort glitzerten und flim- 



merten uns aber nach einiger Zeit tau- 
sende von Lichtern entgegen. Rasch 
ging es diesem Lichtmeere zu und end- 
lich rasselte der Wagen durch die Stras- 
sen von Triest. — Um indessen auch 
bei Tage den Anblick von der Höhe 
zu geniessen , begaben wir uns folgen- 
den Tags, nachdem wir die wenigen 
Merkwürdigkeiten der Stadt gesehen 
und uns am Anblick der bunt gemisch- 
ten Bevölkerung (man sieht da slavoni- 
sche Bauern , Seeleute aus Italien und 
Dalmatien, Griechen und Albanesen in 
ihren bunten Nationaltrachten) ergötzt 
hatten, in Begleitung des Herrn Freyer, 
auf den Monte Spaccato, den Uetliberg 
Triest's. Die Stadt liegt in einer tiefen 
Meeresbucht am Fusse der Hügelkette, 
deren höchster Punkt jenen Namen trägt. 
Von demselben aus hat man eine ent- 
zückend schöne Aussicht. Sie hat mich 
einigermaassen an diejenige der Nossa 
Senhora del Monte ob Funchal in Madera 
erinnert. Unter uns breitet sich auch ein 
grünes Thalbecken aus, das da, wo es 
ans Meer angrenzt , mit weissen , glän- 
zenden Häusern überdeckt ist, auch hier 
folgt weiter aussen ein Wald von Masten 
von Meerschiffen, weiter hinaus die blaue 
Fläche des Meeres und weit ins Meer 
ausgreifende grüne Landzungen. Freilich 
muss die Phantasie hier noch gar vieles 
hinzuthun, um diess Bild jenem ähnlich 
zu machen; sie muss die Fläche des 
Meeres noch gar sehr vergrössern, muss 
eine gar viel reichere und üppigere Ve- 
getation herbeizaubern und über das 
Ganze den Glanz und Zauber eines 
mehr südlichen Himmels ausgiessen. — 
Die Umgebungen von Triest sind auffal- 
lend wenig eultivirt; mit wildem Busch- 
werk und jungem Wald bedeckte Ab- 
hänge rücken bis nahe an die Stadt 
heran und sind nur an wenigen Stellen 
von Landhäusern und Anlagen unter- 



I. Originalabhandlungen. 



173 



brochen. Alle Interessen sind hier dem 
Handel und Schifffahrt zugewendet. Doch 
hat die Stadt ein recht schönes, von ei- 
nem Zürcher, Herrn Koch, gegründetes 
Museum, das Herr Freyer jetzt verwal- 
tet. Der botanische Garten dagegen ist 
ganz im Verfall; der Director desselben 
Biasoletto und der Bürgermeister der 
Stadt Thomasini scheinen sich nicht gut 
zu verstehen. Die Gegend ist sonst zu 
botanischen Ausflügen ausgezeichnet gut 
gelegen. Schon der Gang auf den Mt. 
Spaccato führt uns eine Menge südli- 
cher Pflanzenformen vor, da sehen wir 
ganze Büsche von Eryngium amethy- 
stinum L., die Scabiosa graminifolia, 
Iberis umbellata L. , Galium purpureum 
L. , Campanula pyramidalis L. , Sattireia 
montana, Dianthus 'Seguieri, Echinops 
Ritro L., Plantago sericea W. K., Onos- 
ma stellulatum W. K. , Potentilla hirta 
L., Euphorbia nicaeensis All. und von 
Sträuchern und Bäumen : die Mannaesche, 
Zizyphus aculeata, Ehus Cotinus, Colu- 
tea arborescens , Quercus Cerris u. a. m., 
daneben aber auffallender Weise auch 
Globularia cordifolia und Epilobium Do- 
donaei. 

Am 30. Morgens 7 Uhr verliessen 
wir Triest auf dem Dampfschiff Milano, 
das uns in 6 Stunden nach Venedig 
brachte. Die Abfahrt von Triest war 
ganz hübsch. Die Ausfahrt aus dem 
Hafen mit seinen vielen Schiffen, die 
Ankunft vieler Schiffe , die mit vollen 
Segeln herbeiflogen, das allmählige Zu- 
rückweichen und endliche Verschwinden 
der Stadt und der Buchten und Land- 
zungen Istriens brachten viele Abwechs- 
lung , bis endlich alles Land aus un- 
serem Gesichtskreise verschwunden war. 
Doch es dauerte nicht lange und es tra- 
ten wieder niedere Küstenstriche aus 
der Wasserfläche hervor; hier und da 
konnte man auch Leuchtthürme unter- 



scheiden und am fernen Horizonte tauch- 
ten die Thürme der Marcuskirche zu 
Venedig auf. Wir kommen der Stadt näher, 
doch müssen wir wegen der Sandbänke 
einen weiten Umweg nehmen, um beim 
Lido in den Bereich der Stadt zu gelan- 
gen. Um 1 Uhr rasseln die Ankerket- 
ten herunter und die schwarz angestri- 
chenen und mit schwarzen Tüchern über- 
deckten Gondeln umschwärmen unser 
Schiff. Bald schaukeln wir durch den 
Canale di St. Marco in einer solchen 
der Stadt zu und steigen unmittelbar aus 
der Gondel in unsern Gasthof zur Luna 
ein. So wären wir denn in dieser wun- 
derbaren Insel -Stadt angelangt, auch 
jetzt noch so eigentümlicher Art, dass 
man sich in eine ganz neue Welt ver- 
setzt wähnt. Ich enthalte mich, Dir 
von dem in seiner Art einzigen und an 
berühmten Kunstwerken so reichen Do- 
genpallast, dessen Anblick uns in das 
ferne Morgenland versetzt, von der überaus 
reich verzierten Marcuskirche, von den al- 
ten Pallästen, von den Kirchen mit ihren 
vielen Kunstschätzen und Dogengrab- 
mälern , von dem bunten, fröhlichen Le- 
ben auf dem Marcusplatz, von den reich 
ausgestatteten grossen Theatern und ähn- 
lichen Dingen hier zu erzählen, ist diess 
alles doch so vielfach schon beschrieben 
worden und doch nie möglich, auch nur 
annähernd durch die Beschreibung den 
Eindruck in uns zu wecken, den die 
unmittelbare Anschauung auf das Ge- 
müth hervorbringt. Man muss dies ge- 
sehen und erlebt haben , um der eigen- 
tümlich freudigen und doch tief weh- 
müthigen Stimmung inne zu werden, in 
welche uns die Ueberreste einer gross- 
artigen Vergangenheit, die bei jedem 
Tritte in vollster Unmittelbarkeit zu uns 
spricht , versetzen. Wif staunen die 
Werke der Kunst an, bewundern die gros- 
sen Schöpfungen eines Gemeinwesens, 



174 



Garlenflora Deutschlands und der Schweiz. 



das auf so eigenthümlichen Grundlagen 
erbaut wurde ; wir können uns an der 
Hand der vielen Bildwerke, die Kirchen 
und Säle schmücken , lebhaft in jene 
Zeit zurückversetzen und ihre Erlebnisse 
an unserer Seele vorüberführen, allein 
der Geist , der dies alles geschaffen hat, 
er ist von dieser Stätte geflohen ; Vene- 
dig ist nur noch ein grossartiges, wun- 
derbar schönes Grabmal. 

Dass eine Stadt, die so ganz eigent- 
lich aus dem Schlamm und Wasser auf- 
gestiegen ist und jedes trockene Stück 
Land mit grossem Kostenaufwand erobern 
musste, für Gartenkunst keinen Boden 
darbietet, liegt auf der Hand. Doch be- 
sitzt dieselbe einen nicht unansehnlichen 
botanischen Garten. Er liegt in der 
Nähe der prachtvollen, 1 1,000 Fuss lan- 
gen Brücke, welche seit 1845 die Stadt 
mit dem Festlande verbindet. Wir nah- 
men , um denselben zu besuchen , eine 
Gondel und fuhren den Canale grande hin- 
auf, welcher von Osten nach Westen in 
einer Zickzacklinie die Mitte der Stadt 
durchschneidet und an seinen Ufern die 
schönsten Paläste besitzt, fast alle noch 
im altvenetianischen Baustyle mit diesen 
Reihen von mächtigen Fenstern , deren 
schön gebaute Bogen die zierlichsten 
Ausfüllungen zeigen. Der Garten, den 
wir nach einer einstündigen Fahrt er- 
reichten, ist auch auf ganz aufgefülltem 
Land angelegt, grössere Bäume gedei- 
hen daher daselbst nur an einer zu 
einem kleinen Hügel aufgetragenen 
Stelle des Gartens, da sie zu Grunde 
gehen , wie sie mit ihrem Wurzelwerk 
in drei Fuss Tiefe d. h. auf den See- j 
grund hinabkommen. An jener erhöhten 
Stelle ist eine parkartige Anlage , die I 
manche selteneren Nadelhölzer in schönen 
Exemplaren enthält, die Cedrus Deodora, 
atlantica und Libani, Araucaria imbricata, 
Cupressus torulosa Don, Juniperus ma- 



crocarpa Sibth. u. a. m. und bietet eine 
interessante Aussicht dar. Die Eisenbahn- 
brücke, die in 222 Bogen das blaue Meer 
überspannt, die isola St. George, die in 
der Ferne mit ihrem hohen Thurme aus 
dem Meere aufsteigt und in noch grös- 
serer Ferne die bläulichen Euganeischen 
Berge, die den Horizont bekränzen, bil- 
den einen gar interessanten Contrast ge- 
gen das Gewirre von Häusern und Ca- 
nälen , das auf der Stadtseite unserem 
Blicke begegnet. — Ein Theil des Gar- 
tens ist für Aufstellung einer Pflanzen- 
sammlung, nach Linneischem System ge- 
ordnet, bestimmt; welche für die beiden 
Gymnasien und die Gewcrbschule be- 
nutzt wird; ein freilich nur kleines Ge- 
wächshaus beherbergt exotische Ge- 
wächse. Die Fettpflanzen und nament- 
lich Cacteen bilden den interessantesten 
Inhalt des Gartens. In der Thaf sieht 
man da Exemplare von seltener Grösse; 
so Opuntia spinosissima über 20 Fuss 
hoch und in einer Masse von Aesten 
zerspalten, die von einem dicken cylin- 
drischen Stamm ausgehen; Cereus iner- 
mis und triangularis auch etwa 20 Fuss 
hoch; und ebenso den Cereus ramosus, 
lanuginosus, tortuosus, die Opuntia to- 
mentosa und ferox in mächtigen Exem- 
plaren ; von seltenen Arten nenne ich 
die Opuntia Picolominii, mit breiten, 
fast kreisrunden Stengelgliedern. Auch 
eine Yucca aloifolia von 24 Fuss Höhe 
mit vielfach getheiltem Stamm , die alle 
Jahre blüht, die Yucca abyssinica und 
eine schöne Agave filifera Salm sind un- 
serer Beachtung werth. Hier sah ich 
auch zum ersten Mal den ächten Papy- 
rus antiquorum mit den steifen, nicht 
herunterhängenden Blüthenständen, denn 
die bei uns eultivirte Art ist durchge- 
hends Papyrus syriacus Pari. — Der 
Grund, warum in Venedig voraus die 
Fettpflanzen eultivirt werden, liegt in 



I. Originalabhandlungen. 



1T5 



der Schwierigkeit der Beschaffung des 
süssen Wassers. Alles, das nicht aus 
den Cisterncn, in welchen das Regen- 
wasser sorgfältig aufgesammelt wird, 
bezogen werden kann , muss vom Fest- 
lande hergeholt werden. Hier wurde 
ein Canal von der Brenta abgeleitet und 
wird 7 Meilen weit nach Muranzan ge- 
führt, wo das Wasser mit 'einem Fall 
von 3 Fuss durch drei Rinnen in die 
Brenta morta stürzt. Die Wasserschiffe 
fahren unter eine dieser Röhren und ha- 
ben in kurzer Zeit eine Ladung süssen 
Wassers, die nach der Stadt gebracht 
und dort verkauft wird. Auf diese Weise 
muss die ganze Stadt mit Trinkwasser 
versehen werden, das freilich schlecht 
genug ist und mit Recht sagt man da- 
her, dass ein Hauptmangel, der im Was- 
ser gebauten Stadt der Wassermangel 
sei. — Auffallend war mir zu hören, 
dass im vorigen Winter alle grösseren 
Lorbeerbäume erfroren seien; es sei die 
Kälte bis — 10° C. gestiegen, so dass 
die Lagunen sich mit Eis überdeckten 
und aller Verkehr stockte. — Eine 
zweite öffentliche Anlage ist an dem 
gerade entgegengesetzten östlichen Ende 
der Stadt, die giardini publici, welche 
1810 angelegt wurden. Es ist indessen 
kein Garten, sondern eine Anlage mit 
Hecken von Jasmin, Rosen und Hibis- 
cus syriacus und mit Baumgruppen von 
Gleditschia, Melia Azedarach, Catalpa 
und Broussonetien. Gar schön ist aber 
liier die Aussicht auf Meer und Stadt. 
Vor uns liegt die isola di S. Giorgio 
maggiore mit ihrem schlanken rothon 
Glockenturm und ihr gegenüber die 
riva delli Schiavoni, die schönste Seite 
Venedig's, der Dogenpallast, die Pia- 
zetta mit ihren hohen Säulen, gekrönt 
mit dem Löwen des h. Marcus und dem 
h. Theodor, wie er das Crocodil tödtet, 
der Eingang des grossen Canales, ein- 



gefasst von der majestätischen Kuppel 
der Kirche von S. Maria della Salute 
und anderseits der Palast Treves, und 
unmittelbar vor uns der Hafen , belebt 
von Schiffen aller Grössen; aber auch 
hier bringen die kohlschwarzen todten- 
bahrenähnlichen Gondeln einen düster 
melancholischen Zug in das sonst so 
belebte Bild. 

Gerne wären wir länger in Venedig 
geblieben, allein die Zeit drängte, daher 
wir nach 2 1 /«! Tagen unsere Weiterreise 
antreten mussten. Am 3. Oct. Morgens 
fuhren wir per Eisenbahn über die präch- 
tige Brücke dem Festlande zu. Dieses 
erscheint anfangs in ilachen Salzmorä- 
sten, die aber jetzt stellenweise ganz 
mit blauen Büthen, von welchen ich 
die von Aster Tripolium und Statice Li- 
monium zu erkennen glaubte, bedeckt 
waren und es mich bedauern Hessen, 
dass wir so schnell über sie wegflogen. 
Auf sie folgte Culturland , das indessen 
weithin so niedrig gelegen, dass jeder 
Acker mit einem Graben umgeben und 
durch die ausgeworfene Erde erhöht wer- 
den muss, um zur Kultur dienen zu 
können. Längs der Gräben stehen vor- 
züglich Weissweiden, während auf den 
Aeckern der Mais vorherrscht; doch 
sieht man nicht selten auch mit Sorg- 
hum bepflanzte Felder. Unser nächstes 
Ziel war Padua, der uralte Musensitz 
Oberitaliens , wo uns der Bürgermeister 
der Stadt, Ritter de Zigno, sehr freund- 
schaftlich aufnahm und uns mit den 
Merkwürdigkeiten derselben bekannt 
machte. Obgleich mir wohl bekannt 
war, dass Padua einen reichen botani- 
schen Garten besitze, hat derselbe doch 
meine Erwartungen weit übertroffen. Die 
Gewächshäuser sind zwar nicht gerade 
gross, enthalten aber viele interessan- 
tere Pflanzen ; namentlich freute es mich 
hier manche neuerdings von van Linden 



1T6 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



eingeführten Pflanzen zu sehen, so Cin- 
chona condaminea , C. purpurea und C. 
longifolia, die Bertholetia excelsa, Quas- 
sia amara, Artocarpus incisa u. a. m. ; 
auch unter den Cacteen finden sich ei- 
nige seltenere Arten, so der sonderbare 
Echinocactus Mirbelii, der E. Williamsi 
und E. caespitosus und die mit langen, 
dünnen Warzen besetzte Leuchtenber- 
gia. Unter den Palmen zeichnet sich 
ein grosses Exemplar der Livistona chi- 
nensis (Latania) aus und eine schöne 
Oreodoxa regia Humb. Von Pflanzen, die 
im Hause blühten , dürften die Impa- 
ticns Hookeri und J. Jerdoniae Wight, 
die Berberis Fortuni und die Aralia um- 
braculifera mit ihren orangefarbenen zier- 
lichen Blüthenstielen und jungen Früch- 
ten noch der Erwähnung werth sein; 
die Aussenseite des Hauses aber war 
stellenweise mit prächtig blühenden 
Exemplaren der Micania scandens und 
Ipomaea Learii bekleidet. Am meisten 
erfreuten mich indessen die Sträucher 
und Bäume des Freilandes des Gartens. 
Der innere Theil desselben ist von ei- 
ner kreisförmigen Mauer umgehen, längs 
derselben sind Beete angelegt und an 
der Sonnenseite mit exotischen Bäumen 
bepflanzt , welche während des Winters 
eine Glasdecke erhalten, die an die 
Mauer sich anlehnt. Hier steht neben 
dem Eingang die berühmte Chamaerops 
humilis mit 12 Stämmen, die alle aus 
Einer Wurzel entspringen und eine pracht- 
volle Gruppe bilden. Sie ist unter dem 
Namen der palma di Goethe bekannt, 
weil die Betrachtung dieser Pflanze bei 
dem grossen Dichter zuerst die Idee der 
Pfianzenmetamorphose angeregt haben 
soll. Von weiteren Bäumen oder doch 
hohen Sträuchern , die hier in üppiger 
Fülle im freien Land stehen, nenneich: 
Sarcococca laurifolia mit dickem Stamm, 
Ficus rubiginosa, Pittosporum viridiflo- , 



rum, Hex gigantea, Cineraria platanifo- 
lia, Rhus viminalis, Ceratonia siliqua 
L., Podocarpus macrophylla, Tarchonan- 
thus camphoratus L., Eugenia floribunda, 
Olea undulata Jacq. , Eucalyptus diver- 
sifolius, Cinnamomum Camphora, Laurus 
canariensis, Persea indica, Oreodaphne 
foetens, Olea excelsa, Jasminum azori- 
cum, Casuarina suberosa , Polygala myr- 
tifolia, Camellien, Araucaria excelsa und 
Ridolfiana, Dracaena Draco, Myrsine re- 
tusa, Calodendron capense, Tecoma au- 
stralis, Procopis juliflora De, Psidium 
montanum De, Royena lucida L. und 
Pistacia Lentiscus L. Kurz wir sehen, 
dass die Bäume und Sträucher, die wir 
in unseren sogenannten Orangerien über- 
wintern, in Padua zwar allerdings im 
Winter des Glasschutzes noch bedürfen, 
doch aber viel leichter durchzubringen 
sind und so auch üppiger gedeihen. 
Manche anderen aber halten ganz im 
Freien aus und werden da zu schönen, 
grossen Bäumen; unter diesen hebe ich 
vor allen die Magnolia grandiflora L. 
hervor, die in einem prachtvollen Exem- 
plare, das eben mit Früchten bedeckt 
war, im Garten steht und mich lebhaft 
an die Prachtexemplare erinnerte , die 
den Gärten Madera's zu so grossem 
Schmucke dienen ; auch die Cypressen, 
die Eriobotrya japonica, die Poinciana 
Gilliesii Hook., Podocarpus crenatus u. 
a. m. halten im Freien aus. Eine grosse 
Ginko biloba stand voll reifer Früchte, 
ebenso die Hex balearica, Lagerströmia 
indica, Diospyros virginiana und Anona 
triloba. Die Früchte der beiden zuletzt 
genannten Bäume sind recht schmack- 
haft und namentlich der Diospyros dürfte 
sich auch bei uns zum Frnchtbaume 
eignen. Die Früchte haben die Grösse 
einer Pflaume und einen eigenthümlich 
angenehmen süssen Geschmack. In der 
Mitte des Gartens steht ein mächtiges 








Faibcntli v.A.KaTb.Ifbg. 



I. Originalabhandlungen. 



ITT 



Exemplar von Platanus Orientalis, das 
so alt wie der Garten, der 1545 von 
Franzesco Bonafede gegründet wurde. 
Bei uns sieht man diesen Baum nir- 
gends, indem wir überall in Deutschland 
und der Schweiz nur Platanus occiden- 
talis haben und zwar am häufigsten die 
Form, welche Willdenow als Platanus 
acerifolia aufgestellt und irriger Weise 
ihr Griechenland als Vaterland gegeben 
hatte. Von weitern grossen Bäumen des 
Arboretums nenne ich: Diospyros kaxi 
L. fil, und D. pubescens Purh., eine et- 
wa 90 Fuss hohe Glcditschia, eben so 
hohe Tulpenbäume und Ailanthen , und 
über hundert Fuss hohe americanische 
Nussbäume (Juglans nigra und J. oli- 
vaeformis). — Dass der Garten eine 
Sammlung von Freilandpflanzen zum bo- 
tanischen Unterricht besitzt, versteht 
sich von selbst. Dieselbe ist nach De- 
candolle's System geordnet. Leider war 
der Direktor des Gartens, Professor Vi- 
siani, den ich in Wien kennen gelernt 
hatte, nicht in Padua anwesend; der 
treffliche Obergärtner Carolo Caslini hatte 
aber die Freundlichkeit mich in demsel- 
ben herumzuführen und mir auch das 
Museum zu öffnen, wo eine interessante 
Sammlung fossiler Pflanzen vom Mt. 
Bolca und prachtvolle Blätter von vor- 
weltlichen Fieder- und Fächerpalmen 
aufbewahrt werden. Die schönste Samm- 
lung fossiler Pflanzen besitzt indes- 
sen Herr von Zigno. Sowohl tertiäre 
als besonders solche von Rozzo, einer 
neu entdeckten Fundgrube oolithischer 
Pflanzen. Man sieht da nicht nur ganze 
Blattwedel von manigfaltigen Zamia- und 
Cycas ähnlichen Pflanzen, sondern auch 
ihre Samen; ebenso Blüthen, Früchte 
und Zweige von eigentümlichen unter- 
gegangenen Gattungen cypressenartiger 
Bäume (Brachyphyllum), wie neue For- 
men von Farrenkräutern. 
VI. 1857. 



Wir verliessen Padua den 4. Octob. 
Nachmittags und langten auf den Abend 
in Vicenza an. Folgenden Morgens, es 
war ein schöner Sonntag, bestiegen wir 
den M. Berico, zu dessen Wallfahrts- 
kirche ein 2000 Fuss langer bedeckter 
Bogengang hinaufführt. Bei der Kirche 
und der wenig höher gelegenen Spitze 
des Hügels geniesst man eine überaus 
liebliche Aussicht auf die Stadt mit ihren 
Pallästen und Kirchen und auf das weite 
fruchtbare Gelände, das gegen Norden 
von einem Kranz von Bergen begrenzt 
wird. Auf der unabsehbaren Ebene lag 
ein Nebelschleier, so dünn und zart, dass 
er nur die Vertiefungen ausfüllte und 
die grünen Hügel, ja die höheren Baum- 
gruppen und Kirchthünne aus ihm her- 
vorragten. Wie die Sonne höher stieg, 
wurde er ganz weggezogen und die 
fruchtbarste Landschaft Italiens lag zu 
unseren Füssen. Als solche ist die Ge- 
gend von Vicenza wohl bekannt. Hier 
werden die Aecker zweimal des Jahres 
mit Mais bepflanzt, indem auf den Som- 
mermais noch der Quarantino folgt; die 
Felder sind umsreben mit Maulbeerbäu- 

O 

men, an welchen die Weinreben empor- 
ranken und öfter in langen Guirlanden 
von einem Baume zum anderen sich 
schlingen. So trägt dasselbe Land : Mais, 
Seide und Wein. Der letztere ist frei- 
lich von geringer Art, weil er eben hier 
nur ein Nebenprodukt bildet und mehr 
auf die Quantität als Qualität gesehen 
wird. Natürlich besahen wir in der Ge- 
burtsstadt des berühmten Palladio seine 
Meisterwerke, durch welche der neuer- 
wachte Enthusiasmus für griechische 
Kunst und Wissenschaft im 16. Jahr- 
hundert auch in der Baukunst seinen 
Ausdruck fand und auf das Aussehen 
der ganzen Stadt einen so wesentlichen 
Einfluss ausübte , dass man Vicenza die 
Stadt Palladio's genannt hat. Besonders 

12 



178 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



interessirte mich das teatro olimpico, 
welches nach griechischem Muster er- 
baut, uns lebhaft die Einrichtung des 
griechischen Theaters vor Augen führt, 
um so mehr da wir hinter der Bühne, 
in Folge trefflicher Berechnung der Per- 
spektive, eine griechische Stadt zu er- 
blicken glauben. 

Mittags fuhren wir nach Verona, die- 
ser uralten Stadt, an welche so viele 
grosse Erinnerungen sich knüpfen, an 
die man sogleich gemahnt wird, wie man 
die Stadt betritt, wo uns ein wohler- 
haltenes römisches Amphitheater, das 
25,000 Menschen fasst, an die römische 
Zeit gemahnt, der Schlossberg am lin- 
ken Ufer der Etsch, wo Dietrich's von 
Bern (Theodorich) Burg war, die ural- 
ten Kirchen , zum Theil auffallend an un- 
sern Grossmünster erinnernd, das grosse 
gothische Denkmal der Scaliger und der 
alte Rathhausplatz uns mitten ins Sa- 
genreiche Mittelalter versetzen, während 
die ganz neu angelegten Festungswerke, 
die alle Anhöhen rings um die Stadt 
krönen, uns zurufen, dass jetzt die östrei- 
chischen Adler Stadt und Land beherr- 
schen. Nachdem wir diese Merkwürdig- 
keiten uns angesehen und wie billig 
auch dem Haus der Capuleti einen Be- 
such abgestattet (denn wer könnte durch 
Verona gehen, ohne "auch Romeo"s und 
Julia's zu gedenken), wurde der Garten 
des Conte Giusti aufgesucht, berühmt 
durch seine schönen Cypressen. Wirk- 
lich sind da Bäume, die bis 125 Fuss 
Höhe erreichen und dabei ganz schlank 
und gerade bis zur Spitze; von der 
Form mit ausgespreitzten Aesten (Cu- 
pressus horizontalis) ist ein Exemplar 
da von 96 Fuss Höhe und 12 Fuss Um- 
fang, dessen Alter auf 1200 Jahr ange- 
geben wird. Auch sonst enthält der 
Garten manche schönen Bäume, sieht 
aber schmutzig und vernachlässigt aus. 



Prächtig ist indessen die Aussicht, die 
man von dem Hügel des Gartens ge- 
niesst, indem man die ganze Stadt und 
ihre Umgebungen übersieht. 

In der Provinz von Verona liegt der 
Mt. Bolca, berühmt durch den Reich- 
thum an Versteinerungen, die uns auch 
Reste der Flora der eocenen Zeit auf- 
bewahrt haben. Schon in Padua hatte 
ich manche interessanten Arten kennen 
gelernt, die grösste Sammlung ist aber 
im Besitze des Prof. Massalongo in Ve- 
rona, welche zu sehen ich sehr gespannt 
war. Leider war dies aber nicht mög- 
lich, da Massalongo krank war, und zwar 
in seinem von der Stadt einige Stunden 
entfernten Landgute, so dass mir auch 
die Freude , diesen überaus thätigen 
Forscher, mit dem ich schon seit Lan- 
gem in geistigem Verkehre stehe, per- 
sonlich kennen zu lernen, versagt wurde. 
Auf den Abend fuhren wir am 6. 
Octob. nach Brescia. Bei Peschiera, der 
vielgenannten, im Mai 1848 von den 
Piemontesen eroberten Festung, erscheint 
der herrliche Gardasee, eines der schön- 
sten Juwele Oberitalien's. Leider ge- 
stattete der schnelle Flug des auf der 
Eisenbahn dahineilenden Wagens nur 
einen flüchtigen Blick auf den grossen, 
von prächtigen Gebirgsformen eingefass- 
ten Wasserspiegel und die üppige Ve- 
getation, welche seine Ufer schmückt. 
Auch in Brescia sind die Berge in der 
Nähe; von dem Kastell, das wir folgen- 
den Morgens bestiegen, übersieht man, 
nach Norden gewendet, eine lange Kette 
von Bergen, während nach Süden und 
Westen eine unabsehbare Ebene sich 
ausbreitet, grossentheils mit Maulbeer- 
bäumen bepflanzt , zwischen welchen 
Mais und andere Cerealien gebaut wer- 
den. Diese Ebene durchschneidet nach 
Westen die Eisenbahn nach Mailand, 
die uns folgenden Tags in diese Haupt- 



I. Originalabhandlungen. 



179 



Stadt der Lombardei brachte. Wir blie- 
ben ein paar Tage dort und kehrten 
dann über Como, Lugano und den St. 
Gotthard in die Heimath zurück, wo wir 
Mitte October wohlbehalten wieder an- 
langten. Diese Reise von Como bis 
Luzern gehört unstreitig zum Schönsten, 
was wir auf der ganzen, langen Reise 
gesehen haben, und hat auf's Neue mir 
einen unendlich hohen Genuss gewährt; 
doch sind diese Gegenden Dir grossen- 
theils bekannt und ich will daher schlies- 
sen. Nur über die Gärten von Lugano 
noch einige Worte. Aus einem alten 
Kloster ist ein neuer sehr stattlicher 
Gasthof, Hotel du Parc gebaut worden, 
in welchem man sehr gut aufgehoben 
ist. Der dazu gehörende Garten ist erst 
neu angelegt, verspricht aber recht hübsch 
zu werden. In der Nähe desselben liegt 
der Garten Vassali, in welchem wir 
prachtvolle Lauben von Prunus lauroce- 
rasus L. erblicken; hier fand ich aber 
ferner schön blühende Sträucher von 
Olea fragrans, jlann Camellien und Gra- 
natbäume mit reifen Früchten, ein schö- 
nes Exemplar von Magnolia grandiflora, 
die Sterculia platanifolia , Viburnum Ti- 
nus, Eriobotrya japonica, Laurus nobilis, 
grosse Rhododendren und Azaleen; alle 
diese Pflanzen bleiben im Winter unbe- 
deckt oder es erhält jede doch nur einen 
Strohhut, der die Ausstrahlung vermin- 
dert und einigen Schutz gegen den 
Schneefall gewährt ; selbst die Orangen- 



bäume stehen im Freien an einer Wand, 
die im Winter zugedeckt wird. Dass die 
Cypressen, Cryptomeria japonica, Paulow- 
nia imperialis, Cuninghamia lanceolata 
u. a. m. prächtig gedeihen, versteht sich 
von selbst. In -den unvergleichlich schön 
gelegenen Garten des Herrn Ciani wurde 
ich durch die Herrn Stabile und Corrodi 
geführt, welch' Letzterer durch seine an- 
muthigen Gedichte und Erzählungen sich 
auch in weiteren Kreisen bekannt ge- 
macht hat. Wir sehen in diesem Garten 
herrliche Baumanlagen, zum Theil die 
schon genannten Arten, aber auch Arau- 
caria imbricata und Arbutus unedo stehen 
hier im freien Lande. Zwischen den 
prächtigen Baumgruppen schauen wir 
hinaus auf die lieblich blaue Fläche des 
Sees, aus der an der rechten Seite der 
malerische Mt. Salvatore emporsteigt, 
während seine linke die Felsen des Mt. 
Caprino abgrenzen. So nahmen wir noch 
zum Schlüsse unserer Reise recht lieb- 
liche Bilder in uns auf, die uns auch 
hier in dieser jetzigen winterlichen Na- 
tur noch erfreuen und die wohl auch 
in Dir mannigfache freundliche Erinne- 
rungen wecken mögen. Dass diese aber 
voraus um Deine schweizerische Hei- 
math sich conzentriren mögen, wünscht 
und hofft 

Dein ganz Ergebener 
Oswald Heer. 
Zürich, Weihnachten 1856. 



II. Neue Zierpflanze*!. 



a) Abgebildet im Botanical Magazine. 
1) Calceolaria violacea Cav. (Baea viola- 
cea Pers.) Scrophularineae. — Dieser inter- 
essante Kalthausslrauch wurde vor einigen 
Jahren durch Van Houlte zuerst bekannt ge- 
macht und verbreitet und findet sich jetzt 



häufig in den Gärten auch unter dem Namen 
Jovellana punctata. Er ist in Chili ein- 
heimisch und bringt in den ersten Sommer- 
monaten seine niedlichen hellblauen , im 
Schlünde auf gelbem Grunde rolh punktirten 
Blüthen in reicher Fülle. (Taf. 4929.) 

12 * 



180 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



2) Rhododendron blandfordiaeflorum 
Hook. fil. Wieder eine von den eben so 
zahlreichen, als werthvollen Einführungen des 
Dr. Hooker, der diese höchst interessante Art 
in dem östlichen Nepal und den Sikkimbergen 
entdeckte, wo sie in einer supramarinen Höhe 
von 10—12000 Fuss , in Thälern wie auf 
Bergkuppen nicht selten vorkommt. Das Rh. 
blandfordiaeflorum bildet dort einen schlanken, 
verzweigten, aber spärlich belaubten Strauch, 
oft mit sehr schönen Blumen, die an verschie- 
denen Pflanzen sehr verschiedene Färbung, 
ja selbst auch verschiedene Gestaltung zeigen ; 
so dass man leicht in Versuchung kommt, 
diese unter einander so verschiedenen Formen 
als gute Arten zu trennen, während das Vor- 
handensein deutlicher Uebergangsforiuen keine 
andere Alternative zulässt, als sie als sehr 
nahe verwandte Pflanzen zu betrachten. — 
Wird bis 8 Fuss hoch und gleicht in der 
Tracht dem Rh. cinnabarinum , und wird wie 
diese Art, im Himalaya für giftig für Ziegen 
und Schafe gehalten. Der Rauch des bren- 
nenden Holzes verursacht Anschwellen des 
Gesichtes und Augenentzündung. Blätter lan- 
zettlich , zugespitzt, unterhalb roslbraun- 
schülfrig, 2— 3 Zoll lang; Blüthenköpfe 5—10 
blüthig; Blumen hängend, kurz gestielt; Kelch- 
zipfel sehr klein, der obere zuweilen verlän- 
gert und pfriemlich; Korolle fleischig, trichter- 
förmig, mit vcrlängcrler walziger Röhre und 
länglichen, stumpflichen oder gespitzten Lap- 
pen. 

Die Blumen variiren in der Länge von 1 
bis zu 2*/t Zoll, und in der Farbe von einem 
hellen, krankhaften Grün zu einem lebhaften 
Ziegelrolh; oft sind sie halb grün und halb 
roth. Die Formen mit ziegel- oder orange- 
rothen Blüthen sind natürlich für den Blumen- 
freund die werthvollsten ; sie erinnern in Form 
und Färbung an die so schönen und leider 
so seltenen Blandfordia-Arlen, und daher der 
specifische Name. (Taf. 4930.) 

3) Mibes subvestitum Hook, et Arn. Gros- 
sularicae. — In Californien einheimisch, 
blühte dieser Strauch bei Herren Veitch und 
Sohn in Exeter und Chelsea im freien Lande 
im April und Mai, und die Fuchsien ähnelnde 
Blüthenform , sowie Grösse und Färbung der 
Blumen zeichnen ihn vortheilhaft aus und 



machen ihn zu einer nicht unwillkommenen 
Beigabe zu den blühenden Ziersträuchern. Das 
Verdienst seiner Einführung gebührt wieder 
dem eben so glücklichen als unermüdlichen 
Lobb. — Ein Strauch mit starren, stacheligen 
Aesten; Stacheln nebenblattständig, zu dreien 
oder vieren, von mittlerer Länge; Blätter 
klein, herzförmig, 3 — 5 lappig, kerbig gezähnt» 
oben kahl, unten leicht behaart; Blattstiele 
drüsig behaart; Blumenstiele tragen 2 bis 3 
hängende Blumen und zwei gegenständige, 
ovale, drüsig-gerandele Bracteen. Kelchröhre 
länger als der drüsig behaarte Fruchtknoten, 
mit 5 langen, zurückgeschlagenen, dunkel 
purpurfarbigen Segmenten , die mit einzelnen 
Reihen von Haaren besetzt sind; Petalen breit 
keilförmig, nicht halb so lang als die Kelch- 
zipfel, von fast rein weisser Farbe; Staubfäden 
hervorstehend, fast zwei Mal länger als die 
Petalen, kahl. (Taf. 4931.) 

4) Iihododcndron camelliaeflorum Hook, 
fil. Diese Art liefert wiederum ein Beispiel 
der wunderbaren Mannigfaltigkeit in der Tracht 
und der ganzen äusseren Erscheinung, die in 
der ganzen , jetzt so ausgedehnten Gattung 
Rhododendron vorherrscht. Mit Ausnahme 
von Rh. pendulum , einer kleineren noch nicht 
eingeführten Art kann Rh. camelliaeflorum mit 
keiner anderen, Blüthenform und Habitus ver- 
eint, verglichen werden; das Laub ähnelt in 
vieler Hinsicht dem von Rh. Maddeni und 
cinnabarinum , und die Korolle, was Form 
belrifTt, dem Rh. lepidolum. Diese Art kommt 
im Himalaya in einer Höhe zwischen 9 — 12000 
Fuss vor, entweder epiphylisch wachsend auf 
hohen Bäumen oder in lichteren Wäldern am 
Boden und auf Felsen. Sie ist in die Gärten 
unter dem Namen Rh. theaeflorum gekommen. 
— Stengel 2—6 Fuss lang, von der Dicke 
einer Gänsefeder; Zweige, Blumenstiele, Kelch, 
Fruchtknoten , Blattstiele und untere Blaltflä- 
chen dicht bedeckt mit rostfarbigen , runden 
Schülfern. Blätter 2 — 3 Zoll lang, dick, le- 
derig, elliptisch, lanzelllich, zugespitzt; Blü- 
then einzeln oder zu zweien , kurz uud dick 
gestielt, mit breiten, gewimperten Deckblät- 
tern; Kelchzipfel gross, breit-länglich, stumpf. 
Korolle rein weiss, oder leicht rosa ange- 
haucht, von sehr dicker Textur, mit kurzer 
Röhre und flach ausgebreitetem Saum. 16 



II. Neue Zierpflanzen. 



181 



Staubgefässe mit gewimperten Staubfäden. 
Griffel kurz, dick und gekrümmt; Ovarium 
10 fächerig. Mehr von botanischem Interesse. 

(Taf. 4932.) 

5) Heterotropa asaroidcs Morr. et Decne. 
(Asarum virginicum Thunb.) Aristolochieae. — 
Durch Dr. von Siebold bei seiner Rückkehr 
von Japan eingeführt und in belgischen Gärten 
als Asarum japonicum cultivirt. Eine sonder- 
bare perennirende Pflanze, frostfrei zu durch- 
wintern, die ihre krugförmigen , dunkel pur- 
purgrün gefärbteu Blumen im April und Mai 
entwickelt. Rhizomen wie bei Asarum euro- 
paeum , verzweigt und knotig, an den Spitzen 
der Verzweigungen zwei lang gestielte, tief 
herzförmige, ganzrandige Blätter tragend, die 
wie bei den Cyclamen schön weiss gefleckt 
und gezeichnet sind. An der Basis der Blatt- 
stiele erscheinen die nickenden Blumen auf 
sehr kurzen Stielen. Blülhenhülle zusammen- 
gedrückt, kugelig, nahe dem Grunde verengt, 
und an der heller gefärbten, runzeligen Mün- 
dung stark zusammengeschnürt; der Saum be- 
steht aus 3 grossen, breit eirunden, stumpfen, 
flach ausgebreiteten Lappen. Die innere Flä- 
che der Blülhenhülle ist mit zelligen Vertie- 
fungen bekleidet. Staubgefässe 12, mit fast 
sitzenden Antheren. Fruchtknoten kurz und 
dick, halb-oberständig, 6fächerig; Narbe aus 
6 grossen horizontal ausgebreiteten Strahlen 
bestehend. — Hält wahrscheinlich ganz im 
Freien unter leichter Deckung aus , oder wird 
in weiten, flachen Töpfen in einer reichen 
Lauberde gezogen und im Kalthause oder im 
frostfreien Kasten durchwintert. (Taf. 4933.) 

6) Agave Celsii Hook. Amaryllideae. — 
Eine schöne Art, wahrscheinlich von Mexico 
stammend und leicht kenntlich an den blau- 
grünen Blättern, die mehr gewissen Aloe-Arten 
gleichen, als denen einer Agave. — Stamm 
fehlend, oder sehr verkürzt, Blätter l l /j — 2 
Fuss lang, verkehrt-eirund-lanzeltlich, oben 
plötzlich stark verschmälert und lang gespitzt, 
am Rande stachlig-gezähnt, blass blaugrün. 
Blüthenschaft 4 Fuss hoch, ganz mit pfriem- 
lichen Bracleen besetzt, die nach unten zu 
breiter und blattähnlicher werden. Blülhen- 
ähre länglich, unverzweigt. (Taf. 4934.) 

1) Rhododendron Brokeanum Low. Eine 
herrliche, gut markirte Art, dem Rh. javani- 



cum zunächst verwandt, die Mr. Low auf 
Borneo entdeckte und beschrieb , und welche 
dann von der Firma Veitch et Sohn durch 
ihren Reisenden Th. Lobb eingeführt wurde. 
Die von der genannten Firma auf den vor- 
jährigen Ausstellungen in London eingesandten 
blühenden Exemplare erregten viele Sensation. 
— „Nie werde ich," — sagt Mr. Low, — „mein 
erstes Begegnen dieser prachtvollen Pflanze 
vergessen: sie wuchs epiphytisch auf einem 
Baume in feuchter Schlucht; die grossen Blü- 
thenbouquets von dem reichsten Goldgelb 
leuchteten im Sonnenlicht; der Wuchs war 
gracil, - die Blätter gross. Die Wurzeln sind 
dick und fleischig, nicht faserig wie bei den 
terrestrischen Arten. Sie ist selten und kommt 
in vielen Formen vor, bei denen die Blumen 
grösser und mehr oder weniger roth gefärbt 
sind. Hohe Bäume in feuchten Wäldern sind 
die bevorzugten Standorte dieser Art." — 
Zweige dick, dunkel purpur gefärbt; Blätter 
6—9 Zoll lang, länglich-lanzetllich , spitz, le- 
derartig, kahl, oberhalb dunkelgrün, die 
untere Seite wenig blasser, mit einzelnen 
kleinen Schüppchen, Blattstiel sehr kurz und 
dick; die endständige Blüthendolde locker, 
vielblumig; Kelch fehlend, Korolle von dicker, 
fester Textur, glockig-trichterförmig, Röhre 
verlängert; am Grunde erweitert, gegen die 
Mündung hin fast glockig, der grosse, 5 lap- 
pige Saum abstehend und wellig- gekräuselt. 
Staubfäden 10, der Röhre gleich lang, con- 
vergirend, Fruchtknoten öfächrig, länglich, 
filzig, am Grunde von einer ringförmigen, 
10 lappigen fleischigen Scheibe umgeben. Kul- 
tur wie Rh. javanicum im temperirten Warm- 
hause. (Taf. 4935.) 

8) Dendrobium amboinensc Hort. Rollis- 
son. — Orchideae. — Wurde durch Herrn 
Henshall von Amboyna an die Herren Rollis- 
son eingesandt und blühte zuerst im Juni 
1856 im Orchideenhause in der Gärtnerei die- 
ser berühmten Firma in Tooting bei London. 

Die blatttragenden Scheinknollen sind nur 
3 bis 4 Zoll lang, spindelförmig und kantig, 
einblättrig; das Blatt terminal, länglich, spitz, 
kaum lederartig. Die Scheinknollen scheinen 
später ihr Blatt abzuwerfen, und zu dünnen, 
gegliederten Stengeln auszuwachsen ; diese 
sind unten vierkantig und an der Basis ver- 



182 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



dickt und tragen nahe am Gipfel seillich die 
gepaarten Blumen von rahmweisser Farbe und 
kurzer Dauer. Die Sepalen und Petalen sind 
kaum in Grösse, Form und Farbe zu unter- 
scheiden, sie sind linealisch -lanzelllich und 
sehr lang, und erinnern an die Brassia- Arten; 
die Lippe ist verhältnissmässig sehr kurz , 3- 
lappig, die seitlichen Lappen eiförmig abge- 
rundet zusammengeneigt, der mittlere pfriem- 
lich und ziemlich weit vorgezogen. Eine sehr 
interessante Art durch ihre abweichende Blü- 
thenform, wenn auch nicht als schön zu em- 
pfehlen. (Taf. 4937.) 

9) Pelargonium Endlicher ianum, Fensl. — 
Die Galtung Pelargonium glaubte man lange 
Zeit nur auf das Cap der guten Hoffnung als 
ausschliessliche Heimath angewiesen , wo sie 
durch zahlreiche Arten repräsenlirt ist , allein 
in den letzten Jahren haben auch Süd-Austra- 
lien und die Südseeinseln einige Arten gelie- 
fert und ganz neuerdings erhalten wir vom 
westlichen Taurus die obige ausgezeichnete 
und anch als Zierpflanze werthvolle Species. — 
Wurzelstöcke dick und vielköpfig, Stengei 
aufrecht, unverzweigt, wie die ganze Pflanze, 
fein weichhaarig, an den Knolen leicht aufge- 
trieben ; Blätter wenige, die Wurzelbläller lang 
gestielt , die Stengelblälter auf kürzeren Stie- 
len, beide herzförmig-undeullich 5-Iappig, grob 
gezähnt; Nebenblätter klein, fast 3-eckig, braun, 
dünnhäutig. Die vielblumige Blüthendolde 
endständig, lang gestielt, mit grossen , ansehn- 
lichen , tief rosarothen Blumen. Kelch 5 aus- 
gebreitete, lanzeltliche Sepalen ; Blumen durch 
die grosse Ungleichheit der Petalen sehr aus- 
gezeichnet : die beiden oberen Petalen sehr 
gross, aufgerichtet, verkehrt herzförmig , wellig 
gerandet , mit 5 verzweigten , dunkelpurpurro- 
thenAdein geziert, die drei unteren sehr klein, 
rudimentär, kürzer als die Sepalen, länglich, 
stumpf und genagelt , so dass sie auf den er- 
sten Blick ganz zu fehlen scheinen. 

Wird wahrscheinlich ganz im Freien ge- 
deihen, sonst aber auch sehr schön zur Topf- 
cultur. Vermehrung durch Samen und Thei- 
lung des Wurzelstockes. (Taf. 4946.) 

10) Moricandia Ramburii, Webb. (Bras- 
sica moricandioides Boiss. Cruciferae. — Webb 
und nach ihm auchBoissier fanden diese nied- 



liche ausdauernde Staude in den Bergen von 
Granada (Spanien) in einer snpramarinen Höhe 
von 2 — 3000 Fuss , gewöhnlich in Felsspal- 
ten wachsend. Sie steht der M. avensis L. 
sehr nahe , ist dennoch hinlänglich verschie- 
den, besonders durch die längeren und brei- 
teren Schoten, die nur eine Reihe Samen ent- 
halten, und jeder Samen doppelt so gross 
als bei der M. arvensis. Stengel 1 — 2 Fuss 
hoch, verzweigt, unten verholzend. Blätter 
graugrün, die unteren die grössten, breit ver- 
kehrt- eirund , gestielt, die Stengelblätter neh- 
men allmählig an Grösse ab und sind sitzend, die 
obersten werden klein und herzförmig-stengel- 
umfassend, alle sind kurz gespitzt. Die lilaro- 
then Blumen in langer, reichblüthiger Traube. 
Vermehrung durch Samen. (Taf. 4947.) 

11) Galypeamacrophylla St. HU. (Erythro- 
chilon macrophyllum Hort.) Rutaceae. Eine 
brasilianische Pflanze, in den Warmhäusern 
grösserer Gärten schon zu finden, und weni- 
ger wegen ihrer Blumen , als ihres schönen, 
grossen Laubes und stattlichen Wuchses we- 
gen zu empfehlen. Der gerade , meist unver- 
zweigte schlanke Stamm trägt am Gipfel pal- 
menähnlich die Blattkrone. Blätter elliptisch 
oder elliptisch-länglich, bis 1 Fuss lang, stumpf, 
fast lederartig , am Grunde abgerundet , kahl, 
unterhalb durch sehr kleine braune Drüsen 
fein punklirl ; Blattstiel lang , stielrund , am 
Grunde und an der Spitze , wo das Blatt ein- 
gelenkt ist, angeschwollen. Blüthensliele ober- 
winkelständig, seitlich, aufrecht, länger als die 
Blätter, die hellröthlichen oder weissen Blu- 
men zu 2 — 3 zusammengestellt, in einer un- 
terbrochenen Traube. Staubgefässe 7 , von 
denen meistens nur 2 fruchtbar und in der 
Kronröhre eingeschlossen , die andern aber, 
pfriemenförmig verlängert, weit hervorstehen. 

Vermehrung durch Abschneiden der Köpfe, 
die in sandige Erde in kleine Töpfe gesteckt, 
bei einer guten Bodenwärme und unter Glas- 
glocken geschlossen gehalten , ziemlich leicht 
sich bewurzeln. (Taf. 4948.) 

12) Hypericum oblongifolium Choisy. Hy- 
pericineae. — Ein wahrhaft schöner, aus- 
dauernder (in England wenigstens , hoffentlich 
aber auch bei uns), Strauch mit immergrünen 
Blättern und grossen, ansehnlichen goldgelben 
Blumen , im nördlichen Indien, im Nepal und 



II. Neue Zierpflanzen. 



183 



Himalaya in einer Höhe von 6—12000 Fuss 
einheimisch. Durch William Lobb eingeführt 
und bis jetzt im Alleinbesitz der Herren Veilch 
und Sohn, wird aber hoffentlich bald seinen 
Weg in jeden Garten finden, wo er im Vor- 
grunde von Gesträuchparlhieen seinen passend- 
sten Platz erhalten wird. — Reichblühende, 
schöne neue Sträucher sind immer selten und 
daher doppelt willkommen, denn es sind Pflan- 
zen „for the million" wie die Engländer sagen, 
auch in den kleinsten Gärtchen bürgern sie 
sich ein, überall finden sie freudige Aufnahme ! — 
Diese neue Art von Johannisstrauch bildet ei- 
nen niedrigen , ziemlich dichten Busch mit 
rolhbraunen holzigen Zweigen. Blätter 2 — 4 
Zoll lang, immergrün, eirund oder fast läng- 
lich, sitzend, stumpf, fein durchscheinend-punk- 
tirt, oberhalb dunkelgrün, unterhalb blaugrün. 
Doldentrauben gross und endständig, 2 — 3ga- 
belig verzweigt, mit kleinen Blättern an den 
Verzweigungen. Kelch mit 5 verkehrt-eirun- 
den, coneaven, am Grunde verwachsenen Se- 
palen, am Rande fein gezähnelt. Die Blumen 
haben fast die Grösse und Gestalt einer gelben, 
einfachen Kose; Petalen fast abgerundet, mehr 
oder minder ungleichseitig, am Rande fein 
gezähnelt; Staubfäden sehr zahlreich, 5-brü- 
derig, Griffel 5 frei, an der Spitze übergebo- 
gen. (Taf. 4949.) 

13) Agave striata Zucc. Amaryllideae. 
Der Garten in Kew erhielt diese Art von Real 
del Monte in Mexico. Sic ist ohne Zweifel 
der A. geminiflora Gawl. , unter dem falschen 
Namen Bonapartea juncea in den Gärten all- 
gemein verbreitet, nahe verwandt, aber den- 
noch ganz varschieden. Habitus ganz wie 
bei der genannten Art; Blätter 2 — 2 1 jz Fuss 
lang, aus breiter Basis linealisch, sehr starr, 
in eine braune hornige, scharf stechende Spitze 
auslaufend, graugrün, mit ziemlich dicht ge- 
stellten parallelen Linien gezeichnet und der 
Rand durch . sehr feine Sägezähne schärflich 
anzufühlen; die Blätter derA. geminiflora sind 
dagegen bekanntlich ungestreift, glatlrandigund 
viel weicher und schlaffer. Der centrale Blü- 
thenschaft wird 4—6 Fuss hoch und endet in 
einer langen Aehre sehr dicht gestelller Blü- 
then. Unterhalb derBlüthcnähre ist der Schaft 
mit zahlreichen abstehenden , langen fadenför- 
migen oder pfriemlichen Schuppen besetzl; 



diese sind Deckblätter, ohne Blülhen; denn in 
der Aehre finden wir diese Deckblätter wie- 
der, nur kürzer und grün gefärbt. Die kleinen, 
grünlich gelben Blumen sind paarweise gestellt 
und sitzend. (Taf. 4950.) 

14) Pachyphytum bracteosum Klotsch. 
Unter den jetzt so sehr vernachlässigten Fett- 
pflanzen eine der auffallendsten und interes- 
santesten , von Mexico stammend und mit 
Echeveria zunächst verwandt. Bildet eine 
fast strauchige, sehr dickfleischige, ganz hell 
blaugrüne Pflanze, der kurze dicke Stamm mit 
den runden Narben der abgefallenen Blätter 
gezeichnet; die breiten, fleischigen, dicken 
Blätter verkehrt eiiund , stumpf gespitzt , oben 
leicht concav, unten convex, in Rosetten ge- 
stellt. Blüthenstiele seitlich, aufrecht, ein Fuss 
oder mehr lang, mit einzelnen kleinen Blättern 
besetzt. Blüthen in einer einseitswendigen, 
circa 6 Zoll langen, übergebogenen Aehre, 
die sich beim Abblühen aufrichtet. Bracteen 
breit, herzförmig, dickfleischig, dachziegelig 
gestellt, am Grunde pfeilförmig. Der fast zoll- 
lange, glockige Kelch in 5 eirund -längliche 
dickfleischige , blaugrüne ungleiche Segmente 
tief eingeschnitten. Krone 5-blätterig, Petalen 
aufrecht , abstehend , länglich , gespitzt: der 
breite Nagel in zwei stumpfe gelbe Oehrchen 
endend, die Platte schön hochroth. 

(Taf. 4951.) 

b) Abgebildet in Belgique horticole. 

15) Oncidium Z>imminghel Ed. Morren. 
Diese niedliche neue Art blühte zum ersten 
Male im August 1855 im botanischen Garten 
zu Lüttich, sie stammt wahrscheinlich von Ca-» 
raccas. Dr. Lindley , dem sie eingeschickt 
wurde, erkannte sie ebenfalls für neu, und 
lässt sie mit dem zunächst verwandten 0. Pa- 
pilio eine eigne Seclion bilden , die er Glan- 
duligera nennt, weil sie an der Griffelsäule 
kammförmige, drüsentragende Anhängsel oder 
Oehrchen haben. Rhizom kriechend, auf nack- 
tem Holze wachsend, mit dicht und zweizeilig 
gestelllen, länglichen, flach gedrückten, runz- 
ligen , einblättrigen , kleinen Scheinknollen. 
Blätter 1 — l l j 2 Zoll lang, eiförmig-länglich, 
stumpf, mit kleinem Mucro, schärfllich anzu- 
fühlen , rothbraun marmorirl, Blülhenschaft 
dünn, etwa 6 Zoll hoch ,1—3 blüthig. Se- 



184 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



palen , die oberen mit den Petalen gleich an 
Form , Grösse und Färbung , eirund , stumpf, 
leicht wellig gerandet, auf gelblich grünem 
Grunde breit braun gefleckt, die beiden seitli- 
chen Sepalen bedeutend kleiner und matter 
gefärbt. Lippe gross, goldgelb mit rolh ge- 
fleckt; Seitenlappen gross, abgerundet, der mitt- 
lere verlängert, nieren-verkehrt -herzförmig. — 
Cultur auf nacktem Holzklotze aufgehängt im 
feuchten Warm- oder Orchideenhause, 
c) Abgebildet in Flore des Serres. 

16) Dircaea bulbosa ß lateritia subalba 
Bort. — Gesneriaceae. Eine bereits längere 
Zeit gekannte aber verhällnissmässig seltene 
Abart, deren Blumen eine eigenlhümliche und 
zarte Färbung , ein helles Lachsrosa , fast ins 
Incarnat spielend , zeigen. Sie unterscheidet 
sich von der Varietät lateritia durch d/e et- 
was hellere Färbung und durch den aufrech- 
ten Blüthenstand. (Taf. 1122.) 

17) Trickosacme lanata Zucc. Asclepia- 
deae. — Ein zarter kletternder Strauch, mit 
Ausnahme der Korolle , an allen Theilen in 
eine dichte , weisse , flockige Wolle gehüllt ; 
Blätter oval-herzförmig, stumpflich oder gespitzt. 
Blüthen in doldigen Köpfchen; der Blumenstiel 
bogenförmig gekrümmt ; die kleinen Blumen 
sind schwarz-violett , mit hellerem Auge , der 
flachausgebreitete, sternförmige Saumaus 5 ova- 
len Lappen bestehend , die an der Spitze ein 
fadenförmiges, fein braunviolett behaartes An- 
hängsel tragen. Diese leichten , federartigen 
Anhängsel verleihen dem Blülhenköpfchen ei- 
nen besonderen Schmuck und lassen die Gat- 
tung Trichosacme leicht erkennen. Analoge 
Bildungen scheinen unter den Asclepiadeen 
nicht vorzukommen, dagegen finden wir sie 
unter den Cucurbitaceen bei Trichosanthes und 
ganz besonders entwickelt bei der Hodgsonia 
heteroclita ; unter den Apocyneen bietet der 
Strophanthus dichotomus ähnliche fadenförmige 
Anhängsel. Eine sehr interessante Pflanze, 
wahrscheinlich aus Mexiko stammend und 
schwer zu eulliviren , da sie sehr empfindlich 
gegen Feuchtigkeit und die kurzen , trüben 
Wintertage ist. — (Wir sahen sie vor etwa 
6 Jahren bei Van Houlle in Blülhe, er besass 
nur ein einziges Exemplar, ein zweites befand 
sich damals in der Knight'schen Gärtnerei in 
Chelsea, in beiden Gärten ging sie zurück und 



es ist sehr fraglich , ob sie heute noch ir- 
gendwo lebend existirl, ausser im Vaterlahde, 
von wo sie hoffentlich bald wieder einwandern 
wird. — (Taf. 1123.) 

18) Tecoma grandiflora Delaunay. (Big- 
nonia grandiflora Thunb.) Bignoniaceae. — 
Nahe verwandt mit der bekannten , schönen 
Bignonia radicans , aber noch weit schöner ; 
denn die Blumen sind von doppelter Grösse 
und lebhafter, leuchtend orangeroth mit gelb 
gefärbt. Stammt von Japan und China , wäh- 
rend B. radicans in Nordamerika häufig ist und 
daher unsern Winter besser erträgt , woher es 
auch kommt, dass die prächtige B. grandiflora, 
obgleich seit Anfang dieses Jahrhunderts ein- 
geführt, noch so selten in grossen, blühenden 
Exemplaren in den Gärten vorkommt. B. gran- 
diflora unterscheidet sich am leichtesten durch 
den Blüthenstand , in einer lockeren weitläufi- 
gen Rispe . durch die langgestielten Blumen, 
den kantigen Kelch und die grössere, weite, 
fast glockenförmige Kronenröhre , während B. 
radicans einen dichtgedrängten Blüthenstand, 
kurzgestielle Blumen, einen runden Kelch und 
fast walzige Kronenröhren besitzt. Die B- 
grandiflora verlangt einen sehr warmen , son- 
nigen Standort an geschützter Lage, wie an 
Gebäuden oder Mauern und kann durch Ab- 
legen , durch Wurzelstecklinge oder durch 
Propfen auf B. radicans vermehrt werden. 

(Taf. 1124—25.) 
19) Sonerila margaritacea JLindl. Mela- 
stomaceae. — Wir bitten, die Beschreibung 
dieser schönen Pflanze auf S. 100 und 101 
im Jahrgange 1855 nach zu lesen. Die Cultur 
betreffend, bemerkt VanHouüe, dass es nolh- 
wendig sei zu ihrer üppigen Entwicklung , sie 
ähnlich wie die Anoectochilus-Arlen zu behan- 
deln, und mit einer Glasglocke zu bedecken, 
die etwas gelüftet wird. Man pflanzt sie in 
eine sandige Lauberde, mit starker Scherben- 
unterlage und vermehrt sie durch Stecklinge, 
die in einem guten Warmbeete bei massiger 
Feuchtigkeit leicht anwurzeln, oder auch durch 
Samen. (Taf. 1126.) 

20) Limnanthemum Humboldtianum Gri- 
seb. (Menyanthes indica Aubl. , Villarsia Hum- 
boldliana Kunth.) Gentianeae. — Eine im 
südlichen Amerika sehr weil verbreitete Was- 
serpflanze , die von Mexiko bis hinunter nach 













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II. Neue Zierpflanzen. 



185 



Montevideo die langsam fliessenden Gewässer 
ziert , aber erst ganz neuerdings durch Herrn 
Moore, Director des botanischen Gartens in 
Glasnevin bei Dublin, lebend eingeführt wurde. 
Referent fand sie daselbst auf einer Geschäfts- 
reise im Sommer 1854 im Bassin des dorti- 
gen Vietoriahauses, zugleich mit einigen ande- 
ren für unsere Aquarien neuen Einführungen 
(Nymphaea Amazonum und N. ampla) und 
Herr Moore hatte die Güte, dem Van Houtte'- 
schen Etablissement davon abzutreten, von wo 
aus die continenlalen Gärten sie erhielten. — 
DasLimnanthemum Humboldlianum hat in der 
Art des Wachsthums grosse Aehnlichkeit mit 
der bekannten grossgelb blühenden Limnocha- 
ris Humboldtii; die Blumen sind allerdings be- 
deutend kleiner, aber nicht minder schön in 
ihrer Art: rein weiss mit tief gelbem Centrum 
und am Rande sehr fein fiederig zerschlitzt, 
sehr zart und zierlich. Blätter herzförmig- 
kreisrund von langen Blattstielen getragen ; 
die Blattstiele zeigen, wenn sie völlig ausge- 
bildet sind , an ihrem oberen Theile eine An- 
schwellung, aus der 10 — 12 lang gestielte Blu- 
men nach einander hervortreten und zu glei- 
cher Zeit entwickelt sich an der gleichen Stelle 
eine Knospe, die rasch Wurzeln und Blätter 
treibt und bald, obgleich noch immer mit der 
Mutterpflanze verbunden, als ganz selbslständiges 
Gebilde Blüthen und neue Pflanzen erzeugt, 
so dass eine einzige Pflanze unter günstigen 
Umständen in sehr kurzer Zeit eine grosse 
Wasserfläche mit ihrem safliggrünen Laube voll- 
kommen bedeckt. Für Aquarien sehr em- 
pfehlenswerth. (Taf. 1128.) 

21) Lonicera sempervirens speciosa, Carriere. 
(L. Magnevillei Hort, belg.) Lonicereae. — 
Eine sehr reichblühende Schlingpflanze mit 
dünnen, kahlen Zweigen ; Biälter kahl, breit 
oval, am Grunde verwachsen, an der Spitze 
verschmälert , oberhalb glänzend grün , unter- 
halb stark blaugrün. — Die schönen, hoch- 
rothen, innen orangefarbenen Blumen stehen in 
reichblumigen, kurzen, ährenförmigen Trauben. 
Die Korollenröhre lang, nach oben zu allmälig er- 
weitert; Saum fast regelmässig aus 5 fast gleichen, 
wenig geöffneten Zipfeln bestehend. — - Nicht 
zu verwechseln mit der Lonicera Magnevillea 
der französischen Handelsgärtner, die Herr 
Carriere als Varietät zu L. Caprifolium (L. 



Caprifolium pauciflorum Carr.) zieht , und die 
nichts gemein hat mit der vorliegenden Art. 
Die Blumen dieser Abart sind sehr wohlrie- 
chend, weisslich mit violett gestreift und ver- 
waschen und beim Abblühen hell gelb wer- 
dend ; sie sind unregelmässig rachenförmig, 
tief gespalten; die untere Lippe schmal, zurück- 
geschlagen, die obere gross, 4-spaltig. — 

(Taf. 1129.) 
i 22) Larix Kaempferi Carr. (Abies Kaem- 
pferi Lindl.) Coniferae. — Diese kürzlich ein- 
geführte Species wurde von Dr. Lindley als 
Abies-Art beschrieben, gehört aber nach Herrn 
Carriere, dem Verfasser eines vortrefflichen 
Werkes über die Coniferen*), zu den wahren 
Lerchentannen. Er sagt von dieser neuen 
Art, dass sie auf den ersten Blick allerdings 
Aehnlichkeit hat mit einigen Abies-Arten, je- 
doch sich schon durch die allgemeinen Cha- 
raktere des Wachsthums unterscheidet. Die 
Zweige sind alternirend oder zerstreut, ausge- 
breitet und oft zurückgeneigt ; die Rinde an 
ausgewachsenen Zweigen ist violettgrau, an 
jungen Trieben blaugrün und kahl. Blätter 
l x /i — 2 Zoll lang, l'/i — 1 Linie breit , dünn, 
weich, flach , von einer vorspringenden Mit- 
telrippe durchzogen , grün oben und unterhalb 
heller bläulichgrün, zugespitzt. Die Blätter der 
kleinen Aestchen stehen in Bündeln und sind 
gewöhnlich kürzer als die. der Endtriebe , die 
wechselständig oder zerstreut stehen. 

23) Pinus sylvestris fastigiata Carr. Eine 
Abart der gemeinen Föhre, die sich durch die 
dünnen , grade aufgerichteten Acste und den 
dadurch bedingten schlanken , pyramidalen 
Wuchs sehr auszeichnet. Wurde vor Kur- 
zem in der Gehölzschule im Boulogner Hölz- 
chen bei Paris unter einer Anpflanzung von 
P. sylvestris gefunden und hatte bei 12 Fuss 
Höhe kaum anderthalb Fuss Durchmesser, 
so gedrängt aufrecht stehen die Zweige. (E.O.) 

d) Orchideen, abgebildet in Xenia 
Orchidacea von Reichenbach fil. 

24) CattleyaWarsceiviczii lichb.fil. (Taf. 31). 
Durch Warscewiczin Neu-Granadain einer See- 
höhe von 6 — 8000 Fuss gesammelt und lebend 

*) Traue des Coniferes , par M. Carriere, 
Chef des Pepinieres au Mus. d'hist. nalur. de 
Paris. 



186 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



eingeführt. Eine wahre Prachtpflanze. Schein- 
knollen walzenförmig, ungefähr so lang als das 
spilzen-ständige, länglich-bandförmige Blatt. Die 
Blume hat nahe an 5 Zoll im Durchmesser, ist 
weiss helllila, mit purpur himmelblau überhauch- 
ter Lippe, an derem'Grunde ein 2 lappiger scharf 
begränzter Goldfleck, von dem einige Goldli- 
nien verlaufen. Sepalen keil-lanzettförmig, Pe- 
talen aus keilförmigem Grunde oval-rhom- 
boidisch. Lippe nach vorn verkehrt- herzför- 
mig, wellig. Die Pflanze ist würdig, den Namen 
unseres unermüdlichen Freundes zu tragen. 

25) Brassia Gireoudiana Rclib. fil. (Taf. 
32). Schon erwähnt. Eine ausgezeichnete Art, 
mit sehr grossen Blumen (9 — 10 Zoll im 
Durchmesser), deren Hüllblätter sehr lang und 
schmal, die wie die aus schmälerem Grunde 
stumpf 3-seitige Lippe auf goldgelbem Grunde 
rolhbraun gezeichnet. Aus Costa Rica. 

26) Oncidium Kramerianum Rchb, fil. 
(Taf. 33). Schon erwähnt. Sehr schön. Beide 
Pflanzen sind bekannten tüchligenCultivaloren 
gewidmet, die der Gartenwelt wohl bekannt. — 

27) Aspasia lunata Lindl. (Taf. 34). Eine 
Uebersicht der Gattung zeigt 6 Arten. Die A. 
lunata ward aus Brasilien eingeführt und von 
Lindley im Bot. Reg. und in Paxt. Flow. Gar- 
den I. beschrieben. Blumen zu 1 — 2 spitzen- 
ständig, grün, braunroth gefleckt; Lippe weiss, 
gelblich und blaugrün nuancirt und ein aus 
bläulichen Flecken bestehendes Querband. — 
In den Gärten in mehreren Formen verbreitet. 

28) Benanthera matutina Lindl. und R. 
micrantha Bl. (Taf. 35). Eine Uebersicht der 
Arten der Gattung Renanthera zeigt 11 Arten. 
Der R. matutina gedachten wir schon, und 
die andere Art ist noch nicht in Cullur. 

29) Oncidium reflexum Lindl. w. 0. cae- 
sium Bchb. fil- — Der Verf. unterscheidet 
hier diese beiden Arten. Wir haben schon be- 
merkt, dass im hiesigen Garten eine Miltelform 
blühete, weshalb beide wohl wieder vereinigt 
werden müssen. 

30) Epldendron frutex Bchb. M. (Taf. 
37). Aus den Gebirgen Mittelamerika's. Dem 
E. frigidum nahe verwandt und noch nicht in 
Cultur. — 

31) Ccntropetalnm Jf'arsccwiczii Rchb. 
fil. (Peru. Stengel mit linearen Blättern 2reihig 
besetzt). Nasonia conanthera Rchb. fil. (Peru). 



N. Myrtillus Rchb. fil. (Pasto). Alle auf Ta- 
fel 38 und noch nicht in Cultur. 

32) Lockhartia (Taf. 39, 40). Eine Ueber- 
sicht der Gattung Lockhartia zeigt 10 Arten. 
Als neu sind abgebildet : L. pallida Rchb. fil. 
(Columbien, in Cultur). L. goyazensis Bchb. 
fil. (Goyaz. Nicht in Cultur). L. lunifera Bchb. 
fil. (Brasilien, in Cullur). L. ffeigelti Rchb. 
fil. (Surinam. Nicht in Cultur). L. partheno- 
comos Rchb. fil. (Caracas , in Cultur). L. Oer- 
stedtii Rchb. fil. (Costa Rica, nicht in Cultur). 
L. micrantha Bchb. fil. (Veragua, nicht in 
Cultur). L. mirabilis Bchb. fil. (Chiriqui, nicht 
in Cultur). Die dicht aufliegenden zweizeiligen 
reitenden Blätter und die kleinen gelben Blu- 
men characlerisiren die Lockhartien leicht. Sie 
haben unter einander grosse Aehnlichkeit und 
gehen in den Gärten gemeiniglich als Feman- 
dezia. — 

33) Colax jugosus Lindl. (Taf. 41.) (Ma- 
xillaria jugosa Lindl.). Eine noch seltene, wenn 
gleich schon lange in Cultur befindliche Or- 
chidee, von der Tracht einer Warscewicziella. 
Die zierlichen grossen Blumen sind grünlich und 
die Petalen mit lasurblauen Punkten. Blühete 
bei Senator Jenisch in Hamburg. 

34) Sobralia Ruckeri Lind, et Rchb. fil- / 
(Taf. 42). Aus einer Seehöhe von 5—6000 Fuss 
vom Hrn. Linden aus der Provinz Ocana ein- 
geführt und ein schönes Seitenslück zu den 
andern Sobralien. Erdorchidee mit kräftigem 
Stengel, länglichen zugespitzten festen Blättern. 
Der fast 1 Fuss lange Blüthensliel ist knieför- 
mig hin und her gebogen und entwickelt die 
grossen purpurfarbnen Blumen aus der Achsel 
kurzer spitzer Deckblätter. Lippe rautig fächer- 
förmig, vorn kraus gelappt. 

35) Stanhopea ecornuta L. fil. (Taf. 43). 
Der Verf. zieht jetzt die Gattung Slanhopeas- 
trum wieder ein und vereinigt diese eigen- 
thümliche Art, wo die schuhförmige Lippe nur 
aus einem Stücke besteht, und keine Hörner 
trägt, mit Stanhopea. Lippe weisslich, mit gelb- 
licher Unterlippe. Eine Bearbeitung aller be- 
kannten Arten der Gattung Stanhopea schliesst 
den einlässlichen Artikel. Von Warscewicz 
entdeckte diese in deutschen Gärten nun ver- 
breitete, höchst interessante Pflanze in der 
Nähe von Guatemala. Lindley hatte sie für 



II. Neue Zierpflanzen. 



187 



eine Monstrosität erklärt, dem wiederspricht 
Reichenbach aufs Bestimmteste. 

36) Selenipedium Schlimii Rchb. fil. (Taf. 
44). Schon erwähnt. 

37) Brassia Keiliana Rchb. fil. (Taf. 45.) 
nebst der Var. tristis, einer Form mit grün 
und braun gefärbten Blumen. Schon erwähnt. 

38) Coelogyne Thuniana Rchb. fll. (Taf. 
46). Schon erwähnt. 

39) Miltonia Regnelli Rehb. fil. (Tafel 
47). Aus Brasilien eingeführt. — Schöne Art 
mit länglichen zweischneidigen Scheinknollen 
und linear- bandförmigen, an der Spitze ge- 
meiniglich ungleichen Blättern. Blüthenschafl 
achselständig, länger als Blätter und gemeinig- 
lich dreiblumig, Bracteen sehr kurz. Blume 
2 Zoll im Durchmesser mit abstehenden Blät- 
tern. Sepalen länglich-lanzettlich, die seitlichen 
unter sich und mit dem Lippengrunde wenig 
verwachsen. Petalen verwachsen , länglich, 
spitz , wie die Sepalen weiss. Lippe keilför- 
mig, verkehrt-geigenförmig, vorn ausgerandet 
mit zwischengestelltem Spitzchen , und von 
auseinandertrelenden erhabenen Längsvenen 
durchzogen, blau-purpur. Es ist ebenfalls 
Uebersicht und Beschreibung aller bekannten 
Millonien beigegeben. 

40) Epidendrum pentadaetylvm Rchb. fil. 
und E. Fieji Rchb. fil. (Taf. 48) Zwei neue 
nicht in Cultur befindliche mit Stengeln ver- 
sehene Arten. 

41) Lepanthes otostalix Rchb. fil. L. 
cyanoptera Rchb. fil. L. capitanea Rchb. fil. 
h. ruseifolia Rchb. fil. L. erinacea Rchb. fil. 
(Taf. 49). Ausser der Beschreibung dieser 5 
neuen kleinblumigen, in der Tracht Pleuro- 
thallis verwandten Arten ist eine höxhst ver- 
dankenswerthe Uebersicht und Beschreibung 
aller Arten dieser Gattung gegeben, deren 
Zahl sich bereits auf 35 beläuft. Tafel 50 giebt 
ferner die Abbildungen von L. Schiedei Rchb. 
fil. L. avis Rchb. fil. L. Lindleyana Oerstedt. 
L. Pristidis Rchb. fil. L. Turialvae Rchb. fil. 
L. aquila Borussiae Rchb. fil. L. andrenoglossa 
Rchb. fil. und L. Wageneri Rchb. fil. 

42) Epidendrum Friderici Guilelmi Rchb. 
fil. (Taf.- 51). Eine Prachtpflanze, die Wars- 
eewiez bei 6—8000' überm Meer in Peru ent- 
deckte. Mit E. sinuosum zunächst verwandt. 
Blätter keilförmig verkehrt- oval , stumpf. Die 



Blumen bilden auf der Spitze eines kräftigen 
Stengels eine reichblumige mächtige Traube, 
deren Spindel wie Blumen lebhaft karmoisin- 
roth gefärbt sind. Sepalen bandförmig spitz. 
Petalen linear, zugespitzt. Lippe 3 lappig, mit 
abgerundeten Seitenlappen und zugespitztem 
Mittellappen. — Ist in England in Cullur. 

43) Epidendrum Humboldti Rchb. fil. 
(Taf. 52). Eine Prachtpflanze, werlh des Man- 
nes, dem sie gewidmet. Von Wagner aus Co- 
lumbien eingeführte Exemplare finden sich im 
Garten des Herrn Keferslein. Dem E. atropur- 
pureum W. verwandt. Scheinknollen stehen 
auf einem dicken Stengel, sind zylindrisch- 
conisch, und tragen 2 — 3 Blätter. Blätter keil- 
förmig-länglich. Die grosse Blüthenrispe spitzen- 
ständig. Die herrlichen Blumen ähneln in der 
Färbung einer Laelia pumila und halten 2^2 
Zoll im Durchmesser. Sepalen länglich, nach 
oben verdünnt. Blumenblätter keilförmig-oval, 
in der Mitte breiter, wie die Sepalen schön 
karminonrolh. Lippe mit der Säule bis zur 
Mitte verwachsen, 3 lappig, mit kleinen drei- 
eckigen Seitenlappen und grossen im Quer- 
durchmesser ovalen Mittellappen, der gezähnelt 
und köstlich dunkel karminpurpur; am Grunde 
7 nach vorn gesägte Leisten. — 

44) Epidendrum Pseudepidendrum Rchb. 
fil. (Taf. 53). Von Warscewiez an Bäumen 
am Chiriqui- Vulkan entdeckt [und noch nicht 
in Cultur. Reichenbach zieht die von ihm 
früher aus dieser Praehtpflanze gebildete Gat- 
tung Pseudepidendrum (speetabile) wieder ein. 
Ebenfalls eine Pflanze mit beblättertem Sten- 
gel. Blumen spitzensländig, gross, grün, mit fä- 
cherförmig ausgebreiteter scharlachrother Lippe- 

45) Miltonia Candida Lindl. T r ar. Jeni- 
schiana Rchb. fil. (Taf. 54). In Cullur bei 
Jenisch in Hamburg. Blumen noch einmal so 
gross als die der gewöhnlichen Form, 4 , ;'j Zoll 
im Durchmesser, hellgelb und dunkel braun- 
roth gross gefleckt, oder Flecken zusammen- 
laufend. Lippe weiss. 

46) Chrysocycnis Schlimii Linden Rchb. 
fil. Taf. 55. Neue von Linden in Ocana ent- 
deckte Gattung, die mit Trigonidium zunächst 
verwandt. Unterscheidet sich von letzterer 
durch eine fleischige, schmal bandförmige, 
Lippe, mit spitzem eingebogenem Vorderslück, 
das am Grunde beiderseits ein gerundetes 



188 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



Oehrchen trägt. — Ein aufrechter Stengel der 
zweischneidige ovale Scheinknollen, Scheiden 
und grosse länglich - ovale zugespitzte Blätter 
und achselständige ockergelbe , l 3 /i Zoll im 
Durchmesser haltende, braun punktirte Blumen 
trägt. Wird durch Linden wohl bald in Cul- 
lur kommen. 

47) Epidendrum varicosum Batem. (Taf. 
56.) (E. leiobulbon Hook. E. quadratum Kl. 
E. Lunaeanum A. Rieh.) Zur Abtheilung En- 
cyclium gehörig. Die flaschenförmigen Schein- 
knollen tragen linien- bandförmige Blätter. Die 
mitlelgrossen zimmetbräunlichen Blumen mit 
gelblicher Lippe stehen in spitzenständiger 
Traube. Aus Mexiko und Guatemala in Cul- 
tur eingeführt. 

48) Epidendrum phymatoglossum Rchb. 
fil. u. E. ckiriquense Rchb. fll. (Taf. 57). Beide 

aus der Abtheilung Ecyclium und noch nicht 
in Cultur, das erstere aus Mexiko, das zweite 
vom Chiriqui Vulkan. Ohne besondere Schön- 
heit. — 

49) Pachyphyllum Pasti Rchb. fil. P. 
distichum H. B R. P. Serra Rchb. fil. (Taf. 
58). Vier neue Arten der sonderbaren, früher 
mit Maxiilaria vereinigten Gattung Pachyphyl- 
lum, mit dicht zweizeilig beblätterten Stengeln. 
Alle aus Amerika und nicht in Cultur. 

50) Hexadesmia crurigera Lindl. H. ste- 
nopetala Rchb. fll. H. micrantha Lindl. (Taf. 
59), Drei kleinblumige Orchideen Centralamc- 
rika's, die noch nicht in Cultur sind. 

51) Restrepia Lansbergii Rchb. fil. R_ 
crythroxantha Rchb- fil. R. Wageneri Rchb. 
(Taf. 60). Drei neue Restrepien aus Colum- 
bien, von denen nur die erstere in Cultur ist. 
Das oberste Sepalum der letzteren , ist nebst 
den Petalen carmoisin, das unterste Sepalum 
weiss mit carmoisinfarbenen Fleckchen. Lippe 
gelb mit purpur Flecken. 

52) Pleurothallis perpusilla Rchb. fil. 
(Panama). P. xiphochila Rchb. fil. (Merida). 
PI. crassifolia Rchb. fil. (Mexico). Stelis Por- 
pax Rchb. fil (Caracas). Alle auf Tafel 60. 
Kleinblumige Orchideen, von denen nur die 
vorletzte in Cultur. 

53) Laclia purpurata Lindl. Var. prae- 
texta. (Taf. 61). Eine Abart dieser herrlichen 
bereits erwähnten Orchidee mit an der Spitze 
weisser Lippe. 



54) Selenipedium Boissierianum Rchb. fil. 
(Taf. 62). Es ist dies das Cypripedium gran- 
diflorum Pav. Eine prächtige Pflanze mit gros- 
sen Blumen, weissen grün geäderten Sepalen 
und roth grün und gelb nuancirten Petalen 
und Lippe. 

55) Odontoglossum Hallii Lindl. (Taf. 63). 
Eine schöne ansehnliche Pflanze aus Lima, 
mit grossen gelben braun gefleckten Blumen 
und weisser braun gefleckter Lippe. Noch 
nicht in Cultur. 

56) Oncidium micropogon Rchb. fil. (Taf. 
63). Von uns schon abgebildet. 

57) Oncidium) Pardalis Rchb. fil. (Taf. 
63). Kleinblüthige Art, mit hellgelben braun 
punktirlen Blumen. Aus La Guayra. Bei Hr. 
Keferstein in Cröllwitz in Cultur. 

58) Lycomormium squalidum Rchb. fil. 
(Taf. 64). Schon erwähnt. Lindley nahm die 
Gattung nicht an. Von Endlicher zu Anguloa 
gezogen, in den Gärten als Peristeria fuscata 
gehend. 

59) Pescatorea cerina Rchb. fil. (Taf. 65). 
Tracht der Warscewicziellen. Grosse weisse 
3 Zoll im Durchmesser haltende Blume. Lippe 
goldgelb , mit violettem (nach der Abbildung, 
die Beschreibung nennt die Lippe goldgelb) 
der Länge nach gefurchtem Vorderlappen. 
Eine von Warscewicz auf dem Chiriqui Vul- 
kan bei 8 — 10,000 Fuss Seehöhe entdeckte 
und lebend eingeführte Prachlpflanze. 

60) Batemania Meleagris Rchb. fil. (Taf. 
66). (Hunlleya Meleagris Lindl.). Ein zwei- 
zeilig mit zungenföimig spitzen Blättern be- 
setzter Stengel. Grosse achselständige Blume, 
die innerhalb glänzend bräunlich-kaslanienfar- 
big mit 2 gelben Flecken in der Mitte der 
Petalen. Die rhomboidische Lippe und Säule 
weiss. — Obgleich schon lange aus Brasilien 
eingeführt, dennoch in Cultur sehr selten. Auf 
dem Conlinent wohl nur bei Senator Jenisch 
und Consul Schiller. 

61) Odontoglossum Oerstedii Rchb. fil. 
(St. Juan). Odontoglossum myrianthum Rchb. 
fil. (Peru) (Taf. 68). Zwei nicht in Cultur 
befindliche Arten. 

62) Oncidium Boothianum Rchb. fil. (Taf. 
68). Aus Caracas von Karsten und Wagener 
eingeführt. Blumen 5 / 8 Zoll im Durchmesser 
in 2 Fuss langer Rispe, hochgelb und am 



II. Neue Zierpflanzen. 



169 



Grand der Sepalen braun. Ovale zusammen- 
gedrückte Scheinknollen. Bandförmige Bläüer. 
Sepalen länglich -keilförmig. Petalen wenig 
schmäler. Lippe am Grunde beiderseits mit 
abgerundeten ohrförmigen ' Lappen , nach vorn 
stark ausgebreitet. 

63) Oncidium cheirophorum Rchb. fil. (Taf. 
69). Durch Warscewicz bei 8000 Fuss auf 
dem Chiriqui-Vulkan entdeckt und lebend nach 
Europa gesendet. Eirunde zusammengedrückt- 
zweischneidige Scheinknollen. Lineal zungen- 
förmige Blätter. Blüthenrispe länger als Blät- 
ter. Blumen klein, dottergelb mit grünlich an- 
gehauchten Sepalen. Lippe 3 lappig, mit fast 
gleichen abgerundeten Lappen, von denen der 
vordere vorn ausgebuchtet und die seitlichen 
nach hinten gerichtet abstehen. 

64) 0. hntiglnosum RcTib. fil. (Taf. 70). 
Durch Wagener an Hrn. Keferstein aus Vene- 
zuela eingesendet. Blumen in Rispe oder 
Traube blassgelb , mit kleinen braunen Punk- 
ten, 1 Zoll im Durchmesser. (E. R.) 

e) Besehrieben in verschiedenen 
Gartens chriften. 
65) Acampe intermedia Rchb. fil ; Or- 
chideae. — Verwandt der A. multiflora; die 
Gestalt der Blumen gleicht der A. papulosa, 
die Blätter sind kürzer, -riemenförmig, an der 
Spitze gleichmässig zweilappig. Die Blüthen- 
traube kurz, doldenförmig. Lippe mit einer 
behaarten Furche zwischen den Seileniappen; 
der Mittellappen oval, spitz, höckerig. Die 
kleinen Blumen sind gelblich mit rothbraunen 
Binden. Lippe weiss mit rothen Fleckchen. 
Eine Mittelbildung zwischen den genannten 
Arten, die Bastardseher (!) für einen Bastard 
erklären würden. Blühele bei Consul Schiller. 
66) ^nthogonium gracile *lVall; Orchi- 
deae. Eine noch sehr seltne Pflanze, welche 
in der Gärtnerei des Hrn. G. Blass zu Elber- 
feld in diesem Jahre zum erstenmale in Eu- 
ropa blühete *). Die Blüthen erscheinen in 
schlaffen Trauben, sind schön purpur und so 

*) Wir werden bald Näheres über diesen 
ausgezeichneten Garten berichten. Besonders 
ausgezeichnet sind da die Baumfarren, die 
in jungen kräftigen Exemplaren zu verhältniss- 
mässig sehr niedrigen Preisen dort abgegeben 
werden. 



gross als die der Compareüia falcata. Steht 
nach Reichenbach's Ansicht der Coelogyne zu- 
nächst. Merkwürdig ist die Blumenbildung 
dadurch , dass die dünne Blüthe mit dem 
Fruchtknoten ein Knie bildet , sowie dass die 
Perigonalblälter in eine Röhre verwachsen sind. 

67) Pholidota crotalina Rchb. fil. Der 
Ph. imbricata zunächst verwandt. Blumenblät- 
ter aber lanzcltlich ; der Millellappen der Lippe 
herzförmig und abgerundet, an der Spitze mit 
kleiner Ausrandung. Die Griffelsäule gerandet, 
mit an der Spitze zweilappigem Flügel, wel- 
cher am Grunde wie an der Spitze breiler. Eine 
Traube ockergelber Blumen. Blühte bei Con- 
sul Schiller und ward von diesem aus Java 
eingeführt. 

68) Coelogyne viscosa Rchb. fil. Blühete 
bei Booth in Floltbeck und ward von diesem 
aus Ostindien eingeführt. Der C. flaeeida Lindl. 
verwandt und durch das linear- lanzeltliche 
Blatt verschieden, so wie durch die ausserhalb 
gekielten linearen zugespitzten Sepalen, wel- 
che wenig schmaler als die Petalen, durch die 
Lippe, deren Mittellappen halboval , spitz und 
kurz, und endlich durch den klebrigen Frucht- 
knoten. Blumen weiss. Seitenlappen der Lippe 
braun gestrichelt. 

69) Cleisostoma Cumingii Rehb. fil. (Sac- 
colabium Cumingii Hort). Eine Pflanze von 
Aussehen und Farbe der Renanthera elongata. 
Blumen honiggelb , Blülhenhüllbläller dunkel- 
braun eingefasst. Blumen zweimal so gross 
als die des Saccol. micranlhum. Der Sporn 
bildet einen stumpfen Sack. Blühete beim 
Consul Schiller. 

70) Cleisostoma JVendlandorum Rchb. fil. 
(Cl. callosum Rchb. in Bonpl. Pomatocalpa 
spicalum Kühl et Hasselt). Den Herren Wend- 
land in Herrenhausen gewidmet. 

71) aerides falcatum Lindl. (Aeridcs Lar- 
pentae Hort.). Steht dem Aerides crispum 
zunächst, während dieser aber im Grunde des 
Mittellappens 2 Buckel trägt, finden sich bei 
Aerides falcatum zwei eckige Vorsprünge, 
welche nach vorn in lange Kiele auslaufen. 
Mitlellappen der Lippe beiderseits stark nach 
unten umgeschlagen, die Seitenlappen schmä- 
ler als bei A. crispum. Blühet beim Herrn 
Schiller in Hamburg und Reichenheim in 
Berlin. 



190 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



72) Sarcanthus ornithorhynehus Rchb.fil. 
Eine neue Art, die bei Hrn. G. Blass in 
Elberfeld blühete. Blumen klein grün. Dem 
S. Walkeriae verwandt. Blatt bandförmig, an 
der Spitze unregelmässig zweizähnig. Rispe 
schlank. Sporn stumpf, kegelförmig. Seiten- 
lappen der Lippe zurückgedrüekt. Mittellappen 
dreieckig, eingeknickt. Schnabel vogelartig. 

73) Sarcanthus armeniacus Rchb. fil. Von 
Hrn. Schiller aus Sierra - Leone eingeführt. 
Blülhentraube zurückgekrümmt , dichlblumig, 
Blatt bandförmig, stumpf zweizähnig. Sporn 
eingekrümmt, niedergedrückt, an der Spitze 
ausgebreitet, zurückgedrückt ausgerandet, an 
der Spitze verbreitert und ausgerandet. Die 
hintern Lappen der Lippe 3seitig, aufrecht, 
mit fast dreiseiligem Mitlellappen, oberhalb der 
lanzettförmigen Scheibe mit einem 2 hörnigen 
Kiel gedeckt. 

74) Sarcanthus pugioniformis Bchb. fil. 
(Angraecum pugioniformc Kl.). Blühete im 
Bot. Garten bei Berlin, Hr. Bouche erhielt sie 
aus England. Verwandt dem S. oxyphyllus 
Wall. Eine robuste verlängerte Blumentraube. 
Sporn spitz, konisch, an der Spitze klein zwei- 
zähnig. Die Seilenlappen der Lippe halboval, 
nach vorn spitz; Miltellappen triangelförmig 
mit quadratischer, beiderseits ausgerandeler 
Schwiele. 

Eine Laubpflanze von kräftigem Wüchse. 
Blüthenhüllblättcr grüngelb , mit je 2 braunen 
Streifen. 

(Nach einem Artikel: Garten -Or- 
chideen vom Hrn. Prof. Reichen- 
bach fil. in der Allg. Grtztg.) 

75) Dircaea Blassii Jlgl.; Gesncriaceae. — 
Die Flore des serrcs giebt jetzt Taf. 1140 — 
1142 eine Abbildung der prächtigsten aller 
eigentlichen Gesnerien, der D. Blassii, vor 14 
Jahren schon vom Bot. Garten in Zürich ein- 
geführt. Herr Planchon bemerkt, dass er die 
Beschreibung dieser Pflanze vergeblich in der 
Garlenflora gesucht habe. Es hat dieses seine 
Richtigkeit, denn der Referent beschrieb sie 
schon im Jahrgange von 1846 der Schweizeri- 
schen Zeitschrift für Gartenbau (bei Meyer- 
Zeller in Zürich), einer Zeitschrift, in der der 
Unterzeichnete vom Jahre 1843 — 1851 seine 
Erfahrungen niederlegte, die aber hauptsäch- 
lich nur in der Schweiz ihre Verbreitung fand. 



Diese Prachtpflanze ist nach Herrn Blass 
genannt, einem Kaufmann jetzt in Zürich, da- 
mals in Rio , der dem Züricher Garten die 
Knollen aus Rio einsendete. 

Wir wiederholen hier einfach, was wir da- 
mals über jene Pflanze sagten: 

Von allen bekannten Gesnerien ist diese die 
schönste. Sie treibt Stengel bis 1 Fuss hoch 
und blühet in einer mehr als 1 Fuss langen, 
überaus reichblumigen Rispe, so dass an einer 
Rispe oft 40 Blumen zugleich geöffnet sind. 
Die Stengel sammlarlig, mit kleinen abstehen- 
den Haaren sammtartig besetzt. Die untern 
Blätter lang gestielt, der Blattstiel an den 
obein Blättern allmählich an Länge abnehmend 
und die obersten Blätter sitzend, alle gegen- 
ständig, aus herzförmigem Grunde oval, zuge- 
spitzt, gekerbt. Die obersten, am Grunde der 
Blüthen befindlichen Blattpaare sind stiellos, 
fast kreisrund. Blumen zu 3— 6, in den Ach- 
seln der Blumenblätter in einer reichblumigen 
Rispe. BJülhenstiele so lang als die Blume, 
dicht drüsig behaart. Kelchzipfel aus lanzelt- 
hchem Grunde pfriemlich zugespitzt. Blumen 
röhrig, fast 3 Zoll lang, aussen fein behaart, 
am Schlünde bauchig aufgeblasen, seillich zu- 
sammengedrückt und abgestutzt. Die obere 
Lippe 3 /4 Zoll lang, 2 spaltig, die untere sehr 
klein, zurückgerollt. Die Farbe der Blume 
prächtig scharlach, am Grunde mit 2 augen- 
arligen braunen Flecken. Steht der D. faucia- 
lis, Cooperi und Houttei zunächst. 

Von D. faucialis (welche von D. bulbosa 
durch die Form der Kelchzipfel gut geschie- 
den , und nicht nach Klotzsch's Vorgange mit 
dieser vereinigt werden kann), unterscheidet 
sich unsere Pflanze nur durch grössere fast 
runde Blätter des Blumenstandes, durch lang- 
gestielte Blätter und viel reichblumigeren Blu- 
menstand. Es dürfte daher in Frage kommen, 
ob die D. Blassii nicht blos als eine ausge- 
zeichnete Unterart der D. faucialis zu betrach- 
ten sei. (E. Regel.) 

76) Gymnogramme pulchella Hort. Ein 
aus deatschen Gärten in England eingeführtes 
Farrenkraut. Die ovalen Wedel 3 — 4fiederig. 
Fiederblätter abwechselnd, aus breiterm Grunde 
lanzettlich. Fiederblältchen oval, tief fieder- 
schnitlig oder fiedertheilig; Lappen an der 
Spitze gemeiniglich 2 lappig. Fruchlhäufchen 



II. Neue Zierpflanzen. 



191 



linear, ofl gabelig getheilt. Stammt wahrschein- 
lich aus Süd-Amerika. Ein zartes elegantes 
Farrenkraut mit dunkelgrünen grossen Wedeln. 
(Gard. Chron. mit Holzschnitt.) 

77) Jlymenophyllum dilatatum Sw. Ein 
anderes zierliches Farrenkraut aus Neu -See- 
land und Java. Wedel oval, zugespitzt, 3mal 
ilederschniltig ; die ersten Theilungen oval- 
lanzettlich mit brcitlinearen, verlängerten Spilzen- 
lappen. Die linearen Lappen tragen auf der 
Spitze das kreisförmige Involucrum, welches 
das Sporenhäufchen umschliesst. Die Wedel 
werden bis 2 Fuss lang und sind an den 
Spitzen grazil herabgebeugt. (Gardn. Chron.) 

78) Thyrsopteris elegans Unze. Ein Far- 
renkraut von der Insel St. Juan Fernandez, 
das 8 Fuss lange Wedel bildet, welche viel- 
theilig zusammengesetzt sind. Die sterilen We- 
del mit keilförmig -lanzelllichen, stumpflichen, 
gesägten letzten Theilblättchen. Die fruchtba- 
ren Wedel bestehen nur aus der Rhachis, die 
wie der sterile Wedel viellheilig zusammen- 
gesetzt ist und auf der Spitze der letzten 
stielförmigen Theile die von einem kugeligen 
Involucrum umgebnen Fruchthäufchen trägt. 

(Gardn. Chron. mit Holzschnitt.) 

79) Clerodendron scandens Pal. Beauv. 
Ward im Hamb. Bot. Garten aus Samen erzo- 
gen, der aus Sierra Leone einging. Ein klet- 
ternder Strauch mit aus herzförmigem Grunde 
eiförmigen zugespitzten weichhaarigen Blättern. 
Blüthenrispen achselständig. Blumen weiss mit 
hellrolh. Geruch schwach. Warmhauspflanze. 

(Hambrg. Grtz.) 

80) Nymphaea amazonum Mart. et Zucc. 
Blühete in diesem Sommer im Aquarium des 
Hambrg. Bot. Gartens. Die Blumen öffnen sich 
Abends erst nach 9 Uhr und schliessen sich 
am Morgen. Die als Nymphaea blanda aus 
Erfurter Gärten, sowie die als N. nocturna 
vom Dubliner Garten verbreitete Pflanze ge- 
boren zu N. amazonum. Auch im hiesigen 
(Petersburger) Garten blühete die Pflanze, nur 
Schade, dass man von den grossen weissen 
Blumen wegen der nur bei Nacht staltfinden- 
den Blüthezeit gar keinen Genuss hat. 

81) Diclyptera peruviana Juss. (Juslicia 
peruviana Vahl. Bot. Mag. t. 430). Zwei bis 
drei Fuss hohe Warmhauspflanze. Stengel mit 
angeschwollenen Gelenken. Blätter kurz ge- 



stielt, oval -lanzettlich, weichhaarig. Blumen 
gross, blassviolelt, zu mehreren in achse'.stän- 
digen Büscheln. Im Winter Standort im Warm- 
haus, im Sommer im Kalthaus oder im Freien, 

(Hambrg. Grtztg.) 
82) Tecoma velutina D. C. ', Bignoniaceae. 

— Eingeführt durch Skinner aus Guatemala. 
Das weichhaarige Laub gleicht dem einer 
Esche und grosse gelbe Blülhentrauben stehen 
auf den Spitzen der Zweige. Es ist diese 
Pflanze sehr willig im Blühen. Junge, kaum 
jährige Pflanzen blühen im Warmhaus, und im 
Vaterland deckt sich der Strauch während 
eines grossen Theils des Jahres mit Blumen. 

(Gard. Chron.) 

83) Ceanothus integerrimus Hook, et 
Arn.\ Rhamneae. In Cullur und Eigenschaf- 
ten mit C. thyrsiflorus , azureus etc. verwandt. 
Blätter dünn, oval, 3 nervig, kahl, ganzrandig. 
Blumen in Rispen, rein weiss. Stammt aus 
Californien. (Gard. Chron.) 

84) Leptodactylon californicum Hook, et 
Arn.', Polemoniaceae. — Ein lieblicher niedri- 
ger Strauch aus Californien, der für eine der 
werthvollsten Einführungen der neuesten Zeit 
gehalten wird. 

Die grossen einem Phlox subulata ähnli- 
chen Blumen besitzen ein liebliches rosarolhes 
Colorit, welches Jedermann angenehm ist. 
Entdeckt ward diese Pflanze durch Douglas 
und eingeführt durch den Sammler des Herrn 
Veilch, Hrn. W. Lobb. 

Bildet einen kleinen verästelten Strauch 
mit fingertheiligen kleinen Blättern, deren 5 — 7 
Lappen pfriemlich. Die Blumen stehen auf 
der Spitze der kurzen Seilenzweige in den 
Achseln der Blätter, welche sie ganz ver- 
decken. Bentham ziehet diese Pflanze mit zu 
Gilia. Uebcr die Cultur ist noch nichts be- 
kannt, doch dem Vaterland nach zu urlheilen, 
wird sie bei uns zu den harten Kalthauspflan- 
zen gehören. Bis jetzt ist sie noch im Allein- 
Besitz des Herrn Veitch. — (Galeoüi Journ. 
d'hort. pralique, März 1S56 mit Abbildung.) 

85) Hypoxis natalensis Kl. Uypoxideae. 

— Eine neue Hypoxis aus Port Nalal mit 
gelben Blumen. Eingeführt durch Hrn. Niet- 
ner in Schönhausen. (Allg. Grtzlg.) 

86) Ansellia gigantea Rchb. fil. ; Orchi- 
deae. — Aehnlich der An, africana, nur sind 



192 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



die Blumen kleiner und blasser als bei dieser 
und der Miltellappen der Lippe schmaler. Lind- 
ley bezweifelt, dass sie von A. africana gut 
unterschieden sei. Aus Port Natal. 

(Gard. Chron.) 

87) Echeveria nuda Lindl.; Crassulaceae. 
— Eine niedliche neue Echeveria , die die 
Horücullural-Society aus Mexiko einführte, wo 
sie am Orizaba durch Herrn Boüero gefunden 
ward. Der aufrechte kahle Stengel ist mit 
zerstreuten, verkehrt -ovalen, kurz gespitzten 
Blättern besetzt, welche undeutlich gekielt. 
Blumen roth, in langer nackter spitzenständi- 
ger Blülhenähre. — Verwandt mit £. coccinea, 
die schmalere Blätter und zwischen den Blu- 
men blattartige Bracteen trägt. 

88) Fuchsia paniculatä Lindl,; Onagra- 
riae. — Eine mit F. arborescens nah ver- 
wandle Art, welche durch Skinner aus Guate- 
mala eingeführt und durch Veitch in der Zu- 
sammenkunft der Horlicultural - Gesellschaft 
ausgestellt ward. Sie charakterisirt sich durch 
ovale oder verkehrt- ovale, fast gezähnte Blät- 
ter, welche wie der pyramidenförmige Blu- 
menstand durchaus kahl sind. Die Blumen 
sind kleiner, weinroth und in Massen dennoch 
schön. Blumenblätter abstehend, linear -keil- 
förmig, halb so lang als die Kelchröhre. Narbe 
kopflormig 4 lappig. (Gard. Chron.) 

89) Pholidota suaveolens Lindl. — Eine 
ephylische Orchidee, deren Vaterland unbekannt 
ist Scheinknollen konisch, stumplkantig, zwei- 
blällrig. Blätter länglich. Blumenlraube auf- 
recht, hin- und hergebogen, lOblumig. Blu- 
men entfernt-gestellt. Bracteen linear, zusam- 
mengewickelt, länger als der Blumenstiel, bald 
abfallend. Sepalen oval, fast gekielt, wie die 
gleichförmigen schmälern Blumenblätter auf- 
recht. Lippe länglich, an der Basis concav, 
die Platte derselben spitz, herabgebeugt, kraus, 
mit 5 vorstehenden gebogenen Linien. Blumen 
weiss, wohlriechend. Steht der Ph. chinensis 
zunächst. (Gard. Chron) 

90) Dendrobium lituiflorum Lindl. Va- 
terland dieser in England in Cultur befind- 
lichen neuen Orchidee unbekannt. Es hat den 
Habitus von D. transparens und gleicht im 
blühenden Zustande vielleicht auch einer Form 
von D. nobile , aber es ist schöner, die Lippe 
ist länger und Sepalen und Pelalen sind sehr 



spitz. Der Stengel schwach, rohrartig. Blu- 
men meist zu 2 (auch zu 3—4) 3— 4 Zoll im 
Durchmesser, blass-lila und geädert. Sepalen 
stark abstehend, lanzelflich, zugespitzt. Peta- 
len doppelt so breit, spitz. Lippe tief violett, 
blasser gerandet, eingekrümmt und trompeten- 
förmig mit zusammengerolltem verlängertem 
Nagel und fast runder undeutlich gespitzter 
Lippe. (Gard. Chron.) 

91) Peristeria fuscata Lindl. Die Angu- 
loa squalida Endl. aus der Reichenbach we- 
gen des fleischigen spitzen doppelten Zahnes 
an der Anthere das Genus Lycomormium 
(squalidum) bildete. Da aber in allen andern 
Punkten die Pflanze mit Peristeria überein- 
stimmt, so beschreibt sie Lindley jetzt unter 
diesem Namen. 

Exemplare derselben blühetenin der Samm- 
lung des Lord Bischhof von Winchester, und 
Lindley betrachtet diese Pflanze als die beste 
Einführung des Jahres. 

Die hängende schwarz -mehlige Blülben- 
traube trägt 6— 8 fleischige, wachsartige, wohl- 
duftende Blumen , die im geschlossenen Zu- 
stande l l /4Zoll im Durchmesser haben. Aeus- 
scrlich sind sie dunkel braunpurpur, innerlich 
mit roth dicht gefleckt. Lippe nackt, helmför- 
mig; die Seitenlappen derselben spitz, fast 
sichelförmig; der Mittellappen sehr klein, flei- 
schig, undeutlich 4-lappig mit einem schwa- 
chen Mittelkiel; am Grunde ist die Lippe ge- 
fleckt, nach oben blutrolh. Säule kahl, flügel- 
los, Anthere korkig, fast eckig, die vorderen 
Klappen gehörnt. Die Drüse sehr gross , nie- 
renförmig. Sepalen "halb vereinigt, das obere 
schmäler und länger als die fast runden ge- 
spitzten seitlichen. Pelalen länglich., halb so 
lang als das obere Sepalum. 

(Gard. Chron.) 

92) Vriesia glutinosa Lindl; Bromelia- 
ceae. — Stammt aus West-Indien und ward in 
den Versammlungen der Hort. Soc. ausgestellt. 
Blätter länglich, kurz gespitzt, unbewehrt, l ! / 2 
Fuss lang, grün, am Grunde purpur gefleckt. 
Der Blüthenschaft rispig, länger als die Blätter; 
4 Fuss lang, mit zugespitzten grünen und 
roth gefleckten Scheiden besetzt. Die Aeste 
der Rispe werden 14—16 Zoll lang, dicht mit 
zweizeilig gestellten klebrigen Bracteen besetzt, 



Ted. 197 






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II. Neue Zierpflanzen. 



193 



die die Farbe eines abgekochten Krebses zei- 
gen. Eine ganz ausgezeichnete neue Art. 

(Gard. Chron.) 
93) Lachenalia aurea Lindl. Eine neue 
Lachenalia von Port Natal. Die Wurzelblät- 
ter sind lanzeltlich verlängert, stumpf, zurück- 
gebogen, hellgrün und wenig gefleckt. Der 
purpur gefleckte Blülhenschaft wird bis 2 Fuss 
lang und trägt die Blumen in einer reichblu- 
migen, an der Spitze sterilen Traube. Die 
grossen schönen goldgelben wachsartigen Blu- 
men hängen und sind bedeutend grösser als 
die der L. tricolor. Petalen und Sepalen an 
der verbreiterten Spitze schwach zurückge- 



krümmt, gleichfarbig, und letztere halb so 
lang als die Petalen. 

(Gard. Chron. mit Abbildung.) 

94) Rhytidea bicolor Lindl. ; Liliaceae. 
Eine neue mit Brodiaea verwandte Gattung, 
die sich durch aufgeblasene runzelige Blumen- 
krone, die am Grunde höckerig und am Saume 
zurückgerollt, so wie durch das Fehlen der 
hypogynischen Schuppen unterscheidet. — 

Ein Zwiebelgewächs mit schmalen Blättern, 
die kürzer als der Blüthenschaft, der die lang- 
gestielten hängenden Blumen in einer Dolde 
trägt. Eingeführt durch Veitch aus Californien 
und durchaus hart. (E. R.) 



HL Notizen. 



1) Allgemeine Versammlung der 
Schlesischen Gesellschaft für vater- 
ländische Cultur den 24. Oktober 
1856. Der unterzeichnete Präses der Gesell- 
schaft hielt folgenden hier auszüglich milge- 
theilten Vortrag über den Natur selbst- 
druck, eine Erfindung des Herrn Regierungs- 
raths Aloys Auer in Wien. 

Unter den vielen neueren, Wien so sehr 
auszeichnenden Instituten nimmt unstreitig die 
k. k. Staatsdr uckerei den hervorragend- 
sten Rang mit ein. Sie befindet sich in einem 
ehemaligen Klostergebäudc auf der Singer- 
strasse und beschäftigt gegenwärtig ein Perso- 
nal von 900 Personen unter der Direktion 
des wirklichen Regierungsralhes Herrn Auer, 
aus dessen Arbeitszimmer 15 Sprachröhre das 
Ganze zu einheitlichem Whken vereinen. Der 
benutzte Flächenraum des fünf Etagen hohen 
Gebäudes beträgt 50,016 Qu. Fuss; 11 ausser- 
halb gelegene Magazine gehören noch dazu. 
1062 Klaftern kupferne Dampfröhren heizen 
die Lokale, durch deren Räume 1308 Klaftern 
Sprachröhre geleitet werden. 46 Maschinen- 
druck- und 45 einfache Handpressen, 40 litho- 
graphische, 24 Kupferdruck-, 11 Glättpressen, 
in Bewegung gesetzt von einer Dampfmaschine 
von 16 Pferdekraft, 8 Giessmaschinen und 10 
vierfache Gussöfen, 14 pholographische und 
zahlreiche galvanische Apparate verschiedener 
1857. VI. 



Grösse , Platten bis zu 30' Länge und 3 l A' 
Breite liefernd, werden ununterbrochen be- 
schäftiget. Der Vorralh an Lettern beträgt ge- 
genwärtig an 3000 Cenlner, etwa 150 Millio- 
nen einzelne Lettern. Herr A. Auer, dem das 
Institut vorzugsweise seinen gegenwärtigen blü- 
henden, alle anderen ähnlichen an Umfang 
und Vielseitigkeit übertreffenden Zustand ver- 
dankt, gründete eine eigene Setzerschule , ein 
vollständiges System der Typometrie, führte an 
122 Alphabete verschiedener Sprachen und 
Dialekte und an 630 Sorten und Grade ver- 
schiedener Schriften ein, so wie allmäh lig an 
19 verschiedene Zweige graphischer, bereits 
mehr oder minder vervollkommneter Künste, 
wie die zahlreichen Auszeichnungen und Preise 
bewiesen haben, welche der k. k. Slaalsbuch- 
druckerei auf allen Wellausstellungen zu Theil 
wurden, worauf der Vortrag ebenfalls näher 
einging. Die neueste Entdeckung des Herrn 
Direktors ist der Nalurs elbs tdruck oder 
Nalurdruck (Physiotypie) , nicht unpassend 
so genannt, weil der abzudruckende Gegen- 
stand selbst als Original dient , oder zum Ab- 
druck benutzt wird. Versuche verwandter Art 
scheinen schon im 17. Jahrhundert gemacht 
worden zu sein. In umfangreicher Weise be- 
schäftigten sich damit Kniphof, Ludwig Jung- 
hans u. A., deren sehr dürftige, auf bekannte 
Weise durch Schwärzen der Pflanzen und Pres- 
* 13 



194 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



sen derselben zwischen Papier dargestellte Pro- 
dukte vom Vortragenden vorgezeigt wurden, 
um die hier und da verbreitete Meinung zu 
widerlegen, als ob die neue Erfindung sich in 
Methode und Resultat nicht wesentlich von je- 
nen älteren, eben wegen ihrer Unvollkommen- 
heit stets immer wieder in Vergessenheit ge- 
rathenen Darstellungen unterschiede. Das We- 
sentliche der neuen , von der kaiserlichen Re- 
gierung zur allgemeinen Benutzung freigegebe- 
nen Erfindung, die die Geschichte der 
darstellenden Kunst stets als eine der bedeu- 
tendsten unserer Zeit bezeichnen wird, be- 
steht insbesondere in der Wahl des zum Ab- 
drucke bestimmten Materials und der erfolg- 
reichen Anwendung der Galvanoplastik. Das 
zum Abdruck bestimmte Original (etwaige 
Pflanzen in ausgebreitetem und trocknem Zu- 
stande) wird mit einer Mischung von Wein- 
geist 'oder venelianischem Terpentin bestrichen 
und straff auf eine polirte Kupfer- oder Stahl- 
platte gelegt. Auf diese kommt dann eine 
gleichfalls polirte Platte von reinem Blei, und 
nun lässt man beide auf einer Kupferdruck- 
presse durch die beiden Cylinder laufen, wel- 
che einen momentanen Druck von 800 — 1000 
Centner ausüben. Von dem in die Bleiplatte 
natürlich vertieft eingepressten Original wird 
nun auf galvanoplaslischem Wege eine Kupfer- 
platte entnommen, die das Bild auf das Ge- 
naueste wiedergiebt und zum Abdruck oder 
weiteren Vervielfältigung benutzt werden kann. 
Die ersten "gelungenen Versuche wurden 1852 
zuerst mit Spilz^nmustern , dann mit fossilen 
Fischen, geätzten Achaten, verschiedenen Pflan- 
zenblättern angestellt *) ; zu wissenschaftlichen 
Werken die Erfindung zuerst von Herrn Ritter 
v. Heufler zu einer kryptogamischen Flora 
eines Theiles von Siebenbürgen , dann von 
Hrn. G. Frauenfeld zur Alpenflora der dal- 
matischen Küste benutzt, durch welche Ar- 
beiten man sich von ihrer umfangsreichen 
Verwendbarkeit für verschiedene botanische 
Zwecke, insbesondere auch für die Illustration 
der für die Kennlniss der fossilen Pflanzen so 



•) Die Entdeckung des Nalurselbstdruckesetc. 
von Aloys Auer, k. k. w. R. Ralh etc. Wien 
1854, mit 20 Kpf. in gr. Q. 



wichtigen Nervenverbreitung in den Blättern 
vollkommen ausreichend überzeugte. Diese 
letztere Richtung fasste der durch seine treff- 
lichen Leistungen in diesem Gebiete bereits 
rühmlichst bekannte Herr Konstantin von Et- 
lingshausen für die Familien der Euphor- 
biaceen und Papilionaceen auf. Die reichste 
Anwendung des Naturselbstdruckes geschah 
jedoch in einem von ihm und von Hrn. Aloys 
Pokorny der österreichischen Flora gewid- 
meten Werke *), welches in dem kurzen Zeit- 
räume von kaum l?/j Jahr bereits zum Um- 
fange von 500 Tafeln in Folio und 30 Tafeln 
in Quart mit entsprechendem Text gediehen 
ist, wodurch auch ein schlagender Beweis für 
die Schnelligkeit und Leichtigkeit gegeben wor- 
den ist , mit welcher sich physiolypische Ab- 
drücke ausführen lassen , indem man wohl 
durch keine andere Methode so rasch eine so 
grosse Anzahl von Tafeln hätte schaffen kön- 
nen. Der Text in Quart nimmt ausser der 
Beschreibung ganz besonders auf die durch 
Abbildungen illuslrirte Verbreitung der Nerven 
in den gesammten Blattorganen Rücksicht; die 
trefflichen Verfasser begründen durch eine all- 
gemeine Morphologie der Nervation eine neue 
Richtung für die Paläontologie und Systema- 
tik. Die in fünf Abtheilungen nach Familien 
geordneten 500 Foliolafeln stellen etwa 600 
Arten der Flora austriaca oft in mehreren 
Exemplaren dar. Möglichst flache Theile von 
Pflanzen, wie auch ganze Pflanzen von ähnli- 
cher Beschaffenheit, insbesondere Farren, Grä- 
ser etc. , Inseklenflügel und verwandte Gegen- 
stände liefern in der That bewunderungswür- 
dige, durch keine andere Methode erreichbare 
Bilder, ja oft noch mehr Details, als man sonst 
mit unbewaffnetem Auge wahrnimmt. Staub- 



*) Physiotypia planlarum austriacarum. Der 
Nalurselbsldruck in seiner Anwendung auf die 
Gefässpflanzen des österreichischen Kaiserstaa- 
tes, mit besonderer Berüchsichligung der Ner- 
valion in den Flächenorganen der Pflanzen 
von dem Prof. Konstantin v. Etlingshausen 
und Aloys Pokorny. Sr. k. k. apostolischen 
Majestät dem Kaiser von Oesterreich gewidmet. 
Mit 500 Folio- und 30 Quart -Tafeln. 276 S. 
Text in Quart. 



III. Notizen. 



195 



gefässe, Stempel etc. drücken sich, obschon 
von Blumen und Kelchblättern bedeckt, so 
scharf aus, dass der ganze Blüthenbau wie 
durchsichtig erscheint, desgleichen selbst Sa- 
menknospen in Fruchtknoten oder Samen der 
entrindeten Früchte, wie z. B. unter vielen an- 
deren bei Cruciferen, Drüsen, Haaren u. s. w. 
Jedoch ungeachtet dieser und vieler anderen, 
hier nicht weiter erwähnten Vorzüge würde 
es der neuen wichtigen Erfindung nur Eintrag 
thun, wenn man jemals im Lobe so weit ge- 
hen und behaupten wollte, dass durch sie alle 
anderen Abbildungen überflüssig gemacht wür- 
den, namentlich wenn es sich um Darstellun- 
gen im vergrösserten oder verkleinerten Mass- 
stabe, oder von durch ihre ausgebreitete Stel- 
lung vorzugsweise charakteristischen Pflanzen- 
theilen aller Art handelt. Umfangsreiche Pflan- 
zenlheile , wie dicke Wurzeln oder Stämme, 
Stengel grösserer saftiger Früchte bleiben selbst- 
redend ebenfalls ausgeschlossen. Dagegen las- 
sen sich die Stellungsverhältnisse der Blätter 
noch bestimmen, ja selbst viele Wurzeln, auch 
eckige und runde Stengel in den vorliegenden 
Abbildungen noch ganz gut erkennen, wie es 
denn bei dem so jugendlichen Aller der Er- 
findung noch nicht an der Zeit scheint, über 
die Darstellbarkeit des einen oder anderen 
Pflanzentheiles rechten zu wollen, was offen- 
bar noch weiteren Experimenten vorbehalten 
bleiben muss. Die Resultate derselben erfüllen 
bereits mit grossen Hoffnungen, da die spätem 
Arbeiten schon bedeutende Vorzüge vor den 
früheren besitzen, ja die neuesten im Juni d. J. 
publizirten Abdrücke von Querschnitten von 
Moos- undDikotyledonenstengeln, Wasserfarren, 
Laub- und Lebermoosen, bei näherer Beob- 
achtung eine überaus zarte, bis in das 
kleinste Detail von Zellen und Ge- 
fässen mit der Loupe oder dem Mi- 
kroskope erkennbare Struktur zeigen. 
Diese möglichst gedrängle Darstellung weist 
uns, so zu sagen, den direkten erheblichen Ge- 
winn nach, welchen die neue Methode bisher 
bereits für die Wissenschaft gehabt hat, wel- 
chen Vorlheil sie auch 'noch auf Verbreitung 
wissenschaftlicher Erkenntniss äussern würde, 
wenn es durch ihre Anwendung gelänge, ei- 
nen grossen Theil jener schlechten, nur zu 
viele unserer Volksnaturgeschichlen verunzie- 



renden Bilder zu verdrängen, will ich hier 
nicht weiter erörtern, wohl aber noch auf den 
indirekten erspriesslichen Einfluss hinweisen, 
den sie auf die gesammle Abbildungsweise 
von Naturgegenständen, insbesondere von Pflan- 
zen, äussern muss, indem man sich bestreben 
wird , dem ganzen Habitus und der Nervatur 
mehr Berücksichtigung zu schenken , als dies 
bisher geschehen ist. Wir können also nur 
wünschen , dass die kaiserliche Regierung, 
welche bisher auf so höchst dankenswerthe 
Weise diese durch Fleiss und Talent hervor- 
gerufene Produktionen unterstützte, sie auch 
ferner noch unter ihre fördernde Obhut neh- 
men möge , da ihnen jedenfalls noch eine 
grosse Zukunft und eine noch ausgedehnlere 
und mannigfaltigere Anwendung beschieden ist 
Dem Herrn Regierungsrath Au er dankle nun 
noch der Vortragende für die Liberalität, durch 
die er allein in den Stand gesetzt wurde, die 
kostbaren Beläge zu seinem Vortrage vorzu- 
zeigen, welche von der zahlreichen Versamm- 
lung mit dem grössten Interesse und Anerken- 
nung betrachtet wurden. (H. R. Göppert.) 
2)Ueber die praktische Bedeutung 
des im botanischen Garten aufge- 
stellten paläontologischen Profiles 
oder über die Entdeckung vonStein- 
und Braunkohlen. Die Kenntniss der fos- 
silen Thiere gelangte früher als die der Pflan- 
zen zu einer gewissen Selbstständigkeit und 
Sicherheit in Schlüssen , welche insbesondere 
für praktische Geognosie von hoher Bedeutung 
geworden sind. Man fand nämlich , dass ge- 
wisse organische Reste in den verschiedensten 
Gegenden der Erde nur in bestimmten Gestei- 
nen vorkamen, und erkannte nun eben hierin 
ein Mittel , um über ihre geognostische Be- 
deutung Aufschluss zu erhalten. Insofern also 
diese fossilen fhierischen Resle als Führer dien- 
ten, nannte man sie Leitthiere. Erst später 
traten auch die fossilen Pflanzen in die Reihe 
ein, ja erlangten in Betreff der Erkennung der 
für technische Zwecke so wichtigen Brennstoff 
führenden Schichten eine fast noch höhere Be- 
deutung als die Thiere. Somit gewann die 
Lehre von den Versteinerungen auch eine 
grosse praktische Wichtigkeit, während man 
sonst diese Wissenschaft, wie so manche an- 
dere, deren direkter Nutzen nicht gleich von 

13* 



» 



196 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



vornherein Jedermann einleuchtet, für müssige 
Beschäftigungen der sogenannten Gelehrten zu 
halten geneigt war. Wir können nämlich aus 
den in den Schichten der Sandsleine und 
Schieferthone vorkommenden fossilen Pflan- 
zenarten mit grösster Sicherheit einerseits die 
Art der Kohle, oh wir ältere oder wahre 
Steinkohle oder jüngere Steinkohle (Kohle der 
Trias-, Jura- und Quadersandsteinformalion) 
oder Braunkohle vor uns sehen , oder solche 
erwarten dürfen, so wie auch selbst auf die 
zu erwartende Quantität derselben zum Theil 
oft Schlüsse ziehen, welche letztere Hinsicht, 
wie leicht einzusehen, von der berücksichü- 
gungswerthesten praktischen Bedeutung ist. So 
charaklerisiren gewisse Pflanzen die Schichten, 
welche man bei uns gewöhnlich noch mit dem 
Namen des ^ebergangsgebirges oder Grau- 
wacke bezeichnet, die als das Liegendste un- 
serer Steinkohlenformaüon keine bauwür- 
dige Flötze mehr enthalten. In unse- 
rem Profile befinden sie sich zum Theil in 
ihrer naturgemässen Lage, wie der Calamites 
transilionis m. und die Sagenaria Vellheimiana, 
oder auch ausserhalb desselben aufgestellt die 
Neuropteris Loskii und das Lepidodendron 
hexagonum m. — Sie verdienen ganz beson- 
ders der öffentlichen Beachtung empfohlen zu 
werden, da man sehr häufige fruchtlose Bohr- 
versuche nicht blos in unserer Provinz, wie 
bei Tost, Schweidnitz, Lahn, im Leobschülzi- 
schen sondern auch in dem übrigen Deutsch- 
land, so wie in Nord-Amerika *) gemacht hat, 



*) Zur geognostischen Untersuchung des 
Staates Newyork, der nicht viel kleiner ist als 
England, bestimmte vor vierzehn Jahren die 
Regierung die bedeutende Summe von 40,000 
Guineen. Als sich nun unter anderen das Re- 
sultat ergab , dass in den so weit verbreiteten 
Schichten des Uebergangsgebirges dieser Staa- 
ten keine Kohlen anzutreffen seien, obschon 
man dergleichen erwartet hatte, war man na- 
türlich anfänglich sehr unzufrieden damit, meinte 
jedoch endlich, dass die nützlicheren Richtun- 
gen, welche seitdem den vielen früheren frucht- 
losen privaten Unternehmungen gegeben wor- 
den sind, schon völlig ausreichten zur Schad- 
loshaltung für die Summe , welche von der 



indem man die schwärzliche Färbung der 
Uebergangs - Gesteine für ein sicheres Zeichen 
der Anwesenheit von bauwürdigen Kohlenla- 
gern betrachtete und deshalb sehr bedeutende 
Summen zur Auffindung derselben vergebens 
ausgab, ja fortdauernd, wie ich höre, derglei- 
chen noch verschwendet. 

Alle anderen in unserem Profil aufgestell- 
ten Pflanzen, insbesondere die Lepidodendreen 
und Sigillarien zeigen, wenn sie irgend in 
Sandstein oder Schieferthon vorkommen, stets 
die Anwesenheit der Steinkohlenformation an 
und lassen also auch die Anwesenheit um- 
fangreicher Ablagerungen von vegetabilischen 
Resten oder der Steinkohle vermulhen, wenn 
sie auch die Frage über ihre Bauwürdigkeit 
natürlich nicht entscheiden können. 

Zu näherem Verständniss unserer Anlage ist 
in diesen Tagen eine von einer Abbildung 
begleitete Beschreibung derselben erschie- 
nen, welche im botanischen Garten zuha- 
ben ist. 

Was nun das Vorkommen der Braunkohle 
betrifft, so habe ich hiervon schon oft in die- 
sen Blättern gesprochen und komme nur des- 
wegen noch einmal zurück, um mehrfachen 
dieserhalb an mich ergangenen Anfragen zu 
genügen. 

Die Formation der Braunkohle oder der 
derselben angehörende graublaue sogenannte 
plastische Thon ist insbesondere in dem nörd- 
lichen Theil unserer Provinz fast allgemein 
verbreitet; wirklich bauwürdige Lager sind 
aber nicht überall anzutreffen, und niemals 
über jenem Thon zu suchen. » 

Man beachte Wasserrisse in hüglichen Ge- 
genden, so wie an erhabenen Flussufern, Er- 
fahrungen von Brunnengräbern, ob sie beim 
Graben auf Lager von braunkohlenartigem so- 
genannten bituminösen Holze gelangten , so 
wie ferner auch nie zufrierende, also aus grös- 
serer Tiefe entströmende Quellen, ob sie viel- 
leicht Braunkohlenstückchen zu Tage bringen, 
oder sehr reich an schwefelsauren Eisen, oder 
an kohlensaurem Kalke sind, so wie etwa 



Regierung so freigebig auf die geognostische 
Untersuchung verwendet worden war. Bres- 
lau, den 22. Oktober 1856. 



III. Notizen. 



197 



herumliegende Kalksteine mit gewissen Laub- 
blättern, Eichen-, Buchen- u. dgl. verwandten 
Abdrücken , oder ähnliche auf Abhängen und 
Schluchten zu Tage kommende Thonschichlen, 
welche Kennzeichen entweder einzeln oder 
insgesammt schon oft zur Entdeckung von er- 
giebigen Braunkohlenlagern Veranlassung ge- 
geben haben, wie mich mehrfältige Erfahrung 
gelehrt hat. 

Jetztweltliche Sumpfpflanzen , wie Drosera, 
Sphagnum u. dergl. können niemals, obschon 
man dies neuerlichst mehrfach behauptet hat, 
als Anzeichen von darunter liegender Braun- 
kohle betrachtet werden , da sie wegen ihrer 
meist tiefen Lage keinen Einfluss auf die ge- 
genwärtige Vegetation ausübt. Wenn sich der- 
gleichen Pflanzen wirklich über bauwürdigen 
Lagern befinden, so ist dies als rein zufällig 
zu betrachten, was bei der grossen Verbrei- 
tung beider eben nicht in Verwunderung setzen 
kann. (H. R. Göppert.) 

3)Erziehung und Cultur desWein- 
stocks in Töpfen. Man sieht gegenwärtig 
in der herrlichen Gärtnerei Sr. K. Hoheit des 
Kronprinzen von Würtemberg zu Berg bei 
Stuttgart eine Anzahl getriebener Weinstöcke 
in Töpfen, welche zum Theil sehr reich, zum 
Theil minder voll mit reifen Trauben behangen 
sind und die erst im vorigen Jahre aus 
eingelegten blossen Augen erzogen 
wurden. Die Cultur und Erziehung derselben 
geschah durch den dortigen ObergehülfenHrn. 
Hockley, einem sehr talentvollen englischen 
Gärtner. Mag auch für den Weinbau im Gros- 
sen diese Cultur in Töpfen nur eine ganz be- 
schränkte Bedeutung haben, so ist es doch 
jedem Wein- und Obstzüchter interessant, zu 
erfahren, auf welche Weise es gelang, in so 
kurzer Zeit von einjährigen Stöcken Trauben 
zu erhalten. Es versieht sich von selbst, dass 
man , sobald diese Stöcke zu der gehörigen 
Ausbildung im ersten Jahre gelangt sind, noch 
leichter bei natürlicher Cultur, als zu gewöhn- 
licher Reifperiode , eine Menge von Trauben 
ernten kann, als bei der künstlichen Cultur im 
Treibhause ; ja es können sich Gartenbesitzer 
nicht leicht eine hübschere Zierde zur Decora- 
tion auf Baikonen u.dgl. verschaffen, als diese 
in grossen Blumentöpfen oder Kübeln stehen- 
den pyramidenförmig erzogenen Rebstöcke. 



Nun zu der Erziehung dieser Reben. Was 
die dazu geeigneten Sorten betrifft, so zeichnet 
sich vor allen der Blaue Porlugieser vortheil- 
haft durch reichen Traubenansalz aus (ein sol- 
cher einjähriger Stock prangt mit 8 Trauben), 
dann sind vorzugsweise die Guledel- und an- 
dere frühtragende Sorten geeignet, weniger 
die sehr stark in's Holz treibenden , wie der 
Trotlinger. Man wählt von diesen Sorten beim 
Beschneiden im Herbst oder Winter eine An- 
zahl der vollkommensten und ausgebildetsten 
Augen aus und schneidet diese in folgender 
Weise zu. Es wird dicht unterhalb und 
ebenso dicht über dem Auge das Holz 
weggeschnitten, so dass nun nur das Auge 
mit dem wenigen dasselbe unmittelbar umge- 
benden Holze bleibt. Diese Augen legt man 
in Blumentöpfe so ein , dass die Knospe ge- 
rade aufwärts gerichtet ist , und bedeckt sie 
nur ganz wenig mit Erde. Jede leichte und 
fruchtbare Gartenerde ist hiezu tauglich. Die- 
ses geschieht im Februar oder auch später, 
nur erlangen dann die Stöcke nicht mehr jene 
Vollkommenheil und Grösse. Die Töpfe mit 
den Augen"" werden in erwärmte Mistbeete 
oder in die warme Stube gestellt, stets massig 
feucht gehalten, und nun entwickelt sich der 
Trieb aus jedem Auge sehr schnell und kräf- 
tig; schon nach 8 Tagen zeigen sich im Mist- 
beete Wurzeln. Sind die jungen Reben % — 3 A' 
gross , so versetzt man sie einzeln in verhält- 
nissmässig weite Töpfe in eine leichte und 
recht fruchtbare Erde, hält sie aber fortwährend 
warm, so dass sie stark fortwachsen. Nachdem 
der Topf ziemlich vollgewurzelt, erfolgt im 
Mai oder Juni ein abermaliges Versetzen und 
zwar in grosse Töpfe von 12 — 13" Weite und 
ähnlicher Höhe. Stets hat man auf den Bo- 
den, zu gutem Wasserabzug, eine Parthie 
Scherben oder andere poröse Körper, wie 
Kohlenstücke, zu legen. Bis Juli werden die 
Stöcke durch Placiren in Gewächshäuser oder 
andere Lokale, wo starke Temperaturwechsel 
nicht einwirken können und wenigstens am 
Tag es recht warm ist, in stetem starkem 
Trieb erhallen, der noch gesteigert wird durch 
entsprechende Dunggüsse und durch senkrech- 
tes Anheften der Rebe. Alle seitlichen oder 
Nebentriebc werden auf ein Auge eingekneipt. 
Bis Mitte Juli haben diese Stöcke nun eine 



198 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Höhe von 5 — 6' erreicht und werden an einem 
etwas geschützten, recht warmen Platz in das 
Freie gestellt, wo sich das Holz vollkommen 
ausbildet, die Knospen ihre höchste Entwick- 
lung erhalten nnd so befähigt werden, schon 
im nächsten Jahre Trauben zu liefern. Hier 
im Freien bleiben die Stöcke, bis sie ein paar 
leichte Fröste erhalten haben und die Blätter 
von selbst abfallen, als Anzeichen der vollen 
Holzreife. 

Diese so erzogenen Stöcke werden in trock- 
nen, kühlen Räumen (bei — 5° bis -{- 5°) 
gehalten und durchwintert und können nun 
im Frühjahr in warmen Stuben nahe am Fen- 
ster getrieben werden, wo sie bis ungefähr 
Ende Juni reife Trauben liefern, welche Trei- 
berei aber doch manche Vorsicht und Uebung 
erfordert und in Zimmern, die nicht besonders 
desshalb auch Abends noch spät erwärmt wer- 
den, oft missglücken wird. Empfehlenswerther 
ist es, die Stöcke bei der Wärme , wie sie in 
sonnig gelegenen Gartenhäusern sich ohne 
Ofenwärme findet, so zu ziehen, dass diesel- 
ben bei warmem Sonnenschein am Tag in's 
Freie und Nachts in diese Räume gestellt wer- 
den, wo man dann bis Mitte oder Ende Juli 
reife Trauben erhält. 

Um alle Augen, die dem Stock gelassen 
werden, zum Austreiben zu bringen und ihnen 
eine gleichmässige Entwicklung zu geben, 
werden die Stöcke je nach ihrer Stärke auf 
8 — 10 vollkommene Augen geschnitten, die 
untersten schwächern ausgebrochen und der 
ganze (aus dem einen Trieb bestehende) Stock 
horizontal in gerader Linie oder kreisförmig 
an einen horizontalen Reif angebunden. So- 
bald die Scheine vorhanden sind und beginnen 
wollen zu blühen , heftet man die Mutterrebe 
in pyramidaler Richtung spiralförmig an 3 — 4 
schief in den Topf gesteckte, oben zusammen- 
gebundene Stäbe an, an welche auch die jun- 
gen , mit Trauben geschmückten Triebe ange- 
bunden werden. 

Die Triebe, die keine Trauben zeigen, 
werden ausgebrochen, alle andern, bis auf 3 
Biälter über der letzten Traube , eingekneipt 
bis auf den untersten Trieb , der die neue 
Rebe für das nächste Jahr gibt und senkrecht 
angebunden und in gleicher Weise fortbehan- 
delt wird, wie die Rebe im vorigen Jahr. 



Wie für jeden Weinzüchter leicht erklär- 
lich, wird im Herbst, oder sobald die Trauben 
ben abgeerntet sind , die Tragrebe neben der 
neuen, senkrecht angehefteten, für das nächste 
Jahr bestimmten Rebe weggeschnitten, um 
dieser alle Säfte zuzuleiten. Oefteres Auffri- 
schen des Bodens durch Auffüllen der Töpfe 
mit frischem , kräftigem Composte , nachdem 
die obere Erde bis auf die Wurzeln wegge- 
nommen wurde, trägt, sowie schwache, aber 
öfters wiederholte Dunggüsse , wesentlich zur 
Vollkommenheit dieser Cullur bei. 

Hohenheim, im Juni 1856. 

4) Knochenmehl, das sicherste, 
unschädlichste und zugleich wohl- 
feilste Dungmittel für Bäume aller 
Arten. Die chemische Untersuchung der 
Asche der Wurzeln, des Holzes, der Blätter, 
so wie des Saftes der Früchte und des aus 
ihnen bereiteten Mostes hat immer einen nie 
fehlenden Bestandtheil nachgewiesen , nämlich 
phosphorsaure Salze. Diese spielen unter den 
Dungmitteln neben den Ammoniaksalzen eine 
Hauptrolle. Nach der heutigen Lehre von den 
Düngern gibt man den Pflanzen diejenigen 
Düngerarten , welche diejenigen Salze enthal- 
ten , die wir in der Asche der Vegelabilien 
finden. Zufuhren von Dünger, welche eine 
reichliche Menge der obengenannten Salze ent- 
halten , beschleunigen die Vermehrung der 
Blätter und somit die raschere Erzeugung des 
Holzes der Aeste und Jahrestriebe. Unter 
allen Dungmilteln hat mir das Knochenmehl 
die auffallendsten Resultate gegeben. Es ent- 
hält gegen "ib Prozent phosphorsaure Salze, 
und wie nachstehende Zusammenstellung gibt, 
ist es unter allen Düngern der reichste an die- 
sen Salzen. 

In 100 Theilen: 
Namen der Dünger. Prozente. 
Pferdcharn .... 0,0. 

Oelkuchen 0,2. 

Kuhharn 0,3. 

Menschenharn .... 0,5. 
Eichenholzaschc . . . 4 — 5. 

Tanncnholzasche . . . 9 — 15. 

Buchenholzaschc .... 20. 

Guano 16 — 19. 

Malzkeime .... 20. 

Kuhkothasche .... 29. 



III. Notizen. 



199 



Pferdekothasche .... 41. 
Menschenkolliasche . . . 68. 
Knochenmehl .... 75. 

Angaben der neuesten chemischen Hand- 
bücher. 

Bei Durchsicht dieser Scala kann sich Je- 
der über den Werlh der gebräuchlichen Dung- 
miltel die Rechnung selber machen. Jeder 
wird aus weiter unten anzugebenden Gründen 
nach dem Knochenmehl greifen. 

Qualität des Knochenmehls. 

Dasselbe muss sich in einem möglichst 
feinen Zustand befinden. Grobes Pulver kann 
eine Reihe von Jahren in der Erde liegen, 
bis es vollständig zersetzt ist. Die Knochen 
müssen ihren Leim noch enthalten ; ist dieser 
durch Auskochen entfernt, so übt es eine viel 
geringere Wirkung aus , weil der phosphor- 
saure Kalk und Talk durch ihn beim Verfau- 
len leichter in den gelösten Zustand überge- 
führt werden. Es ist leicht einzusehen , dass, 
je mehr den Bäumen phosphorsaure Salze in 
flüssiger Gestalt zugeführt werden, um so ra- 
scher die Vegetations - Entwicklung sein wird. 
Phosphorsaurer Kalk ist für sich in Wasser 
schwer löslich — daher die rasche Wirkung 
der Kloake, in welcher genanntes Salz schon 
gelöst ist. 

Anwendung des Knochenmehls. 
Das oben beschriebene Knochenmehl wird, 
wo der Baum verdammt ist, unter Grasboden 
zu wachsen , nicht etwa auf den Grasboden 
ausgestreut , sondern eine dünne Schichte von 
Erde rings um den Baum, wo man die Wur- 
zelkrone mit ihren Fasern vermulhel (also nicht 
am Stamm) , hinweggenommen , diese Stelle 
für den altern Baum mit Vi Simri überstreut 
und die abgehobene Erde darauf gegeben. 
Im gebauten Land ist ein leichtes Einhäckeln 
hinreichend. Alle 5 — 6 Jahre wird das Ver- 
fahren wiederholt. Niemals darf das Kno- 
chenmehl tief untergegraben wer- 
den, wenn Luft und Feuchtigkeit, so wie 
Kälte und Wärme es zerstören sollen. 

Schon nach Verfluss eines Jahres zeigen 
sich die Wirkungen sichtlich, im dritten Jahr 
so auffallend , dass meine Angaben über das 
wohlfeilste (104 Pfund 2 fl. 42 kr.), unschäd- 
lichste und nachhalligste aller Dungmittel, was 
zu jeder Zeit allen Arten von Bäumen ge- 



geben werden kann — keiner Spur von Zwei- 
fel unterliegt. 

Aus der beigegebenen Scala sehen wir, 
dass alle Dünger von der Holzasche bis zur 
Kloake ebenfalls angewendet werden können, 
aber nicht zu jeder Jahreszeit, wie z. B. Gua- 
no, Malzkeim, thierische Excremcnle, welche 
den Bäumen nur den Winter über zugeführt 
werden dürfen *), vermöge des ungleich stär- 
keren Gehalls an ätzenden , die Wurzelfasern 
zerstörenden Ammoniak-Verbindungen. Zwar 
enthalten die Knochen Leim, der durch seine 
Zersetzung (Fäulniss) in Ammoniakverbindun- 
gen übergeht, jedoch_ist \ diese Zersetzung eine 
äusserst langsame , und wird das gebildete 
Ammoniak sogleich von der Phosphorsäure 
fixirt und unschädlich gemacht. Diess sind bis 
jetzt meine Erfahrungen über die Verwendung 
des Knochenmehls, und ich füge hinzu, dass 
ich nun specielle Versuche mit der Buchen- 
asche machen werde; in dieser sind keine 
Ammoniaksalze enthalten, ganz bestimmt wird 
sich herausstellen , dass letztere ganz entbehr- 
lich für unsere Zwecke sind. 

Wer sich für Knochenmehldüngung über- 
haupt interessirt, dem empfehle ich das Schrift- 
chen des Herrn Notar Prielmaier in Isny: „die 
Düngung mit Knochenmehl," Kempten 1852. 
(Monatsschr. f. Pomologie II. 7 u. 8. 1856.) 
5) Ueber Lilium giganleum. Der 
Gardcner's Chronicle vom 13. Sept. 1856 ent- 
hält eine Miltheilung über das Gedeihen dieser 
wahrhaft colossalen und dabei prächtigen Li- 
lie, der wir Folgendes entnehmen. — Das 
L. giganteum hat in einem Garten in Staffbrd- 
shire schon drei Winler im Freien ertragen, 
ohne andern Schutz, als ein kleines Brettchen, 



*) A n m. Dieser Angabe stehen die Erfah- 
rungen des Hrn. Ministerialrath v. Trapp und 
meine seit einer Reihe von Jahren über Som- 
merdüngung der Obstbäume gemachten Erfah- 
rungen durchaus entgegen. Vgl. meine Schrift 
über die Mängel und Hindernisse der Obstcul- 
lur. Stuttgart 1854. Abschn. 12. Abhülfe bei 
der Unfruchtbarkeit der Bäume in Folge von 
Erschöpfung des Baumes, wo ich mich über 
die beste Zeit der Düngung ziemlich ausführ- 
lich ausgesprochen habe. Ed. L. 



200 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



welches die Feuchtigkeit von oben abhalten 
sollte und das wahrscheinlich auch überflüssig 
war. Im April dieses Jahres zeigte sich der 
Blüthenschaft, im Juli hatte er 9 Fuss Höhe 
erreicht, und war gekrönt mit 15 enormen 
Blumen, die 10 Tage hindurch ihre volle 
Schönheit behielten. Ihr Wohlgeruch war 
köstlich und ringsum in ziemlich weiter Ent- 
fernung bemerkbar. Der Schaft hatte in 3 
Fuss Höhe noch einen 3zölligen Umfang und 
war schlank und gerade wie eine Flaggen- 
stange. Ein anderes Exemplar in einem Gar- 
ten in der Nähe von Truro in Cornwallis hat 
ebenfalls die drei letzten für England unge- 
wöhnlich harten Winter ganz ohne Bedeckung 
ertragen, der Blüthenschaft erreichte die Höhe 
von 12 engl. Fuss und trug 18 Blumen? Wir 
dürfen daher annehmen , dass diese herrliche 
Pflanze für England ausdauernd ist , und dies 
ist gar nicht überraschend, wenn man bedenkt, 
dass das L. giganleum in den feuchten Laub- 
wäldern der Himalayakettc in einer Höhe von 
6 — 9000 Fuss , wo der Boden vom Novem- 
ber bis zum April mit Schnee bedeckt ist, 
seine Heimalh hat. — 

(Wir wissen nicht, ob auf dem Continente 
schon gelungene Versuche mit der Cullur im 
Freien gemacht sind , es ist jedenfalls anzu- 
nehmen , dass auch bei uns das L. giganleum 
unter guter Laubdecke ausdauern werde. Man 
pflanze es in eine reiche Lauberde, an ge- 
schützler, halbschaltiger Lage.) 

(Nach Flore des Serres- — E. 0.) 

6)Ucbcr das Vaterland der Kar- 
toffel. Trotz der vielen Nachforschungen, 
die eigentliche Heimath dieser nützlichen Frucht 
zu entdecken, ist dieselbe doch noch immer 
nicht mit Gewissheit nachgewiesen worden. 
Dr. Lindley gibt über diesen Gegenstand 
folgende interessante Notizen. Nach Meyen 
ist der ganze westliche Theil des südlichen 
Amerika die Heimalh der Kartoffeln, da er 



selber sie an zwei Orten in Chili und Peru 
wildwachsend traf; er glaubt jedoch nicht, 
wie Humboldt, dass die alten Mexikaner 
sie schon vor Ankunft der Europäer eultivirt 
haben. Es ist jedoch nicht sicher, dass die von 
Meyen gefundenen Kartoffeln wirklich wild 
waren, sie konnten auch nur verwildert sein, 
als letzte Reste einer früheren Cullur; dage- 
gen hat Darwin die Kartoffeln wirklich wild 
gefunden an den sandigen Küsten der Cho- 
n os-Inseln unterm 45. Breitengrade auf der 
östlichen Küste von Südamerika. Die Knollen 
waren meistens klein , glichen sonst jedoch in 
allen Theilen unseren Kartoffeln. — Man fin- 
det sie noch weiter südlich, an der Küste von 
Chili und in Chili selbst, wo sie Maglia ge- 
nannt wird. Knollen dieser Maglia, die im 
Garten der Londoner Gartenbau- Gesellschaft 
zu Chiswick angebaut wurden, ergaben Pflan- 
zen , die identisch waren mit der Kartoffel; 
man hat sie allerdings unter dem Namen So- 
lanum Commersonii unterschieden, aber 
ich finde wirklich keinen wesentlichen Unter- 
schied, der diese Trennung rechtfertigen könne. 
Auch von Mexico sandte Uhde Knollen der 
dort wildwachsenden Kartoffeln ein, die eben- 
falls die gewöhnliche Kartoffel lieferte und 
im Jahre 1846 empfing der Garten Knollen, 
wilder Kartoffeln , die in Peru in einer Höhe 
von über 7000 Fuss gesammelt wurden: sie er- 
gaben eine behaarte Abart des S. tuberosum, 
die wenige Knollen, aber viele Wurzelausläu- 
fer macht und identisch ist mit der Maglia 
von Chili. Schle chtendahl hal sie S. 
verrueosum genannt. Ebenso finde ich die 
gleiche Art wieder in dem S. stoloniferum, 
Schild, et Bouche, die vom Orizaba Vulkan 
stammt, wo sie bei 9000 Fuss supramariner 
Höhe vorkommt. — 

Chili und Mexico sind demnach doch die 
Heimathländer der wahren Kartoffel. 

(Nach Belgique horlicole. — E. 0.) 



I. Originalabhandlungen. 



1) Abgebildete Pflanzen* 

Heliconia dasyantha G. Koch et Boucbe. Ind. seoiio. horti 

berolin. 1854. 

Von C. B o u c h e , Inspector des Königl. bot. Gartens zu Berlin. 
(Siehe die Doppel - Tafel 198.) 



Heliconia dasyantha C. Koch et Bou- 
che. Folia oblonga acuminata, glaber- 
rima, petiolo rubro-maculato insidentia; 
pedunculus communis basi paene hori- 
zontaliter geniculatus, glaberrimus; spa- 
thae 5 — 7 concavae, pluriflorae ; perigonii 
sepala 6 in tubum conniventia , 3 exte- 
riora molliter pubescontia, 3 interiora in 
unum apice interdum 3 lobum connata; 
nectarium trulliforme. 

Caulis saepe 5-pedalis; pedunculus 
erectus, 2-3pedalis, glaberrimus, nudus ; 
folia 2 l j 2 ped. et ultra longa, 8 poll. la- 
ta, petiolo a latere compresso , antice 
canaliculato , V\ % — 2 poll. longo insi- 
dentia; spathae oblongae, rubrae, paten- 
tes; perigonium luteum, sepälis laterali- 
bus angustioribus; 3 interioribus in unum 
connatis (lacinia vaginiformis Rieh.) la- 
bellum quasi refereniibus ; stamina 5 fer- 
tilia , longitudine perigonii aut vix lon- 
giora ; Stylus cum stigmate perigonio pau- 
lulum aut vix brevior; nectarium (i. e. 
stamen sextum, lacinula quinta Rieh.) 
quintu;lo sepalis brevius. 

Sptcies elegans, ad H. brasilien- 
sem Hook, et acuminatam Rieh, 
accedens, sed pedur^ulo communi basi 

VII. 1857. 



horizontaliter geniculato haud aegre dis- 
cernenda. Patria ignota. 

Diese schöne Pflanze erhielt der kö- 
nigl. botanische Garten zu Berlin durch 
gefällige Mittheilung der Kunst- und Han- 
dels-Gärtner, Herrn Abel in Wien, unter 
dem Namen Heliconia superba. Da sich 
aber, als die Pflanze vor einigen Jahren 
hier blühete, bei näherer Untersuchung 
herausstellte, dass es nicht H. superba 
sein könne, sondern als neu erkannt 
wurde, so erhielt sie den oben angeführ- 
ten Namen. 

Für die warmen Gewächshäuser ist 
sie eine grosse Zierde, indem sie sich 
nicht nur durch die zierlich gerippten 
Blätter, sondern auch durch einen präch- 
tigen Blüthenstand auszeichnet, an dem 
besonders die dunkelrosenroth gefärbten 
Scheiden ins Auge fallen ; eine andere 
sehr schätzenswerthe Eigenschaft besteht 
darin, dass die Blumen im Herbst er- 
scheinen und in der Regel zwei bis 3 
Monate blühen. 

Sie gedeiht, wie viele tropische Sci- 
tamineen , am besten , wenn man den 
Topf in ein warmes Lohbeet einsenkt, 
ihr ein Erdreich giebt, welches aus Laub-, 

14 



202 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Heide- und Torferde zu gleichen Theilen 
vermischt besteht und noch etwas groben 
Sand hinzusetzt ; eine Düngung mit Horn- 
spähnen trägt viel zur Ueppigkeit der 
Pflanze bei. Das Versetzen und Zer- 
theilen geschieht am schicklichsten im 
März, indem sie sich zu dieser Zeit ei- 
nigermaassen in Ruhe befindet. So lange 
sie kräftig treibt, erfordert sie viel Was- 



ser. Nur von Mitte Februar bis Ende 
März sei man sparsamer damit, indem 
sie , wenn sie auch nicht ganz einzieht, 
dadurch mehr in den Zustand der Ruhe 
versetzt wird und später um so kräfti- 
ger treibt *). — 

*) Der als Erklärung der schwarzen Tafel 
dienende Text folgt, weil keine Originalmiühei- 
lung , erst pag. 218. 



2) Ueber die Ausbauung vorhandener Holzungen bei der Anlage 
von Iiandschaftggärten und die Verjüngung und Veränderung 

der Pflanzungen. 

(Von Herrn Hofgärtner H. Jäger in Eisenach.) 



Vorbemerkung. 
Die sorgfältigste Benutzung des vor- 
handenen Stoffes, wozu vor allem Baum- 
und Holzpflanzungen jeder Art und in 
jeder Verbindung gehören, ist wohl das 
Wichtigste und Erste bei der Anlage 
von Landschaftsgärten. Was schon da 
ist, braucht nicht erst gepflanzt zu wer- 
den, und, was das Beste ist, es ist schon 
gross, gibt sofort Schatten und Stoff zu 
allen Formen und Verbindungen. Da 
aber nicht alle sich vorfindenden Hölzer 
brauchbar sind , und der Plan und ma- 
lerische Rücksichten , wohl auch beson- 
dere Umstände , die Entfernung vieler 
Bäume bedingen, so will ich versuchen, 
in dem Nachstehenden eine auf Erfahrung 
gegründete Anleitung zu malerischen 
Hauungen , zur künstlerischen Arbeit 
mit der Axt, zu geben. Der Zufall hat 
es gewollt, dass ich bei meinen land- 
schaftlichen Anlagen stets mehr hauen 
als pflanzen musste, und mir somit Er- 
fahrungen machen konnte, wozu die Ge- 
legenheit nicht immer geboten wird. 
Auch die zahlreichen ausserordentlich 
gelungenen derartigen Arbeiten, welche 
Herr Petzold früher als Hofgärtner in 



Weimar , gegenwärtig als Parkinspector 
in Muskau , ausführte, haben meine Er- 
fahrungen sehr vermehrt. Meines Wis- 
sens ist eine solche besondere Lehre von 
landschaftliche Schönheit bezweckende 
Aushauungen noch nicht vorhanden. — 
Uebrigens rathe ich jedem Landschafts- 
gärtner, überall, wo sich viele brauchbare 
Gehölze vorfinden, wenn es irgend geht, 
den Plan nach diesen einzurichten , um 
so weniger hauen und pflanzen zu müs- 
sen. 

Erster Artikel. 
Die Arbeit mit der Axt, die Schöpfung 
eines neuen Landschaftsgartens aus vor- 
handenen Waldtheilen oder alten verwil- 
derten Gnrtenanlagen ist wohl unter allen 
Verrichtungen des Gartenkünstlers die 
wichtigste, anziehendste und lohnendste, 
aber auch zugleich die schwierigste und 
undankbarste. Mit der Axt schafft der 
Künstler in einem Tage mehr als durch 
Pflanzungen nach fünfzig Jahren ; ja, 
er erreicht Erfolge, die durch Pflanzun- 
gen überhaupt nicht möglich sind, indem 
er vorhandene schöne Landschaftsbilder 
durch Aushauungen sichtbar und geniess- 



I. Originalabhandlungen. 



203 



bar macht und eine augenblickliche 
gänzliche Veränderung der An - und 
Aussichten hervorbringt. Er hat die 
Freude , seine Idee auf der Stelle 
verwirklicht zu sehen , und in kurzer 
Zeit einen vollendeten Garten oder eine 
ideale Landschaft zu schaffen, während 
er blos durch Pflanzungen den Erfolg 
seiner Bemühungen häufig nicht erlebt, 
und selbst wenn vorzugsweise grosse 
Bäume gepflanzt werden , die Wirkung 
erst nach Jahren eintritt , und dann 
immer nicht so vollständig und auf- 
fallend ist, als wenn er seine Gruppen 
und Lichtungen zum grössten Theil 
durch Aushauung bilden kann. Diese 
Vortheile erstrecken sich natürlich auch 
auf den Eigenthümer und befriedigen 
denselben in gleich hohem Masse. Da- 
zu kommt noch, dass die Arbeit mit der 
Axt die Wohlfeilheit für sich hat, nicht 
allein, weil durch Aushauung schnell 
eine gewünschte Wirkung hervorgebracht 
wird, sondern auch, weil die Holznutzung 
oft bedeutend ist und zuweilen fast die 
Kosten der neuen Anlagen deckt. 

Viele Künstler von Ruf haben vor- 
zugsweise mit der Axt geschaffen. Um 
ein Beispiel vorzuführen, so verdankt 
Repton seinen grossen Ruf grossen- 
theils dem Umstände , dass er alte ver- 
dorbene und verwilderte Parks und wal- 
dige Landschaften durch Aushauungen 
in kurzer Zeit veränderte , und ohne 
diese würde er nicht im Stande gewesen 
sein, eine solche Menge von Gärten an- 
zulegen und umzugestalten, obschon er 
bei den meisten nur die Pläne ausar- 
beitete. Man betrachte nur seine land- 
schaftlichen Ansichten mit Klappen, 
worauf grossentheils die durch Aushau- 
ungen entstandenen Veränderungen dar- 
gestellt sind*). Auch der Fürst Pückler- 

*) In dem berühmten Kupferwerke: „Obser- 



Muskau hat ausserordentliche Erfolge 
durch Aushauungen erzielt, und der 
Verfasser hatte das Glück , neuerdings 
bei derartigen Arbeiten Sr. Durchlaucht 
thätig zu sein und die Ausführung zu 
besorgen. Als Muskau angelegt wurde, 
gab es allerdings nicht viel Holz zu 
schlagen, im Gegentheil zu pflanzen. 
Dennoch ist auch in dem berühmten 
Werke des grossen Meisters über Mus- 
kau *) aus einigen Abbildungen zu er- 
kennen, welche ausserordentliche Erfolge 
durch Aushauungen dort erreicht wur- 
den. Auch im Park des Jagdschlosses 
bei Muskau wurde fast der ganze male- 
rische Effekt der offenen Fläche vor dem 
Schlosse durch Aushauung (von beiläu- 
fig 6000 Klaftern Holz) geschaffen und 
der grosse Künstler hat hier bewiesen, was 
die Axt von der Hand des Künstlers ge- 
führt, vermag; denn jener lange Waldsaum 
ist sowohl in der Aussenlinie als auch 
in den Wipfellinien ein landschaftliches 
Meisterstück. Dasselbe war ganz neuer- 
dings bei Branitz, dem jetzigen Wohn- 
sitze Sr. Durchlaucht, der Fall, indem 
dort ein mächtiger Kiefernwald so aus- 
gehauen wurde , dass, obgleich sämmtli- 
che Bäume in der Nähe gesehen, eine 
Farbe und fast gleiche Höhe hatten, von 
den Fenstern des Schlosses gesehen, 
verschiedene Fernen und durch den Ein- 
fluss der nun wirkenden Luftperspective 
verschiedene Farbentöne erscheinen, und 
zwar ganz ohne Beihülfe von Pflanzun- 
gen. Auch der Park von Ettersburg be- 
Weimar wurde vom Fürsten fast ganz 



vations on the Theory and practica of Land- 
scape — Gardening" etc. 

*) „Andeutungen überLandschaflsgärtnerei" 
etc. Sehr deutlich spricht darin das Bild Ta- 
fel II unter der Klappe , wie es sich darstellt, 
nachdem einige zwanzig alle Linden geschla- 
gen wurden. 

14 * 



204 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



durch eine grosse Waldlichtung gebil- 
det. Es konnte aber leider nicht in die- 
ser Weise fortgefahren werden*). Er 
sagt selbst in den Andeutungen über 
Landschaftsgärtnerei: „Auch ist nicht 
zu läugnen, dass man oft durch Hin- 
wegnahme weniger grosser Bäume in 
einem Tage mehr bewirken kann, als 
durch die Pflanzung von Tausenden in 
hundert Jahren ; der Verlust von ein 
Paar derselben ist dann nicht hoch an- 
zuschlagen, wenn dadurch für das Auge 
ihre Zahl vielleicht verhundertfacht wird, 
indem durch ihr Verschwinden so viele 
andre sichtbar werden, die jene vorher 
gänzlich verdeckten. Diess ist gewiss, 
dass ich, der ich nicht allzu reichlich 
mit alten Bäumen in meinem Park ge- 
segnet bin, dennoch durch die Hinweg- 
nahme einiger Achtzig derselben die 
ganze Zahl der stehen gebliebenen, fast 
von allen Punkten im Bezirk des Gan- 
zen, für den Beschauer um das Zehn- 
fache scheinbar vermehrt habe. Es 
tritt oft im eigentlichsten Sinne der 
Fall ein, dass man den Wald vor lau- 
ter Bäumen nicht sieht. — Es kann 
zuweilen, einzeln betrachtet, der schönste 
Baum dem Zweck und der Harmonie der 
ganzen Anlage doch so entgegenstehen, 
dass man ihn opfern rnuss.'' 

Aehnliche Beispiele lassen sich ge- 
nug aus dem Wirkungskreise gegenwär- 
tig schaffender Künstler anführen. Sckell 
musste auch häufig mit der Axt ar- 
beiten , und schon der geistreiche Prinz 
de Ligne (Karl Joseph Fürst vonArem- 
berg) sagte 1796: „Ich möchte nicht 

*) Die Schrift „Beiträge zur Landschafts- 
gärtnerei von E. Petzold (Weimar 1549) ent- 
hält eine Karte dieser Anlage und 3 land- 
schaftliche Ansichten, nämlich reine vor der 
Aushauung , und zwei nach der Aushauung 
aufgenommene. 



erst Schatten und Wasser in meinem 
Garten hervorrufen ; lieber wollte ich ihn 
verlassen und beide irgendwo aufsuchen. 
Hat die karge Natur ihre Schätze ver- 
borgen, so habt ihr weiter nichts nöthig, 
als einen Holzhauer" u. s.w. Er spricht 
überall den Grundsatz aus: die schöne 
Natur aufzusuchen und nicht erst zu 
schaffen. Es braucht wohl kaum er- 
wähnt zu werden, dass solche Aussprü- 
che übertrieben und solche Ansichten 
nicht massgebend sind; allein sie bewei- 
sen , welche Wichtigkeit auch diese be- 
rühmten Gartenkenner der Axt beilegten. 

Pflanzungen und Holzstände wirken 
oft wie ein Vorhang. Man braucht ihn 
nur wegzuziehen, um augenblicklich den 
Genuss des schönsten Bildes zu erlan- 
gen. Mit einigen wohl angebrachten 
Axtschlägen fällt die deckende Pflan- 
zung, und wie mit einem Zauberschlag 
steht ein schönes Landschaftsbild vor 
Augen. Die Blicke, daran gewöhnt, von 
einer einförmigen, reizlosen Holzmasse 
zurückgeworfen zu werden , verbreiten 
sich strahlend über eine neue Welt voll 
Abwechslung und schönen Formen, 
schweifen in reizende Fernen und fin- 
den ganz in der Nähe Scenen von nicht 
geahnter Schönheit. 

Dies ist die Lichtseite der Axtarbeit. 
Nun aber die Kehrseite. Wenn eine 
geschickte Hand und ein landschaftliches 
Talent durch das Schlagen der Bäume 
eine so ausserordentliche Wirkung her- 
vorzubringen im Stande ist, so geht 
daraus hervor, welches Unheil angerich- 
tet werden kann, wenn ein Stümper, 
ein Mensch ohne malerischen Sinn oder 
ein Gedankenloser, Leichtsinniger darü- 
ber kommt. Fürst Pückler sagt sehr 
wahr: „Alles beinahe schafft Geld und 
Macht, aber kein Crösus und kein 
Alexander vermögen die tausendjährige 
Eiche in ihrer Majestät wieder herzu- 



I. Originalabhandlungen. 



205 



stellen, wenn der arme Taglöhner sie 
gefällt hat. Jedenfalls überlege man es 
also Jahr und Tag , ehe man das Hin- 
richtungsbeil wirklich anlegen lässt." 
Es trifft sich sehr oft , dass ein Baum 
oder eine Gruppe von Bäumen, von ei- 
ner Seite gesehen, so störend und nach- 
theilig ist , dass die Beseitigung un er- 
lässlich erscheint. Nimmt man aber 
einen andern Standpunkt an, so macht 
der Baum oder die Gruppe eine so gute 
Wirkung , dass der von einer andern 
Stelle bemerkbare Nachtheil mehr als 
aufgewogen wird. Hier muss der wich- 
tigere Standpunkt entscheiden. Jeden- 
falls führe man einen augenblicklichen 
Entschluss nicht sobald aus, denn die 
Zeit ändert auch die Meinung, und 
wenn man auch nicht immer „Jahr 
und Tag" überlegen kann, so geschehe 
es doch Tage und Wochen lang, nach 
reiflichster und ruhiger Prüfung von al- 
len Seiten und Anhörung der Meinung 
anderer Leute, denen man Geschmack 
und Einsicht zutraut. Mir ist mehr als 
einmal vorgekommen, dass Bäume, die 
schon zum Abschlagen bestimmt waren, 
noch im Fortgehen nnd nicht mehr im 
Gesicht, mir plötzlich anders erschienen, 
so dass ich einen weiten Weg noch 
einmal machte , den Befehl des Schia- 
gens wiederrief und glücklich war , dass 
die Axt den Stamm noch nicht berührt 
hatte. Ich habe die Arbeit des Fällens 
eingestellt, wenn ich nicht mit mir ei- 
nig werden konnte, und meinen festen 
Entschluss erst dann gefasst, nachdem 
ich die Baummassen mit Duft (Rauch- 
frost) überzogen gesehen und so noch 
einmal mit malerischem Auge betrach- 
tet hatte, weil sich in diesem winterli- 
chen Schmucke alle Holzmassen nicht 
allein prächtig , sondern auch in schar- 
fen Umrissen , fast wie belaubt darstel- 
len; oder ich wartete gar den Sommer 



ab, um auch über die Lichtwirkungen 
ein richtig Urtheil zu gewinnen. Wenn 
es schon im Allgemeinen kleinlich ist, 
sich eines früheren Irrthums zu schä- 
men und darum nicht zu -widerrufen, 
so ist es bei einem solchen Wirken un- 
verzeihlich , auf einem gefassten Ent- 
schluss zu bestehen, wenn man eine 
andere Ansicht gewinnt, selbst auf die 
Gefahr hin, von Andern für schwankend 
und veränderlich gehalten zu werden. 
Ich freue mich noch nach Jahren über 
Bäume , die durch eigenen Entschluss 
oder höhern Befehl der Axt verfallen 
sollten, aber durch mein Widerstreben 
erhalten wurden. Sie verwachsen gleich- 
sam inniger mit der Seele, wie ein lie 
bes menschliches Wesen, das, schon 
fast aufgegeben , dem Tod entrissen 
wurde. 

In allen Fällen, wo das Fällen eines 
alten Baums keinen erheblichen Nutzen 
für das Ganze bringt, möge man ihn ja 
stehen lassen, selbst wenn seine Weg- 
nahme keinen besondern Nachtheil bräch- 
te. Der zu fällende Baum muss nicht 
bloss entbehrlich, sondern wirklich dem 
Ganzen nachtheilig sein. Ist aber die 
letzte Ueberzeugung gewonnen, dann ge- 
trost die Axt angelegt; denn Bedauern 
und weichliches Gefühl ist hier nicht 
am Platze. Solche gleichsam aus Mit- 
leiden stehen gebliebene Bäume sind dem 
Künstler später immer ein Dorn im 
Auge, und oft gestatten es die Verhält- 
nisse nicht, sie nachträglich zu besei- 
tigen. 

Ich nannte oben die Arbeit mit der 
Axt die undankbarste. Sie ist es An- 
dern gegenüber wenigstens für den Au- 
genblick. Mag der Besitzer eines Gar- 
tens, der umgeschaffen, oder eines mit 
Holz bewachsenen Landes, das in einen 
Landschaftsgarten verwandelt werden soll, 
noch so sehr von den Fähigkeiten des 



206 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Künstlers, welcher die Hauungen angibt 
oder ausführt, überzeugt sein, er wird, 
wenn er nicht gefühllos oder auf den 
Geldgewinn durch den Holzerlös erpicht 
ist, mit Schrecken die vermeintliche Ver- 
wüstung sehen, wenn mächtige Bäume 
zusammenbrechen und Stämme und Aeste 
in wilder Unordnung übereinander liegen. 
Er wird, wenn er gefragt wird, zaudernd 
seine Einwilligung zum Fällen eines 
grossen , vielleicht schönen Baumes ge- 
ben. Er wird selbst, nachdem die Höl- 
zer weggeräumt und die Spuren der 
Verwüstung beseitigt sind, vielleicht den 
Kopf schütteln, wenn es so dünn und 
licht geworden ist, wird vielleicht fürch- 
ten, dass der kühle Schatten auf lange 
Zeit verloren ist, und Reue über das 
Begonnene fühlen, weil er meist nicht 
im Stande ist, sich eine Vorstellung zu 
machen, wie das Bild im Schmucke des 
Sommers aussehen wird. Der Gärtner 
weiss es, er muss die zukünftige "Wir- 
kung seiner Arbeit gründlich kennen, 
und wird sie in vielen Fällen noch über 
seine Erwartungen finden. Er weiss, 
wie sich die noch durchsichtigen Kronen 
und Holzmassen beblättert gruppiren, 
weiss, dass die abgeworfenen zum Wie- 
derausschlag bestimmten Bäume und 
Gebüsche in wenigen Jahren keine Spur 
mehr von dem gewaltsamen Verfahren 
zeigen; weiss, dass freigestellte Bäume 
sich in kurzer Zeit voller und schöner 
belauben , dass sich die Aeste der mei- 
sten Bäume von selbst senken und 
den anfangs zu kahl scheinenden Stamm 
verdecken; er weiss, dass neue, wohl- 
berechnete Pflanzungen den augenblick- 
lichen Verlust zehnfach ersetzen, die 
anfangs erscheinende Leere reichlich 
füllen; er sieht im Geiste die schönen 
Stämme zwischen grünen Rasen auf- 
streben, die schönsten Lichtwirkungen 
auf der eammtartigen Fläche, wo wildes 



hässliches Gebüsch jeden Blick in die 
Tiefe verhinderte; er sieht dies alles 
im Geiste, ehe nur die Axt angelegt 
wird. Man kann solche Gefühle dem 
Besitzer nicht verargen, muss sie sogar 
ehren. Der Gärtner kann in solchen 
Fällen nichts besseres thun, als mit leb- 
haften Farben die Vortheile der Verän- 
derung zu schildern, und wo möglich 
Beispiele anzuführen, wo durch das glei- 
che Verfahren etwas Vorzügliches ge- 
schaffen wurde, zu trösten und durch 
Schonung anderer Bäume zeigen, dass 
nicht Vernichtungslust der Beweggrund 
ist, vielleicht sogar in unwesentlichen 
Dingen nachgeben , um zu beruhigen. 
Wenn man für Andre arbeitet, muss man 
ohnedies in den meisten Fällen auf die 
Hoffnung verzichten, ein vollkommenes 
Kunstwerk zu schaffen. Wer einen Gar- 
ten anlegen lässt, will vor Allem Freude 
daran und ihn seinen Neigungen ange- 
messen haben; er will liebgewonnene 
Gegenstände nicht vermissen, und hier- 
zu gehören oft besondere Bäume, sei es, 
dass sie durch sich selbst erfreuen, oder 
dass sich ganz besondere Erinnerungen 
und Beziehungen daran knüpfen, oder 
dass sie Nutzen bringen, wie es z. B. bei 
Obstbäumen der Fall ist. Wer kann es 
dem Manne verdenken, wenn er einen 
Baum, den der Vater oder Grossvater 
pflanzte, nicht der Axt überliefern will? 
Geht es daher irgend an, so gebe der 
Künstler nach , und ändere lieber den 
Plan. Sehr häufig kommt es vor, (und 
ich selbst habe öfter derartige Fälle er- 
lebt,) dass Bäume, für deren Erhaltung 
alles aufgeboten wurde, schon nach kur- 
zer Zeit dem Besitzer selbst missfielen, 
und er nach ruhiger Ueberlegung aus 
eigenem Antriebe die Beseitigung bean- 
tragte. Ich will solche aus Empfindsam- 
keit und frommer Anhänglichkeit hervor- 
gegangene Bedenklichkeiten nicht gut 



I. Originalabhandlungen. 



207 



heissen und verthcidigen, aber, wie ge- 
sagt, sie sind zu entschuldigen. Kom- 
men sie freilich so häufig vor, dass sie 
den Plan verderben und den Künstler 
nach allen Seiten hemmen, so thut er 
besser, sich von der ganzen Sache zu- 
rückzuziehen. 

Ich will daher jedem Gärtner wün- 
schen, dass bei der Aushauung die Be- 
sitzer nicht gegenwärtig, überhaupt kei- 
ne Zuschauer dabei sind; denn so wird 
er manchem Verdruss entgehen. Kommt 
hinterher ein missbilligendes Urtheil, so 
ist es doch geschehen und der Künstler 
nehme dasselbe nicht so genau, suche 
zu trösten mit der Schilderung lachen- 
der Bilder, und tröste sich selbst mit 
dem Gedanken, dass man das ungün- 
stige Urtheil in Zukunft laut oder in 1 
Gedanken zurücknehmen wird. Auch 
dieses weiss ich aus Erfahrung und es 
ist mir vorgekommen , dass Personen 
vom höchsten Range, die beim Anblick 
gefällter Bäume ausser sich waren und 
sich bitter aussprachen, schon den fol- 
genden Sommer erklärten, dass sie da- 
mals Unrecht gehabt. Solche Dinge 
ermuthigen und machen sicher. 

Alles, was ich über Einmischung der 
Betheiligten sagte, ist vorzugsweise bei 
Fraugn und älteren Leuten der Fall. 
Frauen sind mit wenigen Ausnahmen 
von Natur zartfühlender als Männer und 
die aus höheren und höchsten Ständen 
häufig zu Empfindeleien geneigt. Der 
augenblickliche Eindruck ist bei ihnen 
meistens entscheidend, und darnach be- 
stimmt sich ihr Urtheil. Man mache 
sich daher bei neuen Hauungen stets 
auf neuen Tadel gefasst, wenn auch die 
früher ausgeführten, erst genüssbilligten 
Veränderungen durch die Axt nachträg- 
lich mit Lob überhäuft worden waren. 
Schlägt man ihnen eine Hauung erst 
vor , so werden sie grosses Bedenken 



tragen, und schwer oder nicht einwilli- 
gen. Selbst wenn der ganz befriedigende 
Erfolg einer früheren Veränderung noch 
in ganz frischem Andenken ist, so wer- 
den sie doch, wenn die Einwilligung er- 
theilt ist , sich unmittelbar nach der 
Ausführung häufig ungünstig ausspre- 
chen, oder wenn das Unglück sie wäh- 
rend der Arbeit herbeiführt, ihre bitteren 
Gefühle in Tadel aussprechen, vielleicht 
gar die Arbeit halbvollendet unterbre- 
chen, auf welche Weise manche unfer- 
tige Anlage entstanden ist. Gegen diese 
Eigenthümlichkeit des weiblichen We- 
sens ist nichts zu machen, besonders 
weil man es in der Regel mit Damen 
aus den höhern und höchsten Ständen 
zu thun hat. Es heisst also schweigen, 
geduldig tragen und sich damit trösten, 
dass die Zeit eine andere bessere Mei- 
nung reift, und der spätere Eindruck 
die Sache ausgleichen wird. 

Noch mehr gegen das Fällen alter 
Bäume eingenommen sind alte Leute, 
und sie sind ungleich schwerer dazu zu 
bewegen. Das erklärt sich ganz natür- 
lich. Die Bäume sind gleichsam Alters- 
genossen (so bilden sie sich's wenigstens 
ein, obschon die Bäume meist viel äl- 
ter sind), und daher ihnen ein Heilig- 
thum. Das Alter verehrt mit seltenen 
Ausnahmen überhaupt alles Alte, bloss, 
weil es alt ist. Selbst nahe am Lebens- 
ziel, haben alte Leute eine heilige Scheu, 
einen alten Baum, gleichsam ihres Glei- 
chen untergehen zu sehen. Sie geben die 
Hoffnung auf, den jungen Nachwuchs 
noch gross zu sehen, obschon diess heut 
zu Tage, wo man grosse Bäume mit 
gutem Erfolg pflanzt, gar nicht so sel- 
ten ist, und man Gärten anlegt, die 
schon einige Jahre nach der Pflanzung 
das Ansehen haben, als wären sie vor 
sechszig Jahren gepflanzt worden. Bra- 
nitz und die Anlage an der Friedens- 



208 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



kirchc bei Potsdam, erstere von Sr. 
Durchlaucht dem Fürsten Pückler, letz- 
tere vom Herrn General - Gartendirektor 
Lenne" angelegt, sind dafür sprechende 
Beweise. Wenn man schon im Allge- 
meinen eine gewisse Ehrfurcht vor al- 
ten Bäumen haben soll, so muss dies 
alten Leuten gegenüber noch mehr der 
Fall sein, und es wird dem Herzen des 
Künstlers nur Ehre machen, wenn er 
die Gefühle bejahrter Personen in zarter 
Weise schont und ihnen solches Leid 
erspart, wo es sich irgend mit der Aus- 
führung vereinigen lässt. Das Schlimm- 
ste ist nur, dass nach dem Ableben der 
Besitzer gefühlvolle Erben wiederum 
Bedenken tragen , die Lieblinge ihrer 
Vorfahren zu opfern, obschon manche 
solche fromme Rücksichten nur zur 
Schau tragen mögen. 

Dieses alles möchte noch hingehen, 
wenn der Künstler nicht noch mit einem 
andern Gegner zu kämpfen hätte, der 
zwar meist keine unmittelbare Einspra- 
che thun, aber desto mehr Aerger be- 
reiten kann. Dieser Feind der Neue- 
rung ist das grosse Publikum, wenn es 
sich, was häufig vorkommt, um die 
Veränderungen in öffentlichen Anlagen 
handelt. Dieses vielköpfige Wesen 
mischt sich in alle Dinge, die es täglich 
vor Augen sieht, selbst, wo es nichts zu 
sagen hat, wie z. B. in fürstlichen und 
andern dem Publikum geöffneten Gärten. 
Alles, was von Gartenbesitzern gesagt 
wurde, erlaubt sich auch das Publikum, 
und es erhebt, ohne irgend ein Recht 
zu haben, bei allen Veränderungen das 
grösste Geschrei und ist stets bereit, 
unbegründete Vorwürfe zix machen, zu- 
weilen auf unverschämte Art durch die 
Presse. Wer an die Oeffontlichkeit tritt 
— und das thut der Gärtner bei sol- 
chen Veränderungen — muss sich auch 
das Öffentliche Urtheil gefallen lassen, 



und so viel wie möglich gleichgültig ge- 
gen Tadel und Lob sein; denn beides 
ist im Grunde von dieser Seite werthlos, 
wenn auch das Lob angenehm zu hören 
ist. Einzelne vernünftig und höflich 
ausgesprochene Bedenken wird der Künst- 
ler gern zu beseitigen suchen; denn oft 
hängt das allgemeine Urtheil nur von 
einflussreichen Personen ab, und eine 
günstige Umstimmung wird durch diese 
leicht ermöglicht. Besonders ist die 
Presse ein gutes Mittel, das Publikum 
aufzuklären, zum Schweigen zu bringen 
oder anders zu stimmen. Ist daher der 
Künstler nicht gleichgültig gegen an- 
massendes Urtheil, so wird er wohl 
thun, sich dieses Mittels durch seine 
Freunde zu bedienen. Einzelne unbe- 
rufene Schreier, welche die Frechheit 
haben, ohne alle Kenntniss der Sache 
ihr anmassendes Urtheil dem Künstler 
ins Gesicht zu sagen, wird er schon 
zum Schweigen zu bringen wissen, sei 
es durch eigenes Schweigen, oder durch 
gut angebrachte Zurechtweisung, wenn 
es die Anmassung verdient. Die Ge- 
wissheit, dass das ungerechte öffentliche 
Urtheil sich bald in Lob verwandeln 
wird, dass die verwandelte Anlage die 
spätem Besucher zur stillen Dankbarkeit 
stimmt, muss den Künstler für augen- 
blicklichen Aerger entschädigen. 

Man begreift meistens nicht , dass 
Bäume und Anlagen keine Antiken 
sind und sein können , dass ihre ewig 
wechselnden Formen zu einem festen 
Bestehen von Natur nicht geeignet sind, 
dass fast jedes Jahrzehnt Veränderungen 
nothwendig macht, ohne die bald ein 
Verfall des Schönen eintritt. 

Man glaube auch nicht , dass das 
Vernichten dem Gärtner Vergnügen 
macht, dazu müsste er eine Schlächter- 
seele haben. Auch er hat seine schwe- 
ren Augenblicke. Wenn die Säge mit 



rat M4. 




I. Originalabhandlungen. 



209 



beissenden Zahnen gefrässig tiefer und 
tiefer in den Stamm eindringt, wenn die 
Zweige bei den Schlägen der Axt wie 
von Todesschauern zittern, wenn end- 
lich der Riese des Waldes schwankt, 
sausend die Luft durchschneidet und 
krachend zu Boden fällt, die zertrüm- 
merten Aestc tief einwühlend; wenn 
die Nachbarbäume vom Druck der Luft 
bewegt sich gleichsam angstvoll zur 
Seite biegen: dann befällt auch ihn wohl 
ein Bangen , als habe er ein Unrecht 
gethan, er zittert wohl selbst vor der 
That, die nicht mehr ^aufzuhalten ist, 
und steht erschreckt vor seinem Werke. 
Hier tritt nicht die Freude des Voll- 
bringens einer kühnen That ein ; schwer 
liegt es auf der Brust, denn das Grosse 
verfehlt seinen Eindruck nicht, selbst 
wenn es überwunden zu unsern Füssen 
liegt. So ergeht es mir, wenn ich 
grosse Bäume schlagen lasse, und ich 
glaube, dass Viele diese Gefühle mit 
mir theilen. Doch der sofort sichtbar 
werdende Erfolg beseitigt die augen- 
blicklichen Gefühlsanwandelungen, und 
verwandelt das Bangen in Freude. Aber 
wehe, wenn die gehoffte Wirkung nicht 
eintritt, wenn sich kahle Stämme oder 
einseitige Kronen zeigen, wo man einen 
vollen Baum erwartete, oder wenn der 
fallende Baum die stehen gebliebenen 
stark beschädigt. Oft muss dann auch 
der nächste fallen, und der Gärtner wird 
sicher einen verdorbenen Tag haben 
und eine Art von Gewissensbissen füh- 
len. 

Ich wiederhole es noch einmal: die 
Arbeit mit der Axt ist die wichtigste, 
anziehendste und lohnendste, aber zu- 
gleich auch die schwierigste und un- 
dankbarste für den Gartenkünstler. Be- 
sonders schwierig wird sie für den An- 
fänger, für den ängstlichen jungen Mann. 
Mag er noch so geschickt und sicher 



seinen Plan hinwerfen, Pflanzungen an- 
legen, seine Wege führen u. s. w. Bei 
den ersten Aushauungen wird ihn mit 
seltenen Ausnahmen seine Sicherheit 
verlassen. Er wird da und dort anfan- 
gen, ohne erfolgreich einzugreifen, er 
wird, wenn er nicht leichtsinnig ist, 
ängstlich versuchen, und die oben ange- 
deuteten Gefühle beim Fällen der Bäume 
doppelt empfinden. Er wird häufig den 
Fehler begehen, dass seine Aushauun- 
gen wirkungslos, seine Durchsichten zu 
schmal sind, wie man überall sehen 
kann. Er wird sich anfangs mit Kleinig- 
keiten aufhalten, überall etwas wegneh- 
men, und so das Licht zerstreuen und 
das Gemälde unruhig und ausdruckslos 
machen: kurz seine Arbeit wird in den 
meisten Fällen den Eindruck der Unfer- 
tigkeit machen und sich als ein man- 
gelhaftes Erstlingswerk zeigen. Selbst 
manche landschaftliche Talente und an 
Pflanzungen und Anlagen geschickte 
Landschaftsgärtner erlangen nie im Le- 
ben die bei Aushauungen nöthige Si- 
cherheit, und daher mag es kommen, 
dass gelungene Aushauungen immer noch 
zu den Seltenheiten gehören. — 

Es lässt sich für Aushauungen eine 
kurze Regel angeben, die freilich vor- 
aussetzt, dass man weiss, was landschaft- 
lich schön ist, und was man eigentlich 
erreichen will. Dieses Verständniss her- 
beizuführen liegt ausser den Grenzen 
dieses Aufsatzes *), und ich will nur 
aufmerksam machen, dass gründliche 



*) In meiner Schrift: „Die Verwen- 
dung der Pflanzen in der Garten- 
kunst," welche vor Kurzem bei Hugo 
Scheube in Gotha erschienen ist, habe ich 
mich bemüht , dieses Verständniss herbeizu- 
führen. Der gegenwärtige Artikel ist theilweise 
diesem Buche einverleibt. J. 



210 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



theoretische Belehrung dazu zwar un- 
entbehrlich, aber nicht hinreichend ist, 
und das Studium der Natur selbst in 
gelungenen Parkanlagen und in ihren 
schönsten natürlichen Scenen, so wie 
dasjenige gelungener Landschaftsbilder 
die Hauptsache dabei ist. Man gewöhne 
sich nur daran, alle Natur- und Park- 
scenen, sowie gemalte Landschaften mit 
schönen Baumpartien mit malerischem 
Auge zu betrachten, mit anderen Worten: 
man suche sich zu erklären, warum 
gewisse Scenen besonders gut gefallen, 
wie dabei die Holzmassen auf die Form 
des Ganzen, die verschiedenen Gruppi- 
rungen auf die Beleuchtung der Baum- 
masse selbst und des Bodens , und die 
einzelnen Bäume durch ihren Bau, ihre 
Belaubung und Stellung wirken. Hierzu 
genügen schon beschränkte Scenen, in- 
dessen wollen auch grössere erfasst und 
studirt sein. Diese einfache Regel 
heisst: beseitige jeden Baum, jede Ge- 
hölzmasse, die aridere schönere verbirgt, 
beeinträchtigt oder deren Wirkung 
schwächt, insofern nicht die Gruppirung 
im Grossen, die ganze Ordnung darunter 
leidet. Hundert, ja tausend hoch aufge- 
schos r ene Stangenhölzer mögen fallen, 
um die alte schöne Eiche, Buche oder 
Tanne freizustellen ; ganze Bestände 
von Nadelholz sollen geopfert werden, 
wenn eine helle Belaubung und eine 
weniger gleiehmässige Wipfellinie wün- 
schenswerth erscheint, um einen dahin- 
ter verborgenen Laubwald zu zeigen, 
oder um neue Pflanzungen auf dieser 
Stelle anzulegen; breite Massen von 
Holz jeder Art sollen ganz oder bis 
auf einzelne schöne Bäume ausgeschlagen 
werden , um Tiefe des Gemäldes , ver- 
schiedene Ansichten und Aussichten in 
die Ferne zu erzielen, dabei zugleich 
das nöthige volle Licht durch offene 
Flächen, und gebrochenes Licht und 



Uebergänge durch lockere Baumpartien 
zu gewinnen. Die einzelnen Gehölz- 
partien oder Stämme müssen sich nicht 
nur gruppiren und vor- und zurücktre- 
ten, sondern auch durch tiefe Ein- 
schnitte und verschiedene Baumformen 
möglichst mannigfaltige Wipfellinien (An- 
sicht der Wipfel gegen den Horizont) 
bilden« 

Ich brauche wohl kaum zu erwäh- 
nen, dass der eigentliche Wald, wenn er 
AVald bleiben soll, nicht so behandelt 
werden darf, dass hier nur von waldigen 
Partien, die zu einem Landschaftsgarten 
gezogen werden sollen, die. Rede ist. 
Der eigentliche Wald verträgt eine sol- 
che Behandlung nicht und würde auf- 
hören, Wald zu sein. Doch kann man 
auch im Laubwalde einzelne schöne 
Bäume am Wege freistellen und Theile 
davon durch Ausrichtung in Haine ver- 
wandeln. Dies gilt besonders vom 
Hochwald, während Mittel- und Nieder- 
wald einer beständigen Veränderung un- 
terworfen ist, und namentlich Mittelwald 
d. h. buschiger Niederwald mit dazwi- 
schen stehenden Bäumen durch die Axt 
nach landschaftlichen, malerischen Grund- 
sätzen behandelt werden kann, wenig- 
stens in der Nähe der Wege, an Aus- 
sichten und den Rändern. Ueberhaupt 
bietet schöner Mittclwald den reichsten, 
dankbarsten Stoff für den Landschafts- 
gärtner, und man kann, ausser wirklichen 
geschlossenen Hochwald, mit der Axt 
alles daraus machen, fast ohne zu pflan- 
zen und seine neuen Pflanzungen mit 
Leichtigkeit und ganz unbemerkbar an 
das Vorhandene anschliessen, während 
die anderen Pflanzungen neben den Rie- 
sen des gelichteten Hochwalds lange 
Zeit ärmlich genug aussehen. Hier tritt 
auch selten der Nachtheil ein, dass 
Bäume in Folge der Bloslegung des 
Bodens durch Wegnahme der benach- 



I. Originalabhandlnngen. 



211 



harten Bäume und von Wurzelbeschä- 
digungen beim Roden der Stöcke und 
bei Umarbeitung des Bodens zu Grunde 
gehen, was bei Bäumen des Hochwal- 



des, die plötzlich frei gestellt, vielleicht 
noch an den Wurzeln beschädigt und 
der Bodenbedeckung beraubt werden, 
häufig der Fall ist. 



3) Fraxinus heterophylla, aus Samen der gemeinen Esche 

erzogen» 



Man scheint immer noch nicht einig 
zu sein, ob man Fraxinus heterophylla 
Vahl. (simplieifolia Willd.) für eine 
nordamerikanische wirkliche Art, oder 
für eine einheimische Spielart der ge- 
meinen Esche halten soll, obgleich sie 
schon von Koch in der Synopsis der 
Deutschen- und Schweizerflora als letz- 
tere aufgeführt wird. Der Umstand, 
dass ich unter einer Aussaat gemeinen 
Eschensamens 5 Procent Stämmchen mit 
ungefiederten Blättern gezogen habe, die 
jetzt nach 5 Jahren noch vollkommen 
der Fraxinus heterophylla, welche man 



durch Veredlung fortpflanzt, gleichen, 
wird vielleicht dazu beitragen, die etwa 
noch waltenden Zweifei zu beseitigen. 
Uebrigens ist es leicht möglich, dass 
auch in Nordamerika von einer dortigen 
Art, vielleicht von Fr. ovata, eine Spiel- 
art mit ganzen Blättern gezogen wor- 
den ist, wovon die älteren ganzblättri- 
gen als Fr. heterophylla und simpliei- 
folia bekannten Eschen stammen. In 
der Holz- und Knospenbildung gleicht 
das Holz der angeblich nordamerikani- 
schen Art ganz der gemeinen Esche. 

Jäger. 



4) Pflanzen, die Im Hais» Bot. 

1) Sedum Sieboldü Hort\ Crassula- 
ceae. — Dieses schöne, zu Blumen- 
vasen und Blumenlampen besonders ge- 
eignete Sedum, welches sogar im Freien 
aushält und im Herbst seine rosenro- 
then Blüthendolden in reicher Fülle ent- 
wickelt, findet sich merkwürdiger Weise 
noch nirgends beschrieben. Wahrschein- 
lich ward es von Siebold aus Japan ein- 
geführt und nach ihm genannt. Die 
Beschreibung dieser zur Topfcultur , Va- 
sencultur, für Bordüren etc. gleich ge- 
eigneten Pflanze werden wir an anderm 
Orte geben. 

2) Nymphaea gigantea Hook. Die 
Pflanze , deren Wachsthum wir früher 
beschrieben , hat bei uns und , wie 
wir hören, auch im Berliner botanischen 
Garten viel und reichlich geblühet. Die 
Pflanze ist schön, die Blumen halten 
6—8 Tage, blühen fast den ganzen Tag, 
und bei einer kräftigen Pflanze sind im- 



Garten zu Petersburg blüheten. 

mer 4 — 6 prächtig dunkelblaue Blumen 
zugleich geöffnet. Soweit ist die Pflanze 
jedenfalls und unbestritten weitaus die 
schönste der bis jetzt bekannten blauen 
Nymphaeen. Dagegen hatte die grösste 
unserer Blumen nur etwas über 7 Zoll 
im Durchmesser, während die ausge- 
breitete Blume der Van Houtte'schen Ab- 
bildung mindestens 11 Zoll Durchmes- 
ser halten würde. Möglich, dass eine 
im hohen Sommer blühende Pflanze noch 
grössere Blumen erhält; dass sie aber 
die Grösse der Van Houtte'schen Abbil- 
dung je zeigen werde , das müssen wir 
bezweifeln*). Ein prächtiges Seitenstück 

*) Da man in oben Gesagtem einen Vorwurf 
erblicken könnte, der jedenfalls unverdient ist, 
so halten -wir es für unsere Pflicht, hier beizu- 
fügen, dass die erwähnte Van Houlte'sche Ab- 
bildung eine exaete Copie derffooker'schen im 
Bot. Magazine t. 4647 ist, und dass diese Tafel 
nach einem getrockneten vaterländischen Exem- 



212 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



zu den schönen rothen Nymphaeen, so- 
wie zur N. dentata und Lotus. 

3) Coelogyne ocellata Lindl. ; Orchi- 
deae. Eine schöne Art aus Sylhet mit 
weissen Blumen, die auf dem Mittellap- 
pen und den Seitenlappen der Lippe 
orangengelbe Augen tragen. Ovale fast 
4seitige Scheinknollen tragen auf der 
Spitze 2 lanzettliche Blätter und zwi- 
schen diesen die 1 — mehrblumige Blu- 
mentraube. — Cultur im Korbe in der 
warmen Abtheilung. Blühet im Oktober. 

4) Calathea pardina PI. et Linden. 
Wir haben diese von Linden eingeführ- 
ten, einer Maranta ähnlichen Pflanze 
schon erwähnt. Wir halten sie für die 
beste seiner Einführungen, denn die 
Pflanze besitzt üppiges Wachsthum, 
schöne grosse hellgrüne schwarzgrün ge- 
fleckte Blätter, trägt im Herbst den Blü- 
thenschaft, der oben zwischen den Schei- 
den die grossen gelben Blumen ent- 
wickelt. Cultur im feuchten Warmhaus im 
Beet mit Bodenwärme. Schöne Decora- 
tionspflanze. Erdmischung aus */ a Rasen-, 
J / 3 Laub - , ! / 3 Heideerde und etwas Sand 
mit guter Unterlage. Vermehrung durch 
Theihmg und Samen, den sie reichlich trägt. 

5) Octomcria scmitcres Rgl.; Orchi- 
deac. Eine Orchidee aus Brasilien mit 
kleinen durchsichtigen gelben Blumen. 
Sie steht der 0. Chamaeleptotes Rchb. 
fil. jedenfalls sehr nahe, unterscheidet 
sich aber durch halbstielrunde Blätter, 
die oberhalb fast flach und gefurcht, 

plare gezeichnet wurde. — Es ist möglich, dass 
dieses Exemplar durch den erlittenen Druck heim 
Pressen in die Breite gezogen, weit grösser er- 
schien und dass der Zeichner sich dadurch läu- 
schen liess , es ist aber ebensowohl möglich, 
dass die Pflanze im Vaterlande wirklich jene 
Dimensionen erreicht, und auch in unsern Aqua- 
rien sie erreichen kann, wenn wir alle Bedin- 
gungen erfüllen können , die zu ihrer grösst- 
mögUchen Entwicklung nöthig sind. (E. 0.) 



(bei 0. Chamaeleptotes sind sie stielrund), 
durch zu 1 — 8 ma Grunde des Blattes 
zusammengehäufte Blumen (bei der an- 
dern nur zu 2 — 3) , durch längliche 
durchaus stumpfe Sepalen (bei der an- 
deren spitz), und endlich eine Lippe, die 
am Grunde ein schmales nageiförmiges 
Säckchen besitzt, auf dessen Spitze die 
31appige, aus pfeilförmigen Grunde läng- 
liche stumpfe Platte steht, deren Basal- 
lappen stumpf in den Mittellappen über- 
gehen und dessen pfeilförmigen Grund 
bilden; der Mittellappen besitzt seitlich 
herabgeschlagene Ränder und trägt am 
Grunde beiderseits einen erhöhten Kiel*). 
Die genaue Beschreibung dieser klein- 
blumigen, nur dem Botaniker interessan- 
ten Orchidee werden wir an anderem 
Orte geben. Da Reichenbach's Diagno- 
sen immer scharf und charakteristisch 
sind, so wagten wir es nicht unsere 
Pflanze , bei so viel Abweichungen, wenn 
gleich offenbar gleicher Tracht, mit des- 
sen 0. Chamaeleptotes zu vereinigen. 

6) Stanhopea eburnea Lindl. ß. gran- 
diflora. Lindley sucht in seinen Fol. 
Orchid. die St. grandiflora Lindl. noch 
zu halten und sagt, dass sie anstatt der 
beiden Hörner am Hypochilium , welche 
der St. eburnea zukämen, nur Zähne 
besitze. Unsere Pflanze gleicht nun in 
Form und Färbung der St. grandiflora 
vollkommen , trägt aber am Hypochilium 
zwei Hörner, welche genau so lang als 
die von St. eburnea. Mithin fällt die 
Art. — Eine übrigens prächtige Art 
mit elfenbeinweissen Blumen und blass- 

*) Reichenbach beschreibt die Lippe seiner 
Pflanze durch folgendes: labello panduralo 
unguiculato , lobis lateralibus in laminam lobi 
medii transgredientibus, lobo medico anguslo, 
apice subreluso. — Die geigenförmige Gestalt, 
sowie der schmale zurückgedrücktc Miltellap- 
pen, stimmen mit der Lippe unserer Pflanze 
nicht überein. 



I. Originalabhandlangen. 



213 



fleischfarben nüancirtem Hypo- und Me- 
sochilium der Lippe. Ein starker Wohl- 
geruch zeichnet ausserdem die Art aus. 

7) Cattleya Loddigesii Lindl. Var. 
unkolor. Es unterscheidet sich diese 
Abart der rosenroth blühenden, blass- 
gelblippigen mittelgross blühenden C. 
Loddigesii von Lindley's und Loddiges' 
Abbildung durch einfarbige nicht punk- 
tirtc Sepalen und Fetalen. In europäi- 
schen Gärten scheint dies die gewöhn- 
lichste Form zu sein. 

8) Epidendrum fuscatum Lindl, (En- 
cyclium. Hymenochilia Lindl. fol. orch.) 
Diese niedliche Orchidee, welche der 
hiesige Garten aus Cuba erhielt, stimmt 



ganz mit Lindley's Beschreibung, nur 
werden die kleinen rundlich-ovalen Knol- 
len oft grösser und länglicher und tragen 
dann 2 statt sonst nur 1 Blatt, und das 
bandförmige schmale dicke Blatt selbst 
ist entweder stumpf und ausgekerbt, oder 
spitz. Die zierlichen kleinen, kaum 3 / 4 
Zoll im Durchmesser haltenden Blumen 
sind dunkelorange gefärbt- Die 31appige 
Lippe ist schön purpur gestreift, Blumen 
stehen in einer schlanken, die Blätter 
überragenden Rispe. 

Blühet im October. Cultur im Korbe. 
Niedlicher als schön. Dem E. Candollei 
verwandt. 



5) »er Garten des Herrn G. Blass in Elherfeld. 



Kürzlich besuchte ich den Garten 
des Hrn. G. Blass; ich kenne jedoch 
diese Gärtnerei schon seit einer Reihe 
von Jahren und habe mit grossem Ver- 
gnügen gesehen, wie sie sich durch das 
lebhafte Interesse ihres Besitzers für die 
Schätze der Pflanzenwelt zu grosser Be- 
deutung emporgeschwungen hat. 

Aus dem dort Gesehenen muss ich 
den Schluss ziehen, dass Hr. Blass ein 
Kenner ist, begabt mit einem feinen Ge- 
schmacke für das wirklich Schöne; denn 
die 3 schönsten und wunderbarsten Pflan- 
zenfamilien, Farm, Orchideen und Pal- 
men sind hier die besondern Lieblinge. 
Da, wie bekannt, das Einführen von 
neuen Pflanzen mit vielen Kosten ver- 
bunden ist, so sucht Hr. Blass selbige 
zum Theil dadurch zu decken, dass er 
diese Pflanzen, sobald sie hinlänglich 
vermehrt sind, in den Handel bringt, 
und sie dadurch auch jedem Liebhaber 
gegen massige Preise zugänglich macht. 

Der Raum, den die Gärtnereibis jetzt 
einnimmt, ist nicht sehr gross, jedoch 



Alles praktisch angelegt. Die Gewächs- 
häuser sind mit einem Satteldache ver- 
sehen und werden durch eine sehr ein- 
fache von Hrn. Blass selbst erfundene 
Warmwasscr-Heizung erwärmt. Vor Al- 
lem wird sich der Besucher wundern über 
die reiche und prachtvolle Farrcn-Samni- 
lung, die in einem dazu bestimmten Hause 
aufgestellt ist. Zwar sind die Pflanzen 
aus Mangel an Raum sehr zusammen 
gedrängt, haben aber trozdem ein recht 
gesundes Aussehen, und von Moder u. 
dgl. ist nichts zu sehen. Der Cultiva- 
teur in diesem Hause, Hr. Keilig, scheint 
mir überhaupt mit der Behandlung der 
Farm sehr vertraut zu sein; denn über- 
all, wo das Auge auch nur hinblickt, 
sieht es Alles in gesundem Zustande. 

Von den schönsten und seltensten 
Pflanzen, welche ich mir flüchtig notirt 
habe , erlaube ich mir einige namhaft zu 
machen, und zwar von Baumfarrn : Also- 
phila Humboldtii, gibbosa , mexicana, re- 
galis, Loddigesii, guianensis, Miqueli und 
radens, so wie noch verschiedene andere. 



214 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Hemitelia capensis, horrida, spectabilis 
und urolepis, ferner Cyathea aurea, rai- 
crolepis und excelsa, Lophosoria affinis, 
Dekeriana, Karstenianaund Warscewiczii, 
Blechnum brasiliense stehen sehr schön, 
und das prachtvolle Diplazium giganteum, 
so wie noch eine Menge andrer, deren 
Aufzählung zu weit führen würde. 

Von den genannten sind viele da- 
selbst aus Samen (Sporen) erzogen, je- 
doch besitzt der Garten auch eine grosse 
Auswahl von Originalstämmen von allen 
Hohen in prächtiger Entwickelung. 

Unter den im Blass'schen Garten aus 
Samen erzogenen Baumfarrn befindet 
sich eine Menge, die schon recht hüb- 
sche Stämme und prachtvolle Kronen 
haben; ja, ich glaube, dass sie nach ei- 
nigen Jahren nicht nur die Original- 
etämme an Höhe eingeholt haben, son- 
dern an Schönheit bedeutend übertreffen 
werden, denn 15—25 tadellose Wedel 
auf einem Stamme zu finden ist nichts 
Seltenes. 

Ausser diesen befindet sich noch eine 
grosse Menge Strauch- und Krautfarrn, 
so wie die zierlichen Selaginellen dort. 
Als besonders schön und neu bemerkte 
ich folgende: Angioptcris gigantea, Wil- 
linki, evecta, pruinosa, hypoleuca, pte- 
roides, longifolia und spec. Ceylon; Acro- 
stichum crinitum , ferrugineum , Aspi- 
dium heracleifolium und impressum, As- 
plcnium crenulatum, Blechnum angusti- 
folium und latifolium, Lonchites excelsa 
Lycopodium phlegraaria, Lygodium cir- 
cinatum, palmatum, scandens und semi- 
hastatum, Platycerium grande und stem- 
maria; beide in Prachtexemplaren, das 
so schöne Polyp odium difforme und die 
so sehr seltene Helminthostachys zey- 
lanica. Die ganze Farrnsammlung um- 
fasst über 500 Arten. 

Herr Blass hatte die Güte, mir Fol- 
gendes über die Farm-Aussaat mitzu- 



theilen: Ganz flache Terrinen werden 
mit brockiger Torf- und Laub erde ge- 
füllt befeuchtet, und nachdem der Sa- 
men aufgestreut, mit einer Glasscheibe 
bedeckt; dann in eine wo möglich gleich- 
massige Wärme von 20 Grad Beaum. 
gebracht und stets feucht gehalten. 
Nach ungefähr 14 Tagen erscheinen die 
Prothallien , die, wenn sie zu dicht auf- 
gegangen sind, recht bald verpflanzt 
werden müssen. Auf diese Art und 
Weise hat der Garten Hunderte von 
Sämlingen erzogen und aufzuweisen. 

Unmittelbar neben dem Farrnhause 
liegt das der Orchideen. Welch ein Ge- 
nuss bietet sich hier dem Auge dar bei 
dem Anblick der so brillanten Anoecto- 
chilus! Einige Hundert nur von den 
goldgezeichneten Arten, dazu noch die 
Silber- und andersgezeichneten findet man 
bei einander stehen. Ein wirklich blen- 
dender Anblick, ja ein Californien in 
der Pflanzenwelt. Ich halte schon meh- 
rere male Gelegenheit, die bedeutendsten 
Gärtnereien Frankreichs und Belgiens 
zu sehen, aber noch nirgends habe ich 
weder eine solche Anzahl, noch so gut 
kultivirte Anoectochilus gefunden. Die 
schönsten sind folgende: Erstens eine 
ganz neue Art, durchaus abweichend 
von den übrigen, dann: Anoectochilus 
intermedius , Lobbianus (xanthophyllus) 
setaceus, Lowii, Roxburghi, striatus, ar- 
genteus und pictus. Von diesen Anoec- 
tochilus befinden sich mehrere Exempla- 
re dort, deren Blätter einige Zoll mes- 
sen. Herr Blass hat mir seine Cultur- 
methode, um solche Prachtexemplare her- 
anzuziehen, mitgetheilt, die ich anwen- 
den werde, und die ich (falls es ange- 
nehm ist) gelegentlich überschicken kann. 
Ferner ist noch zu bemerken: Pogonia 
discolor und concolor, ganz eigenthüm- 
liche dunkelrothe Blatt - Orchideen , die 
wohl mit Recht als ,,sehr schön" be- 



I. Originalabhandlungen. 



215 



zeichnet werden können. Aerides am- 
pullacea, Anthogonium gracile (Wallich), 
Cymbidium eburneura, Sarcanthus orni- 
thorhynchus, Phalaenopsis amabilis, so wie 
noch eine Menge theils neuer theils sel- 
tener Orchideen aus den Familien der 
Aerides, Cattleyae, Dendrobia und Vandae. 
Die in diesem Gewächshause sich 
ebenfalls befindende Sammlung officinel- 
ler und tropischer Fruchtpflanzen ver- 
dient ebenfalls einer Erwähnung, denn 
es ist manches schöne und seltene dar- 
unter zu finden z. B. der berühmte 
Upas-Giftbaum aus Java (Antiaris toxi- 
caria), Aleurites moluccana, Agathophyl- 
lum aromaticum, Cinchona Calisaya, Ce- 
drela febrifuga, Curcas purgans, Croton 
tebiferum, Lucuma deliciosa, ein Pracht- 
exemplar von 6' Höhe, die schöne 
Garcinia Mangostana fast 3' hoch, Quas- 
sia amara, Theobroma Cacao etc. etc. 

Die Sammlung Nepenthes ist auch 
sehr reichhaltig und schmückt die ihr in 
dieser Abtheilung angewiesene Ecke mit 
grossen und kleinen Krügen auf's beste. 
Auch erhielt der Garten vor kurzer Zeit 
eine Sendung ganz neuer Aroideen, ge- 
gen 70 Arten, aus Ostindien, die sich 
theils schon entwickelt hatten, worunter 
sich vieles Schöne zeigte. 

Ueber die Palmen und Pandaneen 
noch einige Worte, denn die Sammlung 
verdient es unstreitig sowohl wegen der 
Schönheit und Seltenheit vieler Exem- 
plare, als wie auch wegen der Anzahl, 
denn der Garten zählt 130 Arten. Von 
dieser Sammlung bemerke ich nur fol- 
gende: Areca rubra und Catechu, meh- 
rere Arten Astrocaryum, Arenga saccha- 
rifera, Calamus verus, javensis, corona- 
tus, flabellum, oblongus, viminalis, cri- 
nitus , micranthus , macrocarpus , Rein- 
wardii etc. etc. im Ganzen 20 Species 
Calamus , Chamaedorea funifera , Cera- 
tolobus glaucescens, Caryota propinqua, 



Ceratozamia Kusteriana, Daemonorops 
crinitus und niger (der echte), Licuala 
horrida und clegans, Raphis humilis, 
Phoenix humilis , Sabal Schappiana (Re- 
gel) und mexicana, Saribus rotundifolius, 
Phtychosperma appendiculata , Thrinax 
parviflora, barbadensis, graminifolia, stel- 
lata, so wie 3 sehr schöne unbenannte 
Arten, und noch eine Menge andere 
Palmen aus Guatemala und Mexico. Be- 
sonders bemerkbar machen sich noch 
Pandanus caricosus und Calamus cilia- 
ris, die man selten in solch üppigem 
Zustande antrifft. Pandanus jas 7 anicus 
foliis variegatis , utilis, laevis und refle- 
xus sind alle in schönen und theils in 
starken Exemplaren vertreten. 

Eine ganze Tablette (mehrere hun- 
dert) steht vollgepfropft von den schö- 
nen Philodenclron pinnatifidum, Selloum 
und hastaefolium. Die reiche Sammlung 
Begonien, eine schöne Graminee mit 5' 
langen in der Mitte mit einem weissen 
Streifen versehenen Blättern , von den 
schönen und beliebten Blattpflanzen Ma- 
ranta albo und roseo-lineata, regalis, vit- 
tata und Warscewiczii , Justicia zebrina, 
Eriocnema aenea und marmorea, Miko- 
nia Lindeni , Musa zebrina , Pharus vit- 
tatus, die hübsche Uraria pieta, ein Pracht- 
exemplar der Sarracenia Drummondi, so- 
wie noch eine grosse Menge neuerer und 
älterer Pflanzen, deren specielle Auffüh- 
rung zu weit führen würde, sind in die- 
ser Abtheilung zu finden. 

So hätte ich Sie denn flüchtig mit 
den Schätzen des Blass'schen Gartens 
bekannt gemacht , woraus Sie leicht er- 
sehen werden, welche Opfer Herr Blass 
schon dargebracht hat, um unsere Ge- 
wächshäuser zu bereichern und zu ver- 
schönern. Sowohl Ihnen, als wie auch 
jedem andern Pflanzenlicbhaber und Gärt- 
ner, der den deutschen Niederrhein be- 
reist , möchte ich rathen, auch die Blass'- 



216 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



sehe Gärtnerei zu besuchen, wo er von 
dem Herrn Eigenthümer mit der grössten 
Artigkeit eingeführt werden wird; und 
wo sich Jeder überzeugen kann, dass 
mein flüchtig beschriebener Besuch nur 
eine schwache Andeutung ist; denn, 
wie bekannt, hat „selbst gesehen" einen 
bedeutend höheren Werth. 

Anton Esser, 
Obergärtner des Tuchfabri- 
kanten Herrn Robert 
Schotter. 



Wir erhielten diese Beschreibung des 
Blass'schen Gartens durch Herrn Esser. 
Sehr dankbar werden wir demselben für 
Mittheilung der angezogenenen Cultur- 
Methode der Anoectochilus sein. Ueber 
den Garten der Hrn. Blass hatten wir 
Hr. Esser um einige Notizen gebeten, 
da man aus demselben jetzt die herrli- 
chen Baumfarren in kräftigen jungen 
Exemplaren und zu sehr massigen Prei- 
sen bezieht. (E. R.) 



6) Cultur der Orangerie- 

Von Anton Sackl, fürstl. Franz Liechtenstein'scher Hofgärtner zu Hollenegg 

in Steiermark. 



In keiner wenigstens mir bekannten 
Gartenschrift findet sich eine Belehrung*) 
über diesen wichtigen Zweig der Gärt- 
nerei; und doch findet man in vielen 
Gärtnereien grosse Orangenbäume , lei- 
der oft nur misshandelt anstatt gut cul- 
tivirt. Dies veranlasst mich, nieine wäh- 
rend 25 Jahren gemachten Erfahrungen 
meinen geehrten Herrn Collcgen hiemit 
mitzutheilen; und glaube dies thun zu 
dürfen, da ich in hiesiger Gärtnerei eine 
bedeutende Orangerie seit Jahren mit 
dem besten Erfolge eultivire. 

Die Orangerie erfordert zu ihrem fröh- 
lichen Gedeihen eine leichte Lauberde. 
Am besten wäre das Laub im Frühjahre 

*) Die Gartenflora brachte eine Abhand- 
lung vom Hrn. Pabst. Aber auch dieser Bei- 
trag ist willkommen, denn er geht theüs von 
andern und zwar allenthalben richtigen Ge- 
sichtspunkten aus. Schwere fette Erde und 
viel Wasser haben schon manche Orangerie 
verdorben. Leichtere Erde und Dungguss zur 
rechten Zeil befördern Gesundheit und auch 
kräftiges Wachsthum. (E. R.) 



zum Erwärmen der Mistbeete zu ver- 
wenden , und dann im Herbste auf flach e 
Haufen gebracht noch ein Jahr liegen 
gelassen, und so ohne durchgesiebt zu 
werden zu verwenden. Für kräftige 
starkverwurzelte Bäume könnten unter 
obige Erde auch noch Dünger z. B. 
Rinderdünger, Vogel- oder Hühner- 
dünger mit gutem Erfolg gemengt wer- 
den. Jedoch hätte man für kranke 
Orangenbäume keinerlei Dünger, weder 
als Dungguss noch unter die Erde ge- 
mengt , zu verwenden , sondern reine 
Lauberde ohne jede Beimischung zu ge- 
brauchen. Es versteht sich von selbst, 
dass vor dem Umpflanzen der Bäume die 
Erde trocken sein muss. Die beste Zeit 
zum Umpflanzen der Orangenbäume ist 
sogleich nach dem Herausräumen aus 
dem Orangeriehause, da dann die Bäume 
bis zum Herbste noch hinlänglich Zeit 
zum Einwurzeln haben. Die Manipula- 
tion des Umpflanzens ist ohnedies jedem 
Gärtner bekannt, somit will ich blos nur 
das Nöthigste andeuten. Bei mir wird 







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I. Originalabhandlungen. 



217 



das Umpflanzen nur dann und nur bei 
jenen Bäumen vorgenommen, bei wel- 
chen die Kübel entweder schadhaft 
oder schon verfault sind, sodann wird 
einen Zoll dick der ganze Ballen rings- 
herum gleichmässig mit einer scharfen 
Schaufel beschnitten und dann mit einem 
eisernen Rechen die Wurzeln aufge- 
lockert. Jetzt stellt man den neuen Kü- 
bel waagrecht auf und gibt am Boden als 
Wasser-Abzug altes vermodertes Holz, 
dann etwas Erde darüber. Sodann hebt 
man den Baum hinein und trachtet, dass 
der Ballen weder zu tief noch zu seicht 
zu stehen kommt, der Stamm aber senk- 
recht steht. Nun wird Erde ringsherum 
eingefüttert, bis etwas über das Niveau 
des Ballens, damit beim Begiessen immer 
das Wasser nur am Ballen kommt, und 
nicht in die frische Erde ablaufen kann. 
Bei kranken Orangenbäumen schüttelt 
man aus dem Ballen alle alte versauerte 
Erde heraus und schneidet die kranken 
und faulen Wurzeln ganz bis auf das 
gesunde Holz zurück. Da der Ballen 
bei kranken Bäumen gewöhnlich feucht 
und klein ist, so verwende man auch 
wo möglich kleine flache Kübel zum 
Einpflanzen. Sollte man aber keinen 
flachen Kübel haben, so kann man bei 
einem gewöhnlichen Kübel auf die Hälfte 
oder zwei Dritttheile der ganzen Tiefe 
des Kübels einen andern Boden legen, 
so dass der untere Baum ganz leer 
bleibt. Dies ist von wesentlichem Vor- 
theil und weit jedem anderen Verfahren 
durch Abzugsmateriale z. B. Steine, Holz 
etc. vorzuziehen. Das Umpflanzen der 
kranken Bäume bleibt im übrigen 
ganz wie schon oben erwähnt wurde. 
Eins muss ich noch erwähnen , nämlich 
neuversetzte Bäume mit kleinen Ballen 
gut zu befestigen, damit der Sturm die- 
selben nicht herauswirft. Das Begies- 
sen der Orangerie ist eigentlich die 
VII. 1857. 



Klippe, an der meistens alle Bemühun- 
gen scheitern; gewöhnlich ist Unverstand 
oder Nachlässigkeit schuld. Bei Oran- 
genbäumen, die in schwerer Erde stehen, 
bleibt es immer eine schwierige Auf- 
gabe, das rechte Maass zum Begiessen, 
und hauptsächlich auch die Beurthei- 
lung, ob der Baum wirklich trocken 
sei, und somit das Begiessen nothwen- 
dig ist, zu kennen. In den meisten 
Gärtnereien fand ich, dass man, um 
Letzteres zu beurtheilen, mit einem In- 
strument von Holz oder Eisen in den 
Ballen hineingräbt, um sich von dem 
Zustande desselben zu überzeugen. Es 
gibt wahrhaft kein unpassenderes Ver- 
fahren als dieses, einmal weil dem Baum 
nie Ruhe zu seiner Wurzelbildung ge- 
lassen wird, und zweitens das Wasser 
beim Begiessen immer in die aufge- 
lockerte Erde abläuft, der Ballen aber 
trocken bleibt und gewissermassen im- 
mer in einem Sumpfe steht und den- 
noch trocken ist. Der grösste Uebel- 
stand aber, den je Unwissenheit erfun- 
den , bleibt der , dass man eine unmäs- 
sige Quantität Wasser auf einmal jedem 
Baume ohne Unterschied hinaufschüttet, 
ohne zu beurtheilen, ob der Baum auch 
ein solches Quantum Feuchtigkeit ab- 
sorbiren kann , oder nicht. Die Folge 
hievon ist, dass der halbe Kübel von 
unten herauf von versumpfter und ver- 
sauerter Erde voll und ohne Wurzeln 
ist. Das Resultat einer solchen Cultur- 
Methode ist voraussichtlich, wenn nicht 
gar das Eingehen des Baumes selbst, 
so doch mindestens ein kränkliches und 
kümmerliches Aussehen. 

Um zu beurtheilen, ob ein Baum 
trocken oder nass sei , dazu braucht ein 
praktischer und umsichtiger Pflanzen- 
Cultivateur gewiss nicht mehr als wie 
zur Beurtheilung einer gewöhnlichen 
Topfpflanze , ohne in dem Ballen erst 

15 



218 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



herumzugraben, da das Verhältniss im- 
mer dasselbe bleibt, wenn nämlich der 
Ballen auf seiner Oberfläche unbedeckt 
von Erde ist. Ein geübter Orangerie- 
gärtner wird von ferne schon erkennen, 
wenn sich das Laub etwas zusammen- 
zurollen anfängt, dass der Baum trocken 
sei. Ich giesse auf einmal auf einen 
Baum, wo der Kübel beiläufig drei Fuss 
weit, und zwei Fuss tief ist, nie mehr 
als eine grosse Giessskanne voll Was- 
ser, nur wenn der Baum sehr stark ver- 
wurzelt ist und eine stark belaubte 
Krone hat, wird noch eine halbe Kanne 
mehr nachgegossen; auch wird dasselbe 
so lange täglich wiederholt, als dies 
nothwendig erscheint, wie bei grosser 
Hitze und windigem Wetter. Mehr auf- 
merksame Sorgfalt beim Begiessen er- 
fordert ein neuverpflanzter kranker Oran- 
genbaum, hier darf nur der Ballen, wenn 
es sich nothwendig macht, mit einem 
verhältnissmässig nur kleinen Quantum 
Wasser begossen werden ; wenn sich der 
Baum allmählig bewurzelt, wird auch 
die Wassermenge vermehrt. Ein Haupt- 
erforderniss für ein üppiges Aussehen 
der Orangerie ist der Dungguss, richtig 
angewendet, vom besten Erfolg. Ich 
verwende seit Jahren die Jauche frisch 
und rein , wie solche aus dem Binder- 
stalle fliesst, ohne Bodensatz mit dem 
besten Erfolg. Auf den stärksten und 
kräftigsten Orangenbaum verwende ich 
nie mehr als beiläufig zwei Mass Jau- 



che auf einmal und gebe bei kleineren 
Bäumen abwärts weniger. Die Jauche 
wird zuerst auf den Ballen ringsherum 
gegossen, wenn solche eingesogen, gleich 
reines Wasser nachgegossen 5 dies wird 
wöchentlich zwei-, auch dreimal wieder- 
holt, während der ganzen Zeit, wo die 
Bäume im Freien stehen. Im Winter- 
quartier aber wird jeder Dungguss ver- 
mieden, überhaupt wird im Winter, wenn 
die Ruheperiode eintritt , so wenig wie 
möglich begossen , so wie auch das 
Quantum zum einmaligen Begiessen für 
jeden Baum auf beiläufig die Hälfte 
reducirt. Man hüte sich, stark belaubte 
und bewurzelte Bäume nicht zu sehr 
austrocknen zu lassen, weil dann beim 
nächsten Begiessen Blätter und Früchte 
abfallen würden. Dies gilt sowohl für 
Sommer als Winter. Bei kranken und 
neuversetzten Orangenbäumen darf durch- 
aus keinerlei Dungguss, wie schon oben 
gesagt, angewendet werden, solange nicht 
solche vollkommen eingewurzelt sind. 
Es versteht sich von selbst, dass man 
den Orangenbäumen die grösstmöglichste 
Menge Luft, das volle Licht und genü- 
genden Raum, sowohl im Freien wie 
besonders im Winterquartier zukommen 
lässt. Das Heizen des Orangeriehauses 
ist so viel wie möglich zu unterlassen, 
ohne jedoch einfrieren zu lassen, über- 
haupt jeder Reiz während der Winter- 
monate zu vermeiden. 



IL Notizen. 



1) Ueber ein im hiesigen königl. 
botanischen Garten zur Erläuterung 
der Steinkohlen- F ormatio n errich- 
tetes Profil. Von Prof. Dr. H. R. Göp- 
pert, Direktor des Bot. Gartens in Breslau und 
K. Geh. Medicinal-Rath. (Siehe hiezu Taf. 199.) 



Breslau, den 16. Aug. 1856. — Schon längst 
war es mein Wunsch, eine bildliche Darstel- 
lung der fossilen Flora in Verbindung mit der 
Flora der Gegenwart in grösserem Stil in's 
Leben zu rufen , wozu sich die der Steinkoh- 
lenformation vorzugsweise zu eignen schien. 



II. Notizen. 



219 



Herr Ober-Bergrath Erbreich kam mir mit sei- 
nem Rathe auf die dankenswerteste Weise 
freundlichst entgegen. Die Profilzeichnung ei- 
nes von Porphyr durchbrochenen und durch 
Granit gehobenen Steinkohlen-Lagers, ähnlich 
den Waldenburger Verhältnissen, ward von 
ihm entworfen und nun beschlossen, es auf 
naturgemässe Weise mit den Pflanzen auszu- 
statten, welche die erst in unsern Tagen ei- 
gentlich wahrhaft gewürdigte Steinkohle vor- 
zugsweise bildeten, und unter seiner Leitung 
nun zur Ausführung geschritten. 

Zur Erläuterung der ganzen Anlage und 
des beigefügten Planes diene Folgendes: 

Die Steinkohlenformaüon besteht im Allge- 
meinen aus abwechselnd über einander gela- 
gerten Schichten von Sandstein , Schieferlhon 
und Steinkohle, unter denen die Steinkohle 
selbst immer nur in der geringsten Ausdeh- 
nung und Mächtigkeit vorhanden ist. Die 
Grundlage der Formation bilden in der Regel 
flötzleere Sandsleine mit Schieferlhon (Mill- 
stone-grit der engl. Geologen), die man bei 
uns in Schlesien und auch anderswo bis jetzt 
immer noch zum Uebergangsgebirge oder der 
Grauwacke rechnete , welcher Ausdruck aber 
gegenwärtig durch Murchison's Forschungen 
nicht mehr für dieselbe füglich in Anwendung 
zu bringen ist. Sie bilden hier in unserem 
Profil die untersten Lagen 1) *), welche links 
durch den hervorslrebenden spitzen, zum Theil 
aus säulenförmigem rothem Feldspalh-Porphyr 
erbauten Porphyrkegel 2) durchbrochen und 
rechts durch einen kuppeiförmigen Granitberg 
3) gehoben und mit ihnen auch die darüber 
liegenden Schichten aus ihrer ursprünglich mehr 
oder minder horizontalen Lage gebracht wor- 
den sind, wie dies in der Umgegend von Wai- 
denburg vorkommt. Zunächst dem Porphyr- 
kegel rechts von dsmselben befindet sich auf 
und in ihnen eiu l 1 /» F. hoher und 1F. brei- 
ter entrindeter Stamm 4) des Lepidodendron 
oder der Sagenaria Veltheimiana, unler ihm 
ö) der Calamites transitionis Gppt. aus Lan- 
deshut, deren Vorkommen als charakteri- 
stisch für diese flötzleeren und zur Auffin- 
dung von Steinkohlen nicht mehr berechti- 

*) Die Nummern beziehen sich auf die der 
beiliegenden Abbildung. 



genden sogenannten Grauwackenschichten ist, 
über demselben schon in den Schichten des 
Kohlensandsleines 6) ein Sigillarienslämmchen 
(Sigillaria pachyderma Brongn.) , rechts davon 
7) ein grosser schiefstehender Sigillarienstarnm; 
dann unter dem ersten Vi F. mächtigen von 
Schieferthon umgebenen Kohlenflötze 8) zu- 
nächst dem Porphyr ein Abdruck der schönen 
9) Sagenaria crenata Presl. (Lepidodendron 
Sternb.) , über demselben über das besagte 
Kohlenflölz hinaus 10) Calamites decoralus, in 
derselben Reihe nach rechts ebenfalls eine Le- 
pidodendree, 11) das Ulodendron majus, da- 
neben rechts 12) ein Stück Rinde eines allen 
Lepidodendron und 13) ein gabelförmig ge- 
spaltener Ast eines Lepidodendrons, sowie 
14) ein grosser. 1 Fuss dicker, 3 Fuss langer 
Lepidodendron-Stamm, der zugleich mit dem 
Flötz gebrochen und aus seiner Lage gekom- 
men, mit dem untern Ende 15) eine Schicht 
höher zu sehen ist, wie ich dies in der Natur 
oft beobachtet habe *). Auch 16) das zweite 
darüber parallel lagernde Flötz ist gebrochen 
und über demselben liegen von dem Porphyr- 
kegel aus also von links nach rechts neben 
einander Hohldrücke mehrerer Lepidodendreen, 
wie 17) Sagenaria elongata m., neben ihr 
18) S. aculeala Presl., unter ihnen 19) Cala- 
mites decoratus Brongn. und 20) Sagenaria ri- 
mosa; dann in der Steinkohle selbst an der 
Bruch- oder Sprungstelle 21) Sigillarien und 
22) pfauenschweifähnlich glänzende Partien, 
über ihnen 23) Sagenaria elongata m., ferner 
rechts von dem gebrochenen Stamm aus Sand- 
stein hervorragend zunächst 24) Sagenaria ri- 
mosa und 25) S. Rhodeana Presl. Ein neuer 
Sprung, hervorgerufen durch die 26) rechts 
emporstrebende Granitkuppe, hat die Flölze 
wieder verworfen und aus ihrem früheren Zu- 
sammenhange und Lage gebracht. In dem 

*) Die Lepidodendreen sind unsern Lyco- 
podiaceen verwandt, aber von baumartiger 
Beschaffenheit, die Sigillarien noch schwer zu 
deuten, vielen Familien der Jelztwelt, wie 
den Lycopodien, Farm, Cycadeen, Isoeteen 
ähnlich, aber mit keiner so übereinkommend, 
wie dies von den Lepidodendreen in Hinsicht 
auf die Lycopodiaceen angenommen werden 
kann. Calamiten nähern sich den Equiseten. 

15* 



220 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



hierdurch bewirkten deltaähnlichen Räume 
27) haben sich die Schichten des zur permi- 
schen oder Kupfersandsteinformation gerechne- 
ten Sandsteines abgelagert; hier kenntlich durch 
die abweichenden horizontalen, oben 28) mit 
weisslich-grauem Kalke bedeckten rothenSchich- 
ten. Ueber der Granitkuppe, weiter rechts von 
dieser Abtheilung , verlaufen nun wieder die 
ihrer Wölbung folgenden, daher gebogenen, 
schon erwähnten Schichten, nämlich das Lie- 
gendste des Steinkohlengebirges (das soge- 
nannte Grauwacke- oder Uebergangsgebirge), 
dann die Kohlensandsteine, aus denen nebst 
vielen 29) Lepidodendreen und einem 30) Slig- 
marien-Aste Sligmaria ficoides Br. ein vertikal 
abgebrochener versleinler Araucariten-Stamm 
31) hervorragt, auf welchen vertikal wieder 
die beiden parallellaufenden Kohlenflötze mit 
ihren Schieferlhonen lagern, welche den Flötzen 
8 und 16 entsprechen oder vielmehr zu ihnen 
gehören und nur durch den oben erwähnten 
Sprung getrennt sind. In der Steinkohle, des 
Flötzes selbst, welches zu dem Flötze 16 ge- 
hört, sieht man 32) hier wieder Sigillarien, un- 
ter ihnen rechts vom rothen Sandslein im 
Schieferlhon 33) die Sligmaria ficoides Brongn. 
mit ihren rechtwinklig abgehenden Blättern. 
Rechts zwischen beiden Kohlenflötzen folgt 
34) ein auf dem Kohlenflölze selbst in der 
Neigung 'desselben stehender, unterhalb in 
Schieferlhon verlaufender, l'/ t Fuss dicker 
Stamm von Sigillaria elongata; weiter nach 
rechts immerfort im Kohlensandsteine ein auf- 
rechtslehendes Slämmchen von Sagenaria Stern- 
bergii Broügn., 35) ein ebenfalls aufrechter 
grosser Calamit, und unterhalb in horizontaler 
Lage 36) ein kleines 1 F. langes Exemplar 
von Calamiles cannaeformis , unter beiden 

37) ein Ast von Stigmaria ficoides Br.; ferner 

38) eine in Schieferlhon gelagerte Eisenniere 
eigentlich ein vertikal abgebrochener Sigilla- 
rien-Slamm, mit der den Eisennieren so eigen- 
thümlichen inneren Zerklüftung, darüber 39) 
Sagenaria rimosa im älteren Zustande, 40) Si- 
gillaria undulata, und weiter rechts eine treff- 
lich erhaltene 41) Sagenaria crenala mit 2 in 
verschiedener Richtung gelagerten Sigillarien, 
wieder 42) ein auf dem Kohlenflötze stehen- 
der Stamm des Lepidofloyos laricinus Sternb. 
mit Andeutung seiner in Schieferlhon verlau- 



fenden Wurzeln , 43) ein Ulodendron majus, 
und unter ihnen in der Steinkohle selbst in 
Schwefelkies verwandelte Zweige der 44) Stig- 
maria ficoides. In dem hangenden oder dar- 
über liegenden Schieferlhone des 2. oder obe- 
ren Flötzes sieht man auch hervorstehende 
Schieferthonschichten an drei verschiedenen 
Stellen, und zwar von links nach rechts zu- 
erst mit Farm 45) die Sphenopteris latifolia 
Br., dann 46) die Sph. acutifolia und zuletzt 
nahe an dem Ende des Flötzes 47) eine Sa- 
genaria elegans. An zwei Stellen des genann- 
Profils 48) u. 49) erblickt man noch schwarze, 
zwischen den Kohlensandsteinschichlen liegende 
Streifen, sogenannte Kohlenschmilze, kleine 
Anhäufungen von Kohlen, die sich zu einem 
wirklichen Flölze nicht entwickelten. 

Aus dieser Uebersicht der hervorragend- 
sten, das Vorkommen der Steinkohlenforma- 
lion stets anzeigenden und daher auch prak- 
tisch für die Entdeckung und Erkennung der 
Steinkohlenformation überaus wichtigen fossi- 
len Pflanzen unseres Profiles, die ich in mög- 
lichst naturgetreuem Verhältnisse zusammen- 
stellte, ersieht man schon das Ueberwiegen 
der Sigillarien, die vereint mit der immernoch 
räthselhaften Stigmaria und den unsern Lyco- 
podien nahestehenden Lepidodendreen in der 
That den grössten Antheil an der Bildung der 
Steinkohle haben, nicht die Farm, wie bisher 
fälschlich allgemein angenommen und durch 
alle Handbücher und populäre geologische 
Schriften verbreitet wird , denen sogar noch 
die Coniferen oder zapfentragenden Gewächse 
in Form der sogenannten faserigen Holzkohle, 
und selbst die Calamiten (baumartige Equise- 
ten) als massebildend vorangehen. Nach den 
Farm folgen in dieser Rücksicht die anderen 
mit grösserer oder geringerer Gewissheit er- 
mittelten Familien, wie Annularien u. s. w. 
Die gewaltigen Wälder, welche sie insgesammt 
bildeten, wurden überschwemmt, zusammen- 
gedrückt, das Innere der Stämme herausge- 
quetscht und mit der meistentheils allein nur 
noch deutlich erhaltenen Rinde in Kohle ver- 
wandelt, oder eben die Stämme mit wohler- 
haltener Rinde durch Thon- und Sandschich- 
ten ausgefüllt, wie eben die hier erwähnten 
und noch mehr die seitlich ausserhalb des 
Profiles links von dem Porphyrkegel unter 



II. Notizen. 



221 



Fichten aufgestellten Stämme zeigen, von de- 
nen allein nur der aufrechtslehende 6 F. hohe 
50) einer Sigillaria, die übrigen sechs 5t, 52, 
53, 54, 55 und 56 von 1 — 2 Fuss Durchmes- 
ser verschiedenen Arten von Sagenana ange- 
hören. Einer von ihnen, Nr. 53, mit nach 
aussen gedrängter Achse , erscheint besonders 
interessant. Zartere Theile, wie Blätter, Blü- 
then, Früchte , geriethcn zwischen die einbre- 
chenden Thon- und Kiesel-Massen, die später 
zu Scbieferthon und Sandstein erhärteten, bil- 
deten dort Abdrücke, und alles Organische 
sammt und sonders wurde auf nassem Wege, 
wie ich glaube vielfach bewiesen zu haben, 
unter Mitwirkung des ungeheuren Druckes der 
darauf lagernden Gesteine und einer vielleicht 
nicht gar zu Zeit in die schwarz glänzende, 
mehr oder minder feste Masse, in Steinkohle, 
verwandelt, die für die jetzige Generation fast 
unentbehrlicher als Gold zu erachten ist. 

Während dieses Fossilisationsprozesses la- 
gerte sich nun auch das theils aus den Pflan- 
zen , theils aus den damaligen Gebirgsarten 
aufgelöste Eisen ab, welches wir entweder la- 
genweise oder als Ausfüllungsmasse von Stäm- 
men, wie z. B. in Zalenze in Oberschlesien, 
theils als Kohleneisen, theils alsThoneisenstein 
oft in Ungeheuern, für die Industrie unschätz- 
baren Quantitäten antreffen. 

Höchst wahrscheinlich befinden sich die 
Kohlenlager grösstentheils noch auf der Stelle, 
wo die Pflanzen , denen sie ihren Ursprung 
verdanken, einst vegelirten, wie ich meine, 
ganz besonders aus den oben erwähnten, in 
unserem Profil gleichfalls vorhandenen Stäm- 
men schliessen zu dürfen , welche auf dem 
Kohlenlager stehen und seiner Neigung fol- 
gen *). Wahre Wälder solcher aufrechten 

*) Vergleiche meine Abhandlung als Ant- 
wort auf die Preisfrage: Man suche durch ge- 
naue Untersuchungen darzuthun, ob die Stein- 
kohlenlager ausPflanzen entstanden sind, wel- 
che an den Stellen, wo jene gefunden wer- 
den, wuchsen; oder ob diese Pflanzen ah an- 
dern Orten lebten und nach den Stellen, wo 
sich die Steinkohlenlager befinden , hingeführt 
wurden. Gekrönte Preisschrift. Haarlem 1848. 
300 S. Mit 23 Kupf. in Q. und Fol. p. 184 
u. folg. 



Stämme sind von Andern und auch von mir 
in verschiedenen Orten der Steinkohlenforma- 
tion beobachtet worden. 

Eine bei weitem geringere Zahl jener Pflan- 
zen wurde wahrhaft versteint, d. h. jede ein- 
zelne Zelle oder jedes einzelne Gefäss im In- 
nern mit in Wasser aufgelöstem Kalk, Kiesel, 
Eisen u. s. w. ausgefüllt, wie ich schon im 
Jahre 1837 auseinandergesetzt habe (Poggend. 
Ann. 1837 N. 13). Dahin gehören in unserer 
Aufstellung unter Nr. 57 — 64, 8 verschiedene 
Stämme von '/*— 2 F. Dicke und */»— 4 F. 
Höhe, welche aus einem vor dem Profil sich 
schwach erhebenden Kohlensandsteinfelsen 65) 
hervorragen (ähnlich dem Vorkommen dieser 
Art zu ßuchau bei Neurode, welches ich in 
dem eben citirten Werke beschrieben und ab- 
gebildet habe), umgeben, von 20—30 felsen- 
artigen, mit Abdrücken von Calamiten, Sigil- 
larien und Lepidodendreen erfüllten Stücken 
deren jedes Einzelne jeder Sammlung zur 
Zierde gereichen könnte. In dem Plan haben 
wir nur einzelne der ausgezeichnetsten mit 
Nummern bezeichnet, um sie der Aufmerk- 
samkeit besonders zu empfehlen, Nr. 66 — 72. 
Am Fusse dieser Partie steht eines der schön- 
sten und grössten Exemplare der ganzen Auf- 
stellung , 73) Sigillaria alternans , von 5 F. 
Höhe und l x /i F. Durchmesser, aus Ober- 
schlesien, und rechts davon 74) das grösste 
der vorhandenen Lepidodendreen von 2*/i F' 
Höhe und l'/iF. Durchmesser, mit nach aus- 
sen gedrängter Achse, aus Niederschlesien. In 
der Ausfüllungsmasse selbst bemerkt man oben 
noch andere fossile Pflanzenresle. In ihren 
Strukturverhällnissen kommen jene versteinten 
Stämme am meisteu mit den riesigen Conife- 
ren der südlichen Zone, den Araucarien, über- 
ein. Sie wurden von mir bereits früher unter 
dem Namen Araucarites Rhodeanus beschrieben 
und abgebildet*). Links von dieser Felsen- 
parlie lagert rother Sandstein mit 75) einem 
1 Fuss dicken Calamiten , in der Nähe Exem- 
plare des für diese Formation auch so cha- 
rakteristischen Fisches Palaeoniscus vratisla- 

*) Meine Monographie der fossilen Coniferen 
verglichen mit den lebenden. Eine gekrönte 
Preisschrifl. Leiden 1850. pag. 235. tab. 43. 
f. 6—7. 



222 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz, 



viensis 76); zur rechten von dem Kohlen- 
sandstein sogenanntes Grauwackenconglome- 
rat 76); an dessen Spitze, unmittelbar an dem 
das ganze Profil gewissermassen in 2 Hälften 
theilenden Nussbaume, lehnen ein Conglome- 
ralfelsenslück 78) mit einem 1 F. langen, ga- 
beligen Abdruck von Lepidodendron hexago- 
num , und 79) darüber ein 2 Fuss breiter und 
1 Fuss hoher grosser Farm, Neuropteris Los- 
hii Sternb. , welche beide Pflanzen nebst den 
oben erwähnten Sagenaria Vellheimiana und 
Calamites transiüonis diese unterste Schicht des 
Kohlen-Gebirges charakterisii en •) , und, wie 
schon erwähnt, nicht die Anwesenheit, son- 
dern vielmehr die Abwesenheit von bauwür- 
digen Kohlenlagern anzeigen, daher unstreitig 
von besonderem praktischem Interesse sind, 
•worauf ich an einem andern Orte und zugleich 
auf die Zeichen zur Entdeckung von Stein- 
und Braunkohlen schon wiederholentlich auf- 
merksam gemacht und gezeigt habe, wie man 
aus einzelnen oft recht winzigen Pflanzenresten 
mit grösster Bestimmtheit erkennen kann, ob 
überhaupt an dem Orte des Vorkommens Kohle 
zu erwarten ist und welcher Formation sie an- 
gehört. Die zuletzt hier genannten Reste las- 
sen also ergiebige Kohlenlager nicht erwarten, 
wohl aber alle andern Pflanzen, die oben er- 
wähnt und in unserm Profil vorhanden sind. 
(Zur Illustration der Braunkohlenformalion habe 
ich bei der sogenannten physiologischen Par- 
tie unseres Gartens Massen von erdiger Braun- 
kohle, bituminöse und versteinte Hölzer auf- 
gestellt; unter ihnen verdient ein Stamm von 
36 Fuss Umfang , der Pinites Prololarix m. 
aus dem Braunkohlenlager zu Laasan, als ein 
in seiner Art einziges Exemplar, besonders 
hervorgehoben zu werden). Weiter nach rechts 
erstreckt sich von dem Granilkegel 80) zahl- 
reiches Granit-Gerölle, welches von hier wie- 
der nach dem in der Nähe befindlichen Was- 
sergraben hin mit sedimentärem Tuffe abwech- 
selt. Alle diese Steinparlieen, inclusive des 
epheuumrankten Porphyrkegels und des obe- 
ren Randes des ganzen Profils, sind mit Ge- 
wächsen aus den den fossilen Pflanzen der 
Steinkohlenformation besonders analogen Fa- 

*) Vergl. meine fossile Flora des Ueber- 
gangsgebirges.^Breslau 1852. tab. 17 — 20. 



miliender Goniferen, Farm, Lycopodiaceen und 
Equiseten, sowie auch mit andern Berg- und 
Alpengewächsen, deren wir an 400 Arten kul- 
tiviren, nach der Ordnung der natürlichen Fa- 
milien, bepflanzt. Die gesammte, Femsichten 
auf den Wasserspiegel, auf die verschiedenen 
Waldpartieen und auf die benachbarten gros- 
sen kirchlichen Gebäude, darbietende Partie ist 
nun auch landschaftlich möglichst naturgetreu 
gehalten, wobei ich mich, wie bei der ganzen 
Anlage derselben, von dem Inspektor des kö- 
nigl. Gartens Hrn. Nees vonEsenbeck auf das 
wirksamste unterstützt sah. Die Länge des 
dauerhaft auf einer aus 22,000 Backsteinen er- 
bauten Mauer angelegten Profils beträgt bei 
9—10 F. Höhe, 60 F., die Höhe des Porphyr- 
kegels von der Basis der ganzen Partie ab 
21 F., der Flächeninhalt des gesammten von 
Abielineen, Cupressineen und Laubholzbäumen 
(Juglans, Quercus macrocarpa, pedunculata, 
Tilia, Pomaceen etc.) umgebenen und auf die 
angegebene Weise bepflanzten Raumes */* 
Morgen, und das Gewicht der hiersclbst la- 
gernden Steinmassen verschiedener Art an 
4000 Zentner. Ausserhalb dieser Anpflanzun- 
gen erhebt sich hart an dem Wassergraben 
auf einem kleinen, von vielen Punkten des 
Gartens sichtbaren, mit Knieholz bepflanzte 
Hügel ein überaus seltener, vollkommen run- 
der, etwa 3 F. hoher und 2 F. dicker Lepi- 
dodendron-Stamm mit wohlerhaltener Achse, 
der so wie viele andere der hier erwähnten 
werlhvollen fossilen Reste aus meiner nur mit 
wenigen andern vergleichbaren Sammlung 
stammt. Sie alle wie die ganze nur der öf- 
fentlichen Belehrung und der Verbreitung er- 
spriesslicher Kenntnisse geweihte Anlage, die 
erste ihrer Art, empfehle ich dem Schutze 
des Publikums und zwar mit um so grösserem 
Vertrauen, als bis jetzt wenigstens in dieser 
Hinsicht meine Bitte stets noch berücksichtigt 
wurde. 

2) Kultur der Zuckerwurz. (Sium 
sisarnm L.) (Nach A. Dupuis in Galeotti Jour- 
nal d'horlicullure.) Die Zuckerwurz gehört zur 
Familie der Doldengewächse. Es ist eine aus- 
dauernde Pflanze mit büschelförmig gestellten, 
spindelförmigen , fleischigen Wurzeln. Diesel- 
ben werden '/'» — 3 /i Fuss lang und halten 1 
Zoll im Durchmesser. 



n. Notizen. 



223 



Die Pflanze ist in Hochasien zu Hause. Eine 
seiner Abarten wird seit undenklichen Zeiten 
in China cullivirt , unter dem Namen N i n z y. 
Bei uns ward sie im Jahre 1548 eingeführt, 
und dieCultur derselben verbreitete sich schnell 
in Gärten und auf Feldern. Sie ward als gu- 
tes Gemüse geachtet und kam auf die ausge- 
suchtesten Tafeln. Gegenwärtig ist die Cul- 
tur dieser Pflanze fast gänzlich durch die Cul- 
tur der Erdäpfel verdrängt worden. Auffallend 
ist es , dass man an diese nützliche Pflanze 
seit der Krankheit der Erdäpfel nicht mehr 
gedacht hat. 

Der Herr Professor Sack hat eine Analyse 
derselben gemacht, welche beweist, dass sie 
sehr reich an nährenden Stoffen ist. 

Sie enthält an Wasser 62,41 Theile, 
An Stärkmehl 18,099 „ " 

Holzstoff und Asche 7,91 „ 

Rohrzucker 6,60 „ 

Casein 2,09 „ 

Lösliche Salze 1,37 „ 

Säuren 1,00 „ 

Gummi 0,53 „ 

Das Fleisch der Wurzel ist weiss , fest, 
sehr zart, zuweilen jedoch faserig. Der Ge- 
schmack ist mild, zuckerig, mit einem schwa- 
chen Beigeschmack von Selleri. Einige Mi- 
nuten genügen, sie in kochendem Wasser ab- 
zusieden. Man geniesst sie abgesotten, ge- 
schmort und als Brei. 

Als Feldfrucht, dient sie als Nahrung für 
das Vieh , oder zur Bereitung von Stärkmehl, 
von Zucker und Alkohol. Sie erfriert nicht 
und kann daher den Winter im Boden bleiben. 
Als Pflanze des Küchengartens verlangt sie 
einen milden, leichten, tiefen und gut bearbei- 
teten Boden, der selbst etwas feucht sein kann. 
Besonders gut gedeihet sie auf Boden, der im 
Jahre vorher mit Kuhdünger gedüngt ward, 
so nach den Kohl-Arten, Puffbohnen etc. 

Die Fortpflanzung geschiehet durch Samen, 
der zwei Jahre seine Keimfähigkeit behält. 
Man säet den Samen im September oder so 
zeitig im Frühling, als es die Witterung erlaubt. 
Sobald die Pflanzen stark werden, lichtet man 
sie soweit, dass zwischen ihnen ein gegensei- 
tiger Zwischenraum von 6 Zoll bleibt. Die 
ausgenommenen Pflanzen verwendet man nach 
Bedürfniss. Das Behacken und von Unkraut 



rein halten befördert das Wachsthum unge- 
mein. Häufiges Bewässern ist ebenfalls anzu- 
rathen und im Juni kann man die Pflanzen 
wie die Kartoffeln behäufeln. Sollten die 
Stengel schon im ersten Jahre blühen wollen, 
so schneidet man sie ab und verwendet sie 
zur Fütterung; nur einige lässt man zur Sa- 
menzucht stehen. 

Die Wurzeln werden mit dem Karst heraus- 
genommen und zwar so spät , als es das Kli- 
ma erlaubt, und man bringt sie in Gruben oder in 
den Keller. Einen Theil kann man auch für 
den Gebrauch im ersten Frühling ganz im 
Freien lassen. Bei sorgfältiger Cultur kann 
man den Ertrag dem der Kartoffel gleich 
stellen. 

Indem wir dies mitlheilen, glauben wir, 
dass Versuche mit der Zuckerwurzel allenthal- 
ben angestellt werden sollten, wenn gleich wir 
nicht glauben, dass diese bei uns jedenfalls 
leicht gedeihende Pflanze je die Kartoffel er- 
setzen könnte. (E, R.) 

3) Cultur der Ixien. So schön die 
Ixien sind , so selten sieht man sie in so vol- 
lem üppigem Flor, wie in vielen Gärten Bel- 
giens. Man bereite sich zur Cultur dersel- 
ben im Frühling folgenden Compost : Eine 
Parthie faserige Heideerde, eine Parlhie Laub- 
erde , eine Parthie Rasenerde und Flusssand 
mische man zu gleichen Theilen. Die Mischung 
wird während des Sommers dreimal umgear- 
beitet. Gegen Ende October füllt man 5 Zoll 
weite flache Töpfe mit dieser Erde , nachdem 
durch eine Unterlage von Scherben für guten 
Abzug gesorgt ist. Nachdem die Töpfe bis 
1 Zoll vom Rande gefüllt , pflanzt man in je- 
den 5 — 6 Zwiebeln von Ixien und füllt hierauf 
die Töpfe vollends auf. Nun stellt man die 
Töpfe in ein kaltes Beet unter Fenster, wel- 
ches beim Eintritt der Kälte frostfrei einge- 
drückt und mit Umsätzen umgeben wird. Im 
März werden die Zwiebeln sich gut bewurzelt 
haben und man nimmt sie nun , wenn die Blü- 
then sich zeigen, in ein Gewächshaus bei 8° 
R. Temperatur. Hier werden sie üppig blühen. 
Das Begiessen wird fortgesetzt bis die Blätter 
zu gelben beginnen. Man vermindert nun das 
Begiessen und lässt sie im Sommer an einem 
trockenen schattigen Ort ganz trocken stehen. 
(Galeotti Journ. d'horticulture.) 



224 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



4) Der Kampherbaum von Sumatra 
und Borneo, nach De "Vriese. (Dryoba- 
lanops Camphora Colebr.) Dieser Baum ist ei- 
ner der staulichsten Ostindien's. Sein Stamm 
erreicht eine Höhe von 200' und eine Dicke 
von 8 — 11 Fuss. Die rissige Rinde ist hier 
und da mit der weissglänzenden Masse des 
Kamphers bedeckt, Blätter lederartig, eiförmig- 
elliptisch, in eine Spitze vorgezogen, oliven- 
grün. Derselbe wächst im Gebirge bis zu 1000 
Fuss Höhe. Wenn die Eingebornen von Kort- 
hals denselben aufsuchen wollen, so opfern 
sie vorher den Göltern und glauben, dass es 
dem ersten Priester im Schlafe kund gethan 
werde, wo der beste Kampherbaum zu finden 
sei. Derselbe führt nun die Truppe an. Wenn 
er einen Kampherbaum entdeckt, prüft er ihn, 
und so er ihn geeignet findet, wird der Baum 
überm Boden bis zum Holze eingehauen; 
denn hier sitzt der Kampher und das aetheri- 
sche Oel. Durch eine Bambusröhre lässt man 
das letztere abfliessen. Findet man nun einen 
Baum, der reichlich Kampheröl liefert, so wird 
dieser umgeschlagen und gespalten, indem 
sich im Marke solcher Bäume oft grosse Kam- 
pherslücke finden sollen, welche Angabe je- 
doch neuere Beobachter bestreiten. 

Kleinere Stückchen finden sich in körniger 
oder blättriger Form durch das Holz zertheilt. 

Die Ausbeute ist je nach den Bäumen sehr 
verschieden. Ein starker Baum soll bis 1 Ki- 
logr. ätherisches Oel , und 1 Kil. festen Kam- 
pher liefern. Verschiedene Schriftsteller haben 
zwar bis 10 Pfund starke Ausbeute von einem 
Stamme angegeben, allein das ist durchaus 
unbegründet. — Der Kampher wird um so 
mehr geschätzt, je reiner er ist. Den besten 
erhält man aus dem Holz des Baumes. Im 
Holze selbst sollen sich nämlich nach Weddik 
oft grosse Stücken des reinsten Kamphers fin- 
den, wo am Stamme 3—4 Aesle abgehen, und 
die Stelle, wo erliegt, soll auch durch eine 
äussere Anschwellung angedeutet sein. 

Durch Auskochen der Späne erhält man 
einen mit Harz gemischten Kampfer, den we- 
nig geachteten Tjodan-Kampher. 

Die Frucht des Kamphers hat die Grösse 
einer grossen Nuss, schmeckt sehr aromatisch 
und dient als Delikatesse, sowie zur Witte- 
rung für Fische. (Bot. Zeitung.) 



5) DerSeekohl (Crambe maritima) und 
dessen Cultur. In England wird bekannt- 
lich viel weniger Gemüse genossen als in 
Deutschland. Der Gemüse-Anbau ist darum 
bei uns viel manniehfacher als dort, und den- 
noch giebt es einige "vorzügliche Gemüse, die 
in England allgemein angebauet werden , und 
bei uns noch wenig Verbreitung fanden. Dem 
einen derselben, dem Rhabarber haben wir 
schon wiederholt das Wort geredet , und wir 
werden fortfahren dies zu thun; denn es ist 
eins jener Gemüse, die reichen Ertrag zu einer 
Zeit, wo man nichts als Spinat im Freien hat, 
gewähren , deren Anbau leicht und mühelos 
ist, da die Pflanze fast ohne Pflege gedeihet, 
und deren Stiele endlich einen ganz vorzüg- 
lichen Compolt geben. 

Ein anderes Gemüse ist es aber, das bei 
uns fast noch weniger bekannt ist, obgleich es 
das allgemeine Vorurtheil, das sich an den 
Namen Rhabarber knüpft, nicht gegen sich 
hat, und das ist der Meer- oder Seekohl. 

Man geniesst von demselben die jungen 
Blätter und die jungen noch weissen Triebe, 
welche dem Spargel ähnlich schmecken und 
auf ähnliche Art bereitet werden. 

Die Pflanze ist mehrjährig wie der Spargel. 
Im ersten Frühling deckt man die um die 
Pflanzen gehäufte Erde ab, reinigt die Pflanze 
deckt hierauf den Wurzelhals wieder 1 Fuss 
hoch mit Erde und dann noch mit Streu oder 
trocknen Blättern zu. Die Ernte beginnt nicht 
eher, als bis sich die jungen Triebe über dem 
Boden zeigen. Anstatt der Erde kann man 
auch mit umgekehrten Blumentöpfen oder wie 
es die Engländer thun, mit Holzbüchsen decken, 
deren Deckel man beliebig abheben kann, um 
nach dem Zustande der jungen Triebe zu se- 
hen. Die auf diese Weise im freien Lande 
betriebene Cultur liefert Ende März und im 
April die Ernte. Um jedoch früher die Ernte 
zu erzielen, deckt man schon im Herbste die 
Beete vom Seekohl gut ein , umgiebt sie mit 
einem Umsatz von frischem Pferdedünger und 
deckt sie mit Slrohmatten und Läden. Schon 
im Januar wird man die ersten Triebe des 
Seekohls ernten. Zu diesem Zwecke deckt 
man an einem trocknen hellen Tage im De- 
cember oder Anfang Januar das Beet ab, setzt 
Holzbüchsen oder Kästchen mit Deckel über 



II. Notizen. 



225 



die einzelnen Pflanzen und füllt, nachdem 
man letzlere geschlossen, die Zwischenräume 
mit kurzem Miste oder trocknem Laube aus. 
Man erhöhet nun das zwischengelegle Material 
noch l ! /i — 2 Fuss über die Kästchen, erneuert 
den Umsatz und deckt das ganze Beet mit 
Strohdecken zu. Die Wärme eines solchen 
Beetes darf jedoch 10° R. nicht übersteigen, 
sonst würde man die Pflanzen tödten. 

Der Seekohl verlangt zu kräftiger Vegeta- 
tion eine reiche tiefe und lockere Erde. Man 
vermehrt denselben durch Samen und Wur- 
zelschnittlinge. 

Die Aussaat macht man entweder Ende 
Februar ins Beet oder im März, April und Mai 
ins freie Land. Die Samen werden '/* Zoll 
hoch bedeckt und die jungen Pflanzen in die 
Entfernung von 1 Fuss von einander zeilig. in 
ein gut zubereitetes Beet verstopft. Im Herbst 
werden die Blätter abgeschnitten und die Pflan- 
zen 2 Zoll hoch mit Erde bedeckt. Im näch- 
sten Frühjahr nimmt man sie heraus und pflanzt 
sie an den für sie bestimmten Platz, jede von 
der andern ungefähr 3 Vi Fuss weit entfernt. 
Im zweiten Jahre können sie dann auf die an- 
gegebene Weise zur Ernte benutzt werden. 

Zur Wurzelvermehrung benutzt man starke 
Wurzeln, die in 6 — 7 Zoll lange Stücken zer- 
schnitten werden, welche man im Februar 
oder im April einlegt. Im Februar legt man 
sie in Töpfen und stellt diese ins Mistbeet. Im 
Mai werden sie so stark sein, um ins freie 
Land gepflanzt zu werden, und schon im fol- 
genden Jahre kann man deren Blätter be- 
nutzen, während die im April ins freie Land 
gelegten Wurzelslücke erst im zweiten Jahre 
tragbare Pflanzen liefern werden. 

(Horticult. fran^aise.) 
6) Durlach, 17. Februar. Ueber die 
Zweckmässigkeit des Anbaues von Sonnen- 
blumen wurde in neuerer Zeit sowohl in öf- 
fentlichen Blättern als besonders in landwirth- 
schafllichen Zeilschriften viel geschrieben. Im 
verflossenen Jahre machte ich desshalb einen 
kleinen Versuch, welcher jedoch nicht gün- 
stig ausfiel, den ich aber wegen des allgemei- 
nen Interesses an fraglichem Anbaue Ihnen 
mittheile. Auf einem etwa '/i Morgen grossen 
Ackerslück liess ich unmittelbar nach dem 
Setzen der Kartoffeln zwischen diese in regel- 



mässiger zehnfüssiger Entfernung Sonnenblu- 
menkörner, sowohl der gewöhnlichen, als der 
kaukasischen Art einstecken. Sämmlliche Kör- 
ner keimten und entwickelten bald eine über- 
aus üppige Vegetation , so dass einzelne Pflan- 
zen eine Höhe von 15 Fuss und Scheiben von 
13 bis 14 Zoll Durchmesser erhielten. Zur Zeit 
der Kartoffelernte wollte ich die Sonnenblu- 
men gelegenheitlich mit den Kartoffeln ein- 
sammeln lassen; die meisten Scheiben waren 
jedoch noch nicht reif. Ich liess sämmtliche 
Pflanzen desshalb noch so lange stehen, als 
die günstige Witterung es erlaubte. Die später 
mit dem Heraushauen beauftragten weiblichen 
Dienstboten konnten, da die Wurzeln der enor- 
men Grösse der Pflanzen entsprechend sich 
ausgebildet hatten, mit den gewöhnlichen Hauen 
nichts ausrichten. Es wären Männer mit Reit- 
hauen nöthig gewesen. Die Pflanzen wurden 
desshalb über dem Boden abgehauen, in der 
Meinung, beim nachherigen Pflügen würden 
die WurzelsJ^cke schon herausgerissen werden ; 
doch auch dem Pfluge widerstanden dieselben. 
Man konnte nur zwischen den Reihen pflü- 
gen, und musste ich die ungeflügten Streifen 
und die Sonnenblumenwurzeln besonders her- 
um und heraus hacken lassen. Beim Auskör- 
nen zeigte sich, dass die in der Mitte der 
Scheiben befindlichen Körner sämmtlich taub 
waren. Das ganze einigermassen brauchbare 
Ergebniss betrug desshalb nur 6 Sester und 
erforderten diese zum Auskörnen einen Auf- 
wand von 3 Taglöhnen. Da die Körner in der 
Mühle nicht geschält werden konnten, so muss- 
ten sie mit den Hülsen in die Oelmühle ge- 
bracht werden. Nachdem 2 Sesler schlechter 
Körner dort vorher noch durch Wannen ent- 
fernt waren, wurde der Rest auf drei Mal un- 
ter eigener Beaufsichtigung geschlagen und lie- 
ferte 2 Schoppen Oel, welches Oel zwar al- 
lerdings ganz ausgezeichnet und sogar dem 
Buchenöl noch vorzuziehen ist, dessen Quanti- 
tät aber doch gar zu gering ausfiel; denn ab- 
gesehen von dem Nachtheil, welchen die Kar- 
toffeln denn doch wohl erlitten haben dürften, 
werden nicht einmal die haaren Auslagen 
durch den Ertrag gedeckt. 

In unseren Oelmühlen kann das Oel zwar 
allerdings nicht so vollständig gewonnen wer- 
den , wie bei einer chemischen Analyse, die 



226 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



praktischen Versuche werden also gegen- 
über den chemischen immer zurückstehen; al- 
lein der Unterschied ist zu gross, als dass er 
nicht wo anders zu suchen wäre. 

Ich glaube dcsshalb, und spricht für meine 
Ansicht die grosse Menge der ganz oder theil- 
weise tauben Körner , dass dieses Misslingen 
durch den feuchten Sommer verursacht wurde. 
Dieses Jahr will ich den Versuch jedoch wie- 
derholen; denn „einmal ist keinmal." Ich 
werde aber um die Vegetationszeit zu verlän- 
gern , einen Theil der Pflanzen zu Hause er- 
ziehen und beim Setzen der Kartoffeln dann 
statt der Körner gleich Pflanzen aufs Feld 
bringen. 

7) Ueber einige der wichtigsten 
Produkte verschiedenerPalm en. (Fort- 
setzung). 

Die Cocospalme wächst besonders gern an 
der Meeresküste und an den Flussufern; an 
solchen Standorten fallen die reifen Früchte 
oft in's Wasser und von den Wellen forlge- 
tragen, bleiben sie ein Spiel des Windes und 
der Strömungen, bis der Zufall sie auf ein 
Korallenriff, eine Sandbank, eine einsame Küste 
führt, hier dringen die mächtigen Wurzeln tief 
in den Boden, eine herrliche Palme ersieht 
aus dem Meeressande, und mancher schiff- 
brüchige Seefahrer hat ihren Früchten allein 
seine Rettung vom Hungertode zu verdanken! 

Doch wie unsere Väter Baumgärten ange- 
legt haben , so pflanzt auch der Tropenländer 
seine Cocoshaine. Besonders in Südamerika 
geschieht dieses in folgender Weise: Die Nüsse 
werden 1 Fuss tief in die Erde gepflanzt und 
zwar ziemlich nahe zusammen, um die Arbeit 
des Bewässerns zu erleichtern; man pflanzt 
sie auch oft den Hauswänden entlang, dass 
das Regenwasser vom Dache sie hegiesse; 
dies ist gewöhnlich hinreichend und damit 
findet sich der Pflanzer einer grossen Mühe 
überhoben. 

5 Monate nach der Pflanzung durchdringt 
der Keim die Erde und nach Verlauf von 
einem Jahre können die jungen Bäume ver- 
pflanzt werden. Gewöhnlich werden sie auf 
8 — 10 Schritt Entfernung von einander ge- 
pflanzt, sobald sie wieder angewurzelt sind, 
ist jede spätere Pflege fast unnöthig gewor- 
den. — 



Was die Cocos den Völkern des indischen 
Archipels, das ist vielleicht in noch höherem 
Maasse die Dattelpalme den Wüstenbewohnern 
des nördlichen Afrika, d. h. das tägliche 
Brod, von dem ganze Völkerschaften fast 
ausschliesslich sich nähren. Dr. S. Richardson 
sagt von der Dattel: „Wenn alle Nahrungs- 
mittel ausgehen, spendet die Dattel alljährlich 
ihre nährenden Früchte" und errettet die Be- 
wohner der Wüsten vom Hungertode. Fast 
die ganze Bevölkerung von Fezzan lebt ein- 
zig und allein von Datteln während 9 von 12 
Monaten , und eine Menge Thiere nähren sich 
ebenfalls von dieser Frucht grade in der Jah- 
reszeit, wenn das Futter in den Oasen fehlt, 
der Reifezeit der Dattel. — Die Dattelpalme 
(Phoenix daetylifera) liebt sandigen Boden, 
man findet sie im Culturzustande noch in 
Griechenland, Italien und selbst im südlichen 
Frankreich, aber ihre eigentliche Heimath ist 
doch das nördliche Afrika, Aegypten, Arabien 
und einige Theile Asien's, wo sie seit un- 
denklichen Zeilen eultivirt wird. Nach Aus- 
sage von Burckhardt vererben diese Bäume 
von Familie zu Familie bei den Arabern und 
oft besieht die Mitgift eines jungen Mädchens 
ausschliesslich in einer Anzahl von Datlelbäu- 
men. Die erste Frage, mit der Bedouinen 
sich begegnen , gilt nicht dem gegenseitigen 
Befinden, sondern einem viel wichtigeren Ge- 
genstände , — dem Preise der Datteln in 
Mekka oder in Medina! — 

Der Dallelbaum wird bis 50 Fuss hoch, 
mit einer dichten, eleganten Wedelkrone. Die 
Dattel ist getrennt geschlechlig, und viele hun- 
dert Jahre, bevor die Wissenschaft Ahnung 
hatte vom Geschlechte der Pflanzen, hatten 
die Völker, bei denen die Dattel eine so 
wichtige Rolle spielt, dieses Geheimniss der 
Natur abgelauscht : sie wussten aus Erfahrung, 
dass die weiblichen Bäume unfruchtbar blie- 
ben, wenn keine männlichen sich in der Nähe 
befanden, und Michaux erzählt darüber, 
dass die Perser seit langer Zeit erkannt hat- 
ten, dass man dem Blülhenslaube seine be- 
fruchtende Kraft erhalten könne , und daher 
die Gewohnheit hatten , eine gewisse Menge 
desselben zu sammeln, in Röhren luftdicht zu 
verschliessen , und denselben dann über die 
weiblichen Blüthenstände auszustreuen in Ge- 



II. Notizen. 



227 



genden, wo der Feind alle männlichen Bäume 
zerstört halte, wie dieses bei den häufigen 
Kriegszügen üblich war. — Die vollkommen 
reife Dattel kann nicht lange aufbewahrt wer- 
den , man sammelt sie daher kurz vor der 
Reife, lässt sie in der Sonne trocknen und 
nun hält sie sich jahrelang. — Die Araber be- 
reiten aus der Frucht eine Art Syrup, den 
sie in ihrem Haushalte verwenden; sie ge- 
winnen auch daraus das Dattelmehl, dessen 
Haltbarkeit es sehr werthvoll macht, endlich 
kann man eine Art Wein und Alkohol daraus 
ziehen. — Das Herz oder der Kohl der Palme 
ist als Gemüse sehr geschätzt; aus der da- 
durch verursachten Wunde strömt eine grosse 
Menge eines Saftes, der schnell in Gährung 
übergeht, und durch Destillation eine aller- 
dings geringe Sorte Arrak giebt. Das Aus- 
schneiden des Gipfeltriebes zieht leider auch 
das Absterben des ganzen Baumes nach sich. 
— Das Holz der alten Bäume dient in Afrika 
als Bau- und Nutzholz und widersteht voll- 
kommen dem zerstörenden Einflüsse der Feuch- 
tigkeit. — Man ist natürlich klug genug, nur 
überflüssige, männliche Bäume für Bauholz 
zu fällen, und dagegen die weiblichen sorg- 
fältig zu schonen. 

Obgleich die Dattel ausserordentlich wohl- 
schmeckend und ausserdem noch sehr nahr- 
haft ist, wird sie doch in Europa sehr wenig 
geschätzt, wenn man nach der geringen Ein- 
fuhr England's, selten über 10—12 Schiffslon- 
nen im Jahre betragend, urtheilen darf. Es 
ist jedoch wahrscheinlich, dass weitaus die 
grössere Quantität Datteln durch Frankreich, 
Italien und die Türkei auf die europäischen 
Märkte gebracht wird. (Nach Belgique hor- 
ticole. — E. 0.) 

8) Zur Cullur des Cyclamen persi- 
cum. Diese belieble Pflanze leidet leicht durch 
zu grosse Nässe , und man kann sie nicht 
lange vollkommen gesund erhalten, wenn sie 
nicht während ihrer Ruhezeit ganz trocken 
stehen. Dies geschieht am besten dadurch, 
dass man sie nach vollendeter Blülhe ganz 
aus der Erde herausnimmt, und sie, wie etwa 
Tulpenzwiebeln, an einem warmen und trock- 
nen Orte ausgebreitet , aufbewahrt bis zum 
September. Nun pflanzt man sie wieder in 



Töpfe, die mit gutem Abzug versehen sind, 
in eine Erdmischung von gleichen Theilen 
guter Gartenerde und Missbeet- oder Lauberde 
und habe besonders darauf Acht, dass die 
Knollen nicht mit Erde bedeckt werden, son- 
dern mindestens zur Hälfte hervorragen; ja, 
es ist noch besser, wenn nur ein Driltel ihrer 
Dicke in die Erde kommt. Hat man ein war- 
mes Beet, in das man die Töpfe einsenken 
kann , so kann dies mit Vorlheil benutzt wer- 
den, um den Trieb zu beschleunigen, sonst ge- 
deihen sie auch recht gut im Fenster des 
Wohnzimmers. Wärme und häufiges Begies- 
sen wird die Entwicklung der Blätter und 
Blumen sehr befördern; während der Blüthe 
ist ein kühlerer, luftiger Standort zu geben, 
um den Flor zu verlängern , und sobald die- 
ser sich seinem Ende neigt, wird das Begies- 
sen allmählig eingestellt, um den Uebergang 
zur completen Ruhe einzuleiten. — 

Während der Wachslhumzeit sollte die 
Erde in den Töpfen nie ganz austrocknen, an 
warmen, sonnigen Tagen giesse man selbst 
zwei Mal, dagegen achte man ebenso darauf, 
wenn man Untersetznäpfe gebraucht, dass das 
darin sich sammelnde Wasser sofort abgegos- 
sen werde, damit die Erde nicht versauere. 

(Nach Flore des Serres. — E. 0.) 

9) Cultur der Calla aethiopica. 
Eine ebenso sichere als leichte Methode , all- 
jährlich blühende Pflanzen der schönen Calla 
zu ziehen, soll nach einer Mittheilung in der 
Flore des Serres darin bestehen , dass man 
die Pflanzen, nachdem sie im Frühjahr abge- 
blüht haben, an sonniger Stelle in's freie Land 
pflanzt und sie hier reichlich begiesst. Die 
Blätter werden gelb und vertrocknen, aber im 
September beginnt die Pflanze neu und kräf- 
tig zu treiben, gewöhnlich mit vielen Trieben; 
von diesen wählt man nur die kräftigsten, 
pflanzt jeden einzeln in einen Topf mittlerer 
Grösse in reine Missbeeterde. Man bringt sie 
nun in's temperirte Warmhaus, oder in's war- 
me Wohnzimmer vor's Fensler, lässt sie den 
Winter hindurch keinen Mangel an Wasser 
leiden, und kann bestimmt darauf rechnen, im 
Frühjahr schön gedrungene, üppig blühende 
Pflanzen zu haben. (E. 0.) 



228 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



111. Literatur. 



l)Beer, J. G., die Familie der Brome- 
liaceen, nach ihren habituellen Charak- 
teren bearbeitet. Wien bei Tendier u. Comp. 

Herr Beer strebt bei dieser Bearbeitung der 
Bromeliaceen darnach, nicht blos Hauptabihei- 
lungen und Unterabtheilungen nach habituel- 
len Merkmalen auszuscheiden, sondern auch 
die Gallungen nach gleichen Charakteren zu 
begründen. — 

Nach unserer Ansicht soll jede gute Gat- 
tung auch ihre habituellen Charaktere haben, 
welche sie dem geübten Auge kenntlich macht, 
auch ohne dass man Blumen und Früchte ge- 
nauer untersuchen konnte. Mit diesen die 
ganze Tracht der Pflanze bedingenden Charak- 
teren sollen jedoch auch scharfe, von Blume 
und Frucht genommene Charaktere Hand in 
Hand gehen , wenn die Gattung eine gute, 
streng wissenschaftlich und natürlich begrenzte 
genannt werden soll. Jene von Blume und 
Frucht genommenen Charaktere sollen auf 
Theile begründet sein, von denen die Beob- 
achtung gezeigt hat, dass sie sichere Kenn- 
zeichen bieten, die mit den natürlichen Cha- 
rakteren Hand in Hand gehen. 

Nach dieser unserer Ansicht über Bildung 
und Begrenzung der Gattungen halten wir es 
für ein sehr verdienstliches Unternehmen vom 
Herrn Beer, nach den habituellen Charakteren 
die Bromeliaceen zu charakterisiren, wodurch 
eine Menge neuer Anhaltspunkte gefunden wer- 
den. Wir würden aber diese Arbeit noch ver- 
dienstlicher nennen, wenn auch die in Blülhe, 
Frucht uud Samen liegenden Unterschiede, 
überall wo das vorhandene Material es er- 
laubte, mit berücksichligt worden, und die 
Arten, von denen Blumen oder Fruchtbildung 
noch nicht genau bekannt sind, nur nach den 
habituellen Charakteren den Gattungen ange- 
reihet worden wären. Allerdings hätte solch 
eine Arbeit ein längeres und tieferes Studium 
der Familie erfordert, dafür würde sie aber 
auch für alle Zeiten massgebend geblieben 
sein, während so die Arbeit des Herrn Beer 
bei den Botanikern kaum die Beachtung fin- 
den wird , die sie nach unserer Ansicht wirk- 
lich verdient 

Das Buch bringt uns zunächst eine Ueber- 



sicht der von Beer aufgestellten Haupt- und 
Unterabiheilungen. Die 3 Hauptabteilungen 
sind nach dem Blüthenstand gebildet, nämlich 

1) Bromeliaceae, Blüthenstand endsländig, 

2) Ananasseae, Blüthenstand mit einem 
Laubschopf gekrönt, 3) Diaphoranthe- 
meae, Blüthenstand seitlich. Es folgt hierauf 
ein Schema der Sippen, diesem eine Ueber- 
sicht der Gattungen, deren mehrere neue nach 
habituellen Charakteren aufgestellt sind. Auf 
diese folgt die Beschreibung der Arten , dann 
Bemerkungen über die Gattungen der Brome- 
liaceen und endlich eine ausführliche Classifi- 
cation der Arien und Abarten von Ananassa 
und Bemerkungen über deren Nutzen. 

Wir empfehlen dieses Buch mit voller Ue- 
berzeugung allen denen, die sich für die Fa- 
milie der Bromeliaceen interessircn, indem es 
das Vollständigste ist, was wir über solche 
besitzen. (E. R.) 

2) A. G. Schrenk, Reise nach dem 
Nordosten des Europäischen Russland , durch 
die Tundren der Samojeden für den bot. Gar- 
ten in Sl. Petersburg. L u. II. Theil. Dorpat. 
1848 und 1854. 

Wir entnehmen diesem Werke einige An- 
deutungen über die Waldungen dieses nördli- 
chen Gebietes. Dasselbe nimmt folgende Re- 
gionen an: 

i) Die waldige Region. Tannen-, Fich- 
ten- und Lärchenwälder , in welche Betula 
alba und Populus tremula häufig eingesprengt, 
treten häufig auf. 

2) Die unterwaldige Region. Fichte, 
Lärche und Pappel kommen nicht mehr vor 
und die Waldungen werden seltner. 

3) Die vorpolare Region. Nur auf 
Flussinseln, an Flussufern, oder in vor Stür- 
men geschützten Thälern kommen Wäldchen 
noch vor. Birken kommen noch in Strauch- 
form vor und vom Winterfrost getödele' Fich- 
ten bezeichnen die Gränze der Baumvegela- 
tion. Der Boden thauet in der Tiefe nicht 
mehr auf. 

4) Die Polarregion. Klaflerhohes Wei- 
den-Gebüsch, zwischen dem die Zwergbirke 
häufig, vertreten die Waldungen. Weite mit 
Rennthiermoos bekleidete Ebenen bilden den 



III. Literatur. 



229 



Sommeraufenlhalt der Rennthiere, oder der 
Boden ist sumpfig- und trägt ausser Sphagnum 
Seggen- (Carex) und Wollgräser (Eriopho- 
rum). Die dürren Höhen tragen Rasen und 
Alpenpflanzen. Der Boden thauet nur ober- 
flächlich auf, und die zusammen gehäuften 
Schneemassen gehen erst gegen den Herbst 
weg. 

5) Arktische Region. An der Stelle 
der Gebüsche treten spannenhohe Weidenarten 
auf. Das Rennthiermoos wird seltner. Der 
Boden entweder kiesig und mit einzelnen 
Pflanzen besetzt, oder sumpfig und moosig 
und nur an der Oberfläche aufthauend. Die 
Schneemassen liegen mehrere Jahre. 

Als nördlichste Gränze einzelner Bäume 
bezeichnet Schrenk: 

Pinus Cembra L. Die Arve oder Zir- 
belkiefer; geht bis 647i° n. Br. Die Wälder 
des Wologdaschen und Permschen Gouver- 
nements liefern eine Menge Zirbelnüsse. 

Pinus Pichta Fisch. Geht an den 
Ufern der Duina bis zu 63'/2° n. Br. Ein 
herrlicher Baum, der in seiner Tracht an un- 
sere P. Picea L. erinnert , nur ein dunkelgrü- 
neres glänzendes Laub besitzt. In Petersburger 
Gärten häufig. 

Larix sibi r ica L ed eb. geht bis zum 
63sten Grade nördlicher Breite. 

Die Espe geht bis zu 65Vi° n. Br. , was 
auch die Gränze für Roggen und Gerste ist. 

Die Föhre (Pinus sylvestris L.) und die 
Fichte (Pinus Abies L.) .gehen bis 67 7i° 
n. Br. 

Alnus fruticosa geht bis zum 67° 
n. Br. 

Prunus Padus, die Traubenkirsche geht 
bis 66V3 n. Br. , und Rosa occularis und 
Ribes nigrum haben die gleiche Gränze. Letz- 
terer ward jedoch von Ruprecht noch bei 
6VJX n. Br. auf Kunin beobachtet. 

Ribes rubrum geht bis 67 1 /! n. Br. , mit 
ihr die gleiche Gränze hat Lonicera Pallasii. 
Nicht selten ist Spiraea chamaedryfolia , die 
bis zu 66V4 n. Br. hinaufreicht. Juniperus 
communis Var. nana wird noch unterm 68° 
n. Br. gefunden ; ferner Atragene alpina unterm 
67° und Belula nana wächst noch unterm 68° 
in dem Moorlande, zugleich mit Strauchweiden 
grosse Flächen bedeckend. 



Rubus Idaeus geht blos bis zum 65°, Ru- 
bus arclicus bis zum 69°. Empelrum nigrum 
verliert sich bei 69'/*. Dryas octopetala bildet 
noch jenseits des Polarkreises dichte Rasen. 
Vaccinium uliginosum reicht zum 69°, V. Vi- 
tis Idaea noch höher nach Norden, bis Novaja 
Semlja und V. Myrlillus bis zum 69°. Die 
höhern strauchigen Weiden sind zwischen dem 
65° und 66° zu Hause und dann folgen bis 
zum 68° die niedrigen nordischen Strauch- 
weiden. Es sind dieselben für diese nördlichen 
Länder im Innern sehr wichtig, da sie fast 
das einzige Brennmaterial liefern. Schliesslich 
wirft der Verfasser noch einen Blick auf die 
merkwürdige Erscheinung , dass die am 
höchsten hinauf reichenden Wälder stets von 
einem Gürtel abgestorbener Bäume umgeben 
sind. Er leitet diese Erscheinung aus der Wir- 
kung einzelner sehr kalter Winter her und 
glaubt, dass namentlich der Winter 1812 hier 
solche Verheerungen angerichtet. (E. R ) 

3) Carl Nägeli, die Individualität in der 
Natur. Zürich. Meyer u. Zeller 1856. 

Der berühmte Verfasser bekennt sich in einer 
Einleitung als Anhänger der neueren Lehre über 
Atome und glaubt, dass von dieser die wich- 
tigsten Aufschlüsse für das Zellenleben , für 
Umwandlungen und Gestallung von Stoffen zu 
erwarten sei. — Er sagt in dieser Beziehung: 
„Die Atome sind die ersten und die einfach- 
sten Bausteine , aus denen die Nalur aufge- 
bauet ist. Es ist möglich und wahrscheinlich, 
dass die jetzigen chemischen Elemente selbst 
zusammengesetzt sind, und wir können uns 
denken, dass die Analyse dieselben einst in 
wenige Urstoffe zerlegen wird. Gelingt es in 
dieser Weise auf Atome mit einfacher Anzie- 
hung und Abslossung zurück zu gehen, so 
müsste es, sollte man meinen, möglich wer- 
den , die Notwendigkeit der Entwicklungs- 
geschichte für organische und unorganische 
Körper nachzuweisen." 

In weiterer Auseinandersetzung verlässt der 
Verfasser das Gebiet der Thatsachen, zeigt, wie 
Zeit und Raum relative Begriffe seien, wie 
man sich das kleinste als Einheit wirkende 
Atom wieder als zusammengesetzten compli- 
zirten Körper denken könne. 

Das Pflanzen und Thiere belebende Ele- 
ment wird vom Verfasser mit den materiel- 



230 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



len Kräften (Krystallisation etc.) zusammenge- 
fasst und dem geistigen Element entgegenge- 
stellt. Hr. C. Nägeli sagt in dieser Beziehung: 

„Der Gegensatz liegt aber überhaupt nicht 
sowohl zwischen lebloser und belebter Natur; 
— denn es ist eigentlich alles belebt. Der 
Krystall hat seine eigentümliche Bildungsge- 
schichte, wie die Pflanze, und beide können 
gleich sehr, oder gleichwenig aus den be- 
kannten Naturkräften und den Bewegungen der 
Atome begriffen werden. Der Gegensatz be- 
steht vielmehr zwischen Materie und Geist. In 
der Materie herrscht bewusstlose Notwendig- 
keit, im geistigen Gebiete Bewusstsein und 
Freiheit. Sollte die Lebenskraft wirklich als ein 
besonderes Agens der organischen Natur nach- 
gewiesen werden, so würde ich sie, da sie blos 
den Gestallungsprozess bewirkt und im Stoff- 
lichen Bildung und Umbildung hervorbringt, mit 
den materiellen Kräften zusammen und sammt 
diesen den geistigen Kräften entgegenstellen." 

Während der "Verfasser so die Lebenskraft, 
welche Pflanze und Thier belebt, aus den Ur- 
kräflen der Atome (der Materie) erklärt, nimmt 
er die geistige Kraft, welche das Bewusstsein 
bedingt, als selbständig und nicht als Funk- 
tion der Materie an. Er sucht somit eine Mit- 
telstellung zwischen der physikalischen und 
biologischen Schule zu gewinnen. Er wird 
dafür beide gleich sehr gegen sich haben, ob- 
gleich uns der geehrte und befreundete Herr Ver- 
fasser damit der biologischen Schule vollkom- 
men anzugehören scheint. Wer das geistige Ele- 
ment als selbstständiges annimmt, kann den In- 
stinkt der Thiere, die Lebenskraft der Pflanze, wo 
die erste zum neuen Individuum vorgebildete 
Zelle schon die ganze Idee der Formbildung der 
Art in sich trägt, auf die Dauer unmöglich aus 
nur materiellen Kräften ableiten, sondern muss 
ebensowohl Lebenskraft und Instinkt als ein 
selbstständiges von den materiellen Kräften 
verschiedenes Prinzip betrachten, oder ihm muss 
auch das geistige Element nur als Function 
der Materie erscheinen. 

Der Beferent, der das scharfe Urtheil und 
die tiefen Kenntnisse des Hrn. Verfassers un- 
gemein hoch stellt, verkennt es nicht, dass 
gerade die von Hrn. N. aufgestellten Ansich- 
ten für jeden Forscher etwas ungemein Locken- 
des besitzen, sie scheinen so innig in dem 



begründet, was wir über die einfachen und 
complicirten Kräfte der Materie wissen, dass 
von dem Gestaltungsprozess des Krystalles zu 
der Bildung der Zelle nur ein kleiner Schritt 
zu sein scheint. Beim Krystall lagert sich aber 
die Materie nur in continuirlichen regelmässi- 
gen Formen an, die nur in ihrer äusseren 
Form Aehnlichkeil mit der Zelle haben. Bei der 
Zelle bleibt die Formbildung aber nicht bei 
der Bildung dieser ersten Zelle stehen, es ist 
hier ein inneres Leben vorhanden , welches 
durch Bildung und Umbildung von organischen 
Stoffen von innen heraus neue Zellen schafft, 
für den eigenlhümlichen Entwickelungsgang 
der Art und für Fortpflanzungsorgane sorgt. 
Der Sprung ist hier alsp ein viel grösserer, 
als der von dem oft merkwürdig hoch aus- 
gebildeten Instinkte des Thieres bis zum gei- 
stigen Principe des Cretins. Die Grenze , wo 
ein neues belebendes Element zu den mate- 
riellen Kräften hinzutritt, muss deshalb zwi- 
schen der anorganischen und organischen Na- 
tur, und nicht zwischen Thier und Mensch ge- 
sucht werden , wenn man nicht mit dem Ma- 
terialisten überhaupt jede Lebenserscheinung 
in der organischen Natur ebenfalls nur als 
aus der Combination materieller Kräfte her- 
vorgehend herleiten will. 

Der Beferent hat sich entschieden auf die 
Seite der Biologen gestellt und mussle daher 
diese kurze Zwischenbemerkung um so mehr 
machen , als gerade die Hr. N. eigentümliche 
klare, entschiedene und logische Darstellungs- 
weise geeignet sein dürfte, manchen Unschlüs- 
sigen auf die andere Seile zu ziehen. Die Na- 
turwissenschaft hat in der neueren Zeit so 
überraschende Entdeckungen gemacht, sie hat 
so manche früher unbenutzte und fast unge- 
kannte Kraft zu benutzen gewusst, dass es ge- 
rade der Naturforscher ist, der jetzt am ersten 
geneigt ist, sich über sich selbst zu erheben, 
indem er hofft, allerdings mit gegebenen *) 

*) Dies ist eben die brennende Frage. Es 
scheint logisch richtiger, das Leben immer wei- 
ter zurückzudrängen und die Kräfte der ein- 
fachsten Stoffe schon als Lebensäusserung an- 
zunehmen, also die Stoffe belebt zu nennen. 
Wären sie wirklich so zu bezeichnen, dann 
wäre die Ansicht der Materialisten die richtige. 



III. Literatur. 



231 



Stoffen, auch noch wirkliches Leben schaffen 
zu können. 

Nachdem der Verfasser nun in der Einlei- 
tung den speziellen Standpunkt, den er selbst 
in der jetzt alles in Anspruch nehmenden 
Hauptfrage einnimmt, festgestellt hat, beginnt 
er seine Ansicht zu entwickeln, was in der 
Natur als Individuum zu betrachten ist. 

Er beginnt mit dem Tod des Menschen. 
Er zeigt, dass dies eine weise, die Forlbil- 
dung des Menschengeschlechts gerade beför- 
dernde Einrichtung ist, wenn gleich man trau- 
ernd an dem Grabe jedes ausgezeichneleren 
Menschen sieht, mit dem so manche herrliche 
Eigenschaft zu Grabe gelragen wird. 

Das Individuum wird zunächst als eine 
einheitliche Erscheinung, welche wir nicht 
theilen können, ohne ihr Wesen zu vernichten, 
welche daher ein abgeschlossenes Ganzes, mit 
eigentümlicher Entwickelung und eigenthüm- 
licher Beziehung zur Aussenwelt darstellt, de- 
finirt. Es zeigt nun der Verfasser , wie die 
einfachsten Elemente zu immer complizirteren 
zusammentreten , wie aus Zellen die Pflanze 
sich aufbauet , und wie die höhere Pflanze aus 
Wurzel, Stengel, Blatt, Blülhe etc. besteht. 
Der Verfasser spricht sich dahin aus, dass 
diese Theüe, welche die Pflanze zusammen- 
setzen, von der Zelle an als individuelle Ge- 
bilde mit dem gleichen Rechte zu betrachten 
seien, wie die ganze Pflanze. So wird weiter 
gebauet, es wird gezeigt, dass das Pflanzen- 
Individuum eine verhällnissmässig so lange 
Dauer haben könne (6—8000 Jahre alte Bäu- 
me), weil seine Theile absterben, und das 
Gerüste des Baumes mit neuen Organen, mit 
neuem Holzstoff sich periodisch bedeckt. Doch 

Es ist aber ein so grosser Unterschied zwischen 
den einfachen der Materie adhärirenden Kräf- 
ten und Leben, dass das Leben nur der ein- 
fachsten Zelle aus diesen allein nie genü- 
gend erklärt werden kann. Die Combina- 
tionen und Umbildungen der Stoffe sind hier 
so complizirt, dass man schon den Grundele- 
menten gleichsam eine bewusste Einwirkung 
vindiziren müssle, um die Lebenserscheinun- 
gen und das Versländniss , das man ja auch 
dem Thiere nicht absprechen kann, daraus zu 
erklären. Wer würde aber soweit gehen? 



sei auch der Pflanze ihr endliches Ziel gesetzt 
und sie daher nicht von unbegränzter Dauer. 
Es werden nun Blicke auf die verschiedene 
Art der Fortpflanzung der Gewächse geworfen. 
Es wird gezeigt, dass durch Cultur einzelne 
Pflanzenarten unter sich verschiedene con- 
stante Racen bilden und daraus der Schluss 
gezogen, dass im Laufe der Zeit so aus der 
unvollkommeneren Pflanze die vollkommene 
entstanden sei und also die allmähliche Um- 
bildung der einfachen Pflanze zu ganz diversen 
höher organisirten gelehrt. So sagt der Ver- 
fasser, ist die Art selbst ein Individuum, das 
durch fortwährenden Wechsel sich entwickelt, 
das durch diesen Wechsel eine Begrenzung 
findet und in dieser Begrenzung andere Arten 
erzeugt. 

Alles in der Welt sagt er weiter, ist indi- 
viduell, von den unendlich kleinen Atomen 
bis zu den unendlich grossen Weltkörpern, 
und Systemen von Wellkörpern, von den un- 
endlich einfachen Atomen , bis zu den unend- 
lich zusammengesetzten Organismen und gan- 
zen Reihen voirOrganismen, die wir als Ar- 
ten, Gattungen und zuletzt als Reich zusam- 
menfassen. 

Wir begnügen uns mit diesen kurzen An- 
deutungen, empfehlen aber nachdrücklich das 
geistreiche , für jeden höchst interessante 
Schriftchen selbst zu lesen, wenn gleich wir 
mit einzelnen Ansichten des geehrten Verfassers 
durchaus nicht übereinstimmen, und zwar we- 
der in dem bereits besprochenen Punkte, noch 
in der von ihm ausgesprochenen Ansicht über 
Umbildung der Art, noch endlich in seiner 
Auffassung des Individuums. 

Was die Umbildung der Pflanzen-Art betrifft, 
so kann der Verfasser für seine Ansicht schwer- 
lich einen positiven Grund anführen. Alles ist 
hier Theorie. Dass ein Zeitraum von 3000 Jahren 
in den Pflanzenarten keine wesentlichen Ver- 
änderungen hervorgebracht, ist dem Verfasser 
kein Beweis, denn es sei dies ein Augenblick im 
Verhältniss zur Enlwickelungsgesehichte unse- 
res Erdballs. Ebensowenig ist aber der Ge- 
nerationswechsel niederer Pflanzen und Thiere 
ein Beweis für des Verfassers Ansicht, son- 
dern es gehört dieser Generationswechsel 
ebenso innig zum Begriff der betreffenden Ar- 
ten, wie die Entwickelung des Baumes, der 



232 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



oft erst nach Jahrzehnten vollkommen ent- 
wickelt ist, in ähnlicher Weise zu verstehen 
ist. — 

Dass der Begriff des Individuums sehr weit 
gefasst werden kann und dass die Ansichten 
in dieser Beziehung sehr differiren und stels 
differiren werden, ist eine bekannte Sache. 
Fassen wir aber den Begriff des Individuums 
in der Weise wie Hr. N. , so wird es schwer 



halten, die Art, die Gattung, das Reich als 
Individuum sich zu versinnlichen, und doch ist 
dies die consequente Folge von der Auffas- 
sung desselben. Wir halten daher vorläufig 
noch fest an der von uns selbst gegebenen De- 
finition des Individuums im Pflanzenreiche, wo 
wir zwischen einem Knospen- und einem Ge- 
schlechls-Individuum unterschieden. (E. R.) 



IV. Personalnotizen. 



1) Klotzsch und dessen Begonia- 
ceen. Wir haben in diesen Blättern die Be- 
arbeitung der Begoniaceen durch Klotzsch an- 
gezeigt und dabei unsere Ansicht ausgespro- 
chen. Mittlerweile hat ein Ungenannter in der 
Hamb. Gartenzeitung Klotzsch wegen dieser 
Bearbeitung nicht allein angegriffen , sondern 
auch eine Menge von Persönlichkeiten hinzu- 
gefügt. 

Ein heftiger Streit hat sich in Folge des- 
sen entsponnen , die Bonplandia hat Klotzsch 
vertreten und die öffentliche Meinung richtet 
sich gegen den , der ohne seinen Namen zu 
nennen, neue Angriffe gegen Klotzsch gerich- 
tet, die erst in der Hamb. Gartenzeitung ab- 
gesetzt, dann aber aus dem Text herausge- 
nommen wurden. Der Ungenannte hat sich 
Exlraabzüge von seinem Machwerk zu ver- 
schaffen gewusst und diese versendet. Auch 
der Unterzeichnete erhielt einen solchen Ex- 
traabdruck als Brief unfrankirt zugesendet. 
Derselbe legte diesen Artikel ruhig bei Seile. 
Da aber der Streit mit erneuter Erbitterung 
fortgeführt wird und schon Manchen uner- 
quicklich berührt haben mag, so sehen wir 
uns heute zu der nachträglichen Erklärung veran- 
lasst, dass wir nicht unterzeichnete Streitschrif- 
ten, auch wenn sie nur an die Sache sich 
halten würden, niemals aufnehmen werden — 
60wie dass wir ferner auch jeder Sireitsache 
über wissenschaftliche oder Fachgegenstände 
die Aufnahme verweigern werden, wenn sie, 
unlerzeichnet oder anonym, gleichviel, von der 



ruhigen Erörterung abspringt und Persönlichkei- 
ten enthält. Wir haben diesen Grundsatz bis 
jetzt durchgeführt, werden ihn auch ferner bei- 
behalten und bitten daher, uns mit solchen Sa- 
chen für die Folge verschonen zu wollen. 

E. Regel. 

2) Dr. Thomson, bekannt als Botaniker, 
ist zum Direktor des Bot. Gartens in Calcutla 
ernannt worden. 

3) Dr. E n g e 1 m a n n , durch den Pflan- 
zen um St. Louis, aus Texas etc. , in europäi- 
schen Herbarien vielfach verbreitet wurden, 
ist nach Europa zurückgekehrt. 

4) A u gu s t i n-Ni c ai s e Desveaux, 
der bekannte Botaniker, starb am 12. Juli 1856. 
Derselbe war am 28. August 1784 zu Poiliers 
geboren. 1817 ward er Direktor des Botani- 
schen Gartens zu Angers. Er redigirle längere 
Zeit das Journal botanique und lieferte ver- 
schiedene allgemeine Arbeiten, sowie Beiträge 
zur Flora Frankreich's. — (Bot. Zeitung.) 

7) Dr. Lieb mann, Direktor des Botanischen 
Gartens zu Kopenhagen, durch seine Leistun- 
gen in der systematischen Botanik, wie durch 
seine Reisen in Mexiko bekannt, starb am 29. 
Oct. 1856 in seinem 44. Jahre an der Schwind- 
sucht. — 

6) Bosse, Garten-Inspektor in Oldenburg. 
Dieser vielverdienle Mann hat nach 43jähri- 
gem Dienste um seine Entlassung gebeten und 
selbe in ehrenvoller Anerkennung der geleiste- 
ten Dienste erhallen. Er lebl jetzt in Delmen- 
horst. — 



I. Origiiialabhandlungen. 

1) Abgebildete Pflanzen. 

Neue Varietäten von Dclphinium aus Samen gezogen. 

Von Fröbel u. Comp, in Zürich. 
(Siehe Tafel 199) 



Das Erscheinen so vieler und theilweise 
schöner Hybriden von den verschiedenen 
Dclphinium -Arten lenkte die Aufmerk- 
samkeit fast aller Blumenfreunde und zwar 
mit Recht auf diese schöne Pflanzengat- 
tung; denn das schöne Blau gefüllter 
wie einfacher Blüthen, verbunden mit 
üppigem Wachsthum und die überaus 
lange Blüthezeit weist diesen eine der 
ersten Stellen im Blumengarten an. Be- 
rücksichtigt man die wenige Mühe, mit 
welcher man die pracht- und effektvoll- 
sten Blumenbeete schaffen kann, so wird 
ihre Empfehlung gewiss gerechtfertigt. 
Wem sind nicht die älteren Hybriden, Del- 
phinium hybridum plenum, azureum ple- 
num, Barlowi, perfectum novum bekannt, 
denen die neuen, in Grösse und Colorit 
diese übertreffenden D. Hendersoni und 
pulchrum würdig zur Seite stehen. Wel- 
cher Blumenliebhaber, der ein mit die- 
sen Varietäten bepflanztes Beet sah, 
war nicht entzückt? und wer kam 
nicht zu der Ueberzeugung , dass dieser 
Pflanzengattung zu ihrer Vervollkomm- 
nung, sei es nun auf dem Wege frei- 

VIII. 1857. 



williger oder künstlicher Befruchtung, 
oder durch bessere Cultur von dem 
Gärtner und allen jenen, denen die Pflege 
der Blumen eine angenehme Beschäf- 
tigung ist, die grösste Sorgfalt gewidmet 
werden sollte ? ! 

Diesen Vorzügen Rechnung tragend 
und aufgemuntert durch die glücklichen 
Erfolge, der sich einige Gärtner in der 
Zucht neuer Varietäten zu erfreuen hat- 
ten, machten wir schon seit einer Reihe 
von Jahren mit Samen, die von den be- 
sten Sorten gesammelt wurden , wieder- 
holte Aussaaten, ohne jedoch, mit Aus- 
nahme der Aussaat vom Jahre 1855, et- 
was Vorzüglicheres als das Bekannte zu 
erziehen. Nur die letzte Aussaat, aus 
der mehrere hundert Pflanzen hervor- 
gingen, lieferte Blumen, die in jeder Be- 
ziehung ausgezeichnet sind. 

Unsere Zeichnung, entworfen, als nur 
wenige der Sämlinge noch in Blüthe 
waren, wird unsere Ansichten recht- 
fertigen , obgleich in Folge von einge- 
tretenem schlechten Wetter die blühen- 
den Exemplare schnell verdorben wur- 

16 



234 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



den und nicht mehr richtig und in vol- 
ler Schönheit gezeichnet werden konn- 
ten. Auch fassten wir den Entschluss, 
die Mühenden Delphinium zeichnen zu 
lassen , leider zu spät , indem schon ei- 
nige der schönsten , früher einzeln 
blühend, abgeblüht waren. Ausser die- 
sen 6 gezeichneten Varietäten haben 
wir noch 12 sehr schöne Sorten, die 



sich theils durch auffallende bunte oder 
eigenthümliche Färbung, theils durch 
gute Füllung auszeichnen, bezeichnet, 
welche wir bei nächster ßlüthezeit den 
Lesern der Flora vorführen werden*). 

Th. Fröbel. 

*) Die zur schwarzen Tafel gehörige Erklä- 
rung findet sich in der III. Abtheilung „Noti- 
zen" pag. 259. 



Ä) Uener Hans- oder Traaerbäume In Verbindung mit Ihrer 

Stammart, 



Bei Anlegung eines Parks fand ich 
eine ältere gut gewachsene gemeine 
Esche von vielen jungen , hochstämmi- 
gen Bäumen umgeben. Da es zu spät 
wurde, dieselben noch zu verpflanzen, 
so liess ich dieselben einstweilen noch 
stehen und im Sommer sehr hoch, in den 
Spitzen und auf Aesten Augen von 
Trauereschen einsetzen. Es traf sich, 
dass die Anlage still stand und ich erst 
nach Jahren darauf wieder hinkam. Mit 
grossem Erstaunen sah ich die alte Esche 
mit vielen Trauereschen umgeben, die 
vereint, eine so eigenthümliche prächtige 
Gruppe bilden, wie ich noch keine der- 
artige gesehen. Der Gärtner hatte die 
wilden Zweige abgeschnitten und sämmt- 
liche Stämme stehen gelassen. Ich em- 
pfehle diese Zusammenstellung als aus- 
serordentlich wirkungsvoll in Landschafts- 
gärten und die Mannichfaltigkeit sehr 
befördernd. Die Traueresche bildet meist 
einen Baum, der nicht schön ist und 
von Weitem das Ansehen eines runden 
Haufens hat. Man findet selten malerisch 
geformte Trauereschen mit stark hervor- 
tretenden Aesten und Laubpartien. In 
Verbindung mit der aufrecht wachsenden 
gemeinen oder einer andern Esche ver- 
schwindet die Steifheit der Form ganz. 
Eine solche Verbindung lässt sich auch 



mit andern Holzarten treffen und em- 
pfehlen. So z. B. Sorbus Aucuparia oder 
domestica von der hängenden Art (S. 
Aucuparia pendula) umgeben. Aufrecht 
wachsende baumartige Weiden der höch- 
sten Art z. B. vitellina und alba von 
Salix babylonica, oder am ericana pendula 
oder niedrigere Bäumen von der hängen- 
den Schwarzweide (Salix nigra pendula) 
umgeben. Ebenso Sophora japonica von 
S. japonica pendula umgeben. Beson- 
dere Wirkung verspreche ich mir von 
den Ebereschen, da die hängende Eber- 
esche überhaupt schon ein ausnehmend 
schöner Baum ist. 

Zum Schluss noch die Bemerkung, 
dass sich Hänge- oder Trauerbäume viel 
malerischer bauen, wenn man sie in die 
Aeste schon ziemlich hoher Bäume ver- 
edelt, als wenn man sie, wie es in 
Baumschulen ausgeführt werden muss, 
auf jugendlichen Stämmen veredelt , so 
dass die hängenden Aeste die ganze 
Krone bilden. Dies ist besonders bei 
Traucreschen und Trauerbuchen der Fall. 
Die gewöhnlich veredelte Trauerbuchc 
sieht, wenn sie etwas erwachsen ist, 
aus, als wären die Aeste am Stamm an- 
gebunden gewesen und gewaltsam so 
gezogen. Ganz anders ein Baum , der 
schon eine Krone hatte und in die 



I. Originalabhandlungen. 



235 



Aeste veredelt wurde. Allerdings müs- I den, damit nicht wilde Zweige die Ober- 
8en solche Bäume gut überwacht wer- l hand bekommen. Jäger. 



3) Plillodeudron pertususn als ScSimuckpflanxe des freien 
Landes und Bemerkungen über ästhetische Verwendung tropi- 
scher Pflanzen im Garten, 



Die prächtige Aroidee Philoden- 
dron pertusum Kth. et Bouche (Mon- 
stera Lennea C. Koch, M. deliciosa 
Liebm.) mit ihren riesigen, schön ge- 
formten glänzenden Blättern ist wohl 
eine der schönsten Blattpflanzen für das 
feuchte Warmhaus ; wer aber kein sol- 
ches besitzt und überhaupt keinen Platz 
hat, um einer so stark wuchernden Pflanze 
in ihrer ganzen Schönheit volle Ent- 
wicklung zu gestatten , musste sie bis- 
her entbehren; denn mit einem Win- 
kel des Hauses nimmt diese Pracht- 
pflanze nicht vorlieb. Die Erfahrung 
des vergangenen Sommers hat aber be- 
wiesen, dass sich diese herrliche Aroidee 
im freien Lande cultiviren und zur Zierde 
des Gartens verwenden lässt. Wer das 
Glück hatte, den zum Privatgebrauche 
des Königs von Preussen bestimmten 
Maly genannten kleinen Park an der 
Friedenskirlhe in Potsdam im vorigen 
Sommer zu besuchen, konnte im Schat- 
ten eines Baumes unfern der Kirche 
eine schöne Monstera völlig frei wach- 
send sehen. Sie hatte zwar nicht so 
ausserordentlich grosse saftige Blätter 
wie die in feuchten Warmhäusern gezo- 
genen Pflanzen , aber immer noch gross 
genug, um die Aufmerksamkeit jedes 
Besuchers zu fesseln. Dabei war der 
Standort nicht einmal günstig und pas- 
send, weil zu trocken und frei. Am 
halbschattigen Ufer eines Teiches oder 
Baches , in feuchtem humusreichem Bo- 
den, und geschützt gegen trocknende 
Winde, sowie in einem wärmeren Som- 



mer als dem vergangenen von 1856, 
würde sich die Pflanze ganz anders ent- 
wickelt haben. 

Diese Erfahrung bringt uns wieder 
einen Schritt vorwärts. Sie zeigt , dass 
auch diese Tropenbewohner zur Aus- 
schmückung unserer freien Gärten ver- 
wendet werden können; denn was diese 
Monstera verträgt , vertragen viele an- 
dere. Man pflanze solche Aroideen an 
feuchte, schattige, sehr geschützte Plätze 
in halbverwesten Humus, gebe den wur- 
zelnden Arten wie der Monstera Baum- 
stämme, Holzstücke oder Felsen zum 
Festwurzeln und bespritze sie bei trocke- 
ner Witterung täglich mehrere Male. 
Der gute Erfolg kann nicht ausbleiben, 
und diese Formen werden unseren Gär- 
ten einen neuen Reiz, eine gewisse 
fremdartige Würze verleihen, besonders, 
wenn man sie mit anderen seltsamen 
fremden Formen vereinigt , so dass ein 
tropisches Charakter — Vegetationsbild 
entsteht. Dies scheint mir bei Anwen- 
dung solcher Pflanzenformen durchaus 
nothwendig; denn sogenannte ,, tropische 
Verschmelzungen" herzustellen, wie man 
irgendwo die Verbindung solcher Fremd- 
linge mit gemeinen Gartenpflanzen zu 
nennen beliebt, möchte ich nicht an- 
rathen. * (Jäger.) 

Ich knüpfe hieran folgende : 
Bemerkungen über die ästhetische 
Verwendung tropischer Pflan- 
ze n formen im freien Garten. 

Man darf solche Pflanzenformen nicht 
willkürlich zwischen andere [gemeine 

16 * 



236 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Blumen, oder gar zwischen gewöhnliche 
Sträucher bringen, sondern muss ihnen 
besondere Plätze bestimmen , wo sich 
diese Pflanzen so vereinigen, dass sie 
den Charakter dieser Gartenabtheilung 
bestimmen. Niemand wird es so weit 
treiben wollen, dass er den Eindruck 
eines wahren tropischen Vegetationsbil- 
des durch solche Pflanzen hervorrufen 
will. Dies ist eine Unmöglichkeit. Aber 
sicher ist der Eindruck, welchen eine 
gewisse Anhäufung solcher Pflanzenfor- 
men , welche vorzugsweise in den Tro- 
pengegenden auftreten, hervorbringt, ein 
ganz anderer , als der eines alltäglich 
verzierten Gartens. Der Botaniker und 
Pflanzengeograph wird freilich lächeln 
über eine solche Zusammenstellung von 
Pflanzen aus verschiedenen Zonen und 
Ländern, aber es handelt sich nicht um 
wissenschaftliche Wahrheit, sondern um 
Schönheit. Deshalb sind auch die in einem 
folgenden Artikel zu erwähnenden Dracä- 
nen, obschon auf den gemässigten Inseln 
der Südsee einheimisch, ganz geeignet, das 
tropische Pflanzenbild zu beleben, weil 
die Mehrzahl ihrer Familienglieder heis- 
sen Gegenden angehört , und sie genau 
so aussehen , wie man früher in Bilder- 
büchern die Palmen darstellte. Selbst 
unsere grösseren einheimischen Farren- 
kräuter und die grösseren Monocotvledo- 
nen, als Iris Pseudo — Acorus, Acorus 
Calamus , Typha latifolia, Alisma Plan- 
tago, Nyrnphaea u. a. m. sind im Stande, 
diesen fremdartigen Charakter zu verstär- 
ken, weil die Tropen ganz ähnliche For- 
men bieten. 

Ich muss jedoch vor häufiger An- 
wendung solcher charakteristischen Aus- 
schmückung des Gartens warnen, selbst 
wenn man die Mittel d. h. Pflanzen und 
und Häuser dazu hat. Geschieht die 
Ausschmückung in ästhetischer Absicht, 
und nicht aus besonderer Neigung , so 



müssen solche Blattpflanzen, deren Blüthe 
unscheinbar oder im Verhältniss zur 
Pflanze unscheinbar ist, sehr unterge- 
ordnet auftreten, nicht aber , wie es hie 
und da der Fall ist, die Hälfte der gan- 
zen Blumenverzierung oder mehr aus- 
machen. Ich möchte ihnen kaum mehr 
als den fünften Theil der ganzen Blu- 
menverzierung gestatten, besonders in 
kleinen Gärten; denn eigentliche Blumen 
bleiben doch die Hauptsache. Sicher 
ist , dass man seit einiger Zeit in den 
Gärten Berlin's, Potsdam's und der Um- 
gegend die Blattpflanzen zu häufig an- 
wendet, ja die eigentlichen Blumen so- 
gar hie und da ausschliesst. So sind, 
um ein bekanntes Beispiel anzuführen, 
auf dem kleinen, als Garten behandelten 
Hofe der Villa des Prinzen Carl zu 
Glienike bei Potsdam 4 grosse Gruppen 
von Canna mit Caladium umgeben, of- 
fenbar zu viel ; denn sie verengen den 
Raum und schaden überhaupt durch 
ihre Höhe den niedrigen Gebäuden. Fer- 
ner sind die ewigen Wiederholungen 
derselben Pflanzen und Zusammenstel- 
lungen herzlich langweilig. Immer Canna 
von Caladium nymphaeifolium oder einer 
andern Art umgeben zu sehen, ermüdet 
sehr bald, und die Caladium., so schön 
sie auch einzeln oder in anderer Zusam- 
menstellung sind , sind für die Canna 
als Einfassung geradezu nachtheilig. 
Auch die Zusammenstellung der grasar- 
tigen Pflanzen , mit besonderer Bevor- 
zugung des Riesenmais , sind einförmig, 
so sehr sie auch hie und da gefallen 
können. Ebenso verdirbt das häufige 
Vorkommen der Artischocken und Cardy 
in grossen Gruppen die malerische Wir- 
kung dieser einzeln oder in kleinen 
Gruppen und sparsam (vielleicht im gan- 
zen Garten nur einmal) aufgestellt sehr 
schönen Pflanzenform. Diese wenigen 
Andeutungen werden genügen , um die 



I. Originalabhandlungen. 



237 



Naehtheile einer Ueberfüllung und 
zu häufigen Auwendung der Blattpflan- 
zen auf Kosten der eigentlichen Blumen 
kenntlich zu machen und davon abzu- 
mahnen. 

Ich muss hier noch eine Ausnahme 
erwähnen und einen Garten nennen und 
hervorheben, wo Blattpflanzen den haupt- 
sächlichsten Gartenschmuck bilden und 
die eigentlichen Blumen sehr in den 
Hintergrund drängen , trotzdem aber die 
ganze Anlage und Ausschmückung die 
Bewunderung jedes Kenners erweckt. 
Es ist der Garten der Madame Friebe in 
"Wilmersdorf bei Berlin unweit vom kö- 
niglichen botanischen Garten zu Schöne- 
berg. In diesem kleinen nicht gerade 
schönen Garten hat Herr Pilder, der 
thätige Obergärtner, wahrhafte Muster- 
Decoration durch Blattpflanzen aufge- 
stellt und eine Menge von Pflanzen in 
das Freie ausgepflanzt, an die vorher 
Niemand gedacht, und zwar so sinnig, 
malerisch und geschmackvoll angeord- 
net, dass dieser Garten in dieser Be- 
ziehung nach meiner Ansicht ganz ohne 
Gleichen dasteht. Es ist mir nicht wohl 
möglich , diesen Garten zu beschreiben 



und die darin verwendeten Pflanzen na- 
mentlich aufzuführen , was auch nicht 
im Zwecke dieser Zeilen liegt. Ich be- 
merke nur, dass die in einem der näch- 
sten Artikel von mir hervorgehobenen 
Dracänen (Dracaena australis, speetabilis 
und indivisa) häufig in jeder Grösse 
bald symmetrisch , bald unregelmässig 
aufgestellt, eine ausserordentliche Wir- 
kung hervorbringen ; dass Musa Dacca, 
Canna macrophylla eximia (?), an Blatt- 
grösse einer Musa nahe kommend , an 
die Umgebung indischer Wohnungen und 
zahlreiche Papyrus an die Ufer des Nils 
erinnern. Eine besondere Bevorzugung 
haben die Pflanzen mit farbigen Blättern 
erhalten, deren ausserordentliche Wir- 
kung hier recht auffallend erscheint. Un- 
ter vielen andern Pflanzen will, ich noch 
ein schönes Farrenkraut erwähnen , das 
an einer halbschattigen Stelle ausge- 
pflanzt, gegen 5 Fuss hoch war und 
sich höchst malerisch ausbreitete. Es 
ist Cheilanthus dicksonioides. Endlich 
aus Neuholland , einer der schönsten 
grossen Farren, die es gibt, und ganz 
zur Sommercultur im Freien geeignet. 

Jäger. 



4) Melanoselinuni deciniens als SKiergiflanze des freien Landes. 



Diese alte, fast nur noch in bota- 
nischen Gärten gekannte Pflanze ge- 
hört zu den wenigen bekannten baum- 
artigen Doldenpflanzen und stammt 
von der Insel Madera. Die Vorliebe 
für sogenannte Blattpflanzen hat. auch 
diese vergessene Schönheit wieder in 
Erinnerung gebracht, und ich sah sie 
vorigen Sommer im freien Lande ste- 
hend in grosser Ueppigkeit als Bäum- 
chen von 4 — 5 Fuss Höhe mit drei 
Fuss langen prächtigen Blättern, In der 



That verdient diese Pflanze wieder in 
Cultur genommen zu werden; denn sie 
hat fast das Aussehen eines baumarti- 
gen Farrenkrautes, ist von grosser Schön- 
heit und Zierlichkeit und verdient in 
jedem Garten , w t o man Blattpflanzen 
Gultivirt, eine bevorzugte Stelle. Der 
Stamm ist ganz glatt , oben krautartig 
und grün , unten verholzt und braun. 
Die sehr grossen und prächtigen Blät- 
ter haben fast das Ansehen der Arch- 
angelica officinalis, sind stengelumfas- 



238 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



send, doppelt gefiedert, mit lanzettförmi- 
gen , ungeteilten , sägezähnigen Blätt- 
chen und breiten sich schirmartig, wie 
eine Palme aus. Die Doldenblüthen 
sind röthlich weiss und erscheinen im 
Sommer. Da sie der Pflanze nicht zum 
grossen Schmucke gereichen , so kann 
man sie unterdrücken, um die Ausbil- 
dung der Blätter zu befördern , wenn 
man keinen Samen ziehen will. 

Die Cultur ist leicht. Man zieht 
die Pflanze aus Stecklingen, die von zu- 



weilen am Stamm erscheinenden Trie- 
ben geschnitten werden , oder noch 
leichter aus Samen , der häufig ansetzt 
und bei gehöriger Fürsorge auch reift. 
Die Erde muss kräftig und humusreich 
sein. Im Winter hält die Pflanze zwar 
im Kalthause aus, verliert aber an nicht 
recht guten Plätzen häufig die Blät- 
ter, während sie bei 7 — 8 Grad auch 
im Winter neue Blüthen bildet und 
eine Zierde des temperirten Hauses ist. 

Jäger. 



5) Ursprüngliches Vorkommen und Färbung der Blutbuche. 



Die Blutbuche wird von sehr Vielen 
als ein fremder nordamerikanischer Baum 
betrachtet und selbst in Büchern so an- 
gegeben. Als ich vor mehreren Jahren 
die Hainleite in Thüringen als natürli- 
chen Standort angab, wurde ich sogar 
öffentlich deswegen angegriffen. Gleich- 
wohl ist es so , was auch durch den 
Jahresbericht des Thüringer Gartenbau- 
vereins in Gotha vom Jahre 1854 und 
Bechstein's Forstbotanik bestätigt wird. 
Auch in diesen Blättern ist (Jahrgang 
1855, S. 307) bei Besprechung jenes 
Jahresberichts die Blutbuche als in Thü- 
ringen einheimisch erwähnt worden. Dort 
wird die sogenannte Hagelweide bei Son- 
dershausen als ursprünglicher Fundort 
angegeben , und die grösste Gothaner 
Blutbuche soll von derselben stammen. 
Der jetzt noch vorhandene Stammbaum 
der Blutbuche steht in der sogenannten 
Hainleite, einem niedern Gebirgsrücken 
zwischen Harz und Thüringer Wald, einige 
Stunden südlich von Sondershausen. Das 
Forstrevier heisst, wenn ich nicht irre, 
Oberspier, wenigstens liegt dieser Ort 
am nächsten. Uebrigens ist dies nicht 



der einzige Fundort in Deutschland, und 
die veredelten Gartenblutbuchen mögen 
wohl von verschiedenen Mutterbäumen 
abstammen. Ich sah im Bad Brückenau, 
am südlichen Fusse des Bhöngebirges 
in den dortigen Anlagen eine wurzel- 
ächte Blutbuche , die nach der Ver- 
sicherung des dortigen Königl. Hofgärt- 
ners Herrn Wippert vor langen Jahren 
von ihm selbst aus dem nahen Walde 
geholt worden war. Dies ist um so 
weniger zu bezweifeln, da in demselben 
Walde noch kürzlich mehrere junge 
Blutbuchen gefunden wurden, von denen 
einige ganz dunkelrothe , andere nur 
rötbliche Blätter hatten. Ein alter Stamm- 
baum der Blutbuche ist nicht mehr vor- 
handen , also mussten sie aus Saamen 
der gemeinen Buche gefallen sein. 

Auch bei Irchel im Kanton Zürich 
steht nach E. Regel's Mittheilung ein 
sehr altes prächtiges Exemplar, woher 
man die in der Gegend künstlich gezo- 
genen Bäume ableitet. 

Ich habe der Blutbuche längere Zeit 
besondere Aufmerksamkeit geschenkt und 
sie besonders beobachtet. Eine, wie 



I. Originalabhandlungen. 



239 



mir scheint, in der Baumwelt vielleicht 
einzig dastehende Erscheinung ist, dass 
die jüngeren Holzringe, Splint 
und Bast vollkommen dunkel- 
rot h sind. Diese Thatsache ist wahr- 
scheinlich Vielen neu; denn obschon Je- 
der, der von einer Blutbuche Aeste abge- 
schnitten hat, dieselbe Beobachtung ma- 
chen musste, so ist doch davon nichts 
bekannt gemacht worden. Die Farbe 
des Holzes ist ein ziemlich dunkles 
Purpurroth , das im Spätherbst fast vio- 
lett erscheint , im Frühjahr heller ist. 
Die dunkelste Farbe hat die jüngste 
Holzschicht unter dem Bast, und es 
nimmt die Farbe an Tiefe ab, je älter 
das Holz ist. Einzelne Jahresringe er- 
scheinen heller. Das ältere Holz ist 
vollkommen weiss oder vielmehr gelb- 
lich, wie bei der gemeinen Buche. Hier 
tritt also der umgekehrte Fall, wie bei 
anderen dunkelfarbigen Holzarten ein, 
bei welchen der Splint hell und das äl- 
tere Holz erst dunkelfarbig "ist, z. B. der 
rothen Ceder, welche das Bleistiftholz 
liefert ; Ebenholz, Kirschen u. a. m. Die 
Stärke der rothgefärbten Holzschichten 
ist verschieden und richtet sich nach 
den Jahresringen, die auf den verschie- 
denen Seiten eines Stammes oder Astes 
nicht gleich stark sind. Aeste von 1 
Zoll Stärke sind am Abschnitt meist 
durch und durch roth, weiter nach der 
Spitze nur äusserlich , was wahrschein- 
lich daher kommt, dass sich an der Ast- 
wurzel das Roth des Stammes mit dem 
der Aeste vereinigt. Bei einer Stamm- 
stärke von 6 — 8 Zoll betrug die Breite 
der Färbung 5 — 6 Linien, an anderen 
Stellen nur 2 — 3 Linien. 

Da ich diese Beobachtungen zuerst 
im Frühjahr bei steigendem Safte machte, 
so liess ich mich zu der Annahme ver- 
leiten, dieser rothe Saft des Holzes müsse 
die Blätter färben, und hoffte nach voll- 



ständiger Belaubung das Holz heller zu 
finden. Dem war aber nicht so, das 
Holz behielt dieselbe Farbe wie vor dem 
Ausschlagen der Blätter. Ich war neu- 
gierig, den Farbstoff zu untersuchen, 
hatte aber dabei keinen befriedigenden 
Erfolg. Die stärksten Abkochungen färb- 
ten weisses Zeug nur gelblich, wie an- 
deres Buchenholz. Am trockenen Holze 
verwandelte sich das Roth erst nach 
längerer Zeit in Braun. Ich untersuchte 
dünne Abschnitte unter einem vorzügli- 
chen Microscop ; allein es war eine Fär- 
bung nicht zu entdecken. Die dünnen 
microscopischen Abschnitte erschienen 
schon mit blossen Augen ganz farblos. 

Das Holz des Unterstammes unterschei- 
det sich in der Farbe nicht im Gering- 
sten von dem anderer gemeiner Buchen, 
und die Färbung hält noch genau die 
Linie ein , welche das Pfropfmesser 
macht. 

Ich knüpfe daran eine Betrachtung 
über Veredlung und den Einfluss des 
Wildlings auf denEdelstamm und umge- 
kehrt. Eine so auffallende Thatsache 
beweist doch deutlich, dass eine Saftver- 
änderung vom Wildling auf den Edel- 
stamm nicht übergeht; denn wie könnte 
sonst die Scheidung zwischen rothem 
und weissem Holz so scharf sein , als 
wären beide Bäume zusammengeleimt? 
Wie wäre es möglich , dass das Holz 
der Blutbuche roth bleiben könnte ? Der 
Edelstamm bewahrt alle Eigenthümlich- 
keiten der Pflanze , von welcher das 
Edelreis genommen wurde und verändert 
von der Pfropfstelle an den Saft nach 
seiner Weise durch seine Organe. Der 
Einfluss des Wildlings kann sich daher 
nur der Art äussern, dass der Edel- 
stamm den stärkern oder schwächern 
Wuchs, welcher grösstentheils durch das 
Wurzelvermögen bedingt ist, annimmt. 
Hat der Wildling ein Wurzelvermögen, 



240 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



das zur Ausbildung und Ernährung ei- 
nes grossen Baumes ausreicht , so wird 
derEdelstamm gross, wie wir es an den 
auf Kernwildlingen von Apfel und Bir- 
nen und wilden Süsskirschen veredelten 
Bäumen bemerken können; ist die Be- 
wurzelung schwach und nur zur Er- 
nährung eines Strauches eingerichtet, 
wie bei dem Zwerg- oder Paradiesapfel 
(Pyrus malus paradisea), oder der Quitte, 
der Stein- Weichsel (Prunus Mahaleb), 
so bleibtauch derEdelstamm klein, mag 
auch das Edelreis von einer stark wach- 
senden Art genommen sein. Ebenso be- 
weist dieser Umstand, dass der Edel- 
stamm keine Rückwirkung auf den Wild- 
ling haben kann. L. Noisette sucht zwar 
die Rückwirkung des Edelstammes auf 
den Wildling dadurch zu beweisen, dass 
die Eigenschaft des Geflecktseins der 
Blätter auch auf Aeste, die unterhalb 
der Veredlungsstelle ausbrechen, über- 



gingen ; und E. Regel bemerkt dazu, 
dass dies vom Standpunkte der Theorie 
aus erklärlich sei, „dass mit der in die 
Zellen des Wildlings zurückkehrenden 
verarbeiteten Säftemasse, die als Bil- 
dungsstoff alle Neubildung bedingt, auch 
eine derartige Eigenschaft übergehen 
kann, die nicht in der Veränderung der 
Form, sondern in Veränderung der Farbe 
besteht." Allein das Beispiel der Blutbuche 
scheint noch mehr dagegen zu sprechen ; 
denn im Stamm wirkt der zurückkehrende 
Saft unmittelbar durch Ablagerung von 
farbigem Holz. Es ist daher weit eher 
möglich, dass der im Edelstamme ver- 
arbeitete Bildungsstoff die zunächst lie- 
genden Holzfasern des Wildlings der 
Blutbuche roth färbt , als dass er bunte 
Blätter am Wildling bildet. Ich halte 
daher das Erscheinen solcher Blätter für 
einen Zufall und nicht für eine Folge 



der Rückwirkung. 



Jäger. 



6) lieber die Somniercultur einiger Dracänen Im freien Lande. 



In Gärten, welche keine grossen Ge- 
wächshäuser haben, in welchen man 
malerische Aufstellungen von Pflanzen 
machen kann, erhalten Pflanzen eigent- 
lich erst dann ihren vollen Werth, wenn 
sie zur Ausschmückung des freien Gar- 
tens dienen können. In neuerer Zeit ist 
man nicht mehr ängstlich und macht mit 
den meisten Pflanzen Versuche, sie ei- 
nige Monate im Freien zu ziehen , und 
viele haben erst durch diese Behand- 
lung ihre naturgemässe Ausbildung und 
Vollkommenheit erreicht. Ich habe schon 
im dritten Jahrgange dieser Blärter von 
der Verwendung der Palmen als De- 
corationspflanzen im freien Lande (Gar- 
tenflora 1854 , S. 372) gesprochen und 
will heut auf eine nicht minder wichtige 



Pflanzenfamilie aufmerksam machen. Es 
sind die Dracänen. 

Die Verwendnng der Dracänen als 
Pflanze des freien Landes ist von Ber- 
lin , wenn ich nicht irre , vom dortigen 
königl. botanischen Garton ausgegangen, 
und in den dortigen Gärten mehr als an- 
derwärts gebräuchlich. Wer die Berli- 
ner Gärten in den letzten Jahren ge- 
sehen hat, wird mit grossem Wohlge- 
fallen die herrlichen Pflanzen fast in 
allen reich geschmückten Gärten ge- 
sehen haben. Auf mich machte der An- 
blick grosser Exemplare der Dracaena 
australis und indivisa im freien Lande 
einen Eindruck, wie ich ihn lange nicht 
empfunden habe, und ich stelle ihre Wir- 
kung noch höher, als die der im Freien 



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I. Originalabhandlungen. 



241 



stehenden Palmen. Man sieht dort die 
Dracaena australis häufig sogar in klei- 
nen Gärten auf Baikonen, Treppen und 
einzeln auf Rasenplätzen , und in der 
That gibt es keine Pflanze , welche so 
gut zur Architektur stimmt, sich also 
zur Aufstellung an und bei Gebäuden 
vorzüglich eignet. Dies gilt überhaupt 
von allen Dracänen, mehr oder weniger, 
und wenn ich es von Dr. australis sage, 
so geschieht es blos, weil diese für das 
freie Land am geeignetsten ist und häu- 
figer als alle andern zu solchen Zwecken 
verwendet wird, in der That aber auch 
von keiner andern an Schönheit über- 
troffen, ja nur von wenigen erreicht 
wird. Die Dracänen verbinden mit ei- 
ner gewissen architektonischen, äusserst 
regelmässigen Form , die sie mit den 
Agave-, Yucca- und einigen anderen 
Pflanzenarten gemein haben, die grösste 
Leichtigkeit und Zierlichkeit, und man 
trifft kaum eine andere Pflanze, welche 
malerische und symmetrische Form so rei- 
zend verbunden in sich vereinigt. Man- 
che Arten könnte man ohne Uebertrei- 
bung lebende Springbrunnen nennen; 
denn ein solches Bild bietet eine frei 
aufgestellte, bis unten belaubte Dracaena 
oder Cordyline indivisa mit ihren lan- 
gen, fadenähnlichen, reizend übergebo- 
genen Blättern. 

Die Erfahrung über die Cultur im 
freien Lande beschränkt sich bis jetzt 
auf Dracaena australis Hook (Dr. obtecta 
Grah. , Dracaenopsis australis Planch., 
Cordyline australis Kth.) von der Insel 
Norfolk , Neuseeland und Neuholland, 
Dracaena indivisa Forst. (Cordyline indi- 
visa Kth,, Dracaenopsis indivisa Planch.) 
aus Neuseeland, und Dracaena congesta 
Sweet. (Charlwoodia congesta Sweet, Cor- 
dyline congesta Kth.). Man pflanzt sie 
Ende Mai , wenn keine Fröste mehr zu 
fürchten sind, in das freie Land, in nahr- 



hafte , leichte Erde , auch nicht feuchte 
Plätze, am besten auf etwas erhöhte 
Scheiben (weil sie sich so besser dar- 
stellen), giesst sie im Sommer reichlich 
und pflanzt sie zur Zeit der Herbstfröste 
wieder ein. Dracaena australis verträgt 
mehrere Grad Kälte ohne Nachtheil, 
was sehr einleuchtend ist, da in ihrem 
Vaterlande Schnee nicht selten ist. Wahr- 
scheinlich ist Dr. indivisa eben so hart, 
nur ist sie noch zu selten und theuer, 
um sie der Gefahr auszusetzen. Dr. 
congesta ist etwas empfindlicher gegen 
Fröste , verträgt jedoch ebenfalls einen 
Herbstreif. 

Diese genannten Dracänen halten 
sehr gut im temperirten Hause bei 
4 — 6 Grad aus. Dr. australis sogar 
ohne Schaden im kalten Hause wie Yucca 
und Agave. Man thut aber wohl, die 
im Herbst eingepflanzten Exemplare erst 
im warmen Hause oder Kasten anwur- 
zeln zu lassen. Benutzt man ein Warm- 
haus zur Ueberwinterung, so muss man 
die Dracänen im Frühjahr zeitig kalt 
stellen , um sie an die Luft zu gewöh- 
nen. Immer im Warmhause stehend, 
werden diese Dracänen schlecht und lei- 
den von der rothen Spinne. Sie wach- 
sen im freien Grunde sehr schnell, so 
dass unter günstigen Verhältnissen drei- 
jährige Stecklingspflanzen 3 — -4Fuss, Dr. 
congesta sogar bis 6 Fuss hoch wer- 
den. Der Platz, wo die Dracänen aus- 
gepflanzt werden, muss etwas gegen 
Wind geschützt sein, wenigstens nicht 
ganz ausgesetzt. Um eine gute Wirkung 
hervorzubringen, pflanze man jede Dra- 
cäne einzeln ; denn in Gruppen geht ihre 
Schönheit zum Theil verloren. 

Wahrscheinlich lassen sich die mei- 
sten zu Dracaena, Dracaenopsis, Cordy- 
line, Calodracon und Charlwoodia gehö- 
renden Arten auf gleiche Weise im 
freien Lande cultiviren : mit sicherem Er- 



242 



Gartenflora Deutschlands and der Schweiz. 



folg aber folgende: Dracaena Draco L. 
(Dr. canariensis) die sogenannte Dra- 
chenpalme von den canarischen Inseln, 
von der ich mir im Freien eine ausser- 
ordentliche Wirkung verspreche, und die 
ohne Zweifel eben so gut im Freien ge- 
deiht, wie so viele andere canarische 
Pflanzen und Dracaena nutans (Cordy- 
line nutans), eine der Dr. australis nahe 
stehende Art, vielleicht nur eine andere 
Form von dieser, mit längeren, schmä- 
leren, daher mehr überhängenden Blät- 
tern. In den Berliner Gärten findet man 
auch eine sogenannte Dr. australis mit 
schmalen Blättern, und ich glaube, dass 
diese Dr. nutans ist. Dr. stricta Bot. 
Mag. (Charlwoodia stricta Sweet, Cordy- 
line stricta Kth.) aus Neuholland, Dr. spec- 
tabilis (Charlwoodia spectabilis Planch., 
Cordyline spectabilis Kth. et Bouchd, 
Cordyline dracaenoides Kth.) gedeiht so 
gut wie Dr. australis im Freien. End- 



lich noch zwei seltene neue Arten aus 
Neuseeland, von Prof, Dr. Goeppert be- 
schrieben, nämlich Dracaena Seelandica 
Hoibr. (Cordyline Hoibrenkiana Goepp.) 
und Charlwoodia australis Goepp. 

Die buntblättrigen Dracaena nobilis 
aus Japan (Calodracon Sieboldii, Planch.) 
und Dr. terminalis purpureo -varipgata 
(Calodracon Jacquinii Planch., Cordyline 
Jacquinii Kth.) müssten, dem Vaterland 
nach zu urtheilen, ebenfalls im Sommer 
gut im Freien gedeihen, und ich fordere 
zu Versuchen auf, werde auch selbst 
davon auspflanzen , obschon es mir an 
warmen Plätzen dazu fehlt. Uebrigens 
hat man sich davon keinen ausserordent- 
lichen Effekt zu versprechen; denn ein- 
zeln gestellt ist die Pflanze wegen der 
kurzen Blätter nicht wirkungsvoll; ver- 
einigt aber, wohl nicht häufig genug. 

Jäger. 



9) Ueber die Auslinuung verschiedener Holzungen bei der Anlage 
von Ijandseliaftegärten und die Verjüngung und Veränderung 

der Pflanzungen. 

(Von Herrn Hofgärtner H. Jäger in Eisenach.) 



Zweiter Artikel. 

Praktische Regeln für Aushauungen. 

Ich will nun aus meinen Erfahrungen 
einige praktische Andeutungen geben, wie 
man sich bei Aushauungen zu verhalten 
hat, um diese ohnedies schwierigo Arbeit 
nicht noch schwieriger und mühseliger zu 
machen. Es versteht sich von selbst, 
dass der Künstler, welcher die Idee des 
Ganzen angibt, die Hauungen selbst lei- 
tet. Fast alles Andere lässt sich bei Anle- 
gung von Gärten einem ausführenden Gärt- 
ner übertragen, weil man genaue Zeich- 
nungen anfertigen und die Maasse bestim- 



men kann. Bei Aushauungen ist dies 
nicht möglich. Man kann zwar durch 
Zeichnungen dem Besitzer andeuten, 
wie sich die Veränderung ungefähr ma- 
chen wird, und mit Hülfe von Ansichten 
lässt sich sogar manches Bild, das nicht 
erst geschaffen, sondern nur sichtbar ge- 
macht wird, mit ziemlicher Sicherheit 
im voraus entwerfen; es lässt sich auch 
mit Berücksichtigung der hervorragend- 
sten Gehölzmassen ein Profil der Hori- 
zontlinie und ein Grundriss einzelner 
Parthien entwerfen : aber Zeichnungen, 
wonach sich ein ausführender Gärtner 
oder Forstmannn genau richten könnte, 



I. Originalabhandlungen. 



243 



sind geradezu eine Unmöglichkeit ; denn 
Niemand kann im voraus genau wissen, 
wie sich eine Holzmasse nach Weg- 
nahme von Bäumen machen wird. Gibt 
daher der Künstler nur die Umrisse im 
Grossen nach einem bestimmten Plan 
an, ohne die Ausführung selbst besor- 
gen zu können , so muss diese einem 
Manne übertragen werden, der allenfalls 
selbst fähig wäre, das Ganze anzugeben ; 
denn es kommt bei Hauungen Alles auf die 
Einsicht des dabei anwesenden Leiters 
an. Ist dieser vielleicht ein Schüler 
des den Plan entwerfenden Künstlers, 
der sich in des Meisters Ideen hineinge- 
lebt und durch practische Arbeiten des- 
sen Eigenthümlichkeiten angenommen 
hat, so ist immerhin einige Aehnlichkeit 
mit der Idee des Meisters zu erwarten. 
Dem Schüler können aber auch bei der 
Arbeit eigene Ideen kommen, die er 
durchführt nnd mitunter mögen diese 
vielleicht vortrefflich und besser als die 
des Meisters sein. Der den Plan ange- 
bende Künstler hat dann wohl die Ge- 
nugtuung, seine Ideen ausgeführt zu 
sehen, und die Ehre und den Namen, 
allein das Gelingen hängt fast allein 
von dem Ausführenden ab. Allerdings 
ist nicht jeder Ausführende, mag er auch 
Geschmack, malerischen Sinn und Kennt- 
nisse haben, im Stande, eine klare Idee 
für das grosse Ganze zu fassen, während 
er einzelne Schönheiten zu würdigen, 
vielleicht sogar zu erreichen weiss. Man 
sei also bei Hauungen selbst gegen- 
wärtig. 

Das erste Erforderniss sind tüchtige 
Holzhauer mit gutem Werkzeuge und 
frischer Arbeitslust. Dergleichen Leute 
sind in Gegenden, wo kein Wald ist, 
oft schwer zu bekommen, und man muss 
dann aus anderen Arbeitern die am mei- 
sten Geschick zeigenden auswählen. Das 
Holzfällen geht am schnellsten und be- 



sten mit Axt und Säge. Ein geschickter 
Holzhauer kann fast bis auf den Fuss 
berechnen, wohin ein Baum fallen muss. 
Dies ist ein sehr wichtiger Umstand, 
da bei blossen Auslichtungen oft wenig 
Platz für die fallenden Bäume bleibt, 
und jede Beschädigung stehenbleibender 
Bäume ein unersetzlicher Verlust ist. 
Man verlasse sich indessen doch nicht 
ganz auf diese Leute, besonders nicht 
auf ihr Urtheil über die Länge eines 
Baumes. Ist daher zu fürchten , dass 
ein sehr hoher Baum im Falle mit der 
Spitze einen andern erreichen könnte, 
so wird man wohl thuu, vorher die Höhe 
zu messen, wenigstens annähernd zu er- 
fahren suchen, wonach man sicher be- 
stimmen kann , wie weit der Baum im 
Fallen reichen wird. Das Ausroden der 
Bäume mit der Wurzel geht viel lang- 
samer, und es ist dabei nicht mit Sicher- 
heit zu berechnen, wohin der Baum fal- 
len wird, selbst wenn hinreichende Zug- 
leinen (Taue) daran befestigt werden. 
Man kann daher das Ausroden nur dann 
anwenden, wenn durch den stürzenden 
Baum nichts beschädigt werden kann, 
und wenn der die Hauung Leitende am 
Orte selbst oder in der Nähe wohnt, 
und nicht auf den Fall der Bäume zu 
warten braucht. Zwei Männer , wel- 
che einen starken Stamm in einer hal- 
ben Stunde durchsägen, brauchen viel- 
leicht zwei Tage, um ihn mit dem Stocke 
auszuroden. Und doch geht das Eoden so 
noch viel schneller , als wenn nur die 
Stöcke auszuroden sind, weil der Baum 
in der Regel zum Fallen gebracht wird, 
ohne dass alle Wurzeln durchgehauen 
sind , der stürzende Baum den Stock 
mit ausreisst und so Arbeit erspart. 
Man wendet daher das Fällen durch 
Roden gern an. Aber wie gesagt , es 
ist nicht anzuwenden , wenn der die 
Hauung leitende Gärtner nicht lange 



214 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



bleiben kann , also in kurzer Zeit viel 
leisten muss, oder wenn die vorgerückte 
Jahreszeit keinen Aufschub des Fällens 
verstattet, während die Stöcke jeder Zeit 
ausgemacht werden können. 

Das Ausroden der Stöcke kann oft zu- 
gleich mit dem später nothwendig wer- 
denden Rigolen oder andern Erdar- 
beiten geschehen, besonders bei flach 
wurzelnden Bäumen. Das Stockroden 
bringt nur in Gegenden , wo das Holz 
sehr theuer ist, und wenn gewandte 
Holzhauer die Arbeit verrichten , einen 
kleinen Ueberschuss an Geld. 

Bäume , welche wieder ausschlagen 
sollen , werden auf die bekannte Weise 
abgeworfen und zwar möglichst nahe am 
Boden. Da dies nur schwächere Bäume 
betrifft , so bedient man sich hiezu all- 
gemein der Axt. Die Hiebfläche muss 
schräg und glatt sein und es darf dabei 
die Rinde nicht aufreissen. Wird der 
Schnitt mit der Säge gemacht, so schnei- 
det man die Rinde glatt , wie bei Obst- 
bäumen, um das Ueberwachsen zu be- 
fördern. 

Die beste. Zeit zu Hauungen ist der 
Herbst, sowie der Laubfall eintritt. Dies 
ist nicht nur der Holznutzungen wegen 
vorteilhaft , sondern auch nothwendig, 
wenn noch andere Arbeiten verrichtet 
werden, und die in Angriff genommenen 
Stellen bis zum nächsten Frühjahr fer- 
tig werden sollen. Hat man viel Holz 
zu fällen, so verschiebe man alles zum 
Stock- oder Wurzelschlag bestimmte bis 
zum Eintritt der Saftzeit, weil mit weni- 
gen Ausnahmen um diese Zeit die Stöcke 
besser ausschlagen. Indessen auch die 
im Herbst oder Winter gehauenen Stöcke 
schlagen gut aus. und so möge man sich 
an die Zweckmässigkeit wenig kehren 
und nur die Zeit und Eintheilung der 
Arbeiten zu Rathe ziehen. 

Man beginnt mit dem Hauen an 



Stellen, von wo das zukünftige Bild ge- 
sehen werden soll , und wo die Abfuhr 
des Holzes leicht möglich ist. Zuerst 
lasse man, ohne sich die Mühe beson- 
derer Bezeichnung zu geben , alles un- 
wesentliche, jedenfalls zu entfernende 
Gebüsch und alles unterdrückte Holz 
beseitigen , damit man freier sehen und 
sich bewegen kann. Dann kömmt das 
kahle Stangenholz daran, welches auf 
keinen Fall bleiben kann, sei es zur Aus- 
rodung oder auf Wiederausschlag. Diese 
Arbeit kann allenfalls unter Aufsicht 
eines beauftragten fähigen Mannes aus- 
geführt werden , da die eigentliche Ge- 
staltung der Holzmassen davon nicht 
berührt wird. Es soll dies aber wo 
möglich kein Forstmann sein , der nach 
ganz andern Grundsätzen schlägt, und 
die gewöhnte Weise selten vergessen 
kann. Ist dies geschehen, so muss das 
Holz jedenfalls erst aufgearbeitet wer- 
den , damit man einen Ueberblick ge- 
winnt. Indessen hat der Gärtner Zeit, 
sich die einzelnen Holzpartien genau zu 
betrachten und sie im Gedanken zu grup- 
piren. Nun erst beginnt die eigentliche 
künstlerische Arbeit. Kommt man den 
zu bildenden Gruppen oder dem künfti- 
gen Waldsaum nahe, so muss jeder 
Stamm besonders bezeichnet werden. 
Man verlasse sich dabei nicht auf münd- 
liche Angaben , sondern zeichne jeden 
Stamm bemerkbar an. Von nun an wird 
nur Baum für Baum weggenommen und 
jedesmal die, durch die Beseitigung des 
Baumes hervorgebrachte Wirkung reiflich 
erwogen und nachgedacht, ob der näch- 
ste geopfert werden muss, wobei eine 
genaue Untersuchung der dahinterstehen- 
den Bäume vorangehen muss. Wenn 
es nicht zur Gewinnung einer land- 
schaftlichen Tiefe nöthig ist, ohne Rück- 
sicht tief einzuschlagen, und es sich um 
die Bildung einer vollen Gruppe oder 



I. Originalabhandlungen. 



215 



eines vollen Wald3aumes handelt, so 
schlage man nie einen leidlich decken- 
den Baum ab, ohne vorher die Ueber- 
zeugung gewonnen zu haben, dass der 
dahinterstehende mindestens ebenso so 
schön ist, also wenigstens keine Ver- 
schlechterung möglich ist. Will man 
eine ganze Holzmasse durchbrechen, um 
die Aussicht nach einem bestimmten 
Punkte zu öffnen , so schlägt man erst 
eine gerade Linie durch und arbeitet 
von dieser nach den Seiten. Ist die 
Holzung so breit, dass man auch im 
Winter nicht durchsehen kann, so muss 
die Mittellinie der Aussicht ermittelt 
und fest abgesteckt werden. Auch die 
Grenzen, wie weit sich die Lichtung 
nach den Seiten erstrecken soll, können 
ungefähr abgesteckt werden. Man bleibe 
jedoch von der eigentlichen Grenzlinie 
immer etwas fern, damit nicht zu tief 
eingeschlagen wird, das Fehlende lässt 
sich immer nachholen. Kommen bei 
kahlem Abtriebe sehr schöne Bäume 
vor, auf die man nicht gerechnet, also 
auch bei dem Plane keine Rücksichten 
genommen hat, so lasse man sie ja 
stehen; denn man weiss nicht, ob sie 
nicht stehen bleiben können, vielleicht 
gar ein grosser Gewinn sind , denn oft 
kommt es nicht darauf an , ob man ein 
Bild ganz frei oder zwischen einzelnen 
Bäumen halb verdeckt erblickt. Ein- 
zelne schöne Bäume verderben selten et- 
was, sie müssten denn überall zerstreut 
stehen, sind dagegen oft von so ausser- 
ordentlicher Wirkung, dass man ihnen 
zu Gefallen selbst von einem gefassten 
Plane abgehen kann. Sollen Waldsäume 
in malerischer Weise ausgehauen wer- 
den, so hat man sich blos um die Aus- 
senlinie zu kümmern, und muss suchen, 
überall einen vollkommen grünen Saum 
zn bekommen. Geräth man tiefer ein, 
wie es bei Waldsäumen . welche in der 



Ferne wirken sollen, stets nöthig ist, so 
bekommt man oft kahle Bäume, zum 
Saume, weil alle im Schluss aufgewach- 
sene Kronen nur nach oben grün sind, 
selbst im lichten Hochwald. Diese fal- 
len auch in der Ferne noch angenehm 
auf; denn das Auge sucht am Waldrande 
nur freie Stämme, nicht aber kahle Aeste. 
Sollen Gruppen und Haine gebildet wer- 
den, so werden, nachdem erst alle schlecht 
gewachsenen Bäume beseitigt sind, die 
Massen durch Lichtungen geschieden 
und dann gruppirt. So gebildete Grup- 
pen werden fast immer schöner als ge- 
pflanzte, vorausgesetzt , dass die Bäume 
vollkronig sind. Schlecht gewachsene, 
schwachkronige Bäume sollten nie frei- 
gestellt werden, obschon es häufig in 
Anlagen zu sehen ist. Besser nur ein- 
zelne schöne Bäume als Gruppen sol- 
cher Bäume. Nur das Bedürfniss des 
Schattens kann ein Beweggrung sein, 
sie an Wegen in Gruppen stehen zu las- 
sen. Eine Ausnahme soll man mit al- 
ten ehrwürdigen bemoosten Stämmen 
machen, wenn es an schönen alten Bau- 
men fehlt. 

Das bisher Gesagte bezieht sich nur 
auf Laubwald und solchen Mischwald, 
wo nur Nadelholzbäume eingesprengt 
sind, d.h. einzeln oder in Horsten*) vor- 
kommen. Ganz anders muss ein Nadel- 
wald behandelt werden. Dieser ist sehr 
schwer durch Aushaungen landschaft- 
lich schön zu machen, wenn er einmal 
ein gewisses Alter erreicht hat, und um 
so schwieriger , je besser er nach forst- 
lichen Begriffen ist. Ist er lückenhaft, 
voll Lichtungen, vielleicht gar mit eini- 
gen Laubholzbäumen vermischt , wie es 
bei sogenannten Fehmelwaldungen der 

*) Horst nennen die Forstleute eine Gruppe 
von Holzpflanzen einer Art, wie sie sich durch 
Samenausfall natürlich bilden. 



246 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Fall ist, so finden sich häufig Bäume, 
die nach allen Seiten und nach unten 
grün sind, und diese machen dann frei- 
gestellt , oder als Saum behandelt, eine 
vortreffliche Wirkung und bilden auch 
den schönsten Hintergrund für neue 
Laubholzpflanzungen. Mit Ausnahme der 
Kiefer, die im Alter im Baue der Krone 
und der Aeste den Laubhölzern nahe 
kommt, auch einen malerisch schönen 
Stamm hat, gefallen die Nadelhölzer nur, 
wenn sie fast bis auf den Boden grün 
sind. Die schönsten Fichten, Tannen 
u. s. w. sind immer die, wo die Aeste 
bis auf die Erde hängen , und zu ein- 
zelnen Bäumen an Wegen sollte man 
nur solche auswählen. Dies braucht je- 
doch nicht buchstäblich genommen zu 
werden ; denn ein Baum, der einen man- 
neshohen kahlen Stamm hat, wird sei- 
nen Eindruck nicht verfehlen, und bei 
alten Fichten hängen die Aeste von die- 
ser Höhe fast noch auf den Boden. 
Solche bis unten grüne Bäume machen 
nur ganz frei und einzeln gestellt einen 
guten Eindruck. Finden sich zwei und 
drei so nahe zusammen, dass die Kro- 
nen sich vereinigen, so machen sie ganz 
die Wirkung eines einzelnen Baums, er- 
scheinen aber nicht mehr so zierlieh 
und malerisch; und so vermehrt sich das 
schwerfällige Ansehen, je grösser die 
gedrängt stehende Gruppe wird. Zwi- 
schen vielen einzeln stehenden Bäumen 
bringen jedoch auch grössere Gruppen 
eine gute Wirkung hervor. Den ange- 
nehmsten Eindruck machen Nadelhölzer, 
wenn sie eine lockere, hainartige Verei- 
nigung bilden, in welcher fast jeder 
Baum frei steht. In diesem Falle sind 
bei alten Bäumen auch höhere glatte 
Stämme willkommen. Besonders bei 
Weisstannen, die schöne glatte, schim- 
mernde Stämme haben , und bei alten 
Kiefern (Föhren), bei denen der roth- 



braune, fast leuchtende Stamm zwischen 
den dunkeln Baummassen eine ausge- 
zeichnete Wirkung ausübt. Man hat 
dann nichts weiter zu thun, als die un- 
tern schlechtem und einseitigen Aeste 
auszuschneiden , so dass sich immer 
mehrere gegenüberstehen und sämmtli- 
che Bäume so auszuästen , dass die 
Kronen ziemlich in gleicher Höhe be- 
ginnen , versteht sich mit Schonung der 
bis unten grünen Bäume. Nadelholz- 
stämme haben einen so regelmässigen 
Wuchs , dass , wo die Stämme sichtbar 
sind, auch eine gewisse Regelmässigkeit 
derselben in Bezug auf Höhe , jedoch 
nicht in der Stellung, gefällt. Hierdurch 
erzeugt sich jene Aehnlichkeit mit Säu- 
len, die Jedem auffällt und gefällt. Hier- 
von machen die Kiefern, wie ich schon 
bemerkte, und die Schierlingstanne (Pinus 
canadensis), welche beide einen mehr 
dem Laubholz ähnlichen Wuchs haben, 
eine Ausnahme. 

Findet sich Laubholzgebüsch unter 
Nadelholzbäumen , so wird es in den 
meisten Fällen den Eindruck schwächen 
oder verderben, ist daher zu entfernen. 
Die Gestalten der Nadelholzbäume wol- 
len frei gesehen sein und müssen sich 
von einem glatten Rasen - oder Moos- 
grunde scharf abheben. Selbst junge 
Nadelholzbäume derselben Art , wie sie 
leicht durch Samenanflug von selbst ent- 
stehen, schwächen den Eindruck, wenn 
sie überall zerstreut stehen, und müssen 
ausgerissen werden. Kommen sie jedoch 
hier und da an offenen Stellen vor, so 
sind solche junge Bäume , ebenso nie- 
drige Wachholder und Eibensträucher 
von sehr guter Wirkung. Kommen im- 
mergrüne Nadelholzbäume mit Lärchen 
gemischt vor, so suche man die letzte- 
ren ja beizubehalten. Da aber die Lärche 
ein sehr lichtliebender Baum ist und 
sich, einigermassen gedrückt, stets von 



I. Originalabhandlungen. 



247 



unten ausputzt , so wird man selten 
schöne Bäume finden , die frei gestellt 
werden könnten. Sie wirken auch durch 
den Contrast ihres lieblichen hellen 
Grüns in Gruppen- und Waldverbindun- 
gen mit dunkelgrünen Nadelhölzern mehr, 
als allein. Gleichwohl sind auch reine 
Lärchenhaine durch ihr angenehmes 
Licht und das helle Grün schön, und es 
findet sich in ihnen fast immer ein schö- 
ner Rasen, was bei anderen stark be- 
schattenden Bäumen nicht der Fall ist. 
Will man aber einen solchen Hain aus- 
hauen, so müssen die Bäume sehr jung 
licht gestellt werden, damit sie möglichst 
tief herunter grün bleiben; denn die 
meisten krummen oder schief stehenden 
Stämme machen keine gute Wirkung. 
Kiefernwald ist fast wie Laubwald zu 
behandeln, und kann, vorausgesetzt, dass 
die Bäume nicht im Schluss gewachsen 
und vollkronig sind, in Gruppen ge- 
stellt werden. Eine Untermischung mit 
Laubholz und Gebüsch thut der Wir- 
kung der Kiefern keinen Abbruch , und 
sie ist nach meiner Ansicht in dieser 
Verbindung schöner als in reinen Be- 
ständen, schon weil die Bäume sich ma- 
lerischer bauen. Was die übrigen Na- 
delholzbäume betrifft, so ist zwar Laub- 
holz im allgemeinen ihrer Wirkung nach- 
theilig — es sei denn ein förmlicher 
Mischwald, der von aussen sehr schön 
erscheinen kann , und man muss alles 
unbedeutende Laubholz entfernen; aber 
einzelne dazwischen stehende schöne 
Eichen, Buchen, Birken u. s. w. bringen 
keinen Nachtheil, im Gegentheil häufig 
Vortheil, besonders, wenn sie eine ge- 
wisse abgesonderte Stellung einnehmen 
und an den Uebergangsstellen. Die Ver- 
bindung der Birke mit der Tanne und 
Fichte ist sogar eine der schönsten , die 
es gibt , und die allgemein gefällt , sei 
es in lockerer Gruppirung oder im förm- 



lichen Walde. Besonders schön sind 
alte weisstämmige Birken mit jugendli- 
chen Fichten oder Tannen in lockerer 
Verbindung, und einzelne Birken oder 
kleine Gruppen am Saum des Nadelwal- 
des. Finden sich viele junge Laubholz- 
bäume zwischen Nadelwald, so soll man 
diesen Anwuchs, wenn nicht Nadelholz 
besonders wünschenswerth ist, begünsti- 
gen und nach und nach licht stellen, da- 
mit er in Zukunft den Nadelwald er- 
setzt. Solche forstliche Verjüngungen 
müssen in grossen Landschaftsgärten 
gleichwie im Walde vorgenommen wer- 
den. 

Mit altem, in geschlossenen Bestän- 
den aufgewachsenem Nadel-Hochwald ist 
nichts zu machen. Hier heisst es ent- 
weder vollständigen kahlen Abtrieb, oder 
Beibehaltung fast ohne Veränderung. 
Umstände müssen über Bleiben oder Be- 
seitigung entscheiden. Niemand wird 
läugnen, dass Nadelwald, wenn er nicht 
in zu grosser Einförmigkeit durch glei- 
che Höhe der Bäume und zu grosse 
Ausdehnung auftritt , schön ist ; beson- 
ders von Aussen gesehen und als Hin- 
tergrund zu hellem Laubholz. Auch 
sein Inneres erfreut und wirkt oft 
mächtig durch sein dämmerndes Licht, 
die Masse der säulengleichen Stämme, 
die Unbestimmtheit des Gesichtskreises 
und das eigenthümliche Brausen der 
Luft in den Zweigen. Man behalte ihn 
daher, wenn nicht besondere Gründe da- 
gegen sprechen , bei , wie er ist , oder 
entferne ihn ganz, wenn sonst Ueber- 
fluss davon in der Gegend ist, und er 
den Plan' des Ganzen stört. Da er sich 
an Wegen nicht verändern lässt, so muss 
man lieber die Wege an Stellen vorbei- 
führen, wo der Wald den besten Ein- 
druck macht. Bei den dabei nöthig wer- 
denden Hauungen kann man hie und da 
etwas breiter gehen , die schlechtesten 



248 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Bäume beseitigen und vielleicht einige 
besser gewachsene und vollkronigere 
zeigen. Man hüte sich aber ja, grössere 
Lücken zu machen, es sei denn an Stel- 
len, wo vielleicht an Lichtungen, einem 
ehemaligen Schlagrande oder an alten 
Wegen die Bäume vollkronig und an 
einen freiem Stand gewöhnt sind. Ei- 
nen im Schluss stehenden alten Nadel- 
wald zu durchbrechen, um eine Durch- 
sicht oder eine tiefe Einbuchtung zu ge- 
winnen, ist für den Landschaftsgärtner 
das bedenklichste Unternehmen. Vom 
Standpunkte des Schönen betrachtet, 
ist ein solcher Waldsaum, der sich nur 
durch zahllose Stämme von gleichem 
Ansehen auszeichnet , immer hässlich 
und steif, selbst wenn seine Umrisse 
stark hervor- und zurück treten. Selten 
wird man das Glück haben , mitten im 
Walde die nöthige Anzahl bis tief unten 
grüner Bäume in passender Stellung zu- 
sammen zu finden , welche nöthig ist, 
um nur ein Stück Waldsaum grün er- 
scheinen zu lassen. Wäre das der Fall, 
so müsste man suchen, solche Bäume 
an vortretende Stellen des Durchhaues 
erscheinen zu lassen , damit sie in das 
Auge fallen und Deckung geben. Ein 
zweiter ebenso grosser Nachtheil ist, 
dass die im Schluss aufgewachsenen, 
an gegenseitigen Schutz gewöhnten Bäu- 
me, plötzlich freigestellt , nicht nur lei- 
den, sondern auch häufig Windbrüchen 
zum Opfer fallen, so dass man gar nicht 
mehr Herr über die Gestaltung des 
Waldsaumes ist. Eine kleine Lücke im 
Waldrande genügt, um den Fall von 
Hunderten von Stämmen nach sich zu 
ziehen , und kann in ausgesetzten, stür- 
mischen Lagen die allmählige Vernich- 
tung des ganzen Waldes zur Folge ha- 
ben. Gleichwohl ist es aus Schönheits- 
rücksichten zuweilen nothwendig, einen 
bedenklichen Durchbruch zu unterneh- 



men. Hier bleibt weiter nichts übrig, 
als durch Verpflanzung von möglichst 
grossen Bäumen, die angegebenen Nach- 
theile für die Schönheit zu vermindern, 
und dieses ist oft schon mit einigen gut 
angebrachten einzelnen Bäumen mög- 
lich. Gegen Windbruch sind dagegen 
alle Vorkehrungen vergeblich. 

So lange gemischter Nadelwald noch 
nicht zu alt ist, hat man ihn in Be- 
zug auf seine Mischung in der Ge- 
walt, indem man bei Durchforstungen 
die eine Art begünstigt, die andere un- 
terdrückt. Vortrefflich macht sich eine 
ziemlich gleichmässige , aber nicht re- 
gelmässige Mischung von Fichten und 
Weisstannen , oder von Fichten oder 
Tannen und Lärchen oder von diesen 
drei Holzarten. Einzelne Kiefern dazwi- 
schen machen sich nicht besonders und 
müssen schon aus forstlichen Rücksich- 
ten entfernt werden, weil die Kiefer ein 
Licht bedürftiger Baum ist, der zwischen 
Fichten und Tannen zu Grunde geht 
oder verkümmert. Kiefern sind in jeder 
Hinsicht im Mischwald besser gruppen- 
oder horstweise. 

Eine besondere Beachtung verdienen 
junge Nadelhölzer, denn sie können, 
auf dem rechten Platze stehend, eine 
landschaftliche Scene von grosser Schön- 
heit bilden. Während die Laubholz- 
bäume in der Jugend, bis sie einigermas- 
sen Stämme und Krone gebildet haben, 
den Eindruck des Unvollendeten machen 
und man sie erst gross wünscht, sind 
die meisten jugendlichen Nadelholzbäume, 
wenn sie unter guten Verhältnissen auf- 
wachsen, von so grosser Schönheit, dass 
man nur wünschen könnte, sie möchten 
so bleiben oder nicht viel grösser wer- 
den. Dies ist bis zu einem Alter von 
20 — 30 Jahren der Fall. Gemeine Kie- 
fern (Föhren) und Lärchen machen hier- 
von wieder eine Ausnahme ; denn erstere 



I. Originalabhandlungen. 



249 



werden erst im höhern , Lärchen im 
mittlem Alter schön. Nur einige nicht 
allgemein verbreitete Kiefern, als die 
Zirbelkiefer (Arve), Weymouthskiefer, 
Schwarzkiefer, Seestrandkiefer u. a. m. 
haben auch in der Jugend ein schönes 
Ansehen. Hat man daher das Glück, 
auf lockerstehende, allseitig grüne Fich- 
ten und Tannen oder die obengenann- 
ten Kieferarten zu stossen, so möge man 
sie für den Augenblick schonen. Selbst 
wenn hoher Nadelwald an einer solchen 
Stelle unpassend wäre und in Zukunft 
weggenommen werden müsste, lasse man 
die Bäume wenigstens so lange stehen, 
bis die nachtheilige Wirkung eintritt. 
Solcher junger Nadelwald wirkt aber 
nur ganz in der Nähe gesehen , und es 
braucht daher nur in der Nähe der Wege 
Rücksicht darauf genommen zu werden. 
Junger Nadelwald muss, um seinen hei- 
tern Charakter und die dazu notwen- 
dige vereinzelte Stellung der Bäume zu 
erhalten, von Zeit zu Zeit gelichtet, 
endlich in Gruppen gestellt werden. Da 
die Nadelhölzer neuerdings von den 
Forstleuten meist in Keinen gepflanzt 
werden, diese aber in einem Landschafts- 
garten nicht bemerkbar werden dürfen, so 
hat die malerische Aushauung solcher 
Pflanzungen und die Stellung in Grup- 
pen einige Schwierigkeiten, und es müs- 
sen dabei meist Stämme eingepflanzt 
werden. — 

Häufig stösst der Landschaftsgärtner 
bei neuen Anlagen auf vorhandene re- 
gelmässige Pflanzungen , als Alleen, 
Hecken und Laubengänge, und er kömmt 
in den Fall, diese benutzen zu können 
oder zu müssen. Alleen werden nur 
an Stellen, wo keine Bäume stehen dür- 
fen, durchbrochen, übrigens aber so gut 
als möglich in die neuen Pflanzungen 
gezogen. Dabei wird aber immer die 
regelmässige Wipfellinie der meist gleich 
VIII. 1857. 



hohen Bäume sichtbar bleiben und stö- 
ren. Ist dies der Fall, so muss diese 
durch Aushauen und Abmachen einzel- 
ner Bäume malerisch gemacht werden. 
Italienische Pappeln sind meistens gar 
nicht zu benutzen, ausser ganz einzeln. 
Die Benutzung einzelner Thcile solcher 
Alleen leidet grosse Schwierigkeiten, 
gleichwohl wäre es Thorheit, sie gera- 
dezu wegzuschlagen. Einzelne Bäume 
können gruppenweise stehen bleiben, 
wobei es freilich meist nöthig wird, ei- 
nen Theil davon zu verpflanzen oder 
andere Pflanzungen daran anzulegen, um 
die regelmässige Stellung unsichtbar zu 
machen. Auf einer langen Strecke lasse 
man an freien Plätzen nie die Ueber- 
reste einer Allee stehen , denn sie wer- 
den, obschon lückenhaft, dennoch die 
ehemalige Allee erkennen lassen. Ein 
gleiches Bewenden hat es mit verwilder- 
ten Hecken und Ueberresten von Lau- 
bengängen aus Hagebuchen und ähnli- 
chen Holzarten. Je verwilderter sie sind, 
desto besser sind sie in den neuen land- 
schaftlichen Anlagen zu benutzen. Man 
lässt dann die verkrüppelten Bäume frei 
wachsen , dünnt sie aus, stellt sie in 
Gruppen und sucht die regelmässige 
Stellung durch Verpflanzung und An- 
lage neuer Gruppen zu vermischen. Be- 
finden sich in den Hecken einige frei 
aufgewachsene schöne Bäume, wie es in 
Koppelhecken und Baumgärten häufiger 
vorkommt, so beseitigt man erst das nö- 
thige Unterholz der Hecken, und lichtet 
die Bäume so aus, dass sie in unregel- 
mässiger Stellung frei auf dem Rasen 
stehen, oder zieht sie zu neu anzule- 
genden Gruppen. 

Ich habe bisher fast nur über das 
Malerische gesprochen. Bei Aushauun- 
gen sind aber auch noch andere Rück- 
sichten zu nehmen, ohne deren Beach- 
tung ein guter Erfolg nicht möglich ist. 

17 



250 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



Zuerst muss man wissen und beschlies- 
sen, welche Holzarten in gemischten Hol- 
zungen und Parkgruppen in Zukunft vor- 
herrschen sollen. In der Regel lässt 
man sich bei den Holzpflanzungen durch 
ihre malerische Wirkung zur Beibehal- 
tung bestimmen und man muss die um- 
gebenden Pflanzen soweit unterdrücken, 
als Schönheit und Rücksicht auf Gedeihen 
und Ausbildung des Bleibenden es ver- 
langen. Treten solche Schönheitsrück- 
sichten ein, indem sich keine Baumart 
vor der andern auszeichnet , so behält 
man diejenige vorzugsweise bei, welche 
durch ihren Wuchs anzeigt, dass sie an 
einer Stelle am besten gedeiht. Uebri- 
gens rathe ich jedem Gärtner, in wirkli- 
chen Landschaftsgärten, wo es gar nicht 
auf Nutzen abgesehen ist, überall, wo 
die Pflanzungen niedrig und sich gleich 
bleiben sollen, die Bäume durch Sträu- 
cher und Halbbäume zu ersetzen. Die 
übrigen Rücksichten sind vorzugsweise 
forstlicher Art und betreffen die Behand- 
lung der Gehölze in Beziehung auf 
Wachsthum , Ausschlagsfähigkeit der 
Stöcke und Stämme und das gegenseitige 
Verhalten zu Licht und Schatten im 
forstlichen Sinne. Indem ich das wich- 
tigste dabei zu Beobachtende hervor- 
hebe, will ich zugleich auf schon be- 
stehende Pflanzungen in Landschaftsgärt- 
nereien Rücksicht nehmen, da die Ver- 
jüngung und Veränderung derselben 
durch Hauungen ganz denselben Regeln 
unterworfen ist, mit dem Unterschiede, 
dass dabei auch nicht gewöhnliche fremde 
Holzarten mit vorkommen. Hierzu ge- 
hört eine genaue Kenntniss der Natur 
der Holzarten. 

Wenn man Holz abhaut, das wieder 
ausschlagen soll, oder junges stehen lässt, 
so muss man wissen, wie hoch es wird, 
und welche Formen es annimmt , um 
danach die zukünftige Gestalt der Holz- 



massen beurtheilen zu können. Dieses 
Wachsthumsverhältniss muss man als be- 
kanntvoraussetzen; denn es kannnichtder 
Zweck dieser Mittheilungen sein, die Ei- 
genschaften einzelner Holzarten zu be- 
schreiben. Man sieht auch schon an 
den abzuschlagenden und umgebenden 
Bäumen und Sträuchern , wie hoch und 
breit sie werden , wie sie sich bauen 
u. s. w. Häufig hat man bei dem Weg- 
schlagen auch nicht die Absicht, das 
Holz wieder ungestört wachsen zu las- 
sen, indem es entweder fortwährend durch 
Ausschneiden niedrig gehalten oder in 
kurzen Umtriebszeiten gehauen wird. 
Häufig wird auch nicht der ganze Baum 
oder Strauch am Boden abgehauen, son- 
dern nur zurückgesetzt, d. h. -einge- 
schnitten , um ihn entweder buschig zu 
machen , oder weil es malerische Rück- 
sichten verlangen. Als Regel ist anzu- 
nehmen , dass die wieder austreibenden 
Bäume , besonders aus Samen erzogene, 
nicht die ganze naturgemässe Höhe er- 
reichen, und dass für gewöhnlich eigent- 
liche Hochstämme nicht daraus entstehen, 
obschon die Möglichkeit bei manchen, 
besonders bei weichen Holzarten durch 
zahlreiche Beispiele bewiesen ist, und 
solche Oberholz- oder Holzstammzucht 
bei dem Mittelwaldbetrieb gewöhnlich 
ist. Der Landschaftsgärtner würde je- 
doch in den meisten Fällen nicht klug 
handeln, wenn er zur Erziehung von 
Hochstämmen auf den Stockausschlag 
warten wollte und viel schneller mit 
Pflanzen zum Ziele kommen. Das Ver- 
fahren, aus vorhandenem Niederwald und 
Stockausschlag Bäume zu ziehen, ist je- 
doch überall zu empfehlen, wo das Pflan- 
zen besondere Schwierigkeiten macht. 
Dagegen bildet der Stockausschlag häufig 
wunderschöne mehrstämmige Bäume, die 
auf Rasen von unvergleichlicher Schön- 
heit und durch Pflanzen schwer so na- 



I. Originalabhandlungen. 



251 



türlich aussehend zu erzielen sind. In 
einem gut bestandenen Mittelwald oder 
in Parkgruppen von ähnlicher Beschaf- 
fenheit wird man auch unter den jun- 
gen Anwuchs häufig Stangen oder Lass- 
reiser finden, die auf gutem Boden sich 
zu Hochstämmen ziehen lassen. Weich- 
holzige Bäume , welche ungeschlechtli- 
chen Ursprungs sind, d. h. durch Steck- 
linge und Ableger angezogen jjwurden, 
z. B. Weiden und Pappelarten u. a. m. 
erreichen auch als Stamm und Stock- 
ausschlag dieselbe Grösse, als wenn sie 
ungestört fortgewachsen wären, ja ihre 
Wuchskraft vermehrt sich häufig durch 
das Abhauen. Wenn schnellwüchsige 
und langsam wachsende Holzarten ge- 
mischt vorkommen , und man den erste- 
ren nicht das Uebergewicht lassen will, 
so müssen die langsam wachsenden 
stehen bleiben, oder werden nur stark 
eingeschnitten, während.die schnell wach- 
senden auf Stockausschlag gehauen, oder 
zum Theil gerodet werden. Uebrigens 
wachsen auf Stockausschlag auch lang- 
sam wachsende Holzarten sehr stark. 
Die grösste Aufmerksamkeit erfordern 
solche gemischte Pflanzungen vom zwei- 
ten bis zum fünften Jahre nach dem 
Abtrieb. In Bezug auf Licht und Schat- 
ten sind die Holzarten ungemein ver- 
schieden. Die einen verlangen unge- 
schwächtes Licht, wachsen daher stets 
über andere hinaus , oder gehen , wenn 
sie dies nicht vermögen, zu Grunde, 
während andere einen überschirmten, 
schattigen Standort lieben oder wenig- 
stens ertragen. 

Man muss diese Eigenthümlichkeiten 
kennen, um bei Hauungen jeder Holz- 
art den zum Gedeihen nöthigen Platz 
anzuweisen 5 muss die Lichtbedürftigen 
frei und licht stellen, oder, wenn dies 
nicht möglich ist, ganz unterdrücken* 
muss vor allem die Schatten vertragen- 



den Holzpflanzen kennen , um danach 
die Ueberschirmung und Beschattung zu 
richten. Als Regel kann man annehmen, 
dass diejenigen Holzarten, welche eine 
dünne Belaubung, kleine Blätter und 
lichte Kronen haben , die Sonne also 
überall durchlassen, auch Lichtbedürftige 
sind, dagegen die sehr dicht belaubten 
den Schatten vertragen , weil ihre unte- 
ren und inneren Theile selbst stark be- 
schattet grün bleiben. Natürlich erlei- 
det diese Regel Ausnahmen. Man darf 
auch die Dichtigkeit der Krone nicht 
nach Bäumen beurtheilen, welche von 
Jugend auf ganz frei gestanden haben; 
denn diese zeigen sich immer dichter 
belaubt. 

Bei unseren einheimischen Baumar- 
ten besteht ungefähr folgende Reihen- 
folge in Bezug auf Lichtbcdürfniss. 

1) Lärche. 

2) Weissbirke und Espe (Aspe, Zit- 
terpappel.) 

3) Silberpappel , Schwarzpappel und 
Weiden aller Art. 

4) Rüster oder Ulme. 

5) Gemeine Kiefer oder Föhre, 
Krummholzkiefer (Pinus Pumilio oder 
Mugho), die Zirbelkiefer oder Arve, 
Waymouthkiefer , P. maritima. 

6) Eberesche (Vogelbeere) , Schier- 
lings- oder Escheritzenbaum (Sorbus do- 
mestica), Elzbeerbaum (Sorbus v. Pyrus 
terminalis), Bastard -Eberesche (Sorbus 
hybrida) , Mehlbeerbaum (Sorbus Aria), 
wilde Aepfel, Birnen, Kirschen und 
Weissdorn. 

7) Ruchbirke , Feldahorn , Wachhol- 
der , Spitzahorn. 

8) Hopfenbuche (Ostrya vulgaris), 
Erle (Else, Eller), Traubenkirsche (lie- 
ben freien Stand, kommen aber im Schat- 
ten fort, besonders als Gebüsch sehr 
gut), Esche, Saalweide. 

17 * 



252 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



9) Eiche, jedoch vertragen die bei- 
den gemeinen Eichen mehr Schatten als 
die beiden östreichischen Eichen, näm- 
lich Quercus Cerris und pubescens. 

10) Linde, Zürgelbaum (Celtis au- 
stralis) , Hainbuche , weisser oder Berg- 
ahorn. 

11) Buche, Schwarzkiefer (Pinus 
nigra v. austriaca) , Fichte oder Roth- 
tanne. 

12) Edel- oder Weisstanne, der Ta- 
xus oder Eibenbaum. 

Am meisten Licht bedarf also die 
Lärche , Birke und Espe , am wenigsten 
die Eibe, Weisstanne und Fichte. 

Bei ausländischen Bäumen sind un- 
sere Erfahrungen weniger sicher. Nach 
vielfältiger eigener Beobachtung kommen 
die wichtigsten ungefähr in folgende, 
der vorhergehenden entsprechende Rei- 
henfolge: 

1) Larix americana, Pinus microcar- 
pa v. laricina), sibirica. 

2) Gleditschia , Akazien (Robinia), 
Birken, alle Arten Gj'mnocladus eana- 
densis (Guilandina dioica), Taxodium 
distichum. 

3) Alle Weiden- und Pappel- (Sa- 
lix- Populns-) Arten, Magnolia acumina- 
ta und andere. 

4) Alle ausländischen Ulmen, Tul- 
penbaum (jedoch nur freistehend blühend), 
Acer striatum (pennsylvanioum), Negundo. 

5) Viele Kiefernarten, mit Ausnahme 
von Pinus Strobus, der beschattet stehen 
kann und zu 9) oder 10) gehört. Gingko 
biloba (Salisburia adiantifolia). 

6) Ailanthus glandulosa, alle Arten 
von Crataegus, Sorbus , Pyrus (manche 
Crataegus aber auch mehr Schatten ver- 
tragend) , Corylus Colurna , Nyssa in- 
tegiifolia , Prunus serotina und virgi- 
niana. 

7) Platanen, die meisten Ahorn. 

8) Die fremden Erlen (Alnus), Eschen. 



Carpinus americana, orientalis und Ostrya 
virginica und vulgaris, Rosskastanien und 
alle Arten von Aesculus und Pavia, je- 
doch sonnig besser. 

9) Die meisten nordamericanischen 
und südeuropäischen Eichen, manche je- 
doch besser in der Sonne , Liquidambar 
styraeiflua, Celtis occidentalis. 

10) Alle Arten von Wallnussbäu- 
men (Juglans, Carya und Pterocarya), 
jedoch in der Sonne besser, Linden, 
edle Kastanien, Pinus Strobus, und ei- 
nige andere; Thuja, Juniperus, Fagus 
americana. 

12) Viele Fichten und Tannen (Abies), 
besonders Abies canadensis , Picea bal- 
samea, Pichta. 

Da die meisten Sträucher von Natur 
dazu angewiesen sind, unter Bäumen zu 
wachsen , so vertragen viele von ihnen 
einen schattigen Standort , freilich auf 
Kosten der Schönheit, besonders der 
Blüthe. Auch streben sie so zum Licht, 
dass sie lang und dünn aufschiessen, 
unten kahl werden und daher von Zeit 
zu Zeit zurückgeschnitten werden müs- 
sen. Die Zahl der Sträucher, welche 
ganz unterdrückt und im Schatten und 
der Ueberschirmung dichter Bäume 
ziemlich gut gedeihen , ist indessen 
nicht gross. Folgende vertragen starken 
Schatten und eine völlige Ueberschir- 
mung : 

Ribes alpinum, Philadelphus corona- 
rius und andere Arten, Haselnüsse, Bu- 
xus, Hex alle Arten, Mahonia aquifolia 
und andere ausdauernde Arten, Staphy- 
lea pinnata (wächst jedoch sehr hoch) 
und tiifoliata, Ribes nigrum], R. Grossu- 
laria (Stachelbeere), aceril'olium , atro- 
purpureum, opulifolium etc., Cotonea- 
ster vulgare, Daphne Mezereum, Laureola, 
Rosa canina, Ledum palustre, Rhamnus 
frangula, Evonymus europaeus, verru- 
cosus, angustifolius , Cornus sanguinea, 



I. Originalabhandlungen. 



253 



mascula, Ligustrum vulgare, Spiraea fast 
alle Arten, Symphoria racemosa und vul- 
garis, Sambucus nigra mit seinen Spiel- 
arten (wird jedoch sehr hoch), Dier- 
villa canadensis , Lonicera Xylosteum, 
alpigcna, nigra, Kubus odoratus und die 
zu den Bromheeren gehörenden Arten, 
Viburnum Opulus (wilder Schneeball, wird 
jedoch sehr hoch), Genista scoparia etc. 

An Bergen , besonders an der Som- 
merseite und wenn die Abhänge steil 
sind, kommen alle Licht bedürftigen Holz- 
arten in stärkerer Ueberschirmung und 
Beschattung fort, weil die überschirmten 
Pflanzen an den Seiten Licht und Luft 
bekommen. Daher trifft man auch auf 
Bergen alle Holzarten untereinander an, 
besonders an Basaltkuppen. Auch die 
Güte des Bodens und Milde des Climas 
trägt dazu bei, dass alle Holzarten ver- 
hältnissmässig stärkere Beschattung ver- 
tragen. 

Soll junger Nachwuchs aufkommen, 
welcher die vorhandenen Bäume er- 
setzen soll, so muss das Oberholz durch 
Abschlagung dünn gestellt und nach 
und nach ganz entfernt werden. Hierbei 
ist das Verhalten zum Licht von gröss- 
ter Wichtigkeit. Wer in den Fall kommt, 
grössere Holzungen so behandeln zu 
müssen, thut wohl , sich vorher die da- 
zu nöthigen forstlichen Kenntnisse anzu- 
eignen. Für die gewöhnlichen Fälle 
werden folgende Andeutungen genügen, 
was früher noch nicht erwähnt wurde. 

Buchen verlangen Jahre lang den 
Schatten und die Ueberschirmung älterer 
Bäume, auch Hainbuchen, jedoch nicht 
so wie Buchen. Eichen, Rüstern, Ahorn, 
Eschen , Linden und Wallnussbäume 
müssen bald frei gestellt werden und 
vertragen am längsten den Standort un- 
ter alten Kiefern und Birken. Die Kie- 
fer ist überhaupt der vorzüglichste Baum, 
um Laubholz darunter anzuziehen. Die 



viel Licht bedürftigen Birken, Lärchen, 
Acacien, Gleditschien, Pappeln, Weiden 
u. a. m. vertragen nur eine sehr dünn- 
gestellte Beschattung, und man thut am 
besten, Oberholz ganz wegzuschlagen, 
wenn es Schönheitsrücksichten gestat- 
ten. Man sei überhaupt nicht ängstlich 
mit dem Wegschlagen; denn im bearbei- 
teten Gartenboden kann man ganz an- 
ders verfahren , als im Forst und alle 
Bäume völlig freistehend aufbringen, 
selbst Buchen, Fichten und Tannen. 
Dies gilt jedoch nur von dem allge- 
meinen deutschen Clima, und es möchte 
in manchen heissen Lagen in den wär- 
meren Gegenden Deutschlands doch wohl 
nicht statthaft sein. Unter alten Eichen 
kommen fast alle Holzarten auf, weil 
sie überall lichte Stellen haben. Unter 
Fichten und Tannen, ebenso jungen 
Kiefern kömmt kaum eine andere Holz- 
art auf. Kiefern können gar keinen un- 
terdrückten Standort vertragen, am mei- 
sten noch die Weymouthskiefern eine 
Zeit lang. Fichten und Tannen können 
viele Jahre lang unter dichten Bäumen 
stehn. Alle grossgepflanzten Gehölze 
können mehrere Jahre lang einen schat- 
tigen, unterdrückten Standort vertragen, 
selbst die viel Licht bedürftigen. Will 
man Licht bedürftige und Schatten ver- 
tragende in einer Pflanzung gemischt 
lassen, so müssen die ersteren einen 
Vorsprung in der Grösse haben , und 
man thut wohl, diese mit der Axt und 
Säge nicht zu berühren , dagegen die 
Schatten vertragenden abwerfen. 

Im Park, wo die (Pflanzungen fort- 
während überwacht werden, kommt 
zwar weniger darauf an, dass die Holz- 
arten sämmtlich gut zu einander passen, 
indessen thut man doch wohl daran, die 
ungeeigneten sogleich bei der ersten 
Hauung auszuroden und dafür passende 
einzupflanzen, wenn es nöthig ist. Es 



254 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



eignen sich in dichtem Gruppen und 
Buschhölzer, die gleichsam als Mit- 
tel und Niederwald gehalten werden, 
sehr gut folgende Bäume zusammen. 
Als Niederwald oder Unterbusch : Eichen, 
Ahorn , Ulmen , Eschen , Hainbuchen, 
Linden, Erlen. Dazu als Oberholz ziem- 
lich dicht stehend : Birken, Espen, Aca- 
cien , Lärchen , Gleditschien , americani- 
sche Wallnüsse , Platanen , Eichen , Sil- 
berpappeln, Ulmen, Kiefern, Elsebeer- 
baum, Süsskirschen, Mehlbeerbaum, Berg- 
erlen, bei vereinzeltem Stand Bäume 
aller Arten mit den dichtesten Kro- 
nen. Eine andere Verbindung, die man 
häufig in Auen antrifft , ist , als Unter- 
holz : Weiden aller Art, vermischt mit 
Faulbaumt(Rhamnus frangula) und Wald- 
reben , Erlen, Eschen, Schneeball; als 
Oberholz : canadische Schwarz- und Sil- 
berpappeln, wohl auch Eschen, Erlen 
und Stieleichen. Selbstverständlich ge- 
hören alle Halbbäume und Sträucher 
zum Unterholz. Unter fremden Holzar- 
ten eignen sich lediglich die zu Ober- 
holz: Acacien, Gleditschien, Götterbaum 
(Ailanthus), canadischer Schusser, oder 
Chicotbaum (Gymnocladus) , Rosskasta- 
nien jeder Art, Hikory- und Wallnuss- 
bäume, alle Ulmen, Pappeln und Birken, 
die meisten Eichen , eschenblättriger 
Ahorn u. a. m. Selbstverständlich kön- 
nen alle Nadelholzbäume nur Oberholz 
bilden. — 

Die Ausschlagsfähigkeit der Stämme, 
Stöcke und Wurzeln ist bei den Holz- 
arten sehr verschieden. Bei einheimi- 
schen Bäumen vermindert sich diese 
Fähigkeit ungefähr in nachstehender 
Reihenfolge: Erle (Roth- oder Schwarz- 
erle), Bergerle (graue Erle), Weide, Pap- 
pel , Espe, Eiche, Hainbuche, Ahorn, 
Esche, Ulme, Traubenkirsche , Elzbeere, 
Linde, Birke, Buche. Am schwersten 
schlägt also die Buche aus und die 



Birke nicht viel besser. Manche Forst- 
leute setzen die Weiden und Pappeln 
erst hinter die Linden. In Wirklichkeit 
kommt auf diese Aufstellung auch wenig 
an, und Ahorn , Eschen, Linden, Ulmen 
schlagen wohl ziemlich gleich gut und 
lange aus. Dagegen besitzt die Erle 
und Eiche die Fähigkeit, sehr lange aus- 
zuschlagen, Weiden, Pappeln, Linden kür- 
zere Zeit. Schwarzerlen sind so unver- 
wüstlich, dass man alte Stöcke spalten 
und die einzelnen 'Theile verpflanzen 
kann. Die lange Ausschlagsfähigkeit 
steht mit dem Lebensalter der Bäume 
ziemlich im Verhältniss. Die weichhol- 
zigen Weiden, Espen, Pappeln haben 
eine kurze Lebensdauer und starke, aber 
nicht anhaltende Ausschlagsfähigkeit. 
Bei fremden Holzarten hat man noch 
weniger Erfahrungen machen können. 
Sehr gut schlagen aus die Acacie , Gle- 
ditschie, die fremden Eichen, Ulmen, 
Pappeln, Weiden, die ächte Kastanie 
(so gut wie Eichen), die nordamericani- 
schen Traubenkirschen](Prunus virginiana 
und serotina) , die nordamericanischen 
Wallnussbäume (Juglans und Carya), die 
fremden Zürgelbäume (Celtis oeeidenta- 
lis u. a,) Ahorn, Platanen, nordamerica- 
nische Hainbuchen, Linden, Erlen, Hopfen- 
buchen, Trompetenbaum (Bignonia), Pau- 
lownia imperialis, kaukasische Wallnuss- 
bäume (Pterocarya caucasica, alle Arten 
Crataegus. Koelreuteria paniculata, Mag- 
nolia, Maulbeerbäume, Essigbäume (Rhus) 
u. a. m. Fast alle Sträucher schlagen 
leicht und lange aus. Bei Nadelhöl- 
zern, Lebensbäumen , Wachholder und 
ähnlichen Holzarten kann von eigentli- 
chem Ausschlagen nicht die Rede sein, 
doch vertragen einige ein heckenartiges 
Beschneiden, Weisstannen, Lebensbäume 
(Thuya), Wachholder (Juniperus), Fich- 
ten. Die Weisstanne treibt sogar auf 
gutem Boden am Stamme junge Zweige, 



I. Originalabhandlungen. 



255 



wenn kahle Stämme frei gestellt wer- 
den, besonders wenn die Spitze verlo- 
ren geht. Fichten und Tannen bilden 
neue Spitzen, Kiefern bringt der Verlust 
der Spitze gewöhnlich den Tod. 

Die meisten genannten Holzarten 
schlagen am Stamm aus , meist unmit- 
telbar über der Erde am Wurzelstocke, 
manche auch höher an der Hiebfläche 
und auf dieser selbst zwischen Bast und 
Splint. Einige schlagen nur an den 
Wurzeln aus, und es sind dies sämmt- 
lich flach wurzelnde Holzarten. Hierher 
gehören vor allem die Espen, Zitterpap- 
peln, Silberpappeln, Balsampappeln, grie- 
chische Pappeln (Populus graetfa), Kork- 
rüster (Ulmus suberosa) , graue Erlen, 
Acacien, Feldahorn (Massholder), selte- 
ner Linden, Hainbuchen und verschie- 
dene Ulmen. Aus dem Stock und der 
Wurzel schlagen aus: graue Erle, Ulme. 
Acacie, Linde, Balsampappel. Vorzugs- 
weise am Wurzelstock schlagen aus : 
Birken, Acacien, Gleditschien, Trauben- 
kirschen. Hoch am Stocke schlagen 
aus : Eichen, die meisten Ahorn, Eschen, 
Buchen (meist auf der Hiebfläche), Hain- 
buchen, Linden, ächte Kastanien, nord- 
americanische Wallnüsse , Ulmen , Cra- 
taegus-Arten , Pappeln (mit Ausnahme 
der Silber- und Zitterpappeln oder Esper), 
Weiden, Die Wurzelausschlag bilden- 
den Bäume scheinen fast von unbe- 
grenzter Lebensdauer, indem sich jeder 
aufkommende Ausschlagstrieb zu einer 
neuen Pflanze mit eigenen Wurzeln aus- 
bildet. 

Die Ausschlagsfähigkeit hängt sehr 
vom Boden und Standort ab. Ist dieser 
günstig, so erfolgt der Ausschlag reich- 
licher und kräftiger , in magern Boden 
und ungünstigen Standorte ist dagegen 
die Ausschlagsfähigkeit schwach. In 
flachgrundigem , dabei gutem Boden er- 
folgt der Ausschlag reichlicher, weil die 



Wurzeln oberflächlicher liegen und von 
Licht und Wärme gereizt werden. In 
warmen, milden Gegenden schlagen alle 
Bäume besser aus, als in rauhen, kal- 
ten Lagen. Unter grossen Bäumen er- 
folgt der Ausschlag schwer und geht 
noch leichter wieder zu Grunde. Man- 
che Holzarten vertragen nur den Winter- 
hieb, d. h. im Herbst und Winter, weil 
beim Safthieb im Frühjahr zu viel Saft 
ausfliesst und die]Stöcke stockig werden 
und im glücklichen Fall der Trieb nur 
am Wurzelstock erscheint. So Birken, 
ßergahorn, Pappeln (besonders Silber- 
pappeln). Erlen und Sumpfweiden muss 
man meist vor und im Winter schlagen, 
weil im Frühjahr der Boden zu nass 
ist. Eichen, von welchen man Lohe 
schälen will, müssen im Safte geschla- 
gen werden. Ebenso, wenn man von 
Linden , Ulmen , Acacien den Bast 
benutzen will. — Manche Stämme trei- 
ben erst im zweiten Jahr nach dem 
Abtrieb und bilden nur Augen (Adven- 
tivknospen), z. B. Buchen, Hainbuchen, 
zuweilen Eichen und ächte Kastanien. 
Man rode daher die Stöcke nicht aus, 
so lange sie noch Leben haben. 

Es ist nicht wohl möglich, das Al- 
ter der Stämme zu bestimmen, in wel- 
chem sie noch ausschlagsfähig sind. 
Von Stämmen, die nahe an einen Fuss 
oder darüber stark sind, darf man kaum 
Ausschlag erwarten, wenn man den gan- 
zen Stamm durchschneidet und es ist 
immer gut, den Hieb dann an den Aesten 
vorzunehmen. Sehr schwache Stämme 
haben in der Regel nicht die nöthige 
Triebkraft. Sind sie aber noch so jung, 
dass sich unter der Abschnittstelle noch 
Augen befinden , so ist das Entspitzen 
nur ein kurzer Aufenthalt des Wachs- 
thums, mitunter auch dieses nicht. Am 
besten sind 3 — 6 Zoll starke Stämme. 
Die meisten weichen Hölzer, besonders 



256 



Garlenflora Deutschlands und der Schweiz. 



"Weiden und Pappeln schlagen auch als 
junge schwache Stämme sehr gut aus. 
Bei Bäumen, die Wurzelloden (Triebe) 
bilden, macht die Stärke nichts aus, ja 
sie treiben um so mehr, je grösser der 
Baum und daher auch der Wurzelrcich- 
thum ist. Dass der alte Stamm zu 
Grunde geht, macht dann nichts aus 
Freilich erscheinen solche Wurzelloden 
nicht immer auf der Stelle, wo man sie 
haben will, häufig sehr weit vom Stamm 
z. B. bei Espen , Silberpappeln. Auch 
in Bezug auf Stammstärke macht der 
Boden einen Unterschied 5 denn in gutem 
Boden schlagen auch noch stärkere 
Stämme aus. Ziemlich stark können 
sein : Eichen , Buchen, Hainbuchen, Ul- 
men , Eschen, Linden, Ahorn, Trauben- 
kirschen. Birken dürfen nicht stark 
sein. Sind die höher abzuschlagenden 
Bäume schon früher abgehauen, also 
selbst Stockausschlag, so schlagen sie 
zum zweitenmal und in Zukuuft besser 
aus , als zum ersten Male, weil sich 
neben den stärkeren Stämmen , häufig 
schwächere, oder auch nur kleine Zweige 
und Augen befinden. Masern schlagen 
meist reichlich aus , geben aber einen 
schlechten Ausschlag , weil meist zu 
viele verborgene Augen treiben. Man- 
che Bäume , besonders auf ungünstigem 
Boden zeigen von selbst Neigung zum 
Stock- oder Wurzelausschlag , ehe der 
Stamm gefällt wird, und es sind dann 
in der Kegel die Spitzen dürr, oder der 
Hoktrieb läset nach. Diese Erscheinung 
zeigt sich häufig nach trockenen Jah- 
ren oder wenn die Bäume durch Frost 
litten. Ist ein schon starker Baum nicht 
geradezu im Wege, so verzichte man 
lieberauf den Abtrieb; ist er aber über- 
flüssig oder störend durch seine Höhe, 



so muss man s wagen. 



Wenn der ganze Baum abgewor- 
fen werden muss, so geschieht der Hieb 



möglichst nahe am Boden , weil so der 
Ausschlag eher erfolgt. Zeigen sich un- 
ten am Stamme aber schon zahlreiche 
Augen , oder vielleicht Zweige , so mag 
man höhere Stöcke lassen. — In Gar- 
tenanlagen hat man bei Bäumen, wel- 
che nicht wurzelächt sind, besonders 
auf diesen Umstand Rücksicht zu neh- 
men. Die meisten veredelten Bäume 
sind nicht zum Abtrieb auf Stockaus- 
schlag geeignet, muss es aber gesche- 
hen, so wird der Hieb natürlich über 
der Veredlungsstelle geführt, es sei 
denn, dass nichts an dem Edelstamme 
gelegen wäre, und der Wildling diesel- 
ben Dienste thut. Da aber am Wild- 
ling der Ausschlag viel leichter erfolgt, 
als am Edelstamm, so muss man solche 
Stämme Jahre lang überwachen und die 
Austriebe am Wildstamm unterdrücken. 
Der Erfolg ist jedoch meist sehr unsi- 
cher. Bei Bäumen, die schon einmal 
geschlagen waren, wird der Hieb an 
jungem Holz geführt, so dass noch ei- 
nige Zoll davon stehen bleiben. Bei 
ganz werthvollen Bäumen bestreicht man 
die ganz glatt gemachte Schnittstelle mit 
Theer. Stehen die Stöcke nahe an We- 
gen, so thut man wohl, die Schnittflä- 
chen mit Erde dunkel zu machen, damit 
sie dem Besitzer oder dem Publikum 
nicht so auffallen. Ganz kahle Abtriebe, 
die man im Parke möglichst vermeiden 
soll, können durch einen Mantel von 
stehenbleibenden Gebüsch verborgen 
werden. Ich half mir auch schon da- 
mit, dass ich junge Nadelholzbäume 
einpflanzte, die später, nachdem der 
Platz wieder laubgrün war, weiter ver- 
pflanzt wurden. So diente der Schlag 
zugleich als Baumschule. In der Re- 
gel bedeckt sich der Boden nach dem 
Abtrieb mit Massen von üppig wach- 
senden krautartigen Pflanzen, darunter 
auch viel sogenanntes Unkraut, häufig 



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II. Neue Zierpflanzen. 



257 



aber auch schöne Blumen. Werden 
diese Pflanzen so gross , dass sie den 



jungen Trieben schaden, so müssen sie 
abgehauen werden. 



II. Neue Zierpflanzen. 



1) Oncidium Matthieuanum fichb. fil, 
(Trisepala. Macropetala). Orchidee aus Nord- 
peru durch Warscewicz eingeführt. Schein- 
knollen länglich zugespitzt, zweischneidig, ge- 
furcht, mit violetten Linien und Flecken. Blü- 
thenstiel bis 3Fuss lang, oben rispig verästelt, 
die Aestchen 1 — 2blumig. Blumen mitlelgross, 
schön gelb und zimmtroth. Kelchblätter keil- 
förmig oval, spitz. Blumenblätter doppelt grös- 
ser , fast wellig , alle mit zimmtrother Scheibe 
und gelbem Rande. Lippe gelb mit purpur- 
roter Scheibe, mit kurzen ohrenförmigen Sei- 
tenlappen , der grosse Miltellappen aus nagei- 
förmigem Grunde stark erweitert, keilförmig, 
zurückgedrückt. Die Schwiele am Grunde der 
Lippe stark erhaben , bandförmig , am Grunde 
beiderseits eckig, vorn 3zähnig und mit herab- 
laufenden Seitenzähnen. (Allg. Grtztg.) 

2) Brassia neglecta Jtchb. fil. Eine mit 
B. brachiata und verrucosa verwandte Art. 
Von Letzterer unterscheidet sie sich durch 
krause Lippe und nur spitze, (nicht grannen- 
förmig zugespitzte) Kelchblätter. (.Allg. Grtztg.) 

3) Galeandra Stangeana Bchb. fil. Ver- 
wandt der G. Baueri. Blumen braun mit pur- 
purner Lippe. Vom Amazonenstrom einge- 
führt durch Consul Schiller. 

4) Cypripedium superbiens Rchb. fil. Eine 
der grossblumigsten Arten der Galtung. Die 
grossen Fleischwarzen auf den eingeschlagenen 
Lappen des Lippennagels und die wie bei 
Cypr. Lowei herabgeschlagenen Petalen un- 
terscheiden es von C.javanicum und den Ver- 
wandten. (Allg. Grtztg.) 

5) Collinsia verna Nult. ; Scrophularinac. 
Eine liebliche neue einjährige Pflanze aus 
Pennsylvanien , welche im ersten Frühling so- 
gleich an Ort und Stelle ins freie Land aus- 
gesäet werden kann. Schliesst sich in der 
Tracht der C. grandiflora an. Die obern Blu- 
menblätter weiss , die untern schön azurblau. 
Liebt eine lockere, aber nahrhafte Erde und 



gehört zu den zu allgemeiner Cullur zu em- 
pfehlenden Pflanzen, die wie es scheint, mehr 
Beachtung verdient, als die neuerdings einge- 
führten C. bartsiaefolia u. multicolor. 

(Galeotli Journ. d'hort.) 

6) Weigelia coraensis Thbrg. Nach 
Lindley gehört W. amabilis PI. zu dieser längst 
bekannten Art. 

7) Galeottia fimbriata Lindl. Epiphy- 
tische Orchidee, welche Linden u. Reichen- 
bach fil. Batemannia fimbriata genannt haben. 
Lindley sagt jedoch, dass sie zu letzlerer Gat- 
tung nicht gezogen werden könne. Von 
Warscewicz ward diese schöne Art in Quin- 
dios an den Quellen des Maranon gefunden 
und von Wagener in den Wäldern von Ocana. 
Gleicht in der Tracht einer slammlosen Maxil- 
laria. Scheinknollen oval, zweiblättrig. Biälter 
6 Zoll lang , 2 Zoll breit. Die fast 3 Zoll im 
Durchmesser haltenden Blumen stehen in ei- 
ner 2 — 3blumigen Traube , sind blass braun- 
gelb und roth gestreift. Die untern Blumen- 
blätter sind am Grunde in einen Sack ausge- 
wachsen. Die Lippe kappenförmig , 31appig. 
gefranzt, mit kleinen aufrechten lanzettlichen 
Seitenlappen und grösseren ovalen , scharf zu- 
gespitztem Miltellappen, am Grunde desselben 
ein grosser Anhängsel, der aus 8 scharfecki- 
gen Rippen gebildet ist und nach vorn in 5 
kleine hornartige Forlsätze ausgeht. 

(Gard. Chron. mit Abbildung.) 

8) Lepachys columnaris Torr, et Gray. ß. 
pulcherrima. Ward in diesem Jahre von den 
englischen Handelsgärtnereien an Deutsche als 
Obeliscaria pulcherrima als ausgezeichnete 
Neuigkeit abgegeben. Es ist dies die in deut- 
schen Gärten schon lange als Rudbeckia Drum- 
mondi cultivirle Top'fstaude. Ihr Vaterland ist 
Texas. 

9) Goniophlebium appendiculatum Lindl.; 
Filices. — (Polypodium appendiculalum Lin- 
den u. P, scriptum Hort.) — Ein schönes 



258 



Gartenflora Deutschlands and der Schweiz. 



neues decoratives Farrenkraut aus Mexiko, mit 
kriechendem Rhizom und fusslangen, purpur- 
geaderten Wedeln. Wedel aus breiterm Grunde 
länglich, fiederschnitlig oder fast fiederschnit- 
tig oder fast fiedertheilig ; die Theilblättchen 
länglich-linear, spitz oder nach der Spitze ab- 
nehmend; die untersten fast lappig. Frucht- 
häufchen klein, schwach eingesenkt. — 

(Gard. Chron.) (E. R.) 

Abgebildet im Botanical Magazine. 

10) Leperiza latifolia Herb. (Pancratium 
lalifolium Ruiz et Pav.) Amaryllideae. — Eine 
hübsche Zwiebelpflanze von Ruiz und Pavon 
in der peruanischen Andeskette, Provinz Tar- 
ma, an feuchten schaltigen Orten unter Bäu- 
men wachsend , entdeckt. Sie beschrieben 

, diese Pflanze in ihrer Flora ■peruviana als 
Pancralium lalifolium , der gelehrte Bearbeiter 
der Amaryllidaceae, der verstorbene Reo. Her- 
bert erhob sie zu einer neuen Gattung, Le- 
periza , und ist sie bis jetzt die einzig be- 
kannte Art derselben. Zwiebel braun, trocken- 
häutig, 2— 4blältrig; Blätter langgesticlt, breit- 
oval , spitz , gestreift - nervig , glänzend grün. 
Blüthenschafl aufrecht , stielrund , eine Dolde 
von 6—8 hängender, 2'/, Zoll langer, schön 
gelber Blumen tragend; Blülhenscheide aus 
mehreren lanzeltlichen , verwelkenden , dünn- 
häutigen Blältchen bestehend. Das Perigon 
trichterförmig, mit kurzer, enger Röhre, grün 
gespitzt; Nektarkrone klein, nur aus 6 kurzen, 
der Röhre aufgesetzten Zähnen bestehend, 
zwischen denen die Staubfäden stehen. — 
Blumen und Blüthenstand erinnern an Clivia 
nobilis ; Behandlung der Amaryllis- Arten; 
blüht im September, im Kallhause gehallen. 

(Taf. 4952). 

11) Castanea chrysophylla Dougl. Eine 
der grösslen Seltenheiten, die das Arboretum 
in Kew besitzt, ist eine Kastanien-Art, bei der 
die Unterseite der immergrünen Blätter , durch 
zahllose kleine Schülfern bekleidet, dieselbe 
tief goldgelbe Farbe zeigl , die wir an den 
Wedeln derGymnogramme chrysophylla, dem 
sogenannten Goldfarrn, bewundern. Diese herr- 
liche Art wurde 1830 von Douglas im Oregon- 
Gebiete und später auch in Californien gefun- 
den; es scheint aber, dass das jetzt 5 Fuss 
hohe Exemplar in Kew die einzig lebende 



Pflanze in europäischen Gärten ist, da [von den 
durch Burke eingesandten Samen nur sehr 
wenige keimten. Nach Douglas bildet diese 
C. chrysophylla im Vaterlande einen wunder- 
schönen Baum, von 20 bis 70 Fuss Höhe, 
das dunkelgrüne Laub mit der goldenen Un- 
terseite herrlich contrastirend. Blätter für die 
Gattung klein, 2*/i — 3 Zoll lang, kurz ge- 
stielt, länglich- eirund , zugespitzt, ganzrandig, 
kahl, von derber Textur und immergrün. (Der 
Garten in Kew mag stolz sein auf dieses 
Unicum , das er seit Jahren besitzt, ohne es 
vermehrt zu haben : für ein öffentliches Insti- 
tut, das zur Einführung und Verbreitung schö- 
ner Pflanzen bestimmt ist und über so bedeu- 
tende Miltel gebieten kann, wie Kew, scheint 
uns dieser Slolz wenig gerechtfertigt: man 
sollte ein Verdienst darin suchen, solche Pflan- 
zen möglichst rasch zu verbreiten und sie zu 
einem Gemeingut zu erheben. Bei dem jetzt 
so vermehrten und erleichterten Verkehr mit 
dem Goldlande wird hoffentlich ein speculati- 
ver Handelsgärtner sich finden , der diesen 
Goldbaum von dort durch Samen sich zu ver- 
schaffen wissen wird, und dass eine solch' 
werthvolle Aquisition für unsere Gärten und 
Anlagen dem ersten Besitzer goldene Früchte 
tragen wird, ist leicht vorauszusehen.) 

(Taf. 4953.) 

12) Mandirola lanata PI. et Lind. — 
Durch ein uns unbegreifliches Verschen bringt 
die Taf. 4954 eine sehr gelungene Abbildung 
dieser neuen Mandirola, von uns schon im 
vorigen Jahrgange p. 177 erwähnt, das Bild 
durch die Meisterhand des ersten Pflanzen- 
zeichners unserer Zeit, Fitch , gefertigt, lässt 
darüber gar keinen Zweifel zu; der Text da- 
gegen nennt und beschreibt eine ganz andere, 
durchaus verschiedene Pflanze , die Sinningia 
Youngiana Marn. oder Ä. violacea der Gär- 
ten ; es ist also offenbar, dass der Text zu ei- 
ner andern Tafel gehört , und dass bei Abfas- 
sung des Textes diese Tafel gar nicht vor- 
lag. — 

13) Tricyrtis pilosa Wall. (Campsoa 
maculata Don. , Compsanthus maculatus Spr.) 
Uvularieae. — Nicht durch Schönheit , wohl 
aber durch interessante Form und Färbung kön- 
nen die Blumen dieser Pflanze gefallen und 
Beachtung verdienen. Dr. Wallich entdeckte 



III. Notizen. 



259 



sie zuerst im Himalaya, wo sie jedoch eine 
weite Verbreitung zu haben scheint ; denn 
Dr. Hooker und Thomson fanden sie auch 
häufig in den Sikkimbergen und sandten von 
dort Samen nach Kew. 

Eine -wahrscheinlich im Freien ausdauernde 
Staude mit knolliger Wurzel, und krautigen, 
verzweigten , etwa fusshohen Stengeln , die, 
wie fast die ganze Pflanze, mit weichen, drü- 
senlragenden Haaren bekleidet sind. Blätter 
zerstreut und entfernt stehend, herz-eiförmig, 
kurz zugespitzt, ganzrandig , am Grunde halb- 
stengelumfassend , und dadurch eine sehr 
kurze Scheide bildend. Blüthensliele paar- 
weise, endsländig, einblumig. Perigonalblätter 
6, zuerst aufrecht stehend in Glockenform 
dann horizontal ausgebreitet , weisslich grün- 
gefärbt , innen roth gefleckt, lanzettlich, die 3 
äusseren am Grunde tief ausgesackt, die inne- 
ren weniger. (Taf. 4955.) 



14) Melastoma denticulatum Läbill. Me- 
lastomaceae. Ein Bewohner von Neu-Cale- 
donien , zuerst von Labillardiere entdeckt und 
neuerdings in Kew eingeführt, wo die Pflanze 
im Juli und August alijährlich ihre weissen Blu- 
men reichlich entwickelt. Ein niedriger, gut be- 
zweigter Strauch mit fast kantigen, röthlichen, 
durch anliegende Borstenhaare rauh anzufüh- 
lenden Zweigen. Blätter gross im Verhältniss 
zur ganzen Pflanze, breiteirund oder ehund- 
lanzelllich, zugespitzt , fast lederartig, ganzran- 
dig, örippig, oben dunkelgrün, auf beiden Sei- 
ten , besonders unten striegelhaarig. Dolden- 
traube 4 — öblüthig, endständig, mit Deckblät- 
tern besetzt. Kelch krugförmig, mit eiförmig- 
lanzettlichen, abfallenden Zipfeln, striegelhaa- 
rig. (Taf. 4956 ) 

(E. 0.) 



HL Notizen. 



1) UeberAnlage vonKanalheizun- 
gen in den Gewächshäusern. Von 
C.Bouche, Inspektordes botanischen 
Gartens bei Berlin *). Siehe hierzu Ta- 
fel 200. 

Obgleich nicht zu leugnen ist, dass die seit 
langer Zeit in unsern Gewächshäusern übli- 
chen Heizkanäle in mancher Hinsicht Nach- 
theile für die Pflanzen herbeiführen, und eine 
Erwärmung durch Wasserheizung in vieler Be- 
ziehung zweckmässiger ist, so werden sie den- 
noch lange in Anwendung bleiben, indem die 
Anlagen anderer zweckmässigerer Heizapparate, 
als Wasser-, Dampf- und Polmaise-Heizungen 
nur mit bedeutend grösserem Kostenaufwande 
herzustellen sind und nicht jeder Besitzer von 
Gewächshäusern so viel daran wenden kann 
oder mag. 

Die den Kanalheizungen so oft zur Last 

*) Entgegen unserer Gewohnheit, nehmen 
wir diesen Artikel wörtlich auf , weil er uns 
von ganz allgemeiner Wichtigkeit zu sein 
scheint. (E. R.) 



gelegten Nachtheile sind aber oft nur darin 
begründet oder machen sich noch mehr gel- 
tend , dass sie unzweckmässig angelegt sind 
und das Heizen derselben durch unkundige 
Personen besorgt wird ; häufig werden sie auch 
als Entschuldigungsmitlel unwissender oder 
träger Gärtner benützt , die das Misslingen der 
Culturen daraus herzuleiten suchen. Es un- 
terliegt keinem Zweifel , dass die Cullur vieler 
Pflanzen, z.B. Orchideen, Farrnkräuter, Eriken, 
Camellien , Epacris u. s. w. bei Benutzung 
einer zweckmässigen Wasserheizung besser 
und leichter als bei einer Kanalheizung gelingt; 
dennoch aber lassen sich die genannten Fa- 
milien und Gattungen bei angemessener Pflege 
und Aufmerksamkeit, sowie bei anfmerksamer 
Behandlung des Heizens auch in Häusern , die 
mit Heizkanälen versehen sind, in einem ganz 
befriedigenden Zustande eulliviren. Für man- 
che Zwecke und in vieler Hinsicht möchte ich 
der Kanalheizung sogar den Vorzug geben. 

Wird ein Gewächshaus durch einen Kanal 
erwärmt, so sind die, namentlich bei tropi- 
schen Pflanzen so unentbehrlichen und für 



260 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



diese so wohllhätigen, Tcmperaturverschiedcn- 
heilen zwischen Tag - und Nachllemperatur 
bei Weitem leichter herzustellen als bei An- 
wendung einer Wasserheizung, indem die 
Temperatur in einem durch Wasser erwärm- 
ten Hause während einer Zeit von vier und 
zwanzig Stunden eine ziemlich gleichmässigc 
bleibt und kein Unterschied von 6 — 8 Grad 
eintritt, sondern dieser etwa nur 3, 4, höch- 
stens 5 Grad beträgt , welcher aber viel zu 
gering ist, um während der Nacht einen tbau- 
ähnlichen Niederschlag aus der Luft auf die 
Pflanzen zu erzeugen; die Häuser bleiben da- 
her, wenn nicht besondere Vorrichtungen zur 
Verdunstung von Wasser angebracht sind, 
trocken, was auch ganz erklärlich ist, da 
durch die Röhren der Wasserheizung keine 
Feuchtigkeit entweichen kann. Ausserdem 
dürfte es auch als allgemein bekannt zu 
betrachten sein , dass Räume, die eine gleich- 
massige Wärme haben , stets trockner sind, 
als solche, in denen die Temperatur stark 
wechselt. 

Bei der Erwärmung durch Kanäle wech- 
selt die Temperatur in 24 Stunden mindestens 
zweimal und zwar so bedeutend , dass sich 
zwischen Tag und Nacht leicht ein Unterschied 
von 5 bis 8 Grad erreichen lässt , bei dem, 
wenn er Morgens zwischen 2 und 6 Uhr ein- 
tritt, jedesmal ein sehr wohlthäliger feuchter 
Niederschlag erfolgt. 

Die Uebelständc , welche man den Kanä- 
len zur Last legt, bestehen hauptsächlich darin, 
dass sie die Luft des Hauses zu stark aus- 
trocknen, dass bei ungünstigem Welter leicht 
Rauch in die Häuser eindringt, dass sich die 
Züge des Kanales durch den Ansatz von 
Glanzruss leicht verstopfen, und dass sich da- 
durch ein übler , den Pflanzen nachtheiliger 
Geruch verbreitet. Sind die Kanalheizungen 
aber zweckmässig angelegt und wird das Hei- 
zen mit der gehörigen Sorgfalt und Umsicht 
abgewartet, so lassen sich diese Uebelständc 
fast ganz beseitigen. 

Dass die Luft in solchen Gewächshäusern, 
die durch Kanäle erwärmt werden, bedeutend 
mehr als in andern ausgetrocknet werde , be- 
ruht grösstenteils nur auf Vorurtheil; denn 
der Kanal saugt nicht, wenn er erhitzt wird, 
Feuchtigkeit auf , sondern treibt sie nur an 



weniger erwärmte Stellen des Hauses ; sobald 
dasselbe abzukühlen beginnt , wird auch die 
Luftfeuchtigkeit in der Nähe desselben allmäh- 
lig ersetzt. Der etwa dennoch stattfindende 
Verlust an Luftfeuchtigkeit lässt sich dadurch 
mildern oder ersetzen, dass nicht auf einmal 
zu stark gefeuert, sondern das Haus nur lang- 
sam bis zu dem erforderlichen Grade geheizt 
wird, was auch den Vortheil hat, dass sich 
der Raum gleichmässiger erwärmt und länger 
warm bleibt ; um die verlorene Feuchtigkeit 
der Luft wieder zu ersetzen, ist es zweckmäs- 
sig, den Kanal, sobald er massig warm ist, 
mit Wasser zu besprengen, was am wirksam- 
sten in der Nähe des Wolfes geschieht, indem 
die Luft am entgegengesetzten Ende des Hau- 
ses doch feucht genug bleibt. 

Das häufige Rauchen eines Kanales bei 
einigermassen feuchtem oder windigem Wet- 
ter hat in der Regel seinen Grund in mangel- 
hafter Construktion desselben , in zu niedrigen 
oder zu weiten Schornsteinen, sowie auch in 
schlechtem feuchtem Brennmalcriale. Das An- 
setzen von Glanzruss entsteht ebenfalls durch 
Anwendung schlechten Brcnnmateriales , be- 
sonders von solchem, was nur eine kurze Flamme 
gibt, oder durch verhältnissmässig zu bedeu- 
tender Länge der Kanäle, in Folge deren das 
hinlere Ende derselben nie recht warm und 
daher feucht wird. 

Um auf eine zweckmässigere Anlage der 
Kanäle hinzuwirken und viele Besitzer von 
Pflanzen vor Nachlheilen zu schützen, will ich 
in Nachstehendem eine gründliche Anweisung 
zur Construction der Heizkanäle geben und 
meine Erfahrung miltheilen, damit namentlich 
Pflanzenliebhaber im Stande sind, die Art und 
Weise , wie solche erbaut werden müssen, 
selbst angeben zu können, indem es sogar wenig 
Bauverständige und Gärtner gibt , die gründli- 
che Kenntnisse in dieser Hinsicht besitzen. 

Bei Construction brauchbarer Heizkanäle 
kommt es besonders auf folgende Punkte an: 

1) Der Wolf oder Ofen des Kanales muss 
eine verhältnissmässige Länge, Breite und Höhe 
zur Länge des Kanales selbst haben ; für einen 
Kanal von 30 bis 40 Fuss Länge genügt es, 
wenn der Wolf 4 Fuss lang, am vordem Ende 
15 Zoll hoch und 14 Zoll breit ist; bei Kanä- 
len von 60 bis 10 Fuss Länge muss der 



III. Nolizen. 



261 



Wolf 5 bis 6 Fuss lang, 20 ZoU hoch und 18 
Zoll breit sein. 

2) Der Wolf muss mit einem 18 bis 20 
Zoll langem Roste zum Abfall der Asche ver- 
sehen sein, und der Hcerd desselben eine 
solche Steigung haben, dass das hinlere Ende 
desselben , wo er in den eigentlichen Kanal 
einmündet, so hoch wie die Oberkante der 
Einheizungsthür liegt, so dass er also auf 4 
bis 5 Fuss Länge um einen Fuss steigt. 

3) Unter dem Wolfe muss sich ein Asch- 
fallj der 8 bis 10 Zoll länger als der Rost ist, 
befinden. 

4) Der Wolf wird, wenn er nicht mit ei- 
ner Seile an der Wand des Hauses liegt , mit 
10 Zoll starken Seitenwangen versehen; liegt 
er gegen die Wand des Hauses, so genügt 
nach dieser Seite hin eine 5 Zoll slarke Wange. 
Die Decke des Wolfes muss aus einem recht 
fest gearbeiteten fünfzölligen Boden bestehen, 
der seine Wid erläge auf den Seilenwangen 
hat. Die Oberfläche des Wolfes wird im In- 
nern des Hauses gehörig geebnet , um Töpfe 
darauf stellen zu können. 

5) Der Wolf muss sich bis zur Einmündung 
in den Kanal so weit verengen, dass er nur 
die Weite dieses hat, also bis auf 10 Zoll Höhe 
und 12 Zoll Breite. 

6) Am besten ist es , den Wolf im Innern 
auf 5 Zoll mit Chamolsteinen zu verblenden, 
und alsdann aber mit Chamollhon zu mauern. 
Eine aus Chamolsteinen erbaute Feuerung wi- 
dersteht der Hitze 15 bis 20 Jahre. Muss 
man Mauersteine , die etwa halb so theuer 
sind , dazu verwenden, so achte man darauf, 
dass eine Sorte gewählt werde, die dem Feuer 
gut widersieht. Die Vermauerung geschieht 
alsdann mit Lehm. 

7) Der Wolf muss so lief angelegt wer- 
den , dass die niedrigste Stelle des Heerdes- 
vom Kanäle niemals tiefer liegt als der vor- 
dere Theil des Rostes; sinkt der Heerd desKa- 
nales an irgend einem Punkte auch nur um 
ineige Zoll tiefer, so zieht der Kanal bei feuch- 
tem Wetter schlecht oder gar nicht. Es ist 
daher, besonders bei solchen Kanälen, die un- 
ter dem Fussboden des Hauses zu liegen kom- 
men, grosse Aufmerksamkeit bei Anlage des 
Wolfes nölhig, dass man schon vorher die 



niedrigste Stelle des Kanalheerdes ermiltelt 
und danach die Höhe des Rostes bestimmt 

8) Bei Anlage des Wolfes ist auch der 
höchste Stand des Grundwassers zu berücksich- 
tigen , damit nicht zu Zeilen der Aschfall da- 
mit angefüllt werden kann oder das Wasser 
den Rost erreicht. 

9) Sowohl der Wolf als auch der Kanal 
müssen mit gehörigen Fundamenten versehen 
sein. 

10) Der Heerd des Kanales darf nicht un- 
mittelbar auf dem Fundamente liegen, sondern 
muss auf einzelnen, 12 Zoll von einander ent- 
fernten und auf der hohen Kante stehenden 
Mauersteinen ruhen , so dass sich unter dem 
Heerde ein Luftraum befindet; setzt er nach 
dieser Richtung auch nicht viel Wärme ab, so 
trägt es doch dazu bei, dass der Kanal trock- 
ner bleibt. 

11) Soll der Heerd des Kanales an irgend 
einer Stelle tiefer als der Fussboden liegen, 
so muss der Kanal seillich in einem Abslande 
von 5 Zoll mit 10 Zoll starken Seilen wangen, 
die mit dem Fussboden in gleicher Höhe lie- 
gen , eingefasst sein, damit die Seitenwände 
des Kanales frei liegen und ungehindert Wärme 
abgeben können. 

12) Ist es nölhig, den Kanal entweder ganz 
oder theilweisc unter dem Fussboden zu le- 
gen, so muss er an den betreffenden Stellen 
mit eisernen Platten bedeckt werden ; diese 
Platten müssen so breit sein, dass sie zu bei- 
den Seiten *fi bis 3 jt Zoll auf die zehnzölli- 
gen Seilenwangen aufliegen. In der Nähe des 
Wolfes muss der Kanal unter den Plauen frei- 
liegen, weiterhin kann man diese auf die 
Dachziegelbedeckung legen, und nur am Ende 
darf der Kanal unmittelbar mit den Platten 
bedeckt werden, lieber dem Zwischenräume 
der vom Kanäle und den Seilenwangen ent- 
steht , müssen die Platten mit 3 Zoll breiten 
und 6 bis 8 Zoll langen OefTnungen versehen 
sein; diese werden mit kleinen Gittern bedeckt, 
damit Niemand hineintreten und die Wärme 
ungehindert ausströmen kann. Um in Gewächs- 
häusern eine grössere Eleganz herzustellen und 
die immer störenden Kanäle zu verbergen, 
legt man sie oft ihrer ganzen Länge uach un- 
ter den Fussboden ; nur hat die Heizung als- 



262 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



dann niemals eine solche Wirkung , als wenn 
der Kanal frei über der Erde liegt. 

13. Die Seitenwände des Kanals müssen 
aus 10" hohen und 10" breiten , unglasirtcn, 
auf die hohe Kante gestellten Fliesen, der 
Heerd und die Decke aus doppelt über einan- 
der liegenden Dachziegeln hergestellt werden ; 
zur Verbindung bedient man sich geschlemm- 
ten Lehmes. Um das Ausweichen der Fliese 
zu vermeiden , müssen diese an den Seiten, 
wo sie gegen einander stehen , mit einer l J B 
bis */4 Zoll tiefen Rinne (Nute) , die mit dem 
Hammer eingehauen wird, versehen sein , da- 
mit der zwischen den Fugen befindliche Lehm 
nicht so leicht herausfallen kann. Möglichst 
enge Fugen sind besser als grosse. 

Wenn der Kanal gesetzt und der Lehm 
halblrocken ist, überstreicht man ihn mit einer 
aus 1 Theil Lehm und 1 Theil Kalk be- 
stehenden breiartigen Mischung vermittelst ei- 
nes Pinsels, welches einen dauerndem Ueber- 
zug als Lehm gibt und die Fugen gegen das 
Ausspülen des darauf laufenden Wassers si- 
chert. 

Cylindrische , in einander zu steckende 
Thonröhren oder glasirle Kacheln bei Kanälen 
anzuwenden, ist nicht zweckmässig, indem 
die crsteren gewöhnlich zu enge sind, nicht 
Fläche genug zur Abgabe der Wärme bieten 
und sich leicht verstopfen oder Glanzruss an- 
setzen; die glasirten Kacheln lassen die Wärme 
weniger als unglasirte durch. Eiserne Röhren 
sind ganz unzweckmässig, weil sie sich au- 
genblicklich zu stark erhitzen und sehr bald 
wieder abkühlen. 

14) Die Seitenwände des Kanals müssen, 
wenn irgend möglich, durch dagegen gesetzte 
Steine abgesteift werden; ebenso die Decke, 
was sich gegen die darüber befindliche Stel- 
lage leicht ausführen lässt. 

15) Da die Kälte in der Regel von der 
vorderen Fenslerfront her am meisten eindringt, 
so luuss der Kanal hauptsächlich an dieser 
entlang geführt werden; wird er nicht zu lang, 
so ist es am besten, die Einheizung in der 
Hinterwand anzulegen und den Kanal bis zum 
entgegengesetzten Ende des Hauses und am 
Giebel entlang in den Schornstein zu leiten. 
Sollen an der Fensterfront Pfirsiche, Weinstöcke 
oder andere Pflanzen in den freien Grund ge- 



pflanzt sein, so erleidet die Leitung des Ka- 
näle s eine Abänderung , indem er alsdann 
entweder an der Hinterwand oder vorn unter 
dem Fussboden angelegt werden muss. 

16) Gestattet es der Raum über dem Ka- 
näle j so kann auch derselbe ein- oder zwei- 
mal übereinander hin- und hergeleitet werden; 
jedoch muss sich alsdann zwischen der Decke 
des unteren und dem Heerde des darüber lie- 
genden Zuges ein durch Mauersleine gebildeter 
fünf Zoll hoher Luftraum befinden. 

17) Um den Zug etwa 70 bis 80 Fiss 
langer Kanäle zu befördern, ist es sehr zweck- 
mässig, am hinteren Ende, wo sie in den Schorn- 
stein einmünden, einen gewöhnlichen Ka- 
chelofen zu setzen , unter welchem der Kanal 
fortgeht, dass beide Feuerungen aber nur einen 
Schornstein haben. Man kann alsdann eine 
Stunde früher den durch eine besondere Klappe 
zu schliessenden Ofen heizen, und erst dann 
in den Kanal Feuer machen, wo man nie zu 
fürchten hat , dass er raucht oder nicht zieht, 
weil der Schornstein bereits erwärmt ist. Man 
hat bei einer solchen Einrichtung auch den 
Vortheil, dass beide Enden des Hauses gleich- 
massig trocken gehalten werden können, was 
sonst, wenn dasselbe eine bedeutende Länge 
hat, nicht zu erreichen ist*). 

18) Die Schornsteine müssen angemessen 
hoch, mindestens aber 1 Fuss höher als das 
Haus, und dürfen nicht zu weil sein; am be- 
sten ist es, sich 8 bis 10 Zoll im Quadrat 
weiter russischer Röhren zu bedienen. 

19) Der Schieber zum Verschlusse des 
Kanales muss sich in einer entsprechend gros- 
sen eisernen Zarge nicht bewegen lassen und 

*) Als ein anderes Mittel, den Zug der Ka- 
näle zu beschleunigen , nennen wir die im 
I. Jahrg. der Gartenflora, pag. 45 , mit VI em- 
pfohlene Conslruktion. Es wird nämlich da, 
wo der Wolf in den Kanal einmündet, die- 
ser selbst 'verengert , der Kanal aber zu ei- 
nem Rauchkasten erweitert und erhöht und 
dann erst als Kanal fortgeführt. Der grosse 
Vortheil dieser Methode besieht darin , dass 
der Rauch sogleich Platz zum Ausdehnen er- 
hält, nicht auf das Feuer zurückdrückt, und 
hierdurch wird ein steter guter Zug bedingt. — 

(E. R.) 



in. Notizen. 



263 



wird etwa 2 bis 2'/i Fuss hoch über dem 
Heerd des Kanales, wo dieser in den Schorn- 
stein einmündet, angebracht; am besten ist es, 
wenn die Schieber nach aussen hin aufzuziehen 
sind, weil alsdann durch die Fugen kein Rauch 
ins Haus eindringen kann. Unterhalb des 
Schiebers lässt man in gleicher Höhe mit dem 
Heerde eine 8 bis 10 Zoll im Quadrat haltende 
Thür einsetzen, um den Russ aus dem Schorn- 
steine entfernen und bei ungünstigem Wetter, 
bevor der Kanal geheizt wird , ein kleines 
Feuer zur Entfernung der schweren , feuchten 
Luft anmachen zu können. Hat der Schorn- 
stein eine solche Dimension, dass er vom 
Schornsteinfeger bestiegen werden kann , so 
muss sich auch über den Schieber eine Ein- 
steigethür von 18 Zoll im Quadrat befinden. 
Ist ein russisches Rohr oberhalb mit einer 
Kappe versehen, so muss dicht unter dersel- 
ben auch eine kleine Thür zum Einlassen des 
Besens angebracht werden. 

20) Bei sehr langen Kanälen ist es auch 
zweckmässig, im Innern des Hauses , etwa 20 
bis 30 Fuss vom Schornsteine entfernt, seit- 
wärts eine Thür von der Grösse einer Fliese 
einsetzen zu lassen , um auch an dieser Stelle 
Feuer anmachen und das hintere Ende des 
Kanales austrocknen zu können. 

21) Die Asche muss, so oft sie den Asch- 
fall füllt, herausgenommen werden; ebenso sind 
die Kanäle alljährlich im Sommer ordentlich 
zu reinigen, was am besten zu bewirken ist, 
wenn man hie und da die Decke des Kanales 
aufnimmt und lange Besen oder Hacken hin- 
durchzieht. 

22) Bei der Wabl des Heizmateriales für 
Kanäle achte man darauf, dass nur solche in 
Anwendung kommen, die eine lange, helle 
und rasche Flamme bilden und den Kanal 
seiner ganzen Länge nach möglichst gleich- 
massig erwärmen ; geschieht dies nicht , so 
setzt sich in dem kaltbleibenden Ende leicht 
Glanzruss an; es ist daher gutes trockenes 
Holz, wenn auch das theuerste, doch das ge- 
eignetste Heizmaterial, und Jeder, der empfind- 
lichere Pflanzen eullivirt und dem diese am 
Herzen liegen , wird in den Kanälen nur Holz 
brennen. 

Torf ist nur in 15 bis 20 Fuss langen Ka- 
nälen zu gebrauchen, und ist es auch dann 



am besten, von Zeit zu Zeit etwas Holz da- 
zwischen zu legen, damit der träge Torfrauch 
hinausgelrieben wird. 

Mit der Braun- und Steinkohle verhält es 
sich fast ebenso und sind diese daher nicht 
zu empfehlen. 

Koaks, welche auch nur eine kurze Flamme 
bilden, sind ganz untauglich, indem sie in der 
Nähe der Feuerungsstclle eine enorme Hitze 
verbreiten , während der Kanal hinten kalt 
bleibt, und sich bei der Koaksheizung das 
Durchdringen schädlicher Gase fast nicht ver- 
meiden lässt. Die Folge davon ist , dass, be- 
sonders neuholländische und kapische Ge- 
wächse trockene Ränder an den Blättern be- 
kommen, wenn sie bei vielen Arten nicht 
gar wie versengt erscheinen. 

Torf, Braun- und Steinkohle setzen in län- 
geren Kanälen sehr leicht Glanzruss an; die- 
ser trägt nicht nur zur Verstopfung derselben 
bei , sondern durchdringt auch die Fliese als 
eine schmierige, schwarzbraune Masse, welche 
einen üblen Geruch in den Häusern verbrei- 
tet, der das Eindringen schädlicher Gase zur 
Folge hat, wodurch für die Pflanzen die alier- 
erheblichsten Nachtheile entstehen. 

Um sich zu vergewissern , dass das Holz 
beim Heizen der Kanäle nicht verschwendet 
werde , sollte jeder Gärtner die kleine Aus- 
gabe für Thermometer nicht scheuen, die Tem- 
peratur der Tages- und Nachtzeit, so wie ein 
Minimum, genau daran bemerken und strenge 
darauf achten, dass nur danach geheizt und 
regelmässig nachgelegt wird, damit die Feuerun- 
gen sobald als möglich wieder geschlossen 
werden können. Man wird neben der Er- 
sparung an Holz die Freude haben, die Pflan- 
zen bei einer geregelten , ihnen zusagenden 
Temperatur vortrefflich gedeihen zu sehen. 

Grosse Vorsicht ist beim Schliessen der 
Feuerungen insofern nölhig, dass es nicht zu 
frühe geschieht; man rühre daher vorher die 
Kohlen noch einmal auf und lasse den Zug 
einige Minuten lang vollständig durch die 
Feuerung streichen , damit aller noch darin 
vorhandene Kohlendampf entweicht. 

Erklärung der beigefügten Zeich- 
nungen. 

Fig. 1. Querdurchschnilt der Feuerung ei- 



264 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



nes Heizkanales, welcher, da der Kanal (Fig. 
4) so konslruirt ist , dass er am entgegenge; 
setzten Ende des Hauses unter dem Fussbo- 
den fortgeführt werden soll , um 1' 6" tiefer 
als das Niveau des Fussbodens A. B. liegt. 

a. Thür zum Aschfall 8 Zoll Quadr. 

b. Aschfall , dessen Sohle 1 Fuss und des- 
sen obererer Theil 1 Fuss 6 Zoil breit 
ist. 

c. Thür zur Einheizung 12 Zoll Quadr. 

d. Wolf, welcher am vorderen Ende 18 Zoll 
breit und 15 Zoll hoch ist und sich am 
hinteren Ende bis auf 1 Fuss verschmä- 
lert. 

e. "Heerd des Wolfes, welcher bis zum ent- 

gegengesetzten Ende desselben um die 
Höhe der Heizthür, also 12 Zoll, steigt, 
f. Seitenwange des Wolfes an der Grenz- 
mauer des Hauses 5 Zoll siark. 
g. Seilenwange des Wolfes nach dem In- 
nern des Gewächshauses, 10 Zoll stark. 
h. Gewölbe über dem Wolfe 5 Zoll stark, 
i. Ausgleichung über dem Gewölbe. 
k. Wand des Hauses 10 bis 15 Zoll stark. 
Fig. 2. Querschnitt des Wolfes, wo er in 
den Kanal einmündet. 

a. Wolf 10 Zoll hoch, 12 Zoll breit. 

b. Seitenwange 5 Zoll stark. 

c. Gewölbe über dem Wolf. 

d. Seitenwange 10 Zoll stark. 

e. Heerd , welcher hier um 12 Zoll höher 
als vorn liegt. 

Fig. 3. Grundriss des Wolfes und des 
Yoidcni Theiles vom Kanäle. 

a. Vorderwand des Hauses. 

b. Giebelwand. 

c. Einheizung 12 Zoll breit. 

d. Rost. 12 Zoll breit und 20 Zoll lang. 

c. Heerd des Wolfes, welcher vorn IS Zoll 

und am Ende 12 Zoll breit ist. 
f. fünfzöllige Seilenwange des Wolfes. 

g. Zehnzöllige Seitenwange des Wolfes. 

h. Heerd des Kanales, welcher 12 Zoll höher 
als der Heerd des Wolfes bei der Ein- 
heizung liegt. 

i. Absteifungen für die Seitenwände des 
Kanales zwischen der Vorderwand des 
Hauses und der Seilenwange des Kanales. 

k Zwischenräume zwischen der Absteifung. 



1. Seitenwange des Kanales, da er mit dem 
Heerde tiefer als der Fussboden des Hau- 
ses liegt. 

Fig. 4. Längsdurchschnitt mit einem Theile 
des Kanales. 

a. Aschfall 8 Zoll hoch. 

b. Aschfall 20 Zoll lang. 

c. Einheizung 12 Zoll hoch. 

d. Wolf. 

e. Rost 20 Zoll lang. 

f. Eiserne Ueberlagen zur Auflage der Rost- 
släbc. 

g. Heerd des Wolfes, der bis zum Punkte 
9 um 12 Zoll steigt. 

h. Gewölbe mit der Ausgleichung über dem 
Wolfe. 

i. Giebelwand des Hauses. 

k. Kanal 10 Zoll hoch, der bis zum Punkte 
q steigt, später aber so tief fällt, dass er 
am entgegengesetzten Giebel unter dem 
Fussboden A und B liegen kann (siehe 
Fig. 5). 

1. Heerd des Kanales aus doppelter Dach- 
ziegelschicht bestehend. 

m. Decke des Kanales aus doppeller Dach- 
ziegelschicht bestehend. 

n. Einzelne Steine als Unterlage unter dem 
Heerde des Kanales. 

o. Zwischenräume. 

p. Einmündung des Wolfes in den Kanal. 

r. Sohle der Heizgrube. 

s. Slufcn zur Heizgrube. 
Fig. 5. Querschnitt des Theiles des Ka- 
nales, welcher unter dem Fussboden des Hau- 
ses A, B, liegt. 

a. Innerer Raum des Kanales. 

b. Heerd desselben. 

c. Decke desselben. 

d. Eiserne Platte, womit die Grule für den 
Kanal bedeckt ist; sie liegt zu beiden 
Seiten auf Mauerwerk. 

e. Fünfzölliger Raum zwischen Kanal und 
Seitenwangen, in welchem hin und wie- 
der Steifen von Steinen zur Hallung des 
Kanales eingesetzt werden. 

f. Seitenwangen 10 Zoll stark. 

g. Unterlage unter dem Heerde des Kana- 
les. 



I. Originalab Handlungen. 

1) Abgebildete Pflanzen* 

a) Lycaste brevispatha Kl. var. fl. saturatione. 

(Siehe Tafel 202.) 



Wir "geben hiermit unseres Wissens 
nach die erste Abbildung einer schönen, 
noch nicht sehr verbreiteten Orchidee, 
die unser verdienstlicher Freund, J. v o n 
Warscewicz, von Guatemala ein- 
sandte. Dr. Klotzsch benannte und 
beschrieb sie im Jahrg. 1851, pag. 217 
der Allgem. Gartenzeitung von Otto und 
Dietrich. 

Sie gehört zu den laubabwerfenden 
Arten, die eine längere absolute Ruhe- 
zeit verlangen , um kräftig zu blühen. 
Man hält sie von der Zeit an, dass die 
Blätter anfangen , gelb zu werden , all- 
mählig immer trockner , und sobald die 
Blätter abgefallen sind, giesst man gar 
nicht mehr und hält sie am kühlsten 
Orte im Orchideenhause. Hier bleibt 



sie ruhig stehen , bis sich am Grunde 
der jüngsten Scheinknollen die Blüthen- 
knospen zeigen, und mit dem neuerwa- 
chenden Triebe werden nun wieder die 
Agentien des kräftigen Wachsthums, 
höhere Wärme und hinreichende Feuch- 
tigkeit angewandt und bald wird auch 
neben den Blumen und fast gleichzeitig 
mit ihnen ein kräftiger Blatttrieb erschei- 
nen. Die abgebildete Varietät hat mehr 
Roth auf den Blüthenhüllblättern und 
der Lippe und übertrifft daher in der 
Färbung die Stammart. Sie blüht in 
unserer Sammlung im Februar und März 
und gedeiht am besten, wenn sie im 
Topfe, in einer Mischung von Torfmoos 
und Holzbrocken gezogen wird. (E. 0). 



b) Lopczia miniata D. G. und Varietäten. 

(Siehe Tafel 203.) 



Eine hübsche, lebhaft rosapurpur ge- 
färbte Varietät, die Herr Billeter, ein 
ebenso intelligenter als fleissiger Gärtner 
in Zürich , aus Samen gewann und uns 
IX. 1857. 



zur Verbreitung abtrat, veranlasst uns, 
die niedliche Lopezia miniata mit ihren 
bis jetzt gewonnenen Abarten den Le- 
sern der Gartenflora bildlich vorzufüh- 

18 



266 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



ren. Sie wird Vielen eine alte , aber 
liebe Bekanntschaft sein , da ihre zierli- 
lichen Blüthen durch die reiche Fülle, 
in der sie fast unausgesetzt zu jeder 
Jahreszeit erscheinen , vollständig er- 
setzen, was ihnen an Grösse abgeht. 
Ihre Cultur ist überaus leicht, jede gute 
nicht zu schwere Erde genügt ihr, sie 
kann im Zimmer an sonnigen Fenstern 



gezogen, im Sommer ins freie Land ge- 
pflanzt werden, und blüht auch im tief- 
sten Winter, wenn man ihr einen lich- 
ten Platz im Warmhause anweisen kann. 
Der neuen Varietät fehlen die dunklen 
Flecken am Grunde der Petalen, die 
Blumen sind rosa purpur und lebhafter 
gefärbt, als bei der Stammart, deren Blü- 
thenfarbe mennigroth ist. (E. 0.) 



c) Streptocarpns Rexii Liadl Var. biflora. 

(Siehe Tafel 204.) 



Vor etwa fünf Jahren erhielten un- 
sere Gärten von England aus, wenn wir 
nicht irren , durch die Herren Veitch u. 
Sohn eingeführt, diese hübsche Pflanze als 
Streptocarpus biflorus. Wir glau- 
ben uns zu erinnern , dass sie von Dr. 
Lindley im Gardener's Chronicle als gute 
Art aufgestellt und beschrieben wurde j 
leider steht uns dieses Journal nicht zu 
Gebot , wir können daher nicht positiv 
sprechen , hatten jedoch von Anfang an 
Zweifel, ob wir den St. biflorus als 
gute Art betrachten dürften. Im vorigen 
Jahre machten wir eine Aussaat, und 
jetzt zeigt es sich , dass unser Zweifel 
gegründet war ; denn unter den Sämlin- 
gen sind viele, die ganz übereinstimmen 
mit dem Str. Rexii, einer längst be- 



kannten und durch ihr reiches Blühen 
beliebten Warmhauspflanze. Wir stehen 
daher nicht an , den Streptocarpus 
biflorus Li ndl. als grössere und un- 
gleich schönere Abart zum St. Rexii 
zurückzuführen. Die Abart zeichnet sich 
besonders aus durch die kürzeren und 
stärkeren Blüthenstiele , die meistens 
zweiblumig, in einzelnen Fällen jedoch 
auch 3 — 4 blumig sind. Die Blumen 
selber sind bei der durchaus gleichen 
hellblauen Färbung, reichlich von dop- 
pelter Grösse und die Blätter weniger 
behaart und von einem glänzenderem 
Grün. Es ist eine ungemein dankbar, 
blühende Pflanze, die leicht und freudig 
gedeiht, und daher warm empfohlen wer- 
den darf. (E. 0.) 



£) lieber die Aushauung vorhandener Holzungen bei der Anlage 
von ILaudschaftsgärten und die Verjüngung und Veränderung 

der Pflanzungen. 

Von Herrn Hofgärtner Jäger in Eisenach. 



(Schluss.) 



Dritter Artikel. 

Verjüngung undErhaltung derPflan- 
zungen in Parkanlagen. 

Ich komme nun zu der Verjüngung, 
Erhaltung und Veränderung der Pflan- 



zungen in schon bestehenden Parkanla- 
gen, während das bisher Gesagte vor- 
zugsweise auf die bei Neuanlagen sich 
vorfindenden Holzungen bezog. Sind 
die Veränderungen sehr auffallend, wie 



Originalabhandlungen. 



267 



z. B. wenn alte verwilderte Gärten nach 
den Grundsätzen der neuen Gartenkunst 
umgeformt werden, so findet das Vor- 
hergehende fast unverändert Anwendung. 
Solche alte verwilderte Gärten gibt es 
nur zu viele ; denn nichts ist häufiger, 
als Anlagen, in denen seit ihrer Schöpfung 
nichts wieder geschehen ist, weil man 
sich thörichter Weise einbildet, mit der 
Pflanzung und ersten Anlage sei alles 
gethan, und ein Garten sei ein fertiges 
Kunstwerk. Man kann aber den Be- 
sitzern von Gärten gar nicht genug an 
das Herz legen, dass ein Garten kein 
Kunstwerk wie andere ist. Wo die ewig 
wechselnde Natur selbst den Stoff lie- 
fert , da kann kein Stillstand eintreten, 
da wechseln stets die Formen und mit 
ihnen der Ausdruck und Charakter. Wenn 
dies im Allgemeinen eine Unvollkom- 
menheit ist, so haben diese wechselnden 
Bilder jedoch auch ihre anziehende Seite, 
indem sie dem Besitzer und Gärtner Ge- 
legenheit geben , Neues zu schaffen, zu 
verändern. Die Neigung zur Abwechs- 
lung, zu Veränderung der Umgebung ist 
bei den meisten Menschen gross und fin- 
det hier Befriedigung. Der ächte Natur- 
freund, der wahre Verehrer und Kenner 
ihrer Schönheiten könnte nur wünschen, 
dass das wirklich Schöne unverändert so 
bleiben möchte, und er wird Dinge, die 
solche Stätigkeit bewahren, wie es bei 
den meisten alten Bäumen, besonders 
im Haine und Hochwald der Fall ist, 
ohne genügenden Grund nicht antasten. 
Es handelt sich übrigens selten um Ver- 
änderung des Ganzen, sondern um Er- 
haltung der Hauptformen, wie sie der 
anlegende Künstler aufstellte und sich 
in ihrer Ausbildung dachte. Diese Verän- 
derungen, so wichtig sie auch für den Künst- 
ler und Kenner der Anlagen sind, fallen dem 
gewöhnlichen Besucher meist nicht auf, 
wenn er nicht zufällisr die Arbeit mit ansieht. 



Kein pflanzender Künstler kann ge- 
nau bestimmen, welche Form die Pflan- 
zungen behalten sollen, mögen sie auch 
noch so gut durchdacht sein , er kann 
nicht wissen, wie das Wachsthumsver- 
hältniss ist, er kann sich in der Wir- 
kung täuschen, indem manche Pflanzun- 
gen nicht das erfüllen , zu welchem 
Zwecke sie angelegt wurden. Das ideale 
Bild macht sich nach Jahren oft anders, 
als man erwartete , oder es ist zwar so 
geworden, aber die Umgebung hat sich 
verändert. Sehr häufig fällt auch der 
Zweck mancher Pflanzung in spätem 
Jahren weg, weil die Veranlassung weg- 
fällt. Es wurde z. B. eine Deckpflan- 
zung angelegt, um ein Feld, einen Weg, 
einen kahlen Berg , ein hässliches Ge- 
bäude, ein schmutziges Wasser u. s. w r . 
zu verdecken: aber das Feld ist unter- 
dessen grüne Wiese, Wald oder Garten 
geworden, der Weg ist weggefallen oder 
verändert; der Berg ist nicht mehr kahl 
und trägt ein schönes Gebäude, das eine 
hübsche Ansicht vom Garten gewährt, 
das Gebäude, welches verdeckt wurde, 
ist abgebrochen, oder verschönert, das 
hässliche Wasser ein schöner Bach, 
Fluss oder Teich geworden. 

Solche Fälle kommen oft und überall 
vor, allein die Besitzer wissen es oft 
nicht, und der neue Gärtner begreift es 
vielleicht nicht oder beide sind zn läs- 
sig und bequem, um eine Veränderung 
vorzunehmen, besonders wenn sie bejahrt 
sind. Die meisten alten Leute, lieben 
keinen Wechsel und wollen gewöhnte 
Dinge nicht vermissen. Kommen beide 
selten in die Welt, so werden sie ohne 
fremde Anregung gewiss selten an eine 
Veränderung des Gartens denken. Sie 
bemerken gar nicht, wie alles um sie 
her anders wird, obschon der Eindruck 
selbst auf ihre Stimmung Einlluss hat. 
Es kommt ihnen alles so eng, so klein, 
18 * 



268 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



so düster und bedrückt, vor gegen sonst, 
und sie schieben wohl gar diese Ge- 
fühle auf ihr Alter, und bemerken nicht, 
dass die sonst sonnige Rasenfläche zwi- 
schen den hoch und breit gewachse- 
nen Bäumen nur noch eine schmale 
Lichtung ist , dass die sonst getrennten 
Gruppen zu einem Hain zusammenge- 
wachsen sind und sich die Baumkronen 
fast berühren, dass die sonst freundli- 
chen Fichten und Tannen , die wie fri- 
sche Weihnachtsbäume entgegenlachten, 
mächtige hohe, aber düstere Bäume ge- 
worden sind. Man bemerkt vielleicht, 
dass eine Aussicht verwachsen ist, und 
schneidet einige Aeste weg, oder macht 
einen alleemässigen Durchhau. Aber es 
wird nicht besser. Da kommt ein Ken- 
ner landschaftlicher Schönheit und deckt 
alle Uebelstände auf, sucht vielleicht zu 
einer Veränderung zu stimmen. Schwer 
wird es halten , die Einwilligung dazu 
zu bekommen. Geschieht es aber und hat 
die Axt in künstlicher Weise gewirth- 
schaftet, sind die Spuren der gewaltsa- 
men Verjüngung erst wieder verwischt, 
dann lebt auch das Alter wieder auf, es 
kann sich kaum von dem Orte trennen, 
der vorher unheimlich war, und der Gar- 
ten trägt wesentlich dazu bei, den Abend 
des Lebens heiter zu erhalten. 

Volle Pflanzung ist häufig ein Feh- 
ler , wird aber auch oft mit Vorbedacht 
ausgeführt. Der Pflanzer täuscht sich 
häufig in der Grösse des Gartens; denn 
die leere Fläche sieht immer gross aus. 
Er will gern viel anbringen, Mannigfal- 
tigkeiten erstreben. Er pflanzt Bäume 
in Gärten, die, ausgewachsen, einen zehn- 
mal grösseren Raum verlangten, weil er 
diese Bäume besonders liebt, vielleicht, 
weil er sie gerade hat, oder weil es der 
Besitzer wünscht. Dieser Fehler fällt 
besonders bei Anlagen von kleinen Land- 
schaftsgärten vor und selbst kenntniss- 



volle Gärtner verfallen darein. Sie kön- 
nen der Versuchung nicht widerstehen, 
mehr aus dem Garten machen zu wol- 
len, als er eigentlich, künstlich betrach- 
tet, gestattet; sie täuschen sich in der 
Vergegenwärtigung der zukünftigen Aus- 
bildung der Bäume oder denken: darü- 
ber vergehen wohl hundert Jahre — 
vielleicht auch gar nichts. Noch häufi- 
ger verfallen Anfänger in diesen Fehler, 
und es gibt wohl kaum einen Land- 
schaftsgärtner , der in dieser Beziehung 
vorwurfsfrei wäre. Mit Vorbedacht an- 
gelegte volle Pflanzungen kommen überall 
vor. Hierzu können verschiedene Gründe 
bewegen. Der hauptsächlichste ist, bald 
eine gewisse Wirkung hervorzubringen, 
vor allem Schatten und gebrochenes 
Licht. Niemand legt einen Garten haupt- 
sächlich für die spätere, sondern stets 
für die nähere Zukunft an , denn wer einen 
Garten anlegt, oder anlegen lässt, will 
sich dessen noch erfreuen und pflanzt 
nicht bloss für die Nachkommen. Es 
ist selbstverständlich , dass man durch 
die Menge der Bäume und Sträucher 
hervorzubringen sucht, was später durch 
die Grösse erreicht wird. Um eine ähn- 
liche Wirkung hervorzubringen , wie 3 
oder 4 alte Bäume , braucht man in ei- 
nem Alter von 15 — 20 Jahren deren 
15 — 20, früher noch mehr. Will man 
also den Garten ziemlich fertig erschei- 
nen lassen, so muss man mehr pflanzen, 
als in Zukunft bleiben soll, und daraus 
geht hervor, dass die überflüssigen Holz- 
pflanzen später weggenommen werden 
müssen, so wie sie entbehrlich sind. 
Es ist auch eine bekannte Sache , dass 
alle Holzarten in einem gewissen Schluss 
und gegenseitiger Beschattung besser 
wachsen, als ganz freistehend. Manche 
Pflanzungsformen lassen sich überhaupt 
besser und natürlicher herstellen, als 
wenn sogleich ganz licht gepflanzt wird, 



I. Originalabhandlungen. 



269 



so z. B. die Haine. Es sieht fast lä- 
cherlich aus, wenn die Bäumchen, wel- 
che den künftigen Hain hilden sollen, 
als kleine Pflänzlinge gesetzt werden, 
alle einzeln an Pfähle befestigt und mit 
einer Erdscheibe umgeben sind, wie bei 
Obstbäumen. Pflanzt man dagegen das 
ganze Stück , welches der Hain muth- 
masslich einnehmen wird , voll, indem 
man ausser der Holzart, welche den 
Hain bilden soll, allerlei gewöhnliche 
Holzarten einpflanzt , und bildet den 
Hain durch Lichten, so werden später, 
wenn man nicht alle überflüssigen Holz- 
arten mit einverpflanzt und so die Pflan- 
zungen gleichsam als Baumschule be- 
nutzt , Aushauungen nöthig. Das eine 
Beispiel für viele. 

Ich wiederhole es noch einmal: der 
Pflanzer kann die verschiedensten Gründe 
haben, warum er dichter als nöthig 
pflanzte. Er erwartet , dass nach ihm 
Andere kommen, welche in seinem Geist 
fortarbeiten, vielleicht dass er selbst die 
wichtigsten Veränderungen noch ausfüh- 
ren wird. Aber wie selten ist dies dem 
Pflanzer vergönnt ! Wie häufig muss er 
nicht seinen Wirkungskreis verlassen, 
oder wird nie wieder um Eath gefragt, 
weil die Meisten glauben, nach vollen- 
deter Pflanzung sei der Garten fertig; 
wie oft rafft ihn nicht der Tod weg, ehe 
er Hand anlegen konnte ! Die Folge da- 
von ist, dass die Pflanzung und die 
ganze Anlegung anders wird, als der 
pflanzende Künstler beabsichtigte, dass 
später Unschönheiten und Fehler sicht- 
bar werden. 

Diess ist die Hauptursache, warum 
man so häufig schlechte oder unsinnige 
Pflanzungen und selbst ganze Anlagen 
sieht, und den Pflanzer trifft oft unver- 
dienter Tadel. Als ein gutes Mittel, die 
künftige Ausbildung der Anlagen im 
Sinne des Pflanzers zu sichern , auch 



nachdem derselbe vom Schauplatze ab- 
getreten, betrachte ich eine Art Testa- 
ment, eine schriftliche Verfügung über 
die hauptsächlichsten Pflanzungen, wie 
diese in Zukunft gehalten und durch 
die Axt verändert werden sollen. Diese 
Niederschrift müsste in die Hände des 
Besitzers gelegt, und neuen Besitzern 
als ein Actenstück übergeben werden. 
Zugleich müsste der Gärtner eine Ab- 
schrift haben, damit er den Besitzer er- 
innern und die Sache mit ihm bespre- 
chen kann. Allerdings wird es vorkom- 
men, dass die Verfügung nicht ausführ- 
bar ist, weil sich die Sache anders ge- 
staltete, als der Pflanzer dachte. 

Wenn man nicht sogleich zwanzig- 
jährige und ältere Bäume pflanzt, so wird 
eigentlich ein Garten erst nach zwanzig 
und mehr Jahren fertig. Bis dahin ver- 
langen die Holzarten hie und da Nach- 
hülfe und die Pflanzungen fortwährende 
Auslichtungen, theils um die beabsich- 
tigte Wirkung hervorzubringen , theils 
um das bessere Fortkommen der einzel- 
nen Pflanzen zu fördern. 

Da leider die Gartenbesitzer, wohl 
auch Gärtner an ein solches Fortarbei- 
ten mit der Axt nicht denken, so will 
ich zur Verstärkung meiner Angaben 
einige Aussprüche anerkannter Autoritä- 
ten anführen. Fürst Pückler- Muskau 
sagt: „es ist durchaus ein Ding der Un- 
möglichkeit, einen grossen ausgedehnten 
Park so zu pflanzen, dass er, ausge- 
wachsen, ganz dasselbe Bild, wie früher, 
nur im veränderten Maassstabe biete 
und das Ganze dann als für immer im 
rechten Verhältniss zusammenstehend, 
betrachtet werden könne, — denn die 
Natur lässt sich nicht so genau berech- 
nen, auch würde viel Zeit verloren 

gehen Das Hauptwerkzeug des 

Erhaltens und Fortbestehens ist die Axt. 
Sie darf keinen Winter ruhen, oder es 



270 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



geht uns wie dem Zauberlehrling mit 
dem Wasserträger — sie wachsen uns 
über den Kopf. Die Axt ist eben so 
nöthig, um den Pflanzungen die an je- 
dem Orte verlangte Höhe zu erhalten, 
als auch die zu ihrer Schönheit nöthige 
Dichtigkeit zu erlangen, sie luftig zu er- 
halten, und vor dem Unterdrücktwerden 
zu sichern." An einem anderen Orte 
sagt er: „Wenn ich mir denke, dass ich 
z. B. den Muskauer Schöpfungen 100 
Jahre vorstände , so bin ich überzeugt, 
dass am Ende dieses Säculums ein to- 
tal von dem jetzigen verschiedenes Bild, 
eine gänzlich veränderte Anlage da sein 
würde und schon im Uebergange jähr- 
lich Nuancen, dennoch aber zu jeder Zeit 
ein vollständiges harmonisches Ganze." 
Rehder, der verstorbene Garteninspec- 
tor des Fürsten, welcher den Park von 
Muskau mitpflanzte und eine lange Reihe 
von Jahren verwaltete und den berühm- 
ten Park im herrlichsten Zustande er- 
hielt, äussert Folgendes*): „Die besten 
Anlagen, die sich nüt jedem Jahre schö- 
ner und vollkommener darstellen muss- 
ten, sind durch das Unterbleiben des richti- 
gen Hauens und Wegnehmens der schäd- 
lichen Bäume nach 25 — 30 Jahren dem 
gewissen Verderben nahe, wenn nicht 
noch gerade in dieser Wachsthumsperiode 
ein rettender Engel erscheint. Die Bäume, 
welche zur Vervollständigung und zur 
nöthigen Höhe der Pflanzungen für die 
ersten Jahre in der Regel reichlicher 
angepflanzt werden, als nöthig ist, sind 
zusammen als Stangenholz aufgewach- 
sen, haben die niedrigen und bessern 
Gehölze verdrängt , erdrückt und zum 



*) Verhandlungen des Vereins zur Beför- 
derung des Gartenbaues in den königl. preus- 
sischen Staaten, XV111. Band (1847) in einem 
Aufsatze über Ausbesserungen der Pflanzun- 
gen in Parkanlagen, 



Theil schon getödtet , und man sieht 
mitten im Sommer jede Gränze und quer 
durch die sonst gut benützte Anlage- 
Fläche Unkenntniss vom Wachs- 

thum der Bäume und der der daraus 
entstehenden nachtheiligen Folgen, auch 
; oft Caprice der Vorgesetzten oder des 
■ Besitzers erlauben dem Gärtner in den 
mehrsten Fällen nicht, irgend einen Baum, 
sei er auch für das daneben stehende 
Bessere noch so störend, wegzunehmen, 
obschon es leicht fasslich ist, dass nur 
schöne hervorragende Baummassen in 
den Pflanzungen, durch Trennung und 
Befreiung von nebenstehenden wenigen 
| guten Arten und Baumgruppen auf dem 
Rasen nur dann eine schöne malerische 
Form entwickeln , wenn sie freistehen 
und sich überall hin frei ausdehnen kön- 
nen." 

In ähnlicher Weise spricht sich Herr 
Petzold *) aus, ein Schüler des Fürsten 
Pückler und Rehder's, dem das Glück 
zu Theil wurde, im Sinne des Schöpfers 
von Muskau fortzuarbeiten und den be- 
rühmten Park vor dem Verfalle zu si- 
chern, und der ausserdem an verschie- 
denen Orten die grossartigsten Aushau- 
ungen mit bestem Erfolg ausgeführt hat. 
Er sagt unter anderem: „Es gibt in je- 
dem Parke gewiss viele Partien, welche 
sich bei der ersten Anlage ganz gut, 
vielleicht vortrefflich gemacht haben, 
wenige Jahre darauf aber nicht mehr 
zu einander passen, da die Bäume und 
Sträucher grösser gewachsen sind und 
sowohl unter sich , als auch im Ganzen 
nicht mehr im Verhältniss stehen, wel- 
ches uns dieselben früher schön finden 
Hess. Das Ganze scheint dann über- 
füllt und unruhig, einzelnstehende Bäume 
und Baumgruppen , wenn sie zu dicht 

*) „Der Park von Muskau," Hoyerswerda 
(1855). 



Originalabhandhmgen. 



271 



von den Andern umgeben sind, sind be- 
hindert, sich malerisch auszubilden und 
darzustellen. Im Anfange thaten 20 — 
30 und noch mehr Bäume und Sträu- 
cher kaum die Wirkung, welche im aus- 
gewachsenen Zustande 2 — 3 schöne 
Bäume weit besser thun; die Uebrigen 
müssen also entfernt werden." 

Jeder erfahrene Landschaftsgärtner 
und Vorsteher eines gut und so zu sa- 
gen jung gehaltenen Parkes wird diese 
ausgesprochenen Ansichten theilen. Ich 
will nun, da ich die Notwendigkeit der 
wiederkehrenden Hauungen hinlänglich 
bewiesen habe, für diese selbst einige 
Regeln geben und kann mich nach dem 
Vorhergehenden dabei kurz fassen. 

Die nothwendigste, oft wiederkehrende 
Arbeit bei allen Holzpflanzungen ist die 
sogenannte Durchforstung oder allmäh- 
lige Auslichtung. Sie hat den Zweck, 
alles Holz, welches anderem Schaden 
thun kann und entbehrlich ist , zu ent- 
fernen, so das bleibende zu kräftigen 
und seine vollkommene Ausbildung zu 
befördern. Hierbei wird stets das schwä- 
chere und unterdrückte Holz beseitigt 
und dabei die ganze Holzart begünstigt, 
welche in der Pflanzung vorherrschen 
soll. Dass nebenbei die Pflanzungen 
Nutzen abwerfen, ist nicht zu verachten. 
Es versteht sich von selbst , dass die 
Durchforstung der Parkanlagen , wenn 
es nicht wirkliche Waldstücke sind, nicht 
in der gewöhnlichen forstlichen Weise 
vorgenommen wird. Eine Ausnahme be" 
wirkt schon der Umstand, dass man die 
noch verpflanzbaren Holzpflanzen, wenn 
man sie zu neuen Pflanzungen braucht 
oder verkaufen kann , mit den Wurzeln 
ausrodet. Auch die Lichtstelle ist im Park 
eine andere. Im Forste sucht man viel 
Holz und hohe Stämme zu erziehen, 
gleichviel, ob die Kronen schön sind, 
und lichtet nur so weit, dass die Bäume 



immer in Schluss stehend, d. h. dass 
sich die Kronen fast berühren und nur 
oben ganz frei sind, während man im 
Park vor Allem auf die Ausbildung voll- 
kommener Kronen sieht und mit weni- 
gen Bäumen und Sträuchern möglichst 
viel zu decken sucht. In den meist ge- 
lockerten Boden des Parks können auch 
die Holzpflanzen früher eine lichte 
Stellung vertragen, während im Forste 
der Boden beschattet bleiben muss. Fer- 
ner weicht die Parkdurchforstung darin 
ab, dass man diejenige Holzart am mei- 
sten begünstigt, welche die Schönheit 
befördert , und von welcher der Künst- 
ler die beste landschaftliche Wirkung 
erwartet ; während man im Forst die 
ergiebigste oder zur Bodenverbesserung 
nothwendige Holzart vorherrschen lässt. 
Bei der Durchforstung muss der Gärt- 
ner meist die einzelnen Holzpflanzen 
selbst bezeichnen oder immer dabei 
sein , oder er muss die Geschäfte 
einem hinreichend unterrichteten Gehül- 
fen übertragen. Gibt man den Holzma- 
chern das Aufarbeiten des Holzes in 
Accord , so lässt man diese Arbeit erst 
einige Zeit nach dem Hiebe verrichten, 
damit die Arbeiter zur Erhöhung ihres 
Verdienstes nicht noch nachträglich Holz 
abhauen können, was man sogleich an 
den frischen Hiebflächen sieht. Diese 
Durchforstung hört im Park nie auf. Ist 
die Anlage sehr gross , so wird jeden 
Winter eine besondere Abtheilung vor- 
genommen und der Plan so eingetheilt, 
dass man ungefähr alle drei Jahre 
herum kommt, damit man nicht jedes 
Jahr alle Pflanzungen durchgehen muss. 
Ich wiederhole noch einmal, dass die 
Durchforstung nur die Lichtstellung zum 
Vortheile der bleibenden Holzpflanzen 
bezweckt, nicht aber malerische Wir- 
kungen. 

Sobald eine wirkliche Veränderung 



272 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



der Pflanzungen eintreten soll , beginnt 
eine andere Art der Hauung, die ich 
mit dem sogenannten Fehmelbetrieb oder 
der Plante rwirthschaft der Forstleute 
im umgekehrten Sinne vergleichen möchte. 
Bei dem Fehmelbetrieb werden nämlich 
überall in der ganzen Holzung diejeni- 
gen Stämme gehauen, welche gerade 
gebraucht werden und den meisten Nutzen 
gewähren. Im Park dagegen werden 
überall diejenigen Hölzer geschlagen, 
welche die Wirkung der bleibenden be- 
einträchtigen. Diese sind entweder blos 
erhaltend, d. h. sie bezwecken die Er- 
haltung der gewünschten Formen, oder 
sie sind verändernd, wenn man auffäl- 
lige Veränderungen , ein ganz anderes 
Ansehen, eine andere Wirkung der Pflan- 
zung hervorbringen will. Wie diese 
Hauungen durchzuführen sind , ist nun 
Sache des Gärtners als Künstler und 
hängt von den beabsichtigten Wirkun- 
gen ab. Besondere Regeln lassen sich 
dafür nicht aufstellen. Bald müssen 
Aussichten erhalten oder wieder geöff- 
net werden. Bald verlangt eine Pflan- 
zung unten grössere Dichtigkeit (welche 
durch vollständigen Abtrieb auf Stock- 
ausschlag oder auch blos durch Zurück- 
schneiden erreicht wird); oder sie soll 
unten eine Durchsicht oder oben eine 
andere Wipfellinie bekommen. Zu ein- 
förmig gewordene Aussenlinien (Umrisse) 
werden durch Einschnitte , Buchten und 
durch hervortretende Bäume und freie 
Stämme mannigfaltig und malerisch ge- 
macht. Schwerfällige Massen werden 
getrennt oder ganz in Gruppen gestellt, 
um verschiedenartige Lichtungen her- 
vorzurufen. Oder man findet es zweck- 
mässig, einen Gegenstand zu decken, 
oder ein Bild zu begrenzen und einzufas- 
sen, oder einer Ansicht mehr Tiefe und 
scheinbare Grösse zu geben. Pflanzun- 
gen, in denen kein rechter Trieb mehr 



ist, sind zu verjüngen. So können hun- 
dert verschiedene Rücksichten bei den 
Hauungen massgebend sein. Nur wald- 
artige Pflanzungen bleiben im Innern in 
der Hauptsache unverändert; erstens, 
weil nur so der Charakter des Waldes 
gewahrt wird; zweitens, weil ins Ein- 
zelne gehende Aushauungen zu viel 
Mühe und Kosten machen würden, ohne 
eine wesentliche Wirkung hervorzubrin- 
gen. Man begnügt sich hier mit einer 
forstmässigen Durchforstung d. h. Ent- 
fernung des schwächlichen schädlichen 
Holzes. — Auch bei den Pflanzun- 
gen nimmt man in grossen Anlagen 
die Pflanzungen parthien - oder schlag- 
weisc vor, damit man nicht jedes Jahr 
in allen Pflanzungen zu thun hat, 

Ausser dem förmlichen Abtrieb , sei 
es auf Wiederausschlag oder auf völli- 
ges Beseitigen der Hölzer abgesehen, 
muss im Park noch eine andere Holzung 
vorgenommen werden. Nicht immer ist 
es nöthig, die einzelnen Bäume oder 
Sträucher wegzunehmen, oder auf Wur- 
zelstock zu setzen; denn häufig genügt 
zu einer beabsichtigten Wirkung schon 
ein theilweises Einschneiden und Aus- 
schneiden oder Ausputzen, und es wäre 
thöricht, in solchen Fällen gleich die Axt 
anzulegen. Schneidet man ganze Bäume 
aus, um eine Aussicht zu eröffnen oder 
eine abwechselnde Wipfellinie zu erzie- 
len, so muss es der Art geschehen, dass 
wo möglich keine Stumpfe stehen blei- 
ben, wenigstens nicht gesehen werden, 
und schneidet nicht etwa alle Aeste ein, 
sondern nur die störenden ganz aus. 
Nur im Innern der Krone mögen Aeste 
blos ausgeschnitten werden, auf diese 
Weise bleibt die Form der Krone natür- 
lich. Ein solches Einschneiden ist müh- 
sam und schwierig, weil es leicht zu 
sehr in die Augen fällt und erfordert 
eine Meisterhand. Es sind dazu immer 







Fatbendr.T A.XoTb Nb£. 



I. Originalabhandlnngen. 



273 



mehrere Personen nöthig: der Künstler, 
welcher angibt, und die Ausführenden, 
in manchen Fällen, z. B. wenn der Be- 
fehlende im Fenster eines Hauses , oder 
auf irgend einem entfernten Platze sich 
aufstellt, ausserdem noch Mittelsperso- 
nen und Boten , die gleichsam telegra- 
phiren. Soll oder kann der Befehlende 
nicht dabei bleiben , so muss er in sei- 
ner Gegenwart die einzuschneidenden 
Bäume durch stark sichtbare Zeichen, 
am besten durch Fähnchen in geeifrje-. 
ter Höhe bezeichnen ; assen . Solche 
Fähnchen £j nC [ überhaupt bei allen wich- 
tigen Hauungen zu gebrauchen; denn 
oft kann man in grosser Entfernung nicht 
mehr unterscheiden , welcher Baum im 
Wege stehet oder freigestellt werden 
soll, und doch sind viele Ansichten nur 
auf grössere Entfernung berechnet. Zu 
diesem Zwecke ist ein gutes Glas von 
grossem Nutzen*), Da übrigens solche 
Köpfungen schwer ausführbar und oft 
halsbrechend sind, auch in Bezug auf 
die Wirkung nicht immer nach Wunsch 
ausfallen , so thut man oft besser , die 
störenden Bäume ganz wegzunehmen 
und , wenn es sein muss , durch andere 
zu ersetzen. Handelt es sich darum, 
eine Pflanzung immer in gleicher Höhe 
zu erhalten, so ist es überhaupt vorteil- 
hafter in jeder Beziehung , überall die 
höchsten Bäume ganz herauszunehmen 
oder sehr tief zu köpfen , um die Bil- 
dung einer neuen Krone zu bezwecken. 
Werden andere zu hoch, so kommt an 
diese die Reihe. Auf diese Weise ist 
es einem geschickten künstlerischen Gärt- 
ner möglich, eine Pflanzung fast in stets 
gleicher Form und ewig jung zu er- 
halten. Schrecklich für das an natür- 

*) Fürst Pückler bedient sich dabei immer 
einer auf seinem Spazierstocke angebrachten 
Lorgnette. 



liehe Schönheit gewöhnte Auge sind 
Köpfungen und Durchhaue, wo alle Bäume 
in gerader Linie geköpft werden, und die 
Seiten wie eine Wand aussehen, wie 
man sie häufig im Walde , wohl auch 
in Parkanlagen ausgeführt sieht. Selbst 
wenn man sich die Mühe gibt, die Durch- 
sicht abzurunden, ist sie noch im hohen 
Grade unnatürlich ; denn dann sieht sie 
aus, wie eine Rinne. Hierbei darf die 
Hand des Menschen nie bemerkbar wer- 
den. Die Spuren davon müssen wenig- 
stens bald unsichtbar werden. Die Haupt- 
sache ist , dass überall einzelne , die 
Aussicht nicht hemmende Wipfel und 
Seitenäste hervorstehen. Bei Aussich- 
ten von Anhöhen genügt meistens schon 
das Abhauen oder Köpfen der näher- 
stehenden Bäume. Solche Aussichten 
über Wipfel sind immer schöner , als 
schmale Durchaue bis auf den Boden. 
Eine Aussicht darf nie alleemässig aus- 
fallen und muss, durch grössere Holz- 
flächen gehend, immer eine gehörige 
Breite haben. — Nadelholzbäume köpfe 
man nur im dringendsten Falle. Muss 
es aber geschehen und zieht man nicht 
die gänzliche Entfernung vor , so müs- 
sen die Spitzen dicht über einem Ast- 
quirl abgehauen werden, so dass von 
unten der Hieb nicht gesehen wird. 
Kann man die obersten Aeste in die 
Höhe und zusammenziehen, so ver- 
schwindet die Missgestalt grossentheils > 
diess wird sich jedoch selten ausführen 
lassen. Uebrigens bilden auch grosse 
Nadelholzbäume häufig niedere Spitzen. 
Zuweilen ist es nöthig, Bäume und 
Sträucher stark zurückzuschneiden, um eine 
neue Verpflanzung mit der bestehenden 
zu verbinden , und in diesem Falle ist 
es sogar zweckmässig, in die alte Pflan- 
zung Lücken zu hauen und diese neu 
anzupflanzen, weil so ein natürlicher 
Uebergang vermittelt wird und die neuen 



274 



Gartenflora Deutschlands und der Schweiz. 



Pflanzungen mehr Luft und Licht be- 
kommen. Dabei werden die vorhande- 
nen Bäume aber so eingeschnitten, wie 
es oben bei den grossen Bäumen ver- 
langt wurde, so dass die gewaltsame 
Massregel so wenig als möglich bemerkt 
wird. Man will nur die Wirkung, 
nicht die Arbeit selbst sehen. 

Im grossen Parke wird, ausser wenn 
besondere Wirkungen hervorgebracht wer- 
den sollen und wenn die Deckung und 
die Erhaltung der Bäume und Ordnung 
es nöthig macht , nie an den Bäumen 
oder Gebüschen etwas geschnitten. Das 
würde nicht nur eine ungeheure Arbeit 
verursachen, sondern auch die natürliche 
malerische Ausbildung der Gehölze ver- 
hindern und ein steifes Ansehen hervor- 
bringen. Selbst trockenes Holz darf 
nicht immer entfernt werden, so z. B. 
nicht an alten ehrwürdigen Eichen, aus- 
ser , wenn noch eine Verjüngung mög- 
lich erscheint; denn solche Aeste sehen, 
namentlich an Eichen höchst malerisch 
aus. Mitunter hat sich aber ein frei- 
stehender Baum mit regelmässigem Kron- 
bau z. B. eine Linde von selbst oder in 
Folge früher Beschneidung oder Köpfung 
so rund und steif gebaut, dass er miss- 
fällt. In diesem Falle kann man durch 
Wegnahme einiger starken Aeste Lücken 
und tiefe Einschnitte in der Krone her- 
vorbringen und so eine im malerischen 
Sinne schöne Krone bilden. Solche 
Fälle sind indessen selten und auch ku- 
gelige Kronen sind hie und da am rech- 
ten Platze. 

Zurück gehende, kein frisches Wachs- 
thum mehr zeigende oder von unten in 
den Aesten kahl gewordene Kronen müs- 
sen bis auf starke Aeste, oder bis auf den 
Stamm abgeworfen oder geköpft werden, 
und es vertragen dies alte Bäume gut, 
welche leicht aus dem Stocke ausschla- 
gen. Der Baum muss übrigens noch 



Lebens- und Wuchskraft genug haben, 
wenn dies gewaltsame Verfahren hel- 
fen soll, und es ist soviel als möglich 
zu vermeiden. Oft vergehen viele Jahre, 
ehe der Baum wieder gut aussieht, und 
immer bekommt er eine steife , unnatür- 
liche Krone, die auf die oben erwähnte 
Weise durch Ausschneiden der starken 
Aeste wieder ein natürliches Aussehen 
bekommen muss. Am häufigsten kommt 
ein solches Köpfen bei Alleen vor, und 
wenn Gebäude gedeckt werden sollen 
oder von den Bäumen leiden. Hier ist 
es oft unvermeidlich , und durch recht- 
zeitiges Köpfen wird häufig die Pflan- 
zung noch viele Jahre erhalten. 

Gebüsche , welche unten kahl wer- 
den, müssen zuweilen ganz auf altes 
Holz eingeschnitten werden ; denn der 
Strauch, das Buschholz muss bis auf 
den Boden grün und voll sein. Wird 
übrigens noch rechtzeig gelichtet bei der 
Pflanzung und in den meisten folgenden 
Jahren der Schnitt richtig ausgeführt, 
so tritt dierer Fall bei freistehenden 
Gruppen selten ein. — 

Ganz anders ist es im Blumenpark, 
das ist der mit Blumen verzierte, garten- 
mässig gehaltene kleine Landschafts- 
garten. Hier wird das Hauen und Be- 
schneiden noch gewissenhafter ausge- 
führt und es ist nöthig, dass die Sträu- 
cher , besonders an den Rändern im 
Schnitt gehalten und die Stämme stets 
frei von Räubern und Wurzeltrieben ge- 
halten werden (was übrigens auch bei 
frei gesehenen Parkbäumen der Fall sein 
muss). Die Gesträuche müssen nicht 
nur immer in gehöriger Form gehalten, 
sondern auch an den Rändern der Dich- 
tigkeit wegen zurückgeschnitten werden; 
ebenso, wenn die Wege beengt oder 
Blumen vor den Gesträuchen angebracht 
werden. Diese Nothwendigkeit hat zu 
dem üblen Gebrauch geführt, alle Busch- 



I. Originalabhandlungen. 



275 



ränder im Schnitt zu erhalten. Dies 
ist höchst fehlerhaft. Dadurch wird nicht 
nur die natürliche Form verdorben, und 
jenes schöne , malerische Ueberhängen 
und Vortreten verhindert, sondern es 
wird auch häufig die Blüthe dadurch 
vernichtet. Die sogenannte Ausladung 
(um mit den Malern zu reden) , das 
starke Hervortreten aus der Holzmasse 
ist eine an den Holzpflanzen nicht ge- 
nug zu schätzende Eigenschaft, die man 
befördern, aber nicht durch Schneiden 
verhindern sollte. Wählen doch den- 
kende Künstler für die Holzränder und 
Aussenlinien vorzugsweise Holzarten mit 
schönen Ausladungen; wie unsinnig ist 
es daher, diese reizende Unregelmässig- 
keit zu beseitigen und durch den Schnitt 
unmöglich zu machen! Man beschränke 
sich daher bei dem Beschneiden auf das 
Notwendigste , schneide hie und da 
einzelne kahle und zu hoch gewordene 
Rundpflanzungen ganz zurück und sorge 
durch einen überlegten Schnitt, dass die 
Randpflanze immer voll und schön bleibt. 
Stehen Sträucher am Rande , die fort- 
während unten kahl bleiben (z. B. Lo- 
nicera tatarica) , so beseitige man sie, 
denn sie passen nicht hierher. Viele 
schön blühende Sträucher blühen nicht, 
wenn sie geschnitten werden, bei andern 



befördert der Schnitt den Blüthenreich- 
thum, doch ist letzteres selten der Fall. 
Muss man daher blühende Sträucher 
schneiden, so geschehe es nur bei ein- 
zelnen, nicht bei allen einer Pflanzung 
zu gleicher Zeit, damit es immer Blü- 
then gibt. Einzelne Sträucher müssen 
dann stark geschnitten werden, um dann 
wieder mehrere Jahre unberührt zu blei- 
ben. Blühende Sträuclier, welche den 
Schnitt nicht vertragen und doch kahl 
werden, oder zu stark wachsen, beseitige 
man lieber ganz aus der Randpflanzung. 
Wenn Blumen vor Gebüsch gepflanzt 
werden, was übrigens nur hie und da an 
besonders in die Augen fallenden Stel- 
len, keineswegs aber von allen Rändern 
der Fall sein darf, wie es häufig geschieht, 
so müssen diese das Gebüsch decken, 
oder so weit davon aufgestellt werden? 
dass sie, ohne die Sträucher hecken- 
mässig beschneiden "zu müssen, gut fort- 
kommen. Man wähle übrigens an Ge- 
büschrändern vorzugsweise solche, die 
sich in überhängender Stellung gut aus- 
nehmen. — An Wegen werden die 
Gebüsche durch vieles Beschneiden häufig 
wie Hecken. Dies ist immer hässlich, 
und man muss die Randpflanzung mög- 
lichst zurückzudrängen suchen. 



3) Heber die Elemente der Wirkung in der Gartenkunst. 

Von Herrn C. Loewe, Gartenkünstler in Zürich. 



(Fortselzung.) 



Kent , der Engländer, löste die Poe- 
ten in der natürlichen Gartencomposi- 
tion ab und trug die Gedanken in die 
Wirklichkeit. — Er war ursprünglich 
Maler und bemerkte die Aehnlichkeit 
der Landschaftsmalerei mit der Garten- 



kunst im Principe; er wurde Gärtner 
und Baumeister, blieb aber Maler als 
Gärtner und Baumeister. Daher sah er 
im Garten wesentlich nur auf die Far- 
benwirkung und auf das malerische 
Princip , vernachlässigte darob die For- 



276 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



men, quälte die Architectur und sün- 
digte gegen die Wahrheit. Seine An- 
hänger und Nachfolger dehnten seine 
Manier noch weiter aus, bis zu den äus- 
serten Extravaganzen, führten Brücken 
ohne Wasser und falsche Fagaden ein, 
einzig des malerischen Effektes wegen 
und kamen zuletzt so weit, dass sie die 
Malerei förmlich mit der Gartenkunst 
vermischten und auf Bretter und Mauern 
gemalte Aussichten , Gebäude , Statuen, 
Felsen, Wasserfälle u. dgl. anwendeten. 
Dahin war man am Ende von der abso- 
luten Naturnachahmung nach dieser Rich- 
tung hin abgekommen. Doch, auch diese 
Uebersteigerung des Malerischen in der 
Gartenkunst ist nun glücklich überwun- 
den , die groben Farbenklexe fielenbald 
als verdorrte Schuppen ab , das fei- 
nere ätherische Farbenlebcn blieb, um 
in ihren Geist hineinzuwachsen, und heute 
hat es den Anschein, als könnten nur 
noch untergeordnete Abnormitäten nach 
dieser Richtung hin entstehen , die 
sich in Farbenlärm statt seelenvollem 
Wechsel, in neben einander gepflaster- 
tem Auftrage , statt harmonischem Aus- 
guss , in Verschleppung statt in Samm- 
lung der Farben bei der Gruppirung, 
bei Anwendung der Blumen und der an- 
gestrichenen Gegenstände der Architec- 
tur hin und wieder äussern. 

Im Wesen der Gartenkunst ist das 
malerische Princip mit eingebunden und 
zwar beim natürlichen Style in einem 
Verhältnisse, dass auch wir schon diese 
Kunst gewissermassen eine Art Malerei 
nannten, deren Farben wirkliche Gegen- 
stände seien ; allein unbedingt domini- 
rend ist das Princip nicht . nur hervor- 
stechend im Consoniren mit den übri- 
gen, höchst einflussreich natürlicherweise 
schon desswegen, weil der Garten vor- 
zugsweise durch das Auge genossen wird. 
Aber die Malerei des Gartens, die Far- 



bengebung, die Reizung des Auges und 
Erregung des Gemüthes durch Farben- 
fülle, Wechsel und Harmonie ist nicht 
einziges Medinm der Correspondenz des 
objectiven Natur- und Kunstgeistes mit 
dem sübjectiven des Geniessenden, son- 
dern es will uns fast scheinen , als seie 
es die Principalsprache , meist nur mo- 
dificirend und secundirend, wie wir spä- 
ter sehen werden. Aber sowohl durch 
Einverleibung des absoluten Farbenle- 
bens und Farbengeistes, als auch des 
Geistes der Malerei als Kunst hat die- 
ses Prinzip den geistigen und körperli- 
chen Typus der Gartenkunst wesentlich 
vervollkommnet. Auf ihm basirt das erste 
Eintreten derselben ins Kunstgebiet durch 
Verleihen absoluter Schönheit, der das 
Auge so sehr fesselnden Farbenschön- 
heit, der die Farbenharmonie und Spra- 
che auf dem Fusse folgt. Das Kunst- 
princip der Malerei construirt im Garten 
aus einer Anzahl wirklicher und sepa- 
rater Gegenstände harmonische Bilder 
und es folgen dieser Eigenschaft eine 
ganze kleine Welt voll abhängiger 
Dinge. Zuerst zieht es alle Gegenstände, 
also besonders auch die der Baukunst 
und Plastik wie eine verführerische Nym- 
phe zu sich in die klare Fluth des rela- 
tiven Scheines und macht sie zum Bilde, 
die Fac,ade hat z. B. gewissermassen 
aufgehört, architectonisches Werk zu 
sein, sie wird ein Theil des landschaft- 
lichen Tableau und daraus leiten sich 
wiederum hundert andere Gesetze für 
den Gärtner und Baumeister ab. Im 
Ferneren sind die Austheilung von Licht 
und Schatten, die Notwendigkeit der 
Ruhepunkte, der Points de vue, -die Ein- 
rahmung hervorstehender Objekte , alles 
Dinge, die im malerischen Kuustprin- 
cipe ihre Wurzel haben, nicht weniger 
die Berücksichtigungen, die der Garten 
bedarf, in dem er von so vielen ver- 



I. Originalabhandlangen. 



277 



schiedenen Punkten aus stets ein Tableau 
darstellen soll, die perspectivischen, op- 
tischen und dioptrischen Geheimnisse 
und Wirkungen, die Aufweisung des Hell- 
dunkels uud Brechung harten Lichtes, 
überhaupt die "Welt der zaubervollen 
Schattengeheimnisse, die Abtheilung des 
Gartens in Vor-, Mittel- und Hinter- 
grund u. s. w., kurz bereits alle Gesetze 
und Eigenheiten der Landschaftsmalerei 
selbst. — In dieser seitlich principiellen 
Verwandtschaft der natürlichen Garten- 
kunst mit der Landschaftsmalerei liegt 
wahrscheinlich der Grund, auf welchen 
Vischer ihren Artcharakter als anhän- 
gende Form der Malerei basirt , allein 
wie uns scheint, fälschlich; — es ist 
ein starkes Anklingen, eine höchstens 
nur specielle Verwandtschaft — mehr 
kaum. Denn wenn auch allerdings der 
landschaftlichen Stylrichtung der Garten- 
kunst eine principielle Verwandtschaft 
im geistigen Typus nachzuweisen ist, so 
ist dieses nicht der Fall im körperlichen; 
ferner beschlägt diese Verwandtschaft die 
symmetrische Stylrichtung sehr wenig, und 
es kann daher, besonders da die Land- 
schaftsmalerei selbst nur wieder ein Ab- 
zweig der eigentlichen Malerei ist, jene 
Verwandtschaft nur eine seitlich spe- 
cielle, keine generelle sein. Der abso- 
lute Schein, der in der Malerei erste Be- 
dingung ist, mangelt bei der Gartenkunst 
gänzlich, oder wäre eine Sünde, wie wir 
bei Kent angedeutet; jede Realität des 
Stoffes , in der Gartenkunst als Reprä- 
sentantin von Wahrheit und natürlicher 
Wirklichkeit erstes Gesetz, erscheint in 
der Malerei als eine Tändelei, wie z. B. 
die Landschaftsstücke mit eingefügten 
Uhren. Weitere wichtige Momente tre- 
ten noch hinzu , jedoch haben wir die- 
ses hier nur im Vorbeigehen gesagt, da- 
mit man nicht einzelne Stellen als Waffe 
gegen uns selbst gebrauche; denn wir 



sind hier eigentlich am Aufbauen, um 
später ausscheiden zu können. — Es 
ist indess höchst wahrscheinlich, dass 
das Aufleben der Landschaftsmalerei um 
die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts 
den ersten Keim zum Uebergang vom 
symmetrischen Styl zum freien, natürlich 
landschaftlichen gelegt hat. Die geistvol- 
len und idealen Landschaftsstücke eines 
Claude Lorrain, Poussin, Ruysdael und An- 
derer mochte die Phantasie der Poeten zu- 
erst anregen und diese bauten die idealen 
Landschaftsbildungen weiter aus und ver- 
allgemeinerten dieselben, so dass, als der 
Uebergang von Kent thatsächlich gewagt 
wurde, sichein gut bearbeiteter Boden im 
Publikum bereits vorfand, woraus sich auch 
der merkwürdig rasche Aufschwung und 
Sieg der neuen Stylrichtung gegenüber 
der alten zum Theil erklären lässt. 

Im Uebrigen bedingt also das Her- 
vorstechen des malerischen Princips die 
besondere Stylrichtung des natürlich 
Landschaftlichen und des ungezwunge- 
nen Künstlichen, gegenüber dem symme- 
trisch Gebundenen, welche Erstcre wir 
heute als vornehmsten Typus der Gar- 
tenkunst ansehen müssen. 

Es liegt offenbar nicht im Charakter 
und der Bestimmung der Gartenkunst, 
mit dem Zaunpfahl auf ihre Gedanken 
hinzuweisen. Dieselben sind feingeisti- 
ger Natur , mehr sentimental und ver- 
schämt und wollen nur durch ein feines 
Gefühl gekostet werden. Zu ihrem vol- 
len Genuss gehört daher eine ausge- 
bildete, durch keine einseitig materielle 
Lebensanschauung und Richtung verdor- 
bene Empfindung. Daher kann nur der- 
jenige Kaufmann, Gelehrte, Krieger oder 
Mann jedes anderen Faches ihr wahrer 
Freund und gründlicher Kenner sein und 
sie vollkommen gustiren, der trotz tiefem 
Eingehen und Ergreifen seines Berufs- 
faches, trotz allen Freudengenüssen und 



278 



Gartenflora Deutschlands nnd der Schweiz. 



Stürmen des Lebens sich jene ruhige, 
heitere , übersichtliche Lebensanschau- 
ung bewährt hat , dessen starker Geist 
in den Fluthen menschlichen Treibens 
nicht unterging und dem die Natur dabei 
ein gutes gefühlvolles Herz gab , wie 
uns viele , wir dürfen sagen , eindringli- 
che Beobachtungen gelehrt haben. Es 
liegt hier wiederum einer der vielen 
radialen Fäden, durch welche sich die 
Gartenkunst so mannigfach mit der Phi- 
losophie verkettet, dessen Verfolgung 
auf sehr interessante Momente führen 
würde, dem wir aber, als ausser unse- 
rer gegenwärtigen Aufgabe liegend, hier 
nicht weiter nachgehen können. Er wird 
indessen weiter unten noch ein Mal 
schärfer in dieselbe eingreifen. In Be- 
zug auf die Art ihrer Wirkung gränzt 
die Gartenkunst mehr ans Gebiet der 
Musik und der reinen Mimik , welche 
ebenfalls vornehmlich auf die Empfin- 
dung influiren. Es ist ein arges Miss- 
kennen ihres Geistes, wenn man von ihr 
Effekte fordert , wie sie die Genre-Male- 
rei, die Dichtkunst u. s. w. geben kön- 
nen; ihre Sprache ist eine andere, ah- 
nungsvollere, die bisher seltener, jeden- 
falls nicht allgemein verstanden wird, 
und weil man sie nicht verstand und 
Knalleffekte wollte , griff man zur Bau- 
kunst und Plastik. Nun besteht zwar 
eine organische Verbindung zwischen 
jeder von diesen beiden und der Garten- 
kunst, die aber vorläufig noch nicht im 
symmetrischen und plastischen Principe 
zu suchen ist, sondern lediglich in den 
Gebilden. So tritt z. B. das Bauwerk 
in vielen Fällen zusammen mit dem Gar- 
ten , um ein neues Medium zu bilden. 
Es ist nun allerdings zuerst das practi- 
sche Bedürfniss gewesen, was das Bau- 
werk und den Garten zusammengeführt 
hat, der practische Nutzen des Gartens 
als Culturland und die Nothwendigkeit, 



einen wohnlichen Raum innert seines 
Culturlandes zum bequemeren Aufent- 
halte und zu anderen Zwecken als Baute 
herzustellen. — Als der stets und 
überall thätige Verschönerungstrieb des 
Menschen , beiden den Stempel seines 
Geistes aufzudrücken begann , traten 
beide in eine innigere und geistigere 
wechselseitige Beziehung zu einander. 
Der Garten wurde zur „erweiterten 
Wohnung" wie ihn der geistvolle 
Pückler nennt, das Bauwerk bildete bald 
den Hauptaugenpunkt für den Garten, 
und da es stets als Inbegriff von häus- 
lichem Zusammenleben, Familiarität und 
täglicher Beschäftigung genreartig wirkt, 
verleiht es dem Garten eine neue , vom 
absolut freien Naturleben und